SCRIPTURA

Johann Wolfgang von Goethe · The Sorrows of Young Werther · 14 of 89

Book I · June 21

Translated by R. D. Boylan

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June 21

Am 21. Junius

My days are as happy as those reserved by God for his elect; and, whatever be my fate hereafter, I can never say that I have not tasted joy,—the purest joy of life. You know Walheim. I am now completely settled there. In that spot I am only half a league from Charlotte; and there I enjoy myself, and taste all the pleasure which can fall to the lot of man.

Ich lebe so glückliche Tage, wie sie Gott seinen Heiligen ausspart; und mit mir mag werden was will, so darf ich nicht sagen, daß ich die Freuden, die reinsten Freuden des Lebens nicht genossen habe.--du kennst mein Wahlheim; dort bin ich völlig etabliert, von da habe ich nur eine halbe Stunde zu Lotten, dort fühl' ich mich selbst und alles Glück, das dem Menschen gegeben ist.

Little did I imagine, when I selected Walheim for my pedestrian excursions, that all heaven lay so near it. How often in my wanderings from the hillside or from the meadows across the river, have I beheld this hunting-lodge, which now contains within it all the joy of my heart!

Hätt' ich gedacht, als ich mir Wahlheim zum Zwecke meiner Spaziergänge wählte, daß es so nahe am Himmel läge! Wie oft habe ich das Jagdhaus, das nun alle meine Wünsche einschließt, auf meinen weiten Wanderungen, bald vom Berge, bald von der Ebne über den Fluß gesehn!

I have often, my dear Wilhelm, reflected on the eagerness men feel to wander and make new discoveries, and upon that secret impulse which afterward inclines them to return to their narrow circle, conform to the laws of custom, and embarrass themselves no longer with what passes around them.

Lieber Wilhelm, ich habe allerlei nachgedacht, über die Begier im Menschen, sich auszubreiten, neue Entdeckungen zu machen, herumzuschweifen; und dann wieder über den inneren Trieb, sich der Einschränkung willig zu ergeben, in dem Gleise der Gewohnheit so hinzufahren und sich weder um Rechts noch um Links zu bekümmern.

It is so strange how, when I came here first, and gazed upon that lovely valley from the hillside, I felt charmed with the entire scene surrounding me. The little wood opposite—how delightful to sit under its shade! How fine the view from that point of rock! Then, that delightful chain of hills, and the exquisite valleys at their feet! Could I but wander and lose myself amongst them! I went, and returned without finding what I wished. Distance, my friend, is like futurity. A dim vastness is spread before our souls: the perceptions of our mind are as obscure as those of our vision; and we desire earnestly to surrender up our whole being, that it may be filled with the complete and perfect bliss of one glorious emotion. But alas! when we have attained our object, when the distant there becomes the present here, all is changed: we are as poor and circumscribed as ever, and our souls still languish for unattainable happiness.

Es ist wunderbar: wie ich hierher kam und vom Hügel in das schöne Tal schaute, wie es mich rings umher anzog.--dort das Wäldchen!--ach könntest du dich in seine Schatten mischen!--dort die Spitze des Berges!--ach könntest du von da die weite Gegend überschauen!--die in einander geketteten Hügel und vertraulichen Täler!--o könnte ich mich in ihnen verlieren!--ich eilte hin, und kehrte zurück, und hatte nicht gefunden, was ich hoffte. O es ist mit der Ferne wie mit der Zukunft! Ein großes dämmerndes Ganze ruht vor unserer Seele, unsere Empfindung verschwimmt darin wie unser Auge, und wir sehnen uns, ach! Unser ganzes Wesen hinzugeben, uns mit aller Wonne eines einzigen, großen, herrlichen Gefühls ausfüllen zu lassen.--und ach! Wenn wir hinzueilen, wenn das Dort nun Hier wird, ist alles vor wie nach, und wir stehen in unserer Armut, in unserer Eingeschränktheit, und unsere Seele lechzt nach entschlüpftem Labsale.

So does the restless traveller pant for his native soil, and find in his own cottage, in the arms of his wife, in the affections of his children, and in the labour necessary for their support, that happiness which he had sought in vain through the wide world.

So sehnt sich der unruhigste Vagabund zuletzt wieder nach seinem Vaterlande und findet in seiner Hütte, an der Brust seiner Gattin, in dem Kreise seiner Kinder, in den Geschäften zu ihrer Erhaltung die Wonne, die er in der weiten Welt vergebens suchte.

When, in the morning at sunrise, I go out to Walheim, and with my own hands gather in the garden the pease which are to serve for my dinner, when I sit down to shell them, and read my Homer during the intervals, and then, selecting a saucepan from the kitchen, fetch my own butter, put my mess on the fire, cover it up, and sit down to stir it as occasion requires, I figure to myself the illustrious suitors of Penelope, killing, dressing, and preparing their own oxen and swine. Nothing fills me with a more pure and genuine sense of happiness than those traits of patriarchal life which, thank Heaven! I can imitate without affectation.

Wenn ich des Morgens mit Sonnenaufgange hinausgehe nach meinem Wahlheim und dort im Wirtsgarten mir meine Zuckererbsen selbst pflücke, mich hinsetze, sie abfädne und dazwischen in meinem Homer lese; wenn ich in der kleinen Küche mir einen Topf wähle, mir Butter aussteche, Schoten ans Feuer stelle, zudecke und mich dazusetze, sie manchmal umzuschütteln: da fühl' ich so lebhaft, wie die übermütigen Freier der Penelope Ochsen und Schweine schlachten, zerlegen und braten. Es ist nichts, das mich so mit einer stillen, wahren Empfindung ausfüllte als die Züge patriarchalischen Lebens, die ich, Gott sei Dank, ohne Affektation in meine Lebensart verweben kann.

Happy is it, indeed, for me that my heart is capable of feeling the same simple and innocent pleasure as the peasant whose table is covered with food of his own rearing, and who not only enjoys his meal, but remembers with delight the happy days and sunny mornings when he planted it, the soft evenings when he watered it, and the pleasure he experienced in watching its daily growth.

Wie wohl ist mir's, daß mein Herz die simple, harmlose Wonne des Menschen fühlen kann, der ein Krauthaupt auf seinen Tisch bringt, das er selbst gezogen, und nun nicht den Kohl allein, sondern all die guten Tage, den schönen Morgen, da er ihn pflanzte, die lieblichen Abende, da er ihn begoß, und da er an dem fortschreitenden Wachstum seine Freude hatte, alle in einem Augenblicke wieder mitgenießt.