---
title: "Faust, Part Two · Faust: Der Tragödie zweiter Teil"
author: "Johann Wolfgang von Goethe"
translator: "Bayard Taylor"
title_de: "Faust: Der Tragödie zweiter Teil"
author_de: "Johann Wolfgang von Goethe"
languages: [de, en]
shelf: "Literature"
section: 11 of 29
url: https://scriptura.si/works/goethe-faust-2-taylor/11/
cite: "Johann Wolfgang von Goethe, tr. Bayard Taylor, Faust, Part Two · Faust: Der Tragödie zweiter Teil, section 11. Scriptura (scriptura.si), https://scriptura.si/works/goethe-faust-2-taylor/11/"
---

# Faust, Part Two · Faust: Der Tragödie zweiter Teil

*Johann Wolfgang von Goethe, tr. Bayard Taylor*

German: Faust: Der Tragödie zweiter Teil, Johann Wolfgang von Goethe

Goethe’s late, strange sequel, Faust at court, among the classical gods and at the last, in German beside Bayard Taylor’s English.

## 11. Act II · Classical Walpurgis-Night · II. Peneus · Am obern Peneios

Source: https://scriptura.si/works/goethe-faust-2-taylor/11/ · cite a paragraph as https://scriptura.si/works/goethe-faust-2-taylor/11/#p-N

[¶0] (surrounded with Nymphs and Tributary Streams).

> German: MEPHISTOPHELES:
Und wie ich diese Feuerchen durchschweife,
So find' ich mich doch ganz und gar entfremdet,
Fast alles nackt, nur hie und da behemdet:
Die Sphinxe schamlos, unverschämt die Greife,
Und was nicht alles, lockig und beflügelt,
Von vorn und hinten sich im Auge spiegelt...
Zwar sind auch wir von Herzen unanständig,
Doch das Antike find' ich zu lebendig;
Das müßte man mit neustem Sinn bemeistern
Und mannigfaltig modisch überkleistern...
Ein widrig Volk! Doch darf mich's nicht verdrießen,
Als neuer Gast anständig sie zu grüßen...
Glüchzu den schönen Fraun, den klugen Greisen!

GREIF:
Nicht Greisen! Greifen!--Niemand hört es gern,
Daß man ihn Greis nennt. Jedem Worte klingt
Der Ursprung nach, wo es sich her bedingt:
Grau, grämlich, griesgram, greulich, Gräber, grimmig,
Etymologisch gleicherweise stimmig,
Verstimmen uns.

MEPHISTOPHELES:
Und doch, nicht abzuschweifen,
Gefäallt das Grei im Ehrentitel Greifen.

GREIF:
Natürlich! Die Verwandtschaft ist erprobt,
Zwar oft gescholten, mehr jedoch gelobt;
Man greife nun nach Mädchen, Kronen, Gold,
Dem Greifenden ist meist Fortuna hold.

[¶1] PENEUS
Stir yourselves, ye whispering rushes,
Rustle, slender willow-bushes,
Sister reeds, breathe softer, crisper,
Trembling poplar-branches, whisper
To the interrupted dream!
Fearful premonitions wake me,
Secret shudders thrill and shake me
In my rippling, sleeping stream.

> German: AMEISEN:
Ihr sprecht von Gold, wir hatten viel gesammelt,
In Fels- und Höhlen heimlich eingerammelt;
Das Arimaspen-Volk hat's ausgespürt,
Sie lachen dort, wie weit sie's weggeführt.

GREIFE:
Wir wollen sie schon zum Geständnis bringen.

ARIMASPEN:
Nur nicht zur freien Jubelnacht.
Bis morgen ist's alles durchgebracht,
Es wird uns diesmal wohl gelingen.

MEPHISTOPHELES:
Wie leicht und gern ich mich hierher gewöhne,
Denn ich verstehe Mann für Mann.

[¶2] Faust (advancing to the river):
Here, behind the vines that dangle
O’er the thicket’s bowery tangle,
If I heard aright, were noises
Similar to human voices.
Babbling seemed the wave to patter,
And the breeze in sport to chatter.

> German: SPHINX:
Wir hauchen unsre Geistertöne,
Und ihr verkörpert sie alsdann.
Jetzt nenne dich, bis wir dich weiter kennen.

MEPHISTOPHELES:
Mit vielen Namen glaubt man mich zu nennen--
Sind Briten hier? Sie reisen sonst so viel,
Schlachtfeldern nachzuspüren, Wasserfällen,
Gestürzten Mauern, klassisch dumpfen Stellen;
Das wäre hier für sie ein würdig Ziel.
Sie zeugten auch: Im alten Bühnenspiel
Sah man mich dort als old Iniquity.

SPINX:
Wie kam man drauf?

MEPHISTOPHELES:
Ich weiß es selbst nicht wie.

[¶3] > German: SPINX:
Mag sein! Hast du von Sternen einige Kunde?
Was sagst du zu der gegenwärt'gen Stunde?

[¶4] Nymphs (to Faust):
For thee were it better
To lie here, reviving
In coolness thy body,
Outwearied with striving,—
The rest, that eludes thee,
To taste, and be free:
We’ll rustle and murmur,
And whisper to thee.

> German: MEPHISTOPHELES:
Stern schießt nach Stern, beschnittner Mond scheint helle,
Und mir ist wohl an dieser trauten Stelle,
Ich wärme mich an deinem Löwenfelle.
Hinauf sich zu versteigen, wär' zum Schaden;
Gib Rätsel auf, gib allenfalls Scharaden.

SPINX:
Sprich nur dich selbst aus, wird schon Rätsel sein.
Versuch einmal, dich innigst aufzulösen:
"Dem frommen Manne nötig wie dem bösen,
Dem ein Plastron, aszetisch zu rapieren,
Kumpan dem andern, Tolles zu vollführen,
Und beides nur, um Zeus zu amüsieren."

ERSTER GREIF:
Den mag ich nicht!

ZWEITER GREIF:
Was will uns der?

[¶5] FAUST
I am awake! Let them delay me,
The incomparable Forms!—and sway me,
As yonder to my sight confessed!
How strangely am I moved, how nearly!
Are they but dreams? or memories, merely?
Already once was I so blest.
Beneath the swaying bushes hiding,
The full, fresh waves are softly gliding;
They scarcely rustle on their path:
A hundred founts from all sides hasten,
To fill a pure and sparkling basin,
The hollowed level of a bath.
The fair young limbs of women trouble
The watery glass that makes them double,
And doubles, thus, the eye’s delight:
In joyous bath each other aiding,
Or boldly swimming, shyly wading,
Then cry, and splash, and foamy fight.
It were enough, the picture viewing,—
My healthy eyesight here renewing,—
Yet I desire the still unseen.
My gaze would pierce through yonder cover,
Whose leafy wealth is folded over
The vision of the stately Queen.
Strange! across the crystal skimming,
From the coves the swans are swimming,
Moving in majestic state:
Floating calmly and united,
But how proud and self-delighted,
Head and neck they lift elate!…
One, his feathers proudly pluming,
Boldly on his grace presuming,
Leads the others in the race;
With his whitest plumage showing
Wave-like on the wave he’s throwing,
Speeds he to the sacred place….
The others back and forth together
Swim on with smoothly shining feather,
And soon, in mimic battle met,
Shall chase aside the maids affrighted,
Till, for their own protection slighted,
Their bounden service they forget.

> German: BEIDE:
Der Garstige gehöret nicht hierher!

MEPHISTOPHELES:
Du glaubst vielleicht, des Gastes Nägel krauen
Nicht auch so gut wie deine scharfen Klauen?
Versuch's einmal!

SPINX:
Du magst nur immer bleiben,
Wird dich's doch selbst aus unsrer Mitte treiben;
In deinem Lande tust dir was zugute,
Doch, irr' ich nicht, hier ist dir schlecht zumute.

MEPHISTOPHELES:
Du bist recht appetitlich oben anzuschauen,
Doch unten hin die Bestie macht mir Grauen.

[¶6] NYMPHS
Sisters, bend and lay the ear
On the turf beside the river!
Sound of hoofs, if right I hear,
Swift approaching, seems to shiver.
Would I knew whose rapid flight
Brings a message to the Night!

> German: SPINX:
Du Falscher kommst zu deiner bittern Buße,
Denn unsre Tatzen sind gesund;
Dir mit verschrumpftem Pferdefuße
Behagt es nicht in unserem Bund.

MEPHISTOPHELES:
Wer sind die Vögel, in den ästen
Des Pappelstromes hingewiegt?

SPINX:
Gewahrt euch nur! Die Allerbesten
Hat solch ein Singsang schon besiegt.

SIRENEN:
Ach was wollt ihr euch verwöhnen
In dem Häßlich-Wunderbaren!
Horcht, wir kommen hier zu Scharen
Und in wohlgestimmten Tönen;
So geziemet es Sirenen.

[¶7] FAUST
As I think, the earth is ringing
From a charger, hither springing.
See there! See there!
A fortune comes, most fair:
Shall I attain its blessing?
O, marvel past expressing!
A rider trots towards us free:
Spirit and strength in him I see,—
Upon a snow-white steed careering.…
I know him now, I hail with awe
The famous son of Philyra!—
Halt, Chiron, halt! I’ve something for thy hearing.

> German: SPINXE:
Nötigt sie, herabzusteigen!
Sie verbergen in den Zweigen
Ihre garstigen Habichtskrallen,
Euch verderblich anzufallen,
Wenn ihr euer Ohr verleiht.

SIRENEN:
Weg das Hassen! weg das Neiden!
Sammeln wir die klarsten Freuden,
Unterm Himmel ausgestreut!
Auf dem Wasser, auf der Erde
Sei's die heiterste Gebärde,
Die man dem Willkommnen beut.

MEPHISTOPHELES:
Das sind die saubern Neuigkeiten,
Wo aus der Kehle, von den Saiten
Ein Ton sich um den andern flicht.
Das Trallern ist bei mir verloren:
Es krabbelt wohl mir um die Ohren,
Allein zum Herzen dringt es nicht.

SPINXE:
Sprich nicht vom Herzen! das ist eitel;
Ein lederner verschrumpfter Beutel,
Das paßt dir eher zu Gesicht.

[¶8] CHIRON
What then? What is it?

> German: FAUST:
Wie wunderbar! das Anschaun tut mir Gnüge,
Im Widerwärtigen große, tüchtige Züge.
Ich ahne schon ein günstiges Geschick;
Wohin versetzt mich dieser ernste Blick?
Vor solchen hat einst ödipus gestanden;
Vor solchen krümmte sich Ulyß in hänfnen Banden;
Von solchen ward der höchste Schatz gespart,
Von diesen treu und ohne Fehl bewahrt.
Vom frischen Geiste fühl' ich mich durchdrungen;
Gestalten groß, groß die Erinnerungen.

MEPHISTOPHELES:
Sonst hättest du dergleichen weggeflucht,
Doch jetzo scheint es dir zu frommen;
Denn wo man die Geliebte sucht,
Sind Ungeheuer selbst willkommen.

FAUST:
Ihr Frauenbilder müßt mir Rede stehn:
Hat eins der Euren Helena gesehn?

SPHINXE:
Wir reichen nicht hinauf zu ihren Tagen,
Die letztesten hat Herkules erschlagen.
Von Chiron könntest du's erfragen;
Der sprengt herum in dieser Geisternacht;
Wenn er dir steht, so hast du's weit gebracht.

[¶9] FAUST
Thy course delay!

> German: SIRENEN:
Sollte dir's doch auch nicht fehlen!...
Wie Ulyß bei uns verweilte,
Schmähend nicht vorübereilte,
Wußt' er vieles zu erzählen;
Würden alles dir vertrauen,
Wolltest du zu unsern Gauen
Dich ans grüne Meer verfügen.

SPHINX:
Laß dich, Elder, nicht betrügen.
Statt daß Ulyß sich binden ließ,
Laß unsern guten Rat dich binden;
Kannst du den hohen Chiron finden,
Erfährst du, was ich dir verhieß.

MEPHISTOPHELES:
Was krächzt vorbei mit Flügelschlag?
So schnell, daß man's nicht sehen mag,
Und immer eins dem andern nach,
Den Jäger würden sie ermüden.

SPHINX:
Dem Sturm des Winterwinds vergleichbar,
Alcides' Pfeilen kaum erreichbar;
Es sind die raschen Stymphaliden,
Und wohlgemeint ihr Krächzegruß,
Mit Geierschnabel und Gänsefuß.
Sie möchten gern in unsern Kreisen
Als Stammverwandte sich erweisen.

[¶10] CHIRON
I rest not.

> German: MEPHISTOPHELES:
Noch andres Zeug zischt zwischen drein.

SPHINX:
Vor diesen sei Euch ja nicht bange!
Es sind die Köpfe der lernäischen Schlange,
Vom Rumpf getrennt, und glauben was zu sein.
Doch sagt, was soll nur aus Euch werden?
Was für unruhige Gebärden?
Wo wollt Ihr hin? Begebt Euch fort!...
Ich sehe, jener Chorus dort
Macht Euch zum Wendehals. Bezwingt Euch nicht,
Geht hin! begrüßt manch reizendes Gesicht!
Die Lamien sind's, lustfeine Dirnen,
Mit Lächelmund und frechen Stirnen,
Wie sie dem Satyrvolk behagen;
Ein Bocksfuß darf dort alles wagen.

MEPHISTOPHELES:
Ihr bleibt doch hier? daß ich euch wiederfinde.

SPHINXE:
Ja! Mische dich zum luftigen Gesinde.
Wir, von ägypten her, sind längst gewohnt,
Daß unsereins in tausend Jahre thront.
Und respektiert nur unsre Lage,
So regeln wir die Mond- und Sonnentage.
Sitzen vor den Pyramiden,
Zu der Völker Hochgericht; überschwemmung, Krieg und Frieden--
Und verziehen kein Gesicht.
