SCRIPTURA

Johann Wolfgang von Goethe · The Sorrows of Young Werther · 49 of 89

Book II · March 16

Translated by R. D. Boylan

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March 16

Am 16. März

March 16. Everything conspires against me. I met Miss B— walking to-day. I could not help joining her; and, when we were at a little distance from her companions, I expressed my sense of her altered manner toward me. "O Werther!" she said, in a tone of emotion, "you, who know my heart, how could you so ill interpret my distress? What did I not suffer for you, from the moment you entered the room! I foresaw it all, a hundred times was I on the point of mentioning it to you. I knew that the S——s and T——s, with their husbands, would quit the room, rather than remain in your company. I knew that the count would not break with them: and now so much is said about it." "How!" I exclaimed, and endeavoured to conceal my emotion; for all that Adelin had mentioned to me yesterday recurred to me painfully at that moment. "Oh, how much it has already cost me!" said this amiable girl, while her eyes filled with tears. I could scarcely contain myself, and was ready to throw myself at her feet. "Explain yourself!" I cried. Tears flowed down her cheeks. I became quite frantic. She wiped them away, without attempting to conceal them. "You know my aunt," she continued; "she was present: and in what light does she consider the affair! Last night, and this morning, Werther, I was compelled to listen to a lecture upon my acquaintance with you. I have been obliged to hear you condemned and depreciated; and I could not—I dared not—say much in your defence." Every word she uttered was a dagger to my heart. She did not feel what a mercy it would have been to conceal everything from me.

Es hetzt mich alles. Heut' treff' ich die Fräulein B... in der Allee, ich konnte mich nicht enthalten, sie anzureden und ihr, sobald wir etwas entfernt von der Gesellschaft waren, meine Empfindlichkeit über ihr neuliches Betragen zu zeigen.--"O Werther," sagte sie mit einem innigen Tone, "konnten Sie meine Verwirrung so auslegen, da Sie mein Herz kennen? Was ich gelitten habe um Ihretwillen, von dem Augenblicke an, da ich in den Saal trat! Ich sah alles voraus, hundertmal saß mir's auf der Zunge, es Ihnen zu sagen. Ich wußte, daß die von S... und T... mit ihren Männern eher aufbrechen würden, als in Ihrer Gesellschaft zu bleiben; ich wußte, daß der Graf es mit ihnen nicht verderben darf,--und jetzt der Lärm!"--"wie, Fräulein?" sagt' ich und verbarg meinen Schrecken; denn alles, was Adelin mir ehegestern gesagt hatte, lief mir wie siedend Wasser durch die Adern in diesem Augenblicke.--"Was hat mich es schon gekostet!" sagte das süße Geschöpf, indem ihr die Tränen in den Augen standen. --Ich war nicht Herr mehr von mir selbst, war im Begriffe, mich ihr zu Füßen zu werfen.--"Erklären Sie sich!" rief ich.--Die Tränen liefen ihr die Wangen herunter. Ich war außer mir. Sie trocknete sie ab, ohne sie verbergen zu wollen.--"Meine Tante kennen Sie," fing sie an, "sie war gegenwärtig und hat--o, mit was für Augen hat sie das angesehen! Werther, ich habe gestern nacht ausgestanden und heute früh eine Predigt über meinen Umgang mit Ihnen, und ich habe müssen zuhören Sie herabsetzen, erniedrigen, und konnte und durfte Sie nur halb verteidigen." Jedes Wort, das sie sprach, ging mir wie ein Schwert durchs Herz. Sie fühlte nicht, welche Barmherzigkeit es gewesen wäre, mir das alles zu verschweigen, und nun fügte sie noch hinzu, was weiter würde geträtscht werden, was eine Art Menschen darüber triumphieren würde.

She told me, in addition, all the impertinence that would be further circulated, and how the malicious would triumph; how they would rejoice over the punishment of my pride, over my humiliation for that want of esteem for others with which I had often been reproached. To hear all this, Wilhelm, uttered by her in a voice of the most sincere sympathy, awakened all my passions; and I am still in a state of extreme excitement. I wish I could find a man to jeer me about this event. I would sacrifice him to my resentment. The sight of his blood might possibly be a relief to my fury. A hundred times have I seized a dagger, to give ease to this oppressed heart. Naturalists tell of a noble race of horses that instinctively open a vein with their teeth, when heated and exhausted by a long course, in order to breathe more freely. I am often tempted to open a vein, to procure for myself everlasting liberty.

Wie man sich nunmehr über die Strafe meines Übermuts und meiner Geringschätzung anderer, die sie mir schon lange vorwerfen, kitzeln und freuen würde. Das alles, Wilhelm, von ihr zu hören, mit der Stimme der wahrsten Teilnehmung--ich war zerstört und bin noch wütend in mir. Ich wollte, daß sich einer unterstünde, mir's vorzuwerfen, daß ich ihm den Degen durch den Leib stoßen könnte; wenn ich Blut sähe, würde mir's besser werden. Ach, ich hab' hundertmal ein Messer ergriffen, um diesem gedrängten Herzen Luft zu machen. Man erzählt von einer edlen Art Pferde, die, wenn sie schrecklich erhitzt und aufgejagt sind, sich selbst aus Instinkt eine Ader aufbeißen, um sich zum Atem zu helfen. So ist mir's oft, ich möchte mir eine Ader öffnen, die mir die ewige Freiheit schaffte.