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title: "Group Psychology and the Analysis of the Ego · Massenpsychologie und Ich-Analyse"
author: "Sigmund Freud"
translator: "James Strachey"
title_de: "Massenpsychologie und Ich-Analyse · Group Psychology and the Analysis of the Ego"
languages: [de, en]
shelf: "Philosophy"
section: 10 of 12
url: https://scriptura.si/works/freud-group-psychology/10/
cite: "Sigmund Freud, tr. James Strachey, Group Psychology and the Analysis of the Ego · Massenpsychologie und Ich-Analyse, section 10. Scriptura (scriptura.si), https://scriptura.si/works/freud-group-psychology/10/"
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# Group Psychology and the Analysis of the Ego · Massenpsychologie und Ich-Analyse

*Sigmund Freud, tr. James Strachey*

German: Massenpsychologie und Ich-Analyse · Group Psychology and the Analysis of the Ego

Freud reads Le Bon and asks what holds a crowd, a church or an army together: identification, love for the leader and the herd instinct, in German and English.

> German: Sigmund Freud, Massenpsychologie und Ich-Analyse (Leipzig, Vienna and Zurich: Internationaler Psychoanalytischer Verlag, 1921), Project Gutenberg #30843.

> English: James Strachey’s translation (London: International Psycho-Analytical Press, 1922), Project Gutenberg #35877. Aligned chapter by chapter, by meaning; footnotes are not included.

## 10. X · The Group and the Primal Horde

Source: https://scriptura.si/works/freud-group-psychology/10/ · cite a paragraph as https://scriptura.si/works/freud-group-psychology/10/#p-N

[¶0] In 1912 I took up a conjecture of Darwin's to the effect that the primitive form of human society was that of a horde ruled over despotically by a powerful male. I attempted to show that the fortunes of this horde have left indestructible traces upon the history of human descent; and, especially, that the development of totemism, which comprises in itself the beginnings of religion, morality, and social organisation, is connected with the killing of the chief by violence and the transformation of the paternal horde into a community of brothers. To be sure, this is only a hypothesis, like so many others with which archaeologists endeavour to lighten the darkness of prehistoric times--a 'Just-So Story', as it was amusingly called by a not unkind critic (Kroeger); but I think it is creditable to such a hypothesis if it proves able to bring coherence and understanding into more and more new regions.

> German: Im Jahre 1912 habe ich die Vermutung von Ch. Darwin aufgenommen, daß die Urform der menschlichen Gesellschaft die von einem starken Männchen unumschränkt beherrschte Horde war. Ich habe darzulegen versucht, daß die Schicksale dieser Horde unzerstörbare Spuren in der menschlichen Erbgeschichte hinterlassen haben, speziell, daß die Entwicklung des Totemismus, der die Anfänge von Religion, Sittlichkeit und sozialer Gliederung in sich faßt, mit der gewaltsamen Tötung des Oberhauptes und der Umwandlung der Vaterhorde in eine Brüdergemeinde zusammenhängt. Es ist dies zwar nur eine Hypothese wie so viele andere, mit denen die Prähistoriker das Dunkel der Urzeit aufzuhellen versuchen -- eine »just so story« nannte sie witzig ein nicht unliebenswürdiger englischer Kritiker (Kroeger) -- aber ich meine, es ist ehrenvoll für eine solche Hypothese, wenn sie sich geeignet zeigt, Zusammenhang und Verständnis auf immer neuen Gebieten zu schaffen.

[¶1] Human groups exhibit once again the familiar picture of an individual of superior strength among a troop of similar companions, a picture which is also contained in our idea of the primal horde. The psychology of such a group, as we know it from the descriptions to which we have so often referred--the dwindling of the conscious individual personality, the focussing of thoughts and feelings into a common direction, the predominance of the emotions and of the unconscious mental life, the tendency to the immediate carrying out of intentions as they emerge--all this corresponds to a state of regression to a primitive mental activity, of just such a sort as we should be inclined to ascribe to the primal horde.

> German: Die menschlichen Massen zeigen uns wiederum das vertraute Bild des überstarken Einzelnen inmitten einer Schar von gleichen Genossen, das auch in unserer Vorstellung von der Urhorde enthalten ist. Die Psychologie dieser Masse, wie wir sie aus den oft erwähnten Beschreibungen kennen, -- der Schwund der bewußten Einzelpersönlichkeit, die Orientierung von Gedanken und Gefühlen nach gleichen Richtungen, die Vorherrschaft der Affektivität und des unbewußten Seelischen, die Tendenz zur unverzüglichen Ausführung auftauchender Absichten, -- das alles entspricht einem Zustand von Regression zu einer primitiven Seelentätigkeit, wie man sie gerade der Urhorde zuschreiben möchte.

[¶2] Thus the group appears to us as a revival of the primal horde. Just as primitive man virtually survives in every individual, so the primal horde may arise once more out of any random crowd; in so far as men are habitually under the sway of group formation we recognise in it the survival of the primal horde.

> German: Für die Urhorde muß insbesondere gelten, was wir vorhin in der allgemeinen Charakteristik der Menschen beschrieben haben. Der Wille des Einzelnen war zu schwach, er getraute sich nicht der Tat. Es kamen gar keine anderen Impulse zustande als kollektive, es gab nur einen Gemeinwillen, keinen singulären. Die Vorstellung wagte es nicht, sich in Willen umzusetzen, wenn sie sich nicht durch die Wahrnehmung ihrer allgemeinen Verbreitung gestärkt fand. Diese Schwäche der Vorstellung findet ihre Erklärung in der Stärke der allen gemeinsamen Gefühlsbindung, aber die Gleichartigkeit der Lebensumstände und das Fehlen eines privaten Eigentums kommen hinzu, um die Gleichförmigkeit der seelischen Akte bei den Einzelnen zu bestimmen. -- Auch die exkrementellen Bedürfnisse schließen, wie man an Kindern und Soldaten merken kann, die Gemeinsamkeit nicht aus. Die einzige mächtige Ausnahme macht der sexuelle Akt, bei dem der Dritte zumindest überflüssig, im äußersten Fall zu einem peinlichen Abwarten verurteilt ist. Über die Reaktion des Sexualbedürfnisses (der Genitalbefriedigung) gegen das Herdenhafte siehe unten.

[¶3] We must conclude that the psychology of the group is the oldest human psychology; what we have isolated as individual psychology, by neglecting all traces of the group, has only since come into prominence out of the old group psychology, by a gradual process which may still, perhaps, be described as incomplete. We shall later venture upon an attempt at specifying the point of departure of this development.

> German: Die Masse erscheint uns so als ein Wiederaufleben der Urhorde. So wie der Urmensch in jedem Einzelnen virtuell erhalten ist, so kann sich aus einem beliebigen Menschenhaufen die Urhorde wieder herstellen; soweit die Massenbildung die Menschen habituell beherrscht, erkennen wir den Fortbestand der Urhorde in ihr. Wir müssen schließen, die Psychologie der Masse sei die älteste Menschenpsychologie; was wir unter Vernachlässigung aller Massenreste als Individualpsychologie isoliert haben, hat sich erst später, allmählich und sozusagen immer noch nur partiell aus der alten Massenpsychologie herausgehoben. Wir werden noch den Versuch wagen, den Ausgangspunkt dieser Entwicklung anzugeben.

[¶4] Further reflection will show us in what respect this statement requires correction. Individual psychology must, on the contrary, be just as old as group psychology, for from the first there were two kinds of psychologies, that of the individual members of the group and that of the father, chief, or leader. The members of the group were subject to ties just as we see them to-day, but the father of the primal horde was free. His intellectual acts were strong and independent even in isolation, and his will needed no reinforcement from others. Consistency leads us to assume that his ego had few libidinal ties; he loved no one but himself, or other people only in so far as they served his needs. To objects his ego gave away no more than was barely necessary.

> German: Eine nächste Überlegung zeigt uns, in welchem Punkt diese Behauptung einer Berichtigung bedarf. Die Individualpsychologie muß vielmehr ebenso alt sein wie die Massenpsychologie, denn von Anfang gab es zweierlei Psychologien, die der Massenindividuen und die des Vaters, Oberhauptes, Führers. Die Einzelnen der Masse waren so gebunden, wie wir sie heute finden, aber der Vater der Urhorde war frei. Seine intellektuellen Akte waren auch in der Vereinzelung stark und unabhängig, sein Wille bedurfte nicht der Bekräftigung durch den anderer. Wir nehmen konsequenterweise an, daß sein Ich wenig libidinös gebunden war, er liebte niemand außer sich, und die anderen nur insoweit sie seinen Bedürfnissen dienten. Sein Ich gab nichts Überschüssiges an die Objekte ab.

[¶5] He, at the very beginning of the history of mankind, was the Superman whom Nietzsche only expected from the future. Even to-day the members of a group stand in need of the illusion that they are equally and justly loved by their leader; but the leader himself need love no one else, he may be of a masterly nature, absolutely narcissistic, but self-confident and independent. We know that love puts a check upon narcissism, and it would be possible to show how, by operating in this way, it became a factor of civilisation.

> German: Zu Eingang der Menschheitsgeschichte war er der Übermensch, den Nietzsche erst von der Zukunft erwartete. Noch heute bedürfen die Massenindividuen der Vorspiegelung, daß sie in gleicher und gerechter Weise vom Führer geliebt werden, aber der Führer selbst braucht niemand anderen zu lieben, er darf von Herrennatur sein, absolut narzißtisch, aber selbstsicher und selbständig. Wir wissen, daß die Liebe den Narzißmus eindämmt und könnten nachweisen, wie sie durch diese Wirkung Kulturfaktor geworden ist.

[¶6] The primal father of the horde was not yet immortal, as he later became by deification. If he died, he had to be replaced; his place was probably taken by a youngest son, who had up to then been a member of the group like any other. There must therefore be a possibility of transforming group psychology into individual psychology; a condition must be discovered under which such a transformation is easily accomplished, just as it is possible for bees in case of necessity to turn a larva into a queen instead of into a worker. One can imagine only one possibility: the primal father had prevented his sons from satisfying their directly sexual tendencies; he forced them into abstinence and consequently into the emotional ties with him and with one another which could arise out of those of their tendencies that were inhibited in their sexual aim. He forced them, so to speak, into group psychology. His sexual jealousy and intolerance became in the last resort the causes of group psychology.

> German: Der Urvater der Horde war noch nicht unsterblich, wie er es später durch Vergottung wurde. Wenn er starb, mußte er ersetzt werden; an seine Stelle trat wahrscheinlich ein jüngster Sohn, der bis dahin Massenindividuum gewesen war wie ein anderer. Es muß also eine Möglichkeit geben, die Psychologie der Masse in Individualpsychologie umzuwandeln, es muß eine Bedingung gefunden werden, unter der sich solche Umwandlung leicht vollzieht, ähnlich wie es den Bienen möglich ist, aus einer Larve im Bedarfsfalle eine Königin anstatt einer Arbeiterin zu ziehen. Man kann sich da nur dies eine vorstellen: Der Urvater hatte seine Söhne an der Befriedigung ihrer direkten sexuellen Strebungen verhindert; er zwang sie zur Abstinenz und infolgedessen zu den Gefühlsbindungen an ihn und aneinander, die aus den Strebungen mit gehemmtem Sexualziel hervorgehen konnten. Er zwang sie sozusagen in die Massenpsychologie. Seine sexuelle Eifersucht und Intoleranz sind in letzter Linie die Ursache der Massenpsychologie geworden.

[¶7] Whoever became his successor was also given the possibility of sexual satisfaction, and was by that means offered a way out of the conditions of group psychology.

> German: Es läßt sich etwa auch annehmen, daß die vertriebenen Söhne, vom Vater getrennt, den Fortschritt von der Identifizierung miteinander zur homosexuellen Objektliebe machten und so die Freiheit gewannen, den Vater zu töten.

[¶8] The fixation of the libido to woman and the possibility of satisfaction without any need for delay or accumulation made and end of the importance of those of his sexual tendencies that were inhibited in their aim, and allowed his narcissism always to rise to its full height. We shall return in a postscript to this connection between love and character formation.

> German: Für den, der sein Nachfolger wurde, war auch die Möglichkeit der sexuellen Befriedigung gegeben und damit der Austritt aus den Bedingungen der Massenpsychologie eröffnet. Die Fixierung der Libido an das Weib, die Möglichkeit der Befriedigung ohne Aufschub und Aufspeicherung machte der Bedeutung zielgehemmter Sexualstrebungen ein Ende und ließ den Narzißmus immer zur gleichen Höhe ansteigen. Auf diese Beziehung der Liebe zur Charakterbildung werden wir in einem Nachtrag zurückkommen.

[¶9] We may further emphasize, as being specially instructive, the relation that holds between the contrivance by means of which an artificial group is held together and the constitution of the primal horde. We have seen that with an army and a church this contrivance is the illusion that the leader loves all of the individuals equally and justly. But this is simply an idealistic remodelling of the state of affairs in the primal horde, where all of the sons knew that they were equally persecuted by the primal father, and feared him equally. This same recasting upon which all social duties are built up is already presupposed by the next form of human society, the totemistic clan. The indestructible strength of the family as a natural group formation rests upon the fact that this necessary presupposition of the father's equal love can have a real application in the family.

> German: Heben wir noch als besonders lehrreich hervor, in welcher Beziehung zur Konstitution der Urhorde die Veranstaltung steht, mittels deren eine künstliche Masse zusammengehalten wird. Bei Heer und Kirche haben wir gesehen, es ist die Vorspiegelung, daß der Führer alle Einzelnen in gleicher und gerechter Weise liebt. Dies ist aber geradezu die idealistische Umarbeitung der Verhältnisse der Urhorde, in der sich alle Söhne in gleicher Weise vom Urvater verfolgt wußten und ihn in gleicher Weise fürchteten. Schon die nächste Form der menschlichen Sozietät, der totemistische Clan, hat diese Umformung, auf die alle sozialen Pflichten aufgebaut sind, zur Voraussetzung. Die unverwüstliche Stärke der Familie als einer natürlichen Massenbildung beruht darauf, daß diese notwendige Voraussetzung der gleichen Liebe des Vaters für sie wirklich zutreffen kann.

[¶10] But we expect even more of this derivation of the group from the primal horde. It ought also to help us to understand what is still incomprehensible and mysterious in group formations--all that lies hidden behind the enigmatic words hypnosis and suggestion. And I think it can succeed in this too. Let us recall that hypnosis has something positively uncanny about it; but the characteristic of uncanniness suggests something old and familiar that has undergone repression. Let us consider how hypnosis is induced. The hypnotist asserts that he is in possession of a mysterious power which robs the subject of his own will, or, which is the same thing, the subject believes it of him. This mysterious power (which is even now often described popularly as animal magnetism) must be the same that is looked upon by primitive people as the source of taboo, the same that emanates from kings and chieftains and makes it dangerous to approach them (mana). The hypnotist, then, is supposed to be in possession of this power; and how does he manifest it? By telling the subject to look him in the eyes; his most typical method of hypnotising is by his look. But it is precisely the sight of the chieftain that is dangerous and unbearable for primitive people, just as later that of the Godhead is for mortals. Even Moses had to act as an intermediary between his people and Jehovah, since the people could not support the sight of God; and when he returned from the presence of God his face shone--some of the mana had been transferred on to him, just as happens with the intermediary among primitive people.

> German: Aber wir erwarten noch mehr von der Zurückführung der Masse auf die Urhorde. Sie soll uns auch das noch Unverstandene, Geheimnisvolle an der Massenbildung näher bringen, das sich hinter den Rätselworten Hypnose und Suggestion verbirgt. Und ich meine, sie kann es auch leisten. Erinnern wir uns daran, daß die Hypnose etwas direkt Unheimliches an sich hat; der Charakter des Unheimlichen deutet aber auf etwas der Verdrängung verfallenes Altes und Wohlvertrautes hin. Denken wir daran, wie die Hypnose eingeleitet wird. Der Hypnotiseur behauptet im Besitz einer geheimnisvollen Macht zu sein, die dem Subjekt den eigenen Willen raubt, oder, was dasselbe ist, das Subjekt glaubt es von ihm. Diese geheimnisvolle Macht -- populär noch oft als tierischer Magnetismus bezeichnet -- muß dieselbe sein, welche den Primitiven als Quelle des Tabu gilt, dieselbe, die von Königen und Häuptlingen ausgeht und die es gefährlich macht, sich ihnen zu nähern (Mana). Im Besitz dieser Macht will nun der Hypnotiseur sein und wie bringt er sie zur Erscheinung? Indem er die Person auffordert, ihm in die Augen zu sehen; er hypnotisiert in typischer Weise durch seinen Blick. Gerade der Anblick des Häuptlings ist aber für den Primitiven gefährlich und unerträglich, wie später der der Gottheit für den Sterblichen. Noch Moses muß den Mittelsmann zwischen seinem Volke und Jehova machen, da das Volk den Anblick Gottes nicht ertrüge, und wenn er von der Gegenwart Gottes zurückkehrt, strahlt sein Antlitz, ein Teil des »Mana« hat sich wie beim Mittler der Primitiven auf ihn übertragen.

[¶11] It is true that hypnosis can also be evoked in other ways, for instance by fixing the eyes upon a bright object or by listening to a monotonous sound. This is misleading and has given occasion to inadequate physiological theories. As a matter of fact these procedures merely serve to divert conscious attention and to hold it riveted. The situation is the same as if the hypnotist had said to the subject: 'Now concern yourself exclusively with my person; the rest of the world is quite uninteresting.' It would of course be technically inexpedient for a hypnotist to make such a speech; it would tear the subject away from his unconscious attitude and stimulate him to conscious opposition. The hypnotist avoids directing the subject's conscious thoughts towards his own intentions, and makes the person upon whom he is experimenting sink into an activity in which the world is bound to seem uninteresting to him; but at the same time the subject is in reality unconsciously concentrating his whole attention upon the hypnotist, and is getting into an attitude of rapport, of transference on to him. Thus the indirect methods of hypnotising, like many of the technical procedures used in making jokes, have the effect of checking certain distributions of mental energy which would interfere with the course of events in the unconscious, and they lead eventually to the same result as the direct methods of influence by means of staring or stroking.

> German: Man kann die Hypnose allerdings auch auf anderen Wegen hervorrufen, was irreführend ist und zu unzulänglichen physiologischen Theorien Anlaß gegeben hat, z. B. durch das Fixieren eines glänzenden Gegenstandes oder durch das Horchen auf ein monotones Geräusch. In Wirklichkeit dienen diese Verfahren nur der Ablenkung und Fesselung der bewußten Aufmerksamkeit. Die Situation ist die nämliche, als ob der Hypnotiseur der Person gesagt hätte: Nun beschäftigen Sie sich ausschließlich mit meiner Person, die übrige Welt ist ganz uninteressant. Gewiß wäre es technisch unzweckmäßig, wenn der Hypnotiseur eine solche Rede hielte; das Subjekt würde durch sie aus seiner unbewußten Einstellung gerissen und zum bewußten Widerspruch aufgereizt werden. Aber während der Hypnotiseur es vermeidet, das bewußte Denken des Subjekts auf seine Absichten zu richten, und die Versuchsperson sich in eine Tätigkeit versenkt, bei der ihr die Welt uninteressant vorkommen muß, geschieht es, daß sie unbewußt wirklich ihre ganze Aufmerksamkeit auf den Hypnotiseur konzentriert, sich in die Einstellung des Rapports, der Übertragung, zum Hypnotiseur begibt. Die indirekten Methoden des Hypnotisierens haben also, ähnlich wie manche Techniken des Witzes, den Erfolg, gewisse Verteilungen der seelischen Energie, welche den Ablauf des unbewußten Vorgangs stören würden, hintanzuhalten, und sie führen schließlich zum gleichen Ziel wie die direkten Beeinflussungen durch Anstarren oder Streichen.

[¶12] Ferenczi has made the true discovery that when a hypnotist gives the command to sleep, which is often done at the beginning of hypnosis, he is putting himself in the place of the subject's parents. He thinks that two sorts of hypnosis are to be distinguished: one coaxing and soothing, which he considers is modelled upon the mother, and another threatening, which is derived from the father.

> German: Die Situation, daß die Person unbewußt auf den Hypnotiseur eingestellt ist, während sie sich bewußt mit gleichbleibenden, uninteressanten Wahrnehmungen beschäftigt, findet ein Gegenstück in den Vorkommnissen der psychoanalytischen Behandlung, das hier erwähnt zu werden verdient. In jeder Analyse ereignet es sich mindestens einmal, daß der Patient hartnäckig behauptet, jetzt fiele ihm aber ganz bestimmt nichts ein. Seine freien Assoziationen stocken und die gewöhnlichen Antriebe, sie in Gang zu bringen, schlagen fehl. Durch Drängen erreicht man endlich das Eingeständnis, der Patient denke an die Aussicht aus dem Fenster des Behandlungsraumes, an die Tapete der Wand, die er vor sich sieht, oder an die Gaslampe, die von der Zimmerdecke herabhängt. Man weiß dann sofort, daß er sich in die Übertragung begeben hat, von noch unbewußten Gedanken in Anspruch genommen wird, die sich auf den Arzt beziehen, und sieht die Stockung in den Einfällen des Patienten schwinden, sobald man ihm diese Aufklärung gegeben hat.

[¶13] Now the command to sleep in hypnosis means nothing more nor less than an order to withdraw all interest from the world and to concentrate it upon the person of the hypnotist. And it is so understood by the subject; for in this withdrawal of interest from the outer world lies the psychological characteristic of sleep, and the kinship between sleep and the state of hypnosis is based upon it.

> German: Ferenczi hat richtig herausgefunden, daß sich der Hypnotiseur mit dem Schlafgebot, welches oft zur Einleitung der Hypnose gegeben wird, an die Stelle der Eltern setzt. Er meinte zwei Arten der Hypnose unterscheiden zu sollen, eine schmeichlerisch begütigende, die er dem Muttervorbild, und eine drohende, die er dem Vater zuschrieb. Nun bedeutet das Gebot zu schlafen in der Hypnose auch nichts anderes als die Aufforderung, alles Interesse von der Welt abzuziehen und auf die Person des Hypnotiseurs zu konzentrieren; es wird auch vom Subjekt so verstanden, denn in dieser Abziehung des Interesses von der Außenwelt liegt die psychologische Charakteristik des Schlafes und auf ihr beruht die Verwandtschaft des Schlafes mit dem hypnotischen Zustand.

[¶14] By the measures that he takes, then, the hypnotist awakens in the subject a portion of his archaic inheritance which had also made him compliant towards his parents and which had experienced an individual re-animation in his relation to his father; what is thus awakened is the idea of a paramount and dangerous personality, towards whom only a passive-masochistic attitude is possible, to whom one's will has to be surrendered,--while to be alone with him, 'to look him in the face', appears a hazardous enterprise. It is only in some such way as this that we can picture the relation of the individual member of the primal horde to the primal father. As we know from other reactions, individuals have preserved a variable degree of personal aptitude for reviving old situations of this kind. Some knowledge that in spite of everything hypnosis is only a game, a deceptive renewal of these old impressions, may however remain behind and take care that there is a resistance against any too serious consequences of the suspension of the will in hypnosis.

> German: Durch seine Maßnahmen weckt also der Hypnotiseur beim Subjekt ein Stück von dessen archaischer Erbschaft, die auch den Eltern entgegenkam und im Verhältnis zum Vater eine individuelle Wiederbelebung erfuhr, die Vorstellung von einer übermächtigen und gefährlichen Persönlichkeit, gegen die man sich nur passiv-masochistisch einstellen konnte, an die man seinen Willen verlieren mußte, und mit der allein zu sein, »ihr unter die Augen zu treten« ein bedenkliches Wagnis schien. Nur so etwa können wir uns das Verhältnis eines Einzelnen der Urhorde zum Urvater vorstellen. Wie wir aus anderen Reaktionen wissen, hat der Einzelne ein variables Maß von persönlicher Eignung zur Wiederbelebung solch alter Situationen bewahrt. Ein Wissen, daß die Hypnose doch nur ein Spiel, eine lügenhafte Erneuerung jener alten Eindrücke ist, kann aber erhalten bleiben und für den Widerstand gegen allzu ernsthafte Konsequenzen der hypnotischen Willensaufhebung sorgen.

[¶15] The uncanny and coercive characteristics of group formations, which are shown in their suggestion phenomena, may therefore with justice be traced back to the fact of their origin from the primal horde. The leader of the group is still the dreaded primal father; the group still wishes to be governed by unrestricted force; it has an extreme passion for authority; in Le Bon's phrase, it has a thirst for obedience. The primal father is the group ideal, which governs the ego in the place of the ego ideal. Hypnosis has a good claim to being described as a group of two; there remains as a definition for suggestion--a conviction which is not based upon perception and reasoning but upon an erotic tie.

> German: Der unheimliche, zwanghafte Charakter der Massenbildung, der sich in ihren Suggestionserscheinungen zeigt, kann also wohl mit Recht auf ihre Abkunft von der Urhorde zurückgeführt werden. Der Führer der Masse ist noch immer der gefürchtete Urvater, die Masse will immer noch von unbeschränkter Gewalt beherrscht werden, sie ist im höchsten Grade autoritätssüchtig, hat nach Le Bon's Ausdruck den Durst nach Unterwerfung. Der Urvater ist das Massenideal, das an Stelle des Ichideals das Ich beherrscht. Die Hypnose hat ein gutes Anrecht auf die Bezeichnung: eine Masse zu zweit; für die Suggestion erübrigt die Definition einer Überzeugung, die nicht auf Wahrnehmung und Denkarbeit, sondern auf erotische Bindung gegründet ist.

[¶16] > German: Es erscheint mir der Hervorhebung wert, daß wir durch die Erörterungen dieses Abschnittes veranlaßt werden, von der Bernheim'schen Auffassung der Hypnose auf die naive ältere derselben zurückzugreifen. Nach Bernheim sind alle hypnotischen Phänomene von dem weiter nicht aufzuklärenden Moment der Suggestion abzuleiten. Wir schließen, daß die Suggestion eine Teilerscheinung des hypnotischen Zustandes ist, der in einer unbewußt erhaltenen Disposition aus der Urgeschichte der menschlichen Familie seine gute Begründung hat.
