SCRIPTURA

Sigmund Freud · Totem and Taboo · 11 of 16

IV · The Infantile Recurrence of Totemism · 1 of 6

Translated by A. A. Brill

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The reader need not fear that psychoanalysis, which first revealed the regular over-determination of psychic acts and formations, will be tempted to derive anything so complicated as religion from a single source. If it necessarily seeks, as in duty bound, to gain recognition for one of the sources of this institution, it by no means claims exclusiveness for this source or even first rank among the concurring factors. Only a synthesis from various fields of research can decide what relative importance in the genesis of religion is to be assigned to the mechanism which we are to discuss; but such a task exceeds the means as well as the intentions of the psychoanalyst.

Von der Psychoanalyse, welche zuerst die regelmäßige Überdeterminierung psychischer Akte und Bildungen aufgedeckt hat, braucht man nicht zu besorgen, daß sie versucht sein werde, etwas so Kompliziertes wie die Religion aus einem einzigen Ursprung abzuleiten. Wenn sie in notgedrungener, eigentlich pflichtgemäßer Einseitigkeit eine einzige der Quellen dieser Institution zur Anerkennung bringen will, so beansprucht sie zunächst für dieselbe die Ausschließlichkeit so wenig wie den ersten Rang unter den zusammenwirkenden Momenten. Erst eine Synthese aus verschiedenen Gebieten der Forschung kann entscheiden, welche relative Bedeutung dem hier zu erörternden Mechanismus in der Genese der Religion zuzuteilen ist; eine solche Arbeit überschreitet aber sowohl die Mittel als auch die Absicht des Psychoanalytikers.

The first chapter of this book made us acquainted with the conception of totemism. We heard that totemism is a system which takes the place of religion among certain primitive races in Australia, America, and Africa, and furnishes the basis of social organization. We know that in 1869 the Scotchman MacLennan attracted general interest to the phenomena of totemism, which until then had been considered merely as curiosities, by his conjecture that a large number of customs and usages in various old as well as modern societies were to be taken as remnants of a totemic epoch. Science has since then fully recognized this significance of totemism. I quote a passage from the Elements of the Psychology of Races by W. Wundt (1912), as the latest utterance on this question: ‘Taking all this together it becomes highly probable that a totemic culture was at one time the preliminary stage of every later evolution as well as a transition stage between the state of primitive man and the age of gods and heroes.’

In der ersten Abhandlung dieser Reihe haben wir den Begriff des Totemismus kennen gelernt. Wir haben gehört, daß der Totemismus ein System ist, welches bei gewissen primitiven Völkern in Australien, Amerika, Afrika die Stelle einer Religion vertritt und die Grundlage der sozialen Organisation abgibt. Wir wissen, daß der Schotte Mac Lennan 1869 das allgemeinste Interesse für die bis dahin nur als Kuriosa gewürdigten Phänomene des Totemismus in Anspruch nahm, indem er die Vermutung aussprach, eine große Anzahl von Sitten und Gebräuchen in verschiedenen alten wie modernen Gesellschaften seien als Überreste einer totemistischen Epoche zu verstehen. Die Wissenschaft hat seither diese Bedeutung des Totemismus im vollen Umfange anerkannt. Als eine der letzten Äußerungen über diese Frage will ich eine Stelle aus den Elementen der Völkerpsychologie von W. Wundt (1912) zitieren: »Nehmen wir alles dies zusammen, so ergibt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit der Schluß, daß die totemistische Kultur überall einmal eine Vorstufe der späteren Entwicklungen und eine Übergangsstufe zwischen dem Zustand des primitiven Menschen und dem Helden- und Götterzeitalter gebildet hat.«

It is necessary for the purposes of this chapter to go more deeply into the nature of totemism. For reasons that will be evident later I here give preference to an outline by S. Reinach, who in the year 1900 sketched the following Code du Totémisme in twelve articles, like a catechism of the totemic religion:

Die Absichten der vorliegenden Abhandlungen nötigen uns zu einem tieferen Eingehen auf die Charaktere des Totemismus. Aus Gründen, welche später ersichtlich werden sollen, bevorzuge ich hier eine Darstellung von S. Reinach, der im Jahre 1900 nachstehenden Code du totémisme in zwölf Artikeln, gleichsam einen Katechismus der totemistischen Religion, entworfen hat:

1. Certain animals must not be killed or eaten, but men bring up individual animals of these species and take care of them.

1. Gewisse Tiere dürfen weder getötet noch gegessen werden, aber die Menschen ziehen Individuen dieser Tiergattungen auf und schenken ihnen Pflege.

2. An animal that dies accidentally is mourned and buried with the same honours as a member of the tribe.

2. Ein zufällig verstorbenes Tier wird betrauert und unter den gleichen Ehrenbezeigungen bestattet wie ein Mitglied des Stammes.

3. The prohibition as to eating sometimes refers only to a certain part of the animal.

3. Das Speiseverbot bezieht sich gelegentlich nur auf einen bestimmten Körperteil des Tieres.

4. If pressure of necessity compels the killing of an animal usually spared, it is done with excuses to the animal and the attempt is made to mitigate the violation of the taboo, namely the killing, through various tricks and evasions.

4. Wenn man ein für gewöhnlich verschontes Tier unter dem Drange der Notwendigkeit töten muß, so entschuldigt man sich bei ihm und sucht die Verletzung des Tabu, den Mord, durch mannigfache Kunstgriffe und Ausflüchte abzuschwächen.

5. If the animal is sacrificed by ritual, it is solemnly mourned.

5. Wenn das Tier rituell geopfert wird, wird es feierlich beweint.

6. At specified solemn occasions, like religious ceremonies, the skins of certain animals are donned. Where totemism still exists, these are totem animals.

6. Bei gewissen feierlichen Gelegenheiten, religiösen Zeremonien, legt man die Haut bestimmter Tiere an. Wo der Totemismus noch besteht, sind dies die Totemtiere.

7. Tribes and individuals assume the names of totem animals.

7. Stämme und Einzelpersonen legen sich Tiernamen bei, eben die der Totemtiere.

8. Many tribes use pictures of animals as coats of arms and decorate their weapons with them; the men paint animal pictures on their bodies or have them tattooed.

8. Viele Stämme gebrauchen Tierbilder als Wappen und verzieren mit ihnen ihre Waffen; Männer malen sich Tierbilder auf den Leib oder lassen sich solche durch Tätowierung einritzen.

9. If the totem is one of the feared and dangerous animals it is assumed that the animal will spare the members of the tribe named after it.

9. Wenn der Totem zu den gefürchteten und gefährlichen Tieren gehört, so wird angenommen, daß er die Mitglieder des nach ihm genannten Stammes verschont.

10. The totem animal protects and warns the members of the tribe.

10. Das Totemtier beschützt und warnt die Angehörigen des Stammes.

11. The totem animal foretells the future to those faithful to it and serves as their leader.

11. Das Totemtier kündigt seinen Getreuen die Zukunft an und dient ihnen als Führer.

12. The members of a totem tribe often believe that they are connected with the totem animal by the bond of common origin.

12. Die Mitglieder eines Totemstammes glauben oft daran, daß sie mit dem Totemtier durch das Band gemeinsamer Abstammung verknüpft sind.

The value of this catechism of the totem religion can be more appreciated if one bears in mind that Reinach has here also incorporated all the signs and clews which lead to the conclusion that the totemic system had once existed. The peculiar attitude of this author to the problem is shown by the fact that to some extent he neglects the essential traits of totemism, and we shall see that of the two main tenets of the totemistic catechism he has forced one into the background and completely lost sight of the other.

Man kann diesen Katechismus der Totemreligion erst würdigen, wenn man in Betracht zieht, daß Reinach hier auch alle Anzeichen und Resterscheinungen eingetragen hat, aus denen man den einstigen Bestand des totemistischen Systems erschließen kann. Eine besondere Stellung dieses Autors zum Problem zeigt sich darin, daß er dafür die wesentlichen Züge des Totemismus einigermaßen vernachlässigt. Wir werden uns überzeugen, daß er von den zwei Hauptsätzen des totemistischen Katechismus den einen in den Hintergrund gedrängt, den anderen völlig übergangen hat.

In order to get a more correct picture of the characteristics of totemism we turn to an author who has devoted four volumes to the theme, combining the most complete collection of the observations in question with the most thorough discussion of the problems they raise. We shall remain indebted to J. G. Frazer, the author of Totemism and Exogamy, for the pleasure and information he affords, even though psychoanalytic investigation may lead us to results which differ widely from his.

Um von den Charakteren des Totemismus ein richtiges Bild zu gewinnen, wenden wir uns an einen Autor, welcher dem Thema ein vierbändiges Werk gewidmet hat, das die vollständigste Sammlung der hieher gehörigen Beobachtungen mit der eingehendsten Diskussion der durch sie angeregten Probleme verbindet. Wir werden J. G. Frazer, dem Verfasser von »Totemism and Exogamy(123)«, für Genuß und Belehrung verpflichtet bleiben, auch wenn die psychoanalytische Untersuchung zu Ergebnissen führen sollte, welche weit von den seinigen abweichen.

“A totem,” wrote Frazer in his first essay, “is a class of material objects which a savage regards with superstitious respect, believing that there exists between him and every member of the class an intimate and altogether special relation. The connexion between a person and his totem is mutually beneficent; the totem protects the man and the man shows his respect for the totem in various ways, by not killing it if it be an animal, and not cutting or gathering it if it be a plant.

Zunächst: die Personen, welche die Beobachtungen sammeln, sind nicht dieselben, welche sie verarbeiten und diskutieren, die ersteren Reisende und Missionäre, die letzteren Gelehrte, welche die Objekte ihrer Forschung vielleicht niemals gesehen haben. -- Die Verständigung mit den Wilden ist nicht leicht. Nicht alle der Beobachter waren mit den Sprachen derselben vertraut, sondern mußten sich der Hilfe von Dolmetschern bedienen oder in der Hilfssprache des piggin-english mit den Ausgefragten verkehren. Die Wilden sind nicht mitteilsam über die intimsten Angelegenheiten ihrer Kultur und eröffnen sich nur solchen Fremden, die viele Jahre in ihrer Mitte zugebracht haben. Sie geben aus den verschiedenartigsten Motiven (vgl. Frazer, The beginnings of religion and totemism among the Australian aborigines, Fortnightly Review, 1905; T. and Ex. I, p. 150) oft falsche oder mißverständliche Auskünfte. -- Man darf nicht daran vergessen, daß die primitiven Völker keine jungen Völker sind, sondern eigentlich ebenso alt wie die zivilisiertesten, und daß man kein Recht zur Erwartung hat, sie würden ihre ursprünglichen Ideen und Institutionen ohne jede Entwicklung und Entstellung für unsere Kenntnisnahme aufbewahrt haben. Es ist vielmehr sicher, daß sich bei den Primitiven tiefgreifende Wandlungen nach allen Richtungen vollzogen haben, so daß man niemals ohne Bedenken entscheiden kann, was an ihren gegenwärtigen Zuständen und Meinungen nach Art eines Petrefakts die ursprüngliche Vergangenheit erhalten hat, und was einer Entstellung und Veränderung derselben entspricht. Daher die überreichlichen Streitigkeiten unter den Autoren, was an den Eigentümlichkeiten einer primitiven Kultur als primär und was als spätere sekundäre Gestaltung aufzufassen sei. Die Feststellung des ursprünglichen Zustandes bleibt also jedesmal eine Sache der Konstruktion. -- Es ist endlich nicht leicht, sich in die Denkungsart der Primitiven einzufühlen. Wir mißverstehen sie ebenso leicht wie die Kinder und sind immer geneigt, ihr Tun und Fühlen nach unseren eigenen psychischen Konstellationen zu deuten.

As distinguished from a fetich, a totem is never an isolated individual but always a class of objects, generally a species of animals or of plants, more rarely a class of inanimate natural objects, very rarely a class of artificial objects.”

Ein Totem, schrieb Frazer in seinem ersten Aufsatz, ist ein materielles Objekt, welchem der Wilde einen abergläubischen Respekt bezeugt, weil er glaubt, daß zwischen seiner eigenen Person und jedem Ding dieser Gattung eine ganz besondere Beziehung besteht. Die Verbindung zwischen einem Menschen und seinem Totem ist eine wechselseitige, der Totem beschützt den Menschen und der Mensch beweist seine Achtung vor dem Totem auf verschiedene Arten, so z. B. daß er ihn nicht tötet, wenn es ein Tier, und nicht abpflückt, wenn es eine Pflanze ist. Der Totem unterscheidet sich vom Fetisch darin, daß er nie ein Einzelding ist wie dieser, sondern immer eine Gattung, in der Regel eine Tier- oder Pflanzenart, seltener eine Klasse von unbelebten Dingen und noch seltener von künstlich hergestellten Gegenständen.

At least three kinds of totem can be distinguished:

Man kann mindestens drei Arten von Totem unterscheiden:

1. The tribal totem which a whole tribe shares and which is hereditary from generation to generation,

1. den Stammestotem, an dem ein ganzer Stamm teil hat, und der sich erblich von einer Generation auf die nächste überträgt;

2. The sex totem which belongs to all the masculine or feminine members of a tribe to the exclusion of the opposite sex, and

2. den Geschlechtstotem, der allen männlichen oder allen weiblichen Mitgliedern eines Stammes mit Ausschluß des anderen Geschlechtes angehört, und

3. The individual totem which belongs to the individual and does not descend to his successors. The last two kinds of totem are comparatively of little importance compared to the tribal totem. Unless we are mistaken they are recent formations and of little importance as far as the nature of the taboo is concerned.

3. den individuellen Totem, der einer einzelnen Person eignet und nicht auf deren Nachkommenschaft übergeht. Die beiden letzten Arten von Totem kommen an Bedeutung gegen den Stammestotem nicht in Betracht. Es sind, wenn nicht alles täuscht, späte und für das Wesen des Totem wenig bedeutsame Bildungen.

The tribal totem (clan totem) is the object of veneration of a group of men and women who take their name from the totem and consider themselves consanguineous offspring of a common ancestor, and who are firmly associated with each other through common obligations towards each other as well as by the belief in their totem.

Der Stammestotem (Clantotem) ist Gegenstand der Verehrung einer Gruppe von Männern und Frauen, die sich nach dem Totem nennen, sich für blutsverwandte Abkömmlinge eines gemeinsamen Ahnen halten und durch gemeinsame Pflichten gegeneinander wie durch den Glauben an ihren Totem miteinander fest verbunden sind.

Totemism is a religious as well as a social system. On its religious side it consists of the relations of mutual respect and consideration between a person and his totem, and on its social side it is composed of obligations of the members of the clan towards each other and towards other tribes. In the later history of totemism these two sides show a tendency to part company; the social system often survives the religious and conversely remnants of totemism remain in the religion of countries in which the social system based upon totemism had disappeared. In the present state of our ignorance about the origin of totemism we cannot say with certainty how these two sides were originally combined. But there is on the whole a strong probability that in the beginning the two sides of totemism were indistinguishable from each other. In other words, the further we go back the clearer it becomes that a member of a tribe looks upon himself as being of the same genus as his totem and makes no distinction between his attitude towards the totem and his attitude towards his tribal companions.

Der Totemismus ist sowohl ein religiöses wie ein soziales System. Nach seiner religiösen Seite besteht er in den Beziehungen gegenseitiger Achtung und Schonung zwischen einem Menschen und seinem Totem, nach seiner sozialen Seite in den Verpflichtungen der Clanmitglieder gegeneinander und gegen andere Stämme. In der späteren Geschichte des Totemismus zeigen dessen beide Seiten eine Neigung auseinander zu gehen; das soziale System überlebt häufig das religiöse und umgekehrt verbleiben Reste von Totemismus in der Religion solcher Länder, in denen das auf den Totemismus gegründete soziale System verschwunden ist. Wie diese beiden Seiten des Totemismus ursprünglich miteinander zusammenhingen, können wir bei unserer Unkenntnis über dessen Ursprünge nicht mit Sicherheit sagen. Doch ergibt sich im ganzen eine starke Wahrscheinlichkeit dafür, daß die beiden Seiten des Totemismus zu Anfang unzertrennlich voneinander waren. Mit anderen Worten, je weiter wir zurückgehen, desto deutlicher zeigt es sich, daß der Stammesangehörige sich zur selben Art zählt wie seinen Totem und sein Verhalten gegen den Totem von dem gegen einen Stammesgenossen nicht unterscheidet.

In the special description of totemism as a religious system, Frazer lays stress on the fact that the members of a tribe assume the name of their totem and also as a rule believe that they are descended from it. It is due to this belief that they do not hunt the totem animal or kill or eat it, and that they deny themselves every other use of the totem if it is not an animal. The prohibitions against killing or eating the totem are not the only taboos affecting it; sometimes it is also forbidden to touch it and even to look at it; in a number of cases the totem must not be called by its right name. Violation of the taboo prohibitions which protect the totem is punished automatically by serious disease or death.

In der speziellen Beschreibung des Totemismus als eines religiösen Systems stellt Frazer voran, daß die Mitglieder eines Stammes sich nach ihrem Totem nennen und in der Regel auch glauben, daß sie von ihm abstammen. Die Folge dieses Glaubens ist es, daß sie das Totemtier nicht jagen, nicht töten und nicht essen und sich jeden anderen Gebrauch des Totem versagen, wenn er etwas anderes als ein Tier ist. Die Verbote, den Totem nicht zu töten und nicht zu essen, sind nicht die einzigen Tabu, die ihn betreffen; manchmal ist es auch verboten, ihn zu berühren, ja, ihn anzuschauen; in einer Anzahl von Fällen darf der Totem nicht bei seinem richtigen Namen genannt werden. Die Übertretung dieser den Totem schützenden Tabugebote straft sich automatisch durch schwere Erkrankungen oder Tod.

Specimens of the totem animals are sometimes raised by the clan and taken care of in captivity. A totem animal found dead is mourned and buried like a member of the clan. If a totem animal had to be killed it was done with a prescribed ritual of excuses and ceremonies of expiation.

Exemplare des Totemtieres werden gelegentlich von dem Clan aufgezogen und in der Gefangenschaft gehegt. Ein tot aufgefundenes Totemtier wird betrauert und bestattet wie ein Clangenosse. Mußte man ein Totemtier töten, so geschah es unter einem vorgeschriebenen Rituale von Entschuldigungen und Sühnezeremonien.

The tribe expected protection and forbearance from its totem. If it was a dangerous animal (a beast of prey or a poisonous snake), it was assumed that it would not harm, and where this assumption did not come true the person attacked was expelled from the tribe. Frazer thinks that oaths were originally ordeals, many tests as to descent and genuineness being in this way left to the decision of the totem. The totem helps in case of illness and gives the tribe premonitions and warnings. The appearance of the totem animal near a house was often looked upon as an announcement of death. The totem had come to get its relative.

Von seinem Totem erwartete der Stamm Schutz und Schonung. Wenn er ein gefährliches Tier war (Raubtier, Giftschlange), so setzte man voraus, daß er seinen Genossen nichts zu Leide tun würde, und wo sich diese Voraussetzung nicht bestätigte, wurde der Beschädigte aus dem Stamme ausgestoßen. Eide, meint Frazer, waren ursprünglich Ordalien; viele Abstammungs- und Echtheitsproben wurden so dem Totem zur Entscheidung überlassen. Der Totem hilft in Krankheiten, gibt dem Stamme Vorzeichen und Warnungen. Die Erscheinung des Totemtieres in der Nähe eines Hauses wurde häufig als Ankündigung eines Todesfalles angesehen. Der Totem war gekommen, seinen Verwandten zu holen.

A member of a clan seeks to emphasize his relationship to the totem in various significant ways; he imitates an exterior similarity by dressing himself in the skin of the totem animal, by having the picture of it tattooed upon himself, and in other ways. On the solemn occasions of birth, initiation into manhood or funeral obsequies this identification with the totem is carried out in deeds and words. Dances in which all the members of the tribe disguise themselves as their totem and act like it, serve various magic and religious purposes. Finally there are the ceremonies at which the totem animal is killed in a solemn manner.

Unter verschiedenen bedeutsamen Verhältnissen sucht der Clangenosse seine Verwandtschaft mit dem Totem zu betonen, indem er sich ihm äußerlich ähnlich macht, sich in die Haut des Totemtieres hüllt, sich das Bild desselben einritzt u. dgl. Bei den feierlichen Gelegenheiten der Geburt, der Männerweihe, des Begräbnisses wird diese Identifizierung mit dem Totem in Taten und Worten durchgeführt. Tänze, bei denen alle Genossen des Stammes sich in ihren Totem verkleiden, und wie er gebärden, dienen mannigfaltigen magischen und religiösen Absichten. Endlich gibt es Zeremonien, bei denen das Totemtier in feierlicher Weise getötet wird.

The social side of totemism is primarily expressed in a sternly observed commandment and in a tremendous restriction. The members of a totem clan are brothers and sisters, pledged to help and protect each other; if a member of the clan is slain by a stranger the whole tribe of the slayer must answer for the murder and the clan of the slain man shows its solidarity in the demand for expiation for the blood that has been shed. The ties of the totem are stronger than our ideas of family ties, with which they do not altogether coincide, since the transfer of the totem takes place as a rule through maternal inheritance, paternal inheritance possibly not counting at all in the beginning.

Die soziale Seite des Totemismus prägt sich vor allem in einem streng gehaltenen Gebot und in einer großartigen Einschränkung aus. Die Mitglieder eines Totemclans sind Brüder und Schwestern, verpflichtet einander zu helfen und zu beschützen; im Falle der Tötung eines Clangenossen durch einen Fremden haftet der ganze Stamm des Täters für die Bluttat, und der Clan des Gemordeten fühlt sich solidarisch in der Forderung nach Sühne für das vergossene Blut. Die Totembande sind stärker als die Familienbande in unserem Sinne; sie fallen mit diesen nicht zusammen, da die Übertragung des Totem in der Regel durch mütterliche Vererbung geschieht und ursprünglich die väterliche Vererbung vielleicht überhaupt nicht in Geltung war.

But the corresponding taboo restriction consists in the prohibition against members of the same clan marrying each other or having any kind of sexual intercourse whatsoever with each other. This is the famous and enigmatic exogamy connexion with totemism. We have devoted the whole first chapter of this book to it, and therefore need only mention here that this exogamy springs from the intensified incest dread of primitive races, that it becomes entirely comprehensible as a security against incest in group marriages, and that at first it accomplishes the avoidance of incest for the younger generation and only in the course of further development becomes a hindrance to the older generation as well.

Die entsprechende Tabubeschränkung aber besteht in dem Verbot, daß Mitglieder desselben Totemclans einander nicht heiraten und überhaupt nicht in Sexualverkehr miteinander treten dürfen. Dies ist die berühmte und rätselhafte, mit dem Totemismus verknüpfte Exogamie. Wir haben ihr die ganze erste Abhandlung dieser Reihe gewidmet und brauchen darum hier nur anzuführen, daß sie der verschärften Inzestscheu der Primitiven entspringt, daß sie als Sicherung gegen Inzest bei Gruppenehe vollkommen verständlich würde, und daß sie zunächst die Inzestverhütung für die jüngere Generation besorgt und erst in weiterer Ausbildung auch der älteren Generation zum Hindernis wird.

To this presentation of totemism by Frazer, one of the earliest in the literature on the subject, I will now add a few excerpts from one of the latest summaries. In the Elements of the Psychology of Races, which appeared in 1912, W. Wundt says: “The totem animal is considered the ancestral animal. ‘Totem’ is therefore both a group name and a birth name and in the latter aspect this name has at the same time a mythological meaning. But all these uses of the conception play into each other and the particular meanings may recede so that in some cases the totems have become almost a mere nomenclature of the tribal divisions, while in others the idea of the descent or else the cultic meaning of the totem remains in the foreground.... The conception of the totem determines the tribal arrangement and the tribal organization. These norms and their establishment in the belief and feelings of the members of the tribe account for the fact that originally the totem animal was certainly not considered merely a name for a group division but that it usually was considered the progenitor of the corresponding division.... This accounted for the fact that these animal ancestors enjoyed a cult.... This animal cult expresses itself primarily in the attitude towards the totem animal, quite aside from special ceremonies and ceremonial festivities: not only each individual animal but every representative of the same species was to a certain degree a sanctified animal; the member of the totem was forbidden to eat the flesh of the totem animal or he was allowed to eat it only under special circumstances. This is in accord with the significant contradictory phenomenon found in this connexion, namely, that under certain conditions there was a kind of ceremonial consumption of the totem flesh....”

An diese Darstellung des Totemismus bei Frazer, eine der frühesten in der Literatur des Gegenstandes, will ich nun einige Auszüge aus einer der letzten Zusammenfassungen anschließen. In den 1912 erschienenen Elementen der Völkerpsychologie sagt W. Wundt: »Das Totemtier gilt als Ahnentier der betreffenden Gruppe. 'Totem' ist also einerseits Gruppen-, anderseits Abstammungsname, und in letzterer Beziehung hat dieser Name zugleich eine mythologische Bedeutung. Alle diese Verwendungen des Begriffes spielen aber ineinander und die einzelnen dieser Bedeutungen können zurücktreten, so daß in manchen Fällen die Totems fast zu einer bloßen Nomenklatur der Stammesabteilungen geworden sind, während in anderen die Vorstellung der Abstammung oder aber auch die kultische Bedeutung des Totems im Vordergrund steht... Der Begriff des Totem wird für die Stammesgliederung und Stammesorganisation maßgebend. Mit diesen Normen und mit ihrer Befestigung im Glauben und Fühlen der Stammesgenossen hängt es zusammen, daß man das Totemtier ursprünglich jedenfalls nicht bloß als einen Namen für eine Gruppe von Stammesgliedern betrachtete, sondern daß das Tier meist als Stammvater der betreffenden Abteilung gilt... Damit hängt dann zusammen, daß diese Tierahnen einen Kult genießen... Dieser Tierkult äußert sich ursprünglich, abgesehen von bestimmten Zeremonien und zeremoniellen Festen vor allem in dem Verhalten gegenüber dem Totemtier: nicht nur ein einzelnes Tier, sondern jeder Repräsentant der gleichen Spezies ist in gewissem Grade ein geheiligtes Tier, es ist den Totemgenossen verboten oder nur unter bestimmten Umständen erlaubt, das Fleisch des Totemtieres zu genießen. Dem entspricht die in solchem Zusammenhange bedeutsame Gegenerscheinung, daß unter gewissen Bedingungen eine Art von zeremoniellem Genuß des Totemfleisches stattfindet...«

“...But the most important social side of this totemic tribal arrangement consists in the fact that it was connected with certain rules of conduct for the relations of the groups with each other. The most important of these were the rules of conjugal relations. This tribal division is thus connected with an important phenomenon which first made its appearance in the totemic age, namely with exogamy.”

»... Die wichtigste soziale Seite dieser totemistischen Stammesgliederung besteht aber darin, daß mit ihr bestimmte Normen der Sitte für den Verkehr der Gruppen untereinander verbunden sind. Unter diesen Normen stehen in erster Linie die für den Eheverkehr. So hängt diese Stammesgliederung mit einer wichtigen Erscheinung zusammen, die zum erstenmal im totemistischen Zeitalter auftritt: mit der Exogamie.«

If we wish to arrive at the characteristics of the original totemism by sifting through everything that may correspond to later development or decline, we find the following essential facts: The totems were originally only animals and were considered the ancestors of single tribes. The totem was hereditary only through the female line; it was forbidden to kill the totem (or to eat it, which under primitive conditions amounts to the same thing); members of a totem were forbidden to have sexual intercourse with each other.

Wenn wir durch all das hindurch, was späterer Fortbildung oder Abschwächung entsprechen mag, zu einer Charakteristik des ursprünglichen Totemismus gelangen wollen, so ergeben sich uns folgende wesentliche Züge: Die Totem waren ursprünglich nur Tiere, sie galten als die Ahnen der einzelnen Stämme. Der Totem vererbte sich nur in weiblicher Linie; es war verboten, den Totem zu töten (oder zu essen, was für primitive Verhältnisse zusammenfällt); es war den Totemgenossen verboten, Sexualverkehr miteinander zu pflegen.

It may now seem strange to us that in the Code du totémisme which Reinach has drawn up the one principal taboo, namely exogamy, does not appear at all while the assumption of the second taboo, namely the descent from the totem animal, is only casually mentioned. Yet Reinach is an author to whose work in this field we owe much and I have chosen his presentation in order to prepare us for the differences of opinion among the authors, which will now occupy our attention.

Es darf uns nun auffallen, daß in dem Code du totémisme, den Reinach aufgestellt hat, das eine der Haupttabu, das der Exogamie, überhaupt nicht vorkommt, während die Voraussetzung des zweiten, die Abstammung vom Totemtier, nur eine beiläufige Erwähnung findet. Ich habe aber die Darstellung Reinachs, eines um den Gegenstand sehr verdienten Autors, ausgewählt, um auf die Meinungsverschiedenheiten unter den Autoren vorzubereiten, welche uns nun beschäftigen sollen.

The more convinced we became that totemism had regularly formed a phase of every culture, the more urgent became the necessity of arriving at an understanding of it and of casting light upon the riddle of its nature. To be sure, everything about totemism is in the nature of a riddle; the decisive questions are the origin of the totem, the motivation of exogamy (or rather of the incest taboo which it represents) and the relation between the two, the totem organization and the incest prohibition. The understanding should be at once historical and psychological; it should inform us under what conditions this peculiar institution developed and to what psychic needs of man it has given expression.

Je unabweisbarer die Einsicht auftrat, daß der Totemismus eine regelmäßige Phase aller Kulturen gebildet habe, desto dringender wurde das Bedürfnis, zu einem Verständnis desselben zu gelangen, die Rätsel seines Wesens aufzuhellen. Rätselhaft ist wohl alles am Totemismus; die entscheidenden Fragen sind die nach der Herkunft der Totemabstammung, nach der Motivierung der Exogamie (respektive des durch sie vertretenen Inzesttabu) und nach der Beziehung zwischen den beiden, der Totemorganisation und dem Inzestverbot. Das Verständnis sollte in einem ein historisches und ein psychologisches sein, Auskunft geben, unter welchen Bedingungen sich diese eigentümliche Institution entwickelt, und welchen seelischen Bedürfnissen der Menschen sie Ausdruck gegeben hatte.

The reader will certainly be astonished to hear from how many different points of view the answer to these questions has been attempted and how far the opinions of expert investigators vary. Almost everything that might be asserted in general about totemism is doubtful; even the above statement of it, taken from an article by Frazer in 1887, cannot escape the criticism that it expresses an arbitrary preference of the author and would be challenged to-day by Frazer himself, who has repeatedly changed his view on the subject.

Meine Leser werden nun gewiß erstaunt sein zu hören, von wie verschiedenen Gesichtspunkten her die Beantwortung dieser Fragen versucht wurde, und wie weit die Meinungen der sachkundigen Forscher hierüber auseinandergehen. Es steht so ziemlich alles in Frage, was man allgemein über Totemismus und Exogamie behaupten möchte; auch das vorangeschickte, aus einer von Frazer 1887 veröffentlichten Schrift geschöpfte Bild kann der Kritik nicht entgehen, eine willkürliche Vorliebe des Referenten auszudrücken, und würde heute von Frazer selbst, der seine Ansichten über den Gegenstand wiederholt geändert hat, beanständet werden.

It is quite obvious that the nature of totemism and exogamy could be most readily grasped if we could get into closer touch with the origin of both institutions. But in judging the state of affairs we must not forget the remark of Andrew Lang, that even primitive races have not preserved these original forms and the conditions of their origin, so that we are altogether dependent upon hypotheses to take the place of the observation we lack. Among the attempted explanations some seem inadequate from the very beginning in the judgment of the psychologist. They are altogether too rational and do not take into consideration the effective character of what they are to explain. Others rest on assumptions which observation fails to verify; while still others appeal to facts which could better be subjected to another interpretation. The refutation of these various opinions as a rule hardly presents any difficulties; the authors are, as usual, stronger in the criticism which they practice on each other than in their own work. The final result as regards most of the points treated is a non liquet. It is therefore not surprising that most of the new literature on the subject, which we have largely omitted here, shows the unmistakable effort to reject a general solution of totemic problems as unfeasible. (See, for instance, B. Goldenweiser in the Journal of American Folklore <small>XXIII</small>, 1910. Reviewed in the Brittanica Year Book, 1913.) I have taken the liberty of disregarding the chronological order in stating these contradictory hypotheses.

Es ist eine naheliegende Annahme, daß man das Wesen des Totemismus und der Exogamie am ehesten erfassen könnte, wenn man den Ursprüngen der beiden Institutionen näher käme. Dann ist aber für die Beurteilung der Sachlage die Bemerkung von Andrew Lang nicht zu vergessen, daß auch die primitiven Völker uns diese ursprünglichen Formen der Institutionen und die Bedingungen für deren Entstehung nicht mehr aufbewahrt haben, so daß wir einzig und allein auf Hypothesen angewiesen bleiben, um die mangelnde Beobachtung zu ersetzen. Unter den vorgebrachten Erklärungsversuchen erscheinen einige dem Urteil des Psychologen von vornherein als inadäquat. Sie sind allzu rationell und nehmen auf den Gefühlscharakter der zu erklärenden Dinge keine Rücksicht. Andere ruhen auf Voraussetzungen, denen die Beobachtung die Bestätigung versagt; noch andere berufen sich auf ein Material, welches besser einer anderen Deutung unterworfen werden sollte. Die Widerlegung der verschiedenen Ansichten hat in der Regel wenig Schwierigkeiten; die Autoren sind wie gewöhnlich in der Kritik, die sie aneinander üben, stärker als in ihren eigenen Produktionen. Ein Non liquet ist für die meisten der behandelten Punkte das Endergebnis. Es ist daher nicht zu verwundern, wenn in der neuesten, hier meist übergangenen Literatur des Gegenstandes das unverkennbare Bestreben auftritt, eine allgemeine Lösung der totemistischen Probleme als undurchführbar abzuweisen. (So z. B. Goldenweiser im J. of Am. Folk-Lore XXIII, 1910. Referat in Britannica Year Book 1913.) Ich habe mir gestattet, bei der Mitteilung dieser einander widerstreitenden Hypothesen von deren Zeitfolge abzusehen.

(a) THE ORIGIN OF TOTEMISM

a) Die Herkunft des Totemismus.

The question of the origin of totemism can also be formulated as follows: How did primitive people come to select the names of animals, plants and inanimate objects for themselves and their tribes?

Die Frage nach der Entstehung des Totemismus läßt sich auch so formulieren: Wie kamen primitive Menschen dazu, sich (ihre Stämme) nach Tieren, Pflanzen, leblosen Gegenständen zu benennen(135)?

The Scotchman, MacLennan, who discovered totemism and exogamy for science, refrained from publishing his views of the origin of totemism. According to a communication of Andrew Lang he was for a time inclined to trace totemism back to the custom of tattooing. I shall divide the accepted theories of the derivation of totemism into three groups, (α) nominalistic, (β) sociological, (γ) psychological.

Der Schotte Mac Lennan, der Totemismus und Exogamie für die Wissenschaft entdeckte, enthielt sich, eine Ansicht über die Entstehung des Totemismus zu veröffentlichen. Nach einer Mitteilung von A. Lang war er eine Zeitlang geneigt, den Totemismus auf die Sitte des Tätowierens zurückzuführen. Die verlautbarten Theorien zur Ableitung des Totemismus möchte ich in drei Gruppen bringen, als A) nominalistische, B) soziologische, C) psychologische.

(α) The Nominalistic Theories

A) Die nominalistischen Theorien.

The information about these theories will justify their summation under the headings I have used.

Die Mitteilungen über diese Theorien werden deren Zusammenfassung unter dem von mir gebrachten Titel rechtfertigen.

Garcilaso de La Vega, a descendant of the Peruvian Inkas, who wrote the history of his race in the seventeenth century, is already said to have traced back what was known to him about totemic phenomena to the need of the tribes to differentiate themselves from each other by means of names. The same idea appears centuries later in the Ethnology of A. K. Keane where totems are said to be derived from heraldic badges through which individuals, families and tribes wanted to differentiate themselves.

Schon Garcilaso de la Vega, ein Abkömmling der peruanischen Inka, der im XVII. Jahrhundert die Geschichte seines Volkes schrieb, soll, was ihm von totemistischen Phänomenen bekannt war, auf das Bedürfnis der Stämme, sich durch Namen von einander zu unterscheiden, zurückgeführt haben. Derselbe Gedanke taucht Jahrhunderte später in der Ethnology von A. K. Keane auf: die Totem seien aus »heraldic badges« (Wappenabzeichen) hervorgegangen, durch die Individuen, Familien und Stämme sich von einander unterscheiden wollten.

Max Müller expresses the same opinion about the meaning of the totem in his Contributions to the Science of Mythology. A totem is said to be, 1. a mark of the clan, 2. a clan name, 3. the name of the ancestor of the clan, 4. the name of the object which the clan reveres. J. Pikler wrote later, in 1899, that men needed a permanent name for communities and individuals that could be preserved in writing.... Thus totemism arises, not from a religious, but from a prosaic everyday need of mankind. The giving of names, which is the essence of totemism, is a result of the technique of primitive writing. The totem is of the nature of an easily represented writing symbol. But if savages first bore the name of an animal they deduced the idea of relationship from this animal.

Max Müller äußerte dieselbe Ansicht über die Bedeutung der Totem in seinen Contributions to the Science of Mythology. Ein Totem sei: 1. ein Clanabzeichen, 2. ein Clanname, 3. der Name des Ahnherrn des Clan, 4. der Name des vom Clan verehrten Gegenstandes. Später J. Pikler 1899: Die Menschen bedurften eines bleibenden, schriftlich fixierbaren Namens für Gemeinschaften und Individuen.... So entspringt also der Totemismus nicht aus dem religiösen, sondern aus dem nüchternen Alltagsbedürfnis der Menschheit. Der Kern des Totemismus, die Benennung, ist eine Folge der primitiven Schrifttechnik. Der Charakter der Totem ist auch der von leicht darstellbaren Schriftzeichen. Wenn die Wilden aber erst den Namen eines Tieres trugen, so leiteten sie daraus die Idee einer Verwandtschaft von diesem Tiere ab.