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title: "The Castle · Das Schloss"
author: "Franz Kafka"
translator: "Willa and Edwin Muir"
title_de: "Das Schloss · The Castle"
languages: [de, en]
shelf: "Literature"
url: https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/
cite: "Franz Kafka, tr. Willa and Edwin Muir, The Castle · Das Schloss. Scriptura (scriptura.si), https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/"
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# The Castle · Das Schloss

*Franz Kafka, tr. Willa and Edwin Muir*

German: Das Schloss · The Castle

Kafka's novel in German and English, paragraph by paragraph, chapter by chapter.

## Contents

1. [Chapter I · Das erste Kapitel](https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/1.md)
2. [Chapter II · Das zweite Kapitel](https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/2.md)
3. [Chapter III · Das dritte Kapitel](https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/3.md)
4. [Chapter IV · Das vierte Kapitel](https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/4.md)
5. [Chapter V · Das fünfte Kapitel](https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/5.md)
6. [Chapter VI · Das sechste Kapitel](https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/6.md)
7. [Chapter VII · Das siebente Kapitel](https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/7.md)
8. [Chapter VIII · Das achte Kapitel](https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/8.md)
9. [Chapter IX · Das neunte Kapitel](https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/9.md)
10. [Chapter X · Das zehnte Kapitel](https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/10.md)
11. [Chapter XI · Das elfte Kapitel](https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/11.md)
12. [Chapter XII · Das zwölfte Kapitel](https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/12.md)
13. [Chapter XIII · Das dreizehnte Kapitel](https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/13.md)
14. [Chapter XIV · Das vierzehnte Kapitel](https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/14.md)
15. [Chapter XV · Das fünfzehnte Kapitel](https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/15.md)
16. [Chapter XVI · Das sechzehnte Kapitel](https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/16.md)
17. [Chapter XVII · Das siebzehnte Kapitel](https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/17.md)
18. [Chapter XVIII · Das achtzehnte Kapitel](https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/18.md)

## 1. Chapter I · Das erste Kapitel

Source: https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/1/ · cite a paragraph as https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/1/#p-N

[¶0] It was late in the evening when K. arrived. The village was deep in snow. The Castle hill was hidden, veiled in mist and darkness, nor was there even a glimmer of light to show that a castle was there. On the wooden bridge leading from the main road to the village K. stood for a long time gazing into the illusory emptiness above him.

> German: Es war spät abends, als K. ankam. Das Dorf lag in tiefem Schnee. Vom Schloßberg war nichts zu sehen, Nebel und Finsternis umgaben ihn, auch nicht der schwächste Lichtschein deutete das große Schloß an. Lange stand K. auf der Holzbrücke, die von der Landstraße zum Dorf führte, und blickte in die scheinbare Leere empor.

[¶1] Then he went on to find quarters for the night. The inn was still awake, and although the landlord could not provide a room and was upset by such a late and unexpected arrival, he was willing to let K. sleep on a bag of straw in the parlour. K. accepted the offer. Some peasants were still sitting over their beer, but he did not want to talk, and after himself fetching the bag of straw from the attic, lay down beside the stove. It was a warm corner, the peasants were quiet, and letting his weary eyes stray over them he soon fell asleep.
But very shortly he was awakened. A young man dressed like a townsman, with the face of an actor, his eyes narrow and his eyebrows strongly marked, was standing beside him along with the landlord. The peasants were still in the room, and a few had turned their chairs round so as to see and hear better. The young man apologised very courteously for having awakened K., introduced himself as the son of the Castellan, and then said: “This village belongs to the Castle, and whoever lives here or passes the night here does so in a manner of speaking in the Castle itself. Nobody may do that without the Count’s permission. But you have no such permit, or at least you have produced none.”

> German: Dann ging er ein Nachtlager suchen; im Wirtshaus war man noch wach, der Wirt hatte zwar kein Zimmer zu vermieten, aber er wollte, von dem späten Gast äußerst überrascht und verwirrt, K. in der Wirtsstube auf einem Strohsack schlafen lassen. K. war damit einverstanden. Einige Bauern waren noch beim Bier, aber er wollte sich mit niemandem unterhalten, holte selbst den Strohsack vom Dachboden und legte sich in der Nähe des Ofens hin. Warm war es, die Bauern waren still, ein wenig prüfte er sie noch mit den müden Augen, dann schlief er ein. Aber kurze Zeit darauf wurde er schon geweckt. Ein junger Mann, städtisch angezogen, mit schauspielerhaftem Gesicht, die Augen schmal, die Augenbrauen stark, stand mit dem Wirt neben ihm. Die Bauern waren auch noch da, einige hatten ihre Sessel herumgedreht, um besser zu sehen und zu hören. Der junge Mann entschuldigte sich sehr höflich, K. geweckt zu haben, stellte sich als Sohn des Schloß-Kastellans vor und sagte dann: „Dieses Dorf ist im Besitze des Schlosses, wer hier wohnt oder übernachtet, wohnt oder übernachtet gewissermaßen im Schloß. Niemand darf das ohne gräfliche Erlaubnis. Sie aber haben eine solche Erlaubnis nicht oder haben sie wenigstens nicht vorgezeigt.“

[¶2] K. had half raised himself and now, smoothing down his hair and looking up at the two men, he said: “What village is this I have wandered into? Is there a castle here?”

> German: K. hatte sich halb aufgerichtet, hatte die Haare zurecht gestrichen, blickte die Leute von unten her an und sagte: „In welches Dorf habe ich mich verirrt? Ist denn hier ein Schloß?“

[¶3] “Most certainly,” replied the young man slowly, while here and there a head was shaken over K.’s remark, “the castle of my lord the Count West-west.”

> German: „Allerdings,“ sagte der junge Mann langsam, während hier und dort einer den Kopf über K. schüttelte, „das Schloß des Herrn Grafen Westwest.“

[¶4] “And must one have a permit to sleep here?” asked K., as if he wished to assure himself that what he had heard was not a dream.

> German: „Und man muß die Erlaubnis zum Übernachten haben?“ fragte K., als wolle er sich davon überzeugen, ob er die früheren Mitteilungen nicht vielleicht geträumt hätte.

[¶5] “One must have a permit,” was the reply, and there was an ironical contempt for K. in the young man’s gesture as he stretched out his arm and appealed to the others, “Or must one not have a permit?”

> German: „Die Erlaubnis muß man haben“, war die Antwort und es lag darin ein grober Spott für K., als der junge Mann mit ausgestrecktem Arm den Wirt und die Gäste fragte: „Oder muß man etwa die Erlaubnis nicht haben?“

[¶6] “Well, then, I’ll have to go and get one,” said K. yawning and pushing his blanket away as if to rise up.

> German: „Dann werde ich mir also die Erlaubnis holen müssen“, sagte K. gähnend und schob die Decke von sich, als wolle er aufstehen.

[¶7] “And from whom, pray?” asked the young man.

> German: „Ja von wem denn?“ fragte der junge Mann.

[¶8] “From the Count,” said K., “that’s the only thing to be done.”

> German: „Vom Herrn Grafen,“ sagte K., „es wird nichts anderes übrigbleiben.“

[¶9] “A permit from the Count in the middle of the night!” cried the young man, stepping back a pace.

> German: „Jetzt um Mitternacht die Erlaubnis vom Herrn Grafen holen?“ rief der junge Mann und trat einen Schritt zurück.

[¶10] “Is that impossible?” enquired K. coolly. “Then why did you waken me?”

> German: „Ist das nicht möglich?“ fragte K. gleichmütig. „Warum haben Sie mich also geweckt?“

[¶11] At this the young man flew into a passion. “None of your guttersnipe manners!” he cried. “I insist on respect for the Count’s authority! I woke you up to inform you that you must quit the Count’s territory at once.”
“Enough of this fooling,” said K. in a markedly quiet voice, laying himself down again and pulling up the blanket. “You’re going a little too far, my good fellow, and I’ll have something to say tomorrow about your conduct. The landlord here and those other gentlemen will bear me out if necessary. Let me tell you that I am the Land Surveyor whom the Count is expecting. My assistants are coming on tomorrow in a carriage with the apparatus. I did not want to miss the chance of a walk through the snow, but unfortunately lost my way several times and so arrived very late. That it was too late to present myself at the Castle I knew very well before you saw fit to inform me. That is why I have made shift with this bed for the night, where, to put it mildly, you have had the discourtesy to disturb me. That is all I have to say. Good night, gentlemen.” And K. turned over on his side towards the stove.

> German: Nun geriet aber der junge Mann außer sich. „Landstreichermanieren!“ rief er, „ich verlange Respekt vor der gräflichen Behörde! Ich habe Sie deshalb geweckt, um Ihnen mitzuteilen, daß Sie sofort das gräfliche Gebiet verlassen müssen.“ „Genug der Komödie“, sagte K. auffallend leise, legte sich nieder und zog die Decke über sich. „Sie gehen, junger Mann, ein wenig zu weit und ich werde morgen noch auf Ihr Benehmen zurückkommen. Der Wirt und die Herren dort sind Zeugen, soweit ich überhaupt Zeugen brauche. Sonst aber lassen Sie es sich gesagt sein, daß ich der Landvermesser bin, den der Graf hat kommen lassen. Meine Gehilfen mit den Apparaten kommen morgen im Wagen nach. Ich wollte mir den Marsch durch den Schnee nicht entgehen lassen, bin aber leider einigemal vom Weg abgeirrt und deshalb erst so spät angekommen. Daß es jetzt zu spät war, mich im Schloß zu melden, wußte ich schon aus Eigenem, noch vor Ihrer Belehrung. Deshalb habe ich mich auch mit diesem Nachtlager hier begnügt, das zu stören Sie die – gelinde gesagt – Unhöflichkeit hatten. Damit sind meine Erklärungen beendet. Gute Nacht, meine Herren.“ Und K. drehte sich zum Ofen hin.

[¶12] “Land Surveyor?” he heard the hesitating question behind his back, and then there was a general silence. But the young man soon recovered his assurance, and lowering his voice, sufficiently to appear considerate of K.’s sleep while yet speaking loud enough to be clearly heard, said to the landlord: “I’ll ring up and enquire.” So there was a telephone in this village inn? They had everything up to the mark. The particular instance surprised K., but on the whole he had really expected it. It appeared that the telephone was placed almost over his head and in his drowsy condition he had overlooked it. If the young man must needs telephone he could not, even with the best intentions, avoid disturbing K., the only question was whether K. would let him do so; he decided to allow it. In that case, however, there was no sense in pretending to sleep, and so he turned on his back again. He could see the peasants putting their heads together; the arrival of a Land Surveyor was no small event. The door into the kitchen had been opened, and blocking the whole doorway stood the imposing figure of the landlady, to whom the landlord was advancing on tiptoe in order to tell her what was happening. And now the conversation began on the telephone. The Castellan was asleep, but an under-castellan, one of the under-castellans, a certain Herr Fritz, was available. The young man, announcing himself as Schwarzer, reported that he had found K., a disreputable-looking man in the thirties, sleeping calmly on a bag of straw with a minute rucksack for pillow and a knotty stick within reach. He had naturally suspected the fellow, and as the landlord had obviously neglected his duty he, Schwarzer, had felt bound to investigate the matter. He had roused the man, questioned him, and duly warned him off the Count’s territory, all of which K. had taken with an ill grace, perhaps with some justification, as it eventually turned out, for he claimed to be a Land Surveyor engaged by the Count. Of course, to say the least of it, that was a statement which required official confirmation, and so Schwarzer begged Herr Fritz to enquire in the Central Bureau if a Land Surveyor were really expected, and to telephone the answer at once.

> German: „Landvermesser?“ hörte er noch hinter seinem Rücken zögernd fragen, dann war allgemeine Stille. Aber der junge Mann faßte sich bald und sagte zum Wirt in einem Ton, der genug gedämpft war, um als Rücksichtnahme auf K.s Schlaf zu gelten, und laut genug, um ihm verständlich zu sein: „Ich werde telephonisch anfragen.“ Wie, auch ein Telephon war in diesem Dorfwirtshaus? Man war vorzüglich eingerichtet. Im einzelnen überraschte es K., im ganzen hatte er es freilich erwartet. Es zeigte sich, daß das Telephon fast über seinem Kopf angebracht war, in seiner Verschlafenheit hatte er es übersehen. Wenn nun der junge Mann telephonieren mußte, dann konnte er beim besten Willen K.s Schlaf nicht schonen, es handelte sich nur darum, ob K. ihn telephonieren lassen wollte, er beschloß, es zuzulassen. Dann hatte es aber freilich auch keinen Sinn, den Schlafenden zu spielen, und er kehrte deshalb in die Rückenlage zurück. Er sah die Bauern schon zusammenrücken und sich besprechen, die Ankunft eines Landvermessers war nichts Geringes. Die Tür der Küche hatte sich geöffnet, türfüllend stand dort die mächtige Gestalt der Wirtin, auf den Fußspitzen näherte sich ihr der Wirt, um ihr zu berichten. Und nun begann das Telephongespräch. Der Kastellan schlief, aber ein Unterkastellan, einer der Unterkastellane, ein Herr Fritz, war da. Der junge Mann, der sich als Schwarzer vorstellte, erzählte wie er K. gefunden, einen Mann in den Dreißigern, recht zerlumpt, auf einem Strohsack ruhig schlafend, mit einem winzigen Rucksack als Kopfkissen, einen Knotenstock in Reichweite. Nun sei er ihm natürlich verdächtig gewesen, und da der Wirt offenbar seine Pflicht vernachlässigt hatte, sei es seine, Schwarzers, Pflicht gewesen, der Sache auf den Grund zu gehn. Das Gewecktwerden, das Verhör, die pflichtgemäße Androhung der Verweisung aus der Grafschaft habe K. sehr ungnädig aufgenommen, übrigens, wie sich schließlich gezeigt habe, vielleicht mit Recht, denn er behaupte, ein vom Grafen bestellter Landvermesser zu sein. Natürlich sei es zumindest formelle Pflicht, die Behauptung nachzuprüfen, und Schwarzer bitte deshalb Herrn Fritz, sich in der Zentralkanzlei zu erkundigen, ob ein Landvermesser dieser Art wirklich erwartet werde, und die Antwort gleich zu telephonieren.

[¶13] Then there was silence while Fritz was making enquiries up there and the young man was waiting for the answer. K. did not change his position, did not even once turn round, seemed quite indifferent and stared into space. Schwarzer’s report, in its combination of malice and prudence, gave him an idea of the measure of diplomacy in which even underlings in the Castle like Schwarzer were versed. Nor were they remiss in industry, the Central Office had a night service. And apparently answered questions quickly, too, for Fritz was already ringing. His reply seemed brief enough, for Schwarzer hung up the receiver immediately, crying angrily: “Just what I said! Not a trace of a Land Surveyor. A common, lying tramp, and probably worse.” For a moment K. thought that all of them, Schwarzer, the peasants, the landlord and the landlady, were going to fall upon him in a body, and to escape at least the first shock of their assault he crawled right underneath the blanket. But the telephone rang again, and with a special insistence, it seemed to K. Slowly he put out his head. Although it was improbable that this message also concerned K. they all stopped short and Schwarzer took up the receiver once more. He listened to a fairly long statement, and then said in a low voice: “A mistake, is it? I’m sorry to hear that. The head of the department himself said so? Very queer, very queer. How am I to explain it all to the Land Surveyor?”

> German: Dann war es still, Fritz erkundigte sich drüben und hier wartete man auf die Antwort. K. blieb wie bisher, drehte sich nicht einmal um, schien gar nicht neugierig, sah vor sich hin. Die Erzählung Schwarzers in ihrer Mischung von Bosheit und Vorsicht gab ihm eine Vorstellung von der gewissermaßen diplomatischen Bildung, über die im Schloß selbst kleine Leute wie Schwarzer leicht verfügten. Und auch an Fleiß ließen sie es dort nicht fehlen; die Zentralkanzlei hatte Nachtdienst. Und gab offenbar sehr schnell Antwort, denn schon klingelte Fritz. Dieser Bericht schien allerdings sehr kurz, denn sofort warf Schwarzer wütend den Hörer hin. „Ich habe es ja gesagt,“ schrie er, „keine Spur von Landvermesser, ein gemeiner lügnerischer Landstreicher, wahrscheinlich aber Ärgeres.“ Einen Augenblick dachte K., alle, Schwarzer, Bauern, Wirt und Wirtin würden sich auf ihn stürzen. Um wenigstens dem ersten Ansturm auszuweichen, verkroch er sich ganz unter die Decke. Da läutete das Telephon nochmals und, wie es K. schien, besonders stark. Er steckte langsam den Kopf wieder hervor. Trotzdem es unwahrscheinlich war, daß es wieder K. betraf, stockten alle und Schwarzer kehrte zum Apparat zurück. Er hörte dort eine längere Erklärung ab und sagte dann leise: „Ein Irrtum also? Das ist mir recht unangenehm. Der Bureauchef selbst hat telephoniert? Sonderbar, sonderbar. Wie soll ich es dem Herrn Landvermesser erklären?“

[¶14] K. pricked up his ears. So the Castle had recognised him as the Land Surveyor. That was unpropitious for him, on the one hand, for it meant that the Castle was well informed about him, had estimated all the probable chances, and was taking up the challenge with a smile. On the other hand, however, it was quite propitious, for if his interpretation were right they had underestimated his strength, and he would have more freedom of action than he had dared to hope. And if they expected to cow him by their lofty superiority in recognising him as Land Surveyor, they were mistaken; it made his skin prickle a little, that was all.

> German: K. horchte auf. Das Schloß hatte ihn also zum Landvermesser ernannt. Das war einerseits ungünstig für ihn, denn es zeigte, daß man im Schloß alles Nötige über ihn wußte, die Kräfteverhältnisse abgewogen hatte und den Kampf lächelnd aufnahm. Es war aber andererseits auch günstig, denn es bewies seiner Meinung nach, daß man ihn unterschätzte und daß er mehr Freiheit haben würde, als er hätte von vornherein hoffen dürfen. Und wenn man glaubte, durch diese geistig gewiß überlegene Anerkennung seiner Landvermesserschaft ihn dauernd in Schrecken halten zu können, so täuschte man sich; es überschauerte ihn leicht, das war aber alles.

[¶15] He waved off Schwarzer who was timidly approaching him, and refused an urgent invitation to transfer himself into the landlord’s own room; he only accepted a warm drink from the landlord and from the landlady a basin to wash in, a piece of soap and a towel. He did not even have to ask that the room should be cleared, for all the men flocked out with averted faces lest he should recognise them again next day. The lamp was blown out, and he was left in peace at last. He slept deeply until morning, scarcely disturbed by rats scuttling past once or twice.

> German: Dem sich schüchtern nähernden Schwarzer winkte K. ab; ins Zimmer des Wirtes zu übersiedeln, wozu man ihn drängte, weigerte er sich, nahm nur vom Wirt einen Schlaftrunk an, von der Wirtin ein Waschbecken mit Seife und Handtuch und mußte gar nicht erst verlangen, daß der Saal geleert werde, denn alles drängte mit abgewendeten Gesichtern hinaus, um nicht etwa morgen von ihm erkannt zu werden. Die Lampe wurde ausgelöscht und er hatte endlich Ruhe. Er schlief tief, kaum ein-, zweimal von vorüberhuschenden Ratten gestört, bis zum Morgen.

[¶16] After breakfast, which, according to his host, was to be paid for by the Castle, together with all the other expenses of his board and lodging, he prepared to go out immediately into the village. But since the landlord, to whom he had been very curt because of his behaviour the preceding night, kept circling around him in dumb entreaty, he took pity on the man and asked him to sit down for a while.

> German: Nach dem Frühstück, das nach Angabe des Wirts, wie überhaupt K.s ganze Verpflegung, vom Schloß bezahlt werden sollte, wollte er gleich ins Dorf gehn. Aber da der Wirt, mit dem er bisher in Erinnerung an sein gestriges Benehmen nur das Notwendigste gesprochen hatte, mit stummer Bitte sich immerfort um ihn herumdrehte, erbarmte er sich seiner und ließ ihn für ein Weilchen sich niedersetzen.

[¶17] “I haven’t met the Count yet,” said K., “but he pays well for good work, doesn’t he? When a man like me travels so far from home he wants to go back with something in his pockets.”

> German: „Ich kenne den Grafen noch nicht,“ sagte K., „er soll gute Arbeit gut bezahlen, ist das wahr? Wenn man, wie ich, so weit von Frau und Kind reist, dann will man auch etwas heimbringen.“

[¶18] “There’s no need for the gentleman to worry about that kind of thing; nobody complains of being badly paid.”

> German: „In dieser Hinsicht muß sich der Herr keine Sorge machen, über schlechte Bezahlung hört man keine Klage.“

[¶19] “Well,” said K., “I’m not one of your timid people, and can give a piece of my mind even to a Count, but of course it’s much better to have everything settled up without any trouble.”

> German: „Nun,“ sagte K., „ich gehöre ja nicht zu den Schüchternen und kann auch einem Grafen meine Meinung sagen, aber in Frieden mit den Herren fertig zu werden ist natürlich weit besser.“

[¶20] The landlord sat opposite K. on the rim of the window-ledge, not daring to take a more comfortable seat, and kept on gazing at K. with an anxious look in his large brown eyes. He had thrust his company on K. at first, but now it seemed that he was eager to escape. Was he afraid of being cross-questioned about the Count? Was he afraid of some indiscretion on the part of the “gentleman” whom he took K. to be? K. must divert his attention. He looked at the clock, and said: “My assistants should be arriving soon. Will you be able to put them up here?”

> German: Der Wirt saß K. gegenüber am Rand der Fensterbank, bequemer wagte er sich nicht zu setzen und sah K. die ganze Zeit mit großen braunen, ängstlichen Augen an. Zuerst hatte er sich an K. herangedrängt, und nun schien es, als wolle er am liebsten weglaufen. Fürchtete er, über den Grafen ausgefragt zu werden? Fürchtete er die Unzuverlässigkeit des „Herrn“, für den er K. hielt? K. mußte ihn ablenken. Er blickte auf die Uhr und sagte: „Nun werden bald meine Gehilfen kommen, wirst du sie hier unterbringen können?“

[¶21] “Certainly, sir,” he said, “but won’t they be staying with you up at the Castle?”

> German: „Gewiß, Herr,“ sagte er, „werden sie aber nicht mit dir im Schlosse wohnen?“

[¶22] Was the landlord so willing, then, to give up prospective customers, and K. in particular, whom he so unconditionally transferred to the Castle?

> German: Verzichtete er so leicht und gern auf die Gäste und auf K. besonders, den er unbedingt ins Schloß verwies?

[¶23] “That’s not at all certain yet,” said K., “I must first find out what work I am expected to do. If I have to work down here, for instance, it would be more sensible to lodge down here. I’m afraid, too, that the life in the Castle wouldn’t suit me. I like to be my own master.”
“You don’t know the Castle,” said the landlord quietly.

> German: „Das ist noch nicht sicher,“ sagte K., „erst muß ich erfahren, was für eine Arbeit man für mich hat. Sollte ich z. B. hier unten arbeiten, dann wird es auch vernünftiger sein, hier unten zu wohnen. Auch fürchte ich, daß mir das Leben oben im Schlosse nicht zusagen würde. Ich will immer frei sein.“ „Du kennst das Schloß nicht“, sagte der Wirt leise.

[¶24] “Of course,” replied K., “one shouldn’t judge prematurely. All that I know at present about the Castle is that the people there know how to choose a good Land Surveyor. Perhaps it has other attractions as well.” And he stood up in order to rid the landlord of his presence, since the man was biting his lip uneasily. His confidence was not to be lightly won.

> German: „Freilich,“ sagte K., „man soll nicht verfrüht urteilen. Vorläufig weiß ich ja vom Schloß nichts weiter, als daß man es dort versteht, sich den richtigen Landvermesser auszusuchen. Vielleicht gibt es dort noch andere Vorzüge.“ Und er stand auf, um den unruhig seine Lippen beißenden Wirt von sich zu befreien. Leicht war das Vertrauen dieses Mannes nicht zu gewinnen.

[¶25] As K. was going out he noticed a dark portrait in a dim frame on the wall. He had already observed it from his couch by the stove, but from that distance he had not been able to distinguish any details and had thought that it was only a plain back to the frame. But it was a picture after all, as now appeared, the bust portrait of a man about fifty. His head was sunk so low upon his breast that his eyes were scarcely visible, and the weight of the high, heavy forehead and the strong hooked nose seemed to have borne the head down. Because of this pose the man’s full beard was pressed in at the chin and spread out further down. His left hand was buried in his luxuriant hair, but seemed incapable of supporting the head. “Who is that?” asked K., “the Count?” He was standing before the portrait and did not look round at the landlord. “No,” said the latter, “the Castellan.” “A handsome castellan, indeed,” said K., “a pity that he has such an ill-bred son.” “No, no,” said the landlord, drawing K. a little towards him and whispering in his ear, “Schwarzer exaggerated yesterday, his father is only an under-castellan, and one of the lowest, too.” At that moment the landlord struck K. as a very child. “The villain!” said K. with a laugh, but the landlord instead of laughing said, “Even his father is powerful.” “Get along with you,” said K., “you think everyone powerful. Me too, perhaps?” “No,” he replied, timidly yet seriously, “I don’t think you powerful.” “You’re a keen observer,” said K., “for between you and me I’m not really powerful. And consequently I suppose I have no less respect for the powerful than you have, only I’m not so honest as you and am not always willing to acknowledge it.” And K. gave the landlord a tap on the cheek to hearten him and awaken his friendliness. It made him smile a little. He was actually young, with that soft and almost beardless face of his; how had he come to have that massive, elderly wife, who could be seen through a small window bustling about the kitchen with her elbows sticking out? K. did not want to force his confidence any further, however, nor to scare away the smile he had at last evoked. So he only signed to him to open the door, and went out into the brilliant winter morning.

> German: Im Fortgehen fiel K. an der Wand ein dunkles Porträt in einem dunklen Rahmen auf. Schon von seinem Lager aus hatte er es bemerkt, hatte aber in der Entfernung die Einzelheiten nicht unterscheiden können und geglaubt, nur einen schwarzen Rückendeckel zu sehn. Aber es war doch ein Bild, wie sich jetzt zeigte, das Brustbild eines etwa 50jährigen Mannes. Den Kopf hielt er so tief auf die Brust gesenkt, daß man kaum etwas von den Augen sah, entscheidend für die Senkung schien die hohe lastende Stirn und die starke hinabgekrümmte Nase. Der Vollbart, infolge der Kopfhaltung am Kinn eingedrückt, stand weiter unten ab. Die linke Hand lag gespreizt in den vollen Haaren, konnte aber den Kopf nicht mehr heben. „Wer ist das?“ fragte K., „Der Graf?“ K. stand vor dem Bild und blickte sich gar nicht nach dem Wirt um. „Nein,“ sagte der Wirt, „der Kastellan.“ „Einen schönen Kastellan haben sie im Schloß, das ist wahr,“ sagte K., „schade, daß er einen so mißratenen Sohn hat.“ „Nein,“ sagte der Wirt, zog K. ein wenig zu sich herunter und flüsterte ihm ins Ohr: „Schwarzer hat gestern übertrieben, sein Vater ist nur ein Unterkastellan und sogar einer der letzten.“ In diesem Augenblick kam der Wirt K. wie ein Kind vor. „Der Lump!“ sagte K. lachend, aber der Wirt lachte nicht, sondern sagte: „Auch sein Vater ist mächtig.“ „Geh,“ sagte K. „du hältst jeden für mächtig. Mich etwa auch?“ „Dich“, sagte er schüchtern, aber ernsthaft, „halte ich nicht für mächtig.“ „Du verstehst aber doch recht gut zu beobachten,“ sagte K., „mächtig bin ich nämlich im Vertrauen gesagt wirklich nicht. Und habe infolgedessen vor den Mächtigen wahrscheinlich nicht weniger Respekt als du, nur bin ich nicht so aufrichtig wie du und will es nicht immer eingestehen.“ Und K. klopfte dem Wirt, um ihn zu trösten und sich geneigter zu machen, leicht auf die Wange. Nun lächelte er doch ein wenig. Er war wirklich ein Junge mit seinem weichen, fast bartlosem Gesicht. Wie war er zu seiner breiten, ältlichen Frau gekommen, die man nebenan hinter einem Querfenster, weit die Ellbogen vom Leib, in der Küche hantieren sah. K. wollte aber jetzt nicht mehr weiter in ihn drängen, das endlich bewirkte Lächeln nicht verjagen. Er gab ihm also nur noch einen Wink, ihm die Tür zu öffnen, und trat in den schönen Wintermorgen hinaus.

[¶26] Now he could see the Castle above him, clearly defined in the glittering air, its outline made still more definite by the moulding of snow covering it in a thin layer. There seemed to be much less snow up there on the hill than down in the village, where K. found progress as laborious as on the main road the previous day. Here the heavy snowdrifts reached right up to the cottage windows and began again on the low roofs, but up on the hill everything soared light and free into the air, or at least so it appeared from down below.

> German: Nun sah er oben das Schloß deutlich umrissen in der klaren Luft und noch deutlicher durch den alle Formen nachbildenden, in dünner Schicht überall liegenden Schnee. Übrigens schien oben auf dem Berg viel weniger Schnee zu sein als hier im Dorf, wo sich K. nicht weniger mühsam vorwärts brachte als gestern auf der Landstraße. Hier reichte der Schnee bis zu den Fenstern der Hütten und lastete gleich wieder auf dem niedrigen Dach, aber oben auf dem Berge ragte alles frei und leicht empor, wenigstens schien es so von hier aus.

[¶27] On the whole this distant prospect of the Castle satisfied K.’s expectations. It was neither an old stronghold nor a new mansion, but a rambling pile consisting of innumerable small buildings closely packed together and of one or two storeys; if K. had not known that it was a Castle he might have taken it for a little town. There was only one tower as far as he could see, whether it belonged to a dwelling-house or a church he could not determine. Swarms of crows were circling round it.

> German: Im ganzen entsprach das Schloß, wie es sich hier von der Ferne zeigte, K.s Erwartungen. Es war weder eine alte Ritterburg, noch ein neuer Prunkbau, sondern eine ausgedehnte Anlage, die aus wenigen zweistöckigen, aber aus vielen eng aneinander stehenden niedrigen Bauten bestand; hätte man nicht gewußt, daß es ein Schloß ist, hätte man es für ein Städtchen halten können. Nur einen Turm sah K., ob er zu einem Wohngebäude oder einer Kirche gehörte, war nicht zu erkennen. Schwärme von Krähen umkreisten ihn.

[¶28] With his eyes fixed on the Castle, K. went on further, thinking of nothing else at all. But on approaching it he was disappointed in the Castle; it was after all only a wretched-looking town, a huddle of village houses, whose sole merit, if any, lay in being built of stone, but the plaster had long since flaked off and the stone seemed to be crumbling away. K. had a fleeting recollection of his native town. It was hardly inferior to this so-called Castle, and if it were merely a question of enjoying the view it was a pity to have come so far, K. would have done better to visit his native town again, which he had not seen for such a long time. And in his mind he compared the church tower at home with the tower above him. The church tower, firm in line, soaring unfalteringly to its tapering point, topped with red tiles and broad in the roof, an earthly building—what else can men build?—but with a loftier goal than the humble dwelling-houses, and a clearer meaning than the muddle of everyday life. The tower above him here—the only one visible—the tower of a house, as was now apparent, perhaps of the main building, was uniformly round, part of it graciously mantled with ivy, pierced by small windows that glittered in the sun, a somewhat maniacal glitter, and topped by what looked like an attic, with battlements that were irregular, broken, fumbling, as if designed by the trembling or careless hand of a child, clearly outlined against the blue. It was as if a melancholy-mad tenant who ought to have been kept locked in the topmost chamber of his house had burst through the roof and lifted himself up to the gaze of the world.

> German: Die Augen auf das Schloß gerichtet, ging K. weiter, nichts sonst kümmerte ihn. Aber im Näherkommen enttäuschte ihn das Schloß, es war doch nur ein recht elendes Städtchen, aus Dorfhäusern zusammengetragen, ausgezeichnet nur dadurch, daß vielleicht alles aus Stein gebaut war, aber der Anstrich war längst abgefallen und der Stein schien abzubröckeln. Flüchtig erinnerte sich K. an sein Heimatstädtchen. Es stand diesem angeblichen Schlosse kaum nach, wäre es K. nur auf die Besichtigung angekommen, dann wäre es schade um die lange Wanderschaft gewesen und er hätte vernünftiger gehandelt, wieder einmal die alte Heimat zu besuchen, wo er schon so lange nicht gewesen war. Und er verglich in Gedanken den Kirchturm der Heimat mit dem Turm dort oben. Jener Turm, bestimmt, ohne Zögern geradewegs nach oben sich verjüngend, breitdachig, abschließend mit roten Ziegeln, ein irdisches Gebäude – was können wir anderes bauen? – aber mit höherem Ziel als das niedrige Hausvergemenge und mit klarerem Ausdruck, als ihn der trübe Werktag hat. Der Turm hier oben – es war der einzige sichtbare – der Turm eines Wohnhauses, wie sich jetzt zeigte, vielleicht des Hauptschlosses, war ein einförmiger Rundbau, zum Teil gnädig von Efeu verdeckt, mit kleinen Fenstern, die jetzt in der Sonne aufstrahlten, etwas Irrsinniges hatte das, und einem söllerartigen Abschluß, dessen Mauerzinnen unsicher, unregelmäßig, brüchig, wie von ängstlicher oder nachlässiger Kinderhand gezeichnet, sich in den blauen Himmel zackten. Es war, wie wenn ein trübseliger Hausbewohner, der gerechterweise im entlegensten Zimmer des Hauses sich hätte eingesperrt halten sollen, das Dach durchbrochen und sich erhoben hätte, um sich der Welt zu zeigen.

[¶29] Again K. came to a stop, as if in standing still he had more power of judgment. But he was disturbed. Behind the village church where he had stopped—it was really only a chapel widened with barn-like additions so as to accommodate the parishioners—was the school. A long, low building, combining remarkably a look of great age with a provisional appearance, it lay behind a fenced-in garden which was now a field of snow. The children were just coming out with their teacher. They thronged round him, all gazing up at him and chattering without a break so rapidly that K. could not follow what they said. The teacher, a small young man with narrow shoulders and a very upright carriage which yet did not make him ridiculous, had already fixed K. with his eyes from the distance, naturally enough, for apart from the schoolchildren there was not another human being in sight. Being the stranger, K. made the first advance, especially as the other was such an authoritative-looking little man, and said, “Good morning, sir.” As if by one accord the children fell silent, perhaps the master liked to have a sudden stillness as a preparation for his words. “You are looking at the Castle?” he asked more gently than K. had expected, but with an inflection that denoted disapproval of K.’s occupation. “Yes,” said K. “I am a stranger here, I came to the village only last night.” “You don’t like the Castle?” returned the teacher quickly. “What?” countered K., a little taken aback, and repeated the question in a modified form. “Do I like the Castle? Why do you assume that I don’t like it?” “Strangers never do,” said the teacher. To avoid saying the wrong thing K. changed the subject and asked, “I suppose you know the Count?” “No,” said the teacher turning away. But K. would not be put off and asked again, “What, you don’t know the Count?” “Why should I?” replied the teacher in a low tone, and added aloud in French: “Please remember that there are innocent children present.” K. took this as a justification for asking: “Might I come to pay you a visit one day, sir? I am to be staying here for some time and already feel a little lonely. I don’t fit in with the peasants nor, I imagine, with the Castle.” “There is no difference between the peasantry and the Castle,” said the teacher. “Maybe,” said K., “that doesn’t alter my position. Can I pay you a visit one day?” “I live in Swan Street at the butcher’s.” That was assuredly more of a statement than an invitation, but K. said: “Right, I’ll come.” The teacher nodded and moved on with his batch of children, who began to scream again immediately. They soon vanished in a steeply descending by-street.

> German: Wieder stand K. still, als hätte er im Stillestehen mehr Kraft des Urteils. Aber er wurde gestört. Hinter der Dorfkirche, bei der er stehengeblieben war – es war eigentlich nur eine Kapelle, scheunenartig erweitert, um die Gemeinde aufnehmen zu können – war die Schule. Ein niedriges langes Gebäude, merkwürdig den Charakter der Provisorischen und des sehr Alten vereinigend, lag es hinter einem umgitterten Garten, der jetzt ein Schneefeld war. Eben kamen die Kinder mit dem Lehrer heraus. In einem dichten Haufen umgaben sie den Lehrer, aller Augen blickten auf ihn, unaufhörlich schwatzten sie von allen Seiten, K. verstand ihr schnelles Sprechen gar nicht. Der Lehrer, ein junger, kleiner, schmalschultriger Mensch, aber ohne daß es lächerlich wurde, sehr aufrecht, hatte K. schon von der Ferne ins Auge gefaßt, allerdings war außer seiner Gruppe K. der einzige Mensch weit und breit. K. als Fremder grüßte zuerst, gar einen so befehlshaberischen kleinen Mann. „Guten Tag, Herr Lehrer“, sagte er. Mit einem Schlag verstummten die Kinder, diese plötzliche Stille als Vorbereitung für seine Worte mochte wohl dem Lehrer gefallen. „Ihr sehet das Schloß an?“ fragte er, sanftmütiger, als K. erwartet hatte, aber in einem Tone, als billige er nicht das, was K. tue. „Ja,“ sagte K., „ich bin hier fremd, erst seit gestern abend im Ort.“ „Das Schloß gefällt Euch nicht?“ fragte der Lehrer schnell. „Wie?“ fragte K. zurück, ein wenig verblüfft, und wiederholte in milderer Form die Frage: „Ob mir das Schloß gefällt? Warum nehmet Ihr an, daß es mir nicht gefällt?“ „Keinem Fremden gefällt es“, sagte der Lehrer. Um hier nichts Unwillkommenes zu sagen, wendete K. das Gespräch und fragte: „Sie kennen wohl den Grafen?“ „Nein“, sagte der Lehrer und wollte sich abwenden. K. gab aber nicht nach und fragte nochmals: „Wie? Sie kennen den Grafen nicht?“ „Wie sollte ich ihn kennen?“ sagte der Lehrer leise und fügte laut auf französisch hinzu: „Nehmen Sie Rücksicht auf die Anwesenheit unschuldiger Kinder.“ K. holte daraus das Recht zu fragen: „Könnte ich Sie, Herr Lehrer, einmal besuchen? Ich bleibe längere Zeit hier und fühle mich schon jetzt ein wenig verlassen, zu den Bauern gehöre ich nicht und ins Schloß wohl auch nicht.“ „Zwischen den Bauern und dem Schloß ist kein Unterschied“, sagte der Lehrer. „Mag sein,“ sagte K., „das ändert an meiner Lage nichts. Könnte ich Sie einmal besuchen?“ „Ich wohne in der Schwanengasse beim Fleischhauer.“ Das war nun zwar mehr eine Adressenangabe als eine Einladung, dennoch sagte K.: „Gut, ich werde kommen.“ Der Lehrer nickte und zog mit den gleich wieder losschreienden Kinderhaufen weiter. Sie verschwanden bald in einem jäh abfallenden Gäßchen.

[¶30] But K. was disconcerted, irritated by the conversation. For the first time since his arrival he felt really tired. The long journey he had made seemed at first to have imposed no strain upon him—how quietly he had sauntered through the days, step by step!—but now the consequences of his exertion were making themselves felt, and at the wrong time, too. He felt irresistibly drawn to seek out new acquaintances, but each new acquaintance only seemed to increase his weariness. If he forced himself in his present condition to go on at least as far as the Castle entrance, he would have done more than enough.

> German: K. aber war zerstreut, durch das Gespräch verärgert. Zum erstenmal seit seinem Kommen fühlte er wirkliche Müdigkeit. Der weite Weg hierher schien ihn ursprünglich gar nicht angegriffen zu haben, wie war er durch die Tage gewandert, ruhig, Schritt für Schritt! – jetzt aber zeigten sich doch die Folgen der übergroßen Anstrengung, zur Unzeit freilich. Es zog ihn unwiderstehlich hin, neue Bekanntschaften zu suchen, aber jede neue Bekanntschaft verstärkte die Müdigkeit. Wenn er sich in seinem heutigen Zustand zwang, seinen Spaziergang wenigstens bis zum Eingang des Schlosses auszudehnen, war übergenug getan.

[¶31] So he resumed his walk, but the way proved long. For the street he was in, the main street of the village, did not lead up to the Castle hill, it only made towards it and then, as if deliberately, turned aside, and though it did not lead away from the Castle it got no nearer to it either. At every turn K. expected the road to double back to the Castle, and only because of this expectation did he go on; he was flatly unwilling, tired as he was, to leave the street, and he was also amazed at the length of the village, which seemed to have no end, again and again the same little houses, and frost-bound windowpanes and snow and the entire absence of human beings—but at last he tore himself away from the obsession of the street and escaped into a small side-lane, where the snow was still deeper and the exertion of lifting one’s feet clear was fatiguing; he broke into a sweat, suddenly came to a stop, and could not go on.

> German: So ging er wieder vorwärts, aber es war ein langer Weg. Die Straße nämlich, diese Hauptstraße des Dorfes, führte nicht zum Schloßberg, sie führte nur nahe heran, dann aber wie absichtlich bog sie ab und wenn sie sich auch vom Schloß nicht entfernte, so kam sie ihm doch auch nicht näher. Immer erwartete K., daß nun endlich die Straße zum Schloß einlenken müsse, und nur weil er es erwartete, ging er weiter; offenbar infolge seiner Müdigkeit zögerte er, die Straße zu verlassen, auch staunte er über die Länge des Dorfes, das kein Ende nahm, immer wieder die kleinen Häuschen und vereisten Fensterscheiben und Schnee und Menschenleere – endlich riß er sich los von dieser festhaltenden Straße, ein schmales Gäßchen nahm ihn auf, noch tieferer Schnee, das Herausziehen der einsinkenden Füße war eine schwere Arbeit, Schweiß brach ihm aus, plötzlich stand er still und konnte nicht mehr weiter.

[¶32] Well, he was not on a desert island, there were cottages to right and left of him. He made a snowball and threw it at a window. The door opened immediately—the first door that had opened during the whole length of the village—and there appeared an old peasant in a brown fur jacket, with his head cocked to one side, a frail and kindly figure. “May I come into your house for a little?” asked K., “I’m very tired.” He did not hear the old man’s reply, but thankfully observed that a plank was pushed out towards him to rescue him from the snow, and in a few steps he was in the kitchen.

> German: Nun, er war ja nicht verlassen, rechts und links standen Bauernhütten. Er machte einen Schneeball und warf ihn gegen ein Fenster. Gleich öffnete sich die Türe – die erste sich öffnende Türe während des ganzen Dorfweges – und ein alter Bauer in brauner Pelzjoppe, den Kopf seitwärts geneigt, freundlich und schwach, stand dort. „Darf ich ein wenig zu Euch kommen?“ sagte K., „ich bin sehr müde.“ Er hörte gar nicht, was der Alte sagte, dankbar nahm er es an, daß ihm ein Brett entgegengeschoben wurde, das ihn gleich aus dem Schnee rettete, und mit ein paar Schritten stand er in der Stube.

[¶33] A large kitchen, dimly lit. Anyone coming in from outside could make out nothing at first. K. stumbled over a washing-tub, a woman’s hand steadied him. The crying of children came loudly from one corner. From another steam was welling out and turning the dim light into darkness. K. stood as if in the clouds. “He must be drunk,” said somebody. “Who are you?” cried a hectoring voice, and then obviously to the old man; “Why did you let him in? Are we to let in everybody that wanders about in the street?” “I am the Count’s Land Surveyor,” said K., trying to justify himself before this still invisible personage. “Oh, it’s the Land Surveyor,” said a woman’s voice, and then came a complete silence. “You know me, then?” asked K. “Of course,” said the same voice curtly. The fact that he was known did not seem to be a recommendation.
At last the steam thinned a little, and K. was able gradually to make things out. It seemed to be a general washing-day. Near the door clothes were being washed. But the steam was coming from another corner, where in a wooden tub larger than any K. had ever seen, as wide as two beds, two men were bathing in steaming water. But still more astonishing, although one could not say what was so astonishing about it, was the scene in the right-hand corner. From a large opening, the only one in the back wall, a pale snowy light came in, apparently from the courtyard, and gave a gleam as of silk to the dress of a woman who was almost reclining in a high armchair. She was suckling an infant at her breast. Several children were playing around her, peasant children, as was obvious, but she seemed to be of another class, although of course illness and weariness give even peasants a look of refinement.

> German: Eine große Stube im Dämmerlicht. Der von draußen Kommende sah zuerst gar nichts. K. taumelte gegen einen Waschtrog, eine Frauenhand hielt ihn zurück. Aus einer Ecke kam viel Kindergeschrei. Aus einer anderen Ecke wälzte sich Rauch und machte aus Halblicht Finsternis. K. stand wie in Wolken. „Er ist ja betrunken“, sagte jemand. „Wer seid Ihr?“ rief eine herrische Stimme und wohl zu dem Alten gewendet: „Warum hast du ihn hereingelassen? Kann man alles hereinlassen, was auf der Straße herumschleicht?“ „Ich bin der gräfliche Landvermesser“, sagte K. und suchte sich so vor den noch immer Unsichtbaren zu verantworten. „Ach, es ist der Landvermesser“, sagte eine weibliche Stimme, und nun folgte eine vollkommene Stille. „Ihr kennt mich?“ fragte K. „Gewiß“, sagte noch kurz die gleiche Stimme. Daß man K. kannte, schien ihn nicht zu empfehlen. Endlich verflüchtigte sich ein wenig der Rauch und K. konnte sich langsam zurechtfinden. Es schien ein allgemeiner Waschtag zu sein. In der Nähe der Tür wurde Wäsche gewaschen. Der Rauch war aber aus der andern Ecke gekommen, wo in einem Holzschaff, so groß, wie K. noch nie eines gesehen hatte, es hatte etwa den Umfang von zwei Betten, in dampfendem Wasser zwei Männer badeten. Aber noch überraschender, ohne daß man genau wußte, worin das Überraschende bestand, war die rechte Ecke. Aus einer großen Lücke, der einzigen in der Stubenrückwand, kam dort, wohl vom Hof her bleiches Schneelicht und gab dem Kleid einer Frau, die tief in der Ecke in einem hohen Lehnstuhl müde fast lag, einen Schein wie von Seide. Sie trug einen Säugling an der Brust. Um sie herum spielten paar Kinder, Bauernkinder, wie zu sehen war, sie aber schien nicht zu ihnen zu gehören, freilich, Krankheit und Müdigkeit macht auch Bauern fein.

[¶34] “Sit down!” said one of the men, who had a full beard and breathed heavily through his mouth which always hung open, pointing—it was a funny sight—with his wet hand over the edge of the tub towards a settle, and showering drops of warm water all over K.’s face as he did so. On the settle the old man who had admitted K. was already sitting, sunk in vacancy. K. was thankful to find a seat at last. Nobody paid any further attention to him. The woman at the washing-tub, young, plump and fair, sang in a low voice as she worked, the men stamped and rolled about in the bath, the children tried to get closer to them but were constantly driven back by mighty splashes of water which fell on K., too, and the woman in the armchair lay as if lifeless staring at the roof without even a glance towards the child at her bosom.

> German: „Setzt Euch!“ sagte der eine der Männer, ein Vollbärtiger, überdies mit einem Schnurrbart, unter dem er den Mund schnaufend immer offen hielt, zeigte, komisch anzusehn, mit der Hand über den Rand des Kübels auf eine Truhe hin und bespritzte dabei K. mit warmem Wasser das ganze Gesicht. Auf der Truhe saß schon, vor sich hindämmernd, der Alte, der K. eingelassen hatte. K. war dankbar, sich endlich setzen zu dürfen. Nun kümmerte sich niemand mehr um ihn. Die Frau beim Waschtrog, blond, in jugendlicher Fülle, sang leise bei der Arbeit, die Männer im Bad stampften und drehten sich, die Kinder wollten sich ihnen nähern, wurden aber durch mächtige Wasserspritzer, die auch K. nicht verschonten, immer wieder zurückgetrieben, die Frau im Lehnstuhl lag wie leblos, nicht einmal auf das Kind an ihrer Brust blickte sie hinab, sondern unbestimmt in die Höhe.

[¶35] She made a beautiful, sad, fixed picture, and K. looked at her for what must have been a long time; then he must have fallen asleep, for when a loud voice roused him he found that his head was lying on the old man’s shoulder. The men had finished with the tub—in which the children were now wallowing in charge of the fair-haired woman—and were standing fully dressed before K. It appeared that the hectoring one with the full beard was the less important of the two. The other, a still slow-thinking man who kept his head bent, was not taller than his companion and had a much smaller beard, but he was broader in the shoulders and had a broad face as well, and he it was who said, “You can’t stay here, sir. Excuse the discourtesy.” “I don’t want to stay,” said K., “I only wanted to rest a little. I have rested, and now I shall go.” “You’re probably surprised at our lack of hospitality,” said the man, “but hospitality is not our custom here, we have no use for visitors.” Somewhat refreshed by his sleep, his perceptions somewhat quickened, K. was pleased by the man’s frankness. He felt less constrained, poked with his stick here and there, approached the woman in the armchair, and noted that he was physically the biggest man in the room.

> German: K. hatte sie wohl lange angesehen, dieses sich nicht verändernde schöne traurige Bild, dann aber mußte er eingeschlafen sein, denn als er, von einer lauten Stimme gerufen, aufschreckte, lag sein Kopf an der Schulter des Alten neben ihm. Die Männer hatten ihr Bad beendet, in dem sich jetzt die Kinder, von der blonden Frau beaufsichtigt, herumtrieben, und standen angezogen vor K. Es zeigte sich, daß der schreierische Vollbärtige der Geringere von den zweien war. Der andere nämlich, nicht größer als der Vollbärtige und mit viel geringerem Bart, war ein stiller langsam denkender Mann, von breiter Gestalt, auch das Gesicht breit, den Kopf hielt er gesenkt. „Herr Landvermesser,“ sagte er, „hier könnt Ihr nicht bleiben. Verzeiht die Unhöflichkeit.“ „Ich wollte auch nicht bleiben,“ sagte K., „nur ein wenig mich ausruhen. Das ist geschehen, und nun gehe ich.“ „Ihr wundert Euch wahrscheinlich über die geringe Gastfreundlichkeit,“ sagte der Mann, „aber Gastfreundlichkeit ist bei uns nicht Sitte, wir brauchen keine Gäste.“ Ein wenig erfrischt vom Schlaf, ein wenig hellhöriger als früher, freute sich K. über die offenen Worte. Er bewegte sich freier, stützte seinen Stock einmal hier, einmal dort auf, näherte sich der Frau im Lehnstuhl, war übrigens auch der körperlich Größte im Zimmer.

[¶36] “To be sure,” said K., “what use would you have for visitors? But still you need one now and then, me, for example, the Land Surveyor.” “I don’t know about that,” replied the man slowly, “if you’ve been asked to come you’re probably needed, that’s an exceptional case, but we small people stick to our tradition, and you can’t blame us for that.” “No, no,” said K., “I am only grateful to you, to you, and everybody here.” And taking them all by surprise he made an adroit turn and stood before the reclining woman. Out of weary blue eyes she looked at him, a transparent silk kerchief hung down to the middle of her forehead, the infant was asleep on her bosom. “Who are you?” asked K., and disdainfully—whether contemptuous of K. or of her own answer was not clear—she replied: “A girl from the Castle.”

> German: „Gewiß,“ sagte K., „wozu brauchtet ihr Gäste. Aber hie und da braucht man doch einen, z. B. mich, den Landvermesser.“ „Das weiß ich nicht,“ sagte der Mann langsam, „hat man Euch gerufen, so braucht man Euch wahrscheinlich, das ist wohl eine Ausnahme, wir aber, wir kleinen Leute, halten uns an die Regel, das könnt Ihr uns nicht verdenken.“ „Nein, nein,“ sagte K., „ich habe Euch nur zu danken, Euch und allen hier.“ Und unerwartet für jedermann kehrte sich K. förmlich in einem Sprunge um und stand vor der Frau. Aus müden, blauen Augen blickte sie K. an, ein seidenes, durchsichtiges Kopftuch reichte ihr bis in die Mitte der Stirn hinab, der Säugling schlief an ihrer Brust. „Wer bist du?“ fragte K. wegwerfend, es war undeutlich, ob die Verächtlichkeit K. oder ihrer eigenen Antwort galt, sagte sie: „Ein Mädchen aus dem Schloß.“

[¶37] It had only taken a second or so, but already the two men were at either side of K. and were pushing him towards the door, as if there were no other means of persuasion, silently, but putting out all their strength. Something in this procedure delighted the old man, and he clapped his hands. The woman at the bathtub laughed too, and the children suddenly shouted like mad.

> German: Das alles hatte nur einen Augenblick gedauert, schon hatte K. rechts und links einen der Männer und wurde, als gäbe es kein anderes Verständigungsmittel, schweigend, aber mit aller Kraft zur Tür gezogen. Der Alte freute sich über irgend etwas dabei und klatschte in die Hände. Auch die Wäscherin lachte bei den plötzlich wie toll lärmenden Kindern.

[¶38] K. was soon out in the street, and from the threshold the two men surveyed him. Snow was again falling, yet the sky seemed a little brighter. The bearded man cried impatiently; “Where do you want to go? This is the way to the Castle, and that to the village.” K. made no reply to him, but turned to the other, who in spite of his shyness seemed to him the more amiable of the two, and said: “Who are you? Whom have I to thank for sheltering me?” “I am the tanner Lasemann,” was the answer, “but you owe thanks to nobody.” “All right,” said K., “perhaps we’ll meet again.” “I don’t suppose so,” said the man. At that moment the other cried, with wave of his hand: “Good morning, Arthur; good morning, Jeremiah!” K. turned round; so there were really people to be seen in the village streets! From the direction of the Castle came two young men of medium height, both very slim, in tight-fitting clothes, and like each other in their features. Although their skin was a dusky brown the blackness of their little pointed beards was actually striking by contrast. Considering the state of the road, they were walking at a great pace, their slim legs keeping time. “Where are you off to?” shouted the bearded man. One had to shout to them, they were going so fast and they would not stop. “On business,” they shouted back, laughing. “Where?” “At the inn.” “I’m going there too,” yelled K. suddenly, louder than all the rest; he felt a strong desire to accompany them, not that he expected much from their acquaintance, but they were obviously good and jolly companions. They heard him, but only nodded, and were already out of sight.

> German: K. aber stand bald auf der Gasse, die Männer beaufsichtigten ihn von der Schwelle aus. Es fiel wieder Schnee, trotzdem schien es ein wenig heller zu sein. Der Vollbärtige rief ungeduldig: „Wohin wollt Ihr gehn? Hier führt es zum Schloß, hier zum Dorf.“ Ihm antwortete K. nicht, aber zu dem andern, der ihm trotz seiner Verlegenheit der zugänglichere schien, sagte er: „Wer seid Ihr? Wem habe ich für den Aufenthalt zu danken?“ „Ich bin der Gerbermeister Lasemann,“ war die Antwort, „zu danken habt Ihr aber niemandem.“ „Gut,“ sagte K., „vielleicht werden wir noch zusammenkommen.“ „Ich glaube nicht“, sagte der Mann. In diesem Augenblick rief der Vollbärtige mit erhobener Hand: „Guten Tag, Artur, guten Tag, Jeremias!“ K. wandte sich um, es zeigten sich in diesem Dorf also doch noch Menschen auf der Gasse! Aus der Richtung vom Schlosse her kamen zwei junge Männer von mittlerer Größe, beide sehr schlank, in engen Kleidern, auch im Gesicht einander sehr ähnlich. Die Gesichtsfarbe war ein dunkles Braun, von dem ein Spitzbart in seiner besonderen Schwärze dennoch abstach. Sie gingen bei diesen Straßenverhältnissen erstaunlich schnell, warfen im Takt die schlanken Beine. „Was habt ihr?“ rief der Vollbärtige. Man konnte sich nur rufend mit ihnen verständigen, so schnell gingen sie und hielten nicht ein. „Geschäfte“, riefen sie lachend zurück. „Wo?“ „Im Wirtshaus.“ „Dorthin gehe auch ich,“ schrie K. auf einmal mehr als alle andern, er hatte großes Verlangen, von den zweien mitgenommen zu werden; ihre Bekanntschaft schien ihm zwar nicht sehr ergiebig, aber gute, aufmunternde Wegbegleiter waren sie offenbar. Sie hörten K.s Worte, nickten jedoch nur und waren schon vorüber.

[¶39] K. was still standing in the snow, and was little inclined to extricate his feet only for the sake of plunging them in again; the tanner and his comrade, satisfied with having finally got rid of him, edged slowly into the house through the door which was now barely ajar, casting backward glances at K., and he was left alone in the falling snow. “A fine setting for a fit of despair,” it occurred to him, “if I were only standing here by accident instead of design.”

> German: K. stand noch immer im Schnee, hatte wenig Lust den Fuß aus dem Schnee zu heben, um ihn ein Stückchen weiter wieder in die Tiefe zu senken; der Gerbermeister und sein Genosse, zufrieden damit, K. endgültig hinausgeschafft zu haben, schoben sich langsam, immer nach K. zurückblickend, durch die nur wenig geöffnete Tür ins Haus und K. war mit dem ihn einhüllenden Schnee allein. „Gelegenheit zu einer kleinen Verzweiflung,“ fiel ihm ein, „wenn ich nur zufällig nicht absichtlich hier stünde.“

[¶40] Just then in the hut on his left hand a tiny window was opened, which had seemed quite blue when shut, perhaps from the reflection of the snow, and was so tiny that when opened it did not permit the whole face of the person behind it to be seen, but only the eyes, old brown eyes. “There he is,” K. heard a woman’s trembling voice say. “It’s the Land Surveyor,” answered a man’s voice. Then the man came to the window and asked, not unamiably, but still as if he were anxious to have no complications in front of his house: “Are you waiting for somebody?” “For a sledge, to pick me up,” said K. “No sledges will pass here,” said the man, “there’s no traffic here.” “But it’s the road leading to the Castle,” objected K. “All the same, all the same,” said the man with a certain finality, “there’s no traffic here.” Then they were both silent. But the man was obviously thinking of something, for he kept the window open. “It’s a bad road,” said K., to help him out. The only answer he got, however, was: “Oh, yes.” But after a little the man volunteered: “If you like, I’ll take you in my sledge.” “Please do,” said K. delighted, “what is your charge?” “Nothing,” said the man. K. was very surprised. “Well, you’re the Land Surveyor,” explained the man, “and you belong to the Castle. Where do you want to be taken?” “To the Castle,” returned K. quickly. “I won’t take you there,” said the man without hesitation. “But I belong to the Castle,” said K., repeating the other’s very words. “Maybe,” said the man shortly. “Oh, well, take me to the inn,” said K. “All right,” said the man, “I’ll be out with the sledge in a moment.” His whole behaviour had the appearance of springing not from any special desire to be friendly but rather from a kind of selfish, worried and almost pedantic insistence on shifting K. away from the front of the house.

> German: Da öffnete sich in der Hütte linker Hand ein winziges Fenster, geschlossen hatte es tiefblau ausgesehen, vielleicht im Widerschein des Schnees, und war so winzig, daß, als es jetzt geöffnet war, nicht das ganze Gesicht des Hinausschauenden zu sehen war, sondern nur die Augen, alte braune Augen. „Dort steht er“, hörte K. eine zittrige Frauenstimme sagen. „Es ist der Landvermesser“, sagte eine Männerstimme. Dann trat der Mann zum Fenster und fragte nicht unfreundlich, aber doch so, als sei ihm daran gelegen, daß auf der Straße vor seinem Haus alles in Ordnung sei: „Auf wen wartet Ihr?“ „Auf einen Schlitten, der mich mitnimmt“, sagte K. „Hier kommt kein Schlitten,“ sagte der Mann, „hier ist kein Verkehr.“ „Es ist doch die Straße, die zum Schloß führt“, wendete K. ein. „Trotzdem, trotzdem,“ sagte der Mann mit einer gewissen Unerbittlichkeit, „hier ist kein Verkehr.“ Dann schwiegen beide. Aber der Mann überlegte offenbar etwas, denn das Fenster, aus dem Rauch strömte, hielt er noch immer offen. „Ein schlechter Weg“, sagte K., um ihm nachzuhelfen. Er aber sagte nur: „Ja freilich.“ Nach einem Weilchen sagte er aber doch: „Wenn Ihr wollt, fahre ich Euch mit meinem Schlitten.“ „Tut das, bitte“, sagte K. erfreut, „wieviel verlangt Ihr dafür?“ „Nichts“, sagte der Mann. K. wunderte sich sehr. „Ihr seid doch der Landvermesser,“ sagte der Mann erklärend, „und gehört zum Schloß. Wohin wollt Ihr denn fahren?“ „Ins Schloß“, sagte K. schnell. „Dann fahre ich nicht“, sagte der Mann sofort. „Ich gehöre doch zum Schloß“, sagte K., des Mannes eigene Worte wiederholend. „Mag sein“, sagte der Mann abweisend. „Dann fahrt mich also zum Wirtshaus“, sagte K. „Gut,“ sagte der Mann, „ich komme gleich mit dem Schlitten.“ Das Ganze machte nicht den Eindruck besonderer Freundlichkeit, sondern eher den einer Art sehr eigensüchtigen, ängstlichen, fast pedantischen Bestrebens, K. von dem Platz vor dem Hause wegzuschaffen.

[¶41] The gate of the courtyard opened, and a small light sledge, quite flat, without a seat of any kind, appeared, drawn by a feeble little horse, and behind it limped the man, a weakly stooping figure with a gaunt red snuffling face that looked peculiarly small beneath a tightly swathed woollen scarf. He was obviously ailing, and yet only to transport K. he had dragged himself out. K. ventured to mention it, but the man waved him aside. All that K. elicited was that he was a coachman called Gerstäcker, and that he had taken this uncomfortable sledge because it was standing ready, and to get out one of the others would have wasted too much time. “Sit down,” he said, pointing to the sledge. “I’ll sit beside you,” said K. “I’m going to walk,” said Gerstäcker. “But why?” asked K. “I’m going to walk,” repeated Gerstäcker, and was seized with a fit of coughing which shook him so severely that he had to brace his legs in the snow and hold on to the rim of the sledge. K. said no more, but sat down on the sledge, the man’s cough slowly abated, and they drove off.

> German: Das Hoftor öffnete sich und ein kleiner Schlitten für leichte Lasten, ganz flach, ohne irgendwelchen Sitz, von einem schwachen Pferdchen gezogen, kam hervor, dahinter der Mann, gebückt, schwach, hinkend, mit magerem, rotem, verschnupftem Gesicht, das besonders klein erschien durch einen fest um den Kopf gewickelten Wollschal. Der Mann war sichtlich krank, und nur um K. wegbefördern zu können, war er doch hervorgekommen. K. erwähnte etwas Derartiges, aber der Mann winkte ab. Nur daß er der Fuhrmann Gerstäcker war, erfuhr K. und daß er diesen unbequemen Schlitten genommen habe, weil er gerade bereit stand und das Hervorziehen eines anderen zu viel Zeit gebraucht hätte. „Setzt Euch“, sagte er und zeigte mit der Peitsche hinten auf den Schlitten. „Ich werde mich neben Euch setzen“, sagte K. „Ich werde gehn“, sagte Gerstäcker. „Warum denn?“ fragte K. „Ich werde gehn“, wiederholte Gerstäcker und bekam einen Hustenanfall, der ihn so schüttelte, daß er die Beine in den Schnee stemmen und mit den Händen den Schlittenrand halten mußte. K. sagte nichts weiter, setzte sich hinten auf den Schlitten, der Husten beruhigte sich langsam und sie fuhren.

[¶42] The Castle above them, which K. had hoped to reach that very day, was already beginning to grow dark, and retreated again into the distance. But as if to give him a parting sign till their next encounter a bell began to ring merrily up there, a bell which for at least a second made his heart palpitate, for its tone was menacing, too, as if it threatened him with the fulfilment of his vague desire. This great bell soon died away, however, and its place was taken by a feeble monotonous little tinkle which might have come from the Castle, but might have been somewhere in the village. It certainly harmonised better with the slow-going journey with the wretched-looking yet inexorable driver.

> German: Das Schloß dort oben, merkwürdig dunkel schon, das K. heute noch zu erreichen gehofft hatte, entfernte sich wieder. Als sollte ihm aber doch noch zum vorläufigen Abschied ein Zeichen gegeben werden, erklang dort ein Glockenton, fröhlich beschwingt, eine Glocke, die wenigstens einen Augenblick lang das Herz erbeben ließ, so als drohe ihm, denn auch schmerzlich war der Klang, die Erfüllung dessen, wonach es sich unsicher sehnte. Aber bald verstummte diese große Glocke und wurde von einem schwachen, eintönigen Glöckchen abgelöst, vielleicht noch oben, vielleicht aber schon im Dorfe. Dieses Geklingel paßte freilich besser zu der langsamen Fahrt und dem jämmerlichen, aber unerbittlichen Fuhrmann.

[¶43] “I say,” cried K. suddenly—they were already near the church, the inn was not far off, and K. felt he could risk something—“I’m surprised that you have the nerve to drive me round on your own responsibility; are you allowed to do that?” Gerstäcker paid no attention, but went on walking quietly beside the little horse. “Hi!” cried K., scraping some snow from the sledge and flinging a snowball which hit Gerstäcker full in the ear. That made him stop and turn round; but when K. saw him at such close quarters—the sledge had slid forward a little—this stooping and somehow ill-used figure with the thin red tired face and cheeks that were different—one being flat and the other fallen in—standing listening with his mouth open, displaying only a few isolated teeth, he found that what he had just said out of malice had to be repeated out of pity, that is, whether Gerstäcker was likely to be penalised for driving him about. “What do you mean?” asked Gerstäcker uncomprehendingly, but without waiting for an answer he spoke to the horse and they moved on again.

> German: „Du,“ rief K. plötzlich - sie waren schon in der Nähe der Kirche, der Weg ins Wirtshaus nicht mehr weit, K. durfte schon etwas wagen - „ich wundere mich sehr, daß du auf deine eigene Verantwortung mich herumzufahren wagst, darfst du denn das?“ Gerstäcker kümmerte sich nicht darum und schritt ruhig weiter neben dem Pferdchen. „He“, rief K., ballte etwas Schnee vom Schlitten zusammen und traf Gerstäcker damit voll ins Ohr. Nun blieb dieser stehen und drehte sich um; als ihn K. aber nun so nahe bei sich sah - der Schlitten hatte sich noch ein wenig weiter geschoben - diese gebückte, gewissermaßen mißhandelte Gestalt, das rote müde schmale Gesicht mit irgendwie verschiedenen Wangen, die eine flach, die andere eingefallen, den offenen aufhorchenden Mund, in dem nur ein paar vereinzelte Zähne waren, mußte er das, was er früher aus Bosheit gesagt hatte, jetzt aus Mitleid wiederholen, ob Gerstäcker nicht dafür, daß er K. transportierte, gestraft werden könne. „Was willst du?“ fragte Gerstäcker verständnislos, erwartete aber auch keine weitere Erklärung, rief dem Pferdchen zu und sie fuhren wieder.

## 2. Chapter II · Das zweite Kapitel

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[¶0] When by a turn in the road K. recognised that they were near the inn, he was greatly surprised to see that darkness had already set in. Had he been gone for such a long time? Surely not for more than an hour or two, by his reckoning. And it had been morning when he left. And he had not felt any need of food. And just a short time ago it had been uniform daylight, and now the darkness of night was upon them. “Short days, short days,” he said to himself, slipped off the sledge, and went towards the inn.

> German: Als sie - K. erkannte es an einer Wegbiegung - fast beim Wirtshaus waren, war es zu seinem Erstaunen schon völlig finster. War er so lange fort gewesen? Doch nur ein, zwei Stunden etwa nach seiner Rechnung. Und am Morgen war er fortgegangen. Und kein Essenbedürfnis hatte er gehabt. Und bis vor kurzem war gleichmäßige Tageshelle gewesen, erst jetzt die Finsternis. „Kurze Tage, kurze Tage“, sagte er zu sich, glitt vom Schlitten und ging dem Wirtshaus zu.

[¶1] At the top of the little flight of steps leading into the house stood the landlord, a welcome figure, holding up a lighted lantern. Remembering his conductor for a fleeting moment K. stood still, there was a cough in the darkness behind him, that was he. Well, he would see him again soon. Not until he was level with the landlord, who greeted him humbly, did he notice two men, one on either side of the doorway. He took the lantern from his host’s hand and turned the light upon them; it was the men he had already met, who were called Arthur and Jeremiah. They now saluted him. That reminded him of his soldiering days, happy days for him, and he laughed. “Who are you?” he asked, looking from one to the other. “Your assistants,” they answered. “It’s your assistants,” corroborated the landlord in a low voice. “What?” said K. “are you my old assistants whom I told to follow me and whom I am expecting?” They answered in the affirmative. “That’s good,” observed K. after a short pause. “I’m glad you’ve come.” “Well,” he said, after another pause, “you’ve come very late, you’re very slack.” “It was a long way to come,” said one of them. “A long way?” repeated K., “but I met you just now coming from the Castle.” “Yes,” said they, without further explanation. “Where is the apparatus?” asked K. “We haven’t any,” said they. “The apparatus I gave you?” said K. “We haven’t any,” they reiterated. “Oh, you are fine fellows!” said K., “do you know anything about surveying?” “No,” said they. “But if you are my old assistants you must know something about it,” said K. They made no reply. “Well, come in,” said K. pushing them before him into the house.

> German: Oben auf der kleinen Vortreppe des Hauses stand, ihm sehr willkommen, der Wirt und leuchtete mit erhobener Laterne ihm entgegen. Flüchtig an den Fuhrmann sich erinnernd, blieb K. stehn, irgendwo hustete es im Dunkeln, das war er. Nun, er würde ihn ja nächstens wiedersehen. Erst als er oben beim Wirt war, der demütig grüßt, bemerkte er zu beiden Seiten der Tür je einen Mann. Er nahm die Laterne aus der Hand des Wirts und beleuchtete die zwei; es waren die Männer, die er schon getroffen hatte und die Artur und Jeremias angerufen worden waren. Sie salutierten jetzt. In Erinnerung an seine Militärzeit, an diese glücklichen Zeiten, lachte er. „Wer seid ihr?“ fragte er und sah von einem zum andern. „Euere Gehilfen“, antworteten sie. „Es sind die Gehilfen“, bestätigte leise der Wirt. „Wie?“ fragte K. „Ihr seid meine alten Gehilfen, die ich nachkommen ließ, die ich erwarte?“ Sie bejahten es. „Das ist gut,“ sagte K. nach einem Weilchen, „es ist gut, daß ihr gekommen seid.“ „Übrigens,“ sagte K. nach einem weiteren Weilchen, „ihr habt euch sehr verspätet, ihr seid sehr nachlässig.“ „Es war ein weiter Weg“, sagte der eine. „Ein weiter Weg,“ wiederholte K., „aber ich habe euch getroffen, wie ihr vom Schlosse kamt.“ „Ja“, sagten sie ohne weitere Erklärung. „Wo habt ihr die Apparate?“ fragte K. „Wir haben keine“, sagten sie. „Die Apparate, die ich euch anvertraut habe“, sagte K. „Wir haben keine“, wiederholten sie. „Ach, seid ihr Leute!“ sagte K., „versteht ihr etwas von Landvermessung?“ „Nein“, sagten sie. „Wenn ihr aber meine alten Gehilfen seid, müßt ihr das doch verstehen“, sagte K. Sie schwiegen. „Dann kommt also“, sagte K. und schob sie vor sich ins Haus.

[¶2] They sat down then all three together over their beer at a small table, saying little, K. in the middle with an assistant on each side. As on the other evening, there was only one other table occupied by a few peasants. “You’re a difficult problem,” said K., comparing them, as he had already done several times, “how am I to know one of you from the other? The only difference between you is your names, otherwise you’re as like as. …” He stopped, and then went on involuntarily, “you’re as like as two snakes.” They smiled. “People usually manage to distinguish us quite well,” they said in self-justification. “I am sure they do,” said K., “I was a witness of that myself, but I can only see with my own eyes, and with them I can’t distinguish you. So I shall treat you as if you were one man and call you both Arthur, that’s one of your names, yours, isn’t it?” he asked one of them. “No,” said the man, “I’m Jeremiah.” “It doesn’t matter,” said K. “I’ll call you both Arthur. If I tell Arthur to go anywhere you must both go, if I give Arthur something to do you must both do it, that has the great disadvantage for me of preventing me from employing you on separate jobs, but the advantage that you will both be equally responsible for anything I tell you to do. How you divide the work between you doesn’t matter to me, only you’re not to excuse yourselves by blaming each other, for me you’re only one man.” They considered this, and said: “We shouldn’t like that at all.” “I don’t suppose so,” said K.; “of course you won’t like it, but that’s how it has to be.” For some little time one of the peasants had been sneaking round the table and K. had noticed him; now the fellow took courage and went up to one of the assistants to whisper something. “Excuse me,” said K., bringing his hand down on the table and rising to his feet, “these are my assistants and we’re discussing private business. Nobody is entitled to disturb us.” “Sorry, sir, sorry,” muttered the peasant anxiously, retreating backwards towards his friends. “And this is my most important charge to you,” said K., sitting down again. “You’re not to speak to anyone without my permission. I am a stranger here, and if you are my old assistants you are strangers too. We three strangers must stand by each other therefore, give me your hands on that.” All too eagerly they stretched out their hands to K. “Never mind the trimming,” said he, “but remember that my command holds good. I shall go to bed now, and I recommend you to do the same. Today we have missed a day’s work, and tomorrow we must begin very early. You must get hold of a sleigh for taking me to the Castle and have it ready outside the house at six o’clock.” “Very well,” said one. But the other interrupted him. “You say ‘very well,’ and yet you know it can’t be done.” “Silence,” said K. “You’re trying already to dissociate yourselves from each other.” But then the first man broke in: “He’s right, it can’t be done, no stranger can get into the Castle without a permit.” “Where does one apply for a permit?” “I don’t know, perhaps to the Castellan.” “Then we’ll apply by telephone, go and telephone to the Castellan at once, both of you.” They rushed to the instrument, asked for the connection—how eager they were about it! in externals they were absurdly docile—and enquired if K. could come with them next morning into the Castle. The “No” of the answer was audible even to K. at his table. But the answer went on and was still more explicit, it ran as follows: “Neither tomorrow nor at any other time.” “I shall telephone myself,” said K., and got up. While K. and his assistants hitherto had passed nearly unremarked except for the incident with the one peasant, his last statement aroused general attention. They all got up when K. did, and although the landlord tried to drive them away, crowded round him in a close semicircle at the telephone. The general opinion among them was that K. would get no answer at all. K. had to beg them to be quiet, saying he did not want to hear their opinion.

> German: Sie saßen dann zu dritt ziemlich schweigsam in der Wirtsstube beim Bier, an einem kleinen Tischchen, K. in der Mitte, rechts und links die Gehilfen. Sonst war nur ein Tisch mit Bauern besetzt, ähnlich wie am Abend vorher. „Es ist schwer mit euch,“ sagte K. und verglich wie schon öfters ihre Gesichter, „wie soll ich euch denn unterscheiden. Ihr unterscheidet euch nur durch die Namen, sonst seid ihr euch ähnlich wie“ - er stockte, unwillkürlich fuhr er dann fort - „sonst seid ihr euch ja ähnlich wie Schlangen.“ Sie lächelten. „Man unterscheidet uns sonst gut“, sagten sie zur Rechtfertigung. „Ich glaube es,“ sagte K., „ich war ja selbst Zeuge dessen, aber ich sehe nur mit meinen Augen und mit denen kann ich euch nicht unterscheiden. Ich werde euch deshalb wie einen einzigen Mann behandeln und beide Artur nennen, so heißt doch einer von euch, du etwa?“ - fragte K. den einen. „Nein,“ sagte dieser, „ich heiße Jeremias.“ „Es ist ja gleichgültig,“ sagte K., „ich werde euch beide Artur nennen. Schicke ich Artur irgendwohin, so geht ihr beide, gebe ich Artur eine Arbeit, so macht ihr sie beide, das hat zwar für mich den großen Nachteil, daß ich euch nicht für gesonderte Arbeit verwenden kann, aber dafür den Vorteil, daß ihr für alles, was ich euch auftrage, gemeinsam ungeteilt die Verantwortung tragt. Wie ihr unter euch die Arbeit aufteilt, ist mir gleichgültig, nur ausreden dürft ihr euch nicht aufeinander, ihr seid für mich nur ein einziger Mann.“ Sie überlegten das und sagten: „Das wäre uns recht unangenehm.“ „Wie denn nicht,“ sagte K., „natürlich muß euch das unangenehm sein, aber es bleibt so.“ Schon ein Weilchen lang hatte K. einen der Bauern den Tisch umschleichen sehn, endlich entschloß er sich, ging auf einen Gehilfen zu und wollte ihm etwas zuflüstern. „Verzeiht,“ sagte K., schlug mit der Hand auf den Tisch und stand auf, „dies sind meine Gehilfen und wir haben jetzt eine Besprechung. Niemand hat das Recht, uns zu stören.“ „O bitte, o bitte“, sagte der Bauer ängstlich und ging rücklings zu seiner Gesellschaft zurück. „Dieses müßt ihr vor allem beachten“, sagte K. dann wieder sitzend. „Ihr dürft mit niemand ohne meine Erlaubnis sprechen. Ich bin hier ein Fremder, und wenn ihr meine alten Gehilfen seid, dann seid auch ihr Fremde. Wir drei Fremde müssen deshalb zusammenhalten, reicht mir daraufhin eure Hände.“ Allzu bereitwillig streckten sie sie K. entgegen. „Laßt euch die Pratzen,“ sagte er, „mein Befehl aber gilt. Ich werde jetzt schlafen gehen und auch euch rate ich das zu tun. Heute haben wir einen Arbeitstag versäumt, morgen muß die Arbeit sehr frühzeitig beginnen. Ihr müßt einen Schlitten zur Fahrt ins Schloß verschaffen und um 6 Uhr hier vor dem Haus mit ihm bereitstehn.“ „Gut“, sagte der eine. Der andere aber fuhr dazwischen: „Du sagst: Gut, und weißt doch, daß es nicht möglich ist.“ „Ruhe“, sagte K., „Ihr wollt wohl anfangen, euch voneinander zu unterscheiden.“ Doch nun sagte auch schon der erste: „Er hat recht, es ist unmöglich, ohne Erlaubnis darf kein Fremder ins Schloß.“ „Wo muß man um die Erlaubnis ansuchen?“ „Ich weiß nicht, vielleicht beim Kastellan.“ „Dann werden wir dort telephonisch ansuchen, telephoniert sofort an den Kastellan, beide.“ Sie liefen zum Apparat, erlangten die Verbindung - wie sie sich dort drängten! im Äußerlichen waren sie lächerlich folgsam - und fragten, ob K. mit ihnen morgen ins Schloß kommen dürfe. Das „Nein“ der Antwort hörte K. bis zu seinem Tisch. Die Antwort war aber noch ausführlicher, sie lautete: „Weder morgen noch ein andermal.“ „Ich werde selbst telephonieren“, sagte K. und stand auf. Während K. und seine Gehilfen bisher, abgesehen von dem Zwischenfall des einen Bauern, wenig beachtet worden waren, erregte seine letzte Bemerkung allgemeine Aufmerksamkeit. Alle erhoben sich mit K., und trotzdem sie der Wirt zurückzudrängen suchte, gruppierten sie sich beim Apparat in engem Halbkreis um ihn. Es überwog unter ihnen die Meinung, daß K. gar keine Antwort bekommen werde. K. mußte sie bitten, ruhig zu sein, er verlange nicht, ihre Meinungen zu hören.

[¶3] The receiver gave out a buzz of a kind that K. had never before heard on a telephone. It was like the hum of countless children’s voices—but yet not a hum, the echo rather of voices singing at an infinite distance—blended by sheer impossibility into one high but resonant sound which vibrated on the ear as if it were trying to penetrate beyond mere hearing. K. listened without attempting to telephone, leaning his left arm on the telephone shelf.

> German: Aus der Hörmuschel kam ein Summen, wie K. es sonst beim Telephonieren nie gehört hatte. Es war, wie wenn sich aus dem Summen zahlloser kindlicher Stimmen - aber auch dieses Summen war keines, sondern war Gesang fernster, allerfernster Stimmen - wie wenn sich aus diesem Summen in einer geradezu unmöglichen Weise eine einzige hohe, aber starke Stimme bildete, die an das Ohr schlug, so, wie wenn sie fordere, tiefer einzudringen als nur in das armselige Gehör. K. horchte ohne zu telephonieren, den linken Arm hatte er auf das Telephonpult gestützt und horchte so.

[¶4] He did not know how long he had stood there, but he stood until the landlord pulled at his coat saying that a messenger had come to speak with him. “Go away!” yelled K. in an access of rage, perhaps into the mouthpiece, for someone immediately answered from the other end. The following conversation ensued: “Oswald speaking, who’s there?” cried a severe, arrogant voice with a small defect in its speech, as seemed to K., which its owner tried to cover by an exaggerated severity. K. hesitated to announce himself, for he was at the mercy of the telephone, the other could shout him down or hang up the receiver, and that might mean the blocking of a not unimportant way of access. K.’s hesitation made the man impatient. “Who’s there?” he repeated, adding, “I should be obliged if there was less telephoning from down there, only a minute ago somebody rang up.” K. ignored this remark, and announced with sudden decision: “The Land Surveyor’s assistant speaking.” “What Land Surveyor? What assistant?” K. recollected yesterday’s telephone conversation, and said briefly, “Ask Fritz.” This succeeded, to his own astonishment. But even more than at his success he was astonished at the organisation of the Castle service. The answer came: “Oh, yes. That everlasting Land Surveyor. Quite so. What about it? What assistant?” “Joseph,” said K. He was a little put out by the murmuring of the peasants behind his back, obviously they disapproved of his ruse. He had no time to bother about them, however, for the conversation absorbed all his attention. “Joseph?” came the question. “But the assistants are called …” there was a short pause, evidently to enquire the names from somebody else, “Arthur and Jeremiah.” “These are the new assistants,” said K. “No, they are the old ones.” “They are the new ones, I am the old assistant; I came today after the Land Surveyor.” “No,” was shouted back. “Then who am I?” asked K. as blandly as before.
And after a pause the same voice with the same defect answered him, yet with a deeper and more authoritative tone: “You are the old assistant.”

> German: Er wußte nicht wie lange - so lange, bis ihn der Wirt am Rock zupfte, ein Bote sei für ihn gekommen. „Weg“, schrie K. unbeherrscht, vielleicht in das Telephon hinein, denn nun meldete sich jemand. Es entwickelte sich folgendes Gespräch: „Hier Oswald, wer dort?“ rief eine strenge hochmütige Stimme, mit einem kleinen Sprachfehler, wie K. schien, den sie über sich selbst hinaus durch eine weitere Zugabe von Strenge auszugleichen versuchte. K. zögerte sich zu nennen, dem Telephon gegenüber war er wehrlos, der andere konnte ihn niederdonnern, die Hörmuschel weglegen und K. hatte sich einen vielleicht nicht unwichtigen Weg versperrt. K.s Zögern machte den Mann ungeduldig. „Wer dort?“ wiederholte er und fügte hinzu, „es wäre mir sehr lieb, wenn dortseits nicht so viel telephoniert würde, erst vor einem Augenblick ist telephoniert worden.“ K. ging auf diese Bemerkung nicht ein und meldete mit einem plötzlichen Entschluß: „Hier der Gehilfe des Herrn Landvermessers.“ „Welcher Gehilfe? Welcher Herr? Welcher Landvermesser?“ K. fiel das gestrige Telephongespräch ein. „Fragen Sie Fritz“, sagte er kurz. Es half, zu seinem eigenen Erstaunen. Aber mehr noch als darüber, daß es half, staunte er über die Einheitlichkeit des Dienstes dort. Die Antwort war: „Ich weiß schon. Der ewige Landvermesser. Ja, ja. Was weiter? Welcher Gehilfe?“ „Josef“, sagte K. Ein wenig störte ihn hinter seinem Rücken das Murmeln der Bauern, offenbar waren sie nicht damit einverstanden, daß er sich nicht richtig meldete. K. hatte aber keine Zeit, sich mit ihnen zu beschäftigen, denn das Gespräch nahm ihn sehr in Anspruch. „Josef?“ fragte es zurück. „Die Gehilfen heißen - eine kleine Pause, offenbar verlangte er die Namen jemandem andern ab - Artur und Jeremias.“ „Das sind die neuen Gehilfen“, sagte K. „Nein, das sind die alten.“ „Es sind die neuen, ich aber bin der alte, der dem Herrn Landvermesser heute nachkam.“ - „Nein“, schrie es nun. „Wer bin ich also?“ fragte K. ruhig wie bisher. Und nach einer Pause sagte die gleiche Stimme mit dem gleichen Sprachfehler und war doch wie eine andere tiefere achtungswertere Stimme: „Du bist der alte Gehilfe.“

[¶5] K. was listening to the new note, and almost missed the question: “What is it you want?” He felt like laying down the receiver. He had ceased to expect anything from this conversation. But being pressed, he replied quickly: “When can my master come to the Castle?” “Never,” was the answer. “Very well,” said K., and hung the receiver up.

> German: K. horchte dem Stimmklang nach und überhörte dabei fast die Frage: „Was willst du?“ Am liebsten hätte er den Hörer schon weggelegt. Von diesem Gespräch erwartete er nichts mehr. Nur gezwungen fragte er noch schnell: „Wann darf mein Herr ins Schloß kommen?“ „Niemals“, war die Antwort. „Gut“, sagte K. und hing den Hörer an.

[¶6] Behind him the peasants had crowded quite close. His assistants, with many side glances in his direction, were trying to keep them back. But they seemed not to take the matter very seriously, and in any case the peasants, satisfied with the result of the conversation, were beginning to give ground. A man came cleaving his way with rapid steps through the group, bowed before K. and handed him a letter. K. took it, but looked at the man, who for the moment seemed to him the more important. There was a great resemblance between this newcomer and the assistants, he was slim like them and clad in the same tight-fitting garments, had the same suppleness and agility, and yet he was quite different. How much K. would have preferred him as an assistant! He reminded K. a little of the girl with the infant whom he had seen at the tanner’s. He was clothed nearly all in white, not in silk, of course; he was in winter clothes like all the others, but the material he was wearing had the softness and dignity of silk. His face was clear and frank, his eyes larger than ordinary. His smile was unusually joyous; he drew his hand over his face as if to conceal the smile, but in vain. “Who are you?” asked K. “My name is Barnabas,” said he, “I am a messenger.” His lips were strong and yet gentle as he spoke. “Do you approve of this kind of thing?” asked K., pointing to the peasants for whom he was still an object of curiosity, and who stood gaping at him with their open mouths, coarse lips, and literally tortured faces—their heads looked as if they had been beaten flat on top and their features as if the pain of the beating had twisted them to the present shape—and yet they were not exactly gaping at him, for their eyes often flitted away and studied some indifferent object in the room before fixing on him again, and then K. pointed also to his assistants who stood linked together, cheek against cheek, and smiling, but whether submissively or mockingly could not be determined, all these he pointed out as if presenting a train of followers forced upon him by circumstances, and as if he expected Barnabas—that indicated intimacy, it occurred to K.—always to discriminate between him and them. But Barnabas—quite innocently, it was clear—ignored the question, letting it pass as a well-bred servant ignores some remark of his master only apparently addressed to him, and merely surveyed the room in obedience to the question, greeting by a pressure of the hand various acquaintances among the peasants and exchanging a few words with the assistants, all with a free independence which set him apart from the others. Rebuffed but not mortified, K. returned to the letter in his hand and opened it. Its contents were as follows:
“My dear Sir, As you know, you have been engaged for the Count’s service. Your immediate superior is the Superintendent of the village, who will give you all particulars about your work and the terms of your employment, and to whom you are responsible. I myself, however, will try not to lose sight of you. Barnabas, the bearer of this letter, will report himself to you from time to time to learn your wishes and communicate them to me. You will find me always ready to oblige you, in so far as that is possible. I desire my workers to be contented.”
The signature was illegible, but stamped beside it was “Chief of Department X.” “Wait a little!” said K. to Barnabas, who bowed before him, then he commanded the landlord to show him to his room, for he wanted to be alone with the letter for a while. At the same time he reflected that Barnabas, although so attractive, was still only a messenger, and ordered a mug of beer for him. He looked to see how Barnabas would take it, but Barnabas was obviously quite pleased and began to drink the beer at once. Then K. went off with the landlord. The house was so small that nothing was available for K. but a little attic room, and even that had caused some difficulty, for two maids who had hitherto slept in it had had to be quartered elsewhere. Nothing indeed had been done but to clear the maids out, the room was otherwise quite unprepared, no sheets on the single bed, only some pillows and a horseblanket still in the same rumpled state as in the morning. A few sacred pictures and photographs of soldiers were on the walls, the room had not even been aired; obviously they hoped that the new guest would not stay long, and were doing nothing to encourage him. K. felt no resentment, however, wrapped himself in the blanket, sat down at the table, and began to read the letter again by the light of a candle.

> German: Hinter ihm waren die Bauern schon ganz nah an ihn herangerückt. Die Gehilfen waren mit vielen Seitenblicken nach ihm damit beschäftigt, die Bauern von ihm abzuhalten. Es schien aber nur Komödie zu sein, auch gaben die Bauern, von dem Ergebnis des Gesprächs befriedigt, langsam nach. Da wurde ihre Gruppe von hinten mit raschem Schritt von einem Mann geteilt, der sich vor K. verneigte und ihm einen Brief übergab. K. behielt den Brief in der Hand und sah den Mann an, der ihm im Augenblick wichtiger schien. Es bestand eine große Ähnlichkeit zwischen ihm und den Gehilfen, er war so schlank wie sie, ebenso knapp gekleidet, auch so gelenkig und flink wie sie, aber doch ganz anders. Hätte K. doch lieber ihn als Gehilfen gehabt! Ein wenig erinnerte er ihn an die Frau mit dem Säugling, die er beim Gerbermeister gesehen hatte. Er war fast weiß gekleidet, das Kleid war wohl nicht aus Seide, es war ein Winterkleid wie alle anderen, aber die Zartheit und Feierlichkeit eines Seidenkleides hatte es. Sein Gesicht war hell und offen, die Augen übergroß. Sein Lächeln war ungemein aufmunternd; er fuhr mit der Hand über sein Gesicht, so als wolle er dieses Lächeln verscheuchen, doch gelang ihm das nicht. „Wer bist du?“ fragte K. „Barnabas heiße ich,“ sagte er, „ein Bote bin ich.“ Männlich und doch sanft öffneten und schlossen sich seine Lippen beim Reden. „Gefällt es dir hier?“ fragte K. und zeigte auf die Bauern, für die er noch immer nicht an Interesse verloren hatte und die mit ihren förmlich gequälten Gesichtern - der Schädel sah aus, als sei er oben platt geschlagen worden und die Gesichtszüge hätten sich im Schmerz des Geschlagenwerdens gebildet - ihren wulstigen Lippen, ihren offenen Mündern zusahen, aber doch auch wieder nicht zusahn, denn manchmal irrte ihr Blick ab und blieb, ehe er zurückkehrte, an irgendeinem gleichgültigen Gegenstand haften, und dann zeigte K. auch auf die Gehilfen, die einander umfaßt hielten, Wange an Wange lehnten und lächelten, man wußte nicht ob demütig oder spöttisch, er zeigte ihm diese alle, so als stellte er ein ihm durch besondere Umstände aufgezwungenes Gefolge vor und erwartete - darin lag Vertraulichkeit, auf die kam es K. an -, daß Barnabas ständig unterscheiden werde zwischen ihm und ihnen. Aber Barnabas nahm - in aller Unschuld freilich, das war zu erkennen - die Frage gar nicht auf, ließ sie über sich ergehen, wie ein wohlerzogener Diener ein für ihn nur scheinbar bestimmtes Wort des Herrn, blickte nur im Sinne der Frage umher, begrüßte durch Handdrücken Bekannte unter den Bauern und tauschte mit den Gehilfen ein paar Worte aus, das alles frei und selbständig, ohne sich mit ihnen zu vermischen. K. kehrte - abgewiesen, aber nicht beschämt - zu dem Brief in seiner Hand zurück und öffnete ihn. - Sein Wortlaut war: „Sehr geehrter Herr! Sie sind, wie Sie wissen, in die herrschaftlichen Dienste aufgenommen. Ihr nächster Vorgesetzter ist der Gemeindevorsteher des Dorfes, der Ihnen auch alles Nähere über Ihre Arbeit und die Lohnbedingungen mitteilen wird und dem Sie auch Rechenschaft schuldig sein werden. Trotzdem werde aber auch ich Sie nicht aus den Augen verlieren. Barnabas, der Überbringer dieses Briefes, wird von Zeit zu Zeit bei Ihnen vorsprechen, um Ihre Wünsche zu erfahren und mir mitzuteilen. Sie werden mich immer bereit finden, Ihnen, soweit es möglich ist, gefällig zu sein. Es liegt mir daran, zufriedene Arbeiter zu haben.“ Die Unterschrift war nicht leserlich, beigedruckt aber war ihr: der Vorstand der X. Kanzlei. „Warte!“ sagte K. zu dem sich verbeugenden Barnabas, dann rief er den Wirt, daß er ihm sein Zimmer zeige, er wollte mit dem Brief eine Zeitlang allein sein. Dabei erinnerte er sich daran, daß Barnabas bei aller Zuneigung, die er für ihn hatte, doch nichts anderes als ein Bote war und ließ ihm ein Bier geben. Er gab acht, wie er es annehmen würde, er nahm es offenbar sehr gern an und trank sogleich. Dann ging K. mit dem Wirt. In dem Häuschen hatte man für K. nichts als ein kleines Dachzimmer bereitstellen können und selbst das hatte Schwierigkeiten gemacht, denn man hatte zwei Mägde, die bisher dort geschlafen hatten, anderswo unterbringen müssen. Eigentlich hatte man nichts anderes getan, als die Mägde weggeschafft, das Zimmer war sonst wohl unverändert, keine Bettwäsche zu dem einzigen Bett, nur paar Polster und eine Pferdedecke in dem Zustand, wie alles nach der letzten Nacht zurückgeblieben war. An der Wand paar Heiligenbilder und Photographien von Soldaten, nicht einmal gelüftet war worden, offenbar hoffte man, der neue Gast werde nicht lange bleiben, und tat nichts dazu, ihn zu halten. K. war aber mit allem einverstanden, wickelte sich in die Decke, setzte sich zum Tisch und begann bei einer Kerze den Brief nochmals zu lesen.

[¶7] It was not a consistent letter; in part it dealt with him as with a free man whose independence was recognised, the mode of address, for example, and the reference to his wishes. But there were other places in which he was directly or indirectly treated as a minor employee, hardly visible to the Heads of Departments; the writer would try to make an effort “not to lose sight” of him, his superior was only the village superintendent to whom he was actually responsible, probably his sole colleague would be the village policeman. These were inconsistencies, no doubt about it. They were so obvious that they had to be faced. It hardly occurred to K. that they might be due to indecision; that seemed a mad idea in connection with such an organisation. He was much more inclined to read into them a frankly offered choice, which left it to him to make what he liked out of the letter, whether he preferred to become a village worker with a distinctive but merely apparent connection with the Castle, or an ostensible village worker whose real occupation was determined through the medium of Barnabas. K. did not hesitate in his choice, and would not have hesitated even had he lacked the experience which had befallen him since his arrival. Only as a worker in the village, removed as far as possible from the sphere of the Castle, could he hope to achieve anything in the Castle itself; the village folk, who were now so suspicious of him, would begin to talk to him once he was their fellow-citizen, if not exactly their friend; and if he were to become indistinguishable from Gerstäcker or Lasemann—and that must happen as soon as possible, everything depended on that—then all kinds of paths would be thrown open to him, which would remain not only forever closed to him but quite invisible were he to depend merely on the favour of the gentlemen in the Castle. There was of course a danger, and that was sufficiently emphasised in the letter, even elaborated with a certain satisfaction, as if it were unavoidable. That was sinking to the workman’s level—service, superior, work, terms of employment, responsible, workers—the letter fairly reeked of it, and even though more personal messages were included they were written from the standpoint of an employer. If K. were willing to become a workman he could do so, but he would have to do it in grim earnest, without any other prospect. K. knew that he had no real compulsory discipline to fear, he was not afraid of that, and in this case least of all, but the pressure of a discouraging environment, of a growing resignation to disappointment, the pressure of the imperceptible influences of every moment, these things he did fear, but that was a danger he would have to guard against. Nor did the letter pass over the fact that if it should come to a struggle K. had had the hardihood to make the first advances; it was very subtly indicated and only to be sensed by an uneasy conscience—an uneasy conscience, not a bad one—it lay in the three words “as you know,” referring to his engagement in the Count’s service. K. had reported his arrival, and only after that, as the letter pointed out, had he known that he was engaged.

> German: Er war nicht einheitlich, es gab Stellen, wo mit ihm wie mit einem Freien gesprochen wurde, dessen eigenen Willen man anerkennt, so war die Überschrift, so war die Stelle, die seine Wünsche betraf. Es gab aber wieder Stellen, wo er offen oder versteckt als ein kleiner, vom Sitz jenes Vorstandes kaum bemerkbarer Arbeiter behandelt wurde, der Vorstand mußte sich anstrengen, „ihn nicht aus den Augen zu verlieren“, sein Vorgesetzter war nur der Dorfvorsteher, dem er sogar Rechenschaft schuldig war, sein einziger Kollege war vielleicht der Dorfpolizist. Das waren zweifellose Widersprüche. Sie waren so sichtbar, daß sie beabsichtigt sein mußten. Den einer solchen Behörde gegenüber wahnwitzigen Gedanken, daß hier Unentschlossenheit mitgewirkt habe, streifte K. kaum. Vielmehr sah er darin eine ihm offen dargebotene Wahl, es war ihm überlassen, was er aus den Anordnungen des Briefes machen wollte, ob er Dorfarbeiter mit einer immerhin auszeichnenden, aber nur scheinbaren Verbindung mit dem Schloß sein wollte, oder aber scheinbarer Dorfarbeiter, der in Wirklichkeit sein ganzes Arbeitsverhältnis von den Nachrichten des Barnabas bestimmen ließ. K. zögerte nicht zu wählen, hätte auch ohne die Erfahrungen, die er schon gemacht hatte, nicht gezögert. Nur als Dorfarbeiter, möglichst weit den Herren vom Schloß entrückt, war er imstande, etwas im Schloß zu erreichen, diese Leute im Dorfe, die noch so mißtrauisch gegen ihn waren, würden zu sprechen anfangen, wenn er wo nicht ihr Freund, so doch ihr Mitbürger geworden war, und war er einmal ununterscheidbar von Gerstäcker oder Lasemann - und sehr schnell mußte das geschehen, davon hing alles ab - dann erschlossen sich ihm gewiß mit einem Schlage alle Wege, die ihm, wenn es nur auf die Herren oben und ihre Gnade angekommen wäre, für immer nicht nur versperrt, sondern unsichtbar geblieben wären. Freilich, eine Gefahr bestand, und die war in dem Brief genug betont, mit einer gewissen Freude war sie dargestellt, als sei sie unentrinnbar. Es war das Arbeitersein - Dienst, Vorgesetzter, Arbeit, Lohnbestimmungen, Rechenschaft, Arbeiter, davon wimmelte der Brief und selbst, wenn anderes, Persönlicheres gesagt war, war es von jenem Gesichtspunkt aus gesagt. Wollte K. Arbeiter werden, so konnte er es werden, aber dann in allem furchtbaren Ernst, ohne jeden Ausblick anderswohin. K. wußte, daß nicht mit wirklichem Zwang gedroht war, den fürchtete er nicht, und hier am wenigsten, aber die Gewalt der entmutigenden Umgebung, der Gewöhnung an Enttäuschungen, die Gewalt der unmerklichen Einflüsse jedes Augenblicks, die fürchtete er allerdings, aber mit dieser Gefahr mußte er den Kampf wagen. Der Brief verschwieg ja auch nicht, daß, wenn es zu Kämpfen kommen sollte, K. die Verwegenheit gehabt hatte zu beginnen, es war mit Feinheit gesagt und nur ein unruhiges Gewissen - ein unruhiges, kein schlechtes - konnte es merken, es waren die drei Worte „wie Sie wissen“ hinsichtlich seiner Aufnahme in den Dienst. K. hatte sich gemeldet und seither wußte er, wie sich der Brief ausdrückte, daß er aufgenommen war.

[¶8] K. took down a picture from the wall and stuck the letter on the nail, this was the room he was to live in and the letter should hang there.

> German: K. nahm ein Bild von der Wand und hing den Brief an den Nagel, in diesem Zimmer würde er wohnen, hier sollte der Brief hängen.

[¶9] Then he went down to the inn parlour. Barnabas was sitting at a table with the assistants. “Oh, there you are,” said K. without any reason, only because he was glad to see Barnabas, who jumped to his feet at once. Hardly had K. shown his face when the peasants got up and gathered round him, it had become a habit of theirs to follow him round. “What are you always following me about for?” cried K. They were not offended, and slowly drifted back to their seats again. One of them in passing said casually in apology, with an enigmatic smile which was reflected on several of the other’s faces: “There’s always something new to listen to,” and he licked his lips as if news were meat and drink to him. K. said nothing conciliatory, it was good for them to have a little respect for him, but hardly had he reached Barnabas when he felt a peasant breathing down the back of his neck. He had only come, he said, for the saltcellar, but K. stamped his foot with rage and the peasant scuttled away without the saltcellar. It was really easy to get at K., all one had to do was to egg on the peasants against him, their persistent interference seemed much more objectionable to him than the reserve of the others, nor were they free from reserve either, for if he had sat down at their table they would not have stayed. Only the presence of Barnabas restrained him from making a scene. But he turned round to scowl at them, and found that they too were all looking at him. When he saw them sitting like that, however, each man in his own place, not speaking to one another and without any apparent mutual understanding, united only by the fact that they were all gazing at him, he concluded that it was not out of malice that they pursued him, perhaps they really wanted something from him and were only incapable of expressing it, if not that, it might be pure childishness, which seemed to be in fashion at the inn; was not the landlord himself childish, standing there stock-still gazing at K. with a glass of beer in his hand which he should have been carrying to a customer, and oblivious of his wife, who was leaning out of the kitchen hatch calling to him?

> German: Dann stieg er in die Wirtsstube hinunter. Barnabas saß mit den Gehilfen bei einem Tischchen. „Ach, da bist du“, sagte K. ohne Anlaß, nur weil er froh war, Barnabas zu sehen. Er sprang gleich auf. Kaum war K. eingetreten, erhoben sich die Bauern, um sich ihm zu nähern, es war schon ihre Gewohnheit geworden, ihm immer nachzulaufen. „Was wollt ihr denn immerfort von mir?“ rief K. Sie nahmen es nicht übel und drehten sich langsam zu ihren Plätzen zurück. Einer sagte im Abgehen zur Erklärung leichthin, mit einem undeutbaren Lächeln, das einige andere aufnahmen: „Man hört immer etwas Neues“, und er leckte sich die Lippen, als sei das Neue eine Speise. K. sagte nichts Versöhnliches, es war gut, wenn sie ein wenig Respekt vor ihm bekamen, aber kaum war er bei Barnabas, spürte er schon den Atem eines Bauern im Nacken. Er kam, wie er sagte, das Salzfaß zu holen, aber K. stampfte vor Ärger auf, der Bauer lief denn auch ohne Salzfaß weg. Es war wirklich leicht, K. beizukommen, man mußte z.B. nur die Bauern gegen ihn hetzen, ihre hartnäckige Teilnahme schien ihm böser als die Verschlossenheit der andern und außerdem war es auch Verschlossenheit, denn hätte K. sich zu ihrem Tisch gesetzt, wären sie gewiß dort nicht sitzen geblieben. Nur die Gegenwart des Barnabas hielt ihn ab, Lärm zu machen. Aber er drehte sich doch noch drohend nach ihnen um, auch sie waren ihm zugekehrt. Wie er sie aber so dasitzen sah, jeden auf seinem Platz, ohne sich miteinander zu besprechen, und ohne sichtbare Verbindung untereinander, nur dadurch miteinander verbunden, daß sie alle auf ihn starrten, schien es ihm, als sei es gar nicht Bosheit, was sie ihn verfolgen ließ, vielleicht wollten sie wirklich etwas von ihm und konnten es nur nicht sagen, und war es nicht das, dann war es vielleicht nur Kindlichkeit, die hier zu Hause zu sein schien; war nicht auch der Wirt kindlich, der ein Glas Bier, das er irgendeinem Gast bringen sollte, mit beiden Händen hielt, stillstand, nach K. sah und einen Zuruf der Wirtin überhörte, die sich aus dem Küchenfensterchen vorgebeugt hatte?

[¶10] With a quieter mind K. turned to Barnabas; he would have liked to dismiss his assistants, but could not think of an excuse. Besides, they were brooding peacefully over their beer. “The letter,” began K., “I have read it. Do you know the contents?” “No,” said Barnabas, whose look seemed to imply more than his words. Perhaps K. was as mistaken in Barnabas’s goodness as in the malice of the peasants, but his presence remained a comfort. “You are mentioned in the letter, too, you are supposed to carry messages now and then from me to the Chief, that’s why I thought you might know the contents.” “I was only told,” said Barnabas, “to give you the letter, to wait until you had read it, and then to bring back a verbal or written answer if you thought it needful.” “Very well,” said K., “there’s no need to write anything; convey to the Chief—by the way, what’s his name? I couldn’t read his signature.” “Klamm,” said Barnabas. “Well, convey to Herr Klamm my thanks for his recognition and for his great kindness, which I appreciate, being as I am one who has not yet proved his worth here. I shall follow his instructions faithfully. I have no particular requests to make for today.” Barnabas, who had listened with close attention, asked to be allowed to recapitulate the message. K. assented, Barnabas repeated it word for word. Then he rose to take his leave.

> German: Ruhiger wandte sich K. an Barnabas, die Gehilfen hätte er gern entfernt, fand aber keinen Vorwand. Übrigens blickten sie still auf ihr Bier. „Den Brief“, begann K., „habe ich gelesen. Kennst du den Inhalt?“ „Nein“, sagte Barnabas, sein Blick schien mehr zu sagen als seine Worte. Vielleicht täuschte sich K. hier im Guten, wie bei den Bauern im Bösen, aber das Wohltuende seiner Gegenwart blieb. „Es ist auch von dir in dem Brief die Rede, du sollst nämlich hie und da Nachrichten zwischen mir und dem Vorstand vermitteln, deshalb hatte ich gedacht, daß du den Inhalt kennst.“ „Ich bekam“, sagte Barnabas, „nur den Auftrag, den Brief zu übergeben, zu warten, bis er gelesen ist, und wenn es dir nötig scheint, eine mündliche oder schriftliche Antwort zurückzubringen.“ „Gut,“ sagte K., „es bedarf keines Schreibens, richte dem Herrn Vorstand - wie heißt er denn? Ich konnte die Unterschrift nicht lesen.“ „Klamm“, sagte Barnabas. „Richte also Herrn Klamm meinen Dank für die Aufnahme aus, wie auch für seine besondere Freundlichkeit, die ich als einer, der sich hier noch gar nicht bewährt hat, zu schätzen weiß. Ich werde mich vollständig nach seinen Absichten verhalten. Besondere Wünsche habe ich heute nicht.“ Barnabas, der genau aufgemerkt hatte, bat, den Auftrag vor K. wiederholen zu dürfen. K. erlaubte es, Barnabas wiederholte alles wortgetreu. Dann stand er auf, um sich zu verabschieden.

[¶11] K. had been studying his face the whole time, and now he gave it a last survey. Barnabas was about the same height as K., but his eyes seemed to look down on K., yet that was almost in a kind of humility, it was impossible to think that this man could put anyone to shame. Of course he was only a messenger, and did not know the contents of the letters he carried, but the expression in his eyes, his smile, his bearing, seemed also to convey a message, however little he might know about it. And K. shook him by the hand, which seemed obviously to surprise him, for he had been going to content himself with a bow.

> German: Die ganze Zeit über hatte K. sein Gesicht geprüft, nun tat er es zum letztenmal. Barnabas war etwa so groß wie K., trotzdem schien sein Blick sich zu K. zu senken, aber fast demütig geschah das, es war unmöglich, daß dieser Mann jemanden beschämte. Freilich, war er nur ein Bote, kannte nicht den Inhalt der Briefe, die er auszutragen hatte, aber auch sein Blick, sein Lächeln, sein Gang schien eine Botschaft zu sein, mochte er auch von dieser nichts wissen. Und K. reichte ihm die Hand, was ihn offenbar überraschte, denn er hatte sich nur verneigen wollen.

[¶12] As soon as he had gone—before opening the door he had leaned his shoulder against it for a moment and embraced the room generally in a final glance—K. said to the assistants: “I’ll bring down the plans from my room, and then we’ll discuss what work is to be done first.” They wanted to accompany him. “Stay here,” said K. Still they tried to accompany him. K. had to repeat his command more authoritatively. Barnabas was no longer in the hall. But he had only just gone out. Yet in front of the house—fresh snow was falling—K. could not see him either. He called out: “Barnabas!” No answer. Could he still be in the house? Nothing else seemed possible. None the less K. yelled the name with the full force of his lungs. It thundered through the night. And from the distance came a faint response, so far away was Barnabas already. K. called him back, and at the same time went to meet him; the spot where they encountered each other was no longer visible from the inn.

> German: Gleich, als er gegangen war - vor dem Öffnen der Türe hatte er noch ein wenig mit der Schulter an der Tür gelehnt und mit einem Blick, der keinem Einzelnen mehr galt, die Stube umfaßt - sagte K. zu den Gehilfen: „Ich hole aus dem Zimmer meine Aufzeichnungen, dann besprechen wir die nächste Arbeit.“ Sie wollten mitgehen. „Bleibt“, sagte K. Sie wollten noch immer mitgehen. Noch strenger mußte K. den Befehl wiederholen. Im Flur war Barnabas nicht mehr. Aber er war doch eben jetzt weggegangen. Doch auch vor dem Haus - neuer Schnee fiel - sah ihn K. nicht. Er rief: „Barnabas!“ Keine Antwort. Sollte er noch im Haus sein? Es schien keine andere Möglichkeit zu geben. Trotzdem schrie K. noch aus aller Kraft den Namen. Der Name donnerte durch die Nacht. Und aus der Ferne kam nun doch eine schwache Antwort, so weit war also Barnabas schon. K. rief ihn zurück und ging ihm gleichzeitig entgegen; wo sie einander trafen, waren sie vom Wirtshaus nicht mehr zu sehen.

[¶13] “Barnabas,” said K., and could not keep his voice from trembling. “I have something else to say to you. And that reminds me that it’s a bad arrangement to leave me dependent on your chance comings for sending a message to the Castle. If I hadn’t happened to catch you just now—how you fly along, I thought you were still in the house—who knows how long I might have had to wait for your next appearance.” “You can ask the Chief,” said Barnabas, “to send me at definite times appointed by yourself.” “Even that would not suffice,” said K., “I might have nothing to say for a year at a time, but something of urgent importance might occur to me a quarter of an hour after you had gone.”
“Well,” said Barnabas, “shall I report to the Chief that between him and you some other means of communication should be established instead of me?” “No, no,” said K., “not at all, I only mention the matter in passing, for this time I have been lucky enough to catch you.” “Shall we go back to the inn,” said Barnabas, “so that you can give me the new message there?” He had already taken a step in the direction of the inn. “Barnabas,” said K., “it isn’t necessary, I’ll go a part of the way with you.” “Why don’t you want to go to the inn?” asked Barnabas. “The people there annoy me,” said K., “you saw for yourself how persistent the peasants are.” “We could go into your room,” said Barnabas. “It’s the maids’ room,” said K., “dirty and stuffy—it’s to avoid staying there that I want to accompany you for a little, only,” he added, in order finally to overcome Barnabas’ reluctance, “you must let me take your arm, for you are surer of foot than I am.” And K. took his arm. It was quite dark, K. could not see Barnabas’ face, his figure was only vaguely discernible, he had had to grope for his arm a minute or two.

> German: „Barnabas“, sagte K. und konnte ein Zittern seiner Stimme nicht bezwingen. „Ich wollte dir noch etwas sagen. Ich merke dabei, daß es doch recht schlecht eingerichtet ist, daß ich nur auf dein zufälliges Kommen angewiesen bin, wenn ich etwas aus dem Schloß brauche. Wenn ich dich jetzt nicht zufällig erreicht hätte - wie du fliegst, ich dachte, du wärst noch im Haus -, wer weiß wie lange ich auf dein nächstes Erscheinen hätte warten müssen.“ „Du kannst ja“, sagte Barnabas, „den Vorstand bitten, daß ich immer zu bestimmten, von dir angegebenen Zeiten komme.“ „Auch das würde nicht genügen,“ sagte K., „vielleicht will ich ein Jahr lang gar nichts sagen lassen, aber gerade eine Viertelstunde nach deinem Weggehen etwas Unaufschiebbares.“ „Soll ich also“, sagte Barnabas, „dem Vorstand melden, daß zwischen ihm und dir eine andere Verbindung hergestellt werden soll als durch mich.“ „Nein, nein,“ sagte K., „ganz und gar nicht, ich erwähne diese Sache nur nebenbei, diesmal habe ich dich ja noch glücklich erreicht.“ „Wollen wir“, sagte Barnabas, „ins Wirtshaus zurückkehren, damit du mir dort den neuen Auftrag geben kannst?“ Schon hatte er einen Schritt weiter zum Haus hin gemacht. „Barnabas,“ sagte K., „es ist nicht nötig, ich gehe ein Stückchen Wegs mit dir.“ „Warum willst du nicht ins Wirtshaus gehn?“ fragte Barnabas. „Die Leute stören mich dort,“ sagte K., „die Zudringlichkeit der Bauern hast du selbst gesehen.“ „Wir können in dein Zimmer gehn“, sagte Barnabas. „Es ist das Zimmer der Mägde,“ sagte K., „schmutzig und dumpf - um dort nicht bleiben zu müssen, wollte ich ein wenig mit dir gehn, du mußt nur“, fügte K. hinzu, um sein Zögern endgültig zu überwinden, „mich in dich einhängen lassen, denn du gehst sicherer.“ Und K. hing sich an seinen Arm. Es war ganz finster, sein Gesicht sah K. gar nicht, seine Gestalt undeutlich, den Arm hatte er schon ein Weilchen vorher zu ertasten gesucht.

[¶14] Barnabas yielded and they moved away from the inn. K. realised, indeed, that his utmost efforts could not enable him to keep pace with Barnabas, that he was a drag on him, and that even in ordinary circumstances this trivial accident might be enough to ruin everything, not to speak of side-streets like the one in which he had got stuck that morning, out of which he could never struggle unless Barnabas were to carry him. But he banished all such anxieties, and was comforted by Barnabas’ silence; for if they went on in silence then Barnabas, too, must feel that their excursion together was the sole reason for their association.

> German: Barnabas gab nach, sie entfernten sich vom Wirtshaus. Freilich fühlte K., daß er trotz größter Anstrengung gleichen Schritt mit Barnabas zu halten nicht imstande war, seine freie Bewegung hinderte, und daß unter gewöhnlichen Umständen schon an dieser Nebensächlichkeit alles scheitern müsse, gar in jenen Seitengassen wie jener, wo K. am Vormittag im Schnee versunken war und aus der er nur von Barnabas getragen herauskommen konnte. Doch hielt er solche Besorgnisse jetzt von sich fern, auch tröstete es ihn, daß Barnabas schwieg; wenn sie schweigend gingen, dann konnte doch auch für Barnabas nur das Weitergehen selbst den Zweck ihres Beisammenseins bilden.

[¶15] They went on, but K. did not know whither, he could discern nothing, not even whether they had already passed the church or not. The effort which it cost him merely to keep going made him lose control of his thoughts. Instead of remaining fixed on their goal they strayed. Memories of his home kept recurring and filled his mind. There, too, a church stood in the marketplace, partly surrounded by an old graveyard which was again surrounded by a high wall. Very few boys had managed to climb that wall, and for some time K., too, had failed. It was not curiosity which had urged them on. The graveyard had been no mystery to them. They had often entered it through a small wicket-gate, it was only the smooth high wall that they had wanted to conquer. But one morning—the empty, quiet marketplace had been flooded with sunshine, when had K. ever seen it like that either before or since?—he had succeeded in climbing it with astonishing ease; at a place where he had already slipped down many a time he had clambered with a small flag between his teeth right to the top at the first attempt. Stones were still rattling down under his feet, but he was at the top. He stuck the flag in, it flew in the wind, he looked down and round about him, over his shoulder, too, at the crosses mouldering in the ground, nobody was greater than he at that place and that moment. By chance the teacher had come past and with a stern face had made K. descend. In jumping down he had hurt his knee and had found some difficulty in getting home, but still he had been on the top of the wall. The sense of that triumph had seemed to him then a victory for life, which was not altogether foolish, for now so many years later on the arm of Barnabas in the snowy night the memory of it came to succour him.

> German: Sie gingen, aber K. wußte nicht wohin, nichts konnte er erkennen, nicht einmal, ob sie schon an der Kirche vorübergekommen waren, wußte er. Durch die Mühe, welche ihm das bloße Gehn verursachte, geschah es, daß er seine Gedanken nicht beherrschen konnte. Statt auf das Ziel gerichtet zu bleiben, verwirrten sie sich. Immer wieder tauchte die Heimat auf und Erinnerungen an sie erfüllten ihn. Auch dort stand auf dem Hauptplatz eine Kirche, zum Teil war sie von einem alten Friedhof und dieser von einer hohen Mauer umgeben. Nur sehr wenige Jungen hatten diese Mauer erklettert, auch K. war es noch nicht gelungen. Nicht Neugier trieb sie dazu. Der Friedhof hatte vor ihnen kein Geheimnis mehr. Durch eine kleine Gittertür waren sie schon oft hineingekommen, nur die glatte hohe Mauer wollten sie bezwingen. An einem Vormittag - der stille leere Platz war von Licht überflutet, wann hatte K. ihn je früher oder später so gesehen? - gelang es ihm überraschend leicht; an einer Stelle, wo er schon oft abgewiesen worden war, erkletterte er, eine kleine Fahne zwischen den Zähnen, die Mauer im ersten Anlauf. Noch rieselte Gerölle unter ihm ab, schon war er oben. Er rammte die Fahne ein, der Wind spannte das Tuch, er blickte hinunter und in die Runde, auch über die Schulter hinweg, auf die in der Erde versinkenden Kreuze, niemand war jetzt und hier größer als er. Zufällig kam dann der Lehrer vorüber und trieb K. mit einem ärgerlichen Blick hinab. Beim Absprung verletzte sich K. am Knie, nur mit Mühe kam er nach Hause, aber auf der Mauer war er doch gewesen. Das Gefühl dieses Sieges schien ihm damals für ein langes Leben einen Halt zu geben, was nicht ganz töricht gewesen war, denn jetzt nach vielen Jahren in der Schneenacht am Arm des Barnabas kam es ihm zu Hilfe.

[¶16] He took a firmer hold, Barnabas was almost dragging him along, the silence was unbroken. Of the road they were following all that K. knew was that to judge from its surface they had not yet turned aside into a by-street. He vowed to himself that however difficult the way and however doubtful even the prospect of his being able to get back, he would not cease from going on. He would surely have strength enough to let himself be dragged. And the road must come to an end some time. By day the Castle had looked within easy reach, and, of course, the messenger would take the shortest cut.

> German: Er hing sich fester ein, fast zog ihn Barnabas, das Schweigen wurde nicht unterbrochen. Von dem Weg wußte K. nur, daß sie, nach dem Zustand der Straße zu schließen, noch in keine Seitengasse eingebogen waren. Er gelobte sich, durch keine Schwierigkeit des Weges oder gar durch die Sorge um den Rückweg sich vom Weitergehen abhalten zu lassen. Um schließlich weitergeschleift werden zu können, würde seine Kraft wohl noch ausreichen. Und konnte denn der Weg unendlich sein? Bei Tag war das Schloß wie ein leichtes Ziel vor ihm gelegen und der Bote kannte gewiß den kürzesten Weg.

[¶17] At that moment Barnabas stopped. Where were they? Was this the end? Would Barnabas try to leave him? He wouldn’t succeed. K. clutched his arm so firmly that it almost made his hand ache. Or had the incredible happened, and were they already in the Castle or at its gates? But they had not done any climbing so far as K. could tell. Or had Barnabas taken him up by an imperceptibly mounting road? “Where are we?” said K. in a low voice, more to himself than to Barnabas. “At home,” said Barnabas in the same tone. “At home?” “Be careful now, sir, or you’ll slip. We go down here.” “Down?” “Only a step or two,” added Barnabas, and was already knocking at a door.

> German: Da blieb Barnabas stehen. Wo waren sie? Ging es nicht mehr weiter? Würde Barnabas K. verabschieden? Es würde ihm nicht gelingen. K. hielt des Barnabas Arm fest, daß es fast ihn selbst schmerzte. Oder sollte das Unglaubliche geschehen sein und sie waren schon im Schloß oder vor seinen Toren? Aber sie waren ja, soweit K. wußte, gar nicht gestiegen. Oder hatte ihn Barnabas einen so unmerklich ansteigenden Weg geführt? „Wo sind wir?“ sagte K. leise, mehr sich als ihm. „Zu Hause“, sagte Barnabas ebenso. „Zu Hause?“ „Jetzt aber gib acht, Herr, daß du nicht ausgleitest. Der Weg geht abwärts.“ „Abwärts?“ „Es sind nur ein paar Schritte“, fügte er hinzu und schon klopfte er an eine Tür.

[¶18] A girl opened it, and they were on the threshold of a large room almost in darkness, for there was no light save for a tiny oil lamp hanging over a table in the background. “Who is with you, Barnabas?” asked the girl. “The Land Surveyor,” said he. “The Land Surveyor,” repeated the girl in a louder voice, turning towards the table. Two old people there rose to their feet, a man and a woman, as well as another girl. They greeted K. Barnabas introduced the whole family, his parents and his sisters Olga and Amalia. K. scarcely glanced at them and let them take his wet coat off to dry at the stove.

> German: Ein Mädchen öffnete, sie standen an der Schwelle einer großen Stube fast im Finstern, denn nur über einem Tisch links im Hintergrunde hing eine winzige Öllampe. „Wer kommt mit dir, Barnabas?“ fragte das Mädchen. „Der Landvermesser“, sagte er. „Der Landvermesser“, wiederholte das Mädchen lauter zum Tisch hin. Daraufhin erhoben sich dort zwei alte Leute, Mann und Frau, und noch ein Mädchen. Man begrüßte K. Barnabas stellte ihm alle vor, es waren seine Eltern und seine Schwestern Olga und Amalia. K. sah sie kaum an, man nahm ihm den nassen Rock ab, um ihn beim Ofen zu trocknen. K. ließ es geschehen.

[¶19] So it was only Barnabas who was at home, not he himself. But why had they come here? K. drew Barnabas aside and asked: “Why have you come here? Or do you live in the Castle precincts?” “The Castle precincts?” repeated Barnabas, as if he did not understand. “Barnabas,” said K., “you left the inn to go to the Castle.” “No,” said Barnabas, “I left it to come home, I don’t go to the Castle till the early morning, I never sleep there.” “Oh,” said K., “so you weren’t going to the Castle, but only here”—the man’s smile seemed less brilliant, and his person more insignificant—“Why didn’t you say so?” “You didn’t ask me, sir,” said Barnabas, “you only said you had a message to give me, but you wouldn’t give it in the inn parlour, or in your room, so I thought you could speak to me quietly here in my parents’ house. The others will all leave us if you wish—and, if you prefer, you could spend the night here. Haven’t I done the right thing?” K. could not reply. It had been simply a misunderstanding, a common, vulgar misunderstanding, and K. had been completely taken in by it. He had been bewitched by Barnabas’ close-fitting, silken-gleaming jacket, which, now that it was unbuttoned, displayed a coarse dirty grey shirt patched all over, and beneath that the huge muscular chest of a labourer. His surroundings not only corroborated all this but even emphasised it, the old gouty father who progressed more by the help of his groping hands than by the slow movements of his stiff legs, and the mother with her hands folded on her bosom, who was equally incapable of any but the smallest steps by reason of her stoutness. Both of them, father and mother, had been advancing from their corner towards K. ever since he had come in, and were still a long way off. The yellow-haired sisters, very like each other and very like Barnabas, but with harder features than their brother, great strapping wenches, hovered round their parents and waited for some word of greeting from K. But he could not utter it. He had been persuaded that in this village everybody meant something to him, and indeed he was not mistaken, it was only for these people here that he could feel not the slightest interest. If he had been fit to struggle back to the inn alone he would have left at once. The possibility of accompanying Barnabas to the Castle early in the morning did not attract him. He had hoped to penetrate into the Castle unremarked in the night on the arm of Barnabas, but on the arm of the Barnabas he had imagined, a man who was more to him than anyone else, the Barnabas he had conceived to be far above his apparent rank and in the intimate confidence of the Castle. With the son of such a family, however, a son who integrally belonged to it, and who was already sitting at table with the others, a man who was not even allowed to sleep in the Castle, he could not possibly go to the Castle in the broad light of day, it would be a ridiculous and hopeless undertaking.

> German: Also nicht sie waren zu Hause, nur Barnabas war zu Hause. Aber warum waren sie hier? K. nahm Barnabas zur Seite und fragte: „Warum bist du nach Hause gegangen? Oder wohnt ihr schon im Bereiche des Schlosses?“ „Im Bereich des Schlosses?“ wiederholte Barnabas, als verstehe er K. nicht. „Barnabas,“ sagte K., „du wolltest doch aus dem Wirtshaus ins Schloß gehn.“ „Nein,“ sagte Barnabas, „ich wollte nach Hause gehn, ich gehe erst früh ins Schloß, ich schlafe niemals dort.“ „So,“ sagte K., „du wolltest nicht ins Schloß gehn, nur hierher.“ - Matter schien ihm sein Lächeln, unscheinbarer er selbst. - „Warum hast du mir das nicht gesagt?“ „Du hast mich nicht gefragt, Herr,“ sagte Barnabas, „du wolltest mir nur noch einen Auftrag geben, aber weder in der Wirtsstube, noch in deinem Zimmer, da dachte ich, du könntest mir den Auftrag ungestört hier bei meinen Eltern geben. Sie werden sich alle gleich entfernen, wenn du es befiehlst - auch könntest du, wenn es dir bei uns besser gefällt, hier übernachten. Habe ich nicht recht getan?“ K. konnte nicht antworten. Ein Mißverständnis war es also gewesen, ein gemeines, niedriges Mißverständnis, und K. hatte sich ihm ganz hingegeben. Hatte sich bezaubern lassen von des Barnabas enger, seidenglänzender Jacke, die dieser jetzt aufknöpfte und unter der ein grobes, grauschmutziges, viel geflicktes Hemd erschien über der mächtigen kantigen Brust eines Knechtes. Und alles ringsum entsprach dem nicht nur, überbot es noch, der alte gichtische Vater, der mehr mit Hilfe der tastenden Hände als der sich langsam schiebenden steifen Beine vorwärts kam, die Mutter mit auf der Brust gefalteten Händen, die wegen ihrer Fülle auch nur die winzigsten Schritte machen konnte. Beide, Vater und Mutter, gingen schon, seitdem K. eingetreten war, aus ihrer Ecke auf ihn zu und hatten ihn noch lange nicht erreicht. Die Schwestern, Blondinen, einander und dem Barnabas ähnlich, aber mit härteren Zügen als Barnabas, große starke Mägde, umstanden die Ankömmlinge und erwarteten von K. irgendein Begrüßungswort. Er konnte nichts sagen. Er hatte geglaubt, hier im Dorf habe jeder für ihn Bedeutung und es war wohl auch so, nur gerade diese Leute hier bekümmerten ihn gar nicht. Wäre er imstande gewesen, allein den Weg ins Wirtshaus zu bewältigen, er wäre gleich fortgegangen. Die Möglichkeit, früh mit Barnabas ins Schloß zu gehen, lockte ihn gar nicht. Jetzt in der Nacht, unbeachtet, hätte er ins Schloß dringen wollen, von Barnabas geführt, aber von jenem Barnabas, wie er ihm bisher erschienen war, einem Mann, der ihm näher war als alle, die er bisher hier gesehen hatte, und von dem er gleichzeitig geglaubt hatte, daß er weit über seinen sichtbaren Rang hinaus eng mit dem Schloß verbunden war. Mit dem Sohn dieser Familie aber, zu der er völlig gehörte und mit der er schon beim Tisch saß, mit einem Mann, der bezeichnenderweise nicht einmal im Schloß schlafen durfte, an seinem Arm am hellen Tag ins Schloß zu gehn, war unmöglich, war ein lächerlich hoffnungsloser Versuch.

[¶20] K. sat down on a window-seat where he determined to pass the night without accepting any other favour. The other people in the village, who turned him away or were afraid of him, seemed much less dangerous, for all that they did was to throw him back on his own resources, helping him to concentrate his powers, but such ostensible helpers as these who on the strength of a petty masquerade brought him into their homes instead of into the Castle, deflected him, whether intentionally or not, from his goal and only helped to destroy him. An invitation to join the family at table he ignored completely, stubbornly sitting with bent head on his bench.

> German: K. setzte sich auf eine Fensterbank, entschlossen dort auch die Nacht zu verbringen und keinen Dienst sonst von der Familie in Anspruch zu nehmen. Die Leute aus dem Dorf, die ihn wegschickten oder die vor ihm Angst hatten, schienen ihm ungefährlicher, denn sie verwiesen ihn im Grund nur auf ihn selbst, halfen ihm seine Kräfte gesammelt zu halten, solche scheinbare Helfer aber, die ihn statt ins Schloß, dank einer kleinen Maskerade, in ihre Familien führten, lenkten ihn ab, ob sie wollten oder nicht, arbeiteten an der Zerstörung seiner Kräfte. Einen einladenden Zuruf vom Familientisch beachtete er gar nicht, mit gesenktem Kopf blieb er auf seiner Bank.

[¶21] Then Olga, the gentler of the sisters, got up, not without a trace of maidenly embarrassment, came over to K. and asked him to join the family meal of bread and bacon, saying that she was going to fetch some beer. “Where from?” asked K. “From the inn,” she said. That was welcome news to K. He begged her instead of fetching beer to accompany him back to the inn, where he had important work waiting to be done. But the fact now emerged that she was not going so far as his inn, she was going to one much nearer, called the Herrenhof. None the less K. begged to be allowed to accompany her, thinking that there perhaps he might find a lodging for the night; however wretched it might be he would prefer it to the best bed these people could offer him. Olga did not reply at once, but glanced towards the table. Her brother stood up, nodded obligingly, and said: “If the gentleman wishes.” This assent was almost enough to make K. withdraw his request, nothing could be of much value if Barnabas assented to it. But since they were already wondering whether K. would be admitted into that inn and doubting its possibility, he insisted emphatically upon going, without taking the trouble to give a colourable excuse for his eagerness; this family would have to accept him as he was, he had no feeling of shame where they were concerned. Yet he was somewhat disturbed by Amalia’s direct and serious gaze, which was unflinching and perhaps a little stupid.

> German: Da stand Olga auf, die sanftere der Schwestern, auch eine Spur mädchenhafter Verlegenheit zeigte sie, kam zu K. und bat ihn, zum Tisch zu kommen. Brot und Speck sei dort vorbereitet, Bier werde sie noch holen. „Von wo?“ fragte K. „Aus dem Wirtshaus“, sagte sie. Das war K. sehr willkommen. Er bat sie, lieber kein Bier zu holen, aber ihn ins Wirtshaus zu begleiten, er habe dort noch wichtige Arbeiten liegen. Es stellte sich nun aber heraus, daß sie nicht so weit, nicht in sein Wirtshaus gehn wollte, sondern in ein anderes, viel näheres, den Herrenhof. Trotzdem bat K., sie begleiten zu dürfen, vielleicht, so dachte er, findet sich dort eine Schlafgelegenheit; wie sie auch sein mochte, er hätte sie dem besten Bett hier im Hause vorgezogen. Olga antwortete nicht gleich, blickte sich nach dem Tisch um. Dort war der Bruder aufgestanden, nickte bereitwillig und sagte: „Wenn der Herr es wünscht.“ Fast hätte K. diese Zustimmung dazu bewegen können, seine Bitte zurückzuziehen, nur Wertlosem konnte jener zustimmen. Aber als nun die Frage besprochen wurde, ob man K. in das Wirtshaus einlassen werde, und alle daran zweifelten, bestand er doch dringend darauf, mitzugehen, ohne sich aber die Mühe zu nehmen, einen verständlichen Grund für seine Bitte zu erfinden; diese Familie mußte ihn annehmen, wie er war, er hatte gewissermaßen kein Schamgefühl vor ihr. Darin beirrte ihn nur Amalia ein wenig mit ihrem ernsten, geraden, unrührbaren, vielleicht auch etwas stumpfen Blick.

[¶22] On their short walk to the inn—K. had taken Olga’s arm and was leaning his whole weight on her as earlier on Barnabas, he could not get along otherwise—he learned that it was an inn exclusively reserved for gentlemen from the Castle, who took their meals there and sometimes slept there whenever they had business in the village. Olga spoke to K. in a low and confidential tone, to walk with her was pleasant, almost as pleasant as walking with her brother. K. struggled against the feeling of comfort she gave him, but it persisted.

> German: Auf dem kurzen Weg ins Wirtshaus - K. hatte sich in Olga eingehängt und wurde von ihr, er konnte sich nicht anders helfen, fast so gezogen wie früher von ihrem Bruder - erfuhr er, daß dieses Wirtshaus eigentlich nur für Herren aus dem Schloß bestimmt sei, die dort, wenn sie etwas im Dorf zu tun haben, essen und sogar manchmal übernachten. Olga sprach mit K. leise und wie vertraut, es war angenehm mit ihr zu gehen, fast so wie mit dem Bruder. K. wehrte sich gegen das Wohlgefühl, aber es bestand.

[¶23] From outside, the new inn looked very like the inn where K. was staying. All the houses in the village resembled one another more or less, but still a few small differences were immediately apparent here; the front steps had a balustrade, and a fine lantern was fixed over the doorway. Something fluttered over their heads as they entered, it was a flag with the Count’s colours. In the hall they were at once met by the landlord, who was obviously on a tour of inspection; he glanced at K. in passing with small eyes that were either screwed up critically or half-asleep, and said: “The Land Surveyor mustn’t go anywhere but into the bar.” “Certainly,” said Olga, who took K.’s part at once, “he’s only escorting me.” But K. ungratefully let go her arm and drew the landlord aside. Olga meanwhile waited patiently at the end of the hall. “I should like to spend the night here,” said K. “I’m afraid that’s impossible,” said the landlord. “You don’t seem to be aware that this house is reserved exclusively for gentlemen from the Castle.” “Well, that may be the rule,” said K., “but it’s surely possible to let me sleep in a corner somewhere:” “I should be only too glad to oblige you,” said the landlord, “but besides the strictness with which the rule is enforced—and you speak about it as only a stranger could—it’s quite out of the question for another reason; the Castle gentlemen are so sensitive that I’m convinced they couldn’t bear the sight of a stranger, at least unless they were prepared for it; and if I were to let you sleep here, and by some chance or other—and chances are always on the side of the gentlemen—you were discovered, not only would it mean my ruin but yours too. That sounds ridiculous, but it’s true.” This tall and closely-buttoned man who stood with his legs crossed, one hand braced against the wall and the other on his hip, bending down a little towards K. and speaking confidentially to him, seemed to have hardly anything in common with the village, even although his dark clothes looked like a peasant’s finery. “I believe you absolutely,” said K., “and I didn’t mean to belittle the rule, although I expressed myself badly. Only there’s something I’d like to point out, I have some influence in the Castle, and shall have still more, and that secures you against any danger arising out of my stay here overnight, and is a guarantee that I am able fully to recompense any small favour you may do me.” “Oh, I know,” said the landlord, and repeated again, “I know all that.” Now was the time for K. to state his wishes more clearly, but this reply of the landlord’s disconcerted him, and so he merely asked, “Are there many of the Castle gentlemen staying in the house tonight?” “As far as that goes, tonight is favourable,” returned the landlord, as if in encouragement, “there’s only one gentleman.” Still K. felt incapable of urging the matter, but being in hopes that he was as good as accepted, he contented himself by asking the name of the gentleman. “Klamm,” said the landlord casually, turning meanwhile to his wife who came rustling towards them in a remarkably shabby, old-fashioned gown overloaded with pleats and frills, but of a fine city cut. She came to summon the landlord, for the Chief wanted something or other. Before the landlord complied, however, he turned once more to K., as if it lay with K. to make the decision about staying all night. But K. could not utter a word, overwhelmed as he was by the discovery that it was his patron who was in the house. Without being able to explain it completely to himself he did not feel the same freedom of action in relation to Klamm as he did to the rest of the Castle, and the idea of being caught in the inn by Klamm, although it did not terrify him as it did the landlord, gave him a twinge of uneasiness, much as if he were thoughtlessly to hurt the feelings of someone to whom he was bound by gratitude; at the same time, however, it vexed him to recognise already in these qualms the obvious effects of that degradation to an inferior status which he had feared, and to realise that although they were so obvious he was not even in a position to counteract them. So he stood there biting his lips and said nothing. Once more the landlord looked back at him before disappearing through a doorway, and K. returned the look without moving from the spot, until Olga came up and drew him away. “What did you want with the landlord?” she asked. “I wanted a bed for the night,” said K. “But you’re staying with us!” said Olga in surprise. “Of course,” said K., leaving her to make what she liked of it.

> German: Das Wirtshaus war äußerlich sehr ähnlich dem Wirtshaus, in dem K. wohnte. Es gab im Dorf wohl überhaupt keine großen äußeren Unterschiede, aber kleine Unterschiede waren doch gleich zu merken, die Vortreppe hatte ein Geländer, eine schöne Laterne war über der Tür befestigt. Als sie eintraten, flatterte ein Tuch über ihren Köpfen, es war eine Fahne mit den gräflichen Farben. Im Flur begegnete ihnen gleich, offenbar auf einem beaufsichtigenden Rundgang befindlich, der Wirt; mit kleinen Augen, prüfend oder schläfrig, sah er K. im Vorübergehen an und sagte: „Der Herr Landvermesser darf nur bis in den Ausschank gehn.“ „Gewiß,“ sagte Olga, die sich K.s gleich annahm, „er begleitet mich nur.“ K. aber, undankbar, machte sich von Olga los und nahm den Wirt beiseite. Olga wartete unterdessen geduldig am Ende des Flurs. „Ich möchte hier gerne übernachten“, sagte K. „Das ist leider unmöglich“, sagte der Wirt. „Sie scheinen es noch nicht zu wissen, das Haus ist ausschließlich für die Herren vom Schloß bestimmt.“ „Das mag Vorschrift sein,“ sagte K., „aber mich irgendwo in einem Winkel schlafen zu lassen, ist gewiß möglich.“ „Ich würde Ihnen außerordentlich gern entgegenkommen,“ sagte der Wirt, „aber auch abgesehen von der Strenge der Vorschrift, über die Sie nach Art eines Fremden sprechen, ist es auch deshalb unausführbar, weil die Herren äußerst empfindlich sind; ich bin überzeugt, daß sie unfähig sind, wenigstens unvorbereitet, den Anblick eines Fremden zu ertragen; wenn ich Sie also hier übernachten ließe und Sie durch einen Zufall - und die Zufälle sind immer auf Seite der Herren - entdeckt würden, wäre nicht nur ich verloren, sondern auch Sie selbst. Es klingt lächerlich, aber es ist wahr.“ Dieser hohe, fest zugeknöpfte Herr, der, die eine Hand gegen die Wand gestemmt, die andere in die Hüfte, die Beine gekreuzt, ein wenig zu K. herabgeneigt, vertraulich zu ihm sprach, schien kaum mehr zum Dorf zu gehören, wenn auch noch sein dunkles Kleid nur bäuerisch festlich aussah. „Ich glaube Ihnen vollkommen,“ sagte K., „und auch die Bedeutung der Vorschrift unterschätze ich gar nicht, wenn ich mich auch ungeschickt ausgedrückt habe. Nur auf eines will ich Sie noch aufmerksam machen, ich habe im Schloß wertvolle Verbindung und werde noch wertvollere bekommen, sie sichern Sie gegen jede Gefahr, die durch mein Übernachten hier entstehn könnte und bürgen Ihnen dafür, daß ich imstande bin, für eine kleine Gefälligkeit vollwertig zu danken.“ „Ich weiß,“ sagte der Wirt und wiederholte nochmals, „das weiß ich.“ Nun hätte K. sein Verlangen nachdrücklicher stellen können, aber gerade diese Antwort des Wirtes zerstreute ihn, deshalb fragte er nur: „Übernachten heute viele Herren vom Schloß hier?“ „In dieser Hinsicht ist es heute vorteilhaft,“ sagte der Wirt gewissermaßen lockend, „es ist nur ein Herr hiergeblieben.“ Noch immer konnte K. nicht drängen, hoffte nun auch schon, fast aufgenommen zu sein, so fragte er nur noch nach dem Namen des Herrn. „Klamm“, sagte der Wirt nebenbei, während er sich nach seiner Frau umdrehte, welche in sonderbar abgenützten, veralteten, mit Rüschen und Falten überladenen, aber feinen städtischen Kleidern herangerauscht kam. Sie wollte den Wirt holen, der Herr Vorstand habe irgendeinen Wunsch. Ehe der Wirt aber ging, wandte er sich noch an K., als habe nicht mehr er selbst, sondern K. wegen des Übernachtens zu entscheiden. K. konnte aber nichts sagen, besonders der Umstand, daß gerade sein Vorgesetzter hier war, verblüffte ihn. Ohne daß er es sich selbst ganz erklären konnte, fühlte er sich Klamm gegenüber nicht so frei wie sonst gegenüber dem Schloß, von ihm hier ertappt zu werden, wäre für K. zwar kein Schrecken im Sinne des Wirtes, aber doch eine peinliche Unzukömmlichkeit gewesen, so etwa als würde er jemandem, dem er zu Dankbarkeit verpflichtet war, leichtsinnig einen Schmerz bereiten; dabei aber bedrückte es ihn schwer, zu sehen, daß sich in solcher Bedenklichkeit offenbar schon die gefürchteten Folgen des Untergeordnetseins, des Arbeiterseins zeigten und daß er nicht einmal hier, wo sie deutlich auftraten, imstande war, sie niederzukämpfen. So stand er, zerbiß sich die Lippen und sagte nichts. Noch einmal, ehe der Wirt in einer Tür verschwand, sah er zu K. zurück. Dieser sah ihm nach und ging nicht von der Stelle, bis Olga kam und ihn fortzog. „Was wolltest du vom Wirt?“ fragte Olga. „Ich wollte hier übernachten“, sagte K. „Du wirst doch bei uns übernachten“, sagte Olga verwundert. „Ja, gewiß“, sagte K. und überließ ihr die Deutung der Worte.

## 3. Chapter III · Das dritte Kapitel

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[¶0] In the bar, which was a large room with a vacant space in the middle, there were several peasants sitting by the wall on the tops of some casks, but they looked different from those in K.’s inn. They were more neatly and uniformly dressed in coarse yellowish-grey cloth, with loose jackets and tightly-fitting trousers. They were smallish men with at first sight a strong mutual resemblance, having flat bony faces, but rounded cheeks. They were all quiet, and sat with hardly a movement, except that they followed the newcomers with their eyes, but they did even that slowly and indifferently. Yet because of their numbers and their quietness they had a certain effect on K. He took Olga’s arm again as if to explain his presence there. A man rose up from one corner, an acquaintance of Olga’s, and made towards her, but K. wheeled her round by the arm in another direction. His action was perceptible to nobody but Olga, and she tolerated it with a smiling side-glance.

> German: Im Ausschank, einem großen in der Mitte völlig leeren Zimmer, waren an den Wänden bei Fässern und auf ihnen einige Bauern, die aber anders aussahen, als die Leute in K.s Wirtshaus. Sie waren reinlicher und einheitlicher in graugelblichen groben Stoff gekleidet, die Jacken waren gebauscht, die Hosen anliegend. Es waren kleine, auf den ersten Blick einander sehr ähnliche Männer mit flachen knochigen und doch rundwangigen Gesichtern. Alle waren ruhig und bewegten sich kaum, nur mit den Blicken verfolgten sie die Eintretenden, aber langsam und gleichgültig. Trotzdem übten sie, weil es so viele waren und weil es so still war, eine gewisse Wirkung auf K. aus. Er nahm wieder Olgas Arm, um damit den Leuten sein Hiersein zu erklären. In einer Ecke erhob sich ein Mann, ein Bekannter Olgas, und wollte auf sie zugehen, aber K. drehte sie mit dem eingehängten Arm in eine andere Richtung. Niemand außer ihr konnte es bemerken, sie duldete es mit einem lächelnden Seitenblick.

[¶1] The beer was drawn off by a young girl called Frieda. An unobtrusive little girl with fair hair, sad eyes and hollow cheeks, but with a striking look of conscious superiority. As soon as her eye met K.’s it seemed to him that her look decided something concerning himself, something which he had not known to exist, but which her look assured him did exist. He kept on studying her from the side, even while she was speaking to Olga. Olga and Frieda were apparently not intimate, they exchanged only a few cold words. K. wanted to hear more, and so interposed with a question on his own account: “Do you know Herr Klamm?” Olga laughed out loud. “What are you laughing at?” asked K. irritably. “I’m not laughing,” she protested, but went on laughing. “Olga is a childish creature,” said K. bending far over the counter in order to attract Frieda’s gaze again. But she kept her eyes lowered and laughed shyly. “Would you like to see Herr Klamm?” K. begged for a sight of him. She pointed to a door just on her left. “There’s a little peephole there, you can look through.” “What about the others?” asked K. She curled her underlip and pulled K. to the door with a hand that was unusually soft. The little hole had obviously been bored for spying through, and commanded almost the whole of the neighbouring room. At a desk in the middle of the room in a comfortable armchair sat Herr Klamm, his face brilliantly lit up by an incandescent lamp which hung low before him. A middle-sized, plump and ponderous man. His face was still smooth, but his cheeks were already somewhat flabby with age. His black moustache had long points, his eyes were hidden behind glittering pince-nez that sat awry. If he had been planted squarely before his desk K. would only have seen his profile, but since he was turned directly towards K. his whole face was visible. His left elbow lay on the desk, his right hand, in which was a Virginia cigar, rested on his knee. A beer-glass was standing on the desk, but there was a rim round the desk which prevented K. from seeing whether any papers were lying on it, he had the idea, however, that there were none. To make it certain he asked Frieda to look through the hole and tell him if there were any. But since she had been in that very room a short time ago she was able to inform him without further ado that the desk was empty. K. asked Frieda if his time was up, but she told him to go on looking as long as he liked. K. was now alone with Frieda. Olga, as a hasty glance assured him, had found her way to her acquaintance, and was sitting high on a cask swinging her legs. “Frieda,” said K. in a whisper, “do you know Herr Klamm well?” “Oh, yes,” she said, “very well.” She leaned over to K. and he became aware that she was coquettishly fingering the low-cut cream-coloured blouse which sat oddly on her poor thin body. Then she said: “Didn’t you notice how Olga laughed?” “Yes, the rude creature,” said K. “Well,” she said extenuatingly, “there was a reason for laughing. You asked if I knew Klamm, and you see I”—here she involuntarily lifted her chin a little, and again her triumphant glance, which had no connection whatever with what she was saying, swept over K.—“I am his mistress.” “Klamm’s mistress,” said K. She nodded. “Then,” said K. smiling, to prevent the atmosphere from being too charged with seriousness, “you are for me a highly respectable person.” “Not only for you,” said Frieda amiably, but without returning his smile. K. had a weapon for bringing down her pride, and he tried it: “Have you ever been in the Castle?” But it missed the mark, for she answered: “No, but isn’t it enough for me to be here in the bar?” Her vanity was obviously boundless, and she was trying, it seemed, to get K. in particular to minister to it. “Of course,” said K., “here in the bar you’re taking the landlord’s place.” “That’s so,” she assented, “and I began as a byre-maid at the inn by the bridge.” “With those delicate hands,” said K. half-questioningly, without knowing himself whether he was only flattering her or was compelled by something in her. Her hands were certainly small and delicate, but they could quite as well have been called weak and characterless. “Nobody bothered about them then,” she said, “and even now …” K. looked at her enquiringly. She shook her head and would say no more. “You have your secrets, naturally,” said K., “and you’re not likely to give them away to somebody you’ve known for only half an hour, and who hasn’t had the chance yet to tell you anything about himself.” This remark proved to be ill-chosen, for it seemed to arouse Frieda as from a trance that was favourable to him. Out of the leather bag hanging at her girdle she took a small piece of wood, stopped up the peephole with it, and said to K. with an obvious attempt to conceal the change in her attitude: “Oh, I know all about you, you’re the Land Surveyor,” and then adding: “but now I must go back to my work,” she returned to her place behind the bar counter, while a man here and there came up to get his empty glass refilled. K. wanted to speak to her again, so he took an empty glass from a stand and went up to her, saying: “One thing more, Fräulein Frieda, it’s an extraordinary feat and a sign of great strength of mind to have worked your way up from byre-maid to this position in the bar, but can it be the end of all ambition for a person like you? An absurd idea. Your eyes—don’t laugh at me, Fräulein Frieda—speak to me far more of conquests still to come than of conquests past. But the opposition one meets in the world is great, and becomes greater the higher one aims, and it’s no disgrace to accept the help of a man who’s fighting his way up too, even though he’s a small and uninfluential man. Perhaps we could have a quiet talk together sometime, without so many onlookers?” “I don’t know what you’re after,” she said, and in her tone this time there seemed to be, against her will, an echo rather of countless disappointments than of past triumphs. “Do you want to take me away from Klamm, perhaps? O heavens!” and she clapped her hands. “You’ve seen through me,” said K., as if wearied by so much mistrust, “that’s exactly my real secret intention. You ought to leave Klamm and become my sweetheart. And now I can go. Olga!” he cried, “we’re going home.” Obediently Olga slid down from her cask, but did not succeed immediately in breaking through her ring of friends. Then Frieda said in a low voice, with a hectoring look at K.: “When can I talk to you?” “Can I spend the night here?” asked K. “Yes,” said Frieda. “Can I stay now?” “Go out first with Olga, so that I can clear out all the others. Then you can come back in a little.” “Right,” said K., and he waited impatiently for Olga. But the peasants would not let her go; they had made up a dance in which she was the central figure, they circled round her yelling all together and every now and then one of them left the ring, seized Olga firmly round the waist and whirled her round and round; the pace grew faster and faster, the yells more hungry, more raucous, until they were insensibly blended into one continuous howl. Olga, who had begun laughingly by trying to break out of the ring, was now merely reeling with flying hair from one man to the other. “That’s the kind of people I’m saddled with,” said Frieda, biting her thin lips in scorn. “Who are they?” asked K. “Klamm’s servants,” said Frieda, “he keeps on bringing those people with him, and they upset me. I can hardly tell what I’ve been saying to you, but please forgive me if I’ve offended you, it’s these people who are to blame, they’re the most contemptible and objectionable creatures I know, and I have to fill their glasses up with beer for them. How often I’ve implored Klamm to leave them behind him, for though I have to put up with the other gentlemen’s servants, he could surely have some consideration for me; but it’s all of no use, an hour before his arrival they always come bursting in like cattle into their stall. But now they’ve really got to get into the stall, where they belong. If you weren’t here I’d fling open this door and Klamm would be forced to drive them out himself.” “Can’t he hear them, then?” asked K. “No,” said Frieda, “he’s asleep.” “Asleep?” cried K. “But when I peeped in he was awake and sitting at the desk.” “He always sits like that,” said Frieda, “he was sleeping when you saw him. Would I have let you look in if he hadn’t been asleep? That’s how he sleeps, the gentlemen do sleep a great deal, it’s hard to understand. Anyhow, if he didn’t sleep so much, he wouldn’t be able to put up with his servants. But now I’ll have to turn them out myself.” She took a whip from a corner and sprang among the dancers with a single bound, a little uncertainly, as a young lamb might spring. At first they faced her as if she were merely a new partner, and actually for a moment Frieda seemed inclined to let the whip fall, but she soon raised it again, crying, “In the name of Klamm into the stall with you, into the stall, all of you!” When they saw that she was in earnest they began to press towards the back wall in a kind of panic incomprehensible to K., and under the impact of the first few a door shot open, letting in a current of night air, through which they all vanished with Frieda behind them openly driving them across the courtyard into the stalls.

> German: Das Bier wurde von einem jungen Mädchen ausgeschenkt, das Frieda hieß. Ein unscheinbares kleines blondes Mädchen mit traurigen Augen und mageren Wangen, das aber durch seinen Blick überraschte, einem Blick von besonderer Überlegenheit. Als dieser Blick auf K. fiel, schien es ihm, daß dieser Blick schon K. betreffende Dinge erledigt hatte, von deren Vorhandensein er selbst noch gar nichts wußte, von deren Vorhandensein aber der Blick ihn überzeugte. K. hörte nicht auf, Frieda von der Seite anzusehn, auch als sie schon mit Olga sprach. Freundinnen schienen Olga und Frieda nicht zu sein, sie wechselten nur wenige kalte Worte. K. wollte nachhelfen und fragte deshalb unvermittelt: „Kennen Sie Herrn Klamm?“ Olga lachte auf. „Warum lachst du?“ fragte K. ärgerlich. „Ich lache doch nicht“, sagte sie, lachte aber weiter. „Olga ist noch ein recht kindisches Mädchen“, sagte K. und beugte sich weit über den Schenktisch, um nochmals Friedas Blick fest auf sich zu ziehen. Sie aber hielt ihn gesenkt und lachte leise: „Wollen Sie Herrn Klamm sehn?“ K. bat darum. Sie zeigte auf eine Tür, gleich links, neben sich. „Hier ist ein kleines Guckloch, hier können Sie durchsehen.“ „Und die Leute hier?“ fragte K. Sie warf die Unterlippe auf und zog K. mit einer ungemein weichen Hand zur Tür. Durch das kleine Loch, das offenbar zu Beobachtungszwecken gebohrt war, übersah er fast das ganze Nebenzimmer. An einem Schreibtisch in der Mitte des Zimmers, in einem bequemen Rundlehnstuhl, saß, grell von einer vor ihm niederhängenden Glühlampe beleuchtet, Herr Klamm. Ein mittelgroßer, dicker, schwerfälliger Herr. Das Gesicht war noch glatt, aber die Wangen senkten sich doch schon mit dem Gewicht des Alters ein wenig hinab. Der schwarze Schnurrbart war lang ausgezogen. Ein schief aufgesetzter, spiegelnder Zwicker verdeckte die Augen. Wäre Herr Klamm völlig beim Tisch gesessen, hätte K. nur sein Profil gesehen, da ihm aber Klamm direkt zugedreht war, sah er ihm voll ins Gesicht. Den linken Ellbogen hatte Klamm auf dem Tisch liegen, die rechte Hand, in der er eine Virginia hielt, ruhte auf dem Knie. Auf dem Tisch stand ein Bierglas; da die Randleiste des Tisches hoch war, konnte K. nicht genau sehen, ob auf dem Tisch irgendwelche Schriften lagen, es schien ihm aber, als wäre er leer. Der Sicherheit halber bat er Frieda, durch das Loch zu schauen und ihm hierüber Auskunft zu geben. Da sie aber vor kurzem im Zimmer gewesen war, konnte sie K. ohne weiteres bestätigen, daß dort keine Schriften lagen. K. fragte Frieda, ob er schon weggehen müsse. Sie aber sagte, er könne hindurchschauen, solange er Lust habe. K. war jetzt mit Frieda allein. Olga hatte, wie er flüchtig feststellte, den Weg zu ihrem Bekannten gefunden, saß hoch auf einem Faß und strampelte mit den Füßen. „Frieda,“ sagte K. flüsternd, „kennen Sie Herrn Klamm sehr gut?“ „Ach ja,“ sagte sie, „sehr gut.“ Sie lehnte neben K. und ordnete spielerisch, wie K. jetzt erst auffiel, ihre leichte ausgeschnittene cremefarbige Bluse, die wie fremd auf ihrem armen Körper lag. Dann sagte sie: „Erinnern Sie sich nicht an Olgas Lachen?“ „Ja, die Unartige“, sagte K. „Nun,“ sagte sie versöhnlich, „es war Grund zum Lachen. Sie fragten, ob ich Klamm kenne, und ich bin doch“ - hier richtete sie sich unwillkürlich ein wenig auf und wieder ging ihr sieghafter, mit dem, was gesprochen wurde, gar nicht zusammenhängender Blick über K. hin - „ich bin doch seine Geliebte.“ „Klamms Geliebte“, sagte K. Sie nickte. „Dann sind Sie“, sagte K. lächelnd, um nicht allzuviel Ernst zwischen ihnen aufkommen zu lassen, „für mich eine sehr respektable Person.“ „Nicht nur für Sie“, sagte Frieda, freundlich, aber ohne sein Lächeln aufzunehmen. K. hatte ein Mittel gegen ihren Hochmut und wandte es an, er fragte: „Waren Sie schon im Schloß?“ Es verfing aber nicht, denn sie antwortete: „Nein, aber ist es nicht genug, daß ich hier im Ausschank bin?“ Ihr Ehrgeiz war offenbar toll und gerade an K., so schien es, wollte sie ihn sättigen. „Freilich,“ sagte K., „hier im Ausschank, Sie versehen ja die Arbeit des Wirtes.“ „So ist es,“ sagte sie, „und begonnen habe ich als Stallmagd im Wirtshaus zur Brücke.“ „Mit den zarten Händen“, sagte K. halb fragend und wußte selbst nicht, ob er nur schmeichelte oder auch wirklich von ihr bezwungen war. Ihre Hände allerdings waren klein und zart, aber man hätte sie auch schwach und nichtssagend nennen können. „Darauf hat damals niemand geachtet,“ sagte sie, „und selbst jetzt-.“ K. sah sie fragend an. Sie schüttelte den Kopf und wollte nicht weiter reden. „Sie haben natürlich“, sagte K., „Ihre Geheimnisse und Sie werden über sie nicht mit jemandem reden, den Sie eine halbe Stunde lang kennen und der noch keine Gelegenheit hatte, Ihnen zu erzählen, wie es sich eigentlich mit ihm verhält.“ Das war nun aber, wie sich zeigte, eine unpassende Bemerkung, es war, als hätte er Frieda aus einem, ihm günstigen Schlummer geweckt. Sie nahm aus der Ledertasche, die sie am Gürtel hängen hatte, ein Hölzchen, verstopfte damit das Guckloch, sagte zu K., sichtbar sich bezwingend, um ihn von der Änderung ihrer Gesinnung nichts merken zu lassen: „Was Sie betrifft, so weiß ich doch alles, Sie sind der Landvermesser“, fügte dann hinzu: „nun muß ich aber an die Arbeit“, und ging an ihren Platz hinter dem Ausschanktisch, während sich von den Leuten hie und da einer erhob, um sein leeres Glas von ihr füllen zu lassen. K. wollte noch einmal unauffällig mit ihr sprechen, nahm deshalb von einem Ständer ein leeres Glas und ging zu ihr: „Nur eines noch, Fräulein Frieda“, sagte er, „es ist außerordentlich und eine auserlesene Kraft ist dazu nötig, sich von einer Stallmagd zum Ausschankmädchen vorzuarbeiten, ist damit aber für einen solchen Menschen das endgültige Ziel erreicht? Unsinnige Frage. Aus Ihren Augen, lachen Sie mich nicht aus, Fräulein Frieda, spricht nicht so sehr der vergangene, als der zukünftige Kampf. Aber die Widerstände der Welt sind groß, sie werden größer mit den größeren Zielen und es ist keine Schande, sich die Hilfe selbst eines kleinen, einflußlosen, aber ebenso kämpfenden Mannes zu sichern. Vielleicht könnten wir einmal in Ruhe miteinander sprechen, nicht von so vielen Augen angestarrt.“ „Ich weiß nicht, was Sie wollen“, sagte sie, und in ihrem Ton schienen diesmal gegen ihren Willen nicht die Siege ihres Lebens, sondern die unendlichen Enttäuschungen mitzuklingen. „Wollen Sie mich vielleicht von Klamm abziehen? Du lieber Himmel!“ und sie schlug die Hände zusammen. „Sie haben mich durchschaut“, sagte K., wie ermüdet von soviel Mißtrauen, „gerade das war meine geheimste Absicht. Sie sollten Klamm verlassen und meine Geliebte werden. Und nun kann ich ja gehen. Olga!“ rief K. „wir gehen nach Hause.“ Folgsam glitt Olga vom Faß, kam aber nicht gleich von den sie umringenden Freunden los. Da sagte Frieda leise, drohend K. anblickend: „Wann kann ich mit Ihnen sprechen?“ „Kann ich hier übernachten?“ fragte K. „Ja“, sagte Frieda. „Kann ich gleich hierbleiben?“ „Gehn Sie mit Olga fort, damit ich die Leute hier wegschaffen kann. In einem Weilchen können Sie dann kommen.“ „Gut“, sagte K. und wartete ungeduldig auf Olga. Aber die Bauern ließen sie nicht, sie hatten einen Tanz erfunden, dessen Mittelpunkt Olga war, im Reigen tanzten sie herum und immer bei einem gemeinsamen Schrei trat einer zu Olga, faßte sie mit einer Hand fest um die Hüften und wirbelte sie einige Male herum, der Reigen wurde immer schneller, die Schreie hungrig, röchelnd, wurden allmählich fast ein einziger. Olga, die früher den Kreis hatte lachend durchbrechen wollen, taumelte nur noch mit aufgelöstem Haar von einem zum andern. „Solche Leute schickt man mir her“, sagte Frieda und biß im Zorn an ihren dünnen Lippen. „Wer ist es?“ fragte K. „Klamms Dienerschaft,“ sagte Frieda. „immer wieder bringt er dieses Volk mit, dessen Gegenwart mich zerrüttet. Ich weiß kaum, was ich heute mit Ihnen, Herr Landvermesser, gesprochen habe, war es etwas Böses, verzeihen Sie es, die Gegenwart dieser Leute ist schuld daran, sie sind das Verächtlichste und Widerlichste, was ich kenne, und ihnen muß ich das Bier in die Gläser füllen. Wie oft habe ich Klamm schon gebeten, sie zu Hause zu lassen, muß ich die Dienerschaft anderer Herren schon ertragen, er könnte doch Rücksicht auf mich nehmen, aber alles Bitten ist umsonst, eine Stunde vor seiner Ankunft stürmen sie immer schon herein, wie das Vieh in den Stall. Aber nun sollen sie wirklich in den Stall, in den sie gehören. Wären Sie nicht da, würde ich die Tür hier aufreißen und Klamm selbst müßte sie hinaustreiben.“ „Hört er sie denn nicht?“ fragte K. „Nein,“ sagte Frieda, „er schläft.“ „Wie!“ rief K. „er schläft? Als ich ins Zimmer gesehen habe, war er doch noch wach und saß beim Tisch.“ „So sitzt er immer,“ sagte Frieda, „auch als Sie ihn gesehen haben, hat er schon geschlafen. Hätte ich Sie denn sonst hineinsehen lassen? Das war seine Schlafstellung, die Herren schlafen sehr viel, das kann man kaum verstehen. Übrigens, wenn er nicht so viel schliefe, wie könnte er die Leute ertragen. Nun werde ich sie aber selbst hinaustreiben müssen.“ Sie nahm eine Peitsche aus der Ecke und sprang mit einem einzigen hohen, nicht ganz sicheren Sprung, so wie etwa ein Lämmchen springt, auf die Tanzenden zu. Zuerst wandten sie sich gegen sie, als sei eine neue Tänzerin angekommen, und tatsächlich sah es einen Augenblick lang so aus, als wolle Frieda die Peitsche fallen lassen, aber dann hob sie sie wieder. „Im Namen Klamms,“ rief sie, „in den Stall, alle in den Stall“, nun sahen sie, daß es Ernst war, in einer für K. unverständlichen Angst begannen sie in den Hintergrund zu drängen, unter dem Stoß der ersten ging dort eine Türe auf, Nachtluft wehte herein, alle verschwanden mit Frieda, die sie offenbar über den Hof in den Stall trieb.

[¶2] In the sudden silence which ensued K. heard steps in the vestibule. With some idea of securing his position he dodged behind the bar counter, which afforded the only possible cover in the room. He had an admitted right to be in the bar, but since he meant to spend the night there he had to avoid being seen. So when the door was actually opened he slid under the counter. To be discovered there of course would have its dangers too, yet he could explain plausibly enough that he had only taken refuge from the wild license of the peasants. It was the landlord who came in. “Frieda!” he called, and walked up and down the room several times.

> German: In der nun plötzlich eingetretenen Stille aber hörte K. Schritte vom Flur. Um sich irgendwie zu sichern, sprang er hinter den Ausschanktisch, unter welchem die einzige Möglichkeit sich zu verstecken war. Zwar war ihm der Aufenthalt im Ausschank nicht verboten, aber da er hier übernachten wollte, mußte er vermeiden, noch jetzt gesehen zu werden. Deshalb glitt er, als die Tür wirklich geöffnet wurde, unter den Tisch. Dort entdeckt zu werden, war freilich auch nicht ungefährlich, immerhin war dann die Ausrede nicht unglaubwürdig, daß er sich vor den wild gewordenen Bauern versteckt habe. Es war der Wirt, „Frieda!“ rief er und ging einige Male im Zimmer auf und ab.

[¶3] Fortunately Frieda soon came back; she did not mention K., she only complained about the peasants, and in the course of looking round for K. went behind the counter, so that he was able to touch her foot. From that moment he felt safe. Since Frieda made no reference to K., however, the landlord was compelled to do it. “And where is the Land Surveyor?” he asked. He was probably courteous by nature, refined by constant and relatively free intercourse with men who were much his superior, but there was remarkable consideration in his tone to Frieda, which was all the more striking because in his conversation he did not cease to be an employer addressing a servant, and a saucy servant at that. “The Land Surveyor—I forgot all about him,” said Frieda, setting her small foot on K.’s chest. “He must have gone out long ago.” “But I haven’t seen him,” said the landlord, “and I was in the hall nearly the whole time.” “Well, he isn’t in here,” said Frieda coolly. “Perhaps he’s hidden somewhere,” went on the landlord. “From the impression I had of him he’s capable of a good deal.” “He would hardly have the cheek to do that,” said Frieda, pressing her foot down on K. There was a certain mirth and freedom about her which K. had not previously remarked, and quite unexpectedly it took the upper hand, for suddenly laughing she bent down to K. with the words: “Perhaps he’s hidden underneath here,” kissed him lightly and sprang up again saying with a troubled air: “No, he’s not there.” Then the landlord too surprised K. when he said: “It bothers me not to know for certain that he’s gone. Not only because of Herr Klamm, but because of the rule of the house. And the rule applies to you, Fräulein Frieda, just as much as to me. Well, if you answer for the bar, I’ll go through the rest of the rooms. Good night! Sleep well!” He could hardly have left the room before Frieda had turned out the electric light and was under the counter beside K. “My darling! My darling!” she whispered, but she did not touch him. As if swooning with love she lay on her back and stretched out her arms; time must have seemed endless to her in the prospect of her happiness, and she sighed rather than sang some little song or other. Then as K. still lay absorbed in thought, she started up and began to tug at him like a child: “Come on, it’s too close down here,” and they embraced each other, her little body burned in K.’s hands, in a state of unconsciousness which K. tried again and again but in vain to master they rolled a little way, landing with a thud on Klamm’s door, where they lay among the small puddles of beer and other refuse gathered on the floor. There hours went past, hours in which they breathed as one, in which their hearts beat as one, hours in which K. was haunted by the feeling that he was losing himself or wandering into a strange country, further than ever man had wandered before, a country so strange that not even the air had anything in common with his native air, where one might die of strangeness, and yet whose enchantment was such that one could only go on and lose oneself further. So it came to him not as a shock but as a faint glimmer of comfort when from Klamm’s room a deep, authoritative impersonal voice called for Frieda. “Frieda,” whispered K. in Frieda’s ear, passing on the summons. With a mechanical instinct of obedience Frieda made as if to spring to her feet, then she remembered where she was, stretched herself, laughing quietly, and said: “I’m not going, I’m never going to him again.” K. wanted to object, to urge her to go to Klamm, and began to fasten up her disordered blouse, but he could not bring himself to speak, he was too happy to have Frieda in his arms, too troubled also in his happiness, for it seemed to him that in letting Frieda go he would lose all he had. And as if his support had strengthened her Frieda clenched her fist and beat upon the door, crying: “I’m with the Land Surveyor!” That silenced Klamm at any rate, but K. started up, and on his knees beside Frieda gazed round him in the uncertain light of dawn. What had happened? Where were his hopes? What could he expect from Frieda now that she had betrayed everything? Instead of feeling his way with the prudence befitting the greatness of his enemy and of his ambition, he had spent a whole night wallowing in puddles of beer, the smell of which was nearly overpowering. “What have you done?” he said as if to himself. “We are both ruined.” “No,” said Frieda, “it’s only me that’s ruined, but then I’ve won you. Don’t worry. But just look how these two are laughing.” “Who?” asked K., and turned round. There on the bar counter sat his two assistants, a little heavy-eyed for lack of sleep, but cheerful. It was a cheerfulness arising from a sense of duty well done. “What are you doing here?” cried K. as if they were to blame for everything. “We had to search for you,” explained the assistants, “since you didn’t come back to the inn; we looked for you at Barnabas’s and finally found you here. We have been sitting here all night. Ours is no easy job.” “It’s in the daytime I need you,” said K. “not in the night. Clear out.” “But it’s daytime now,” said they without moving. It was really day, the doors into the courtyard were opened, the peasants came streaming in and with them Olga, whom K. had completely forgotten. Although her hair and clothes were in disorder Olga was as alert as on the previous evening, and her eyes flew to K. before she was well over the threshold. “Why did you not come home with me?” she asked, almost weeping. “All for a creature like that!” she said then, and repeated the remark several times. Frieda, who had vanished for a moment, came back with a small bundle of clothing, and Olga moved sadly to one side. “Now we can be off,” said Frieda, it was obvious she meant that they should go back to the inn by the bridge. K. walked with Frieda, and behind them the assistants; that was the little procession. The peasants displayed a great contempt for Frieda, which was understandable, for she had lorded it over them hitherto; one of them even took a stick and held it as if to prevent her from going out until she had jumped over it, but a look from her sufficed to quell him. When they were out in the snow K. breathed a little more freely. It was such a relief to be in the open air that the journey seemed less laborious; if he had been alone he would have got on still better. When he reached the inn he went straight to his room and lay down on the bed. Frieda prepared a couch for herself on the floor beside him. The assistants had pushed their way in too, and on being driven out came back through the window. K. was too weary to drive them out again. The landlady came up specially to welcome Frieda, who hailed her as “mother”; their meeting was inexplicably affectionate, with kisses and long embracings. There was little peace and quietness to be had in the room, for the maids too came clumping in with their heavy boots, bringing or seeking various articles, and whenever they wanted anything from the miscellaneous assortment on the bed they simply pulled it out from under K. They greeted Frieda as one of themselves. In spite of all this coming and going K. stayed in bed the whole day through, and the whole night. Frieda performed little offices for him. When he got up at last on the following morning he was much refreshed, and it was the fourth day since his arrival in the village.

> German: Glücklicherweise kam Frieda bald und erwähnte K. nicht, klagte nur über die Bauern und ging in dem Bestreben, K. zu suchen, hinter das Pult. Dort konnte K. ihren Fuß berühren und fühlte sich von jetzt an sicher. Da Frieda K. nicht erwähnte, mußte es der Wirt schließlich tun. „Und wo ist der Landvermesser?“ fragte er. Er war wohl überhaupt ein höflicher, durch den dauernden und verhältnismäßig freien Verkehr mit weit Höhergestellten fein erzogener Mann, aber mit Frieda sprach er in einer besonders achtungsvollen Art, das fiel vor allem deshalb auf, weil er trotzdem im Gespräch nicht aufhörte, Arbeitgeber gegenüber einer Angestellten zu sein, gegenüber einer recht kecken Angestellten überdies. „Den Landvermesser habe ich ganz vergessen“, sagte Frieda und setzte K. ihren kleinen Fuß auf die Brust. „Er ist wohl schon längst fortgegangen.“ „Ich habe ihn aber nicht gesehen“, sagte der Wirt, „und war fast die ganze Zeit über im Flur.“ „Hier ist er aber nicht“, sagte Frieda kühl. „Vielleicht hat er sich versteckt,“ sagte der Wirt, „nach dem Eindruck, den ich von ihm hatte, ist ihm manches zuzutrauen.“ „Diese Kühnheit wird er doch wohl nicht haben“, sagte Frieda und drückte stärker ihren Fuß auf K. Etwas Fröhliches, Freies war in ihrem Wesen, was K. früher gar nicht bemerkt hatte, und es nahm ganz unwahrscheinlich überhand, als sie plötzlich lachend mit den Worten: „Vielleicht ist er hier unten versteckt“, sich zu K. hinabbeugte, ihn flüchtig küßte und wieder aufsprang und betrübt sagte: „Nein, er ist nicht hier.“ Aber auch der Wirt gab Anlaß zum Erstaunen, als er sagte „Es ist mir sehr unangenehm, daß ich nicht mit Bestimmtheit weiß, ob er fortgegangen ist. Es handelt sich nicht nur um Herrn Klamm, es handelt sich um die Vorschrift. Die Vorschrift gilt aber für Sie, Fräulein Frieda, so wie für mich. Für den Ausschank haften Sie, das übrige Haus werde ich noch durchsuchen. Gute Nacht! Angenehme Ruhe!“ Er konnte das Zimmer noch gar nicht verlassen haben, schon hatte Frieda das elektrische Licht ausgedreht und war bei K. unter dem Pult. „Mein Liebling! Mein süßer Liebling!“ flüsterte sie, aber rührte K. gar nicht an. Wie ohnmächtig vor Liebe lag sie auf dem Rücken und breitete die Arme aus, die Zeit war wohl unendlich vor ihrer glücklichen Liebe, sie seufzte mehr als sie sang irgendein kleines Lied. Dann schrak sie auf, da K. still in Gedanken blieb, und fing an wie ein Kind ihn zu zerren: „Komm, hier unten erstickt man ja“, sie umfaßten einander, der kleine Körper brannte in K.s Händen, sie rollten in einer Besinnungslosigkeit, aus der sich K. fortwährend, aber vergeblich zu retten suchte, paar Schritte weit, schlugen dumpf an Klamms Tür und lagen dann in den kleinen Pfützen Biers und dem sonstigen Unrat, von dem der Boden bedeckt war. Dort vergingen Stunden, Stunden gemeinsamen Atems, gemeinsamen Herzschlags, Stunden, in denen K. immerfort das Gefühl hatte, er verirre sich oder er sei so weit in der Fremde, wie vor ihm noch kein Mensch, eine Fremde, in der selbst die Luft keinen Bestandteil der Heimatluft habe, in der man vor Fremdheit ersticken müsse und in deren unsinnigen Verlockungen man doch nichts tun könne als weiter gehen, weiter sich verirren. Und so war es wenigstens zunächst für ihn kein Schrecken, sondern ein tröstliches Aufdämmern, als aus Klamms Zimmer mit tiefer befehlend-gleichgültiger Stimme nach Frieda gerufen wurde. „Frieda“, sagte K. in Friedas Ohr und gab so den Ruf weiter. In einem förmlich eingeborenen Gehorsam wollte Frieda aufspringen, aber dann besann sie sich, wo sie war, streckte sich, lachte still und sagte: „Ich werde doch nicht etwa gehen, niemals werde ich zu ihm gehen“. K. wollte dagegensprechen, wollte sie drängen zu Klamm zu gehen, begann die Reste ihrer Bluse zusammenzusuchen, aber er konnte nichts sagen, allzu glücklich war er, Frieda in seinen Händen zu halten, allzu ängstlich-glücklich auch, denn es schien ihm, wenn Frieda ihn verlasse, verlasse ihn alles, was er habe. Und als sei Frieda gestärkt durch K.s Zustimmung, ballte sie die Faust, klopfte mit ihr an die Tür und rief: „Ich bin beim Landvermesser! Ich bin beim Landvermesser!“ Nun wurde Klamm allerdings still. Aber K. erhob sich, kniete neben Frieda und blickte sich im trüben Vormorgenlicht um -. Was war geschehen? Wo waren seine Hoffnungen? Was konnte er nun von Frieda erwarten, da alles verraten war? Statt vorsichtig, entsprechend der Größe des Feindes und des Zieles vorwärtszugehen, hatte er sich hier eine Nacht lang in den Bierpfützen gewälzt, deren Geruch fast betäubend war. „Was hast du getan?“ sagte er vor sich hin. „Wir beide sind verloren.“ „Nein,“ sagte Frieda, „nur ich bin verloren, doch ich habe dich gewonnen. Sei ruhig. Sieh aber, wie die zwei lachen.“ „Wer?“ fragte K. und wandte sich um. Auf dem Pult saßen seine beiden Gehilfen, ein wenig übernächtig, aber fröhlich. Es war die Fröhlichkeit, welche treue Pflichterfüllung gibt. „Was wollt ihr hier?“, schrie K., als seien sie an allem schuld. Er suchte rings die Peitsche, die Frieda abends gehabt hatte. „Wir mußten dich doch suchen,“ sagten die Gehilfen, „da du nicht zu uns in die Wirtsstube kamst, wir suchten dich dann bei Barnabas und fanden dich endlich hier. Hier sitzen wir die ganze Nacht. Leicht ist ja der Dienst nicht.“ „Ich brauche euch bei Tag, nicht in der Nacht“, sagte K., „fort mit euch.“ „Jetzt ist es ja Tag“, sagten sie und rührten sich nicht. Es war wirklich Tag, die Hoftüre wurde geöffnet, die Bauern mit Olga, die K. ganz vergessen hatte, strömten herein. Olga war lebendig wie am Abend, so übel auch ihre Kleider und Haare zugerichtet waren, schon in der Tür suchten ihre Augen K. „Warum bist du nicht mit mir nach Hause gegangen?“ sagte sie fast unter Tränen. „Wegen eines solchen Frauenzimmers!“ sagte sie dann und wiederholte das einige Male. Frieda, die für einen Augenblick verschwunden war, kam mit einem kleinen Wäschebündel zurück, Olga trat traurig beiseite. „Nun können wir gehn“, sagte Frieda, es war selbstverständlich, daß sie das Wirtshaus zur Brücke meinte, in das sie gehen sollten. K. mit Frieda, hinter ihnen die Gehilfen, das war der Zug. Die Bauern zeigten viel Verachtung für Frieda, es war verständlich, weil sie sie bisher streng beherrscht hatte; einer nahm sogar einen Stock und tat so, als wolle er sie nicht fortlassen, ehe sie über den Stock springe, aber ihr Blick genügte, um ihn zu vertreiben. Draußen im Schnee atmete K. ein wenig auf. Das Glück, im Freien zu sein, war so groß, daß es diesmal die Schwierigkeit des Wegs erträglich machte; wäre K. allein gewesen, wäre er noch besser gegangen. Im Wirtshaus ging er gleich in sein Zimmer und legte sich aufs Bett, Frieda machte sich daneben auf dem Boden ein Lager zurecht. Die Gehilfen waren mit eingedrungen, wurden vertrieben, kamen dann aber durchs Fenster wieder herein. K. war zu müde, um sie nochmals zu vertreiben. Die Wirtin kam eigens herauf, um Frieda zu begrüßen, wurde von Frieda Mütterchen genannt, es gab eine unverständliche herzliche Begrüßung mit Küssen und langem Aneinanderdrücken. Ruhe war in dem Zimmerchen überhaupt wenig, öfters kamen auch die Mägde in ihren Männerstiefeln hereingepoltert, um irgend etwas zu bringen oder zu holen. Brauchten sie etwas aus dem mit verschiedenen Dingen vollgestopften Bett, zogen sie es rücksichtslos unter K. hervor. Frieda begrüßten sie als ihresgleichen. Trotz dieser Unruhe blieb doch K. im Bett, den ganzen Tag und die ganze Nacht. Kleine Handreichungen besorgte ihm Frieda. Als er am nächsten Morgen sehr erfrischt endlich aufstand, war es schon der vierte Tag seines Aufenthalts im Dorf.

## 4. Chapter IV · Das vierte Kapitel

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[¶0] He would have liked an intimate talk with Frieda, but the assistants hindered this simply by their importunate presence, and Frieda too laughed and joked with them from time to time. Otherwise they were not at all exacting, they had simply settled down in a corner on two old skirts spread out on the floor. They made it a point of honour, as they repeatedly assured Frieda, not to disturb the Land Surveyor and to take up as little room as possible, and in pursuit of this intention, although with a good deal of whispering and giggling, they kept on trying to squeeze themselves into smaller compass, crouching together in the corner so that in the dim light they looked like one large bundle. From his experience of them by daylight, however, K. was all too conscious that they were acute observers and never took their eyes off him, whether they were fooling like children and using their hands as spyglasses, or merely glancing at him while apparently completely absorbed in grooming their beards, on which they spent much thought and which they were forever comparing in length and thickness, calling on Frieda to decide between them. From his bed K. often watched the antics of all three with the completest indifference.

> German: Er hätte gern mit Frieda vertraulich gesprochen, aber die Gehilfen, mit denen übrigens Frieda hie und da auch scherzte und lachte, hinderten ihn daran, durch ihre bloße aufdringliche Gegenwart. Anspruchsvoll waren sie allerdings nicht, sie hatten sich in einer Ecke auf dem Boden auf zwei alten Frauenröcken eingerichtet. Es war, wie sie mit Frieda öfter besprachen, ihr Ehrgeiz, den Herrn Landvermesser nicht zu stören und möglichst wenig Raum zu brauchen, sie machten in dieser Hinsicht, immer freilich unter Lispeln und Kichern, verschiedene Versuche, verschränkten Arme und Beine, kauerten sich gemeinsam zusammen, in der Dämmerung sah man in ihrer Ecke nur ein großes Knäuel. Trotzdem aber wußte man leider aus den Erfahrungen bei Tageslicht, daß es sehr aufmerksame Beobachter waren, immer zu K. herüberstarrten, sei es auch, daß sie in scheinbar kindlichem Spiel etwa ihre Hände als Fernrohre verwendeten und ähnlichen Unsinn trieben oder auch nur herüberblinzelten und hauptsächlich mit der Pflege ihrer Bärte beschäftigt schienen, an denen ihnen sehr viel gelegen war und die sie unzähligemal der Länge und Fülle nach miteinander verglichen und von Frieda beurteilen ließen. Oft sah K. von seinem Bett aus dem Treiben der drei in völliger Gleichgültigkeit zu.

[¶1] When he felt himself well enough to leave his bed, they all ran to serve him. He was not yet strong enough to ward off their services, and noted that that brought him into a state of dependence on them which might have evil consequences, but he could not help it. Nor was it really unpleasant to drink at the table the good coffee which Frieda had brought, to warm himself at the stove which Frieda had lit, and to have the assistants racing ten times up and down the stairs in their awkwardness and zeal to fetch him soap and water, comb and looking-glass, and eventually even a small glass of rum because he had hinted in a low voice at his desire for one.
Among all this giving of orders and being waited on K. said, more out of good humour than any hope of being obeyed: “Go away now, you two, I need nothing more for the present, and I want to speak to Fräulein Frieda by herself.” And when he saw no direct opposition on their faces he added by way of excusing them: “We three shall go to the village Superintendent afterwards, so wait downstairs in the bar for me.” Strangely enough they obeyed him, only turning to say before going: “We could wait here.” But K. answered: “I know, but I don’t want you to wait here.”

> German: Als er sich nun kräftig genug fühlte, das Bett zu verlassen, eilten alle herbei ihn zu bedienen. So kräftig, sich gegen ihre Dienste wehren zu können, war er noch nicht, er merkte, daß er dadurch in eine gewisse Abhängigkeit von ihnen geriet, die schlechte Folgen haben konnte, aber er mußte es geschehen lassen. Es war auch gar nicht sehr unangenehm, bei Tisch den guten Kaffee zu trinken, den Frieda geholt hatte, sich am Ofen zu wärmen, den Frieda geheizt hatte, die Gehilfen in ihrem Eifer und Ungeschick die Treppen zehnmal hinab- und hinauslaufen zu lassen, um Waschwasser, Seife, Kamm und Spiegel zu bringen und schließlich, weil K. einen leisen, dahin deutbaren Wunsch ausgesprochen hatte, auch ein Gläschen Rum. Inmitten dieses Befehlens und Bedientwerdens sagte K. mehr aus behaglicher Laune, als in der Hoffnung auf einen Erfolg: „Geht nun weg, ihr zwei, ich brauche vorläufig nichts mehr und will allein mit Fräulein Frieda sprechen.“ Und als er nicht gerade Widerstand auf ihren Gesichtern sah, sagte er noch, um sie zu entschädigen: „Wir drei gehen dann zum Gemeindevorsteher, wartet unten in der Stube auf mich.“ Merkwürdigerweise folgten sie, nur daß sie vor dem Weggehen noch sagten: „Wir könnten auch hier warten“, und K. antwortete: „Ich weiß es, aber ich will es nicht.“

[¶2] It annoyed him, however, and yet in a sense pleased him when Frieda, who had settled on his knee as soon as the assistants were gone, said: “What’s your objection to the assistants, darling? We don’t need to have any mysteries before them. They are true friends.” “Oh, true friends,” said K. “they keep spying on me the whole time, it’s nonsensical but abominable.” “I believe I know what you mean,” she said, and she clung to his neck and tried to say something else but could not go on speaking, and since their chair was close to it they reeled over and fell on the bed. There they lay, but not in the forgetfulness of the previous night. She was seeking and he was seeking, they raged and contorted their faces and bored their heads into each other’s bosoms in the urgency of seeking something, and their embraces and their tossing limbs did not avail to make them forget, but only reminded them of what they sought; like dogs desperately tearing up the ground they tore at each other’s bodies, and often, helplessly baffled, in a final effort to attain happiness they nuzzled and tongued each other’s faces. Sheer weariness stilled them at last and brought them gratitude to each other. Then the maids came in, “Look how they’re lying there,” said one, and sympathetically cast a coverlet over them.

> German: Ärgerlich aber und in gewissem Sinne doch auch willkommen war es K., als Frieda, die gleich nach dem Weggehen der Gehilfen sich auf seinen Schoß setzte, sagte: „Was hast du, Liebling, gegen die Gehilfen? Vor ihnen müssen wir keine Geheimnisse haben. Sie sind treu.“ „Ach treu,“ sagte K., „sie lauern mir fortwährend auf, es ist sinnlos, aber abscheulich.“ „Ich glaube dich zu verstehen“, sagte sie und hing sich an seinen Hals und wollte noch etwas sagen, konnte aber nicht weiter sprechen und weil der Sessel gleich neben dem Bette stand, schwankten sie hinüber und fielen hin. Dort lagen sie, aber nicht so hingegeben wie damals in der Nacht. Sie suchte etwas und er suchte etwas, wütend, Grimassen schneidend, sich mit dem Kopf einbohrend in der Brust des andern suchten sie, und ihre Umarmungen und ihre sich aufwerfenden Körper machten sie nicht vergessen, sondern erinnerten sie an die Pflicht zu suchen, wie Hunde verzweifelt im Boden scharren, so scharrten sie an ihren Körpern, und hilflos enttäuscht, um noch letztes Glück zu holen, fuhren manchmal ihre Zungen breit über des andern Gesicht. Erst die Müdigkeit ließ sie still und einander dankbar werden. Die Mägde kamen dann auch herauf, „sieh, wie die hier liegen“, sagte eine und warf aus Mitleid ein Tuch über sie.

[¶3] When somewhat later K. freed himself from the coverlet and looked round, the two assistants—and he was not surprised at that—were again in their corner, and with a finger jerked towards K. nudged each other to a formal salute, but besides them the landlady was sitting near the bed knitting away at a stocking, an infinitesimal piece of work hardly suited to her enormous bulk which almost darkened the room. “I’ve been here a long time,” she said, lifting up her broad and much-furrowed face which was, however, still rounded and might once have been beautiful. The words sounded like a reproach, an ill-timed reproach, for K. had not desired her to come. So he merely acknowledged them by a nod, and sat up. Frieda also got up, but left K. to lean over the landlady’s chair. “If you want to speak to me,” said K. in bewilderment, “couldn’t you put it off until after I come back from visiting the Superintendent? I have important business with him.” “This is important, believe me, sir,” said the landlady, “your other business is probably only a question of work, but this concerns a living person, Frieda, my dear maid.” “Oh, if that’s it,” said K., “then of course you’re right, but I don’t see why we can’t be left to settle our own affairs.” “Because I love her and care for her,” said the landlady, drawing Frieda’s head towards her, for Frieda as she stood only reached up to the landlady’s shoulder. “Since Frieda puts such confidence in you,” cried K., “I must do the same, and since not long ago Frieda called my assistants true friends we are all friends together. So I can tell you that what I would like best would be for Frieda and myself to get married, the sooner the better. I know, oh, I know that I’ll never be able to make up to Frieda for all she has lost for my sake, her position in the Herrenhof and her friendship with Klamm.” Frieda lifted up her face, her eyes were full of tears and had not a trace of triumph. “Why? Why am I chosen out from other people?” “What?” asked K. and the landlady simultaneously. “She’s upset, poor child,” said the landlady, “upset by the conjunction of too much happiness and unhappiness.” And as if in confirmation of those words Frieda now flung herself upon K., kissing him wildly as if there were nobody else in the room, and then weeping, but still clinging to him, fell on her knees before him. While he caressed Frieda’s hair with both hands K. asked the landlady: “You seem to have no objection?” “You are a man of honour,” said the landlady, who also had tears in her eyes. She looked a little worn and breathed with difficulty, but she found strength enough to say: “There’s only the question now of what guarantees you are to give Frieda, for great as is my respect for you, you’re a stranger here; there’s nobody here who can speak to you, your family circumstances aren’t known here, so some guarantee is necessary. You must see that, my dear sir, and indeed you touched on it yourself when you mentioned how much Frieda must lose through her association with you.” “Of course, guarantees, most certainly,” said K., “but they’ll be best given before the notary, and at the same time other officials of the Count’s will perhaps be concerned. Besides, before I’m married there’s something I must do. I must have a talk with Klamm.” “That’s impossible,” said Frieda, raising herself a little and pressing close to K., “what an idea!” “But it must be done,” said K., “if it’s impossible for me to manage it, you must.” “I can’t, K.; I can’t,” said Frieda, “Klamm will never talk to you. How can you even think of such a thing!” “And won’t he talk to you?” asked K. “Not to me either,” said Frieda, “neither to you nor to me, it’s simply impossible.” She turned to the landlady with outstretched arms: “You see what he’s asking for!” “You’re a strange person,” said the landlady, and she was an awe-inspiring figure now that she sat more upright, her legs spread out and her enormous knees projecting under her thin skirt, “you ask for the impossible.” “Why is it impossible?” said K. “That’s what I’m going to tell you,” said the landlady in a tone which sounded as if her explanation were less a final concession to friendship than the first item in a score of penalties she was enumerating, “that’s what I shall be glad to let you know. Although I don’t belong to the Castle, and am only a woman, only a landlady here in an inn of the lowest kind—it’s not of the very lowest, but not far from it—and on that account you may not perhaps set much store by my explanation, still I’ve kept my eyes open all my life and met many kinds of people and taken the whole burden of the inn on my own shoulders, for my Martin is no landlord although he’s a good man, and responsibility is a thing he’ll never understand. It’s only his carelessness, for instance, that you’ve got to thank—for I was tired to death on that evening—for being here in the village at all, for sitting here on this bed in peace and comfort.” “What?” said K., waking from a kind of absentminded distraction, pricked more by curiosity than by anger. “It’s only his carelessness you’ve got to thank for it,” cried the landlady again, pointing with her forefinger at K. Frieda tried to silence her. “I can’t help it,” said the landlady with a swift turn of her whole body. “The Land Surveyor asked me a question and I must answer it. There’s no other way of making him understand what we take for granted, that Herr Klamm will never speak to him—will never speak, did I say?—can never speak to him. Just listen to me, sir. Herr Klamm is a gentleman from the Castle, and that in itself, without considering Klamm’s position there at all, means that he is of very high rank. But what are you, for whose marriage we are humbly considering here ways and means of getting permission? You are not from the Castle, you are not from the village, you aren’t anything. Or rather, unfortunately, you are something, a stranger, a man who isn’t wanted and is in everybody’s way, a man who’s always causing trouble, a man who takes up the maids’ room, a man whose intentions are obscure, a man who has ruined our dear little Frieda and whom we must unfortunately accept as her husband. I don’t hold all that up against you. You are what you are, and I have seen enough in my lifetime to be able to face facts. But now consider what it is you ask. A man like Klamm is to talk with you. It vexed me to hear that Frieda let you look through the peephole, when she did that she was already corrupted by you. But just tell me, how did you have the face to look at Klamm? You needn’t answer, I know you think you were quite equal to the occasion. You’re not even capable of seeing Klamm as he really is, that’s not merely an exaggeration, for I myself am not capable of it either. Klamm is to talk to you, and yet Klamm doesn’t talk even to people from the village, never yet has he spoken a word himself to anyone in the village. It was Frieda’s great distinction, a distinction I’ll be proud of to my dying day, that he used at least to call out her name, and that she could speak to him whenever she liked and was permitted the freedom of the peephole, but even to her he never talked. And the fact that he called her name didn’t mean of necessity what one might think, he simply mentioned the name Frieda—who can tell what he was thinking of? and that Frieda naturally came to him at once was her affair, and that she was admitted without let or hindrance was an act of grace on Klamm’s part, but that he deliberately summoned her is more than one can maintain. Of course that’s all over now for good. Klamm may perhaps call ‘Frieda’ as before, that’s possible, but she’ll never again be admitted to his presence, a girl who has thrown herself away upon you. And there’s just one thing, one thing my poor head can’t understand, that a girl who had the honour of being known as Klamm’s mistress—a wild exaggeration in my opinion—should have allowed you even to lay a finger on her.”
“Most certainly, that’s remarkable,” said K., drawing Frieda to his bosom—she submitted at once although with bent head—“but in my opinion that only proves the possibility of your being mistaken in some respects. You’re quite right, for instance, in saying that I’m a mere nothing compared with Klamm, and even though I insist on speaking to Klamm in spite of that, and am not dissuaded even by your arguments, that does not mean at all that I’m able to face Klamm without a door between us, or that I mayn’t run from the room at the very sight of him. But such a conjecture, even though well founded, is no valid reason in my eyes for refraining from the attempt. If I only succeed in holding my ground there’s no need for him to speak to me at all, it will be sufficient for me to see what effect my words have on him, and if they have no effect or if he simply ignores them, I shall at any rate have the satisfaction of having spoken my mind freely to a great man. But you, with your wide knowledge of men and affairs, and Frieda, who was only yesterday Klamm’s mistress—I see no reason for questioning that title—could certainly procure me an interview with Klamm quite easily; if it could be done in no other way I could surely see him in the Herrenhof, perhaps he’s still there.”

> German: Als sich später K. aus dem Tuche freimachte und umhersah, waren - das wunderte ihn nicht - die Gehilfen wieder in ihrer Ecke, ermahnten, mit dem Finger auf K. zeigend, einer den anderen zum Ernst und salutierten - aber außerdem saß dicht beim Bett die Wirtin und strickte an einem Strumpf, eine kleine Arbeit, welche zu ihrer riesigen, das Zimmer fast verdunkelnden Gestalt wenig paßte. „Ich warte schon lange“, sagte sie und hob ihr breites, von vielen Altersfalten durchzogenes, aber in seiner großen Masse doch noch glattes, vielleicht einmal schönes Gesicht. Die Worte klangen wie ein Vorwurf, ein unpassender, denn K. hatte ja nicht verlangt, daß sie komme. Er bestätigte daher nur durch Kopfnicken ihre Worte und setzte sich aufrecht. Auch Frieda stand auf, verließ aber K. und lehnte sich an den Sessel der Wirtin. „Könnte nicht, Frau Wirtin,“ sagte K. zerstreut, „das, was Sie mir sagen wollen, aufgeschoben werden, bis ich vom Gemeindevorsteher zurückkomme. Ich habe eine wichtige Besprechung dort.“ „Diese ist wichtiger, glauben Sie mir, Herr Landvermesser,“ sagte die Wirtin, „dort handelt es sich wahrscheinlich nur um eine Arbeit, hier aber handelt es sich um einen Menschen, um Frieda, meine liebe Magd.“ „Ach so,“ sagte K., „dann freilich, nur weiß ich nicht, warum man diese Angelegenheit nicht uns beiden überläßt.“ „Aus Liebe, aus Sorge“, sagte die Wirtin und zog Friedas Kopf, die stehend nur bis zur Schulter der sitzenden Wirtin reichte, an sich. „Da Frieda zu Ihnen ein solches Vertrauen hat,“ sagte K., „kann auch ich nicht anders. Und da Frieda erst vor kurzem meine Gehilfen treu genannt hat, so sind wir ja Freunde unter uns. Dann kann ich Ihnen also, Frau Wirtin, sagen, daß ich es für das beste halten würde, wenn Frieda und ich heiraten, und zwar sehr bald. Leider, leider werde ich Frieda dadurch nicht ersetzen können, was sie durch mich verloren hat, die Stellung im Herrenhof und die Freundschaft Klamms.“ Frieda hob ihr Gesicht, ihre Augen waren voll Tränen, nichts von Sieghaftigkeit war in ihnen. „Warum ich? Warum bin ich gerade dazu auserkoren?“ „Wie?“ fragten K. und die Wirtin gleichzeitig. „Sie ist verwirrt, das arme Kind,“ sagte die Wirtin, „verwirrt vom Zusammentreffen zu vielen Glücks und Unglücks.“ Und wie zur Bestätigung dieser Worte stürzte sich Frieda jetzt auf K., küßte ihn wild, als sei niemand sonst im Zimmer und fiel dann weinend, immer noch ihn umarmend, vor ihm in die Knie. Während K. mit beiden Händen Friedas Haar streichelte, fragte er die Wirtin: „Sie scheinen mir recht zu geben?“ „Sie sind ein Ehrenmann“, sagte die Wirtin, auch sie hatte Tränen in der Stimme, sah ein wenig verfallen aus und atmete schwer, trotzdem fand sie noch die Kraft zu sagen: „Es werden jetzt nur gewisse Sicherungen zu bedenken sein, die Sie Frieda geben müssen, denn wie groß auch nun meine Achtung vor Ihnen ist, so sind Sie doch ein Fremder, können sich auf niemanden berufen, Ihre häuslichen Verhältnisse sind hier unbekannt. Sicherungen sind also nötig, das werden Sie einsehen, lieber Herr Landvermesser, haben Sie doch selbst hervorgehoben, wieviel Frieda durch die Verbindung mit Ihnen immerhin auch verliert.“ „Gewiß, Sicherungen, natürlich,“ sagte K., „die werden wohl am besten vor dem Notar gegeben werden, aber auch andere gräfliche Behörden werden sich ja vielleicht noch einmischen. Übrigens habe auch ich noch vor der Hochzeit unbedingt etwas zu erledigen. Ich muß mit Klamm sprechen.“ „Das ist unmöglich,“ sagte Frieda, erhob sich ein wenig und drückte sich an K., „was für ein Gedanke!“ „Es muß sein,“ sagte K. „wenn es mir unmöglich ist, es zu erwirken, mußt du es tun.“ „Ich kann nicht, K., ich kann nicht,“ sagte Frieda, „niemals wird Klamm mit dir reden. Wie kannst du nur glauben, daß Klamm mit dir reden wird!“ „Und mit dir würde er reden?“ fragte K. „Auch nicht,“ sagte Frieda, „nicht mit dir, nicht mit mir, es sind bare Unmöglichkeiten.“ Sie wandte sich an die Wirtin mit ausgebreiteten Armen: „Sehen Sie nur, Frau Wirtin, was er verlangt.“ „Sie sind eigentümlich, Herr Landvermesser“, sagte die Wirtin und war erschreckend, wie sie jetzt aufrechter dasaß, die Beine auseinandergestellt, die mächtigen Knie vorgetrieben durch den dünnen Rock. „Sie verlangen Unmögliches.“ „Warum ist es unmöglich?“ fragte K. „Das werde ich Ihnen erklären“, sagte die Wirtin in einem Ton, als sei diese Erklärung nicht etwa eine letzte Gefälligkeit, sondern schon die erste Strafe, die sie austeilte, „das werde ich Ihnen gern erklären. Ich gehöre zwar nicht zum Schloß und bin nur eine Frau und bin nur eine Wirtin, hier in einem Wirtshaus letzten Ranges - es ist nicht letzten Ranges, aber nicht weit davon - und so könnte es sein, daß Sie meiner Erklärung nicht viel Bedeutung beilegen, aber ich habe in meinem Leben die Augen offen gehabt und bin mit vielen Leuten zusammengekommen und habe die ganze Last der Wirtschaft allein getragen, denn mein Martin ist zwar ein guter Junge, aber ein Gastwirt ist er nicht und was Verantwortlichkeit ist, wird er nie begreifen. Sie z.B. verdanken es doch nur seiner Nachlässigkeit - ich war an dem Abend schon müde zum Zusammenbrechen - daß Sie hier im Dorf sind, daß Sie hier auf dem Bett in Frieden und Behagen sitzen.“ „Wie?“ fragte K., aus einer gewissen Zerstreutheit aufwachend, aufgeregt mehr von der Neugierde, als von Ärger. „Nur seiner Nachlässigkeit verdanken Sie es“, rief die Wirtin nochmals mit gegen K. ausgestrecktem Zeigefinger. Frieda suchte sie zu beschwichtigen. „Was willst du“, sagte die Wirtin mit rascher Wendung des ganzen Leibes. „Der Herr Landvermesser hat mich gefragt und ich muß ihm antworten. Wie soll er es denn sonst verstehen, was uns selbstverständlich ist, daß Herr Klamm niemals mit ihm sprechen wird, was sage ich „wird“, niemals mit ihm sprechen kann. Hören Sie, Herr Landvermesser. Herr Klamm ist ein Herr aus dem Schloß, das bedeutet schon an und für sich, ganz abgesehen von Klamms sonstiger Stellung, einen sehr hohen Rang. Was sind nun aber Sie, um dessen Heiratseinwilligung wir uns hier so demütig bewerben. Sie sind nicht aus dem Schloß, Sie sind nicht aus dem Dorfe, Sie sind nichts. Leider aber sind Sie doch etwas, ein Fremder, einer, der überzählig und überall im Weg ist, einer, wegen dessen man immerfort Scherereien hat, wegen dessen man die Mägde ausquartieren muß, einer, dessen Absichten unbekannt sind, einer der unsere liebste kleine Frieda verführt hat und dem man sie leider zur Frau geben muß. Wegen alles dessen mache ich Ihnen ja im Grunde keine Vorwürfe. Sie sind, was Sie sind, ich habe in meinem Leben schon zuviel gesehen, als daß ich nicht noch diesen Anblick ertragen sollte. Nun aber stellen Sie sich vor, was Sie eigentlich verlangen. Ein Mann wie Klamm soll mit Ihnen sprechen. Mit Schmerz habe ich gehört, daß Frieda Sie hat durchs Guckloch schauen lassen, schon als sie das tat, war sie von Ihnen verführt. Sagen Sie doch, wie haben Sie überhaupt Klamms Anblick ertragen? Sie müssen nicht antworten, ich weiß es, Sie haben ihn sehr gut ertragen. Sie sind ja gar nicht imstande, Klamm wirklich zu sehen, das ist nicht Überhebung meinerseits, denn ich selbst bin es auch nicht imstande. Klamm soll mit Ihnen sprechen, aber er spricht doch nicht einmal mit Leuten aus dem Dorf, noch niemals hat er selbst mit jemandem aus dem Dorf gesprochen. Es war ja die große Auszeichnung Friedas, eine Auszeichnung, die mein Stolz sein wird bis an mein Ende, daß er wenigstens Friedas Namen zu rufen pflegte und daß sie zu ihm sprechen konnte nach Belieben und die Erlaubnis des Gucklochs bekam, gesprochen aber hat er auch mit ihr nicht. Und daß er Frieda manchmal rief, muß gar nicht die Bedeutung haben, die man dem gerne zusprechen möchte, er rief einfach den Namen Frieda - wer kennt seine Absichten? - daß Frieda natürlich eilends kam, war ihre Sache, und daß sie ohne Widerspruch zu ihm zugelassen wurde, war Klamms Güte, aber daß er sie geradezu gerufen hätte, kann man nicht behaupten. Freilich, nun ist auch das, was war, für immer dahin. Vielleicht wird Klamm noch den Namen Frieda rufen, das ist möglich, aber zugelassen wird sie zu ihm gewiß nicht mehr, ein Mädchen, das sich mit Ihnen abgegeben hat. Und nur eines, nur eines kann ich nicht verstehen mit meinem armen Kopf, daß ein Mädchen, von dem man sagte, es sei Klamms Geliebte - ich halte das übrigens für eine sehr übertriebene Bezeichnung - sich von Ihnen auch nur berühren ließ.“ „Gewiß, das ist merkwürdig“, sagte K. und nahm Frieda, die sich, wenn auch mit gesenktem Kopf, gleich fügte, zu sich auf den Schoß, „es beweist aber, glaube ich, daß sich auch sonst nicht alles genau so verhält, wie Sie glauben. So haben Sie z.B. gewiß recht, wenn Sie sagen, daß ich vor Klamm ein Nichts bin, und wenn ich jetzt auch verlange, mit Klamm zu sprechen, und nicht einmal durch Ihre Erklärungen davon abgebracht bin, so ist damit noch nicht gesagt, daß ich imstande bin, den Anblick Klamms ohne dazwischenstehende Tür auch nur zu ertragen, und ob ich nicht schon bei seinem Erscheinen aus dem Zimmer renne. Aber eine solche, wenn auch berechtigte Befürchtung ist für mich noch kein Grund, die Sache nicht doch zu wagen. Gelingt es mir aber, ihm standzuhalten, dann ist es gar nicht nötig, daß er mit mir spricht, es genügt mir, wenn ich den Eindruck sehe, den meine Worte auf ihn machen, und machen sie keinen oder hört er sie gar nicht, habe ich doch den Gewinn, frei vor einem Mächtigen gesprochen zu haben. Sie aber, Frau Wirtin, mit Ihrer großen Lebens- und Menschenkenntnis, und Frieda, die noch gestern Klamms Geliebte war - ich sehe keinen Grund, von diesem Wort abzugehen - können mir gewiß leicht die Gelegenheit verschaffen, mit Klamm zu sprechen; ist es auf keine andere Weise möglich, dann eben im Herrenhof, vielleicht ist er auch heute noch dort.“

[¶4] “It’s impossible,” said the landlady, “and I can see that you’re incapable of understanding why. But just tell me what you want to speak to Klamm about?”

> German: „Es ist unmöglich,“ sagte die Wirtin, „und ich sehe, daß Ihnen die Fähigkeit fehlt, es zu begreifen. Aber sagen Sie doch, worüber wollen Sie denn mit Klamm sprechen?“

[¶5] “About Frieda, of course,” said K.

> German: „Über Frieda natürlich“, sagte K.

[¶6] “About Frieda?” repeated the landlady incomprehendingly, and turned to Frieda. “Do you hear that, Frieda, it’s about you that he, he, wants to speak to Klamm, to Klamm!”

> German: „Über Frieda?“ fragte die Wirtin verständnislos und wandte sich an Frieda, „hörst du, Frieda, über dich will er, er, mit Klamm, mit Klamm sprechen.“

[¶7] “Oh,” said K., “you’re a clever and admirable woman, and yet every trifle upsets you. Well, there it is, I want to speak to him about Frieda; that’s not monstrous, it’s only natural. And you’re quite wrong, too, in supposing that from the moment of my appearance Frieda has ceased to be of any importance to Klamm. You underestimate him if you suppose that. I’m well aware that it’s impertinence in me to lay down the law to you in this matter, but I must do it. I can’t be the cause of any alteration in Klamm’s relation to Frieda. Either there was no essential relationship between them—and that’s what it amounts to if people deny that he was her honoured lover—in which case there is still no relationship between them, or else there was a relationship, and then how could I, a cipher in Klamm’s eyes, as you rightly point out, how could I make any difference to it? One flies to such suppositions in the first moment of alarm, but the smallest reflection must correct one’s bias. Anyhow, let us hear what Frieda herself thinks about it.”

> German: „Ach,“ sagte K., „Sie sind, Frau Wirtin, eine so kluge, achtungeinflößende Frau und doch erschreckt Sie jede Kleinigkeit. Nun also, ich will über Frieda mit ihm sprechen, das ist doch nicht so sehr ungeheuerlich als vielmehr selbstverständlich. Und Sie irren gewiß auch, wenn Sie glauben, daß Frieda von dem Augenblick an, wo ich auftrat, für Klamm bedeutungslos geworden ist. Sie unterschätzen ihn, wenn Sie das glauben. Ich fühle gut, daß es anmaßend von mir ist, Sie in dieser Hinsicht belehren zu wollen, aber ich muß es doch tun. Durch mich kann in Klamms Beziehung zu Frieda nichts geändert worden sein. Entweder bestand keine wesentliche Beziehung - das sagen eigentlich diejenigen, welche Frieda den Ehrenmann Geliebte nehmen - nun dann besteht sie auch heute nicht; oder aber sie bestand, wie könnte sie dann durch mich, wie Sie richtig sagten, ein Nichts in Klamms Augen, wie könnte sie dann durch mich gestört sein. Solche Dinge glaubt man im ersten Augenblick des Schreckens, aber schon die kleinste Überlegung muß das richtigstellen. Lassen wir übrigens doch Frieda ihre Meinung hierzu sagen.“

[¶8] With a faraway look in her eyes and her cheek on K.’s breast, Frieda said: “It’s certain, as mother says, that Klamm will have nothing more to do with me. But I agree that it’s not because of you, darling, nothing of that kind could upset him. I think on the other hand that it was entirely his work that we found each other under the bar counter, we should bless that hour and not curse it.”
“If that is so,” said K. slowly, for Frieda’s words were sweet, and he shut his eyes a moment or two to let their sweetness penetrate him, “if that is so, there is less ground than ever to flinch from an interview with Klamm.”

> German: Mit in die Ferne schweifendem Blick, die Wange an K.s Brust, sagte Frieda: „Es ist gewiß, wie Mutter sagt: Klamm will nichts mehr von mir wissen. Aber freilich nicht deshalb, weil du, Liebling, kamst, nichts Derartiges hätte ihn erschüttern können. Wohl aber, glaube ich, ist es sein Werk, daß wir uns dort unter dem Pult zusammengefunden haben, gesegnet, nicht verflucht sei die Stunde.“ „Wenn es so ist,“ sagte K. langsam, denn süß waren Friedas Worte, er schloß ein paar Sekunden lang die Augen, um sich von den Worten durchdringen zu lassen, „wenn es so ist, ist noch weniger Grund, sich vor einer Aussprache mit Klamm zu fürchten.“

[¶9] “Upon my word,” said the landlady, with her nose in the air, “you put me in mind of my own husband, you’re just as childish and obstinate as he is. You’ve been only a few days in the village and already you think you know everything better than people who have spent their lives here, better than an old woman like me, and better than Frieda who has seen and heard so much in the Herrenhof. I don’t deny that it’s possible once in a while to achieve something in the teeth of every rule and tradition. I’ve never experienced anything of that kind myself, but I believe there are precedents for it. That may well be, but it certainly doesn’t happen in the way you’re trying to do it, simply by saying ‘no, no,’ and sticking to your own opinions and flouting the most well-meant advice. Do you think it’s you I’m anxious about? Did I bother about you in the least so long as you were by yourself? Even though it would have been a good thing and saved a lot of trouble? The only thing I ever said to my husband about you was: ‘Keep your distance where he’s concerned.’ And I should have done that myself to this very day if Frieda hadn’t got mixed up with your affairs. It’s her you have to thank—whether you like it or not—for my interest in you, even for my noticing your existence at all. And you can’t simply shake me off, for I’m the only person who looks after little Frieda, and you’re strictly answerable to me. Maybe Frieda is right, and all that has happened is Klamm’s will, but I have nothing to do with Klamm here and now. I shall never speak to him, he’s quite beyond my reach. But you’re sitting here, keeping my Frieda, and being kept yourself—I don’t see why I shouldn’t tell you—by me. Yes, by me, young man, for let me see you find a lodging anywhere in this village if I throw you out, even it were only in a dog-kennel.”

> German: „Wahrhaftig,“ sagte die Wirtin und sah K. von hoch herab an, „Sie erinnern mich manchmal an meinen Mann, so trotzig und kindlich wie er sind auch Sie. Sie sind ein paar Tage im Ort und schon wollen Sie alles besser kennen als die Eingeborenen, besser als ich alte Frau und als Frieda, die im Herrenhof so viel gesehen und gehört hat. Ich leugne nicht, daß es möglich ist, einmal auch etwas ganz gegen die Vorschriften und gegen das Althergebrachte zu erreichen, ich habe etwas Derartiges nicht erlebt, aber es gibt angeblich Beispiele dafür, mag sein, aber dann geschieht es gewiß nicht auf die Weise, wie Sie es tun, indem man immerfort nein nein sagt und nur auf seinen Kopf schwört und die wohlmeinendsten Ratschläge überhört. Glauben Sie denn, meine Sorge gilt Ihnen? Habe ich mich um Sie gekümmert, solange Sie allein waren? Trotzdem es gut gewesen wäre und manches sich hätte vermeiden lassen? Das einzige, was ich damals meinem Mann über Sie sagte, war: ‚Halt dich von ihm fern‘. Das hätte auch heute noch für mich gegolten, wenn nicht Frieda jetzt in Ihr Schicksal mit hineingezogen worden wäre. Ihr verdanken Sie - ob es Ihnen gefällt oder nicht - meine Sorgfalt, ja sogar meine Beachtung. Und Sie dürfen mich nicht einfach abweisen, weil Sie mir, der einzigen, die über der kleinen Frieda mit mütterlicher Sorge wacht, streng verantwortlich sind. Möglich, daß Frieda recht hat und alles, was geschehen ist, der Wille Klamms ist, aber von Klamm weiß ich jetzt nichts, ich werde niemals mit ihm sprechen, er ist mir gänzlich unerreichbar, Sie aber sitzen hier, halten meine Frieda und werden - warum soll ich es verschweigen? - von mir gehalten. Ja, von mir gehalten, denn versuchen Sie es, junger Mann, wenn ich Sie auch aus dem Hause weise, irgendwo im Dorf ein Unterkommen zu finden, und sei es in einer Hundehütte.“

[¶10] “Thank you,” said K., “that’s frank and I believe you absolutely. So my position is as uncertain as that, is it, and Frieda’s position, too?”
“No!” interrupted the landlady furiously, “Frieda’s position in this respect has nothing at all to do with yours. Frieda belongs to my house, and nobody is entitled to call her position here uncertain.”

> German: „Danke,“ sagte K., „das sind offene Worte, und ich glaube Ihnen vollkommen. So unsicher ist also meine Stellung und damit zusammenhängend auch die Stellung Friedas.“ „Nein,“ rief die Wirtin wütend dazwischen, „Friedas Stellung hat in dieser Hinsicht gar nichts mit Ihrer zu tun. Frieda gehört zu meinem Haus und niemand hat das Recht, ihre Stellung hier eine unsichere zu nennen.“

[¶11] “All right, all right,” said K., “I’ll grant you that too, especially since Frieda for some reason I’m not able to fathom seems to be too afraid of you to interrupt. Stick to me then for the present. My position is quite uncertain, you don’t deny that, indeed you rather go out of your way to emphasise it. Like everything else you say, that has a fair proportion of truth in it, but it isn’t absolutely true. For instance, I know where I could get a very good bed if I wanted it.”

> German: „Gut, gut,“ sagte K., „ich gebe Ihnen auch darin recht, besonders da Frieda aus mir unbekannten Gründen zuviel Angst vor Ihnen zu haben scheint, um sich einzumischen. Bleiben wir also vorläufig nur bei mir. Meine Stellung ist höchst unsicher, das leugnen Sie nicht, sondern strengen sich vielmehr an, es zu beweisen. Wie bei allem, was Sie sagen, ist auch dieses nur zum größten Teil richtig, aber nicht ganz. So weiß ich z. B. von einem recht guten Nachtlager, das mir freisteht.“

[¶12] “Where? Where?” cried Frieda and the landlady simultaneously and so eagerly that they might have had the same motive for asking.

> German: „Wo denn? Wo denn?“ riefen Frieda und die Wirtin, so gleichzeitig und so begierig, als hätten sie die gleichen Beweggründe für ihre Frage.

[¶13] “At Barnabas’s,” said K.

> German: „Bei Barnabas“, sagte K.

[¶14] “That scum!” cried the landlady. “That rascally scum! At Barnabas’s! Do you hear—” and she turned towards the corner, but the assistants had long quitted it and were now standing arm in arm behind her. And so now, as if she needed support, she seized one of them by the hand, “do you hear where the man goes hobnobbing, with the family of Barnabas? Oh, certainly he’d get a bed there; I only wish he’d stay’d there overnight instead of in the Herrenhof. But where were you two?”

> German: „Die Lumpen!“ rief die Wirtin. „Die abgefeimten Lumpen! Bei Barnabas! Hört ihr -“ und sie wandte sich nach der Ecke, die Gehilfen aber waren schon längst hervorgekommen und standen Arm in Arm hinter der Wirtin, die jetzt, als brauche sie einen Halt, die Hand des einen ergriff, „hört ihr, wo sich der Herr herumtreibt, in der Familie des Barnabas! Freilich dort bekommt er ein Nachtlager, ach hätte er es doch lieber dort gehabt als im Herrenhof. Aber wo wart denn ihr?“

[¶15] “Madam,” said K. before the assistants had time to answer, “these are my assistants. But you’re treating them as if they were your assistants and my keepers. In every other respect I’m willing at least to argue the point with you courteously, but not where my assistants are concerned, that’s too obvious a matter. I request you therefore not to speak to my assistants, and if my request proves ineffective I shall forbid my assistants to answer you.”

> German: „Frau Wirtin,“ sagte K., noch ehe die Gehilfen antworteten, „es sind meine Gehilfen, Sie aber behandeln sie so, wie wenn es Ihre Gehilfen, aber meine Wächter wären. In allem andern bin ich bereit, höflich über Ihre Meinungen zumindest zu diskutieren, hinsichtlich meiner Gehilfen aber nicht, denn hier liegt die Sache doch zu klar! Ich bitte Sie daher, mit meinen Gehilfen nicht zu sprechen, und wenn meine Bitte nicht genügen sollte, verbiete ich meinen Gehilfen, Ihnen zu antworten.“

[¶16] “So I’m not allowed to speak to you,” said the landlady, and they laughed all three, the landlady scornfully, but with less anger than K. had expected, and the assistants in their usual manner, which meant both much and little and disclaimed all responsibility.
“Don’t get angry,” said Frieda, “you must try to understand why we’re upset. I can put it in this way, it’s all owing to Barnabas that we belong to each other now. When I saw you for the first time in the bar—when you came in arm in arm with Olga—well, I knew something about you, but I was quite indifferent to you. I was indifferent not only to you, but to nearly everything, yes, nearly everything. For at that time I was discontented about lots of things, and often annoyed, but it was a queer discontent and a queer annoyance. For instance, if one of the customers in the bar insulted me, and they were always after me—you saw what kind of creatures they were, but there were many worse than that, Klamm’s servants weren’t the worst—well, if one of them insulted me, what did that matter to me? I regarded it as if it had happened years before, or as if it had happened to someone else, or as if I had only heard tell of it, or as if I had already forgotten about it. But I can’t describe it, I can hardly imagine it now, so different has everything become since losing Klamm.”

> German: „Ich darf also nicht mit euch sprechen“, sagte die Wirtin und alle drei lachten, die Wirtin spöttisch, aber sanfter, als K. es erwartet hatte, die Gehilfen in ihrer gewöhnlichen, viel und nichts bedeutenden, jede Verantwortung ablehnenden Art. „Werde nur nicht böse,“ sagte Frieda, „du mußt unsere Aufregung richtig verstehen. Wenn man will, verdanken wir es nur Barnabas, daß wir jetzt einander gehören. Als ich dich zum erstenmal im Ausschank sah - du kamst herein, eingehängt in Olga - wußte ich zwar schon einiges über dich, aber im ganzen warst du mir doch völlig gleichgültig. Nun, nicht nur du warst mir gleichgültig, fast alles, fast alles war mir gleichgültig. Ich war ja auch damals mit vielem unzufrieden und manches ärgerte mich, aber was war das für eine Unzufriedenheit und was für ein Ärger. Es beleidigte mich z. B. einer der Gäste im Ausschank, sie waren ja immer hinter mir her - du hast die Burschen dort gesehen, es kamen aber noch viel ärgere, Klamms Dienerschaft war nicht die ärgste - also einer beleidigte mich, was bedeutete mir das? Es war mir, als sei es vor vielen Jahren geschehen, oder als sei es gar nicht mir geschehen, oder als hätte ich es nur erzählen hören, oder als hätte ich selbst es schon vergessen. Aber ich kann es nicht beschreiben, ich kann es mir nicht einmal mehr vorstellen, so hat sich alles geändert, seitdem Klamm mich verlassen hat.“ - Und Frieda brach ihre Erzählung ab, traurig senkte sie den Kopf, die Hände hielt sie gefaltet im Schoß.

[¶17] And Frieda broke off short, letting her head drop sadly, folding her hands on her bosom.
“You see,” cried the landlady, and she spoke not as if in her own person but as if she had merely lent Frieda her voice; she moved nearer too, and sat close beside Frieda, “you see, sir, the results of your actions, and your assistants too, whom I am not allowed to speak to, can profit by looking on at them. You’ve snatched Frieda from the happiest state she had ever known, and you managed to do that largely because in her childish susceptibility she could not bear to see you arm in arm with Olga, and so apparently delivered hand and foot to the Barnabas family. She rescued you from that and sacrificed herself in doing so. And now that it’s done, and Frieda has given up all she had for the pleasure of sitting on your knee, you come out with this fine trump card that once you had the chance of getting a bed from Barnabas. That’s by way of showing me that you’re independent of me. I assure you, if you had slept in that house you would be so independent of me that in the twinkling of an eye you would be put out of this one.”

> German: „Sehen Sie“, rief die Wirtin, und sie tat es so, als spreche sie nicht selbst, sondern leihe nur Frieda ihre Stimme, sie rückte auch näher und saß nun knapp neben Frieda, „sehen Sie nun, Herr Landvermesser, die Folgen Ihrer Taten, und auch Ihre Gehilfen, mit denen ich ja nicht sprechen darf, mögen zu ihrer Belehrung zusehen. Sie haben Frieda aus dem glückseligsten Zustand gerissen, der ihr je beschieden war, und es ist Ihnen vor allem deshalb gelungen, weil Frieda mit ihrem kindlich übertriebenen Mitleid es nicht ertragen konnte, daß Sie an Olgas Arm hingen und so der Barnabasschen Familie ausgeliefert schienen. Sie hat Sie gerettet und sich dabei geopfert. Und nun, da es geschehen ist und Frieda alles, was sie hatte, eingetauscht hat für das Glück, auf Ihrem Knie zu sitzen, nun kommen Sie und spielen es als Ihren großen Trumph aus, daß Sie einmal die Möglichkeit hatten, bei Barnabas übernachten zu dürfen. Damit wollen Sie wohl beweisen, daß Sie von mir unabhängig sind. Gewiß, wenn Sie wirklich bei Barnabas übernachtet hätten, wären Sie so unabhängig von mir, daß Sie im Nu, aber allerschleunigst, mein Haus verlassen müßten.“

[¶18] “I don’t know what sins the family of Barnabas have committed,” said K., carefully raising Frieda—who drooped as if lifeless—setting her slowly down on the bed and standing up himself, “you may be right about them, but I know that I was right in asking you to leave Frieda and me to settle our own affairs. You talked then about your care and affection, yet I haven’t seen much of that, but a great deal of hatred and scorn and forbidding me your house. If it was your intention to separate Frieda from me or me from Frieda it was quite a good move, but all the same I think it won’t succeed, and if it does succeed—it’s my turn now to issue vague threats—you’ll repent it. As for the lodging you favour me with—you can only mean this abominable hole—it’s not at all certain that you do it of your own free will, it’s much more likely that the authorities insist upon it. I shall now inform them that I have been told to go—and if I am allotted other quarters you’ll probably feel relieved, but not so much as I will myself. And now I’m going to discuss this and other business with the Superintendent, please be so good as to look after Frieda at least, whom you have reduced to a bad enough state with your so-called motherly counsel.”

> German: „Ich kenne die Sünden der Barnabasschen Familie nicht“, sagte K., während er Frieda, die wie leblos war, vorsichtig aufhob, langsam auf das Bett setzte und selbst aufstand, „vielleicht haben Sie darin recht, aber ganz gewiß hatte ich recht, als ich Sie ersucht habe, unsere Angelegenheiten, Friedas und meine, uns beiden allein zu überlassen. Sie erwähnten damals etwas von Liebe und Sorge, davon habe ich dann aber weiter nicht viel gemerkt, desto mehr aber von Haß und Hohn und Hausverweigerung. Sollten Sie es darauf angelegt haben, Frieda von mir oder mich von Frieda abzubringen, so war es ja recht geschickt gemacht, aber es wird Ihnen doch, glaube ich, nicht gelingen, und wenn es Ihnen gelingen sollte, so werden Sie es - erlauben Sie auch mir einmal eine dunkle Drohung - bitter bereuen. Was die Wohnung betrifft, die Sie mir gewähren - Sie können damit nur dieses abscheuliche Loch meinen - so ist es durchaus nicht gewiß, daß Sie es aus eigenem Willen tun, vielmehr scheint darüber eine Weisung der gräflichen Behörde vorzuliegen. Ich werde nun dort melden, daß mir hier gekündigt worden ist - und wenn man mir dann eine andere Wohnung zuweist, werden Sie wohl befreit aufatmen, ich aber noch tiefer. Und nun gehe ich in dieser und in anderen Angelegenheiten zum Gemeindevorsteher, bitte, nehmen Sie sich wenigstens Friedas an, die Sie mit Ihren sozusagen mütterlichen Reden übel genug zugerichtet haben.“

[¶19] Then he turned to the assistants. “Come along,” he said, taking Klamm’s letter from its nail and making for the door. The landlady looked at him in silence, and only when his hand was on the latch did she say: “There’s something else to take away with you, for whatever you say and however you insult an old woman like me, you’re after all Frieda’s future husband. That’s my sole reason for telling you now that your ignorance of the local situation is so appalling that it makes my head go round to listen to you and compare your ideas and opinions with the real state of things. It’s a kind of ignorance which can’t be enlightened at one attempt, and perhaps never can be, but there’s a lot you could learn if you would only believe me a little and keep you own ignorance constantly in mind. For instance you would at once be less unjust to me, and you would begin to have an inkling of the shock it was to me—a shock from which I’m still suffering—when I realised that my dear little Frieda had, so to speak, deserted the eagle for the snake in the grass, only the real situation is much worse even than that, and I have to keep on trying to forget it so as to be able to speak civilly to you at all. Oh, now you’re angry again! No, don’t go away yet, listen to this one appeal: Wherever you may be, never forget that you’re the most ignorant person in the village, and be cautious; here in this house where Frieda’s presence saves you from harm you can drivel on to your heart’s content, for instance here you can explain to us how you mean to get an interview with Klamm, but I entreat you, I entreat you, don’t do it in earnest.”

> German: Dann wandte er sich an die Gehilfen. „Kommt“, sagte er, nahm den Klammschen Brief vom Haken und wollte gehn. Die Wirtin hatte ihm schweigend zugesehen, erst als er die Hand schon auf der Türklinke hatte, sagte sie: „Herr Landvermesser, noch etwas gebe ich Ihnen mit auf den Weg, denn welche Reden Sie auch führen mögen und wie Sie mich auch beleidigen wollen, mich alte Frau, so sind Sie doch Friedas künftiger Mann. Nur deshalb sage ich es Ihnen, daß Sie hinsichtlich der hiesigen Verhältnisse entsetzlich unwissend sind, der Kopf schwirrt einem, wenn man Ihnen zuhört und wenn man das, was Sie sagen und meinen, in Gedanken mit der wirklichen Lage vergleicht. Zu verbessern ist diese Unwissenheit nicht mit einem Male und vielleicht gar nicht, aber vieles kann besser werden, wenn Sie mir nur ein wenig glauben und sich diese Unwissenheit immer vor Augen halten. Sie werden dann z. B. sofort gerechter gegen mich werden und zu ahnen beginnen, was für einen Schrecken ich durchgemacht habe - und die Folgen des Schreckens halten noch an -, als ich erkannt habe, daß meine liebste Kleine gewissermaßen den Adler verlassen hat, um sich der Blindschleiche zu verbinden, aber das wirkliche Verhältnis ist ja noch viel schlimmer, und ich muß es immerfort zu vergessen suchen, sonst könnte ich kein ruhiges Wort mit Ihnen sprechen. Ach nun sind Sie wieder böse. Nein, gehen Sie noch nicht, nur diese Bitte hören Sie noch an: Wohin Sie auch kommen, bleiben Sie sich dessen bewußt, daß Sie hier der Unwissendste sind und seien Sie vorsichtig; hier bei uns, wo Friedas Gegenwart Sie vor Schaden schützt, mögen Sie sich dann das Herz frei schwätzen, hier können Sie uns dann z. B. zeigen, wie Sie mit Klamm zu sprechen beabsichtigen, nur in Wirklichkeit, nur in Wirklichkeit, bitte, bitte, tun Sie’s nicht.“

[¶20] She stood up, tottering a little with agitation, went over to K., took his hand and looked at him imploringly. “Madam,” said K., “I don’t understand why you should stoop to entreat me about a thing like this. If, as you say, it’s impossible for me to speak to Klamm, I won’t manage it in any case whether I’m entreated or not. But if it proves to be possible, why shouldn’t I do it, especially as that would remove your main objection and so make your other premises questionable. Of course I’m ignorant, that’s an unshakable truth and a sad truth for me, but it gives me all the advantage of ignorance, which is greater daring, and so I’m prepared to put up with my ignorance, evil consequences and all, for some time to come, so long as my strength holds out. But these consequences really affect nobody but myself, and that’s why I simply can’t understand your pleading. I’m certain you would always look after Frieda, and if I were to vanish from Frieda’s ken you couldn’t regard that as anything but good luck. So what are you afraid of? Surely you’re not afraid—an ignorant man thinks everything possible”—here K. flung the door open—“surely you’re not afraid for Klamm?” The landlady gazed after him in silence as he ran down the staircase with the assistants following him.

> German: Sie stand auf, ein wenig schwankend vor Aufregung, ging zu K., faßte seine Hand und sah ihn bittend an. „Frau Wirtin,“ sagte K., „ich verstehe nicht, warum Sie wegen einer solchen Sache sich dazu erniedrigen, mich zu bitten. Wenn es, wie Sie sagen, für mich unmöglich ist, mit Klamm zu sprechen, so werde ich es eben nicht erreichen, ob man mich bittet oder nicht. Wenn es aber doch möglich sein sollte, warum soll ich es dann nicht tun, besonders da dann mit dem Wegfall Ihres Haupteinwandes auch Ihre weiteren Befürchtungen sehr fraglich werden. Freilich, unwissend bin ich, die Wahrheit bleibt jedenfalls bestehen, und das ist sehr traurig für mich, aber es hat doch auch den Vorteil, daß der Unwissende mehr wagt, und deshalb will ich die Unwissenheit und ihre gewiß schlimmen Folgen gerne noch ein Weilchen tragen, solange die Kräfte reichen. Diese Folgen aber treffen doch im wesentlichen nur mich, und deshalb vor allem verstehe ich nicht, warum Sie bitten. Für Frieda werden Sie doch gewiß immer sorgen, und verschwinde ich gänzlich aus Friedas Gesichtskreis, kann es doch in Ihrem Sinn nur ein Glück bedeuten. Was fürchten Sie also? Sie fürchten doch nicht etwa - dem Unwissenden scheint alles möglich“, hier öffnete K. schon die Tür - „Sie fürchten doch nicht etwa für Klamm?“ Die Wirtin sah ihm schweigend nach, wie er die Treppe hinabeilte und die Gehilfen ihm folgten.

## 5. Chapter V · Das fünfte Kapitel

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[¶0] To his own surprise K. had little difficulty in obtaining an interview with the Superintendent. He sought to explain this to himself by the fact that, going by his experience hitherto, official intercourse with the authorities for him was always very easy. This was caused on the one hand by the fact that the word had obviously gone out once and for all to treat his case with the external marks of indulgence, and on the other, by the admirable autonomy of the service, which one divined to be peculiarly effective precisely where it was not visibly present. At the mere thought of those facts, K. was often in danger of considering his situation hopeful; nevertheless, after such fits of easy confidence, he would hasten to tell himself that just there lay his danger.
Direct intercourse with the authorities was not particularly difficult then, for well-organised as they might be, all they did was to guard the distant and invisible interests of distant and invisible masters, while K. fought for something vitally near to him, for himself, and moreover, at least at the very beginning, on his own initiative, for he was the attacker; and besides he fought not only for himself, but clearly for other powers as well which he did not know, but in which, without infringing the regulations of the authorities, he was permitted to believe. But now by the fact that they had at once amply met his wishes in all unimportant matters—and hitherto only unimportant matters had come up—they had robbed him of the possibility of light and easy victories, and with that of the satisfaction which must accompany them and the well-grounded confidence for further and greater struggles, which must result from them. Instead, they let K. go anywhere he liked—of course only within the village—and thus pampered and enervated him, ruled out all possibility of conflict, and transposed him to an unofficial, totally unrecognised, troubled and alien existence. In this life it might easily happen, if he were not always on his guard, that one day or other, in spite of the amiability of the authorities and the scrupulous fulfilment of all his exaggeratedly light duties, he might—deceived by the apparent favour shown him—conduct himself so imprudently that he might get a fall; and the authorities, still ever mild and friendly, and as it were against their will, but in the name of some public regulation unknown to him, might have to come and clear him out of the way. And what was it, this other life to which he was consigned? Never yet had K. seen vocation and life so interlaced as here, so interlaced that sometimes one might think that they had exchanged places. What importance, for example, had the power, merely formal up till now, which Klamm exercised over K.’s services, compared with the very real power which Klamm possessed in K.’s bedroom. So it came about that while a light and frivolous bearing, a certain deliberate carelessness was sufficient when one came in direct contact with the authorities, one needed in everything else the greatest caution, and had to look around on every side before one made a single step.

> German: Die Besprechung mit dem Vorsteher machte K. zu seiner eigenen Verwunderung wenig Sorgen. Er suchte es sich dadurch zu erklären, daß nach seinen bisherigen Erfahrungen der amtliche Verkehr mit den gräflichen Behörden für ihn sehr einfach gewesen war. Das lag einerseits daran, daß hinsichtlich der Behandlung seiner Angelegenheit offenbar ein für allemal ein bestimmter, äußerlich ihm sehr günstiger Grundsatz ausgegeben worden war, und andererseits lag es an der bewunderungswürdigen Einheitlichkeit des Dienstes, die man besonders dort, wo sie scheinbar nicht vorhanden war, als eine besonders vollkommene ahnte. K. war, wenn er manchmal nur an diese Dinge dachte, nicht weit davon entfernt, seine Lage zufriedenstellend zu finden, trotzdem er sich immer nach solchen Anfällen des Behagens schnell sagte, daß gerade darin die Gefahr lag. Der direkte Verkehr mit den Behörden war ja nicht allzu schwer, denn die Behörden hatten, so gut sie auch organisiert sein mochten, immer nur im Namen entlegener unsichtbarer Herrn entlegene unsichtbare Dinge zu verteidigen, während K. für etwas lebendigst Nahes kämpfte, für sich selbst, überdies zumindest in der allerersten Zeit aus eigenem Willen, denn er war der Angreifer, und nicht nur er kämpfte für sich, sondern offenbar noch andere Kräfte, die er nicht kannte, aber an die er nach den Maßnahmen der Behörden glauben konnte. Dadurch nun aber, daß die Börden K. von vornherein in unwesentlichen Dingen, um mehr hatte es sich bisher nicht gehandelt, weit entgegenkamen, nahmen sie ihm die Möglichkeit kleiner leichter Siege, und mit dieser Möglichkeit auch die zugehörige Genugtuung und die aus ihr sich ergebende gut begründete Sicherheit für weitere größere Kämpfe. Statt dessen ließen sie K., allerdings nur innerhalb des Dorfes, überall durchgleiten, wo er wollte, verwöhnten und schwächten ihn dadurch, schalteten hier überhaupt jeden Kampf aus und verlegten ihn dafür in das außeramtliche, völlig unübersichtliche, trübe, fremdartige Leben. Auf diese Weise konnte es, wenn er nicht immer auf der Hut war, wohl geschehen, daß er eines Tages trotz aller Liebenswürdigkeit der Behörden und trotz der vollständigen Erfüllung aller so übertrieben leichten Verpflichtungen, getäuscht durch die ihm erwiesene scheinbare Gunst, sein sonstiges Leben so unvorsichtig führte, daß er hier zusammenbrach und die Behörde noch immer sanft und freundlich, gleichsam gegen ihren Willen, aber im Namen irgendeiner ihm unbekannten öffentlichen Ordnung kommen mußte, um ihn aus dem Weg zu räumen. Und was war es eigentlich hier, jenes sonstige Leben? Nirgends noch hatte K. Amt und Leben so verflochten gesehen wie hier, so verflochten, daß es manchmal scheinen konnte, Amt und Leben hätten ihre Plätze gewechselt. Was bedeutete z. B. die bis jetzt nur formelle Macht, welche Klamm über K.s Dienst ausübte, verglichen mit der Macht, die Klamm in K.s Schlafkammer in aller Wirklichkeit hatte. So kam es, daß hier ein etwas leichtsinniges Verfahren, eine gewisse Entspannung nur direkt gegenüber den Behörden am Platze, sonst aber immer große Vorsicht nötig war, ein Herumblicken nach allen Seiten vor jedem Schritt.

[¶1] K. soon found his opinion of the authorities of the place confirmed when he went to see the Superintendent. The Superintendent, a kindly, stout, clean-shaven man, was laid up; he was suffering from a severe attack of gout, and received K. in bed. “So here is our Land Surveyor,” he said, and tried to sit up, failed in the attempt and flung himself back again on the cushions, pointing apologetically to his leg. In the faint light of the room, where the tiny windows were still further darkened by curtains, a noiseless, almost shadowy woman pushed forward a chair for K. and placed it beside the bed. “Take a seat, Land Surveyor, take a seat,” said the Inspector, “and let me know your wishes.” K. read out Klamm’s letter and adjoined a few remarks to it. Again he had this sense of extraordinary ease in intercourse with the authorities. They seemed literally to bear every burden, one could lay everything on their shoulders and remain free and untouched oneself. As if he too felt this in his way, the Superintendent made a movement of discomfort on the bed. At length he said: “I know about the whole business as, indeed, you have remarked. The reason why I’ve done nothing is firstly, that I’ve been unwell, and secondly, that you’ve been so long in coming; I thought finally that you had given up the business. But now that you’ve been so kind as to look me up, really I must tell you the plain unvarnished truth of the matter. You’ve been taken on as Land Surveyor, as you say, but, unfortunately, we have no need of a Land Surveyor. There wouldn’t be the least use for one here. The frontiers of our little state are marked out and all officially recorded. So what should we do with a Land Surveyor?” Though he had not given the matter a moment’s thought before, K. was convinced now at the bottom of his heart that he had expected some such response as this. Exactly for that reason he was able to reply immediately: “This is a great surprise for me. It throws all my calculations out. I can only hope that there’s some misunderstanding.” “No, unfortunately,” said the Superintendent, “it’s as I’ve said.” “But how is that possible?” cried K. “Surely I haven’t made this endless journey just be sent back again.” “That’s another question,” replied the Superintendent, “which isn’t for me to decide, but how this misunderstanding became possible, I can certainly explain that. In such a large governmental office as the Count’s, it may occasionally happen that one department ordains this, another that; neither knows of the other, and though the supreme control is absolutely efficient, it comes by its nature too late, and so every now and then a trifling miscalculation arises. Of course that applies only to the pettiest little affairs, as for example your case. In great matters I’ve never known of any error yet, but even little affairs are often painful enough. Now as for your case, I’ll be open with you about its history, and make no official mystery of it—I’m not enough of the official for that, I’m a farmer and always will remain one. A long time ago—I had only been Superintendent for a few months—there came an order, I can’t remember from what department, in which in the usual categorical way of the gentlemen up there, it was made known that a Land Surveyor was to be called in, and the municipality were instructed to hold themselves ready for the plans and measurements necessary for his work. This order obviously couldn’t have concerned you, for it was many years ago, and I shouldn’t have remembered it if I weren’t ill just now and with ample time in bed to think of the most absurd things—Mizzi,” he said suddenly interrupting his narrative, to the woman who was still flitting about the room in incomprehensible activity, “please have a look in the cabinet, perhaps you’ll find the order.” “You see it belongs to my first months here,” he explained to K., “at that time I still filed everything away.” The woman opened the cabinet at once. K. and the Superintendent looked on. The cabinet was crammed full of papers. When it was opened two large packages of papers rolled out, tied in round bundles, as one usually binds firewood; the woman sprang back in alarm. “It must be down below, at the bottom,” said the Superintendent, directing operations from the bed. Gathering the papers in both arms the woman obediently threw them all out of the cabinet so as to read those at the bottom. The papers now covered half the floor. “A great deal of work is got through here,” said the Superintendent nodding his head, “and that’s only a small fraction of it. I’ve put away the most important pile in the shed, but the great mass of it has simply gone astray. Who could keep it all together? But there’s piles and piles more in the shed.” “Will you be able to find the order?” he said turning again to his wife, “you must look for a document with the word Land Surveyor underlined in blue pencil.” “It’s too dark,” said the woman, “I’ll fetch a candle,” and she stamped through the papers to the door. “My wife is a great help to me,” said the Superintendent, “in these difficult official affairs, and yet we can never quite keep up with them. True, I have another assistant for the writing that has to be done, the teacher; but all the same it’s impossible to get things shipshape, there’s always a lot of business that has to be left lying, it has been put away in that chest there,” and he pointed to another cabinet. “And just now, when I’m laid up, it has got the upper hand,” he said, and lay back with a weary yet proud air. “Couldn’t I,” asked K., seeing that the woman had now returned with the candle and was kneeling before the chest looking for the paper, “couldn’t I help your wife to look for it?” The Superintendent smilingly shook his head: “As I said before, I don’t want to make any parade of official secrecy before you, but to let you look through these papers yourself—no, I can’t go so far as that.” Now stillness fell in the room, only the rustling of the papers was to be heard; it looked, indeed, for a few minutes, as if the Superintendent were dozing. A faint rapping on the door made K. turn round. It was of course the assistants. All the same they showed already some of the effects of their training, they did not rush at once into the room, but whispered at first through the door which was slightly ajar: “It’s cold out here.” “Who’s that?” asked the Superintendent, starting up. “It’s only my assistants,” replied K. “I don’t know where to ask them to wait for me, it’s too cold outside and here they would be in the way.” “They won’t disturb me,” said the Superintendent indulgently. “Ask them to come in. Besides I know them. Old acquaintances.” “But they’re in my way,” K. replied bluntly, letting his gaze wander from the assistants to the Superintendent and back again, and finding on the faces of all three the same smile. “But seeing you’re here as it is,” he went on experimentally, “stay and help the Superintendent’s lady there to look for a document with the word Land Surveyor underlined in blue pencil.” The Superintendent raised no objection. What had not been permitted to K. was allowed to the assistants; they threw themselves at once on the papers, but they did not so much seek for anything as rummage about in the heap, and while one was spelling out a document the other would immediately snatch it out of his hand. The woman meanwhile knelt before the empty chest, she seemed to have completely given up looking, in any case the candle was standing quite far away from her.
“The assistants,” said the Superintendent with a self-complacent smile, which seemed to indicate that he had the lead, though nobody was in a position even to assume this, “they’re in your way then? Yet they’re your own assistants.” “No,” replied K. coolly, “they only ran into me here.” “Ran into you,” said he; “you mean, of course, were assigned to you.” “All right then, were assigned to me,” said K., “but they might as well have fallen from the sky, for all the thought that was spent in choosing them.” “Nothing here is done without taking thought,” said the Superintendent, actually forgetting the pain in his foot and sitting up. “Nothing!” said K., “and what about my being summoned here then?” “Even your being summoned was carefully considered,” said the Superintendent; “it was only certain auxiliary circumstances that entered and confused the matter, I’ll prove it to you from the official papers.” “The papers will not be found,” said K. “Not be found?” said the Superintendent. “Mizzi, please hurry up a bit! Still I can tell you the story even without the papers. We replied with thanks to the order that I’ve mentioned already, saying that we didn’t need a Land Surveyor. But this reply doesn’t appear to have reached the original department—I’ll call it A—but by mistake went to another department, B. So Department A remained without an answer, but unfortunately our full reply didn’t reach B either; whether it was that the order itself was not enclosed by us, or whether it got lost on the way—it was certainly not lost in my department, that I can vouch for—in any case all that arrived at Department B was the covering letter, in which was merely noted that the enclosed order, unfortunately an impractical one, was concerned with the engagement of a Land Surveyor. Meanwhile Department A was waiting for our answer, they had, of course, made a memorandum of the case, but as, excusably enough, often happens and is bound to happen even under the most efficient handling, our correspondent trusted to the fact that we would answer him, after which he would either summon the Land Surveyor, or else if need be write us further about the matter. As a result he never thought of referring to his memorandum and the whole thing fell into oblivion. But in Department B the covering letter came into the hands of a correspondent, famed for his conscientiousness, Sordini by name, an Italian; it is incomprehensible even to me, though I am one of the initiated, why a man of his capacities is left in an almost subordinate position. This Sordini naturally sent us back the unaccompanied covering letter for completion. Now months, if not years, had passed by this time since that first communication from Department A, which is understandable enough, for when—which is the rule—a document goes the proper route, it reaches the department at the outside in a day and is settled that day, but when it once in a while loses its way, then in an organisation so efficient as ours its proper destination must be sought for literally with desperation, otherwise it mightn’t be found; and then, well then the search may last really for a long time. Accordingly, when we got Sordini’s note we had only a vague memory of the affair, there were only two of us to do the work at that time, Mizzi and myself, the teacher hadn’t yet been assigned to us, we only kept copies in the most important instances, so we could only reply in the most vague terms that we knew nothing of this engagement of a Land Surveyor and that as far as we knew there was no need for one.”
“But,” here the Superintendent interrupted himself as if, carried on by his tale, he had gone too far, or as if at least it were possible that he had gone too far, “Doesn’t the story bore you?”

> German: Seine Auffassung der hiesigen Behörden fand K. zunächst beim Vorsteher sehr bestätigt. Der Vorsteher, ein freundlicher, dicker, glattrasierter Mann, war krank, hatte einen schweren Gichtanfall und empfing K. im Bett. „Da ist also unser Herr Landvermesser“, sagte er, wollte sich zur Begrüßung aufrichten, konnte es aber nicht zustandebringen und warf sich, entschuldigend auf die Beine zeigend, wieder zurück in die Kissen. Eine stille, im Dämmerlicht des kleinfenstrigen, durch Vorhänge noch verdunkelten Zimmers fast schattenhafte Frau brachte K. einen Sessel und stellte ihn zum Bett. „Setzen Sie sich, setzen Sie sich, Herr Landvermesser,“ sagte der Vorsteher, „und sagen Sie mir Ihre Wünsche.“ K. las den Brief Klamms vor und knüpfte einige Bemerkungen daran. Wieder hatte er das Gefühl der außerordentlichen Leichtigkeit des Verkehrs mit den Behörden. Sie trugen förmlich jede Last, alles konnte man ihnen auferlegen und selbst blieb man unberührt und frei. Als fühle das in seiner Art auch der Vorsteher, drehte er sich unbehaglich im Bett. Schließlich sagte er: „Ich habe, Herr Landvermesser, wie Sie ja gemerkt haben, von der ganzen Sache gewußt. Daß ich selbst noch nichts veranlaßt habe, hat seinen Grund erstens in meiner Krankheit und dann darin, daß Sie so lange nicht kamen, ich dachte schon, Sie seien von der Sache abgekommen. Nun aber, da Sie so freundlich sind, mich selbst aufzusuchen, muß ich Ihnen freilich die volle, unangenehme Wahrheit sagen. Sie sind als Landvermesser aufgenommen, wie Sie sagen, aber, leider, wir brauchen keinen Landvermesser. Es wäre nicht die geringste Arbeit für ihn da. Die Grenzen unserer kleinen Wirtschaften sind abgesteckt, alles ist ordentlich eingetragen. Besitzwechsel kommt kaum vor und kleine Grenzstreitigkeiten regeln wir selbst. Was soll uns also ein Landvermesser?“ K. war, ohne daß er allerdings früher darüber nachgedacht hätte, im Innersten davon überzeugt, eine ähnliche Mitteilung erwartet zu haben. Eben deshalb konnte er gleich sagen: „Das überrascht mich sehr. Das wirft alle meine Berechnungen über den Haufen. Ich kann nur hoffen, daß ein Mißverständnis vorliegt.“ „Leider nicht,“ sagte der Vorsteher, „es ist so, wie ich sage.“ „Aber wie ist das möglich,“ rief K. „ich habe doch diese endlose Reise nicht gemacht, um jetzt wieder zurückgeschickt zu werden.“ „Das ist eine andere Frage,“ sagte der Vorsteher, „die ich nicht zu entscheiden habe aber wie jenes Mißverständnis möglich war, das kann ich Ihnen allerdings erklären. In einer so großen Behörde wie der gräflichen kann es einmal vorkommen, daß eine Abteilung dieses angeordnet, die andere jenes, keine weiß von der anderen, die übergeordnete Kontrolle ist zwar äußerst genau, kommt aber ihrer Natur nach zu spät, und so kann immerhin eine kleine Verwirrung entstehen. Immer sind es freilich nur winzigste Kleinigkeiten wie z. B. Ihr Fall. In großen Dingen ist mir noch kein Fehler bekannt geworden, aber auch die Kleinigkeiten sind oft peinlich genug. Was nun Ihren Fall betrifft, so will ich Ihnen, ohne Amtsgeheimnisse zu machen - dazu bin ich nicht genug Beamter, ich bin Bauer und dabei bleibt es -, den Hergang offen erzählen. Vor langer Zeit, ich war damals erst einige Monate Vorsteher, kam ein Erlaß, ich weiß nicht mehr von welcher Abteilung, in welchem in der den Herren dort eigentümlichen kategorischen Art mitgeteilt war, daß ein Landvermesser berufen werden solle, und der Gemeinde aufgetragen war, alle für seine Arbeiten notwendigen Pläne und Aufzeichnungen bereitzuhalten. Dieser Erlaß kann natürlich nicht Sie betroffen haben, denn das war vor vielen Jahren und ich hätte mich nicht daran erinnert, wenn ich nicht jetzt krank wäre und im Bett über die lächerlichsten Dinge nachzudenken Zeit genug hätte. – Mizzi,“ sagte er, plötzlich seinen Bericht unterbrechend, zu der Frau, die noch immer in unverständlicher Tätigkeit durch das Zimmer huschte, „bitte, sieh dort im Schrank nach, vielleicht findest du den Erlaß.“ „Er ist nämlich“, sagte er erklärend zu K., „aus meiner ersten Zeit, damals habe ich noch alles aufgehoben.“ Die Frau öffnete gleich den Schrank. K. und der Vorsteher sahen zu. Der Schrank war mit Papieren vollgestopft. Beim Öffnen rollten zwei große Aktenbündel heraus, welche rund gebunden waren, so wie man Brennholz zu binden pflegt; die Frau sprang erschrocken zur Seite. „Unten dürfte es sein, unten“, sagte der Vorsteher, vom Bett aus dirigierend. Folgsam warf die Frau, mit beiden Armen die Akten zusammenfassend, alles aus dem Schrank, um zu den unteren Papieren zu gelangen. Die Papiere bedeckten schon das halbe Zimmer. „Viel Arbeit ist geleistet worden,“ sagte der Vorsteher nickend, „und das ist nur ein kleiner Teil. Die Hauptmasse habe ich in der Scheune aufbewahrt und der größte Teil ist allerdings verlorengegangen. Wer kann das alles zusammenhalten! In der Scheune ist aber noch sehr viel.“ „Wirst du den Erlaß finden können?“ wandte er sich dann wieder zu seiner Frau, „du mußt einen Akt suchen, auf dem das Wort Landvermesser blau unterstrichen ist.“ „Es ist zu dunkel hier,“ sagte die Frau, „ich werde eine Kerze holen“, und sie ging über die Papiere hinweg aus dem Zimmer. „Meine Frau ist mir eine große Stütze“, sagte der Vorsteher, „in dieser schweren Amtsarbeit, die doch nur nebenbei geleistet werden muß. Ich habe zwar für die schriftlichen Arbeiten noch eine Hilfskraft, den Lehrer, aber es ist trotzdem unmöglich, fertig zu werden, es bleibt immer viel Unerledigtes zurück, das ist dort in jenem Kasten gesammelt“, und er zeigte auf einen anderen Schrank. „Und gar, wenn ich jetzt krank bin, nimmt es überhand“, sagte er und legte sich müde, aber doch auch stolz zurück. „Könnte ich nicht“, sagte K., als die Frau mit der Kerze zurückgekommen war und vor dem Kasten kniend den Erlaß suchte, „Ihrer Frau beim Suchen helfen?“ Der Vorsteher schüttelte lächelnd den Kopf: „Wie ich schon sagte, ich habe keine Amtsgeheimnisse vor Ihnen, aber Sie selbst in den Akten suchen zu lassen, so weit kann ich denn doch nicht gehen.“ Es wurde jetzt still im Zimmer, nur das Rascheln der Papiere war zu hören, der Vorsteher schlummerte vielleicht sogar ein wenig. Ein leises Klopfen an der Tür ließ K. sich umdrehen. Es waren natürlich die Gehilfen. Immerhin waren sie schon ein wenig erzogen, stürmten nicht gleich ins Zimmer, sondern flüsterten zunächst durch die ein wenig geöffnete Tür: „Es ist uns kalt draußen.“ „Wer ist es?“ fragte der Vorsteher aufschreckend. „Es sind nur meine Gehilfen,“ sagte K., „ich weiß nicht, wo ich sie auf mich warten lassen soll, draußen ist es zu kalt, und hier sind sie lästig.“ „Mich stören sie nicht,“ sagte der Vorsteher freundlich, „lassen Sie sie hereinkommen. Übrigens kenne ich sie ja. Alte Bekannte.“ „Mir aber sind sie lästig“, sagte K. offen, ließ den Blick von den Gehilfen zum Vorsteher und wieder zurück zu den Gehilfen wandern und fand aller drei Lächeln ununterscheidbar gleich. „Wenn Ihr aber nun schon hier seid,“ sagte er versuchsweise, „so bleibt und helft dort der Frau Vorsteher einen Akt suchen, auf dem das Wort Landvermesser blau unterstrichen ist.“ Der Vorsteher erhob keinen Widerspruch. Was K. nicht durfte, die Gehilfen durften es, sie warfen sich auch gleich auf die Papiere, aber sie wühlten mehr in den Haufen, als daß sie suchten, und während einer eine Schrift buchstabierte, riß sie ihm der andere immer aus der Hand. Die Frau dagegen kniete vor dem leeren Kasten, sie schien gar nicht mehr zu suchen, jedenfalls stand die Kerze sehr weit von ihr. „Die Gehilfen,“ sagte der Vorsteher mit einem selbstzufriedenen Lächeln, so, als gehe alles auf seine Anordnungen zurück, aber niemand sei imstande, das auch nur zu vermuten, „sie sind Ihnen also lästig, aber es sind doch Ihre eigenen Gehilfen.“ „Nein,“ sagte K. kühl, „sie sind mir erst hier zugelaufen.“ „Wie denn, zugelaufen,“ sagte er, „zugeteilt worden, meinen Sie wohl.“ „Nun denn zugeteilt worden,“ sagte K. „sie könnten aber ebensogut herabgeschneit sein, so bedenkenlos war diese Zuteilung.“ „Bedenkenlos geschieht hier nichts“, sagte der Vorsteher, vergaß sogar den Fußschmerz und setzte sich aufrecht. „Nichts,“ sagte K., „und wie verhält es sich mit meiner Berufung?“ „Auch Ihre Berufung war wohlerwogen,“ sagte der Vorsteher, „nur Nebenumstände haben verwirrend eingegriffen, ich werde es Ihnen an der Hand der Akten nachweisen.“ „Die Akten werden ja nicht gefunden werden“, sagte K. „Nicht gefunden?“ rief der Vorsteher, „Mizzi, bitte, such ein wenig schneller! Ich kann Ihnen jedoch die Geschichte auch ohne Akten erzählen. Jenen Erlaß, von dem ich schon sprach, beantworteten wir dankend damit, daß wir keinen Landvermesser brauchen. Diese Antwort scheint aber nicht an die ursprüngliche Abteilung, ich will sie A nennen, zurückgelangt zu sein, sondern irrtümlicherweise an eine andere Abteilung B. Die Abteilung A blieb also ohne Antwort, aber leider bekam auch B nicht unsere ganze Antwort; sei es, daß der Akteninhalt bei uns zurückgeblieben war, sei es, daß er auf dem Weg verlorengegangen ist - in der Abteilung selbst gewiß nicht, dafür will ich bürgen - jedenfalls kam auch in der Abteilung B nur ein Aktenumschlag an, auf dem nichts weiter vermerkt war, als daß der einliegende, leider in Wirklichkeit fehlende Akt von der Berufung eines Landvermessers handle. Die Abteilung A wartete inzwischen auf unsere Antwort, sie hatte zwar Vormerke über die Angelegenheit, aber wie das begreiflicherweise öfters geschieht und bei der Präzision aller Erledigungen geschehen darf, verließ sich der Referent darauf, daß wir antworten würden und daß er dann entweder den Landvermesser berufen oder nach Bedürfnis weiter über die Sache mit uns korrespondieren würde. Infolgedessen vernachlässigte er die Vormerke und das Ganze geriet bei ihm in Vergessenheit. In der Abteilung B kam aber der Aktenumschlag an einen wegen seiner Gewissenhaftigkeit berühmten Referenten, Sordini heißt er, ein Italiener, es ist selbst mir, einem Eingeweihten, unbegreiflich, warum ein Mann von seinen Fähigkeiten in der fast untergeordneten Stellung gelassen wird. Dieser Sordini schickte uns natürlich den leeren Aktenumschlag zur Ergänzung zurück. Nun waren aber seit jenem ersten Schreiben der Abteilung A schon viele Monate, wenn nicht Jahre vergangen, begreiflicherweise, denn wenn, wie es die Regel ist, ein Akt den richtigen Weg geht, gelangt er an seine Abteilung spätestens in einem Tag und wird am gleichen Tag noch erledigt, wenn er aber einmal den Weg verfehlt, und er muß bei der Vorzüglichkeit der Organisation den falschen Weg förmlich mit Eifer suchen, sonst findet er ihn nicht, dann, dann dauert es freilich sehr lange. Als wir daher Sordinis Note bekamen, konnten wir uns an die Angelegenheit nur noch ganz unbestimmt erinnern, wir waren damals nur zwei für die Arbeit, Mizzi und ich, der Lehrer war damals noch nicht zugeteilt, Kopien bewahrten wir nur in den wichtigsten Angelegenheiten auf - wir konnten nur sehr unbestimmt antworten, daß wir von einer solchen Berufung nichts wüßten und daß nach einem Landvermesser bei uns kein Bedarf sei.“ „Aber“, unterbrach sich hier der Vorsteher, als sei er im Eifer des Erzählens zu weit gegangen oder als sei es wenigstens möglich, daß er zu weit gegangen sei, „langweilt Sie die Geschichte nicht?“

[¶2] “No,” said K., “it amuses me.”

> German: „Nein,“ sagte K. „sie unterhält mich.“

[¶3] Thereupon the Superintendent said: “I’m not telling it to amuse you.”

> German: Darauf der Vorsteher: „Ich erzähle es Ihnen nicht zur Unterhaltung.“

[¶4] “It only amuses me,” said K., “because it gives me an insight into the ludicrous bungling which in certain circumstances may decide the life of a human being.”

> German: „Es unterhält mich nur dadurch,“ sagte K., „daß ich einen Einblick in das lächerliche Gewirre bekomme, welches unter Umständen über die Existenz eines Menschen entscheidet.“

[¶5] “You haven’t been given any insight into that yet,” replied the Superintendent gravely, “and I can go on with my story. Naturally Sordini was not satisfied with our reply. I admire the man, although he is a plague to me. He literally distrusts everyone; even if, for instance, he has come to know somebody, through countless circumstances, as the most reliable man in the world, he distrusts him as soon as fresh circumstances arise, as if he didn’t want to know him, or rather as if he wanted to know that he was a scoundrel. I consider that right and proper, an official must behave like that; unfortunately with my nature I can’t follow out this principle; you see yourself how frank I am with you, a stranger, about those things, I can’t act in any other way. But Sordini, on the contrary, was seized by suspicion when he read our reply. Now a huge correspondence began to grow. Sordini enquired how I had suddenly recalled that a Land Surveyor shouldn’t be summoned. I replied, drawing in Mizzi’s splendid memory, that the first suggestion had come from the chancellory itself (but that it had come from a different department we had of course forgotten long before this). Sordini countered: ‘Why had I only mentioned this official order now?’ I replied: ‘because I had just remembered it.’ Sordini: ‘That was very extraordinary.’ Myself: ‘It was not in the least extraordinary in such a long-drawn-out business.’ Sordini: ‘Yes it was extraordinary, for the order that I remembered didn’t exist.’ Myself: ‘Of course it didn’t exist, for the whole document had gone a-missing.’ Sordini: ‘But there must be a memorandum extant relating to this first communication, and there wasn’t one extant.’ That drew me up, for that an error should happen in Sordini’s department I neither dared to maintain nor to believe. Perhaps, my dear Land Surveyor, you’ll make the reproach against Sordini in your mind, that in consideration of my assertion he should have been moved at least to make enquiries in the other departments about the affair. But that is just what would have been wrong; I don’t want any blame to attach to this man, no, not even in your thoughts. It’s a working principle of the Head Bureau that the very possibility of error must be ruled out of account. This ground principle is justified by the consummate organisation of the whole authority, and it is necessary if the maximum speed in transacting business is to be attained. So it wasn’t within Sordini’s power to make enquiries in other departments, besides they simply wouldn’t have answered, because they would have guessed at once that it was a case of hunting out a possible error.”

> German: „Sie haben noch keinen Einblick bekommen,“ sagte ernst der Vorsteher, „und ich kann Ihnen weitererzählen. Von unserer Antwort war natürlich ein Sordini nicht befriedigt. Ich bewundere den Mann, trotzdem er für mich eine Qual ist. Er mißtraut nämlich jedem, auch wenn er z. B. irgend jemanden bei unzähligen Gelegenheiten als den vertrauenswürdigsten Menschen kennengelernt hat, mißtraut er ihm bei der nächsten Gelegenheit, wie wenn er ihn gar nicht kennen würde oder richtiger, wie wenn er ihn als Lumpen kennen würde. Ich halte das für richtig, ein Beamter muß so vorgehen, leider kann ich diesen Grundsatz meiner Natur nach nicht befolgen, Sie sehen ja, wie ich Ihnen, einem Fremden, alles offen vorlege, ich kann eben nicht anders. Sordini dagegen faßte unserer Antwort gegenüber sofort Mißtrauen. Es entwickelte sich nun eine große Korrespondenz. Sordini fragte, warum es mir plötzlich eingefallen sei, daß kein Landvermesser berufen werden solle, ich antwortete mit Hilfe von Mizzis ausgezeichnetem Gedächtnis, daß doch die erste Anregung vom Amt selbst ausgegangen sei (daß es sich um eine andere Abteilung handelte, hatten wir natürlich schon längst vergessen). Sordini dagegen: warum ich diese amtliche Zuschrift erst jetzt erwähne, ich wiederum: weil ich mich erst jetzt an sie erinnert habe, Sordini: das sei sehr merkwürdig, ich: das sei gar nicht merkwürdig bei einer so lange sich hinziehenden Angelegenheit, Sordini: es sei doch merkwürdig, denn die Zuschrift, an die ich mich erinnert habe, existiere nicht, ich: natürlich existiere sie nicht, weil der ganze Akt verlorengegangen sei, Sordini: es müßte aber doch ein Vormerk hinsichtlich jener ersten Zuschrift bestehen, der aber bestehe nicht. Da stockte ich, denn daß in Sordinis Abteilung ein Fehler unterlaufen sei, wagte ich weder zu behaupten noch zu glauben. Sie machen vielleicht, Herr Landvermesser, Sordini in Gedanken den Vorwurf, daß ihn die Rücksicht auf meine Behauptung wenigstens dazu hätte bewegen sollen, sich bei andern Abteilungen nach der Sache zu erkundigen. Gerade das aber wäre unrichtig gewesen, ich will nicht, daß an diesem Manne auch nur in Ihren Gedanken ein Makel bleibt. Es ist ein Arbeitsgrundsatz der Behörde, daß mit Fehlermöglichkeiten überhaupt nicht gerechnet wird. Dieser Grundsatz ist berechtigt durch die vorzügliche Organisation des Ganzen und er ist notwendig, wenn äußerste Schnelligkeit der Erledigung erreicht werden soll. Sordini durfte sich also bei anderen Abteilungen gar nicht erkundigen, übrigens hätten ihm diese Abteilungen gar nicht geantwortet, weil sie gleich gemerkt hätten, daß es sich um Ausforschung einer Fehlermöglichkeit handle.“

[¶6] “Allow me, Superintendent, to interrupt you with a question,” said K. “Did you not mention once before a Control Authority? From your description the whole economy is one that would rouse one’s apprehensions if one could imagine the control failing.”

> German: „Erlauben Sie, Herr Vorsteher, daß ich Sie mit einer Frage unterbreche,“ sagte K., „erwähnten Sie nicht früher einmal eine Kontrollbehörde? Die Wirtschaft ist ja nach Ihrer Darstellung eine derartige, daß einem bei der Vorstellung, die Kontrolle könnte ausbleiben, übel wird.“

[¶7] “You’re very strict,” said the Superintendent, “but multiply your strictness a thousand times and it would still be nothing compared with the strictness which the Authority imposes on itself. Only a total stranger could ask a question like yours. Is there a Control Authority? There are only control authorities. Frankly it isn’t their function to hunt out errors in the vulgar sense, for errors don’t happen, and even when once in a while an error does happen, as in your case, who can say finally that it’s an error?”

> German: „Sie sind sehr streng,“ sagte der Vorsteher, „aber vertausendfachen Sie Ihre Strenge und sie wird noch immer nichts sein, verglichen mit der Strenge, welche die Behörde gegen sich selbst anwendet. Nur ein völlig Fremder kann Ihre Frage stellen. Ob es Kontrollbehörden gibt? Es gibt nur Kontrollbehörden. Freilich, sie sind nicht dazu bestimmt, Fehler im groben Wortsinn herauszufinden, denn Fehler kommen ja nicht vor, und selbst wenn einmal ein Fehler vorkommt, wie in Ihrem Fall, wer darf denn endgültig sagen, daß es ein Fehler ist.“

[¶8] “This is news indeed!” cried K.

> German: „Das wäre etwas völlig Neues“, rief K.

[¶9] “It’s very old news to me,” said the Superintendent. “Not unlike yourself I’m convinced that an error has occurred, and as a result Sordini is quite ill with despair, and the first Control Officials, whom we have to thank for discovering the source of error, recognise that there is an error. But who can guarantee that the second Control Officials will decide in the same way and the third lot and all the others?”

> German: „Mir ist es etwas sehr Altes“, sagte der Vorsteher. „Ich bin nicht viel anders als Sie selbst davon überzeugt, daß ein Fehler vorgekommen ist, und Sordini ist infolge der Verzweiflung darüber schwer erkrankt, und die ersten Kontrollämter, denen wir die Aufdeckung der Fehlerquelle verdanken, erkennen hier auch den Fehler. Aber wer darf behaupten, daß die zweiten Kontrollämter ebenso urteilen und auch die dritten und weiterhin die andern?“

[¶10] “That may be,” said K. “I would much rather not mix in these speculations yet, besides this is the first mention I’ve heard of those Control Officials and naturally I can’t understand them yet. But I fancy that two things must be distinguished here: firstly, what is transacted in the offices and can be construed again officially this way or that, and secondly, my own actual person, me myself, situated outside of the offices and threatened by their encroachments, which are so meaningless that I can’t even yet believe in the seriousness of the danger. The first evidently is covered by what you, Superintendent, tell me in such extraordinary and disconcerting detail; all the same I would like to hear a word now about myself.”

> German: „Mag sein,“ sagte K., „in solche Überlegungen will ich mich doch lieber noch nicht einmischen, auch höre ich ja zum erstenmal von diesen Kontrollämtern und kann sie natürlich noch nicht verstehen. Nur glaube ich, daß hier zweierlei unterschieden werden müsse, nämlich erstens das, was innerhalb der Ämter vorgeht und was dann wieder amtlich so oder so aufgefaßt werden kann, und zweitens meine wirkliche Person, ich, der ich außerhalb der Ämter stehe und dem von den Ämtern Beeinträchtigung droht, die so unsinnig wäre, daß ich noch immer an den Ernst der Gefahr nicht glauben kann. Für das erstere gilt wahrscheinlich das, was Sie, Herr Vorsteher, mit so verblüffender außerordentlicher Sachkenntnis erzählen, nur möchte ich aber dann auch ein Wort über mich hören.“

[¶11] “I’m coming to that too,” said the Superintendent, “but you couldn’t understand it without my giving a few more preliminary details. My mentioning the Control Officials just now was premature. So I must turn back to the discrepancies with Sordini. As I said, my defence gradually weakened. But whenever Sordini has in his hands even the slightest hold against anyone, he has as good as won, for then his vigilance, energy and alertness are actually increased and it’s a terrible moment for the victim, and a glorious one for the victim’s enemies. It’s only because in other circumstances I have experienced this last feeling that I’m able to speak of him as I do. All the same I have never managed yet to come within sight of him. He can’t get down here, he’s so overwhelmed with work; from the descriptions I’ve heard of his room every wall is covered with columns of documents tied together, piled on top of one another; those are only the documents that Sordini is working on at the time, and as bundles of papers are continually being taken away and brought in, and all in great haste, those columns are always falling on the floor, and it’s just those perpetual crashes, following fast on one another, that have come to distinguish Sordini’s workroom. Yes, Sordini is a worker and he gives the same scrupulous care to the smallest case as to the greatest.”
“Superintendent,” said K., “you always call my case one of the smallest, and yet it has given hosts of officials a great deal of trouble, and if, perhaps, it was unimportant at the start, yet through the diligence of officials of Sordini’s type it has grown into a great affair. Very much against my will, unfortunately, for my ambition doesn’t run to seeing columns of documents, all about me, rising and crashing together, but to working quietly at my drawing-board as a humble Land Surveyor.”

> German: „Ich komme auch dazu,“ sagte der Vorsteher, „doch könnten Sie es nicht verstehen, wenn ich nicht noch einiges vorausschickte. Schon daß ich jetzt die Kontrollämter erwähnte, war verfrüht. Ich kehre also zu den Unstimmigkeiten mit Sordini zurück. Wie erwähnt, ließ meine Abwehr allmählich nach. Wenn aber Sordini auch nur den geringsten Vorteil gegenüber irgend jemandem in Händen hat, hat er schon gesiegt, denn nun erhöht sich noch seine Aufmerksamkeit, Energie, Geistesgegenwart, und er ist für den Angegriffenen ein schrecklicher, für die Feinde des Angegriffenen ein herrlicher Anblick. Nur weil ich in anderen Fällen auch dieses letztere erlebt habe, kann ich so von ihm erzählen, wie ich es tue. Übrigens ist es mir noch nie gelungen, ihn mit Augen zu sehen, er kann nicht herunterkommen, er ist zu sehr mit Arbeit überhäuft, sein Zimmer ist mir so geschildert worden, daß alle Wände mit Säulen von großen, aufeinandergestapelten Aktenbündeln verdeckt sind, es sind dies nur Akten, die Sordini gerade in Arbeit hat, und da immerfort den Bündeln Akten entnommen und eingefügt werden und alles in großer Eile geschieht, stürzen diese Säulen immerfort zusammen und gerade dieses fortwährende, kurz aufeinanderfolgende Krachen ist für Sordinis Arbeitszimmer bezeichnend geworden. Nun ja, Sordini ist ein Arbeiter und dem kleinsten Fall widmet er die gleiche Sorgfalt wie dem größten.“ „Sie nennen, Herr Vorsteher,“ sagte K., „meinen Fall immer einen der kleinsten und doch hat er viele Beamte sehr beschäftigt und wenn er vielleicht auch anfangs sehr klein war, so ist er doch durch den Eifer von Beamten von Herrn Sordinis Art zu einem großen Fall geworden. Leider sehr gegen meinen Willen, denn mein Ehrgeiz geht nicht dahin, große mich betreffende Aktensäulen entstehen und zusammenkrachen zu lassen, sondern als kleiner Landvermesser bei einem kleinen Zeichentisch ruhig zu arbeiten.“

[¶12] “No,” said the Superintendent, “it’s not at all a great affair, in that respect you’ve no ground for complaint—it’s one of the least important among the least important. The importance of a case is not determined by the amount of work it involves, you’re far from understanding the authorities if you believe that. But even if it’s a question of the amount of work, your case would remain one of the slightest; ordinary cases, those without any so-called errors I mean, provide far more work and far more profitable work as well. Besides you know absolutely nothing yet of the actual work which was caused by your case. I’ll tell you about that now. Well, presently Sordini left me out of count, but the clerks arrived, and every day a formal enquiry involving the most prominent members of the community was held in the Herrenhof. The majority stuck by me, only a few held back—the question of a Land Surveyor appeals to peasants—they scented secret plots and injustices and whatnot, found a leader, no less, and Sordini was forced by their assertions to the conviction that if I had brought the question forward in the Town Council, every voice wouldn’t have been against the summoning of a Land Surveyor. So a commonplace—namely that a Land Surveyor wasn’t needed—was turned after all into a doubtful matter at least. A man called Brunswick distinguished himself especially, you don’t know him, of course; probably he’s not a bad man, only stupid and fanciful, he’s a son-in-law of Lasemann’s.”

> German: „Nein,“ sagte der Vorsteher, „es ist kein großer Fall, in dieser Hinsicht haben Sie keinen Grund zur Klage, es ist einer der kleinsten Fälle unter den kleinen. Der Umfang der Arbeit bestimmt nicht den Rang des Falles, Sie sind noch weit entfernt vom Verständnis für die Behörde, wenn Sie das glauben. Aber selbst wenn es auf den Umfang der Arbeit ankäme, wäre Ihr Fall einer der geringsten, die gewöhnlichen Fälle, also jene ohne sogenannte Fehler geben noch viel mehr und freilich auch viel ergiebigere Arbeit. Übrigens wissen Sie ja noch gar nichts von der eigentlichen Arbeit, die Ihr Fall verursachte, von der will ich ja jetzt erst erzählen. Zunächst ließ mich nun Sordini aus dem Spiel, aber seine Beamten kamen, täglich fanden protokollarische Verhöre angesehener Gemeindemitglieder im Herrenhof statt. Die meisten hielten zu mir, nur einige wurden stutzig, die Frage der Landvermessung geht einem Bauern nahe, sie witterten irgendwelche geheime Verabredungen und Ungerechtigkeiten, fanden überdies einen Führer und Sordini mußte aus ihren Angaben die Überzeugung gewinnen, daß, wenn ich die Frage im Gemeinderat vorgebracht hätte, nicht alle gegen die Berufung eines Landvermessers gewesen wären. So wurde eine Selbstverständlichkeit - daß nämlich kein Landvermesser nötig ist - immerhin zumindest fragwürdig gemacht. Besonders zeichnete sich da ein gewisser Brunswick aus, Sie kennen ihn wohl nicht, er ist vielleicht nicht schlecht, aber dumm und phantastisch, er ist ein Schwager von Lasemann.“

[¶13] “Of the Master Tanner?” asked K., and he described the full-bearded man whom he had seen at Lasemann’s.

> German: „Vom Gerbermeister?“ fragte K. und beschrieb den Vollbärtigen, den er bei Lasemann gesehen hatte.

[¶14] “Yes, that’s the man,” said the Superintendent.
“I know his wife, too,” said K. a little at random.

> German: „Ja, das ist er“, sagte der Vorsteher. „Ich kenne auch seine Frau“, sagte K. ein wenig aufs Geratewohl.

[¶15] “That’s possible,” replied the Superintendent briefly.

> German: „Das ist möglich“, sagte der Vorsteher und verstummte.

[¶16] “She’s beautiful,” said K., “but rather pale and sickly. She comes, of course, from the Castle?” It was half a question.

> German: „Sie ist schön,“ sagte K., „aber ein wenig bleich und kränklich. Sie stammt wohl aus dem Schloß?“ das war halb fragend gesagt.

[¶17] The Superintendent looked at the clock, poured some medicine into a spoon, and gulped at it hastily.

> German: Der Vorsteher sah auf die Uhr, goß Medizin auf einen Löffel und schluckte sie hastig.

[¶18] “You only know the official side of the Castle?” asked K. bluntly.

> German: „Sie kennen im Schloß wohl nur die Bureaueinrichtungen?“ fragte K. grob.

[¶19] “That’s so,” replied the Superintendent, with an ironical and yet grateful smile, “and it’s the most important. And as for Brunswick; if we could exclude him from the council we would almost all be glad, and Lasemann not least. But at that time Brunswick gained some influence, he’s not an orator of course, but a shouter; but even that can do a lot. And so it came about that I was forced to lay the matter before the Town Council; however, it was Brunswick’s only immediate triumph, for of course the Town Council refused by a large majority to hear anything about a Land Surveyor. That too was a long time ago, but the whole time since, the matter has never been allowed to rest, partly owing to Sordini’s conscientiousness, who by the most painful sifting of data sought to fathom the motives of the majority no less than the opposition, partly owing to Brunswick’s stupidity and ambition, who had several personal acquaintances among the authorities whom he set working with fresh inventions of his fancy. Sordini, at any rate, didn’t let himself be deceived by Brunswick—how could Brunswick deceive Sordini?—but simply to prevent himself from being deceived a new sifting of data was necessary, and long before it was ended Brunswick had already thought out something new; he’s very very versatile, no doubt of it, that goes with his stupidity. And now I come to a peculiar characteristic of our administrative apparatus. Along with its precision it’s extremely sensitive as well. When an affair has been weighed for a very long time, it may happen, even before the matter has been fully considered, that suddenly in a flash the decision comes in some unforeseen place that, moreover, can’t be found any longer later on, a decision that settles the matter, if in most cases justly, yet all the same arbitrarily. It’s as if the administrative apparatus were unable any longer to bear the tension, the yearlong irritation caused by the same affair—probably trivial in itself—and had hit upon the decision by itself, without the assistance of the officials. Of course a miracle didn’t happen and certainly it was some clerk who hit upon the solution or the unwritten decision, but in any case it couldn’t be discovered by us at least, by us here, or even by the Head Bureau, which clerk had decided in this case and on what grounds. The Control Officials only discovered that much later, but we will never learn it; besides by this time it would scarcely interest anybody. Now, as I said, it’s just these decisions that are generally excellent. The only annoying thing about them—it’s usually the case with such things—is that one learns too late about them and so in the meantime keeps on still passionately canvassing things that were decided long ago. I don’t know whether in your case a decision of this kind happened—some people say yes, others no—but if it had happened then the summons would have been sent to you and you would have made the long journey to this place, much time would have passed, and in the meanwhile Sordini would have been working away here all the time on the same case until he was exhausted, Brunswick would have been intriguing and I would have been plagued by both of them. I only indicate this possibility, but I know the following for a fact: a Control Official discovered meanwhile that a query had gone out from Department A to the Town Council many years before regarding a Land Surveyor, without having received a reply up till then. A new enquiry was sent to me, and now the whole business was really cleared up. Department A was satisfied with my answer that a Land Surveyor was not needed, and Sordini was forced to recognise that he had not been equal to this case and, innocently it is true, had got through so much nerve-racking work for nothing. If new work hadn’t come rushing in as ever from every side, and if your case hadn’t been a very unimportant case—one might almost say the least important among the unimportant—we might all of us have breathed freely again, I fancy even Sordini himself; Brunswick was the only one that grumbled, but that was only ridiculous. And now imagine to yourself, Land Surveyor, my dismay when after the fortunate end of the whole business—and since then, too, a great deal of time had passed by—suddenly you appear and it begins to look as if the whole thing must begin all over again. You’ll understand of course that I’m firmly resolved, so far as I’m concerned, not to let that happen in any case?”

> German: „Ja,“ sagte der Vorsteher mit einem ironischen und doch dankbarem Lächeln, „sie sind auch das Wichtigste. Und was Brunswick betrifft: wenn wir ihn aus der Gemeinde ausschließen könnten, wären wir fast alle glücklich und Lasemann nicht am wenigsten. Aber damals gewann Brunswick einigen Einfluß, ein Redner ist er zwar nicht, aber ein Schreier und auch das genügt manchen. Und so kam es, daß ich gezwungen wurde, die Sache dem Gemeinderat vorzulegen, übrigens zunächst Brunswicks einziger Erfolg, denn natürlich wollte der Gemeinderat mit großer Mehrheit von einem Landvermesser nichts wissen. Auch das ist nun schon jahrelang her, aber die ganze Zeit über ist die Sache nicht zur Ruhe gekommen, zum Teil durch die Gewissenhaftigkeit Sordinis, der die Beweggründe sowohl der Majorität als auch der Opposition durch die sorgfältigsten Erhebungen zu erforschen suchte, zum Teil durch die Dummheit und den Ehrgeiz Brunswicks, der verschiedene persönliche Verbindungen mit den Behörden hat, die er mit immer neuen Erfindungen seiner Phantasie in Bewegung brachte. Sordini allerdings ließ sich von Brunswick nicht täuschen, wie könnte Brunswick Sordini täuschen? aber eben um sich nicht täuschen zu lassen, waren neue Erhebungen nötig, und noch ehe sie beendigt waren, hatte Brunswick schon wieder etwas Neues ausgedacht, sehr beweglich ist er ja, es gehört das zu seiner Dummheit. Und nun komme ich auf eine besondere Eigenschaft unserer behördlichen Apparate zu sprechen. Entsprechend seiner Präzision ist er auch äußerst empfindlich. Wenn eine Angelegenheit sehr lange erwogen worden ist, kann es, auch ohne daß die Erwägungen schon beendet wären, geschehen, daß plötzlich blitzartig an einer unvorhergesehenen und auch später nicht mehr auffindbaren Stelle eine Erledigung hervorkommt, welche die Angelegenheit, wenn auch meistens sehr richtig, so doch immerhin willkürlich abschließt. Es ist, als hätte der behördliche Apparat die Spannung, die jahrelange Aufreizung durch die gleiche, vielleicht an sich geringfügige Angelegenheit nicht mehr ertragen und aus sich selbst heraus, ohne Mithilfe der Beamten, die Entscheidung getroffen. Natürlich ist kein Wunder geschehen und gewiß hat irgendein Beamter die Erledigung oder eine ungeschriebene Entscheidung getroffen, jedenfalls kann aber wenigstens von uns aus, von hier aus, ja selbst vom Amt aus nie festgestellt werden, welcher Beamte in diesem Fall entschieden hat und aus welchen Gründen. Erst die Kontrollämter stellen das viel später fest, wir aber erfahren es nicht mehr, es würde übrigens dann auch kaum jemanden noch interessieren. Nun sind, wie gesagt, gerade diese Entscheidungen meistens vortrefflich. Störend ist an ihnen nur, daß man, wie es gewöhnlich die Sache mit sich bringt, von diesen Entscheidungen zu spät erfährt und daher inzwischen über längst entschiedene Angelegenheit noch immer leidenschaftlich berät. Ich weiß nicht, ob in Ihrem Fall eine solche Entscheidung ergangen ist - manches spricht dafür, manches dagegen - wenn es aber geschehen wäre, so wäre die Berufung an Sie geschickt worden und Sie hätten die große Reise hierher gemacht, viel Zeit wäre dabei vergangen und inzwischen hätte noch immer Sordini hier in der gleichen Sache bis zur Erschöpfung gearbeitet, Brunswick intrigiert und ich wäre von beiden gequält worden. Diese Möglichkeit deute ich nur an, bestimmt aber weiß ich folgendes: Ein Kontrollbeamter entdeckte inzwischen, daß aus der Abteilung A vor vielen Jahren an die Gemeinde eine Anfrage wegen eines Landvermessers ergangen sei, ohne daß bisher eine Antwort gekommen wäre. Man fragte neuerlich bei mir an, und nun war freilich die ganze Sache aufgeklärt, die Abteilung A begnügte sich mit meiner Antwort, daß kein Landvermesser nötig sei, und Sordini mußte erkennen, daß er in diesem Falle nicht zuständig gewesen war und, freilich schuldlos, so viele unnütze nervenzerstörende Arbeit geleistet hatte. Wenn nicht neue Arbeit von allen Seiten sich herangedrängt hätte wie immer und wenn nicht Ihr Fall doch nur ein sehr kleiner Fall gewesen wäre - man kann fast sagen, der kleinste unter den kleinen - so hätten wir wohl alle aufgeatmet, ich glaube sogar Sordini selbst, nur Brunswick grollte, aber das war nur lächerlich. Und nun stellen Sie sich, Herr Landvermesser, meine Enttäuschung vor, als jetzt, nach glücklicher Beendigung der ganzen Angelegenheit - und auch seither ist schon wieder viel Zeit verflossen - plötzlich Sie auftreten und es den Anschein bekommt, als sollte die Sache wieder von vorn beginnen. Daß ich fest entschlossen bin, dies, soweit es an mir liegt, auf keinen Fall zuzulassen, das werden Sie wohl verstehen?“

[¶20] “Certainly,” said K., “but I understand better still that a terrible abuse of my case, and probably of the law, is being carried on. As for me, I shall know how to protect myself against it.”

> German: „Gewiß,“ sagte K., „noch besser aber verstehe ich, daß hier ein entsetzlicher Mißbrauch mit mir, vielleicht sogar mit den Gesetzen getrieben wird. Ich werde mich für meine Person dagegen zu wehren wissen.“

[¶21] “How will you do it?” asked the Superintendent.

> German: „Wie wollen Sie das tun?“ fragte der Vorsteher.

[¶22] “I’m not at liberty to reveal that,” said K.

> German: „Das kann ich nicht verraten“, sagte K.

[¶23] “I don’t want to press myself upon you,” said the Superintendent, “only I would like you to reflect that in me you have—I won’t say a friend, for we’re complete strangers of course—but to some extent a business friend. The only thing I will not agree to is that you should be taken on as Land Surveyor, but in other matters you can draw on me with confidence, frankly to the extent of my power, which isn’t great.”

> German: „Ich will mich nicht aufdrängen,“ sagte der Vorsteher, „nur gebe ich Ihnen zu bedenken, daß Sie in mir - ich will nicht sagen einen Freund, denn wir sind ja völlig Fremde - aber gewissermaßen einen Geschäftsfreund haben. Nur daß Sie als Landvermesser aufgenommen werden, lasse ich nicht zu, sonst aber können Sie sich immer mit Vertrauen an mich wenden, freilich in den Grenzen meiner Macht, die nicht groß ist.“

[¶24] “You always talk of the one thing,” said K., “that I shan’t be taken on as Land Surveyor, but I’m Land Surveyor already, here is Klamm’s letter.”

> German: „Sie sprechen immer davon,“ sagte K., „daß ich als Landvermesser aufgenommen werden soll, aber ich bin doch schon aufgenommen, hier ist Klamms Brief.“

[¶25] “Klamm’s letter,” said the Superintendent. “That’s valuable and worthy of respect on account of Klamm’s signature which seems to be genuine, but all the same—yet I won’t dare to advance it on my own unsupported word. Mizzi,” he called, and then: “But what are you doing?”

> German: „Klamms Brief,“ sagte der Vorsteher, „er ist wertvoll und ehrwürdig durch Klamms Unterschrift, die echt zu sein scheint, sonst aber - doch ich wage es nicht, mich allein dazu zu äußern. Mizzi!“ rief er und dann: „Aber was macht ihr denn?“

[¶26] Mizzi and the assistants, left so long unnoticed, had clearly not found the paper they were looking for, and had then tried to shut everything up again in the cabinet, but on account of the confusion and superabundance of papers had not succeeded. Then the assistants had hit upon the idea which they were carrying out now. They had laid the cabinet on its back on the floor, crammed all the documents in, then along with Mizzi had knelt on the cabinet door and were trying now in this way to get it shut.

> German: Die so lange unbeachteten Gehilfen und Mizzi hatten offenbar den gesuchten Akt nicht gefunden, hatten dann alles wieder in den Schrank sperren wollen, aber es war ihnen wegen der ungeordneten Überfülle der Akten nicht gelungen. Da waren wohl die Gehilfen auf den Gedanken gekommen, den sie jetzt ausführten. Sie hatten den Schrank auf den Boden gelegt, alle Akten hineingestopft, hatten sich dann mit Mizzi auf die Schranktüre gesetzt und suchten jetzt so sie langsam niederzudrücken.

[¶27] “So the paper hasn’t been found,” said the Superintendent. “A pity, but you know the story already; really we don’t need the paper now, besides it will certainly be found sometime yet; probably it’s at the teacher’s place, there’s a great pile of papers there too. But come over here now with the candle, Mizzi, and read this letter for me.”

> German: „Der Akt ist also nicht gefunden,“ sagte der Vorsteher, „schade, aber die Geschichte kennen Sie ja schon, eigentlich brauchen wir den Akt nicht mehr, übrigens wird er gewiß noch gefunden werden, er ist wahrscheinlich beim Lehrer, bei dem noch sehr viele Akten sind. Aber komm nun mit der Kerze her, Mizzi, und lies mit mir diesen Brief.“

[¶28] Mizzi went over and now looked still more grey and insignificant as she sat on the edge of the bed and leaned against the strong vigorous man, who put his arm round her. In the candlelight only her pinched face was cast into relief, its simple and austere lines softened by nothing but age. Hardly had she glanced at the letter when she clasped her hands lightly and said, “From Klamm.” Then they read the letter together, whispered for a moment and at last, just as the assistants gave a “Hurrah!” for they had finally got the cabinet door shut—which earned them a look of silent gratitude from Mizzi—the Superintendent said:

> German: Mizzi kam und sah nun noch grauer und unscheinbarer aus, als sie auf dem Bettrand saß und sich an den starken lebenerfüllten Mann drückte, der sie umfaßt hielt. Nur ihr kleines Gesicht fiel jetzt im Kerzenlicht auf, mit klaren strengen, nur durch den Verfall des Alters gemilderten Linien. Kaum hatte sie in den Brief geblickt, faltete sie leicht die Hände, „von Klamm“ sagte sie. Sie lasen dann gemeinsam den Brief, flüsterten ein wenig miteinander und schließlich während die Gehilfen gerade Hurra riefen, denn sie hatten endlich die Schranktüre zugedrückt und Mizzi sah still dankbar zu ihnen hin, sagte der Vorsteher:

[¶29] “Mizzi is quite of my opinion and now I am at liberty to express it. This letter is in no sense an official letter, but only a private letter. That can be clearly seen in the very mode of address: ‘My dear Sir.’ Moreover, there isn’t a single word in it showing that you’ve been taken on as Land Surveyor; on the contrary it’s all about state service in general, and even that is not absolutely guaranteed, as you know, that is, the task of proving that you are taken on is laid on you. Finally, you are officially and expressly referred to me, the Superintendent, as your immediate superior, for more detailed information, which, indeed, has in great part been given already. To anyone who knows how to read official communications, and consequently knows still better how to read unofficial letters, all this is only too clear. That you, a stranger, don’t know it doesn’t surprise me. In general the letter means nothing more than that Klamm intends to take a personal interest in you if you should be taken into the state service.”

> German: „Mizzi ist völlig meiner Meinung und nun kann ich es wohl auszusprechen wagen. Dieser Brief ist überhaupt keine amtliche Zuschrift, sondern ein Privatbrief. Das ist schon an der Überschrift: „Sehr geehrter Herr!“ deutlich erkennbar. Außerdem ist darin mit keinem Wort gesagt, daß Sie als Landvermesser aufgenommen sind, es ist vielmehr nur im allgemeinen von herrschaftlichen Diensten die Rede und auch das ist nicht bindend ausgesprochen, sondern Sie sind nur aufgenommen, wie Sie wissen, d. h. die Beweislast dafür, daß Sie aufgenommen sind, ist Ihnen auferlegt. Endlich werden Sie in amtlicher Hinsicht ausschließlich an mich, den Vorsteher als Ihren nächsten Vorgesetzten, verwiesen, der Ihnen alles Nähere mitteilen soll, was ja zum größten Teil schon geschehen ist. Für einen, der amtliche Zuschriften zu lesen versteht und infolgedessen nichtamtliche Briefe noch besser liest, ist das alles überdeutlich. Daß Sie, ein Fremder, das nicht erkennen, wundert mich nicht. Im ganzen bedeutet der Brief nichts anderes, als daß Klamm persönlich sich um Sie zu kümmern beabsichtigt, für den Fall, daß Sie in herrschaftliche Dienste aufgenommen werden.“

[¶30] “Superintendent,” said K., “you interpret the letter so well that nothing remains of it but a signature on a blank sheet of paper. Don’t you see that in doing this you depreciate Klamm’s name, which you pretend to respect?”

> German: „Sie deuten, Herr Vorsteher“, sagte K., „den Brief so gut, daß schließlich nichts anderes übrigbleibt als die Unterschrift auf einem leeren Blatt Papier. Merken Sie nicht, wie Sie damit Klamms Namen, den Sie zu achten vorgeben, herabwürdigen.“

[¶31] “You’ve misunderstood me,” said the Superintendent, “I don’t misconstrue the meaning of the letter, my reading of it doesn’t disparage it, on the contrary. A private letter from Klamm has naturally far more significance than an official letter, but it hasn’t precisely the kind of significance that you attach to it.”

> German: „Das ist ein Mißverständnis“, sagte der Vorsteher. „Ich verkenne die Bedeutung des Briefes nicht, ich setze ihn durch meine Auslegung nicht herab, im Gegenteil. Ein Privatbrief Klamms hat natürlich viel mehr Bedeutung als eine amtliche Zuschrift, nur gerade die Bedeutung, die Sie ihm beilegen, hat er nicht.“

[¶32] “Do you know Schwarzer?” asked K.

> German: „Kennen Sie Schwarzer?“ fragte K.

[¶33] “No,” replied the Superintendent. “Perhaps you know him, Mizzi? You don’t know him either? No, we don’t know him.”

> German: „Nein,“ sagte der Vorsteher, „du vielleicht, Mizzi? Auch nicht. Nein, wir kennen ihn nicht.“

[¶34] “That’s strange,” said K., “he’s a son of one of the under-castellans.”

> German: „Das ist merkwürdig,“ sagte K., „er ist der Sohn eines Unterkastellans.“

[¶35] “My dear Land Surveyor,” replied the Superintendent, “how on earth should I know all the sons of all the under-castellans?”
“Right,” said K., “then you’ll just have to take my word that he is one. I had a sharp encounter with this Schwarzer on the very day of my arrival. Afterwards he made a telephone enquiry of an under-castellan called Fritz and received the information that I was engaged as Land Surveyor. How do you explain that, Superintendent?”

> German: „Lieber Herr Landvermesser,“ sagte der Vorsteher, „wie soll ich denn alle Söhne aller Unterkastellane kennen?“ „Gut,“ sagte K., „dann müssen Sie mir also glauben, daß er es ist. Mit diesem Schwarzer hatte ich noch am Tage meiner Ankunft einen ärgerlichen Auftritt. Er erkundigte sich dann telephonisch bei einem Unterkastellan namens Fritz und bekam die Auskunft, daß ich als Landvermesser aufgenommen sei. Wie erklären Sie sich das, Herr Vorsteher?“

[¶36] “Very simply,” replied the Superintendent. “You haven’t once up till now come into real contact with our authorities. All those contacts of yours have been illusory, but owing to your ignorance of the circumstances you take them to be real. And as for the telephone: As you see, in my place, though I’ve certainly enough to do with the authorities, there’s no telephone. In inns and suchlike places it may be of real use, as much use say as a penny in the slot musical instrument, but it’s nothing more than that. Have you ever telephoned here? Yes? Well, then perhaps you’ll understand what I say. In the Castle the telephone works beautifully of course, I’ve been told it’s going there all the time, that naturally speeds up the work a great deal. We can hear this continual telephoning in our telephones down here as a humming and singing, you must have heard it too. Now this humming and singing transmitted by our telephones is the only real and reliable thing you’ll hear, everything else is deceptive. There’s no fixed connection with the Castle, no central exchange which transmits our calls further. When anybody calls up the Castle from here the instruments in all the subordinate departments ring, or rather they would all ring if practically all the departments—I know it for a certainty—didn’t leave their receivers off. Now and then, however, a fatigued official may feel the need of a little distraction, especially in the evenings and at night, and may hang the receiver on. Then we get an answer, but an answer of course that’s merely a practical joke. And that’s very understandable too. For who would take the responsibility of interrupting, in the middle of the night, the extremely important work up there that goes on furiously the whole time, with a message about his own little private troubles? I can’t comprehend how even a stranger can imagine that when he calls up Sordini, for example, it’s really Sordini that answers. Far more probably it’s a little copying clerk from an entirely different department. On the other hand, it may certainly happen once in a blue moon that when one calls up the little copying clerk Sordini will answer himself. Then finally the best thing is to fly from the telephone before the first sound comes through.”

> German: „Sehr einfach,“ sagte der Vorsteher, „Sie sind eben noch niemals wirklich mit unseren Behörden in Berührung gekommen. Alle diese Berührungen sind nur scheinbar, Sie aber halten sie infolge Ihrer Unkenntnis der Verhältnisse für wirklich. Und was das Telephon betrifft: Sehen Sie, bei mir, der ich doch wahrlich genug mit den Behörden zu tun habe, gibt es kein Telephon. In Wirtsstuben u. dgl. da mag es gute Dienste leisten, so etwa wie ein Musikautomat, mehr ist es auch nicht. Haben Sie schon einmal hier telephoniert, ja? Nun also, dann werden Sie mich vielleicht verstehen. Im Schloß funktioniert das Telefon offenbar ausgezeichnet, wie man mir erzählt hat, wird dort ununterbrochen telephoniert, was natürlich das Arbeiten sehr beschleunigt. Dieses ununterbrochene Telephonieren hören wir in den hiesigen Telephonen als Rauschen und Gesang, das haben Sie gewiß auch gehört. Nun ist aber dieses Rauschen und dieser Gesang das einzige Richtige und Vertrauenswerte, was uns die hiesigen Telephone übermitteln, alles andere ist trügerisch. Es gibt keine bestimmte telephonische Verbindung mit dem Schloß, keine Zentralstelle, welche unsere Anrufe weiterleitet. Wenn man von hier aus jemanden im Schloß anruft, läutet es dort bei allen Apparaten der untersten Abteilungen oder vielmehr es würde bei allen läuten, wenn nicht, wie ich bestimmt weiß, bei fast allen dieses Läutwerk abgestellt wäre. Hie und da aber hat ein übermüdeter Beamter das Bedürfnis, sich ein wenig zu zerstreuen, besonders am Abend oder bei Nacht, und schaltet das Läutwerk ein. Dann bekommen wir Antwort, allerdings eine Antwort, die nichts ist als Scherz. Es ist das ja auch sehr verständlich. Wer darf denn Anspruch erheben, wegen seiner privaten kleinen Sorgen mitten in der Nacht in die wichtigsten und immer rasend vor sich gehenden Arbeiten hineinzuläuten. Ich begreife auch nicht, wie selbst ein Fremder glauben kann, daß, wenn er z. B. Sordini anruft, es auch wirklich Sordini ist, der ihm antwortet. Vielmehr ist es wahrscheinlich ein kleiner Registrator einer ganz anderen Abteilung. Dagegen kann es allerdings in auserlesener Stunde geschehen, daß, wenn man den kleinen Registrator anruft, Sordini selbst die Antwort gibt. Dann freilich ist es besser, man läuft vom Telephon weg, ehe der erste Laut zu hören ist.“

[¶37] “I didn’t know it was like that, certainly,” said K. “I couldn’t know of all these peculiarities, but I didn’t put much confidence in those telephone conversations and I was always aware that the only things of real importance were those that happened in the Castle itself.”

> German: „So habe ich das allerdings nicht angesehen,“ sagte K., „diese Einzelheiten konnte ich nicht wissen, viel Vertrauen aber hatte ich zu diesen telephonischen Gesprächen nicht und war mir immer dessen bewußt, daß nur das wirkliche Bedeutung hat, was man geradezu im Schloß erfährt oder erreicht.“

[¶38] “No,” said the Superintendent, holding firmly on to the word, “these telephone replies certainly have a meaning, why shouldn’t they? How could a message given by an official from the Castle be unimportant? As I remarked before apropos Klamm’s letter. All these utterances have no official significance; when you attach official significance to them you go astray. On the other hand, their private significance in a friendly or hostile sense is very great, generally greater than an official communication could ever have.”

> German: „Nein,“ sagte der Vorsteher, an einem Wort sich festhaltend, „wirkliche Bedeutung kommt diesen telephonischen Antworten durchaus zu, wie denn nicht? Wie sollte eine Auskunft, die ein Beamter aus dem Schloß gibt, bedeutungslos sein? Ich sagte es schon gelegentlich des Klammschen Briefes. Alle diese Äußerungen haben keine amtliche Bedeutung; wenn Sie ihnen amtliche Bedeutung zuschreiben, gehen Sie in die Irre, dagegen ist ihre private Bedeutung in freundschaftlichem oder feindseligem Sinne sehr groß, meist größer als eine amtliche Bedeutung jemals sein könnte.“

[¶39] “Good,” said K. “Granted that all this is so, I should have lots of good friends in the Castle: looked at rightly the sudden inspiration of that department all these years ago—saying that a Land Surveyor should be asked to come—was an act of friendship towards myself; but then in the sequel one act was followed by another, until at last, on an evil day, I was enticed here and then threatened with being thrown out again.”

> German: „Gut,“ sagte K., „angenommen, daß sich alles so verhält, dann hätte ich also eine Menge guter Freunde im Schloß; genau besehen, war schon damals vor vielen Jahren der Einfall jener Abteilung, man könnte einmal einen Landvermesser kommen lassen, ein Freundschaftsakt mir gegenüber und in der Folgezeit reihte sich dann einer an den andern, bis ich dann allerdings zum bösen Ende hergelockt wurde und man mir mit dem Hinauswurf droht.“

[¶40] “There’s a certain amount of truth in your view of the case,” said the Superintendent; “you’re right in thinking that the pronouncements of the Castle are not to be taken literally. But caution is always necessary, not only here, and always the more necessary the more important the pronouncement in question happens to be. But when you went on to talk about being enticed, I ceased to fathom you. If you had followed my explanation more carefully, then you must have seen that the question of your being summoned here is far too difficult to be settled here and now in the course of a short conversation.”

> German: „Es ist eine gewisse Wahrheit in Ihrer Auffassung,“ sagte der Vorsteher, „Sie haben darin recht, daß man die Äußerungen des Schlosses nicht wortwörtlich hinnehmen darf. Aber Vorsicht ist doch überall nötig, nicht nur hier, und desto nötiger, je wichtiger die Äußerung ist, um die es sich handelt. Was Sie dann aber vom Herlocken sagten, ist mir unbegreiflich. Wären Sie meinen Ausführungen besser gefolgt, dann müßten Sie doch wissen, daß die Frage Ihrer Hierherberufung viel zu schwierig ist, als daß wir sie hier im Laufe einer kleinen Unterhaltung beantworten könnten.“

[¶41] “So the only remaining conclusion,” said K., “is that everything is very uncertain and insoluble, including my being thrown out.”

> German: „So bleibt dann das Ergebnis,“ sagte K., „daß alles sehr unklar und unlösbar ist, bis auf den Hinauswurf.“

[¶42] “Who would take the risk of throwing you out, Land Surveyor?” asked the Superintendent. “The very uncertainty about your summons guarantees you the most courteous treatment, only you’re too sensitive by all appearances. Nobody keeps you here, but that surely doesn’t amount to throwing you out.”

> German: „Wer wollte wagen, Sie hinauszuwerfen, Herr Landvermesser,“ sagte der Vorsteher „eben die Unklarheit der Vorfragen verbürgt Ihnen die höflichste Behandlung, nur sind Sie dem Anschein nach zu empfindlich. Niemand hält Sie hier zurück, aber das ist doch noch kein Hinauswurf.“

[¶43] “Oh, Superintendent,” said K., “now again you’re taking far too simple a view of the case. I’ll enumerate for your benefit a few of the things that keep me here: the sacrifice I made in leaving my home, the long and difficult journey, the well-grounded hopes I built on my engagement here, my complete lack of means, the impossibility after this of finding some other suitable job at home, and last but not least my fiancée, who lives here.”
“Oh, Frieda!” said the Superintendent without showing any surprise. “I know. But Frieda would follow you anywhere. As for the rest of what you said, some consideration will be necessary and I’ll communicate with the Castle about it. If a decision should be come to, or if it should be necessary first to interrogate you again, I’ll send for you. Is that agreeable to you?”

> German: „Oh, Herr Vorsteher,“ sagte K., „nun sind wieder Sie es, der manches allzu klar sieht. Ich werde Ihnen einiges davon aufzählen, was mich hier zurückhält: die Opfer, die ich brachte, um von zu Hause fortzukommen, die lange schwere Reise, die begründeten Hoffnungen, die ich mir wegen der Aufnahme hier machte, meine vollständige Vermögenslosigkeit, die Unmöglichkeit, jetzt wieder eine andere entsprechende Arbeit zu Hause zu finden, und endlich nicht zum wenigsten meine Braut, die eine Hiesige ist.“ „Ach Frieda“, sagte der Vorsteher ohne jede Überraschung. „Ich weiß. Aber Frieda würde Ihnen überallhin folgen. Was freilich das übrige betrifft, so sind hier allerdings gewisse Erwägungen nötig und ich werde darüber ins Schloß berichten. Sollte eine Entscheidung kommen, oder sollte es vorher nötig sein, Sie noch einmal zu verhören, werde ich Sie holen lassen. Sind Sie damit einverstanden?“

[¶44] “No, absolutely,” said K. “I don’t want any act of favour from the Castle, but my rights.”

> German: „Nein, gar nicht,“ sagte K., „ich will keine Gnadengeschenke vom Schloß, sondern mein Recht.“

[¶45] “Mizzi,” the Superintendent said to his wife, who still sat pressed against him, and lost in a daydream was playing with Klamm’s letter, which she had folded into the shape of a little boat—K. snatched it from her in alarm. “Mizzi, my foot is beginning to throb again, we must renew the compress.”

> German: „Mizzi“, sagte der Vorsteher zu seiner Frau, die noch immer an ihn gedrückt dasaß und traumverloren mit Klamms Brief spielte, aus dem sie ein Schiffchen geformt hatte, erschrocken nahm es ihr K. jetzt fort. „Mizzi, das Bein fängt mich wieder sehr zu schmerzen an, wir werden den Umschlag erneuern müssen.“

[¶46] K. got up. “Then I’ll take my leave,” he said. “Hm,” said Mizzi, who was already preparing a poultice, “the last one was drawing too strongly.” K. turned away. At his last words the assistants with their usual misplaced zeal to be useful had thrown open both wings of the door. To protect the sickroom from the strong draught of cold air which was rushing in, K. had to be content with making the Superintendent a hasty bow. Then, pushing the assistants in front of him, he rushed out of the room and quickly closed the door.

> German: K. erhob sich, „dann werde ich mich also empfehlen“, sagte er. „Ja,“ sagte Mizzi, die schon eine Salbe zurecht machte, „es zieht auch zu stark.“ K. wandte sich um. Die Gehilfen hatten in ihrem immer unpassenden Diensteifer, gleich auf K.s Bemerkung hin, beide Türflügel geöffnet. K. konnte, um das Krankenzimmer vor der mächtig eindringenden Kälte zu bewahren, nur flüchtig vor dem Vorsteher sich verbeugen. Dann lief er, die Gehilfen mit sich reißend, aus dem Zimmer und schloß schnell die Tür.

## 6. Chapter VI · Das sechste Kapitel

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[¶0] Before the inn the landlord was waiting for him. Without being questioned he would not have ventured to address him, accordingly K. asked what he wanted. “Have you found new lodgings yet?” asked the landlord, looking at the ground. “You were told to ask by your wife?” replied K., “you’re very much under her influence?” “No,” said the landlord, “I didn’t ask because of my wife. But she’s very bothered and unhappy on your account, can’t work, lies in bed and sighs and complains all the time.” “Shall I go and see her?” asked K. “I wish you would,” said the landlord. “I’ve been to the Superintendent’s already to fetch you. I listened at the door, but you were talking. I didn’t want to disturb you, besides I was anxious about my wife and ran back again; but she wouldn’t see me, so there was nothing for it but to wait for you.” “Then let’s go at once,” said K., “I’ll soon reassure her.” “If you could only manage it,” said the landlord.

> German: Vor dem Wirtshaus erwartete ihn der Wirt. Ohne gefragt zu werden, hätte er nicht zu sprechen gewagt, deshalb fragte ihn K., was er wolle. „Hast du schon eine neue Wohnung?“ fragte der Wirt, zu Boden sehend. „Du fragst im Auftrag deiner Frau,“ sagte K., „du bist wohl sehr abhängig von ihr?“ „Nein,“ sagte der Wirt, „ich frage nicht in ihrem Auftrag. Aber sie ist sehr aufgeregt und unglücklich deinetwegen, kann nicht arbeiten, liegt im Bett und seufzt und klagt fortwährend.“ „Soll ich zu ihr gehen?“ fragte K. „Ich bitte dich darum,“ sagte der Wirt, „ich wollte dich schon vom Vorsteher holen, horchte dort an der Tür, aber ihr wart im Gespräch, ich wollte nicht stören, auch hatte ich Sorge wegen meiner Frau, lief wieder zurück, sie ließ mich aber nicht zu sich, so blieb mir nichts übrig, als auf dich zu warten.“ „Dann komm also schnell,“ sagte K., „ich werde sie bald beruhigen.“ „Wenn es nur gelingen wollte“, sagte der Wirt.

[¶1] They went through the bright kitchen where three or four maids, engaged all in different corners at the work they were happening to be doing, visibly stiffened on seeing K. From the kitchen the sighing of the landlady could already be heard. She lay in a windowless annex separated from the kitchen by thin lath boarding. There was room in it only for a huge family bed and a chest. The bed was so placed that from it one could overlook the whole kitchen and superintend the work. From the kitchen, on the other hand, hardly anything could be seen in the annex. There it was quite dark, only the faint gleam of the purple bed-coverlet could be distinguished. Not until one entered and one’s eyes became used to the darkness did one detach particular objects.

> German: Sie gingen durch die lichte Küche, wo drei oder vier Mägde, jede weit von der andern, bei ihrer zufälligen Arbeit im Anblick K.s förmlich erstarrten. Schon in der Küche hörte man das Seufzen der Wirtin. Sie lag in einem durch eine leichte Bretterwand von der Küche abgetrennten fensterlosen Verschlag. Er hatte nur Raum für ein großes Ehebett und einen Schrank. Das Bett war so aufgestellt, daß man von ihm aus die ganze Küche übersehen und die Arbeit beaufsichtigen konnte. Dagegen war von der Küche aus im Verschlag kaum etwas zu sehen. Dort war es ganz finster, nur das weinrote Bettzeug schimmerte ein wenig hervor. Erst wenn man eingetreten war und die Augen sich eingewöhnt hatten, unterschied man Einzelheiten.

[¶2] “You’ve come at last,” said the landlady feebly. She was lying stretched out on her back, she breathed with visible difficulty, she had thrown back the feather quilt. In bed she looked much younger than in her clothes, but a nightcap of delicate lacework which she wore, although it was too small and nodded on her head, made her sunk face look pitiable. “Why should I have come?” asked K. mildly. “You didn’t send for me.” “You shouldn’t have kept me waiting so long,” said the landlady with the capriciousness of an invalid. “Sit down,” she went on pointing to the bed, “and you others go away.” Meantime the maids as well as the assistants had crowded in. “I’ll go too, Gardana,” said the landlord, This was the first time that K. had heard her name. “Of course,” she replied slowly, and as if she were occupied with other thoughts she added absently: “Why should you remain any more than the others?” But when they had all retreated to the kitchen—even the assistants this time went at once, besides, a maid was behind them—Gardana was alert enough to grasp that everything she said could be heard in there, for the annex lacked a door, and so she commanded everyone to leave the kitchen as well. It was immediately done.

> German: „Endlich kommen Sie“, sagte die Wirtin schwach. Sie lag auf dem Rücken ausgestreckt, der Atem machte ihr offenbar Beschwerden, sie hatte das Federbett zurückgeworfen. Sie sah im Bett viel jünger aus als in den Kleidern, aber ein Nachthäubchen aus zartem Spitzengewebe, das sie trug, trotzdem es zu klein war und auf ihrer Frisur schwankte, machte die Verfallenheit des Gesichtes mitleiderregend. „Wie hätte ich kommen sollen?“ sagte K. sanft. „Sie haben mich doch nicht rufen lassen.“ „Sie hätten mich nicht so lange warten lassen sollen“, sagte die Wirtin mit dem Eigensinn des Kranken. „Setzen Sie sich,“ sagte sie und zeigte auf den Bettrand, „ihr andern geht aber fort.“ Außer den Gehilfen hatten sich inzwischen auch die Mägde eingedrängt. „Ich will auch fortgehen, Gardana“, sagte der Wirt. K. hörte zum erstenmal den Namen der Frau. „Natürlich“, sagte sie langsam, und als sei sie mit anderen Gedanken beschäftigt, fügte sie zerstreut hinzu: „Warum solltest denn gerade du bleiben?“ Aber als sich alle in die Küche zurückgezogen hatten, auch die Gehilfen folgten diesmal gleich, allerdings waren sie hinter einer Magd her, war Gardana doch aufmerksam genug, um zu erkennen, daß man aus der Küche alles hören konnte, was hier gesprochen wurde, denn der Verschlag hatte keine Tür, und so befahl sie allen, auch die Küche zu verlassen. Es geschah sofort.

[¶3] “Land Surveyor,” said Gardana, “there’s a wrap hanging over there beside the chest, will you please reach me it. I’ll lay it over me. I can’t bear the feather quilt, my breathing is so bad.” And as K. handed her the wrap, she went on: “Look, this is a beautiful wrap, isn’t it?” To K. it seemed to be an ordinary woollen wrap; he felt it with his fingers again merely out of politeness, but did not reply. “Yes, it’s a beautiful wrap,” said Gardana covering herself up. Now she lay back comfortably, all her pain seemed to have gone, she actually had enough strength to think of the state of her hair which had been disordered by her lying position; she raised herself up for a moment and rearranged her coiffure a little round the nightcap. Her hair was abundant.

> German: „Bitte,“ sagte dann Gardana, „Herr Landvermesser, gleich vorn im Schrank hängt ein Umhängetuch, reichen Sie es mir, ich will mich damit zudecken, ich ertrage das Federbett nicht, ich atme so schwer.“ Und als ihr K. das Tuch gebracht hatte, sagte sie: „Sehen Sie, das ist ein schönes Tuch, nicht wahr?“ K. schien es ein gewöhnliches Wolltuch zu sein, er befühlte es nur aus Gefälligkeit noch einmal, sagte aber nichts. „Ja, es ist ein schönes Tuch", sagte Gardana und hüllte sich ein. Sie lag nun friedlich da, alles Leid schien von ihr genommen zu sein, ja sogar ihre vom Liegen in Unordnung gebrachten Haare fielen ihr ein, sie setzte sich für ein Weilchen auf und verbesserte die Frisur ein wenig rings um das Häubchen. Sie hatte reiches Haar.

[¶4] K. became impatient, and began: “You asked me, madam, whether I had found other lodgings yet.” “I asked you?” said the landlady, “no, you’re mistaken.” “Your husband asked me a few minutes ago.” “That may well be,” said the landlady, “I’m at variance with him. When I didn’t want you here, he kept you here, now that I’m glad to have you here, he wants to drive you away. He’s always like that.” “Have you changed your opinion of me so greatly, then?” asked K. “In a couple of hours?” “I haven’t changed my opinion,” said the landlady more feebly again, “give me your hand. There, and now promise to be quite frank with me and I’ll be the same with you.” “Right,” said K., “but who’s to begin first?” “I shall,” said the landlady. She did not give so much the impression of one who wanted to meet K. halfway, as of one who was eager to have the first word.

> German: K. wurde ungeduldig und sagte: „Sie ließen mich, Frau Wirtin, fragen, ob ich schon eine andere Wohnung habe.“ „Ich ließ Sie fragen?“ sagte die Wirtin, „nein, das ist ein Irrtum.“ „Ihr Mann hat mich eben jetzt danach gefragt.“ „Das glaube ich,“ sagte die Wirtin, „ich bin mit ihm geschlagen. Als ich Sie nicht hier haben wollte, hat er Sie hier gehalten, jetzt, da ich glücklich bin, daß Sie hier wohnen, treibt er Sie wieder fort. So ähnlich macht er es immer.“ „Sie haben also“, sagte K., „Ihre Meinung über mich so sehr geändert? In ein, zwei Stunden?“ „Ich habe meine Meinung nicht geändert,“ sagte die Wirtin wieder schwächer, „reichen Sie mir Ihre Hand. So, und nun versprechen Sie mir, völlig aufrichtig zu sein, auch ich will es Ihnen gegenüber sein.“ „Gut,“ sagte K., „wer wird aber anfangen?“ „Ich“, sagte die Wirtin. Es machte nicht den Eindruck, als wollte sie K. damit entgegenkommen, sondern als sei sie begierig, als erste zu reden.

[¶5] She drew a photograph from under the pillow and held it out to K. “Look at that portrait,” she said eagerly. To see it better K. stepped into the kitchen, but even there it was not easy to distinguish anything on the photograph, for it was faded with age, cracked in several places, crumpled and dirty. “It isn’t in very good condition,” said K. “Unluckily, no,” said the landlady, “when one carries a thing about with one for years it’s bound to be the case. But if you look at it carefully, you’ll be able to make everything out, you’ll see. But I can help you; tell me what you see, I like to hear anyone talk about the portrait. Well, then?” “A young man,” said K. “Right,” said the landlady, “and what is he doing?” “It seems to me he’s lying on a board stretching himself and yawning.” The landlady laughed. “Quite wrong,” she said. “But here’s the board and here he is lying on it,” persisted K. on his side. “But look more carefully,” said the landlady in annoyance, “is he really lying down?” “No,” said K. now, “he’s floating, and now I can see it, it’s not a board at all, but probably a rope, and the young man is taking a high leap.” “You see!” replied the landlady triumphantly, “he’s leaping, that’s how the official messengers practise. I knew quite well that you would make it out. Can you make out his face, too?” “I can only make out his face very dimly,” said K., “he’s obviously making a great effort, his mouth is open, his eyes tightly shut and his hair fluttering.” “Well done,” said the landlady appreciatively, “nobody who never saw him could have made out more than that. But he was a beautiful young man. I only saw him once for a second and I’ll never forget him.” “Who was he then?” asked K. “He was the messenger that Klamm sent to call me to him the first time.”

> German: Sie zog eine Photographie unter dem Polster hervor und reichte sie K. „Sehen Sie dieses Bild an“, sagte sie bittend. Um es besser zu sehen, machte K. einen Schritt in die Küche, aber auch dort war es nicht leicht, etwas auf dem Bild zu erkennen, denn dieses war vom Alter ausgebleicht, vielfach gebrochen, verdrückt und fleckig. „Es ist in keinem sehr guten Zustande“, sagte K. „Leider, leider,“ sagte die Wirtin, „wenn man es durch Jahre immer bei sich herumträgt, wird es so. Aber wenn Sie es genau ansehen, werden Sie doch alles erkennen, ganz gewiß. Ich kann Ihnen übrigens helfen, sagen Sie mir, wen Sie sehen, es freut mich sehr, von dem Bild zu hören. Was also?“ „Einen jungen Mann“, sagte K. „Richtig,“ sagte die Wirtin, „und was macht er?“ „Er liegt, glaube ich, auf einem Brett, streckt sich und gähnt.“ Die Wirtin lachte. „Das ist ganz falsch“, sagte sie. „Aber hier ist doch das Brett und hier liegt er“, beharrte K. auf seinem. „Sehen Sie doch genauer hin,“ sagte die Wirtin ärgerlich, „liegt er denn wirklich?“ „Nein,“ sagte nun K., „er liegt nicht, er schwebt und nun sehe ich es, es ist gar kein Brett, sondern wahrscheinlich eine Schnur, und der junge Mann macht einen Hochsprung.“ „Nun also,“ sagte die Wirtin erfreut, „er springt, so üben die amtlichen Boten. Ich habe es ja gewußt, daß Sie es erkennen werden. Sehen Sie auch sein Gesicht?“ „Vom Gesicht sehe ich nur sehr wenig,“ sagte K., „er strengt sich offenbar sehr an, der Mund ist offen, die Augen zusammengekniffen und das Haar flattert.“ „Sehr gut,“ sagte die Wirtin anerkennend, „mehr kann einer, der ihn nicht persönlich gesehen hat, nicht erkennen. Aber es war ein schöner Junge. Ich habe ihn nur einmal flüchtig gesehen und werde ihn nie vergessen.“ „Wer war es denn?" fragte K. „Es war der Bote, durch den Klamm mich zum ersten Male zu sich berief.“

[¶6] K. could not hear properly, his attention was distracted by the rattling of glass. He immediately discovered the cause of the disturbance. The assistants were standing outside in the yard hopping from one foot to the other in the snow, behaving as if they were glad to see him again; in their joy they pointed each other out to him and kept tapping all the time on the kitchen window. At a threatening gesture from K. they stopped at once, tried to pull one another away, but the one would slip immediately from the grasp of the other and soon they were both back at the window again. K. hurried into the annex where the assistants could not see him from outside and he would not have to see them. But the soft and as it were beseeching tapping on the windowpane followed him there too for a long time.

> German: K. konnte nicht genau zuhören, er wurde durch Klirren von Glas abgelenkt. Er fand gleich die Ursache der Störung. Die Gehilfen standen draußen im Hof, hüpften im Schnee von einem Fuß auf den andern, taten, als wären sie glücklich, K. wieder zu sehen, vor Glück zeigten sie ihn einander und tippten dabei immerfort an das Küchenfenster. Auf eine drohende Bewegung K.s ließen sie sofort davon ab, suchten einander zurückzudrängen, aber einer entwischte gleich dem andern und schon waren sie wieder beim Fenster. K. eilte in den Verschlag, wo ihn die Gehilfen von außen nicht sehen konnten und er sie nicht sehen mußte. Aber das leise wie bittende Klirren der Fensterscheibe verfolgte ihn auch dort noch lange.

[¶7] “The assistants again,” he said apologetically to the landlady and pointed outside. But she paid no attention to him, she had taken the portrait from him, looked at it, smoothed it out and pushed it again under her pillow. Her movements had become slower, but not with weariness, but with the burden of memory. She had wanted to tell K. the story of her life and had forgotten about him in thinking of the story itself. She was playing with the fringe of her wrap. A little time went by before she looked up, passed her hand over her eyes, and said: “This wrap was given me by Klamm. And the nightcap, too. The portrait, the wrap and the nightcap, these are the only three things of his I have as keepsakes. I’m not young like Frieda, I’m not so ambitious as she is, nor so sensitive either, she’s very sensitive; to put it bluntly, I know how to accommodate myself to life, but one thing I must admit, I couldn’t have held out so long here without these three keepsakes. Perhaps these three things seem very trifling to you, but let me tell you, Frieda, who has had relations with Klamm for a long time, doesn’t possess a single keepsake from him. I have asked her, she’s too fanciful, and too difficult to please besides; I, on the other hand, though I was only three times with Klamm—after that he never asked me to come again, I don’t know why—I managed to bring three presents back with me all the same, having a premonition that my time would be short. Of course one must make a point of it, Klamm gives nothing of himself, but if one sees something one likes lying about there, one can get it out of him.”
K. felt uncomfortable listening to these tales, much as they interested him. “How long ago was all that, then?” he asked with a sigh.

> German: „Wieder einmal die Gehilfen“, sagte er der Wirtin zu seiner Entschuldigung und zeigte hinaus. Sie aber achtete nicht auf ihn, das Bild hatte sie ihm fortgenommen, angesehen, geglättet und wieder unter das Polster geschoben. Ihre Bewegungen waren langsamer geworden, aber nicht vor Müdigkeit, sondern unter der Last der Erinnerungen. Sie hatte K. erzählen wollen und hatte ihn vergessen über der Erzählung. Sie spielte mit den Fransen ihres Tuches. Erst nach einem Weilchen blickte sie auf, fuhr sich mit der Hand über die Augen und sagte: „Auch dieses Tuch ist von Klamm. Und auch das Häubchen. Das Bild, das Tuch und das Häubchen, das sind die drei Andenken an ihn, die ich habe. Ich bin nicht jung wie Frieda, ich bin nicht so ehrgeizig wie sie, auch nicht so zartfühlend, sie ist sehr zartfühlend, kurz ich weiß mich in das Leben zu schicken, aber das muß ich eingestehen, ohne die drei Dinge hätte ich es hier nicht so lange ausgehalten. Diese drei Andenken scheinen Ihnen vielleicht gering, aber sehen Sie, Frieda, die so lange mit Klamm verkehrt hat, besitzt gar kein Andenken, ich habe sie gefragt, sie ist zu schwärmerisch und auch zu ungenügsam, ich dagegen, die nur dreimal bei Klamm war, später ließ er mich nicht mehr rufen, ich weiß nicht warum - habe doch wie in Vorahnung der Kürze meiner Zeit diese Andenken mitgebracht. Freilich, man muß sich darum kümmern, Klamm selbst gibt nichts, aber wenn man dort etwas Passendes liegen sieht, kann man es sich ausbitten.“ K. fühlte sich unbehaglich gegenüber diesen Geschichten, so sehr sie ihn auch betrafen. „Wie lange ist denn das alles her“, fragte er seufzend.

[¶8] “Over twenty years ago,” replied the landlady, “considerably over twenty years.”

> German: „Über zwanzig Jahre,“ sagte die Wirtin, „weit über zwanzig Jahre."

[¶9] “So one remains faithful to Klamm as long as that,” said K. “But are you aware, madam, that these stories give me grave alarm when I think of my future married life?”

> German: „So lange also hält man Klamm die Treue“, sagte K. „Sind Sie sich aber, Frau Wirtin, dessen bewußt, daß Sie mir mit solchen Geständnissen, wenn ich an meine zukünftige Ehe denke, schwere Sorgen machen?“

[¶10] The landlady seemed to consider this intrusion of his own affairs unseasonable and gave him an angry sidelook.

> German: Die Wirtin fand es ungebührlich, daß sich K. mit seinen Angelegenheiten hier einmischen wollte, und sah ihn erzürnt von der Seite an.

[¶11] “Don’t be angry, madam,” said K., “I’ve nothing at all to say against Klamm. All the same by force of circumstances I have come in a sense in contact with Klamm; that can’t be gainsaid even by his greatest admirer. Well, then. As a result of that I am forced whenever Klamm is mentioned to think of myself as well, that can’t be altered. Besides, madam,” here K. took hold of her reluctant hand, “reflect how badly our last talk turned out and that this time we want to part in peace.”
“You’re right,” said the landlady bowing her head, “but spare me. I’m not more touchy than other people; on the contrary, everyone has his sensitive spots, and I have only this one.”

> German: „Nicht so böse, Frau Wirtin,“ sagte K., „ich sage ja kein Wort gegen Klamm, aber ich bin doch durch die Macht der Ereignisse in gewisse Beziehungen zu Klamm getreten; das kann der größte Verehrer Klamms nicht leugnen. Nun also. Infolgedessen muß ich bei Klamms Erwähnung immer auch an mich denken, das ist nicht zu ändern. Übrigens, Frau Wirtin - hier faßte K. ihre zögernde Hand - denken Sie daran, wie schlecht unsere letzte Unterhaltung ausgefallen ist und daß wir diesmal in Frieden auseinandergehen wollen.“ „Sie haben recht,“ sagte die Wirtin und beugte den Kopf, „aber schonen Sie mich. Ich bin nicht empfindlicher als andere, im Gegenteil, jeder hat empfindliche Stellen, ich habe nur diese eine.“

[¶12] “Unfortunately it happens to be mine too,” said K., “but I promise to control myself. Now tell me, madam, how I am to put up with my married life in face of this terrible fidelity, granted that Frieda, too, resembles you in that?”

> German: „Leider ist es gleichzeitig auch die meinige,“ sagte K., „ich aber werde mich gewiß beherrschen; nun aber erklären Sie mir, Frau Wirtin, wie soll ich in der Ehe diese entsetzliche Treue gegenüber Klamm ertragen, vorausgesetzt, daß auch Frieda Ihnen darin ähnlich ist?“

[¶13] “Terrible fidelity!” repeated the landlady with a growl. “Is it a question of fidelity? I’m faithful to my husband—but Klamm? Klamm once chose me as his mistress, can I ever lose that honour? And you ask how you are to put up with Frieda? Oh, Land Surveyor, who are you after all, that you dare to ask such things?”

> German: „Entsetzliche Treue?“ wiederholte die Wirtin grollend. „Ist es denn Treue? Treu bin ich meinem Mann, aber Klamm? Klamm hat mich einmal zu seiner Geliebten gemacht, kann ich diesen Rang jemals verlieren? Und wie Sie es bei Frieda ertragen sollen? Ach, Herr Landvermesser, wer sind Sie denn, der so zu fragen wagt?“

[¶14] “Madame,” said K. warningly.

> German: „Frau Wirtin“, sagte K. warnend.

[¶15] “I know,” said the landlady controlling herself, “but my husband never put such questions. I don’t know which to call the unhappier, myself then or Frieda now. Frieda who saucily left Klamm, or myself whom he stopped asking to come. Yet it is probably Frieda, though she hasn’t even yet guessed the full extent of her unhappiness, it seems. Still, my thoughts were more exclusively occupied by my unhappiness then, all the same, for I had always to be asking myself one question, and in reality haven’t ceased to ask it to this day: Why did this happen? Three times Klamm sent for me, but he never sent a fourth time, no, never a fourth time! What else could I have thought of during those days? What else could I have talked about with my husband, whom I married shortly afterwards? During the day we had no time—we had taken over this inn in a wretched condition and had to struggle to make it respectable—but at night! For years all our nightly talks turned on Klamm and the reason for his changing his mind. And if my husband fell asleep during those talks I woke him and we went on again.”

> German: „Ich weiß,“ sagte die Wirtin sich fügend, „aber mein Mann hat solche Fragen nicht gestellt. Ich weiß nicht, wer unglücklicher zu nennen ist, ich damals oder Frieda jetzt. Frieda, die mutwillig Klamm verließ, oder ich, die er nicht mehr hat rufen lassen. Vielleicht ist es doch Frieda, wenn sie es auch noch nicht in seinem vollen Umfang zu wissen scheint. Aber meine Gedanken beherrschte doch mein Unglück damals ausschließlicher, denn immerfort mußte ich mich fragen und höre im Grunde auch heute noch nicht auf so zu fragen; warum ist das geschehen? Dreimal hat dich Klamm rufen lassen und zum viertenmal nicht mehr und niemals mehr zum viertenmal! Was beschäftigte mich damals mehr? Worüber konnte ich denn sonst mit meinem Mann sprechen, den ich damals kurz nachher heiratete? Bei Tag hatten wir keine Zeit, wir hatten dieses Wirtshaus in einem elenden Zustand übernommen und mußten es in die Höhe zu bringen suchen, aber in der Nacht? Jahrelang drehten sich unsere nächtlichen Gespräche nur um Klamm und die Gründe seiner Sinnesänderung. Und wenn mein Mann bei diesen Unterhaltungen einschlief, weckte ich ihn und wir sprachen weiter.“

[¶16] “Now,” said K., “if you’ll permit me, I’m going to ask a very rude question.”

> German: „Nun werde ich,“ sagte K., „wenn Sie erlauben, eine sehr grobe Frage stellen.“

[¶17] The landlady remained silent.

> German: Die Wirtin schwieg.

[¶18] “Then I mustn’t ask it,” said K. “Well, that serves my purpose as well.”
“Yes,” replied the landlady, “that serves your purpose as well, and just that serves it best. You misconstrue everything, even a person’s silence. You can’t do anything else. I allow you to ask your question.”

> German: „Ich darf also nicht fragen,“ sagte K., „auch das genügt mir.“ „Freilich,“ sagte die Wirtin, „auch das genügt Ihnen und das besonders. Sie mißdeuten alles, auch das Schweigen. Sie können eben nicht anders. Ich erlaube Ihnen zu fragen.“

[¶19] “If I misconstrue everything, perhaps I misconstrue my question as well, perhaps it’s not so rude after all. I only want to know how you came to meet your husband and how this inn came into your hands.”

> German: „Wenn ich alles mißdeute,“ sagte K., „mißdeute ich vielleicht auch meine Frage, vielleicht ist sie gar nicht so grob. Ich wollte nur wissen, wie Sie Ihren Mann kennengelernt haben und wie dieses Wirtshaus in Ihren Besitz gekommen ist?“

[¶20] The landlady wrinkled her forehead, but said indifferently: “That’s a very simple story. My father was the blacksmith, and Hans, my husband, who was a groom at a big farmer’s place, came often to see him. That was just after my last meeting with Klamm. I was very unhappy and really had no right to be so, for everything had gone as it should, and that I wasn’t allowed any longer to see Klamm was Klamm’s own decision. It was as it should be then, only the grounds for it were obscure. I was entitled to enquire into them, but I had no right to be unhappy; still I was, all the same, couldn’t work, and sat in our front garden all day. There Hans saw me, often sat down beside me. I didn’t complain to him, but he knew how things were, and as he is a good young man, he wept with me. The wife of the landlord at that time had died and he had consequently to give up business—besides he was already an old man. Well, once as he passed our garden and saw us sitting there, he stopped, and without more ado offered us the inn to rent, didn’t ask for any money in advance, for he trusted us, and set the rent at a very low figure. I didn’t want to be a burden on my father, nothing else mattered to me, and so thinking of the inn and of my new work that might perhaps help me to forget a little, I gave Hans my hand. That’s the whole story.”

> German: Die Wirtin runzelte die Stirn, sagte aber gleichmütig: „Das ist eine sehr einfache Geschichte. Mein Vater war Schmied und Hans, mein jetziger Mann, der Pferdeknecht bei einem Großbauern war, kam öfters zu meinem Vater. Es war damals nach der letzten Zusammenkunft mit Klamm. Ich war sehr unglücklich und hätte es eigentlich nicht sein dürfen, denn alles war ja korrekt vor sich gegangen, und daß ich nicht mehr zu Klamm durfte, war eben Klamms Entscheidung. War also korrekt, nur die Gründe waren dunkel, in denen durfte ich forschen, aber unglücklich hätte ich nicht sein dürfen, nun ich war es doch und konnte nicht arbeiten und saß in unserem Vorgärtchen den ganzen Tag. Dort sah mich Hans, setzte sich manchmal zu mir, ich klagte ihm nicht, aber er wußte, um was es ging, und weil er ein guter Junge ist, kam es vor, daß er mit mir weinte. Und als der damalige Gastwirt, dem die Frau gestorben war und der deshalb das Gewerbe aufgeben mußte, auch war er schon ein alter Mann, einmal an unserem Gärtchen vorüberkam, und uns dort sitzen sah, blieb er stehen und bot uns kurzer Hand das Wirtshaus zur Pacht an, wollte, weil er Vertrauen zu uns hatte, kein Geld im voraus und setzte die Pacht sehr billig an. Dem Vater wollte ich nicht zur Last fallen, alles andere war mir gleichgültig, und so reichte ich in Gedanken an das Wirtshaus und an die neue, vielleicht ein wenig Vergessen bringende Arbeit Hans die Hand. Das ist die Geschichte.“

[¶21] There was silence for a little, then K. said: “The behaviour of the landlord was generous, but rash, or had he particular grounds for trusting you both?”

> German: Es war ein Weilchen still, dann sagte K.: „Die Handlungsweise des Gastwirts war schön, aber unvorsichtig, oder hatte er besondere Gründe für sein Vertrauen zu Ihnen beiden?“

[¶22] “He knew Hans well,” said the landlady; “he was Hans’ uncle.”

> German: „Er kannte Hans gut,“ sagte die Wirtin, „er war Hansens Onkel.“

[¶23] “Well then,” said K., “Hans’ family must have been very anxious to be connected with you?”
“It may be so,” said the landlady, “I don’t know. I’ve never bothered about it.”

> German: „Dann freilich,“ sagte K., „Hansens Familie war also offenbar viel an der Verbindung mit Ihnen gelegen?“ „Vielleicht,“ sagte die Wirtin, „ich weiß es nicht, ich kümmerte mich nie darum.“

[¶24] “But it must have been so all the same,” said K., “seeing that the family was ready to make such a sacrifice and to give the inn into your hands absolutely without security.”

> German: „Es muß aber doch so gewesen sein,“ sagte K., „wenn die Familie bereit war, solche Opfer zu bringen und das Wirtshaus einfach ohne Sicherung in Ihre Hände zu geben.“

[¶25] “It wasn’t imprudent, as was proved later,” said the landlady. “I threw myself into the work, I was strong, I was the blacksmith’s daughter, I didn’t need maid or servant. I was everywhere, in the taproom, in the kitchen, in the stables, in the yard. I cooked so well that I even enticed some of the Herrenhof’s customers away. You’ve never been in the inn yet at lunchtime, you don’t know our day customers; at that time there were more of them, many of them have stopped coming since. And the consequence was that we were able not merely to pay the rent regularly, but that after a few years we bought the whole place and today it’s practically free of debt. The further consequence, I admit, was that I ruined my health, got heart’s disease, and am now an old woman. Probably you think that I’m much older than Hans, but the fact is that he’s only two or three years younger than me and will never grow any older either, for at his work—smoking his pipe, listening to the customers, knocking out his pipe again and fetching an occasional pot of beer—at that sort of work one doesn’t grow old.”

> German: „Es war nicht unvorsichtig, wie sich später gezeigt hat“, sagte die Wirtin. „Ich warf mich in die Arbeit, stark war ich, des Schmiedes Tochter, ich brauchte nicht Magd nicht Knecht, ich war überall, in der Wirtsstube, in der Küche, im Stall, im Hof, ich kochte so gut, daß ich sogar dem Herrenhof Gäste abjagte. Sie waren Mittag noch nicht in der Wirtsstube, Sie kennen nicht unsere Mittagsgäste, damals waren noch mehr, seither haben sich schon viele verlaufen. Und das Ergebnis war, daß wir nicht nur den Pachtzins richtig zahlen konnten, sondern nach einigen Jahren das Ganze kauften und es heute fast schuldenfrei ist. Das weitere Ergebnis freilich war, daß ich mich dabei zerstörte, herzkrank wurde und nun eine alte Frau geworden bin. Sie glauben vielleicht, daß ich viel älter als Hans bin, aber in Wirklichkeit ist er nur zwei oder drei Jahre jünger und wird allerdings niemals altern, denn bei seiner Arbeit - Pfeifenrauchen, den Gästen zuhören, dann die Pfeife ausklopfen und manchmal ein Bier holen - bei dieser Arbeit altert man nicht.“

[¶26] “What you’ve done has been splendid,” said K. “I don’t doubt that for a moment, but we were speaking of the time before your marriage, and it must have been an extraordinary thing at that stage for Hans’ family to press on the marriage—at a money sacrifice, or at least at such a great risk as the handing over of the inn must have been—and without trusting in anything but your powers of work, which besides nobody knew of then, and Hans’ powers of work, which everybody must have known beforehand were nil.”

> German: „Ihre Leistungen sind bewundernswert,“ sagte K., „daran ist kein Zweifel, aber wir sprachen von den Zeiten vor Ihrer Heirat und damals wäre es doch merkwürdig gewesen, wenn Hansens Familie unter Geldopfern oder zumindest mit Übernahme eines so großen Risikos, wie es die Hingabe des Wirtshauses war, zur Heirat gedrängt und hiebei keine andere Hoffnung gehabt hätte als Ihre Arbeitskraft, die man ja noch gar nicht kannte, und Hansens Arbeitskraft, deren Nichtvorhandensein man doch schon erfahren haben mußte.“

[¶27] “Oh, well,” said the landlady wearily, “I know what you’re getting at and how wide you are of the mark. Klamm had absolutely nothing to do with the matter. Why should he have concerned himself about me, or better, how could he in any case have concerned himself about me? He knew nothing about me by that time. The fact that he had ceased to summon me was a sign that he had forgotten me. When he stops summoning people, he forgets them completely. I didn’t want to talk of this before Frieda. And it’s not mere forgetting, it’s something more than that. For anybody one has forgotten can come back to one’s memory again, of course. With Klamm that’s impossible. Anybody that he stops summoning he has forgotten completely, not only as far as the past is concerned, but literally for the future as well. If I try very hard I can of course think myself into your ideas, valid, perhaps, in the very different land you come from. But it’s next thing to madness to imagine that Klamm could have given me Hans as a husband simply that I might have no great difficulty in going to him if he should summon me sometime again. Where is the man who could hinder me from running to Klamm if Klamm lifted his little finger? Madness, absolute madness, one begins to feel confused oneself when one plays with such mad ideas.”

> German: „Nun ja,“ sagte die Wirtin müde, „ich weiß ja, worauf Sie zielen und wie fehl Sie dabei gehen. Von Klamm war in allen diesen Dingen keine Spur. Warum hätte er für mich sorgen sollen oder richtiger: wie hätte er überhaupt für mich sorgen können? Er wußte ja nichts mehr von mir. Daß er mich nicht mehr hatte rufen lassen, war ein Zeichen, daß er mich vergessen hatte. Wenn er nicht mehr rufen läßt, vergißt er völlig. Ich wollte davon vor Frieda nicht reden. Es ist aber nicht nur Vergessen, es ist mehr als das. Denn welchen man vergessen hat, kann man ja wieder kennenlernen. Bei Klamm ist das nicht möglich. Wen er nicht mehr rufen läßt, den hat er nicht nur für die Vergangenheit völlig vergessen, sondern förmlich auch für alle Zukunft. Wenn ich mir viel Mühe gebe, kann ich mich ja hineindenken in Ihre Gedanken, in Ihre sinnlosen, in der Fremde, aus der Sie kommen, vielleicht gültigen Gedanken. Möglicherweise versteigen Sie sich bis zu der Tollheit, zu glauben, Klamm hätte mir gerade deshalb einen Hans zum Manne gegeben, damit ich nicht viel Hindernis habe, zu ihm zu kommen, wenn er mich in Zukunft einmal riefe. Wo wäre der Mann, der mich hindern könnte, zu Klamm zu laufen, wenn mir Klamm ein Zeichen gibt? Unsinn, völliger Unsinn, man verwirrt sich selbst, wenn man mit solchem Unsinn spielt.“

[¶28] “No,” said K., “I’ve no intention of getting confused; my thoughts hadn’t gone so far as you imagined, though, to tell the truth, they were on that road. For the moment the only thing that surprises me is that Hans’ relations expected so much from his marriage and that these expectations were actually fulfilled, at the sacrifice of your sound heart and your health, it is true. The idea that these facts were connected with Klamm occurred to me I admit, but not with the bluntness, or not till now with the bluntness that you give it—apparently with no object but to have a dig at me, because that gives you pleasure. Well, make the most of your pleasure! My idea, however, was this: first of all Klamm was obviously the occasion of your marriage. If it hadn’t been for Klamm you wouldn’t have been unhappy and wouldn’t have been sitting doing nothing in the garden, if it hadn’t been for Klamm Hans wouldn’t have seen you sitting there, if it hadn’t been that you were unhappy a shy man like Hans would never have ventured to speak, if it hadn’t been for Klamm Hans would never have found you in tears, if it hadn’t been for Klamm the good old uncle would never have seen you sitting there together peacefully, if it hadn’t been for Klamm you wouldn’t have been indifferent to what life still offered you, and therefore would never have married Hans. Now in all this there’s enough of Klamm already, it seems to me. But that’s not all. If you hadn’t been trying to forget, you certainly wouldn’t have overtaxed your strength so much and done so splendidly with the inn. So Klamm was there too. But apart from that Klamm is also the root cause of your illness, for before your marriage your heart was already worn out with your hopeless passion for him. The only question that remains now is, what made Hans’ relatives so eager for the marriage? You yourself said just now that to be Klamm’s mistress is a distinction that can’t be lost, so it may have been that that attracted them. But besides that, I imagine, they had the hope that the lucky star that led you to Klamm—assuming that it was a lucky star, but you maintain that it was—was your star and so would remain constant to you and not leave you quite so quickly and suddenly as Klamm did.”

> German: „Nein,“ sagte K., „verwirren wollen wir uns nicht, ich war mit meinen Gedanken noch lange nicht so weit, wie Sie annehmen, wenn auch, um die Wahrheit zu sagen, auf dem Wege dorthin. Vorläufig wunderte mich aber nur, daß die Verwandtschaft soviel von der Heirat erhoffte und daß diese Hoffnungen sich tatsächlich auch erfüllten, allerdings durch den Einsatz Ihres Herzens, Ihrer Gesundheit. Der Gedanke an einen Zusammenhang dieser Tatsachen mit Klamm drängte sich mir dabei allerdings auf, aber nicht oder noch nicht in der Grobheit, mit der Sie es darstellten, offenbar nur zu dem Zweck, um mich wieder einmal anfahren zu können, weil Ihnen das Freude macht. Mögen Sie die Freude haben! Mein Gedanke aber war der: Zunächst ist Klamm offenbar die Veranlassung der Heirat. Ohne Klamm wären Sie nicht unglücklich gewesen, nicht untätig im Vorgärtchen gesessen, ohne Klamm hätte Sie Hans dort nicht gesehen, ohne Ihre Traurigkeit hätte der schüchterne Hans Sie nie anzusprechen gewagt, ohne Klamm hätten Sie sich nie mit Hans in Tränen gefunden, ohne Klamm hätte der alte gute Onkel Gastwirt niemals Hans und Sie dort friedlich beisammen gesehen, ohne Klamm wären Sie nicht gleichgültig gegen das Leben gewesen, hätten also Hans nicht geheiratet. Nun, in dem allen ist doch schon genug Klamm, sollte ich meinen. Es geht aber noch weiter. Hätten Sie nicht Vergessen gesucht, hätten Sie gewiß nicht so rücksichtslos gegen sich selbst gearbeitet und die Wirtschaft nicht so hoch gebracht. Also auch hier Klamm. Aber Klamm ist auch noch, abgesehen davon, die Ursache Ihrer Krankheit, denn Ihr Herz war schon vor Ihrer Heirat von der unglücklichen Leidenschaft erschöpft. Bleibt nur noch die Frage, was Hansens Verwandte so sehr an der Heirat lockte. Sie selbst erwähnten einmal, daß, Klamms Geliebte zu sein, eine unverlierbare Rangerhöhung bedeutet, nun so mag sie also dies gelockt haben. Außerdem aber, glaube ich, die Hoffnung, daß der gute Stern, der Sie zu Klamm geführt hat - vorausgesetzt, daß es ein guter Stern war, aber Sie behaupten es - zu Ihnen gehöre, also bei Ihnen bleiben müsse und Sie nicht etwa so schnell und plötzlich verlassen werde, wie Klamm es getan hat.“

[¶29] “Do you mean all this in earnest?” asked the landlady.

> German: „Meinen Sie dieses alles im Ernst?“ fragte die Wirtin.

[¶30] “Yes, in earnest,” replied K. immediately, “only I consider Hans’ relations were neither entirely right nor entirely wrong in their hopes, and I think, too, I can see the mistake that they made. In appearance, of course, everything seems to have succeeded. Hans is well provided for, he has a handsome wife, is looked up to, and the inn is free of debt. Yet in reality everything has not succeeded, he would certainly have been much happier with a simple girl who gave him her first love, and if he sometimes stands in the inn there as if lost, as you complain, and because he really feels as if he were lost—without being unhappy over it, I grant you, I know that much about him already—it’s just as true that a handsome, intelligent young man like him would be happier with another wife, and by happier I mean more independent, industrious, manly. And you yourself certainly can’t be happy, seeing you say you wouldn’t be able to go on without these three keepsakes, and your heart is bad, too. Then were Hans’ relatives mistaken in their hopes? I don’t think so. The blessing was over you, but they didn’t know how to bring it down.”

> German: „Im Ernst,“ sagte K. schnell, „nur glaube ich, daß Hansens Verwandtschaft mit ihren Hoffnungen weder ganz recht noch ganz unrecht hatte und ich glaube auch den Fehler zu erkennen, den Sie gemacht haben. Äußerlich scheint ja alles gelungen, Hans ist gut versorgt, hat eine stattliche Frau, steht in Ehren, die Wirtschaft ist schuldenfrei. Aber eigentlich ist doch nicht alles gelungen, er wäre mit einem einfachen Mädchen, dessen erste große Liebe er gewesen wäre, gewiß viel glücklicher geworden; wenn er, wie Sie es ihm vorwerfen, manchmal in der Wirtsstube wie verloren dasteht, so deshalb, weil er sich wirklich wie verloren fühlt - ohne darüber unglücklich zu sein, gewiß, soweit kenne ich ihn schon - aber ebenso gewiß ist, daß dieser hübsche verständige Junge mit einer anderen Frau glücklicher, womit ich gleichzeitig meine: selbständiger, fleißiger, männlicher geworden wäre. Und Sie selbst sind doch gewiß nicht glücklich und, wie Sie sagten, ohne die drei Andenken wollten Sie gar nicht weiterleben und herzkrank sind Sie auch. Also hatte die Verwandtschaft mit ihren Hoffnungen unrecht? Ich glaube nicht. Der Segen war über Ihnen, aber man verstand nicht, ihn herunterzuholen.“

[¶31] “Then what did they miss doing?” asked the landlady. She was lying outstretched on her back now gazing up at the ceiling.

> German: „Was hat man denn versäumt?“ fragte die Wirtin. Sie lag nun ausgestreckt auf dem Rücken und blickte zur Decke empor.

[¶32] “To ask Klamm,” said K.

> German: „Klamm zu fragen“, sagte K.

[¶33] “So we’re back at your case again,” said the landlady.

> German: „So wären wir also wieder bei Ihnen“, sagte die Wirtin.

[¶34] “Or at yours,” said K. “Our affairs run parallel.”

> German: „Oder bei Ihnen,“ sagte K., „unsere Angelegenheiten grenzen aneinander.“

[¶35] “What do you want from Klamm?” asked the landlady. She had sat up, had shaken out the pillows so as to lean her back against them, and looked K. full in the eyes. “I’ve told you frankly about my experiences, from which you should have been able to learn something. Tell me now as frankly what you want to ask Klamm. I’ve had great trouble in persuading Frieda to go up to her room and stay there, I was afraid you wouldn’t talk freely enough in her presence.”

> German: „Was wollen Sie von Klamm?“ fragte die Wirtin. Sie hatte sich aufrecht gesetzt, die Kissen aufgeschüttelt, um sitzend sich anlehnen zu können und sah K. voll in die Augen. „Ich habe Ihnen meinen Fall, aus dem Sie einiges hätten lernen können, offen erzählt. Sagen Sie mir nun ebenso offen, was Sie Klamm fragen wollen. Nur mit Mühe habe ich Frieda überredet, in ihr Zimmer hinaufzugehen und dort zu bleiben, ich fürchtete, Sie würden in ihrer Anwesenheit nicht genug offen sprechen.“

[¶36] “I have nothing to hide,” said K. “But first of all I want to draw your attention to something. Klamm forgets immediately, you say. Now in the first place that seems very improbable to me, and secondly it is indemonstrable, obviously nothing more than legend, thought out moreover by the flapperish minds of those who have been in Klamm’s favour. I’m surprised that you believe in such a banal invention.”
“It’s no legend,” said the landlady, “it’s much rather the result of general experience.”

> German: „Ich habe nichts zu verbergen“, sagte K. „Zunächst aber will ich Sie auf etwas aufmerksam machen. Klamm vergißt gleich, sagten Sie. Das kommt mir nun erstens sehr unwahrscheinlich vor, zweitens aber ist es unbeweisbar, offenbar nichts anderes als eine Legende, ausgedacht vom Mädchenverstand derjenigen, welche bei Klamm gerade in Gnade waren. Ich wundere mich, daß Sie einer so platten Erfindung glauben.“ „Es ist keine Legende,“ sagte die Wirtin, „es ist vielmehr der allgemeinen Erfahrung entnommen.“

[¶37] “I see, a thing then to be refuted by further experience,” said K. “Besides there’s another distinction still between your case and Frieda’s. In Frieda’s case it didn’t happen that Klamm never summoned her again, on the contrary he summoned her but she didn’t obey. It’s even possible that he’s still waiting for her.”

> German: „Also auch durch neue Erfahrung zu widerlegen“, sagte K. „Dann gibt es aber auch noch einen Unterschied zwischen Ihrem und Friedas Fall. Daß Klamm Frieda nicht mehr gerufen hätte, ist gewissermaßen gar nicht vorgekommen, vielmehr hat er sie gerufen, aber sie hat nicht gefolgt. Es ist sogar möglich, daß er noch immer auf sie wartet.“

[¶38] The landlady remained silent, and only looked K. up and down with a considering stare. At last she said: “I’ll try to listen quietly to what you have to say. Speak frankly and don’t spare my feelings. I’ve only one request. Don’t use Klamm’s name. Call him ‘him’ or something, but don’t mention him by name.”

> German: Die Wirtin schwieg, und ließ nur ihren Blick beobachtend an K. auf und ab gehen. Dann sagte sie: „Ich will allem, was Sie zu sagen haben, ruhig zuhören. Reden Sie lieber offen, als daß Sie mich schonen. Nur eine Bitte habe ich. Gebrauchen Sie nicht Klamms Namen. Nennen Sie ihn ,er’ oder sonstwie, aber nicht beim Namen.“

[¶39] “Willingly,” replied K., “but what I want from him is difficult to express. Firstly, I want to see him at close quarters; then I want to hear his voice; then I want to get from him what his attitude is to our marriage. What I shall ask from him after that depends on the outcome of our interview. Lots of things may come up in the course of talking, but still the most important thing for me is to be confronted with him. You see I haven’t yet spoken with a real official. That seems to be more difficult to manage than I had thought. But now I’m put under the obligation of speaking to him as a private person, and that, in my opinion, is much easier to bring about. As an official I can only speak to him in his bureau in the Castle, which may be inaccessible, or—and that’s questionable, too—in the Herrenhof. But as a private person I can speak to him anywhere, in a house, in the street, wherever I happen to meet him. If I should find the official in front of me, then I would be glad to accost him as well, but that’s not my primary object.”

> German: „Gern,“ sagte K, „aber was ich von ihm will, ist schwer zu sagen. Zunächst will ich ihn in der Nähe sehen, dann will ich seine Stimme hören, dann will ich von ihm wissen, wie er sich zu unserer Heirat verhält. Um was ich ihn dann vielleicht noch bitten werde, hängt vom Verlauf der Unterredung ab. Es kann manches zur Sprache kommen, aber das Wichtigste ist doch für mich, daß ich ihm gegenüberstehe. Ich habe nämlich noch mit keinem wirklichen Beamten unmittelbar gesprochen. Es scheint das schwerer zu erreichen zu sein, als ich glaubte. Nun aber habe ich die Pflicht, mit ihm als einem Privatmann zu sprechen, und dieses ist meiner Meinung nach viel leichter durchzusetzen. Als Beamten kann ich ihn nur in seinem vielleicht unzugänglichem Bureau sprechen, im Schloß oder, was schon fraglich ist, im Herrenhof. Als Privatmann aber überall im Haus, auf der Straße, wo es mir nur gelingt, ihm zu begegnen. Daß ich dann nebenbei auch den Beamten mir gegenüber haben werde, werde ich gern hinnehmen, aber es ist nicht mein erstes Ziel."

[¶40] “Right,” said the landlady pressing her face into the pillows as if she were uttering something shameful, “if by using my influence I can manage to get your request for an interview passed on to Klamm, promise me to do nothing on your own account until the reply comes back.”

> German: „Gut," sagte die Wirtin und drückte ihr Gesicht in die Kissen, als sage sie etwas Schamloses, „wenn ich durch meine Verbindungen es erreiche, daß Ihre Bitte um eine Unterredung zu Klamm geleitet wird, versprechen Sie mir, bis zum Herabkommen der Antwort nichts auf eigene Faust zu unternehmen."

[¶41] “I can’t promise that,” said K., “glad as I would be to fulfil your wishes or your whims. The matter is urgent, you see, especially after the unfortunate outcome of my talk with the Superintendent.”

> German: „Das kann ich nicht versprechen," sagte K., „so gerne ich Ihre Bitte oder Ihre Laune erfüllen wollte. Die Sache drängt nämlich, besonders nach dem ungünstigen Ergebnis meiner Besprechung mit dem Vorsteher.“

[¶42] “That excuse falls to the ground,” said the landlady, “the Superintendent is a person of no importance. Haven’t you found that out? He couldn’t remain another day in his post if it weren’t for his wife, who runs everything.”

> German: „Dieser Einwand entfällt,“ sagte die Wirtin, „der Vorsteher ist eine ganz belanglose Person. Haben Sie denn das nicht bemerkt? Er könnte keinen Tag in seiner Stellung bleiben, wenn nicht seine Frau wäre, die alles führt.“

[¶43] “Mizzi!” asked K. The landlady nodded. “She was present,” said K. “Did she express her opinion?” asked the landlady.

> German: „Mizzi?“ fragte K. Die Wirtin nickte. „Sie war dabei“, sagte K. „Hat sie sich geäußert?“ fragte die Wirtin.

[¶44] “No,” replied K., “but I didn’t get the impression that she could.”

> German: „Nein,“ sagte K., „ich hatte aber auch nicht den Eindruck, daß sie das könnte.“

[¶45] “There,” said the landlady, “you see how distorted your view of everything here is. In any case: the Superintendent’s arrangements for you are of no importance, and I’ll talk to his wife when I have time. And if I promise now in addition that Klamm’s answer will come in a week at latest, you can’t surely have any further grounds for not obliging me.”

> German: „Nun ja,“ sagte die Wirtin, „so irrig sehen sie alles hier an. Jedenfalls: was der Vorsteher über Sie verfügt hat, hat keine Bedeutung und mit der Frau werde ich gelegentlich reden. Und wenn ich Ihnen nun noch verspreche, daß die Antwort Klamms spätestens in einer Woche kommen wird, haben Sie wohl keinen Grund mehr, mir nicht nachzugeben.“

[¶46] “All that is not enough to influence me,” said K. “My decision is made, and I would try to carry it out even if an unfavourable answer were to come. And seeing that this is my fixed intention, I can’t very well ask for an interview beforehand. A thing that would remain a daring attempt, but still an attempt in good faith so long as I didn’t ask for an interview, would turn into an open transgression of the law after receiving an unfavourable answer. That frankly would be far worse.”

> German: „Das alles ist nicht entscheidend,“ sagte K., „mein Entschluß steht fest und ich würde ihn auch auszuführen versuchen, wenn eine ablehnende Antwort käme. Wenn ich aber diese Absicht von vornherein habe, kann ich doch nicht vorher um die Unterredung bitten lassen. Was ohne die Bitte vielleicht ein kühner, aber doch gutgläubiger Versuch bleibt, wäre nach einer ablehnenden Antwort offene Widersetzlichkeit. Das wäre freilich viel schlimmer.“

[¶47] “Worse?” said the landlady. “It’s a transgression of the law in any case. And now you can do what you like. Reach me over my skirt.”

> German: „Schlimmer?“ sagte die Wirtin. „Widersetzlichkeit ist es auf jeden Fall. Und nun tun Sie nach Ihrem Willen. Reichen Sie mir den Rock.“

[¶48] Without paying any regard to K.’s presence she pulled on her skirt and hurried into the kitchen. For a long time already K. had been hearing noises in the dining-room. There was a tapping on the kitchen hatch. The assistants had unfastened it and were shouting that they were hungry. Then other faces appeared at it. One could even hear a subdued song being chanted by several voices.

> German: Ohne Rücksicht auf K. zog sie den Rock an und eilte in die Küche. Schon seit längerer Zeit hörte man Unruhe von der Wirtsstube her. An das Guckfenster war geklopft worden. Die Gehilfen hatten es aufgestoßen und hereingerufen, daß sie Hunger hätten. Auch andere Gesichter waren dann dort erschienen. Sogar einen leisen, aber mehrstimmigen Gesang hörte man.

[¶49] Undeniably K.’s conversation with the landlady had greatly delayed the cooking of the midday meal, it was not ready yet and the customers had assembled. Nevertheless nobody had dared to set foot in the kitchen after the landlady’s order. But now when the observers at the hatch reported that the landlady was coming, the maids immediately ran back to the kitchen, and as K. entered the dining-room a surprisingly large company, more than twenty, men and women—all attired in provincial but not rustic clothes—streamed back from the hatch to the tables to make sure of their seats. Only at one little table in the corner were a married couple seated already with a few children. The man, a kindly, blue-eyed person with disordered grey hair and beard, stood bent over the children and with a knife beat time to their singing, which he perpetually strove to soften. Perhaps he was trying to make them forget their hunger by singing. The landlady threw a few indifferent words of apology to her customers, nobody complained of her conduct. She looked round for the landlord, who had fled from the difficulty of the situation, however, long ago. Then she went slowly into the kitchen; she did not take any more notice of K., who hurried to Frieda in her room.

> German: Freilich, K.s Gespräch mit der Wirtin hatte das Kochen des Mittagessens sehr verzögert, es war noch nicht fertig, aber die Gäste waren versammelt. Immerhin hatte niemand gewagt, gegen das Verbot der Wirtin die Küche zu betreten. Nun aber, da die Beobachter am Guckfenster meldeten, die Wirtin komme schon, liefen die Mägde gleich in die Küche, und als K. die Wirtsstube betrat, strömte die erstaunlich zahlreiche Gesellschaft, mehr als zwanzig Leute, Männer und Frauen, provinzmäßig, aber nicht bäuerisch angezogen, vom Guckfenster, wo sie versammelt gewesen waren, zu den Tischen, um sich Plätze zu sichern. Nur an einem kleinen Tisch in einem Winkel saß schon ein Ehepaar mit einigen Kindern, der Mann, ein freundlicher blauäugiger Herr mit zerrauftem grauen Haar und Bart stand zu den Kindern hinabgebeugt und gab mit einem Messer den Takt zu ihrem Gesang, den er immerfort zu dämpfen bemüht war. Vielleicht wollte er sie durch den Gesang den Hunger vergessen machen. Die Wirtin entschuldigte sich vor der Gesellschaft mit einigen gleichgültig hingesprochenen Worten, niemand machte ihr Vorwürfe. Sie sah sich nach dem Wirt um, der sich aber vor der Schwierigkeit der Lage wohl schon längst geflüchtet hatte. Dann ging sie langsam in die Küche; für K., der zu Frieda in sein Zimmer eilte, hatte sie keinen Blick mehr.

## 7. Chapter VII · Das siebente Kapitel

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[¶0] Upstairs K. ran into the teacher. The room was improved almost beyond recognition, so well had Frieda set to work. It was well-aired, the stove amply stoked, the floor scrubbed, the bed put in order, the maids’ filthy pile of things and even their photographs cleared away; the table, which had literally struck one in the eye before with its crust of accumulated dust, was covered with a white embroidered cloth. One was in a position to receive visitors now. K.’s small change of underclothes hanging before the fire—Frieda must have washed them early in the morning—did not spoil the impression much. Frieda and the teacher were sitting at the table, they rose at K.’s entrance. Frieda greeted K. with a kiss, the teacher bowed slightly. Distracted and still agitated by his talk with the landlady, K. began to apologise for not having been able yet to visit the teacher; it was as if he were assuming that the teacher had called on him finally because he was impatient at K.’s absence. On the other hand, the teacher in his precise way only seemed now gradually to remember that sometime or other there had been some mention between K. and himself of a visit. “You must be, Land Surveyor,” he said slowly, “the stranger I had a few words with the other day in the church square.” “I am,” replied K. shortly; the behaviour which he had submitted to when he felt homeless he did not intend to put up with now here in his room. He turned to Frieda and consulted her about an important visit which he had to pay at once and for which he would need his best clothes. Without further enquiry Frieda called over the assistants, who were already busy examining the new tablecloth, and commanded them to brush K.’s suit and shoes—which he had begun to take off—down in the yard. She herself took a shirt from the line and ran down to the kitchen to iron it.
Now K. was left alone with the teacher, who was seated silently again at the table; K. kept him waiting for a little longer, drew off his shirt and began to wash himself at the tap. Only then, with his back to the teacher, did he ask him the reason for his visit. “I have come at the instance of the Parish Superintendent,” he said. K. made ready to listen. But as the noise of the water made it difficult to catch what K. said, the teacher had to come nearer and lean against the wall beside him. K. excused his washing and his hurry by the urgency of his coming appointment. The teacher swept aside his excuses, and said: “You were discourteous to the Parish Superintendent, an old and experienced man who should be treated with respect.” “Whether I was discourteous or not I can’t say,” said K. while he dried himself, “but that I had other things to think of than polite behaviour is true enough, for my existence is at stake, which is threatened by a scandalous official bureaucracy whose particular failings I needn’t mention to you, seeing that you’re an acting member of it yourself. Has the Parish Superintendent complained about me?” “Where’s the man that he would need to complain of?” asked the teacher. “And even if there was anyone, do you think he would ever do it? I’ve only made out at his dictation a short protocol on your interview, and that has shown me clearly enough how kind the Superintendent was and what your answers were like.”

> German: Oben traf K. den Lehrer. Das Zimmer war erfreulicherweise kaum wiederzuerkennen, so fleißig war Frieda gewesen. Es war gut gelüftet worden, der Ofen reichlich geheizt, der Fußboden gewaschen, das Bett geordnet, die Sachen der Mägde, dieser hassenswerte Unrat, einschließlich ihrer Bilder waren verschwunden, der Tisch, der einem früher, wohin man sich auch wendete, mit seiner schmutzig überkrusteten Platte förmlich nachgestarrt hatte, war mit einer weißen gestrickten Decke überzogen. Nun konnte man schon Gäste empfangen. Daß K.s kleiner Wäschevorrat, den Frieda offenbar früh gewaschen hatte, beim Ofen zum Trocknen aufgehängt war, störte wenig. Der Lehrer und Frieda waren bei Tisch gesessen, sie erhoben sich bei K.s Eintritt. Frieda begrüßte K. mit einem Kuß, der Lehrer verbeugte sich ein wenig. K., zerstreut und noch in der Unruhe des Gespräches mit der Wirtin, begann sich zu entschuldigen, daß er den Lehrer bisher hätte noch nicht besuchen können, es war so, als nehme er an, der Lehrer hätte ungeduldig wegen K.s Ausbleiben nun selbst den Besuch gemacht. Der Lehrer aber in seiner gemessenen Art schien sich nun erst selbst langsam zu erinnern, daß einmal zwischen ihm und K. eine Art Besuch verabredet worden war. „Sie sind ja, Herr Landvermesser,“ sagte er langsam, „der Fremde, mit dem ich vor ein paar Tagen auf dem Kirchplatz gesprochen habe.“ „Ja,“ sagte K. kurz; was er damals in seiner Verlassenheit geduldet hatte, mußte er hier in seinem Zimmer sich nicht gefallen lassen. Er wandte sich an Frieda und beriet sich mit ihr wegen eines wichtigen Besuches, den er sofort zu machen habe und bei dem er möglichst gut angezogen sein müsse. Frieda rief sofort, ohne K. weiter auszufragen, die Gehilfen, die gerade mit der Untersuchung der neuen Tischdecke beschäftigt waren, und befahl ihnen, K.s Kleider und Stiefel, die er gleich auszuziehen begann, unten im Hof sorgfältig zu putzen. Sie selbst nahm ein Hemd von der Schnur und lief in die Küche hinunter, um es zu bügeln. Jetzt war K. mit dem Lehrer, der wieder still beim Tisch saß, allein, er ließ ihn noch ein wenig warten, zog sich das Hemd aus und begann sich beim Waschbecken zu waschen. Erst jetzt, den Rücken dem Lehrer zugekehrt, fragte er ihn nach dem Grund seines Kommens. „Ich komme im Auftrag des Herrn Gemeindevorstehers“, sagte er. K. war bereit, den Auftrag zu hören. Da aber K.s Worte in dem Wasserschwall schwer verständlich waren, mußte der Lehrer näher kommen und lehnte sich neben K. an die Wand. K. entschuldigte sein Waschen und seine Unruhe mit der Dringlichkeit des beabsichtigten Besuches. Der Lehrer ging darüber hinweg und sagte: „Sie waren unhöflich gegenüber dem Herrn Gemeindevorsteher, diesem alten verdienten vielerfahrenen ehrwürdigen Mann.“ „Daß ich unhöflich gewesen wäre, weiß ich nicht,“ sagte K., während er sich abtrocknete, „daß ich aber an anderes zu denken hatte als an feines Benehmen, ist richtig, denn es handelte sich um meine Existenz, die bedroht ist durch eine schmachvolle amtliche Wirtschaft, deren Einzelheiten ich Ihnen nicht darlegen muß, da Sie selbst ein tätiges Glied dieser Behörde sind. Hat sich der Gemeindevorsteher über mich beklagt?“ „Wem gegenüber hätte er sich beklagen sollen?“ sagte der Lehrer, „und selbst, wenn er jemanden hätte, würde er sich denn jemals beklagen? Ich habe nur ein kleines Protokoll über Ihre Besprechung nach seinem Diktat aufgesetzt und daraus über die Güte des Herrn Vorstehers und über die Art Ihrer Antworten genug erfahren."

[¶1] While K. was looking for his comb, which Frieda must have cleared away somewhere, he said: “What? A protocol? Drawn up afterwards in my absence by someone who wasn’t at the interview at all? That’s not bad. And why on earth a protocol? Was it an official interview, then?” “No,” replied the teacher, “a semiofficial one, the protocol too was only semiofficial. It was merely drawn up because with us everything must be done in strict order. In any case it’s finished now, and it doesn’t better your credit.” K., who had at last found the comb, which had been tucked into the bed, said more calmly: “Well then, it’s finished. Have you come to tell me that?” “No,” said the teacher, “but I’m not a machine and I had to give you my opinion. My instructions are only another proof of the Superintendent’s kindness; I want to emphasise that his kindness in this instance is incomprehensible to me, and that I only carry out his instructions because it’s my duty and out of respect to the Superintendent.” Washed and combed, K. now sat down at the table to wait for his shirt and clothes; he was not very curious to know the message that the teacher had brought, he was influenced besides by the landlady’s low opinion of the Superintendent. “It must be after twelve already, surely?” he said, thinking of the distance he had to walk; then he remembered himself, and said: “You want to give me some message from the Superintendent.” “Well, yes,” said the teacher, shrugging his shoulders as if he were discarding all responsibility. “The Superintendent is afraid that, if the decision in your case takes too long, you might do something rash on your own account. For my own part I don’t know why he should fear that—my own opinion is that you should just be allowed to do what you like. We aren’t your guardian angels and we’re not obliged to run after you in all your doings. Well and good. The Superintendent, however, is of a different opinion. He can’t of course hasten the decision itself, which is a matter for the authorities. But in his own sphere of jurisdiction he wants to provide a temporary and truly generous settlement; it simply lies with you to accept it. He offers you provisionally the post of school janitor.” At first K. thought very little of the offer made him, but the fact that an offer had been made seemed to him not without significance. It seemed to point to the fact that in the Superintendent’s opinion he was in a position to look after himself, to carry out projects against which the Town Council itself was preparing certain counter measures. And how seriously they were taking the matter! The teacher, who had already been waiting for a while, and who before that, moreover, had made out the protocol, must of course have been told to run here by the Superintendent. When the teacher saw that he had made K. reflect at last, he went on: “I put my objections. I pointed out that up till now a janitor hadn’t been found necessary; the churchwarden’s wife cleared up the place from time to time, and Fräulein Gisa, the second teacher, overlooked the matter. I had trouble enough with the children, I didn’t want to be bothered by a janitor as well. The Superintendent pointed out that all the same the school was very dirty. I replied, keeping to the truth, that it wasn’t so very bad. And, I went on, would it be any better if we took on this man as janitor? Most certainly not. Apart from the fact that he didn’t know the work, there were only two big classrooms in the school, and no additional room; so the janitor and his family would have to live, sleep, perhaps even cook, in one of the classrooms, which could hardly make for greater cleanliness. But the Superintendent laid stress on the fact that this post would keep you out of difficulties, and that consequently you would do your utmost to fill it creditably; he suggested further, that along with you we would obtain the services of your wife and your assistants, so that the school should be kept in first-rate order, and not only it, but the school-garden as well. I easily proved that this would not hold water. At last the Superintendent couldn’t bring forward a single argument in your favour; he laughed and merely said that you were a Land Surveyor after all and so should be able to lay out the vegetable beds beautifully. Well, against a joke there’s no argument, and so I came to you with the proposal.” “You’ve taken your trouble for nothing, teacher,” said K. “I have no intention of accepting the post.” “Splendid!” said the teacher. “Splendid! You decline quite unconditionally,” and he took his hat, bowed, and went.

> German: Während K. seinen Kamm suchte, den Frieda irgendwo eingeordnet haben mußte, sagte er: „Wie? Ein Protokoll? In meiner Abwesenheit nachträglich aufgesetzt von jemandem, der gar nicht bei der Besprechung war. Das ist nicht übel. Und warum denn ein Protokoll? War es denn eine amtliche Handlung?“ „Nein,“ sagte der Lehrer, „eine halbamtliche, auch das Protokoll ist nur halbamtlich. Es wurde nur gemacht, weil bei uns in allem strenge Ordnung sein muß. Jedenfalls liegt es nun vor und dient nicht zu Ihrer Ehre.“ K., der den Kamm, der ins Bett geglitten war, endlich gefunden hatte, sagte ruhiger: „Mag es vorliegen. Sind Sie gekommen, mir das zu melden?“ „Nein,“ sagte der Lehrer, „aber ich bin kein Automat und mußte Ihnen meine Meinung sagen. Mein Auftrag dagegen ist ein weiterer Beweis der Güte des Herrn Vorstehers; ich betone, daß mir diese Güte unbegreiflich ist und daß ich nur unter dem Zwang meiner Stellung und in Verehrung des Herrn Vorstehers den Auftrag ausführe.“ K., gewaschen und gekämmt, saß nun in Erwartung des Hemdes und der Kleider bei Tisch, er war wenig neugierig auf das, was der Lehrer ihm brachte, auch war er beeinflußt von der geringen Meinung, welche die Wirtin vom Vorsteher hatte. „Es ist wohl schon Mittag vorüber?“ fragte er in Gedanken an den Weg, den er vorhatte, dann verbesserte er sich und sagte: „Sie wollten mir etwas vom Vorsteher ausrichten.“ „Nun ja“, sagte der Lehrer mit einem Achselzucken, als schüttle er jede eigene Verantwortung von sich ab. „Der Herr Vorsteher befürchtet, daß Sie, wenn die Entscheidung Ihrer Angelegenheit zu lange ausbleibt, etwas Unbedachtes auf eigene Faust tun werden. Ich für meinen Teil weiß nicht, warum er das befürchtet - meine Ansicht ist, daß Sie doch am besten tun mögen, was Sie wollen. Wir sind nicht Ihre Schutzengel und haben keine Verpflichtungen, Ihnen auf allen Ihren Wegen nachzulaufen. Nun gut. Der Herr Vorsteher ist anderer Meinung. Die Entscheidung selbst, welche Sache der gräflichen Behörden ist, kann er freilich nicht beschleunigen. Wohl aber will er in seinem Wirkungskreis eine vorläufige, wahrhaftig generöse Entscheidung treffen, es liegt nur an Ihnen, sie anzunehmen. Er bietet Ihnen vorläufig die Stelle eines Schuldieners an.“ Darauf, was ihm angeboten wurde, achtete K. zunächst kaum, aber die Tatsache, daß ihm etwas angeboten wurde, schien ihm nicht bedeutungslos. Es deutete darauf hin, daß er nach Ansicht des Vorstehers imstande war, um sich zu wehren, Dinge auszuführen, vor denen sich zu schützen für die Gemeinde selbst gewisse Aufwendungen rechtfertigte. Und wie wichtig man die Sache nahm. Der Lehrer, der hier schon eine zeitlang gewartet und vorher noch das Protokoll aufgesetzt hatte, mußte ja vom Vorsteher geradezu hergejagt worden sein. Als der Lehrer sah, daß er nun doch K. nachdenklich gemacht hatte, fuhr er fort: „Ich machte meine Einwendungen. Ich wies darauf hin, daß bisher kein Schuldiener nötig gewesen sei, die Frau des Kirchendieners räumt von Zeit zu Zeit auf und Fräulein Gisa, die Lehrerin, beaufsichtigt es. Ich habe Plage genug mit den Kindern, ich will mich nicht auch noch mit einem Schuldiener ärgern. Der Herr Vorsteher entgegnete, daß es aber doch sehr schmutzig in der Schule sei. Ich erwiderte der Wahrheit gemäß, daß es nicht sehr arg sei. Und, fügte ich hinzu, wird es denn besser werden, wenn wir den Mann als Schuldiener nehmen? Ganz gewiß nicht. Abgesehen davon, daß er von solchen Arbeiten nichts versteht, hat doch das Schulhaus nur zwei große Lehrzimmer ohne Nebenräume, der Schuldiener muß also mit seiner Familie in einem der Lehrzimmer wohnen, schlafen, vielleicht gar kochen, das kann natürlich die Reinlichkeit nicht vergrößern. Aber der Herr Vorsteher verwies darauf, daß diese Stelle für Sie eine Rettung in der Not sei und daß Sie daher sich mit allen Kräften bemühen werden, sie gut auszufüllen, ferner meinte der Herr Vorsteher, gewinnen wir mit Ihnen auch noch die Kräfte Ihrer Frau und Ihrer Gehilfen, so daß nicht nur die Schule, sondern auch der Schulgarten in musterhafter Ordnung wird gehalten werden können. Das alles widerlegte ich mit Leichtigkeit. Schließlich konnte der Herr Vorsteher gar nichts mehr zu Ihren Gunsten vorbringen, lachte und sagte nur, Sie seien doch Landvermesser und würden daher die Beete im Schulgarten besonders schön gerade ziehen können. Nun gegen Spaße gibt es keine Einwände und so ging ich mit dem Auftrag zu Ihnen.“ „Sie machen sich unnütze Sorgen, Herr Lehrer“, sagte K., „es fällt mir nicht ein, die Stelle anzunehmen.“ „Vorzüglich,“ sagte der Lehrer, „vorzüglich, ganz ohne Vorbehalt lehnen Sie ab“ und er nahm den Hut, verbeugte sich und ging.

[¶2] Immediately afterwards Frieda came rushing up the stairs with an excited face, the shirt still unironed in her hand; she did not reply to K.’s enquiries. To distract her he told her about the teacher and the offer; she had hardly heard it when she flung the shirt on the bed and ran out again. She soon came back, but with the teacher, who looked annoyed and entered without any greeting. Frieda begged him to have a little patience—obviously she had done that already several times on the way up—then drew K. through a side door of which he had never suspected the existence, on to the neighbouring loft, and then at last, out of breath with excitement, told what had happened to her. Enraged that Frieda had humbled herself by making an avowal to K., and—what was still worse—had yielded to him merely to secure him an interview with Klamm, and after all had gained nothing but, so she alleged, cold and moreover insincere professions, the landlady was resolved to keep K. no longer in her house; if he had connections with the Castle, then he should take advantage of them at once, for he must leave the house that very day, that very minute, and she would only take him back again at the express order and command of the authorities; but she hoped it would not come to that, for she too had connections with the Castle and would know how to make use of them. Besides he was only in the inn because of the landlord’s negligence, and moreover he was not in a state of destitution, for this very morning he had boasted of a roof which was always free to him for the night. Frieda of course was to remain; if Frieda wanted to go with K. she, the landlady, would be very sorry; down in the kitchen she had sunk into a chair by the fire and cried at the mere thought of it. The poor, sick woman; but how could she behave otherwise, now that, in her imagination at any rate, it was a matter involving the honour of Klamm’s keepsakes? That was how matters stood with the landlady. Frieda of course would follow him, K., wherever he wanted to go. Yet the position of both of them was very bad in any case, just for that reason she had greeted the teacher’s offer with such joy; even if it was not a suitable post for K. yet it was—that was expressly insisted on—only a temporary post; one would gain a little time and would easily find other chances, even if the final decision should turn out to be unfavourable. “If it comes to the worst,” cried Frieda at last, falling on K.’s neck, “we’ll go away, what is there in the village to keep us? But for the time being, darling, we’ll accept the offer, won’t we? I’ve fetched the teacher back again, you’ve only to say to him ‘Done,’ that’s all, and we’ll move over to the school.”

> German: Gleich darauf kam Frieda mit verstörtem Gesicht herauf, das Hemd brachte sie ungebügelt, Fragen beantwortete sie nicht; um sie zu zerstreuen, erzählte ihr K. von dem Lehrer und dem Angebot, kaum hörte sie es, warf sie das Hemd auf das Bett und lief wieder fort. Sie kam bald zurück, aber mit dem Lehrer, der verdrießlich aussah und gar nicht grüßte. Frieda bat ihn um ein wenig Geduld - offenbar hatte sie das auf dem Weg hierher schon einige Male getan - zog dann K. durch eine Seitentür, von der er gar nicht gewußt hatte, auf den benachbarten Dachboden, und erzählte dort schließlich aufgeregt außer Atem, was ihr geschehen war. Die Wirtin empört darüber, daß sie sich vor K. zu Geständnissen und, was noch ärger war, zu Nachgiebigkeit hinsichtlich einer Unterredung Klamms mit K. erniedrigt und nichts damit erreicht hatte als, wie sie sagte, kalte und überdies unaufrichtige Abweisung, sei entschlossen, K. nicht mehr in ihrem Hause zu dulden; habe er Verbindungen mit dem Schloß, so möge er sie nur sehr schnell ausnützen, denn noch heute, noch jetzt müsse er das Haus verlassen und nur auf direkten behördlichen Befehl und Zwang werde sie ihn wieder aufnehmen, doch hoffe sie, daß es nicht dazu kommen werde, denn auch sie habe Verbindungen mit dem Schloß und werde sie geltend zu machen verstehn. Übrigens sei er ja in das Wirtshaus nur infolge der Nachlässigkeit des Wirtes gekommen und sei auch sonst gar nicht in Not, denn noch heute morgens habe er sich eines für ihn bereitstehenden Nachtlagers gerühmt. Frieda natürlich solle bleiben, wenn Frieda mit K. ausziehen sollte, werde sie, die Wirtin, tief unglücklich sein, schon unten in der Küche sei sie bei dem bloßen Gedanken weinend neben dem Herd zusammengesunken. Die arme herzleidende Frau, aber wie könne sie anders handeln, jetzt da es sich, in ihrer Vorstellung wenigstens, geradezu um die Ehre von Klamms Angedenken handle. So stehe es also mit der Wirtin. Frieda freilich werde ihm, K., folgen, wohin er wolle. Aber sehr schlimm sei doch ihrer beiden Lage jedenfalls, darum habe sie das Angebot des Vorstehers mit großer Freude begrüßt, sei es auch eine für K. nicht passende Stelle, so sei sie doch, das werde ausdrücklich betont, eine nur vorläufige, man gewinne Zeit und werde leicht andere Möglichkeiten finden, selbst wenn die endgültige Entscheidung ungünstig ausfallen sollte. „Im Notfall“, rief schließlich Frieda schon an K.s Hals, „wandern wir aus, was hält uns hier im Dorf? Vorläufig aber, nicht wahr, Liebster, nehmen wir das Angebot an, ich habe den Lehrer zurückgebracht, du sagst ihm ‚angenommen‘, nichts weiter, und wir übersiedeln in die Schule.“

[¶3] “It’s a great nuisance,” said K. without quite meaning it, for he was not much concerned about his lodgings, and in his underclothes he was shivering up here in the loft, which without wall or window on two sides was swept by a cold draught, “you’ve arranged the room so comfortably and now we must leave it. I would take up the post very, very unwillingly, the few snubs I’ve already had from the teacher have been painful enough, and now he’s to become my superior, no less. If we could only stay here a little while longer, perhaps my position might change for the better this very afternoon. If you would only remain here at least, we could wait on for a little and give the teacher a noncommittal answer. As for me, if it came to the worst, I could really always find a lodging for the night with Bar—” Frieda stopped him by putting her hand over his mouth. “No, not that,” she said beseechingly, “please never mention that again. In everything else I’ll obey you. If you like I’ll stay on here by myself, sad as it will be for me. If you like, we’ll refuse the offer, wrong as that would seem to me. For look here, if you find another possibility, even this afternoon, why, it’s obvious that we would throw up the post in the school at once; nobody would object. And as for your humiliation in front of the teacher, let me see to it that there will be none; I’ll speak to him myself, you’ll only have to be there and needn’t say anything, and later too it will be just the same, you’ll never be made to speak to him if you don’t want to, I—I alone—will be his subordinate in reality, and I won’t be even that, for I know his weak points. So you see nothing will be lost if we take on the post, and a great deal if we refuse it; above all, if you don’t wring something out of the Castle this very day, you’ll never manage to find, even for yourself, anywhere at all in the village to spend the night in, anywhere, that is, which I needn’t be ashamed of as your future wife. And if you don’t manage to find a roof for the night, do you really expect me to sleep here in my warm room, while I know that you are wandering about out there in the dark and cold?” K., who had been trying to warm himself all this time by clapping his chest with his arms like a carter, said: “Then there’s nothing left but to accept; come along!”
When they returned to the room he went straight over to the fire; he paid no attention to the teacher; the latter, sitting at the table, drew out his watch and said: “It’s getting late.” “I know, but we’re completely agreed at last,” said Frieda, “we accept the post.” “Good,” said the teacher, “but the post is offered to the Land Surveyor; he must say the word himself.” Frieda came to K.’s help. “Really,” she said, “he accepts the post. Don’t you, K.?” So K. could confine his declaration to a simple “Yes,” which was not even directed to the teacher but to Frieda. “Then,” said the teacher, “the only thing that remains for me is to acquaint you with your duties, so that in that respect we can understand each other once and for all. You have, Land Surveyor, to clean and heat both classrooms daily, to make any small repairs in the house, further to look after the class and gymnastic apparatus personally, to keep the garden path free of snow, run messages for me and the lady teacher, and look after all the work in the garden in the warmer seasons of the year. In return for that you have the right to live in whichever one of the classrooms you like; but, when both rooms are not being used at the same time for teaching, and you are in the room that is needed, you must of course move to the other room. You mustn’t do any cooking in the school; in return you and your dependents will be given your meals here in the inn at the cost of the Town Council. That you must behave in a manner consonant with the dignity of the school, and in particular that the children during school hours must never be allowed to witness any unedifying matrimonial scenes, I mention only in passing, for as an educated man you must of course know that. In connection with that I want to say further that we must insist on your relations with Fräulein Frieda being legitimised at the earliest possible moment. About all this and a few other trifling matters, an agreement will be made out, which as soon as you move over to the school must be signed by you.” To K. all this seemed of no importance, as if it did not concern him, or at any rate did not bind him; but the self-importance of the teacher irritated him, and he said carelessly: “I know, they’re the usual duties.” To wipe away the impression created by this remark Frieda enquired about the salary. “Whether there will be any salary,” said the teacher, “will only be considered after a month’s trial service.” “But that is hard on us,” said Frieda. “We’ll have to marry on practically nothing, and have nothing to set up house on. Couldn’t you make a representation to the Town Council, sir, to give us a small salary at the start? Couldn’t you advise that?” “No,” replied the teacher, who continued to direct his words to K. “Representations to the Town Council will only be made if I give the word, and I shan’t give it. The post has only been given to you as a personal favour, and one can’t stretch a favour too far, if one has any consciousness of one’s obvious responsibilities.” Now K. intervened at last, almost against his will. “As for the favour, teacher,” he said, “it seems to me that you’re mistaken. The favour is perhaps rather on my side.” “No,” replied the teacher, smiling now that he had compelled K. to speak at last. “I’m completely grounded on that point. Our need for a janitor is just about as urgent as our need for a Land Surveyor. Janitor, Land Surveyor, in both cases it’s a burden on our shoulders. I’ll still have a lot of trouble thinking out how I’m to justify the post to the Town Council. The best thing and the most honest thing would be to throw the proposal on the table and not justify anything.” “That’s just what I meant,” replied K., “you must take me on against your will. Although it causes you grave perturbation, you must take me on. But when one is compelled to take someone else on, and this someone else allows himself to be taken on, then he is the one who grants the favour.” “Strange!” said the teacher. “What is it that compels us to take you on? The only thing that compels us is the Superintendent’s kind heart, his too kind heart. I see, Land Surveyor, that you’ll have to rid yourself of a great many illusions before you can become a serviceable janitor. And remarks such as these hardly produce the right atmosphere for the granting of an eventual salary. I notice too with regret that your attitude will give me a great deal of trouble yet; all this time—I’ve seen it with my own eyes and yet can scarcely believe it—you’ve been talking to me in your shirt and drawers.” “Quite so,” exclaimed K. with a laugh, and he clapped his hands. “These terrible assistants, where have they been all this time?” Frieda hurried to the door; the teacher, who noticed that K. was not longer to be drawn into conversation, asked her when she would move into the school. “Today,” said Frieda. “Then tomorrow I’ll come to inspect matters,” said the teacher, waved a goodbye and made to go out through the door, which Frieda had opened for herself, but ran into the maids, who already were arriving with their things to take possession of the room again; and he, who made way for nobody, had to slip between them: Frieda followed him. “You’re surely in a hurry,” said K., who this time was very pleased with the maids, “had you to push your way in while we’re still here?” They did not answer, only twisted their bundles in embarrassment, from which K. saw the well-known filthy rags projecting. “So you’ve never washed your things yet,” said K. It was not said maliciously, but actually with a certain indulgence. They noticed it, opened their hard mouths in concert, showed their beautiful animal-like teeth and laughed noiselessly. “Come along,” said K., “put your things down, it’s your room after all.” As they still hesitated, however—the room must have seemed to them all too well transformed—K. took one of them by the arm to lead her forward. But he let her go at once, so astonished was the gaze of both, which, after a brief glance between them, was now turned unflinchingly on K. “But now you’ve stared at me long enough,” he said, repelling a vague, unpleasant sensation, and he took up his clothes and boots, which Frieda, timidly followed by the assistants, had just brought, and drew them on. The patience which Frieda had with the assistants, always incomprehensible to him, now struck him again. After a long search she had found them below peacefully eating their lunch, the untouched clothes which they should have been brushing in the yard crumpled in their laps; then she had had to brush everything herself, and yet she, who knew how to keep the common people in their places, had not even scolded them, and instead spoke in their presence of their grave negligence as if it were a trifling peccadillo, and even slapped one of them lightly, almost caressingly, on the cheek. Presently K. would have to talk to her about this. But now it was high time to be gone. “The assistants will stay here to help you with the removing,” he said. They were not in the least pleased with this arrangement; happy and full, they would have been glad of a little exercise. Only when Frieda said, “Certainly, you stay here,” did they yield. “Do you know where I’m going?” asked K. “Yes,” replied Frieda. “And you don’t want to hold me back any longer?” asked K. “You’ll find obstacles enough,” she replied, “what does anything I say matter in comparison!” She kissed K. goodbye, and as he had had nothing at lunchtime, gave him a little packet of bread and sausage which she had brought for him from downstairs, reminded him that he must not return here again but to the school, and accompanied him, with her hand on his shoulder, to the door.

> German: „Das ist schlimm“, sagte K., ohne es aber ganz ernsthaft zu meinen, denn die Wohnung kümmerte ihn wenig, auch fror er sehr in seiner Unterwäsche hier auf dem Dachboden, der, auf zwei Seiten ohne Wand und Fenster, scharf von kalter Luft durchzogen wurde, „jetzt hast du das Zimmer so schön hergerichtet und nun sollen wir ausziehen. Ungern, ungern würde ich die Stelle annehmen, schon die augenblickliche Demütigung vor diesem kleinen Lehrer ist mir peinlich und nun soll er gar mein Vorgesetzter werden. Wenn man nur noch ein Weilchen hierbleiben könnte, vielleicht ändert sich meine Lage noch heute nachmittag. Wenn wenigstens du hier bliebst, könnte man es abwarten und dem Lehrer nur eine unbestimmte Antwort geben. Für mich finde ich immer ein Nachtlager, wenn es sein muß wirklich bei Bar-“. Frieda verschloß ihm mit der Hand den Mund. „Das nicht,“ sagte sie ängstlich, „bitte sage das nicht wieder. Sonst aber folge ich dir in allem. Wenn du willst, bleibe ich allein hier, so traurig es für mich wäre. Wenn du willst, lehnen wir den Antrag ab, so unrichtig das meiner Meinung nach wäre. Denn sieh, wenn du eine andere Möglichkeit findest, gar noch heute nachmittag, nun, so ist es selbstverständlich, daß wir die Stelle in der Schule sofort aufgeben, niemand wird uns daran hindern. Und was die Demütigung vor dem Lehrer betrifft, so laß mich dafür sorgen, daß es keine wird, ich selbst werde mit ihm sprechen, du wirst nur stumm dabeistehen und auch später wird es nicht anders sein, niemals wirst du, wenn du nicht willst, selbst mit ihm sprechen müssen, ich allein werde in Wirklichkeit seine Untergebene sein und nicht einmal ich werde es sein, denn ich kenne seine Schwächen. So ist also nichts verloren, wenn wir die Stelle annehmen, vieles aber, wenn wir sie ablehnen, vor allem würdest du wirklich auch nur für dich allein, wenn du nicht noch heute etwas vom Schloß erreichst, nirgends, nirgends im Dorf ein Nachtlager finden, ein Nachtlager nämlich, für das ich mich als deine zukünftige Frau nicht schämen müßte. Und wenn du kein Nachtlager bekommst, willst du dann etwa von mir verlangen, daß ich hier im warmen Zimmer schlafe, während ich weiß, daß du draußen bei Nacht und Kälte umherirrst.“ K., der die ganze Zeit über, die Arme über der Brust gekreuzt, mit den Händen seinen Rücken schlug, um sich ein wenig zu erwärmen, sagte: „Dann bleibt nichts übrig als anzunehmen, komm!“ Im Zimmer eilte er gleich zum Ofen, um den Lehrer kümmerte er sich nicht; dieser saß beim Tisch, zog die Uhr hervor und sagte: „Es ist spät geworden.“ „Dafür sind wir aber jetzt auch völlig einig, Herr Lehrer,“ sagte Frieda, „wir nehmen die Stelle an.“ „Gut,“ sagte der Lehrer, „aber die Stelle ist dem Herrn Landvermesser angeboten, er selbst muß sich äußern.“ Frieda kam K. zu Hilfe. „Freilich,“ sagte sie, „er nimmt die Stelle an, nicht wahr K?“ So konnte K. seine Erklärung auf ein einfaches Ja beschränken, das nicht einmal an den Lehrer, sondern an Frieda gerichtet war. „Dann“, sagte der Lehrer, „bleibt mir nur noch übrig, Ihnen Ihre Dienstpflichten vorzuhalten, damit wir in dieser Hinsicht ein für allemal einig sind: Sie haben, Herr Landvermesser, täglich beide Schulzimmer zu reinigen und zu heizen, kleinere Reparaturen im Haus, ferner an den Schul- und Turngeräten selbst vorzunehmen, den Weg durch den Garten schneefrei zu halten, Botengänge für mich und das Fräulein Lehrerin zu machen und in der wärmeren Jahreszeit alle Gartenarbeit zu besorgen. Dafür haben Sie das Recht, nach Ihrer Wahl in einem der Schulzimmer zu wohnen; doch müssen Sie, wenn nicht gleichzeitig in beiden Zimmern unterrichtet wird und Sie gerade in dem Zimmer, in welchem unterrichtet wird, wohnen, natürlich in das andere Zimmer übersiedeln. Kochen dürfen Sie in der Schule nicht, dafür werden Sie und die Ihren auf Kosten der Gemeinde hier im Wirtshaus verpflegt. Daß Sie sich der Würde der Schule angemessen verhalten und daß insbesondere die Kinder gar während des Unterrichts niemals etwa Zeugen unliebsamer Szenen in Ihrer Häuslichkeit werden dürfen, erwähne ich nur nebenbei, denn als gebildeter Mann müssen Sie das ja wissen. Im Zusammenhang damit bemerke ich noch, daß wir darauf bestehen müssen, daß Sie Ihre Beziehungen zu Fräulein Frieda möglichst bald legitimieren. Über das alles und noch einige Kleinigkeiten wird ein Dienstvertrag aufgesetzt, den Sie gleich, wenn Sie ins Schulhaus einziehen, unterzeichnen müssen.“ K. erschien das alles unwichtig, so als ob es ihn nicht betreffe oder jedenfalls nicht binde, nur die Großtuerei des Lehrers reizte ihn und er sagte leichthin: „Nun ja, es sind die üblichen Verpflichtungen.“ Um diese Bemerkung ein wenig zu verwischen, fragte Frieda nach dem Gehalt. „Ob Gehalt gezahlt wird“, sagte der Lehrer, „wird erst nach einmonatlichem Probedienst erwogen werden.“ „Das ist aber hart für uns", sagte Frieda. „Wir sollen fast ohne Geld heiraten, unsere Hauswirtschaft aus nichts schaffen. Könnten nicht doch Herr Lehrer durch eine Eingabe an die Gemeinde um ein kleines sofortiges Gehalt bitten? Würden Sie dazu raten?“ „Nein“, sagte der Lehrer, der seine Worte immer an K. richtete. „Einer solchen Eingabe würde nur entsprochen werden, wenn ich es empfehle, und ich würde es nicht tun. Die Verleihung der Stelle ist ja nur eine Gefälligkeit Ihnen gegenüber und Gefälligkeiten muß man, wenn man sich seiner öffentlichen Verantwortung bewußt bleibt, nicht zu weit treiben.“ Nun mischte sich aber doch K. ein, fast gegen seinen Willen. „Was die Gefälligkeit betrifft, Herr Lehrer“, sagte er, „glaube ich, daß Sie irren. Diese Gefälligkeit ist vielleicht eher auf meiner Seite.“ „Nein“, sagte der Lehrer lächelnd, nun hatte er K. doch zum Reden gezwungen. „Darüber bin ich genau unterrichtet. Wir brauchen den Schuldiener etwa so dringend wie den Landvermesser. Schuldiener wie Landvermesser, es ist eine Last an unserem Halse. Es wird mich noch viel Nachdenken kosten, wie ich die Ausgabe vor der Gemeinde begründen soll. Am besten und wahrheitsgemäßesten wäre es, die Forderung nur auf den Tisch zu werfen und nicht zu begründen.“ „So meine ich es ja“, sagte K., „gegen Ihren Willen müssen Sie mich aufnehmen. Trotzdem es Ihnen schweres Nachdenken verursacht, müssen Sie mich aufnehmen. Wenn nun jemand genötigt ist, einen anderen aufzunehmen und dieser andere sich aufnehmen läßt, so ist er es doch, der gefällig ist.“ „Sonderbar“, sagte der Lehrer, „was sollte uns zwingen, Sie aufzunehmen; des Herrn Vorstehers gutes, übergutes Herz zwingt uns. Sie werden, Herr Landvermesser, das sehe ich, wohl manche Phantasien aufgeben müssen, ehe Sie ein brauchbarer Schuldiener werden. Und für die Gewährung eines eventuellen Gehaltes machen natürlich solche Bemerkungen wenig Stimmung. Auch merke ich leider, daß mir Ihr Benehmen noch viel zu schaffen geben wird, die ganze Zeit über verhandeln Sie ja mit mir, ich sehe es immerfort an und glaube es fast nicht, in Hemd und Unterhosen.“ „Ja,“ rief K. lachend und schlug in die Hände, „die entsetzlichen Gehilfen, wo bleiben sie denn?“ Frieda eilte zur Tür, der Lehrer, der merkte, daß nun K. für ihn nicht mehr zu sprechen war, fragte Frieda, wann sie in die Schule einziehen würden. „Heute,“ sagte Frieda, „dann komme ich morgen früh revidieren“, sagte der Lehrer, grüßte durch Handwinken, wollte durch die Tür, die Frieda für sich geöffnet hatte, hinausgehen, stieß aber mit den Mägden zusammen, die schon mit ihren Sachen kamen, um sich im Zimmer wieder einzurichten, er mußte zwischen ihnen, die vor niemandem zurückgewichen wären, durchschlüpfen, Frieda folgte ihm. „Ihr habt es aber eilig,“ sagte K., der diesmal sehr zufrieden mit ihnen war, „wir sind noch hier und ihr müßt schon einrücken?“ Sie antworteten nicht und drehten nur verlegen ihre Bündel, aus denen K. die wohlbekannten schmutzigen Fetzen hervorhängen sah. „Ihr habt wohl euere Sachen noch niemals gewaschen“, sagte K., es war nicht böse, sondern mit einer gewissen Zuneigung gesagt. Sie merkten es, öffneten gleichzeitig ihren harten Mund, zeigten die schönen starken tiermäßigen Zähne und lachten lautlos. „Nun kommt,“ sagte K., „richtet euch ein, es ist ja euer Zimmer.“ Als sie aber noch immer zögerten - das Zimmer schien ihnen wohl allzusehr verwandelt - nahm K. eine beim Arm, um sie weiter zu führen. Aber er ließ sie gleich los, so erstaunt war beider Blick, den sie, nach einer kurzen gegenseitigen Verständigung, nun nicht mehr von K. wandten. „Jetzt habt ihr mich aber genug lange angesehen“, sagte K., irgendein unangenehmes Gefühl abwehrend, nahm Kleider und Stiefel, die eben Frieda, schüchtern von den Gehilfen gefolgt, gebracht hatte und zog sich an. Unbegreiflich war ihm immer und jetzt wieder die Geduld, die Frieda mit den Gehilfen hatte. Sie hatte sie, die doch die Kleider im Hof hatten putzen sollen, nach längerem Suchen friedlich unten beim Mittagessen gefunden, die ungeputzten Kleider vor sich zusammengepreßt auf dem Schoß, sie hatte dann selbst alles putzen müssen und doch zankte sie, die gemeines Volk gut zu beherrschen wußte, gar nicht mit ihnen, erzählte überdies in ihrer Gegenwart von ihrer groben Nachlässigkeit wie von einem kleinen Scherz und klopfte gar noch dem einen leicht, wie schmeichelnd auf die Wange. K. wollte ihr nächstens darüber Vorhaltungen machen. Jetzt aber war es höchste Zeit wegzugehen. „Die Gehilfen bleiben hier, dir bei der Übersiedlung zu helfen“ sagte K. Sie waren allerdings nicht damit einverstanden, satt und fröhlich wie sie waren, hätten sie gern ein wenig Bewegung gemacht. Erst als Frieda sagte: „Gewiß, ihr bleibt hier“, fügten sie sich. „Weißt du, wohin ich gehe?“ fragte K. „Ja“, sagte Frieda. „Und du hältst mich also nicht mehr zurück?“ fragte K. „Du wirst so viele Hindernisse finden,“ sagte sie, „was würde da mein Wort bedeuten!“ Sie küßte K. zum Abschied, gab ihm, da er nicht zu Mittag gegessen hatte, ein Päckchen mit Brot und Wurst, das sie von unten für ihn mitgebracht hatte, erinnerte ihn daran, daß er dann nicht mehr hierher, sondern gleich in die Schule kommen sollte, und begleitete ihn, die Hand auf seiner Schulter, bis vor die Türe hinaus.

## 8. Chapter VIII · Das achte Kapitel

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[¶0] At first K. was glad to have escaped from the crush of the maids and the assistants in the warm room. It was freezing a little, the snow was firmer, the going easier. But already darkness was actually beginning to fall, and he hastened his steps.

> German: Zunächst war K. froh, dem Gedränge der Mägde und Gehilfen in dem warmen Zimmer entgangen zu sein. Auch fror es ein wenig, der Schnee war fester, das Gehen leichter. Nur fing es freilich schon zu dunkeln an und er beschleunigte die Schritte.

[¶1] The Castle, whose contours were already beginning to dissolve, lay silent as ever; never yet had K. seen there the slightest sign of life—perhaps it was quite impossible to recognise anything at that distance, and yet the eye demanded it and could not endure that stillness. When K. looked at the Castle, often it seemed to him as if he were observing someone who sat quietly there gazing in front of him, not lost in thought and so oblivious of everything, but free and untroubled, as if he were alone with nobody to observe him, and yet must notice that he was observed, and all the same remained with his calm not even slightly disturbed; and really—one did not know whether it was cause or effect—the gaze of the observer could not remain concentrated there, but slid away. This impression today was strengthened still further by the early dusk; the longer he looked, the less he could make out and the deeper everything was lost in the twilight.

> German: Das Schloß, dessen Umrisse sich schon aufzulösen begannen, lag still wie immer, niemals noch hatte K. dort das geringste Zeichen von Leben gesehen, vielleicht war es gar nicht möglich, aus dieser Ferne etwas zu erkennen und doch verlangten es die Augen und wollten die Stille nicht dulden. Wenn K. das Schloß ansah, so war ihm manchmal, als beobachte er jemanden, der ruhig dasitze und vor sich hinsehe, nicht etwa in Gedanken verloren und dadurch gegen alle abgeschlossen, sondern frei und unbekümmert; so als sei er allein und niemand beobachte ihn, und doch mußte er merken, daß er beobachtet wurde, aber es rührte nicht im geringsten an seine Ruhe und wirklich - man wußte nicht, war es Ursache oder Folge - die Blicke des Beobachters konnten sich nicht festhalten und glitten ab. Dieser Eindruck wurde heute noch verstärkt durch das frühe Dunkel, je länger er hinsah, desto weniger erkannte er, desto tiefer sank alles in Dämmerung.

[¶2] Just as K. reached the Herrenhof, which was still unlighted, a window was opened in the first storey, and a stout, smooth-shaven young man in a fur coat leaned out and then remained at the window. He did not seem to make the slightest response to K.’s greeting. Neither in the hall nor in the taproom did K. meet anybody; the smell of stale beer was still worse than last time; such a state of things was never allowed even in the inn by the bridge. K. went straight over to the door through which he had observed Klamm, and lifted the latch cautiously, but the door was barred; then he felt for the place where the peephole was, but the pin apparently was fitted so well that he could not find the place, so he struck a match. He was startled by a cry. In the corner between the door and the till, near the fire, a young girl was crouching and staring at him in the flare of the match, with partially opened sleep-drunken eyes. She was evidently Frieda’s successor. She soon collected herself and switched on the electric light; her expression was cross, then she recognised K. “Ah, the Land Surveyor,” she said smiling, held out her hand and introduced herself. “My name is Pepi.” She was small, red-cheeked, plump; her opulent reddish golden hair was twisted into a strong plait, yet some of it escaped and curled round her temples; she was wearing a dress of grey shimmering material, falling in straight lines, which did not suit her in the least; at the foot it was drawn together by a childishly clumsy silken band with tassels falling from it, which impeded her movements. She enquired after Frieda and asked whether she would come back soon. It was a question which verged on insolence. “As soon as Frieda went away,” she said next, “I was called here urgently because they couldn’t find anybody suitable at the moment; I’ve been a chambermaid till now, but this isn’t a change for the better. There’s lots of evening and night work in this job, it’s very tiring, I don’t think I’ll be able to stand it. I’m not surprised that Frieda threw it up.” “Frieda was very happy here,” said K., to make her aware definitely of the difference between Frieda and herself, which she did not seem to appreciate. “Don’t you believe her,” said Pepi. “Frieda can keep a straight face better than other people can. She doesn’t admit what she doesn’t want to admit, and so nobody noticed that she had anything to admit. I’ve been in service here with her several years already. We’ve slept together all that time in the same bed, yet I’m not intimate with her, and by now I’m quite out of her thoughts, that’s certain. Perhaps her only friend is the old landlady of the Bridge Inn, and that tells a story too.” “Frieda is my fiancée,” said K., searching at the same time for the peephole in the door. “I know,” said Pepi, “that’s just the reason why I’ve told you. Otherwise it wouldn’t have any interest for you.”
“I understand,” said K. “You mean that I should be proud to have won such a reticent girl?” “That’s so,” said she, laughing triumphantly, as if she had established a secret understanding with K. regarding Frieda.

> German: Gerade als K. zu dem noch unbeleuchteten Herrenhof kam, öffnete sich ein Fenster im ersten Stock, ein junger dicker glattrasierter Herr im Pelzrock beugte sich heraus und blieb dann im Fenster. K.s Gruß schien er auch nicht mit dem leichtesten Kopfnicken zu beantworten. Weder im Flur noch im Ausschank traf K. jemanden, der Geruch von abgestandenem Bier war noch schlimmer als letzthin, etwas Derartiges kam wohl im Wirtshaus zur Brücke nicht vor. K. ging sofort zu der Tür, durch die er letzthin Klamm beobachtet hatte, drückte vorsichtig die Klinke nieder, aber die Tür war versperrt; dann suchte er die Stelle zu ertasten, wo das Guckloch war, aber der Verschluß war wahrscheinlich so gut eingepaßt, daß er die Stelle auf diese Weise nicht finden konnte, er zündete deshalb ein Streichholz an. Da wurde er durch einen Schrei erschreckt. In dem Winkel zwischen Tür und Kredenztisch nahe beim Ofen war zusammengeduckt ein junges Mädchen und starrte ihn in dem Aufleuchten des Streichholzes mit mühsam geöffneten schlaftrunkenen Augen an. Es war offenbar die Nachfolgerin Friedas. Sie faßte sich bald, drehte das elektrische Licht auf, der Ausdruck ihres Gesichtes war noch böse, da erkannte sie K. „Ah, der Herr Landvermesser“ sagte sie lächelnd, reichte ihm die Hand und stellte sich vor: „ich heiße Pepi.“ Sie war klein, rot, gesund, das üppige rötlichblonde Haar war in einen starken Zopf geflochten, außerdem krauste es sich rund um das Gesicht, sie hatte ein ihr sehr wenig passendes, glatt niederfallendes Kleid aus grauglänzendem Stoff, unten war es kindlich ungeschickt von einem in eine Masche endigenden Seidenband zusammengezogen, so daß es sie beengte. Sie erkundigte sich nach Frieda und ob sie nicht bald zurückkommen werde. Das war eine Frage, die nahe an Bosheit grenzte. „Ich bin“, sagte sie dann, „gleich nach Friedas Weggang in Eile hierher berufen worden, weil man doch nicht eine Beliebige hier verwenden kann, ich war bis jetzt Zimmermädchen, aber es ist kein guter Tausch, den ich gemacht habe. Viel Abend- und Nachtarbeit ist hier, das ist sehr ermüdend, ich werde es kaum ertragen, ich wundere mich nicht, daß Frieda es aufgegeben hat.“ „Frieda war hier sehr zufrieden“, sagte K., um Pepi endlich auf den Unterschied aufmerksam zu machen, der zwischen ihr und Frieda bestand und den sie vernachlässigte. „Glauben Sie ihr nicht“, sagte Pepi. „Frieda kann sich beherrschen wie nicht leicht jemand. Was sie nicht gestehen will, gesteht sie nicht, und dabei merkt man gar nicht, daß sie etwas zu gestehen hätte. Ich diene doch jetzt hier schon einige Jahre mit ihr, immer haben wir zusammen in einem Bett geschlafen, aber vertraut bin ich mit ihr nicht, gewiß denkt sie heute schon nicht mehr an mich. Ihre einzige Freundin vielleicht ist die alte Wirtin aus dem Brückengasthaus, und das ist doch auch bezeichnend.“ „Frieda ist meine Braut“, sagte K. und suchte nebenbei die Gucklochstelle in der Tür. „Ich weiß,“ sagte Pepi, „deshalb erzähle ich es ja. Sonst hätte es ja für Sie keine Bedeutung.“ „Ich verstehe“, sagte K. „Sie meinen, daß ich stolz darauf sein kann, ein so verschlossenes Mädchen für mich gewonnen zu haben.“ „Ja“, sagte sie und lachte zufrieden, so, als habe sie K. zu einem geheimen Einverständnis hinsichtlich Frieda gewonnen.

[¶3] But it was not her actual words that troubled K. and deflected him for a little from his search, but rather her appearance and her presence in this place. Certainly she was much younger than Frieda, almost a child still, and her clothes were ludicrous; she had obviously dressed in accordance with the exaggerated notions which she had of the importance of a barmaid’s position. And these notions were right enough in their way in her, for this position of which she was still incapable had come to her unearned and unexpectedly, and only for the time being; not even the leather reticule which Frieda always wore on her belt had been entrusted to her. And her ostensible dissatisfaction with the position was nothing but showing off. And yet, in spite of her childish mind, she too, apparently, had connections with the Castle; if she was not lying, she had been a chambermaid; without being aware of what she possessed she slept through the days here, and though if he took this tiny, plump, slightly round-backed creature in his arms he could not extort from her what she possessed, yet that could bring him in contact with it and inspirit him for his difficult task. Then could her case now be much the same as Frieda’s? Oh no, it was different. One had only to think of Frieda’s look to know that. K. would never have touched Pepi. All the same he had to lower his eyes for a little now, so greedily was he staring at her.

> German: Aber es waren nicht eigentlich ihre Worte, die K. beschäftigten und ein wenig vom Suchen ablenkten, sondern ihre Erscheinung war es und ihr Vorhandensein an dieser Stelle. Freilich, sie war viel jünger als Frieda, fast kindlich noch, und ihre Kleidung war lächerlich, sie hatte sich offenbar angezogen entsprechend den übertriebenen Vorstellungen, die sie von der Bedeutung eines Ausschankmädchens hatte. Und diese Vorstellungen hatte sie gar noch in ihrer Art mit Recht, denn diese Stellung, für die sie noch gar nicht paßte, war wohl unverhofft und unverdient und nur vorläufig ihr zuteil geworden, nicht einmal das Ledertäschchen, das Frieda immer im Gürtel getragen hatte, hatte man ihr anvertraut. Und ihre angebliche Unzufriedenheit mit der Stellung war nichts als Überhebung. Und doch, trotz ihres kindlichen Unverstandes, hatte auch sie wahrscheinlich Beziehungen zum Schloß, sie war ja, wenn sie nicht log, Zimmermädchen gewesen, ohne von ihrem Besitz zu wissen, verschlief sie hier die Tage, aber eine Umarmung dieses kleinen dicken ein wenig rundrückigem Körpers konnte ihr zwar den Besitz nicht entreißen, konnte aber an ihm rühren und aufmuntern für den schweren Weg. Dann war es vielleicht nicht anders als bei Frieda? O doch, es war anders. Man mußte nur an Friedas Blick denken, um das zu verstehen. Niemals hätte K. Pepi angerührt. Aber doch mußte er jetzt für ein Weilchen seine Augen bedecken, so gierig sah er sie an.

[¶4] “It’s against orders for the light to be on,” said Pepi, switching it off again. “I only turned it on because you gave me such a fright. What do you want here really? Did Frieda forget anything?” “Yes,” said K., pointing to the door, “a table-cover, a white embroidered table-cover, here in the next room.” “Yes, her table-cover,” said Pepi. “I remember it, a pretty piece of work. I helped with it myself, but it can hardly be in that room.” “Frieda thinks it is. Who lives in it, then?” asked K. “Nobody,” said Pepi, “it’s the gentlemen’s room; the gentlemen eat and drink there; that is, it’s reserved for that, but most of them remain upstairs in their rooms.” “If I knew,” said K., “that nobody was in there just now, I would like very much to go in and have a look for the table-cover. But one can’t be certain; Klamm, for instance, is often in the habit of sitting there.” “Klamm is certainly not there now,” said Pepi. “He’s making ready to leave this minute, the sledge is waiting for him in the yard.”

> German: „Es muß ja nicht angezündet sein,“ sagte Pepi und drehte das Licht wieder aus, „ich habe nur angezündet, weil Sie mich so sehr erschreckt haben. Was wollen Sie denn hier? Hat Frieda etwas vergessen?“ „Ja,“ sagte K. und zeigte auf die Tür, „hier im Zimmer nebenan eine Tischdecke, eine weiße gestrickte." „Ja, ihre Tischdecke,“ sagte Pepi, „ich erinnere mich, eine schöne Arbeit, ich habe auch dabei geholfen, aber in diesem Zimmer ist sie wohl kaum.“ „Frieda glaubt es. Wer wohnt denn hier?" fragte K. „Niemand,“ sagte Pepi, „es ist das Herrenzimmer, hier trinken und essen die Herren, d. h. es ist dafür bestimmt, aber die meisten bleiben oben in ihren Zimmern.“ „Wenn ich wüßte,“ sagte K., „daß jetzt nebenan niemand ist, würde ich sehr gerne hineingehn und die Decke suchen. Aber es ist eben unsicher, Klamm z. B. pflegt oft dort zu sitzen.“ „Klamm ist jetzt gewiß nicht dort,“ sagte Pepi, „er fährt ja gleich weg, der Schlitten wartet schon im Hof.“

[¶5] Without a word of explanation K. left the taproom at once; when he reached the hall he turned, instead of to the door, to the interior of the house, and in a few steps reached the courtyard. How still and lovely it was here! A foursquare yard, bordered on three sides by the house buildings, and towards the street—a side-street which K. did not know—by a high white wall with a huge, heavy gate, open now. Here where the court was, the house seemed stiller than at the front; at any rate the whole first storey jutted out and had a more impressive appearance, for it was encircled by a wooden gallery closed in except for one tiny slit for looking through. At the opposite side from K. and on the ground floor, but in the corner where the opposite wing of the house joined the main building, there was an entrance to the house, open, and without a door. Before it was standing a dark, closed sledge to which a pair of horses were yoked. Except for the coachman, whom at that distance and in the falling twilight K. guessed at rather than recognised, nobody was to be seen.

> German: Sofort, ohne ein Wort der Erklärung, verließ K. den Ausschank, wandte sich im Flur anstatt zum Ausgang gegen das Innere des Hauses und hatte nach wenigen Schritten den Hof erreicht. Wie still und schön es hier war! Ein viereckiger Hof, auf drei Seiten vom Hause, gegen die Straße zu — eine Nebenstraße, die K. nicht kannte - von einer hohen weißen Mauer mit einem großen schweren jetzt offenen Tor begrenzt. Hier auf der Hofseite schien das Haus höher als auf der Vorderseite, wenigstens war der erste Stock vollständig ausgebaut und hatte ein größeres Ansehen, denn er war von einer hölzernen, bis auf einen kleinen Spalt in Augenhöhe geschlossenen Galerie umlaufen. K. schief gegenüber, noch im Mittelstock, aber schon im Winkel, wo sich der gegenüberliegende Seitenflügel anschloß, war ein Eingang ins Haus, offen, ohne Tür. Davor stand ein dunkler, geschlossener, mit zwei Pferden bespannter Schlitten. Bis auf den Kutscher, den K. auf die Entfernung hin jetzt in der Dämmerung mehr vermutete als erkannte, war niemand zu sehen.

[¶6] Looking about him cautiously, his hands in his pockets, K. slowly coasted round two sides of the yard until he reached the sledge. The coachman—one of the peasants who had been the other night in the taproom—smart in his fur coat, watched K. approaching noncommittally, much as one follows the movements of a cat. Even when K. was standing beside him and had greeted him, and the horses were becoming a little restive at seeing a man looming out of the dusk, he remained completely detached. That exactly suited K.’s purpose. Leaning against the wall of the house he took out his lunch, thought gratefully of Frieda and her solicitous provision for him, and meanwhile peered into the inside of the house. A very angular and broken stair led downwards and was crossed down below by a low but apparently deep passage; everything was clean and whitewashed, sharply and distinctly defined.
The wait lasted longer than K. had expected. Long ago he had finished his meal, he was getting chilled, the twilight had changed into complete darkness, and still Klamm had not arrived. “It might be a long time yet,” said a rough voice suddenly, so near to him that K. started. It was the coachman, who, as if wakening up, stretched himself and yawned loudly. “What might be a long time yet?” asked K., not ungrateful at being disturbed, for the perpetual silence and tension had already become a burden. “Before you go away,” said the coachman. K. did not understand him, but did not ask further; he thought that would be the best means of making the insolent fellow speak. Not to answer here in this darkness was almost a challenge. And actually the coachman asked, after a pause: “Would you like some brandy?” “Yes,” said K. without thinking, tempted only too keenly by the offer, for he was freezing. “Then open the door of the sledge,” said the coachman; “in the side pocket there are some flasks, take one and have a drink and then hand it up to me. With this fur coat it’s difficult for me to get down.” K. was annoyed at being ordered about, but seeing that he had struck up with the coachman he obeyed, even at the possible risk of being surprised by Klamm in the sledge. He opened the wide door and could without more ado have drawn a flask out of the side pocket which was fastened to the inside of the door; but now that it was open he felt an impulse which he could not withstand to go inside the sledge; all he wanted was to sit there for a minute. He slipped inside. The warmth within the sledge was extraordinary, and it remained although the door, which K. did not dare to close, was wide open. One could not tell whether it was a seat one was sitting on, so completely was one surrounded by blankets, cushions and furs; one could turn and stretch on every side, and always one sank into softness and warmth. His arms spread out, his head supported on pillows which always seemed to be there, K. gazed out of the sledge into the dark house. Why was Klamm such a long time in coming? As if stupefied by the warmth after his long wait in the snow, K. began to wish that Klamm would come soon. The thought that he would much rather not be seen by Klamm in his present position touched him only vaguely as a faint disturbance of his comfort. He was supported in this obliviousness by the behaviour of the coachman, who certainly knew that he was in the sledge and yet let him stay there without once demanding the brandy. That was very considerate, but still K. wanted to oblige him. Slowly, without altering his position, he reached out his hand to the side-pocket. But not the one in the open door, but the one behind him in the closed door; after all, it didn’t matter, there were flasks in that one too. He pulled one out, unscrewed the stopper, and smelt; involuntarily he smiled, the perfume was so sweet, so caressing, like praise and good words from someone whom one likes very much, yet one does not know clearly what they are for and has no desire to know, and is simply happy in the knowledge that it is one’s friend who is saying them. “Can this be brandy?” K. asked himself doubtfully and took a taste out of curiosity. Yes, strangely enough it was brandy, and burned and warmed him. How wonderfully it was transformed in drinking out of something which seemed hardly more than a sweet perfume into a drink fit for a coachman! “Can it be?” K. asked himself as if self-reproachfully, and took another sip.

> German: Die Hände in den Taschen, vorsichtig sich umschauend, nahe an der Mauer umging K. zwei Seiten des Hofes, bis er beim Schlitten war. Der Kutscher, einer jener Bauern, die letzthin im Ausschank gewesen waren, hatte ihn, im Pelz versunken, teilnahmslos herankommen sehen, sowie man etwa den Weg einer Katze verfolgt. Auch als K. schon bei ihm stand, grüßte, und sogar die Pferde ein wenig unruhig wurden, wegen des aus dem Dunkel auftauchenden Mannes, blieb er gänzlich unbekümmert. Das war K. sehr willkommen. Angelehnt an die Mauer packte er sein Essen aus, gedachte dankbar Friedas, die ihn so gut versorgt hatte, und spähte dabei in das Innere des Hauses. Eine rechtwinklig gebrochene Treppe führte herab und war unten von einem niedrigen, aber scheinbar tiefen Gang gekreuzt, alles war rein, weiß getüncht, scharf und gerade abgegrenzt. Das Warten dauerte länger, als K. gedacht hatte. Längst schon war er mit dem Essen fertig, die Kälte war empfindlich, aus der Dämmerung war schon völlige Finsternis geworden und Klamm kam noch immer nicht. „Das kann noch sehr lange dauern“, sagte plötzlich eine rauhe Stimme so nahe bei K., daß er zusammenfuhr. Es war der Kutscher, der, wie aufgewacht, sich streckte und laut gähnte. „Was kann denn lange dauern?“ fragte K., nicht undankbar wegen der Störung, denn die fortwährende Stille und Spannung war schon lästig gewesen. „Ehe Sie weggehen werden“, sagte der Kutscher. K. verstand ihn nicht, fragte aber nicht weiter, er glaubte auf diese Weise den Hochmütigen am besten zum Reden zu bringen. Ein Nichtantworten hier in der Finsternis war fast aufreizend. Und tatsächlich fragte der Kutscher nach einem Weilchen: „Wollen Sie Kognak?“ „Ja“, sagte K. unüberlegt, durch das Angebot allzusehr verlockt, denn ihn fröstelte. „Dann machen Sie den Schlitten auf,“ sagte der Kutscher, „in der Seitentasche sind einige Flaschen, nehmen Sie eine, trinken Sie und reichen Sie sie mir dann. Mir ist es wegen des Pelzes zu beschwerlich hinunterzusteigen.“ Es verdroß K., solche Handreichungen zu machen, aber da er sich nun mit dem Kutscher schon eingelassen hatte, gehorchte er, selbst auf die Gefahr hin, beim Schlitten etwa von Klamm überrascht zu werden. Er öffnete die breite Tür und hätte gleich aus der Tasche, welche auf der Innenseite der Tür angebracht war, die Flasche herausziehen können, aber da nun die Tür offen war, trieb es ihn so sehr in das Innere des Schlittens, daß er nicht widerstehen konnte, nur einen Augenblick lang wollte er drin sitzen. Er huschte hinein. Außerordentlich war die Wärme im Schlitten und sie blieb, trotzdem die Tür, die K. nicht zu schließen wagte, weit offen war. Man wußte gar nicht, ob man auf einer Bank saß, so sehr lag man in Decken, Polstern und Pelzen; nach allen Seiten konnte man sich drehen und strecken, immer versank man weich und warm. Die Arme ausgebreitet, den Kopf durch Polster gestützt, die immer bereit waren, blickte K. aus dem Schlitten in das dunkle Haus. Warum dauerte es so lange, ehe Klamm herauskam? Wie betäubt von der Wärme nach dem langen Stehen im Schnee wünschte K., daß Klamm endlich komme. Der Gedanke, daß er in seiner jetzigen Lage von Klamm lieber nicht gesehen werden sollte, kam ihm nur undeutlich, als leise Störung zum Bewußtsein. Unterstützt in dieser Vergeßlichkeit wurde er durch das Verhalten des Kutschers, der doch wissen mußte, daß er im Schlitten war und ihn dort ließ, sogar ohne den Kognak von ihm zu fordern. Das war rücksichtsvoll, aber K. wollte ihn ja bedienen. Schwerfällig, ohne seine Lage zu verändern, langte er nach der Seitentasche. Aber nicht in der offenen Tür, die zu weit entfernt war, sondern hinter sich in die geschlossene, nun, es war gleichgültig, auch in dieser waren Flaschen. Er holte eine hervor, schraubte den Verschluß auf und roch dazu, unwillkürlich mußte er lächeln, der Geruch war so süß, so schmeichelnd, so wie man von jemand, den man sehr lieb hat, Lob und gute Worte hört und gar nicht genau weiß, um was es sich handelt und es gar nicht wissen will und nur glücklich ist in dem Bewußtsein, daß er es ist, der so spricht. „Sollte das Kognak sein?“ fragte sich K. zweifelnd und kostete aus Neugier. Doch, es war Kognak, merkwürdigerweise, und brannte und wärmte. Wie es sich beim Trinken verwandelte, aus etwas, das fast nur Träger süßen Duftes war, in ein kutschermäßiges Getränk. „Ist es möglich?“ fragte sich K., wie vorwurfsvoll gegen sich selbst und trank noch einmal.

[¶7] Then—as K. was just in the middle of a long swig—everything became bright, the electric lights blazed, inside on the stairs, in the passages, in the entrance hall, outside above the door. Steps could be heard coming down the stairs, the flask fell from K.’s hand, the brandy was spilt over a rug, K. sprang out of the sledge, he had just time to slam the door to, which made a loud noise, when a gentleman came slowly out of the house. The only consolation that remained was that it was not Klamm, or was not that rather a pity? It was the gentleman whom K. had already seen at the window on the first floor. A young man, very good-looking, pink and white, but very serious. K. too looked at him gravely, but his gravity was on his own account. Really he would have done better to have sent his assistants here, they couldn’t have behaved more foolishly than he had done. The gentleman still regarded him in silence as if he had not enough breath in his overcharged bosom for what had to be said. “This is unheard of,” he said at last, pushing his hat a little back on his forehead. What next? The gentleman knew nothing apparently of K.’s stay in the sledge, and yet found something that was unheard of? Perhaps that K. had pushed his way in as far as the courtyard? “How do you come to be here?” the gentleman asked next, more softly now, breathing freely again, resigning himself to the inevitable. What questions to ask! And what could one answer? Was K. to admit simply and flatly to this man that his attempt, began with so many hopes, had failed? Instead of replying, K. turned to the sledge, opened the door and retrieved his cap, which he had forgotten there. He noticed with discomfort that the brandy was dripping from the footboard.

> German: Da - K. war gerade in einem langen Schluck befangen - wurde es hell, das elektrische Licht brannte, innen auf der Treppe, im Gange, im Flur, außen über dem Eingang. Man hörte Schritte die Treppe herabkommen, die Flasche entfiel K.s Hand, der Kognak ergoß sich über einen Pelz, K. sprang aus dem Schlitten, gerade hatte er noch die Tür zuschlagen können, was einen dröhnenden Lärm gab, als kurz darauf ein Herr langsam aus dem Hause trat. Das einzig Tröstliche schien, daß es nicht Klamm, war oder war gerade dieses zu bedauern? Es war der Herr, den K. schon im Fenster des ersten Stockes gesehen hatte. Ein junger Herr, äußerst wohl aussehend, weiß und rot, aber sehr ernst. Auch K. sah ihn düster an, aber er meinte sich selbst mit diesem Blick. Hätte er doch lieber seine Gehilfen hergeschickt; sich so zu benehmen, wie er es getan hatte, hätten auch sie verstanden. Ihm gegenüber der Herr schwieg noch, so als hätte er für das zu Sagende nicht genug Atem in seiner überbreiten Brust. „Das ist ja entsetzlich“, sagte er dann und schob seinen Hut ein wenig aus der Stirn. Wie? Der Herr wußte doch wahrscheinlich nichts von K.s Aufenthalt im Schlitten und fand schon irgend etwas entsetzlich? Etwa, daß K. bis in den Hof gedrungen war? „Wie kommen Sie denn hierher?“ fragte dann der Herr schon leiser, schon ausatmend, sich ergebend in das Unabänderliche. Was für Fragen! Was für Antworten! Sollte etwa K. noch ausdrücklich selbst dem Herrn bestätigen, daß sein mit soviel Hoffnungen begonnener Weg vergebens gewesen war? Statt zu antworten, wandte sich K. zum Schlitten, öffnete ihn und holte seine Mütze, die er drin vergessen hatte. Mit Unbehagen merkte er, wie der Kognak auf das Trittbrett tropfte.

[¶8] Then he turned again to the gentleman, to show him that he had been in the sledge gave him no more compunction now, besides that wasn’t the worst of it; when he was questioned, but only then, he would divulge the fact that the coachman himself had at least asked him to open the door of the sledge. But the real calamity was that the gentleman had surprised him, that there had not been enough time left to hide from him so as afterwards to wait in peace for Klamm, or rather that he had not had enough presence of mind to remain in the sledge, close the door and wait there among the rugs for Klamm, or at least to stay there as long as this man was about. True, he couldn’t know of course whether it might not be Klamm himself who was coming, in which case it would naturally have been much better to accost him outside the sledge. Yes, there had been many things here for thought, but now there was none, for this was the end.

> German: Dann wandte er sich wieder dem Herrn zu; ihm zu zeigen, daß er im Schlitten gewesen war, hatte er nun keine Bedenken mehr, es war auch nicht das Schlimmste; wenn er gefragt wurde, allerdings nur dann, wollte er nicht verschweigen, daß ihn der Kutscher selbst zumindest zum Öffnen des Schlittens veranlaßt hatte. Das eigentlich Schlimme aber war ja, daß ihn der Herr überrascht hatte, daß nicht genug Zeit mehr gewesen war, sich vor ihm zu verstecken, um dann ungestört auf Klamm warten zu können oder daß er nicht genug Geistesgegenwart gehabt hatte, im Schlitten zu bleiben, die Tür zu schließen und dort auf den Pelzen Klamm zu erwarten oder dort wenigstens zu bleiben, solange dieser Herr in der Nähe war. Freilich, er hatte ja nicht wissen können, ob nicht vielleicht doch schon jetzt Klamm selbst komme, in welchem Fall es natürlich viel besser gewesen wäre, ihn außerhalb des Schlittens zu empfangen. Ja, es war mancherlei hier zu bedenken gewesen, jetzt aber gar nichts mehr, denn es war zu Ende.

[¶9] “Come with me,” said the gentleman, not really as a command, for the command lay not in the words, but in a slight, studiedly indifferent gesture of the hand which accompanied them. “I’m waiting here for somebody,” said K., no longer in the hope of any success, but simply on principle. “Come,” said the gentleman once more quite imperturbably, as if he wanted to show that he had never doubted that K. was waiting for somebody. “But then I would miss the person I’m waiting for,” said K. with an emphatic nod of his head. In spite of everything that had happened he had the feeling that what he had achieved thus far was something gained, which it was true he only held now in seeming, but which he must not relinquish all the same merely on account of a polite command. “You’ll miss him in any case, whether you go or stay,” said the gentleman, expressing himself bluntly, but showing an unexpected consideration for K.’s line of thought. “Then I would rather wait for him and miss him,” said K. defiantly; he would certainly not be driven away from here by the mere talk of this young man. Thereupon with his head thrown back and a supercilious look on his face the gentleman closed his eyes for a few minutes, as if he wanted to turn from K.’s senseless stupidity to his own sound reason again, ran the tip of his tongue round his slightly-parted lips and said at last to the coachman: “Unyoke the horses.”

> German: „Kommen Sie mit mir“, sagte der Herr, nicht eigentlich befehlend, aber der Befehl lag nicht in den Worten, sondern in einem sie begleitenden kurzen, absichtlich gleichgültigen Schwenken der Hand. „Ich warte hier auf jemanden“, sagte K., nicht mehr in Hoffnung auf irgendeinen Erfolg, sondern nur grundsätzlich. „Kommen Sie“, sagte der Herr nochmals ganz unbeirrt, so als wolle er zeigen, daß er niemals daran gezweifelt hatte, daß K. auf jemanden warte. „Aber ich verfehle dann den, auf den ich warte“, sagte K. mit einem Nicken des Kopfes. Trotz allem, was geschehen war, hatte er das Gefühl, daß das, was er bisher erreicht hatte, eine Art Besitz war, den er zwar nur noch scheinbar festhielt, aber doch nicht auf einen beliebigen Befehl hin ausliefern mußte. „Sie verfehlen ihn auf jeden Fall, ob Sie warten oder gehen“, sagte der Herr, zwar schroff in seiner Meinung, aber auffallend nachgiebig für K.s Gedankengang. „Dann will ich ihn lieber beim Warten verfehlen“, sagte K. trotzig, durch bloße Worte dieses jungen Herrn würde er sich gewiß nicht von hier vertreiben lassen. Darauf schloß der Herr mit einem überlegenen Ausdruck des zurückgelehnten Gesichtes für ein Weilchen die Augen, so, als wolle er von K.s Unverständigkeit wieder zu seiner eigenen Vernunft zurückkehren, umlief mit der Zungenspitze die Lippen des ein wenig geöffneten Mundes und sagte dann zum Kutscher: „Spannen Sie die Pferde aus.“

[¶10] Obedient to the gentleman, but with a furious side-glance at K., the coachman had now to get down in spite of his fur coat, and began very hesitatingly—as if he did not so much expect a counter-order from the gentleman as a sensible remark from K.—to back the horses and the sledge closer to the side wing, in which apparently, behind a big door, was the shed where the vehicles were kept. K. saw himself deserted, the sledge was disappearing in one direction, in the other, by the way he had come himself, the gentleman was receding, both it was true very slowly, as if they wanted to show K. that it was still in his power to call them back.

> German: Der Kutscher, ergeben dem Herrn, aber mit einem bösen Seitenblick auf K., mußte nun doch im Pelz hinuntersteigen und begann sehr zögernd, so, als erwarte er nicht vom Herrn einen Gegenbefehl, aber von K. eine Sinnesäußerung, die Pferde mit dem Schlitten rückwärts näher zum Seitenflügel zurückzuführen, in welchem offenbar hinter einem großen Tor der Stall mit dem Wagenschuppen untergebracht war. K. sah sich allein zurückbleiben, auf der einen Seite entfernte sich der Schlitten, auf der andern, auf dem Weg, den K. gekommen war, der junge Herr, beide allerdings sehr langsam, so, als wollten sie K. zeigen, daß es noch in seiner Macht gelegen sei, sie zurückzuholen.

[¶11] Perhaps he had this power, but it would have availed him nothing; to call the sledge back would be to drive himself away. So he remained standing as one who held the field, but it was a victory which gave him no joy. Alternately he looked at the backs of the gentleman and the coachman. The gentleman had already reached the door through which K. had first come into the courtyard; yet once more he looked back, K. fancied he saw him shaking his head over such obstinancy, then with a short, decisive, final movement he turned away and stepped into the hall, where he immediately vanished. The coachman remained for a while still in the courtyard, he had a great deal of work with the sledge, he had to open the heavy door of the shed, back the sledge into its place, unyoke the horses, lead them to their stalls; all this he did gravely, with concentration, evidently without any hope of starting soon again, and this silent absorption which did not spare a single side-glance for K., seemed to the latter a far heavier reproach than the behaviour of the gentleman. And when now, after finishing his work in the shed, the coachman went across the courtyard in his slow, rolling walk, closed the huge gate and then returned, all very slowly, while he literally looked at nothing but his own footprints in the snow—and finally shut himself into the shed; and now as all the electric lights went out too—for whom should they remain on?—and only up above the slit in the wooden gallery still remained bright, holding one’s wandering gaze for a little, it seemed to K. as if at last those people had broken off all relations with him, and as if now in reality he were freer than he had ever been, and at liberty to wait here in this place usually forbidden to him as long as he desired, and had won a freedom such as hardly anybody else had ever succeeded in winning, and as if nobody could dare to touch him or drive him away, or even speak to him; but—this conviction was at least equally strong—as if at the same time there was nothing more senseless, nothing more hopeless, than this freedom, this waiting, this inviolability.

> German: Vielleicht hatte er diese Macht, aber sie hätte ihm nichts nützen können; den Schlitten zurückzuholen bedeutete sich selbst vertreiben. So blieb er still als einziger, der den Platz behauptete, aber es war ein Sieg, der keine Freude machte. Abwechselnd sah er dem Herrn und dem Kutscher nach. Der Herr hatte schon die Tür erreicht, durch die K. zuerst den Hof betreten hatte, noch einmal blickte er zurück, K. glaubte ihn den Kopf schütteln zu sehen über soviel Hartnäckigkeit, dann wandte er sich mit einer entschlossenen kurzen endgültigen Bewegung um und betrat den Flur, in dem er gleich verschwand. Der Kutscher blieb länger auf dem Hof, er hatte viel Arbeit mit dem Schlitten, er mußte das schwere Stalltor aufmachen, durch Rückwärtsfahren den Schlitten an seinen Ort bringen, die Pferde ausspannen, zu ihrer Krippe führen, das alles machte er ernst, ganz in sich gekehrt, ohne jede Hoffnung auf eine baldige Fahrt; dieses schweigende Hantieren ohne jeden Seitenblick auf K. schien diesem ein viel härterer Vorwurf zu sein als das Verhalten des Herrn. Und als nun nach Beendigung der Arbeit im Stall der Kutscher quer über den Hof ging, in seinem langsamen schaukelnden Gang, das große Tor zumachte, dann zurückkam, alles langsam und förmlich nur in Betrachtung seiner eigenen Spur im Schnee, dann sich im Stall einschloß und nun auch alles elektrische Licht verlöschte - wem hätte es leuchten sollen - und nur noch oben der Spalt in der Holzgalerie grell blieb und den irrenden Blick ein wenig festhielt, da schien es K., als habe man nun alle Verbindung mit ihm abgebrochen und als sei er nun freilich freier als jemals und könne hier auf dem ihm sonst verbotenen Ort warten, solange er wolle, und habe sich die Freiheit erkämpft, wie kaum ein anderer es könnte, und niemand dürfe ihn anrühren oder vertreiben, ja kaum ansprechen, aber — diese Überzeugung war zumindest ebenso stark - als gäbe es gleichzeitig nichts Sinnloseres, nichts Verzweifelteres als diese Freiheit, dieses Warten, diese Unverletzlichkeit.

## 9. Chapter IX · Das neunte Kapitel

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[¶0] And he tore himself free and went back into the house—this time not along the wall, but straight through the snow—and met the landlord in the hall, who greeted him in silence and pointed towards the door of the taproom. K. followed the hint, for he was shivering and wanted to see human faces; but he was greatly disappointed when he saw there, sitting at a little table—which must have been specially set out, for usually the customers put up with upturned barrels—the young gentleman, and standing before him—an unwelcome sight for K.—the landlady from the Bridge Inn. Pepi, proud, her head thrown back and a fixed smile on her face, conscious of her incontestable dignity, her plait nodding with every movement, hurried to and fro, fetching beer and then pen and ink, for the gentleman had already spread out papers in front of him, was comparing dates which he looked up now in this paper, then again in a paper at the other end of the table, and was preparing to write. From her full height the landlady silently overlooked the gentleman and the papers, her lips pursed a little as if musing; it was as if she had already said everything necessary and it had been well received. “The Land Surveyor at last,” said the gentleman at K.’s entrance, looking up briefly, then burying himself again in his papers. The landlady too only gave K. an indifferent and not in the least surprised glance. But Pepi actually seemed to notice K. for the first time when he went up to the bar and ordered a brandy.

> German: Und er riß sich los und ging ins Haus zurück, diesmal nicht an der Mauer entlang, sondern mitten durch den Schnee, traf im Flur den Wirt, der ihn stumm grüßte, und auf die Tür des Ausschanks zeigte, folgte dem Wink, weil ihn fror und weil er Menschen sehen wollte, war aber sehr enttäuscht, als er dort an einem Tischchen, das wohl eigens hingestellt worden war, denn sonst begnügte man sich dort mit Fässern, den jungen Herrn sitzen und vor ihm – ein für K. bedrückender Anblick – die Wirtin aus dem Brückengasthaus stehen sah. Pepi, stolz, mit zurückgeworfenem Kopf, ewig gleichem Lächeln, ihrer Würde unwiderlegbar sich bewußt, schwenkend den Zopf bei jeder Wendung, eilte hin und wieder, brachte Bier und dann Tinte und Feder, denn der Herr hatte Papiere vor sich ausgebreitet, verglich Daten, die er einmal in diesem, dann wieder einmal in einem Papiere am andern Ende des Tisches fand, und wollte nun schreiben. Die Wirtin von ihrer Höhe überblickte still mit ein wenig aufgestülpten Lippen wie ausruhend den Herrn und die Papiere, so, als habe sie schon alles Nötige gesagt und es sei gut aufgenommen worden. „Der Herr Landvermesser endlich", sagte der Herr bei K.s Eintritt mit kurzem Aufschauen, dann vertiefte er sich wieder in seine Papiere. Auch die Wirtin streifte K. nur mit einem gleichgültigen, gar nicht überraschten Blick. Pepi aber schien K. überhaupt erst zu bemerken, als er zum Ausschankpult trat und einen Kognak bestellte.

[¶1] K. leaned there, his hands pressed to his eyes, oblivious of everything. Then he took a sip of the brandy and pushed it back, saying it was undrinkable. “All the gentlemen drink it,” replied Pepi curtly, poured out the remainder, washed the glass and set it on the rack. “The gentlemen have better stuff as well,” said K. “It’s possible,” replied Pepi, “but I haven’t,” and with that she was finished with K. and once more at the gentleman’s service, who, however, was in need of nothing, and behind whom she only kept walking to and fro in circles, making respectful attempts to catch a glimpse of the papers over his shoulder; but that was only her senseless curiosity and self-importance, which the landlady, too, reprehended with knitted brows.

> German: K. lehnte dort, drückte die Hand an die Augen und kümmerte sich um nichts. Dann nippte er von dem Kognak und schob ihn zurück, weil er ungenießbar sei. „Alle Herren trinken ihn", sagte Pepi kurz, goß den Rest aus, wusch das Gläschen und stellte es ins Regal. „Die Herren haben auch besseren", sagte K. „Möglich," sagte Pepi, „ich aber nicht", damit hatte sie K. erledigt und war wieder dem Herrn zu Diensten, der aber nichts benötigte und hinter dem sie nur im Bogen immerfort auf und ab ging, mit respektvollen Versuchen, über seine Schultern hinweg einen Bück auf die Papiere zu werfen; es war aber nur wesenlose Neugier und Großtuerei, welche auch die Wirtin mit zusammengezogenen Augenbrauen mißbilligte.

[¶2] Then suddenly the landlady’s attention was distracted, she stared, listening intently, into vacancy. K. turned round, he could not hear anything in particular, nor did the others seem to hear anything; but the landlady ran on tiptoe and taking large steps to the door which led to the courtyard, peered through the keyhole, turned then to the others with wide, staring eyes and flushed cheeks, signed to them with her finger to come near, and now they peered through the keyhole by turns; the landlady had, of course the lion’s share, but Pepi too was considered; the gentleman was on the whole the most indifferent of the three. Pepi and the gentleman came away soon, but the landlady kept on peering anxiously, bent double, almost kneeling; one had almost the feeling that she was only imploring the keyhole now to let her through, for there had certainly been nothing more to see for a long time. When at last she got up, passed her hands over her face, arranged her hair, took a deep breath, and now at last seemed to be trying with reluctance to accustom her eyes again to the room and the people in it, K. said, not so much to get his suspicions confirmed, as to forestall the announcement, so open to attack did he feel now: “Has Klamm gone already then?” The landlady walked past him in silence, but the gentleman answered from his table: “Yes, of course. As soon as you gave up your sentry go, Klamm was able to leave. But it’s strange how sensitive he is. Did you notice, landlady, how uneasily Klamm looked around him?” The landlady did not appear to have noticed it, but the gentleman went on: “Well, fortunately there was nothing more to be seen, the coachman had effaced even the footprints in the snow.” “The landlady didn’t notice anything,” said K., but he said it without conviction, merely provoked by the gentleman’s assertion, which was uttered in such a final and unanswerable tone. “Perhaps I wasn’t at the keyhole just then,” said the landlady presently, to back up the gentleman, but then she felt compelled to give Klamm his due as well, and added: “All the same, I can’t believe in this terrible sensitiveness of Klamm. We are anxious about him and try to guard him, and so go on to infer that he’s terribly sensitive. That’s as it should be and it’s certainly Klamm’s will. But how it is in reality we don’t know. Certainly, Klamm will never speak to anybody that he doesn’t want to speak to, no matter how much trouble this anybody may take, and no matter how insufferably forward he may be; but that fact alone, that Klamm will never speak to him, never allow him to come into his presence, is enough in itself: why after all should it follow that he isn’t able to endure seeing this anybody? At any rate, it can’t be proved, seeing that it will never come to the test.” The gentleman nodded eagerly. “That is essentially my opinion too, of course,” he said, “if I expressed myself a little differently, it was to make myself comprehensible to the Land Surveyor. All the same it’s a fact that when Klamm stepped out of the doorway he looked round him several times.” “Perhaps he was looking for me,” said K. “Possibly,” said the gentleman, “I hadn’t thought of that.” They all laughed, Pepi, who hardly understood anything that was being said, loudest of all.

> German: Plötzlich aber horchte die Wirtin auf und starrte, ganz dem Horchen hingegeben, ins Leere. K. drehte sich um, er hörte gar nichts besonderes, auch die andern schienen nichts zu hören, aber die Wirtin lief auf den Fußspitzen mit großen Schritten zu der Tür, die in den Hof führte, blickte durchs Schlüsselloch, wandte sich dann zu den andern mit aufgerissenen Augen, erhitztem Gesicht, winkte sie mit dem Finger zu sich und nun blickten sie abwechselnd durch, der Wirtin blieb zwar der größte Anteil, aber auch Pepi wurde immer bedacht, der Herr war der verhältnismäßig gleichgültigste. Pepi und der Herr kamen auch bald zurück, nur die Wirtin sah noch immer angestrengt hindurch, tief gebückt, fast kniend, man hatte fast den Eindruck, als beschwöre sie jetzt nur noch das Schlüsselloch, sie durchzulassen, denn zu sehen war wohl schon längst nichts mehr. Als sie sich dann endlich doch erhob, mit den Händen das Gesicht überfuhr, die Haare ordnete, tief Atem holte, die Augen scheinbar erst wieder an das Zimmer und die Leute hier gewöhnen mußte und es mit Widerwillen tat, sagte K., nicht um sich etwas bestätigen zu lassen, was er wußte, sondern um einem Angriff zuvorzukommen, den er fast fürchtete, so verletzlich war es jetzt: „Ist also Klamm schon fortgefahren?“ Die Wirtin ging stumm an ihm vorüber, aber der Herr sagte von seinem Tischchen her; „Ja, gewiß. Da Sie Ihren Wachtposten aufgegeben hatten, konnte ja Klamm fahren. Aber wunderbar ist es, wie empfindlich der Herr ist. Bemerkten Sie, Frau Wirtin, wie unruhig Klamm ringsumher sah?“ Die Wirtin schien das nicht bemerkt zu haben, aber der Herr fuhr fort: „Nun, glücklicherweise war ja nichts mehr zu sehen, der Kutscher hatte auch die Fußspuren im Schnee glattgekehrt.“ „Die Frau Wirtin hat nichts bemerkt,“ sagte K., aber er sagte es nicht aus irgendeiner Hoffnung, sondern nur gereizt durch des Herrn Behauptung, die so abschließend und inappellabel hatte klingen wollen. „Vielleicht war ich gerade nicht beim Schlüsselloch“, sagte die Wirtin zunächst, um den Herrn in Schutz zu nehmen, dann aber wollte sie auch Klamm sein Recht geben und fügte hinzu: „Allerdings, ich glaube nicht an eine so große Empfindlichkeit Klamms. Wir freilich haben Angst um ihn und suchen ihn zu schützen und gehen hiebei von der Annahme einer äußersten Empfindlichkeit Klamms aus. Das ist gut so und gewiß Klamms Wille. Wie es sich aber in Wirklichkeit verhält, wissen wir nicht. Gewiß, Klamm wird mit jemandem, mit dem er nicht sprechen will, niemals sprechen, soviel Mühe sich auch dieser Jemand gibt und so unerträglich er sich vordrängt, aber diese Tatsache allein, daß Klamm niemals mit ihm sprechen, niemals ihn vor sein Angesicht kommen lassen wird, genügt ja, warum sollte er in Wirklichkeit den Anblick irgend jemandes nicht ertragen können. Zumindest läßt es sich nicht beweisen, da es niemals zur Probe kommen wird.“ Der Herr nickte eifrig. „Es ist das natürlich im Grunde auch meine Meinung,“ sagte er, „habe ich mich ein wenig anders ausgedrückt, so geschah es, um dem Herrn Landvermesser verständlich zu sein. Richtig jedoch ist, daß sich Klamm, als er ins Freie trat, mehrmals im Halbkreis umgesehen hat.“ „Vielleicht hat er mich gesucht“, sagte K. „Möglich,“ sagte der Herr, „darauf bin ich nicht verfallen.“ Alle lachten, Pepi, die kaum etwas von dem Ganzen verstand, am lautesten.

[¶3] “Seeing we’re all so happy here now,” the gentleman went on, “I want to beg you very seriously, Land Surveyor, to enable me to complete my papers by answering a few questions.” “There’s a great deal of writing there,” said K. glancing at the papers from where he was standing. “Yes, a wretched bore,” said the gentleman laughing again, “but perhaps you don’t know yet who I am. I’m Momus, the village secretary.” At these words seriousness descended on the room; although the landlady and Pepi knew quite well who the gentleman was, yet they seemed staggered by the utterance of his name and rank. And even the gentleman himself, as if he had said more than his judgment sanctioned, and as if he were resolved to escape at least from any aftereffects of the solemn import implicit in his own words, buried himself in his papers and began to write, so that nothing was heard in the room but the scratching of his pen. “What is that: village secretary?” asked K. after a pause. The landlady answered for Momus, who now that he had introduced himself did not regard it seemly to give such explanations himself: “Herr Momus is Klamm’s secretary in the same sense as any of Klamm’s secretaries, but his official province, and if I’m not mistaken, his official standing”—still writing Momus shook his head decidedly and the landlady amended her phrase—“well then, his official province, but not his official standing, is confined to the village. Herr Momus despatches any clerical work of Klamm’s which may become necessary in the village and as Klamm’s deputy receives any petitions to Klamm which may be sent by the village.” As, still quite unimpressed by these facts, K. looked at the landlady with vacant eyes, she added in a half-embarrassed tone: “That’s how it’s arranged; all the gentlemen in the Castle have their village secretaries.” Momus, who had been listening far more attentively than K., supplied the landlady with a supplementary fact: “Most of the village secretaries work only for one gentleman, but I work for two, for Klamm and for Vallabene.” “Yes,” went on the landlady, remembering now on her side too, and turning to K.: “Herr Momus works for two gentlemen, for Klamm and for Vallabene, and so is twice a village secretary.” “Actually twice,” said K. nodding to Momus—who now, leaning slightly forward, looked him full in the face—as one nods to a child whom one has just heard being praised. If there was a certain contempt in the gesture, then it was either unobserved or else actually expected. Precisely to K., it seemed, who was not considered worthy even to be seen in passing by Klamm, these people had described in detail the services of a man out of Klamm’s circle with the unconcealed intention of evoking K.’s recognition and admiration. And yet K. had no proper appreciation of it; he, who with all his powers strove to get a glimpse of Klamm, valued very little, for example, the post of a Momus who was permitted to live in Klamm’s eye; for it was not Klamm’s environment in itself that seemed to him worth striving for, but rather that he, K., he only and no one else, should attain to Klamm, and should attain to him not to rest with him, but to go on beyond him, farther yet, into the Castle.

> German: „Da wir jetzt so fröhlich beisammen sind,“ sagte dann der Herr, „würde ich Sie, Herr Landvermesser, sehr bitten, durch einige Angaben meine Akten zu ergänzen.“ „Es wird hier viel geschrieben“, sagte K. und blickte von der Ferne auf die Akten hin. „Ja, eine schlechte Angewohnheit,“ sagte der Herr und lachte wieder, „aber vielleicht wissen Sie noch gar nicht, wer ich bin. Ich bin Momus, der Dorfsekretär Klamms.“ Nach diesen Worten wurde es im ganzen Zimmer ernst; trotzdem die Wirtin und Pepi den Herrn natürlich gut kannten, waren sie doch wie betroffen von der Nennung des Namens und der Würde. Und sogar der Herr selbst, als habe er für die eigene Aufnahmefähigkeit zuviel gesagt und als wolle er wenigstens vor jeder nachträglichen, den eigenen Worten innewohnenden Feierlichkeit sich flüchten, vertiefte sich in die Akten und begann zu schreiben, daß man im Zimmer nichts als die Feder hörte. „Was ist denn das: Dorfsekretär“, fragte K. nach einem Weilchen. Für Momus, der es jetzt, nachdem er sich vorgestellt hatte, nicht mehr für angemessen hielt, solche Erklärungen selbst zu geben, sagte die Wirtin: „Herr Momus ist der Sekretär Klamms wie irgendeiner der Klammschen Sekretäre, aber sein Amtssitz und, wenn ich nicht irre, auch seine Amtswirksamkeit“ - Momus schüttelte aus dem Schreiben heraus lebhaft den Kopf und die Wirtin verbesserte sich, „also nur sein Amtssitz, nicht seine Amtswirksamkeit sind auf das Dorf eingeschränkt. Herr Momus besorgt die im Dorfe nötig werdenden schriftlichen Arbeiten Klamms und empfängt alle aus dem Dorf stammenden Ansuchen an Klamm als Erster.“ Als K., noch wenig ergriffen von diesen Dingen, die Wirtin mit leeren Augen ansah, fügte sie halb verlegen hinzu: „So ist es eingerichtet, alle Herren aus dem Schloß haben ihre Dorfsekretäre.“ Momus, der viel aufmerksamer als K. zugehört hatte, sagte ergänzend zur Wirtin: „Die meisten Dorfsekretäre arbeiten nur für einen Herrn, ich aber für zwei, für Klamm und für Vallabene.“ „Ja“, sagte die Wirtin, sich nun ihrerseits auch erinnernd und wandte sich an K. „Herr Momus arbeitet für zwei Herren, für Klamm und für Vallabene, ist also zweifacher Dorfsekretär.“ „Zweifacher gar“, sagte K. und nickte Momus, der jetzt fast vorgebeugt, voll zu ihm aufsah, zu, so wie man einem Kind zunickt, das man eben hat loben hören. Lag darin eine gewisse Verachtung, so wurde sie entweder nicht bemerkt oder geradezu verlangt. Gerade vor K., der doch nicht einmal würdig genug war, um von Klamm auch nur zufällig gesehen werden zu dürfen, wurden die Verdienste eines Mannes aus der nächsten Umgebung Klamms ausführlich dargestellt mit der unverhüllten Absicht, K.s Anerkennung und Lob herauszufordern. Und doch hatte K. nicht den richtigen Sinn dafür; er, der sich mit allen Kräften um einen Blick Klamms bemühte, schätzte z. B. die Stellung eines Momus, der unter Klamms Augen leben durfte, nicht hoch ein, fern war ihm Bewunderung oder gar Neid, denn nicht Klamms Nähe an sich war ihm das Erstrebenswerte, sondern daß er, K., nur er, kein anderer mit seinen, mit keines andern Wünschen an Klamm herankam und an ihn herankam, nicht um bei ihm zu ruhen, sondern um an ihm vorbeizukommen, weiter, ins Schloß.

[¶4] And he looked at his watch and said: “But now I must be going home.” Immediately the position changed in Momus’ favour. “Yes, of course,” the latter replied, “the school work calls. But you must favour me with just a moment of your time. Only a few short questions.” “I don’t feel in the mood for it,” said K. and turned towards the door. Momus brought down a document on the table and stood up; “In the name of Klamm I command you to answer my questions.” “In the name of Klamm!” repeated K., “does he trouble himself about my affairs then?” “As to that,” replied Momus, “I have no information and you certainly have still less; we can safely leave that to him. All the same I command you by virtue of my function granted by Klamm to stay here and to answer.” “Land Surveyor,” broke in the landlady, “I refuse to advise you any further, my advice till now, the most well-meaning that you could have got, has been cast back at me in the most unheard of manner; and I have come here to Herr Momus—I have nothing to hide—simply to give the office an adequate idea of your behaviour and your intentions and to protect myself for all time from having you quartered on me again; that’s how we stand towards each other and that’s how we’ll always stand, and if I speak my mind accordingly now, I don’t do it, I can tell you, to help you, but to ease a little the hard job which Herr Momus is bound to have in dealing with a man like you. All the same, just because of my absolute frankness—and I couldn’t deal otherwise than frankly with you even if I were to try—you can extract some advantage for yourself out of what I say, if you only take the trouble. In the present case I want to draw your attention to this, that the only road that can lead you to Klamm is through this protocol here of Herr Momus. But I don’t want to exaggerate, perhaps that road won’t get you as far as Klamm, perhaps it will stop long before it reaches him; the judgment of Herr Momus will decide that. But in any case that’s the only road that will take you in the direction of Klamm. And do you intend to reject that road, for nothing but pride?” “Oh, madam,” said K., “that’s neither the only road to Klamm, nor is it any better than the others. But you, Mr. Secretary, decide this question, whether what I may say here can get as far as Klamm or not.” “Of course it can,” said Momus, lowering his eyes proudly and gazing at nothing, “otherwise why should I be secretary here?” “Now you see, madam,” said K., “I don’t need a road to Klamm, but only to Mr. Secretary.” “I wanted to throw open this road for you,” said the landlady, “didn’t I offer this morning to send your request to Klamm? That might have been done through Herr Momus. But you refused, and yet from now on no other way will remain for you but this one. But frankly, after your attempt on Klamm’s privacy, with much less prospect of success. All the same this last, tiny, vanishing, yes, actually invisible hope, is your only one.” “How is it, madam,” said K., “that originally you tried so hard to keep me from seeing Klamm, and yet now take my wish to see him quite seriously, and seem to consider me lost largely on account of the miscarrying of my plan? If at one time you can advise me sincerely from your heart against trying to see Klamm at all, how can you possibly drive me on the road to Klamm now, apparently just as sincerely, even though it’s admitted that the road may not reach as far as him?” “Am I driving you on?” asked the landlady. “Do you call it driving you on when I tell you that your attempt is hopeless? It would really be the limit of audacity if you tried in that way to push the responsibility on to me. Perhaps it’s Herr Momus’ presence that encourages you to do it. No, Land Surveyor, I’m not trying to drive you on to anything. I can admit only one mistake, that I overestimated you a little when I first saw you. Your immediate victory over Frieda frightened me, I didn’t know what you might still be capable of. I wanted to prevent further damage, and thought that the only means of achieving that was to shake your resolution by prayers and threats. Since then I have learned to look on the whole thing more calmly. You can do what you like. Your actions may no doubt leave deep footprints in the snow out there in the courtyard, but they’ll do nothing more.” “The contradiction doesn’t seem to me to be quite cleared up,” said K., “but I’m content with having drawn attention to it. But now I beg you, Mr. Secretary, to tell me whether the landlady’s opinion is correct, that is, that the protocol which you want to take down from my answers can have the result of gaining me admission to Klamm. If that’s the case, I’m ready to answer all your questions at once. In that direction I’m ready, indeed, for anything.” “No,” replied Momus, “that doesn’t follow at all. It’s simply a matter of keeping an adequate record of this afternoon’s happenings for Klamm’s village register. The record is already complete, there are only two or three omissions which you must fill in for the sake of order; there’s no other object in view and no other object can be achieved.” K. gazed at the landlady in silence. “Why are you looking at me?” asked she, “did I say anything else? He’s always like that, Mr. Secretary, he’s always like that. Falsifies the information one gives him, and then maintains that he received false information. I’ve told him from the first and I tell him again today that he hasn’t the faintest prospect of being received by Klamm; well, if there’s no prospect in any case, he won’t alter that fact by means of this protocol. Could anything be clearer? I said further that this protocol is the only real official connection that he can have with Klamm. That too is surely clear and incontestable enough. But if in spite of that he won’t believe me, and keeps on hoping—I don’t know why or with what idea—that he’ll be able to reach Klamm, then so long as he remains in that frame of mind, the only thing that can help him is this one real official connection he has with Klamm, in other words this protocol. That’s all I have said, and whoever maintains the contrary twists my words maliciously.” “If that is so, madam,” said K., “then I beg your pardon, and I’ve misunderstood you; for I thought—erroneously, as it turns out now—that I could take out of your former words that there was still some very tiny hope for me.” “Certainly,” replied the landlady, “that’s my meaning exactly. You’re twisting my words again, only this time in the opposite way. In my opinion there is such a hope for you, and founded actually on this protocol and nothing else. But it’s not of such a nature that you can simply fall on Herr Momus with the question: ‘Will I be allowed to see Klamm if I answer your questions?’ When a child asks questions like that people laugh, when a grown man does it it is an insult to all authority; Herr Momus graciously concealed this under the politeness of his reply. But the hope that I mean consists simply in this, that through the protocol you have a sort of connection, a sort of connection perhaps with Klamm. Isn’t that enough? If anyone enquired for any services which might earn you the privilege of such a hope, could you bring forward the slightest one? For the last time, that’s the best that can be said about this hope of yours, and certainly Herr Momus in his official capacity could never give even the slightest hint of it. For him it’s a matter, as he says, merely of keeping a record of this afternoon’s happenings, for the sake of order; more than that he won’t say, even if you ask him this minute his opinion of what I’ve said.” “Will Klamm, then, Mr. Secretary,” asked K., “read the protocol?” “No,” replied Momus, “why should he? Klamm can’t read every protocol, in fact he reads none. Keep away from me with your protocols! he usually says.” “Land Surveyor,” groaned the landlady, “you exhaust me with such questions. Do you think it’s necessary, or even simply desirable, that Klamm should read this protocol and become acquainted word for word with the trivialities of your life? Shouldn’t you rather pray humbly that the protocol should be concealed from Klamm—a prayer, however, that would be just as unreasonable as the other, for who can hide anything from Klamm even though he has given many signs of his sympathetic nature? And is it even necessary for what you call your hope? Haven’t you admitted yourself that you would be content if you only got the chance of speaking to Klamm, even if he never looked at you and never listened to you? And won’t you achieve that at least through the protocol, perhaps much more?” “Much more?” asked K. “In what way?” “If you wouldn’t always talk about things like a child, as if they were for eating! Who on earth can give any answer to such questions? The protocol will be put in Klamm’s village register, you have heard that already, more than that can’t be said with certainty. But do you know yet the full importance of the protocol, and of Herr Momus, and of the village register? Do you know what it means to be examined by Herr Momus? Perhaps—to all appearances at least—he doesn’t know it himself. He sits quietly there and does his duty, for the sake of order, as he says. But consider that Klamm appointed him, that he acts in Klamm’s name, that what he does, even if it never reaches Klamm, has yet Klamm’s assent in advance. And how can anything have Klamm’s assent that isn’t filled by his spirit? Far be it from me to offer Herr Momus crude flattery—besides he would absolutely forbid it himself—but I’m speaking of him not as an independent person, but as he is when he has Klamm’s assent, as at present; then he’s an instrument in the hand of Klamm, and woe to anybody who doesn’t obey him.”

> German: Und er sah auf seine Uhr und sagte: „Nun muß ich aber nach Hause gehen.“ Sofort veränderte sich das Verhältnis zu Momus’ Gunsten. „Ja, freilich,“ sagte dieser, „die Schuldienerpflichten rufen. Aber einen Augenblick müssen Sie mir noch widmen. Nur paar kurze Fragen.“ „Ich habe keine Lust dazu“, sagte K. und wollte zur Tür gehen. Momus schlug einen Akt gegen den Tisch und stand auf: „Im Namen Klamms fordere ich Sie auf, meine Fragen zu beantworten.“ „In Klamms Namen!“ wiederholte K. „kümmern ihn denn meine Dinge?“ „Darüber", sagte Momus, „habe ich kein Urteil und Sie doch wohl noch viel weniger, das wollen wir also beide getrost ihm überlassen. Wohl aber fordere ich Sie in meiner mir von Klamm verliehenen Stellung auf, zu bleiben und zu antworten.“ „Herr Landvermesser," mischte sich die Wirtin ein, „ich hüte mich, Ihnen noch weiter zu raten, ich bin ja mit meinen bisherigen Ratschlägen, den wohlmeinendsten, die es geben kann, in unerhörter Weise von Ihnen abgewiesen worden und hierher zum Herrn Sekretär - ich habe nichts zu verbergen - bin ich nur gekommen, um das Amt von Ihrem Benehmen und Ihren Absichten gebührend zu verständigen und mich für alle Zeiten davor zu bewahren, daß Sie etwa neu bei mir einquartiert würden, so stehen wir zueinander und daran wird wohl nichts mehr geändert werden, und wenn ich daher jetzt meine Meinung sage, so tue ich es nicht etwa, um Ihnen zu helfen, sondern um dem Herrn Sekretär die schwere Aufgabe, die es bedeutet, mit einem Mann wie Ihnen zu verhandeln, ein wenig zu erleichtern. Trotzdem aber können Sie eben wegen meiner vollständigen Offenheit - anders als offen kann ich mit Ihnen nicht verkehren und selbst so geschieht es widerwillig - aus meinen Worten auch für sich Nutzen ziehen, wenn Sie nur wollen. Für diesen Fall mache ich Sie nun also darauf aufmerksam, daß der einzige Weg, der für Sie zu Klamm führt, hier durch die Protokolle des Herrn Sekretärs geht. Aber ich will nicht übertreiben, vielleicht führt der Weg nicht bis zu Klamm, vielleicht hört er weit vor ihm auf, darüber entscheidet das Gutdünken des Herrn Sekretärs. Jedenfalls aber ist es der einzige Weg, der für Sie wenigstens in der Richtung zu Klamm führt. Und auf diesen einzigen Weg wollen Sie verzichten, aus keinem anderen Grund als aus Trotz?“ „Ach Frau Wirtin,“ sagte K., „es ist weder der einzige Weg zu Klamm, noch ist er mehr wert als die andern. Und Sie, Herr Sekretär, entscheiden darüber, ob das, was ich hier sagen würde, bis zu Klamm dringen darf oder nicht.“ „Allerdings,“ sagte Momus, und blickte mit stolz gesenkten Augen rechts und links, wo nichts zu sehen war, „wozu wäre ich sonst Sekretär.“ „Nun sehen Sie, Frau Wirtin,“ sagte K, „nicht zu Klamm brauche ich einen Weg, sondern erst zum Herrn Sekretär.“ „Diesen Weg wollte ich Ihnen öffnen,“ sagte die Wirtin, „habe ich Ihnen nicht vormittag angeboten, Ihre Bitte an Klamm zu leiten? Dies wäre durch den Herrn Sekretär geschehen. Sie aber haben es abgelehnt und doch wird Ihnen jetzt nichts anderes übrigbleiben als nur dieser Weg. Freilich nach Ihrer heutigen Aufführung, nach dem versuchten Überfall auf Klamm, mit noch weniger Aussicht auf Erfolg. Aber diese letzte, kleinste, verschwindende, eigentlich gar nicht vorhandene Hoffnung ist doch Ihre einzige.“ „Wie kommt es, Frau Wirtin,“ sagte K., „daß Sie ursprünglich mich so sehr davon abzuhalten versucht haben, zu Klamm vorzudringen, und jetzt meine Bitte gar so ernst nehmen und mich beim Mißlingen meiner Pläne gewissermaßen für verloren zu halten scheinen? Wenn man mir einmal aus aufrichtigem Herzen davon abraten konnte, überhaupt zu Klamm zu streben, wie ist es möglich, daß man mich jetzt scheinbar ebenso aufrichtig auf dem Weg zu Klamm, mag er zugegebenerweise auch gar nicht bis hin führen, geradezu vorwärts treibt?“ „Treibe ich Sie denn vorwärts?“ sagte die Wirtin, „heißt es vorwärts treiben, wenn ich sage, daß Ihre Versuche hoffnungslos sind? Das wäre doch wahrhaftig das Äußerste an Kühnheit, wenn Sie auf solche Weise die Verantwortung für sich auf mich überwälzen wollten. Ist es vielleicht die Gegenwart des Herrn Sekretärs, die Ihnen dazu Lust macht? Nein, Herr Landvermesser, ich treibe Sie zu gar nichts an. Nur das eine kann ich gestehen, daß ich Sie, als ich Sie zum erstenmal sah, vielleicht ein wenig überschätzte. Ihr schneller Sieg über Frieda erschreckte mich, ich wußte nicht, wessen Sie noch fähig sein könnten, ich wollte weiteres Unheil verhüten und glaubte dies durch nichts anderes erreichen zu können, als daß ich Sie durch Bitten und Drohungen zu erschüttern versuchte. Inzwischen habe ich über das Ganze ruhiger denken gelernt. Mögen Sie tun, was Sie wollen. Ihre Taten werden vielleicht draußen im Schnee auf dem Hof tiefe Fußspuren hinterlassen, mehr aber nicht.“ „Ganz scheint mir der Widerspruch nicht aufgeklärt zu sein,“ sagte K., „doch ich gebe mich damit zufrieden, auf ihn aufmerksam gemacht zu haben. Nun bitte ich aber Sie, Herr Sekretär, mir zu sagen, ob die Meinung der Frau Wirtin richtig ist, daß nämlich das Protokoll, das Sie mit mir aufnehmen wollen, in seinen Folgen dazu führen könnte, daß ich vor Klamm erscheinen darf. Ist das der Fall, bin ich sofort bereit, alle Fragen zu beantworten. In dieser Hinsicht bin ich überhaupt zu allem bereit.“ „Nein,“ sagte Momus, „solche Zusammenhänge bestehen nicht. Es handelt sich nur darum, für die Klammsche Dorfregistratur eine genaue Beschreibung des heutigen Nachmittags zu erhalten. Die Beschreibung ist schon fertig, nur zwei, drei Lücken sollen Sie noch ausfüllen, der Ordnung halber, ein anderer Zweck besteht nicht und kann auch nicht erreicht werden.“ K. sah die Wirtin schweigend an. „Warum sehen Sie mich an,“ fragte die Wirtin, „habe ich vielleicht etwas anderes gesagt? So ist er immer, Herr Sekretär, so ist er immer. Fälscht die Auskünfte, die man ihm gibt, und behauptet dann falsche Auskunft bekommen zu haben. Ich sagte ihm seit jeher, heute und immer, daß er nicht die geringste Aussicht hat, von Klamm empfangen zu werden, nun, wenn es also keine Aussicht gibt, wird er sie auch durch dieses Protokoll nicht bekommen. Kann etwas deutlicher sein? Weiter sage ich, daß dieses Protokoll die einzige wirkliche amtliche Verbindung ist, die er mit Klamm haben kann. Auch das ist doch deutlich genug und unanzweifelbar. Wenn er mir nun aber nicht glaubt, immerfort - ich weiß nicht warum und wozu - hofft, zu Klamm vordringen zu können, dann kann ihm, wenn man in seinem Gedankengang bleibt, nur die einzige wirkliche amtliche Verbindung helfen, die er mit Klamm hat, also dieses Protokoll. Nur dieses habe ich gesagt und wer etwas anderes behauptet, verdreht böswillig die Worte.“ „Wenn es so ist, Frau Wirtin,“ sagte K., „dann bitte ich Sie um Entschuldigung, dann habe ich Sie mißverstanden, ich glaubte nämlich - irrigerweise, wie sich jetzt herausstellt - aus Ihren früheren Worten herauszuhören, daß doch irgendeine allerkleinste Hoffnung für mich besteht.“ „Gewiß,“ sagte die Wirtin, „das ist allerdings meine Meinung. Sie verdrehen meine Worte wieder, nur diesmal nach der entgegengesetzten Richtung. Eine derartige Hoffnung besteht für Sie meiner Meinung nach und gründet sich allerdings nur auf dieses Protokoll. Es verhält sich damit aber nicht so, daß Sie einfach den Herrn Sekretär mit der Frage anfallen können: ‚werde ich zu Klamm dürfen, wenn ich die Fragen beantworte.‘ Wenn ein Kind so fragt, lacht man darüber, wenn es ein Erwachsener tut, ist es eine Beleidigung des Amtes, der Herr Sekretär hat es nur durch die Feinheit seiner Antwort gnädig verdeckt. Die Hoffnung aber, die ich meine, besteht eben darin, daß Sie durch das Protokoll eine Art Verbindung, vielleicht eine Art Verbindung mit Klamm haben. Ist das nicht Hoffnung genug? Wenn man Sie nach Ihren Verdiensten fragte, die Sie des Geschenkes einer solchen Hoffnung würdig machen, könnten Sie das Geringste vorbringen? Freilich, Genaueres läßt sich über diese Hoffnung nicht sagen und insbesondere der Herr Sekretär wird in seiner amtlichen Eigenschaft niemals auch nur die geringste Andeutung darüber machen können. Für ihn handelt es sich, wie er sagte, nur um eine Beschreibung des heutigen Nachmittags, der Ordnung halber, mehr wird er nicht sagen, auch wenn Sie ihn gleich jetzt mit Bezug auf meine Worte danach fragen.“ „Wird denn, Herr Sekretär,“ fragte K., „Klamm dieses Protokoll lesen?“ „Nein,“ sagte Momus, „warum denn? Klamm kann doch nicht alle Protokolle lesen, er liest sogar überhaupt keine. Bleibt mir vom Leibe mit eueren Protokollen! pflegt er zu sagen.“ „Herr Landvermesser," klagte die Wirtin, „Sie erschöpfen mich mit solchen Fragen. Ist es denn nötig, oder auch nur wünschenswert, daß Klamm dieses Protokoll liest und von den Nichtigkeiten Ihres Lebens wortwörtlich Kenntnis bekommt, wollen Sie nicht lieber demütig bitten, daß man das Protokoll vor Klamm verbirgt, eine Bitte übrigens, die ebenso unvernünftig wäre wie die frühere, denn wer kann vor Klamm etwas verbergen, die aber doch einen sympathischeren Charakter erkennen ließe. Und ist es denn für das, was Sie Ihre Hoffnung nennen, nötig? Haben Sie nicht selbst erklärt, daß Sie zufrieden sein würden, wenn Sie nur Gelegenheit hätten vor Klamm zu sprechen, auch wenn er Sie nicht ansehen und Ihnen nicht zuhören würde? Und erreichen Sie durch dieses Protokoll nicht zumindest dieses, vielleicht aber viel mehr?“ „Viel mehr?“ fragte K., „auf welche Weise?“ „Wenn Sie nur nicht immer wie ein Kind alles gleich in eßbarer Form dargeboten haben wollten. Wer kann denn Antwort auf solche Fragen geben? Das Protokoll kommt in die Dorfregistratur Klamms, das haben Sie gehört, mehr kann darüber mit Bestimmtheit nicht gesagt werden. Kennen Sie aber denn schon die ganze Bedeutung des Protokolls, des Herrn Sekretärs, der Dorfregistratur? Wissen Sie, was es bedeutet, wenn der Herr Sekretär Sie verhört? Vielleicht oder wahrscheinlich weiß er es selbst nicht. Er sitzt ruhig hier und tut seine Pflicht, der Ordnung halber, wie er sagte. Bedenken Sie aber, daß ihn Klamm ernannt hat, daß er im Namen Klamms arbeitet, daß das, was er tut, wenn es auch niemals bis zu Klamm gelangt, doch von vornherein Klamms Zustimmung hat. Und wie kann etwas Klamms Zustimmung haben, was nicht von seinem Geiste erfüllt ist. Fern sei es von mir, damit etwa in plumper Weise dem Herrn Sekretär schmeicheln zu wollen, er würde es sich auch selbst sehr verbitten, aber ich rede nicht von seiner selbständigen Persönlichkeit, sondern davon, was er ist, wenn er Klamms Zustimmung hat, wie eben jetzt: Dann ist er ein Werkzeug, auf dem die Hand Klamms liegt, und wehe jedem, der sich ihm nicht fügt.“

[¶5] The landlady’s threats did not daunt K.; of the hopes with which she tried to catch him he was weary. Klamm was far away. Once the landlady had compared Klamm to an eagle, and that had seemed absurd in K.’s eyes, but it did not seem absurd now; he thought of Klamm’s remoteness, of his impregnable dwelling, of his silence, broken perhaps only by cries such as K. had never yet heard, of his downward-pressing gaze, which could never be proved or disproved, of his wheelings which could never be disturbed by anything that K. did down below, which far above he followed at the behest of incomprehensible laws and which only for instants were visible—all these things Klamm and the eagle had in common. But assuredly these had nothing to do with the protocol, over which just now Momus was crumbling a roll dusted with salt, which he was eating with beer to help it out, in the process all the papers becoming covered with salt and carroway seeds.

> German: Die Drohungen der Wirtin fürchtete K. nicht, der Hoffnungen, mit denen sie ihn zu fangen suchte, war er müde. Klamm war fern. Einmal hatte die Wirtin Klamm mit einem Adler verglichen und das war K. lächerlich erschienen, jetzt aber nicht mehr, er dachte an seine Ferne, an seine uneinnehmbare Wohnung, an seine, nur vielleicht von Schreien, wie sie K. noch nie gehört hatte, unterbrochene Stummheit, an seinen herabdringenden Blick, der sich niemals nachweisen, niemals widerlegen ließ, an seine von K.s Tiefe her unzerstörbaren Kreise, die er oben nach unverständlichen Gesetzen zog, nur für Augenblicke sichtbar - das alles war Klamm und dem Adler gemeinsam. Gewiß aber hatte damit dieses Protokoll nichts zu tun, über dem jetzt gerade Momus ein Salzbrezel auseinanderbrach, das er sich zum Bier schmecken ließ, wobei er alle Papiere mit Salz und Kümmel überstreute.

[¶6] “Good night,” said K. “I’ve an objection to any kind of examination,” and now he went at last to the door. “He’s going after all,” said Momus almost anxiously to the landlady. “He won’t dare,” said she; K. heard nothing more, he was already in the hall. It was cold and a strong wind was blowing. From a door on the opposite side came the landlord, he seemed to have been keeping the hall under observation from behind a peephole. He had to hold the tail of his coat round his knees, the wind tore so strongly at him in the hall. “You’re going already, Land Surveyor?” he asked. “You’re surprised at that?” asked K. “I am,” said the landlord, “haven’t you been examined then?” “No,” replied K. “I didn’t let myself be examined.” “Why not?” asked the landlord. “I don’t know,” said K., “why I should let myself be examined, why I should give in to a joke or an official whim. Perhaps some other time I might have taken it on my side too as a joke or at a whim, but not today.” “Why certainly, certainly,” said the landlord, but he agreed only out of politeness, not from conviction. “I must let the servants into the taproom now,” he said presently, “it’s long past their time. Only I didn’t want to disturb the examination.” “Did you consider it as important as all that?” asked K. “Well, yes,” replied the landlord. “I shouldn’t have refused,” said K. “No,” replied the landlord, “you shouldn’t have done that.” Seeing that K. was silent, he added, whether to comfort K. or to get away sooner; “Well, well, the sky won’t rain sulphur for all that.” “No,” replied K., “the weather signs don’t look like it.” And they parted laughing.

> German: „Gute Nacht,“ sagte K., „ich habe eine Abneigung gegen jedes Verhör“, und er ging nun wirklich zur Tür. „Er geht also doch“, sagte Momus fast ängstlich zur Wirtin. „Er wird es nicht wagen“, sagte diese, mehr hörte K. nicht, er war schon im Flur. Es war kalt und ein starker Wind wehte. Aus einer Tür gegenüber kam der Wirt, er schien dort hinter einem Guckloch den Flur unter Aufsicht gehalten zu haben. Die Schöße seines Rockes mußte er sich um den Leib schlagen, so riß der Wind selbst hier im Flur an ihnen. „Sie gehen schon, Herr Landvermesser?“ sagte er. „Sie wundern sich darüber?“ fragte K. „Ja,“ sagte der Wirt, „werden Sie denn nicht verhört?“ „Nein,“ sagte K., „ich ließ mich nicht verhören.“ „Warum nicht?“ fragte der Wirt. „Ich weiß nicht,“ sagte K., „warum ich mich verhören lassen solle, warum ich einem Spaß oder einer amtlichen Laune mich fügen solle. Vielleicht hätte ich es ein andermal gleichfalls aus Spaß oder Laune getan, heute aber nicht.“ „Nun ja gewiß“, sagte der Wirt, aber es war nur eine höfliche, keine überzeugte Zustimmung. „Ich muß jetzt die Dienerschaft in den Ausschank lassen,“ sagte er dann, „es ist schon längst ihre Stunde. Ich wollte nur das Verhör nicht stören.“ „Für so wichtig hielten Sie es?“ fragte K. „O ja“, sagte der Wirt. „Ich hätte es also nicht ablehnen sollen“, sagte K. „Nein,“ sagte der Wirt, „das hätten Sie nicht tun sollen.“ Da K. schwieg, fügte er hinzu, sei es, um K. zu trösten, sei es, um schneller fortzukommen: „Nun, nun, es muß aber deshalb nicht gleich Schwefel vom Himmel regnen.“ „Nein,“ sagte K., „danach sieht das Wetter nicht aus.“ Und sie gingen lachend auseinander.

## 10. Chapter X · Das zehnte Kapitel

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[¶0] K. stepped out into the windswept street and peered into the darkness. Wild, wild weather. As if there were some connection between the two he reflected again how the landlady had striven to make him accede to the protocol, and how he had stood out. The landlady’s attempt had of course not been a straightforward one, surreptitiously she had tried to put him against the protocol at the same time; in reality he could not tell whether he had stood out or given in. An intriguing nature, acting blindly, it seemed, like the wind, according to strange and remote behests which one could never guess at.

> German: Auf die wild umwehte Freitreppe trat K. hinaus und blickte in die Finsternis. Ein böses, böses Wetter. Irgendwie im Zusammenhang damit fiel ihm ein, wie sich die Wirtin bemüht hatte, ihn dem Protokoll gefügig zu machen, wie er aber standgehalten hatte. Es war freilich keine offene Bemühung, im geheimen hatte sie ihn gleichzeitig vom Protokoll fortgebracht, schließlich wußte man nicht, ob man standgehalten oder nachgegeben hatte. Eine intrigante Natur, scheinbar sinnlos arbeitend wie der Wind, nach fernen fremden Aufträgen, in die man nie Einsicht bekam.

[¶1] He had only taken a few steps along the main street when he saw two swaying lights in the distance; these signs of life gladdened him and he hastened towards them, while they too made in his direction. He could not tell why he was so disappointed when he recognised the assistants. Still, they were coming to meet him, evidently sent by Frieda, and the lanterns which delivered him from the darkness roaring round him were his own; nevertheless he was disappointed, he had expected something else, not those old acquaintances who were such a burden to him. But the assistants were not alone: out of the darkness between them Barnabas stepped out. “Barnabas!” cried K. and he held out his hand, “have you come to see me?” The surprise at meeting him again drowned at first all the annoyance which he had once felt at Barnabas. “To see you,” replied Barnabas unalterably friendly as before, “with a letter from Klamm.” “A letter from Klamm!” cried K. throwing back his head. “Lights here!” he called to the assistants, who now pressed close to him on both sides holding up their lanterns. K. had to fold the large sheet in small compass to protect it from the wind while reading it. Then he read: “To the Land Surveyor at the Bridge Inn. The surveying work which you have carried out thus far has been appreciated by me. The work of the assistants too deserves praise. You know how to keep them at their jobs. Do not slacken in your efforts! Carry your work on to a fortunate conclusion. Any interruption would displease me. For the rest be easy in your mind; the question of salary will presently be decided. I shall not forget you.” K. only looked up from the letter when the assistants, who read far more slowly than he, gave three loud cheers at the good news and waved their lanterns. “Be quiet,” he said, and to Barnabas: “There’s been a misunderstanding.” Barnabas did not seem to comprehend. “There’s been a misunderstanding,” K. repeated, and the weariness he had felt in the afternoon came over him again, the road to the schoolhouse seemed very long, and behind Barnabas he could see his whole family, and the assistants were still jostling him so closely that he had to drive them away with his elbows; how could Frieda have sent them to meet him when he had commanded that they should stay with her? He could quite well have found his own way home, and better alone, indeed, than in this company. And to make matters worse one of them had wound a scarf round his neck whose free ends flapped in the wind and had several times been flung against K.’s face; it is true, the other assistant had always disengaged the wrap at once with his long, pointed, perpetually mobile fingers, but that had not made things any better. Both of them seemed to have considered it an actual pleasure to walk here and back, and the wind and the wildness of the night threw them into raptures. “Get out!” shouted K., “seeing that you’ve come to meet me, why haven’t you brought my stick? What have I now to drive you home with?” They crouched behind Barnabas, but they were not too frightened to set their lanterns on their protector’s shoulders, right and left; however he shook them off at once. “Barnabas,” said K., and he felt a weight on his heart when he saw that Barnabas obviously did not understand him, that though his tunic shone beautifully when fortune was there, when things became serious no help was to be found in him, but only dumb opposition, opposition against which one could not fight, for Barnabas himself was helpless, he could only smile, but that was of just as little help as the stars up there against this tempest down below. “Look what Klamm has written!” said K., holding the letter before his face. “He has been wrongly informed. I haven’t done any surveying at all, and you see yourself how much the assistants are worth. And obviously too I can’t interrupt work which I’ve never begun; I can’t even excite the gentleman’s displeasure, so how can I have earned his appreciation? As for being easy in my mind, I can never be that.” “I’ll see to it,” said Barnabas, who all the time had been gazing past the letter, which he could not have read in any case, for he was holding it too close to his face. “Oh,” said K., “you promise me that you’ll see to it, but can I really believe you? I’m in need of a trustworthy messenger, now more than ever.” K. bit his lips with impatience. “Sir,” replied Barnabas with a gentle inclination of the head—K. almost allowed himself to be seduced by it again into believing Barnabas—“I’ll certainly see to it, and I’ll certainly see to the message you gave me last time as well.” “What!” cried K., “haven’t you see to that yet then? Weren’t you at the Castle next day?” “No,” replied Barnabas, “my father is old, you’ve seen him yourself, and there happened to be a great deal of work just then, I had to help him, but now I’ll be going to the Castle again soon.” “But what are you thinking of, you incomprehensible fellow?” cried K. beating his brow with his fist, “don’t Klamm’s affairs come before everything else then? You’re in an important position, you’re a messenger, and yet you fail me in this wretched manner? What does your father’s work matter? Klamm is waiting for this information, and instead of breaking your neck hurrying with it to him, you prefer to clean the stable!” “My father is a cobbler,” replied Barnabas calmly, “he had orders from Brunswick, and I’m my father’s assistant.” “Cobbler-orders-Brunswick!” cried K. bitingly, as if he wanted to abolish the words forever. “And who can need boots here in these eternally empty streets? And what is all this cobbling to me? I entrusted you with a letter, not so that you might mislay it and crumple it on your bench, but that you might carry it at once to Klamm!” K. became a little more composed now as he remembered that after all Klamm had apparently been all this time in the Herrenhof and not in the Castle at all; but Barnabas exasperated him again when, to prove that he had not forgotten K.’s first message, he now began to recite it. “Enough! I don’t want to hear any more,” he said. “Don’t be angry with me, sir,” said Barnabas, and as if unconsciously wishing to show disapproval of K. he withdrew his gaze from him and lowered his eyes, but probably he was only dejected by K.’s outburst. “I’m not angry with you,” said K., and his exasperation turned now against himself. “Not with you, but it’s a bad lookout for me only to have a messenger like you for important affairs.” “Look here,” said Barnabas, and it was as if, to vindicate his honour as a messenger, he was saying more than he should, “Klamm is really not waiting for your message, he’s actually cross when I arrive. ‘Another new message,’ he said once, and generally he gets up when he sees me coming in the distance and goes into the next room and doesn’t receive me. Besides, it isn’t laid down that I should go at once with every message; if it were laid down of course I would go at once; but it isn’t laid down, and if I never went at all, nothing could be said to me. When I take a message it’s of my own free will.” “Well and good,” replied K., staring at Barnabas and intentionally ignoring the assistants, who kept on slowly raising their heads by turns behind Barnabas’ shoulders as from a trapdoor, and hastily disappearing again with a soft whistle in imitation of the whistling of the wind, as if they were terrified at K.; they enjoyed themselves like this for a long time. “What it’s like with Klamm I don’t know, but that you can understand everything there properly I very much doubt, and even if you did, we couldn’t better things there. But you can carry a message and that’s all I ask you. A quite short message. Can you carry it for me tomorrow and bring me the answer tomorrow, or at least tell me how you were received? Can you do that and will you do that? It would be of great service to me. And perhaps I’ll have a chance yet of rewarding you properly, or have you any wish now, perhaps, that I can fulfil?” “Certainly I’ll carry out your orders,” said Barnabas. “And will you do your utmost to carry them out as well as you can, to give the message to Klamm himself, to get a reply from Klamm himself, and immediately, all this immediately, tomorrow, in the morning, will you do that?” “I’ll do my best,” replied Barnabas, “but I always do that.” “We won’t argue any more about it now,” said K. “This is the message: ‘The Land Surveyor begs the Director to grant him a personal interview; he accepts in advance any conditions which may be attached to the permission to do this. He is driven to make this request because until now every intermediary has completely failed; in proof of this he advances the fact that till now he has not carried out any surveying at all, and according to the information given him by the Village Superintendent will never carry out such work; consequently it is with humiliation and despair that he has read the last letter of the Director; only a personal interview with the Director can be of help here. The Land Surveyor knows how extraordinary his request is, but he will exert himself to make his disturbance of the Director as little felt as possible; he submits himself to any and every limitation of time, also any stipulation which may be considered necessary as to the number of words which may be allowed him during the interview, even with ten words he believes he will be able to manage. In profound respect and extreme impatience he awaits your decision.’ ” K. had forgotten himself while he was speaking, it was as if he were standing before Klamm’s door talking to the porter. “It has grown much longer than I had thought,” he said, “but you must learn it by heart, I don’t want to write a letter, it would only go the same endless way as the other papers.” So for Barnabas’ guidance, K. scribbled it on a scrap of paper on one of the assistants’ backs, while the other assistant held up the lantern; but already K. could take it down from Barnabas’ dictation, for he had retained it all and spoke it out correctly, without being put off by the misleading interpolations of the assistants. “You’ve an extraordinary memory,” said K., giving him the paper, “but now show yourself extraordinary in the other things as well. And any requests? Have you none? It would reassure me a little—I say it frankly—regarding the fate of my message, if you had any.” At first Barnabas remained silent, then he said: “My sisters send you their greetings.” “Your sisters,” replied K. “Oh, yes, the big strong girls.” “Both send you their greetings, but Amalia in particular,” said Barnabas, “besides it was she who brought me this letter for you today from the Castle.” Struck by this piece of information, K. asked: “Couldn’t she take my message to the Castle as well? Or couldn’t you both go and each of you try your luck?” “Amalia isn’t allowed into the Chancellory,” said Barnabas, “otherwise she would be very glad to do it.” “I’ll come and see you perhaps tomorrow,” said K., “only you come to me first with the answer. I’ll wait for you in the school. Give my greetings to your sisters too.” K.’s promise seemed to make Barnabas very happy, and after they had shaken hands he could not help touching K. lightly on the shoulder. As if everything were once more as it had been when Barnabas first walked into the inn among the peasants in all his glory, K. felt this touch on his shoulder as a distinction, though he smiled at it. In a better mood now, he let the assistants do as they pleased on the way home.

> German: Kaum hatte er ein paar Schritte auf der Landstraße gemacht, als er in der Ferne zwei schwankende Lichter sah; dieses Zeichen des Lebens freute ihn und er eilte auf sie zu, die ihm auch ihrerseits entgegenschwebten. Er wußte nicht, warum er so enttäuscht war, als er die Gehilfen erkannte. Sie kamen ihm doch entgegen, wahrscheinlich von Frieda geschickt, und die Laternen, die ihn vor der Finsternis befreiten, in der es ringsum gegen ihn lärmte, waren wohl sein Eigentum, trotzdem war er enttäuscht, er hatte Fremde erwartet, nicht diese alten Bekannten, die ihm eine Last waren. Aber es waren nicht nur die Gehilfen, aus dem Dunkel zwischen ihnen trat Barnabas hervor. „Barnabas“, rief K., und streckte ihm die Hand entgegen, „kommst du zu mir?“ Die Überraschung des Wiedersehens machte zunächst allen Ärger vergessen, den Barnabas K. einmal verursacht hatte. „Zu dir“, sagte Barnabas unverändert freundlich wie einst, „mit einem Brief von Klamm.“ „Ein Brief von Klamm!“ sagte K., den Kopf zurückwerfend und nahm ihn eilig aus des Barnabas Hand. „Leuchtet!“ sagte er zu den Gehilfen, die sich rechts und links eng an ihn drückten und die Laternen hoben. K. mußte den großen Briefbogen zum Lesen ganz klein zusammenfalten, um ihn vor dem Wind zu schützen. Dann las er: „Dem Herrn Landvermesser im Brückenhof! Die landvermesserischen Arbeiten, die Sie bisher ausgeführt haben, finden meine Anerkennung. Auch die Arbeiten der Gehilfen sind lobenswert. Sie wissen sie gut zu Arbeit anzuhalten. Lassen Sie nicht nach in Ihrem Eifer! Führen Sie die Arbeiten zu einem guten Ende. Eine Unterbrechung würde mich erbittern. Im übrigen seien Sie getrost, die Entlohnungsfrage wird nächstens entschieden werden. Ich behalte Sie im Auge.“ K. sah vom Brief erst auf, als die viel langsamer als er lesenden Gehilfen zur Feier der guten Nachrichten dreimal laut Hurra riefen und die Laternen schwenkten. „Seid ruhig“, sagte er und zu Barnabas: „Es ist ein Mißverständnis“, Barnabas verstand ihn nicht. „Es ist ein Mißverständnis“, wiederholte K. und die Müdigkeit des Nachmittags kam wieder, der Weg ins Schulhaus schien ihm noch so weit und hinter Barnabas stand dessen ganze Familie auf und die Gehilfen drückten sich noch immer an ihn, so daß er sie mit dem Ellbogen wegstieß; wie hatte Frieda sie ihm entgegenschicken können, der er doch befohlen hatte, sie sollten bei ihr bleiben. Den Nachhauseweg hätte er auch allein gefunden und leichter allein als in dieser Gesellschaft. Nun hatte überdies der eine ein Tuch um den Hals geschlungen, dessen freie Enden im Wind flatterten und einigemal gegen das Gesicht K.s geschlagen hatten, der andere Gehilfe hatte allerdings immer gleich das Tuch von K.s Gesicht mit seinen langen spitzen, immerfort spielenden Fingern weggenommen, damit aber die Sache nicht besser gemacht. Beide schienen sogar an dem Hin und Her Gefallen gefunden zu haben, wie sie überhaupt der Wind und die Unruhe der Nacht begeisterte. „Fort,“ schrie K., „wenn ihr mir schon entgegengekommen seid, warum habt ihr nicht meinen Stock mitgebracht? Womit soll ich euch denn nach Hause treiben?“ Sie duckten sich hinter Barnabas, aber so verängstigt waren sie nicht, daß sie nicht doch ihre Laternen rechts und links auf die Achseln ihres Beschützers gestellt hätten, er schüttelte sie freilich gleich ab. „Barnabas“, sagte K. und es legte sich ihm schwer aufs Herz, daß ihn Barnabas sichtlich nicht verstand, daß in ruhigen Zeiten seine Jacke schön glänzte, wenn es aber Ernst wurde, keine Hilfe, nur stummer Widerstand zu finden war, Widerstand, gegen den man nicht ankämpfen konnte, denn er selbst war wehrlos, nur ein Lächeln leuchtete, aber es half ebensowenig wie die Sterne oben gegen den Sturmwind hier unten. „Sieh, was mir der Herr schreibt“, sagte K. und hielt ihm den Brief vors Gesicht. „Der Herr ist falsch unterrichtet. Ich mache doch keine Vermesserarbeit, und was die Gehilfen wert sind, siehst du selbst. Und die Arbeit, die ich nicht mache, kann ich freilich auch nicht unterbrechen, nicht einmal die Erbitterung des Herrn kann ich erregen, wie sollte ich seine Anerkennung verdienen! Und getrost kann ich niemals sein.“ „Ich werde es ausrichten“, sagte Barnabas, der die ganze Zeit über am Brief vorbeigesehen hatte, den er allerdings auch gar nicht hätte lesen können, denn er hatte ihn dicht vor dem Gesicht. „Ach,“ sagte K., „du versprichst mir, daß du es ausrichten wirst, aber kann ich dir denn wirklich glauben? So sehr brauche ich einen vertrauenswürdigen Boten, jetzt mehr als jemals.“ K. biß in die Lippe vor Ungeduld. „Herr,“ sagte Barnabas mit einer weichen Neigung des Halses - fast hätte K. sich wieder von ihr verführen lassen, Barnabas zu glauben - „ich werde es gewiß ausrichten, auch was du mir letzthin aufgetragen hast, werde ich gewiß ausrichten.“ „Wie!“ rief K., „hast du denn das noch nicht ausgerichtet? Warst du denn nicht am nächsten Tag im Schloß?“ „Nein,“ sagte Barnabas, „mein guter Vater ist alt, du hast ihn ja gesehen, und es war gerade viel Arbeit da, ich mußte ihm helfen, aber nun werde ich bald wieder einmal ins Schloß gehen.“ „Aber was tust du denn, unbegreiflicher Mensch,“ rief K., und schlug sich an die Stirn, „gehen denn nicht Klamms Sachen allen andern vor? Du hast das hohe Amt eines Boten und verwaltest es so schmählich? Wen kümmert die Arbeit deines Vaters? Klamm wartet auf die Nachricht und du, statt im Lauf dich zu überschlagen, ziehst es vor, den Mist aus dem Stall zu führen.“ „Mein Vater ist Schuster,“ sagte Barnabas unbeirrt, „er hatte Aufträge von Brunswick, und ich bin ja des Vaters Geselle.“ „Schuster-Aufträge-Brunswick“, rief K. verbissen, als mache er jedes der Worte für immer unbrauchbar. „Und wer braucht denn hier Stiefel auf den ewig leeren Wegen. Und was kümmert mich diese ganze Schusterei, eine Botschaft habe ich dir anvertraut, nicht damit du sie auf der Schusterbank vergißt und verwirrst, sondern damit du sie gleich hinträgst zum Herrn.“ Ein wenig beruhigte sich hier K., als ihm einfiel, daß ja Klamm wahrscheinlich die ganze Zeit über nicht im Schloß, sondern im Herrenhof gewesen war, aber Barnabas reizte ihn wieder, als er K.s erste Nachricht, zum Beweis, daß er sie gut behalten hatte, aufzusagen begann. „Genug, ich will nichts wissen“, sagte K. „Sei mir nicht böse, Herr", sagte Barnabas, und wie wenn er unbewußt K. strafen wollte, entzog er ihm seinen Blick und senkte die Augen, aber es war wohl Bestürzung wegen K.s Schreien. „Ich bin dir nicht böse“, sagte K. und seine Unruhe wandte sich nun gegen ihn selbst. „Dir nicht, aber es ist sehr schlimm für mich, nur einen solchen Boten zu haben, für die wichtigen Dinge.“ „Sieh,“ sagte Barnabas und es schien, als sage er, um seine Botenehre zu verteidigen, mehr als er dürfte, „Klamm wartet doch nicht auf die Nachrichten, er ist sogar ärgerlich, wenn ich komme, ‚wieder neue Nachrichten‘, sagte er einmal und meistens steht er auf, wenn er mich von der Ferne kommen sieht, geht ins Nebenzimmer und empfängt mich nicht. Es ist auch nicht bestimmt, daß ich gleich mit jeder Botschaft kommen soll, wäre es bestimmt, käme ich natürlich gleich, aber es ist nichts darüber bestimmt, und wenn ich niemals käme, würde ich nicht darum gemahnt werden. Wenn ich eine Botschaft bringe, geschieht es freiwillig.“ „Gut“, sagte K., Barnabas beobachtend und geflissentlich wegsehend von den Gehilfen, welche abwechselnd hinter Barnabas’ Schultern wie aus der Versenkung langsam aufstiegen und schnell mit einem leichten, dem Winde nachgemachten Pfeifen, als seien sie von K.s Anblick erschreckt, wieder verschwanden, so vergnügten sie sich lange. „Wie es bei Klamm ist, weiß ich nicht; daß du dort alles genau erkennen kannst, bezweifle ich, und selbst wenn du es könntest, wir könnten diese Dinge nicht verbessern. Aber eine Botschaft überbringen, das kannst du und darum bitte ich dich. Eine ganz kurze Botschaft. Kannst du sie gleich morgen überbringen und gleich morgen mir die Antwort sagen oder wenigstens ausrichten, wie du aufgenommen wurdest? Kannst du das und willst du es tun? Es wäre für mich sehr wertvoll. Und vielleicht bekomme ich noch Gelegenheit, dir entsprechend zu danken oder vielleicht hast du schon jetzt einen Wunsch, den ich dir erfüllen kann.“ „Gewiß werde ich den Auftrag ausführen“, sagte Barnabas. „Und willst du dich anstrengen, ihn möglichst gut auszuführen, Klamm selbst ihn überreichen, von Klamm selbst die Antwort bekommen und gleich, alles gleich, morgen, noch am Vormittag, willst du das?“ „Ich werde mein Bestes tun,“ sagte Barnabas, „aber das tue ich immer.“ „Wir wollen jetzt nicht mehr darüber streiten,“ sagte K., „das ist der Auftrag: Der Landvermesser K. bittet den Herrn Vorstand ihm zu erlauben, persönlich bei ihm vorzusprechen, er nimmt von vornherein jede Bedingung an, welche an eine solche Erlaubnis geknüpft werden könnte. Zu seiner Bitte ist er deshalb gezwungen, weil bisher alle Mittelspersonen vollständig versagt haben, zum Beweis führt er an, daß er nicht die geringste Vermesserarbeit bisher ausgeführt hat und nach den Mitteilungen des Gemeindevorstehers auch niemals ausführen wird; mit verzweifelter Beschämung hat er deshalb den letzten Brief des Herrn Vorstandes gelesen, nur die persönliche Vorsprache beim Herrn Vorstand kann hier helfen. Der Landvermesser weiß, wieviel er damit erbittet, aber er wird sich anstrengen, die Störung dem Herrn Vorstand möglichst wenig fühlbar zu machen, jeder zeitlichen Beschränkung unterwirft er sich, auch einer etwa als notwendig erachteten Festsetzung der Zahl der Worte, die er bei der Unterredung gebrauchen darf, fügt er sich, schon mit zehn Worten glaubt er auskommen zu können. In tiefer Ehrfurcht und äußerster Ungeduld erwartet er die Entscheidung.“ K. hatte in Selbstvergessenheit gesprochen, so, als stehe er vor Klamms Tür und spreche mit dem Türhüter. „Es ist viel länger geworden, als ich dachte,“ sagte er dann, „aber du mußt es doch mündlich ausrichten, einen Brief will ich nicht schreiben, er würde ja doch wieder nur den endlosen Aktenweg gehen.“ So kritzelte es K. nur für Barnabas auf einem Stück Papier auf eines Gehilfen Rücken, während der andere leuchtete, aber K. konnte es schon nach dem Diktat Barnabas aufschreiben, der alles behalten hatte und es schülerhaft genau aufsagte, ohne sich um das falsche Einsagen der Gehilfen zu kümmern. „Dein Gedächtnis ist außerordentlich,“ sagte K. und gab ihm das Papier, „nun aber bitte, zeige dich außerordentlich auch in anderem. Und die Wünsche? Hast du keine? Es würde mich, ich sage es offen, hinsichtlich des Schicksals meiner Botschaft ein wenig beruhigen, wenn du welche hättest?“ Zuerst blieb Barnabas still, dann sagte er: „Meine Schwestern lassen dich grüßen.“ „Deine Schwestern,“ sagte K., „ja, die großen starken Mädchen.“ „Beide lassen dich grüßen, aber besonders Amalia,“ sagte Barnabas, „sie hat mir auch heute diesen Brief für dich aus dem Schloß gebracht.“ An dieser Mitteilung vor allen andern sich festhaltend fragte K.: „Könnte sie nicht auch meine Botschaft ins Schloß bringen? Oder könntet Ihr nicht beide gehen und jeder sein Glück versuchen?“ „Amalia darf nicht in die Kanzleien,“ sagte Barnabas, „sonst würde sie es gewiß sehr gerne tun.“ „Ich werde vielleicht morgen zu euch kommen,“ sagte K., „komm nur du zuerst mit der Antwort. Ich erwarte dich in der Schule. Grüß auch deine Schwestern von mir.“ K.s Versprechen schien Barnabas sehr glücklich zu machen, nach dem verabschiedenden Händedruck berührte er überdies noch K. flüchtig an der Schulter. So als sei jetzt alles wieder wie damals, als Barnabas zuerst in seinem Glanz unter die Bauern in der Wirtsstube getreten war, empfand K. diese Berührung, lächelnd allerdings, als eine Auszeichnung. Sanftmütiger geworden, ließ er auf dem Rückweg die Gehilfen tun, was sie wollten.

## 11. Chapter XI · Das elfte Kapitel

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[¶0] He reached the school chilled through and through, it was quite dark, the candles in the lanterns had burned down; led by the assistants, who already knew their way here, he felt his road into one of the classrooms. “Your first praiseworthy service,” he said, remembering Klamm’s letter. Still half-asleep Frieda cried out from a corner: “Let K. sleep! Don’t disturb him!” so entirely did K. occupy her thoughts, even though she had been so overcome with sleep that she had not been able to wait up for him. Now a light was got, but the lamp could not be turned up very far, for there was only a little paraffin left. The new household was still without many necessaries. The room had been heated, it was true, but it was a large one, sometimes used as the gymnasium—the gymnastic apparatus was standing about and hanging from the ceiling—and it had already used up all the supply of wood—had been very warm and cosy too, as K. was assured, but unfortunately had grown quite cold again. There was, however, a large supply of wood in a shed, but the shed was locked and the teacher had the key; he only allowed this wood to be used for heating the school during teaching hours. The room could have been endured if there had been beds where one might have taken refuge. But in that line there was nothing but one sack stuffed with straw, covered with praiseworthy tidiness by a woollen rug of Frieda’s, but with no featherbed and only two rough stiff blankets, which hardly served to keep one warm. And it was precisely at this wretched sack of straw that the assistants were staring greedily, but of course without any hope of ever being allowed to lie on it. Frieda looked anxiously at K.; that she knew how to make a room, even the most wretched, habitable, she had proved in the Bridge Inn, but here she had not been able to make any headway, quite without means as she was. “Our only ornaments are the gymnastic contraptions,” said she, trying to smile through her tears. But for the chief deficiencies, the lack of sleeping accommodation and fuel, she promised absolutely to find help the very next day, and begged K. only to be patient till then. From no word, no hint, no sign could one have concluded that she harboured even the slightest trace of bitterness against K. in her heart, although, as he had to admit himself, he had torn her away first from the Herrenhof and now from the Bridge Inn as well. So in return K. did his best to find everything tolerable, which was not difficult for him, indeed, because in thought he was still with Barnabas repeating his message word for word, not however as he had given it to Barnabas, but as he thought it would sound before Klamm. After all, however, he was very sincerely glad of the coffee which Frieda had boiled for him on a spirit burner, and leaning against the almost cold stove followed the nimble, practised movements with which she spread the indispensable white table-cover on the teacher’s table, brought out a flowered cup, then some bread and sausage, and actually a box of sardines. Now everything was ready, Frieda too had not eaten yet, but had waited for K. Two chairs were available, there K. and Frieda sat down to their table, the assistants at their feet on the dais, but they could never stay quiet, even while eating they made a disturbance. Although they had received an ample store of everything and were not yet nearly finished with it, they got up from time to time to make sure whether there was still anything on the table and they could still expect something for themselves; K. paid no attention to them and only began to take notice when Frieda laughed at them. He covered her hand with his tenderly and asked softly why she was so indulgent to them and treated even their naughtinesses so kindly. In this way one would never get rid of them, while through a certain degree of severity, which besides was demanded by their behaviour, one could manage either to curb them or, what was both more probable and more desirable, to make their position so hot for them that they would have finally to leave. The school here didn’t seem to be a very pleasant place to live in for long, well, it wouldn’t last very long in any case; but they would hardly notice all the drawbacks if the assistants were once gone and they two had the quiet house to themselves; and didn’t she notice too that the assistants were becoming more impudent every day, as if they were actually encouraged now by Frieda’s presence and the hope that K. wouldn’t treat them with such firmness as he would have done in other circumstances? Besides, there were probably quite simple means of getting rid of them at once, without ceremony, perhaps Frieda herself knew of these, seeing that she was so well acquainted with all the circumstances. And from all appearances one would only be doing the assistants a favour if one got rid of them in some way, for the advantage they got by staying here couldn’t be great, and besides the lazy spells which they must have enjoyed till now must cease here, to a certain extent at any rate, for they would have to work while Frieda spared herself after the excitements of the last few days, and he, K., was occupied in finding a way out of their painful position. All the same, if the assistants should go away, he would be so relieved that he felt he could quite easily carry out all the school work in addition to his other duties.

> German: Ganz durchfroren kam er zu Hause an, es war überall finster, die Kerzen in den Laternen waren niedergebrannt, von den Gehilfen geführt, die sich hier schon auskannten, tastete er sich in ein Schulzimmer durch. - „Eure erste lobenswerte Leistung“, sagte er in Erinnerung an Klamms Brief - noch halb im Schlaf rief aus einer Ecke Frieda: „Laßt K. schlafen! Stört ihn doch nicht!“ so beschäftigte K. ihre Gedanken, selbst wenn sie von Schläfrigkeit überwältigt ihn nicht hatte erwarten können. Nun wurde Licht gemacht, allerdings konnte die Lampe nicht stark aufgedreht werden, denn es war nur sehr wenig Petroleum da. Die junge Wirtschaft hatte noch verschiedene Mängel. Eingeheizt war zwar, aber das große Zimmer, das auch zum Turnen verwendet wurde - die Turngeräte standen herum und hingen von der Decke herab - hatte schon alles vorrätige Holz verbraucht, war auch, wie man K. versicherte, schon sehr angenehm warm gewesen, aber leider wieder ganz ausgekühlt. Es war zwar ein großer Holzvorrat in einem Schuppen vorhanden, dieser Schuppen aber war versperrt und den Schlüssel hatte der Lehrer, der eine Entnahme des Holzes nur für das Heizen während der Unterrichtsstunden gestattete. Das wäre erträglich gewesen, wenn man Betten gehabt hätte, um sich in sie zu flüchten. Aber in dieser Hinsicht war nichts anderes da als ein einziger Strohsack, anerkennungswert reinlich mit einem wollenen Umhängetuch Friedas überzogen, aber ohne Federbett und nur mit zwei groben steifen Decken, die kaum wärmten. Und selbst diesen armen Strohsack sahen die Gehilfen begehrlich an, aber Hoffnung, auf ihm jemals liegen zu dürfen, hatten sie natürlich nicht. Ängstlich blickte Frieda K. an: daß sie ein Zimmer, und sei es das elendste, wohnlich einzurichten verstand, hatte sie ja im Brückenhof bewiesen, aber hier hatte sie nicht mehr leisten können, ganz ohne Mittel, wie sie gewesen war. „Unser einziger Zimmerschmuck sind die Turngeräte“, sagte sie unter Tränen mühselig lachend. Aber hinsichtlich der größten Mängel, der ungenügenden Schlafgelegenheit und Heizung, versprach sie mit Bestimmtheit schon für den nächsten Tag Abhilfe und bat K. nur bis dahin Geduld zu haben. Kein Wort, keine Andeutung, keine Miene ließ darauf schließen, daß sie gegen K. auch nur die kleinste Bitterkeit im Herzen trug, trotzdem er doch, wie er sich sagen mußte, sie sowohl aus dem Herrenhof als auch jetzt aus dem Brückenhof gerissen hatte. Deshalb bemühte sich aber K., alles erträglich zu finden, was ihm auch gar nicht schwer war, weil er in Gedanken mit Barnabas wanderte und seine Botschaft Wort für Wort wiederholte, nicht so, wie er sie Barnabas übergeben hatte, sondern so, wie er glaubte, daß sie vor Klamm erklingen werde. Daneben aber freute er sich allerdings auch aufrichtig auf den Kaffee, den ihm Frieda auf einem Spiritusbrenner kochte, und verfolgte, an dem erkaltenden Ofen lehnend, ihre flinken vielerfahrenen Bewegungen, mit denen sie auf dem Kathedertisch die unvermeidliche weiße Decke ausbreitete, eine geblümte Kaffeetasse hinstellte, daneben Brot und Speck und sogar eine Sardinenbüchse. Nun war alles fertig, auch Frieda hatte noch nicht gegessen, sondern auf K. gewartet. Zwei Sessel waren vorhanden, dort saßen K. und Frieda beim Tisch, die Gehilfen zu ihren Füßen auf dem Podium, aber sie blieben niemals ruhig, auch beim Essen störten sie. Trotzdem sie reichlich von allem bekommen hatten und noch lange nicht fertig waren, erhoben sie sich von Zeit zu Zeit, um festzustellen, ob noch viel auf dem Tisch war und sie noch einiges für sich erwarten konnten, K. kümmerte sich um sie nicht, erst durch Friedas Lachen wurde er auf sie aufmerksam. Er bedeckte ihre Hand auf dem Tisch schmeichelnd mit seiner und fragte leise, warum sie ihnen so vieles nachsehe, ja sogar Unarten freundlich hinnehme. Auf diese Weise werde man sie niemals loswerden, während man durch eine gewissermaßen kräftige, ihrem Benehmen auch wirklich entsprechende Behandlung erreichen könnte, entweder sie zu zügeln oder was noch wahrscheinlicher und auch besser wäre, ihnen die Stellung so zu verleiden, daß sie endlich durchbrennen würden. Es scheine ja kein sehr angenehmer Aufenthalt hier im Schulhaus werden zu wollen, nun, er werde ja auch nicht lange dauern, aber von allen Mängeln würde man kaum etwas merken, wenn die Gehilfen fort wären und sie zwei allein wären in dem stillen Haus. Merke sie denn nicht auch, daß die Gehilfen frecher würden von Tag zu Tag, so als ermutige sie eigentlich erst Friedas Gegenwart und die Hoffnung, daß K. vor ihr nicht so fest zugreifen werde, wie er es sonst tun würde. Übrigens gäbe es vielleicht ganz einfache Mittel, sie sofort ohne alle Umstände loszuwerden, vielleicht kenne sie sogar Frieda, die doch mit den hiesigen Verhältnissen so vertraut sei. Und den Gehilfen tue man doch wahrscheinlich nur einen Gefallen, wenn man sie irgendwie vertreibe, denn groß sei ja das Wohlleben nicht, das sie hier führten, und selbst das Faulenzen, das sie bisher genossen hatten, werde ja hier wenigstens zum Teil aufhören, denn sie würden arbeiten müssen, während Frieda nach den Aufregungen der letzten Tage sich schonen müsse und er, K., damit beschäftigt sein werde, einen Ausweg aus ihrer Notlage zu finden. Jedoch werde er, wenn die Gehilfen fortgehen sollten, sich dadurch so erleichtert fühlen, daß er leicht alle Schuldienerarbeit neben allem sonstigem werde ausführen können.

[¶1] Frieda, who had been listening attentively, stroked his arm and said that that was her opinion too, but that perhaps he took the assistants’ mischief too seriously, they were mere lads, full of spirits and a little silly now that they were for the first time in strange service, just released from the strict discipline of the Castle, and so a little dazed and excited, and being in that state they of course committed lots of follies at which it was natural to be annoyed, but which it would be more sensible to laugh at. Often she simply couldn’t keep from laughing. All the same she absolutely agreed with K. that it would be much better to send the assistants away and be by themselves, just the two of them. She pressed closer to K. and hid her face on his shoulder. And there she whispered something so low that K. had to bend his head to hear; it was that all the same she knew of no way of dealing with the assistants and she was afraid that all that K. had suggested would be of no avail. So far as she knew it was K. himself who had asked for them, and now he had them and would have to keep them. It would be best to treat them as a joke, which they certainly were; that would be the best way to put up with them.

> German: Frieda, die aufmerksam zugehört hatte, streichelte seinen Arm und sagte, daß das alles auch ihre Meinung sei, daß er aber vielleicht doch die Unarten der Gehilfen überschätze, es seien junge Burschen, lustig und etwas einfältig, zum erstenmal in Diensten eines Fremden, aus der strengen Schloßzucht entlassen, daher immerfort ein wenig erregt und erstaunt, und in diesem Zustand führten sie eben manchmal Dummheiten aus, über die sich zu ärgern zwar natürlich sei, aber vernünftiger sei es zu lachen. Sie könne sich manchmal nicht zurückhalten zu lachen. Trotzdem sei sie völlig mit K. einverstanden, daß es das beste wäre, sie wegzuschicken und allein zu zweit zu sein. Sie rückte näher zu K. und verbarg ihr Gesicht an seiner Schulter. Und dort sagte sie, so schwer verständlich, daß sich K. zu ihr herabbeugen mußte; sie wisse aber kein Mittel gegen die Gehilfen und sie fürchte, alles was K. vorgeschlagen hatte, werde versagen. Soviel sie wisse, habe ja K. selbst sie verlangt und nun habe er sie und werde sie behalten. Am besten sei es, sie leicht hinzunehmen als das leichte Volk, das sie auch sind, so ertrage man sie am besten.

[¶2] K. was displeased by her answer; half in jest, half in earnest, he replied that she seemed actually to be in league with them, or at least to have a strong inclination in their favour, well, they were good-looking lads, but there was nobody who couldn’t be got rid of if only one had the will, and he would show her that that was so in the case of the assistants.

> German: K. war mit der Antwort nicht zufrieden, halb im Scherz, halb im Ernst sagte er, sie scheine ja mit ihnen im Bunde zu sein oder wenigstens eine große Zuneigung zu ihnen zu haben, nun, es seien ja hübsche Burschen, es gäbe niemanden, den man nicht bei einigem guten Willen loswerden könne, und er werde es ihr an den Gehilfen beweisen.

[¶3] Frieda said that she would be very grateful to him if he could manage it. And from now on she wouldn’t laugh at them any more, nor have any unnecessary talk with them. Besides she didn’t find anything now to laugh at, it was really no joke always to be spied on by two men, she had learned to look at the two of them with K.’s eyes. And she actually shrank a little when the assistants got up again, partly to have a look at the food that was left, partly to get at the bottom of the continued whispering.

> German: Frieda sagte, sie werde ihm sehr dankbar sein, wenn es ihm gelinge. Übrigens werde sie von jetzt ab nicht mehr über sie lachen und kein unnötiges Wort mit ihnen sprechen. Sie finde auch nichts mehr an ihnen zu lachen, es sei auch wirklich nichts Geringes, immerfort von zwei Männern beobachtet zu werden, sie habe gelernt, die zwei mit seinen Augen anzusehen. Und wirklich zuckte sie ein wenig zusammen, als sich jetzt die Gehilfen wieder erhoben, teils um die Eßvorräte zu revidieren, teils um dem fortwährenden Flüstern auf den Grund zu kommen.

[¶4] K. employed this incident to increase Frieda’s disgust for the assistants, drew her towards him, and so side by side they finished their supper. Now it was time to go to bed, for they were all very sleepy; one of the assistants had actually fallen asleep over his food, this amused the other one greatly, and he did his best to get the others to look at the vacant face of his companion, but he had no success. K. and Frieda sat on above without paying any attention. The cold was becoming so extreme that they shirked going to bed; at last K. declared that the room must be heated, otherwise it would be impossible to get to sleep. He looked round to see if he could find an axe or something. The assistants knew of one and fetched it, and now they proceeded to the wood shed. In a few minutes the flimsy door was smashed and torn open; as if they had never yet experienced anything so glorious, the assistants began to carry the wood into the classroom, hounding each other on and knocking against each other; soon there was a great pile, the stove was set going, everybody lay down round it, the assistants were given a blanket to roll themselves in—it was quite ample for them, for it was decided that one of them should always remain awake and keep the fire going—and soon it was so hot round the stove that the blankets were no longer needed, the lamps were put out, and K. and Frieda happily stretched themselves out to sleep in the warm silence.

> German: K. nutzte das aus, um Frieda die Gehilfen zu verleiden, zog Frieda an sich, und eng beisammen beendeten sie das Essen. Nun hätte man schlafen gehen sollen und alle waren sehr müde, ein Gehilfe war sogar über dem Essen eingeschlafen, das unterhielt den andern sehr und er wollte die Herrschaft dazu bringen, sich das dumme Gesicht des Schlafenden anzusehen, aber es gelang ihm nicht, abweisend saßen K. und Frieda oben. In der unerträglich werdenden Kälte zögerten sie auch schlafen zu gehen, schließlich erklärte K., es müsse noch eingeheizt werden, sonst sei es nicht möglich zu schlafen. Er forschte nach irgendeiner Axt, die Gehilfen wußten von einer und brachten sie und nun ging es zum Holzschuppen. Nach kurzer Zeit war die leichte Tür erbrochen, entzückt, als hätten sie etwas so Schönes noch nicht erlebt, einander jagend und stoßend, begannen die Gehilfen Holz ins Schulzimmer zu tragen, bald war ein großer Haufen dort, es wurde eingeheizt, alle lagerten sich um den Ofen, eine Decke bekamen die Gehilfen, um sich in sie einzuwickeln, sie genügte ihnen vollauf, denn es wurde verabredet, daß immer einer wachen und das Feuer erhalten solle, bald war es beim Ofen so warm, daß man gar nicht mehr die Decke brauchte, die Lampe wurde ausgelöscht und glücklich über die Wärme und Stille streckten sich K. und Frieda zum Schlaf.

[¶5] K. was awakened during the night by some noise or other, and in his first vague sleepy state felt for Frieda; he found that, instead of Frieda, one of the assistants was lying beside him. Probably because of the exacerbation which being suddenly awakened is sufficient in itself to cause, this gave him the greatest fright that he had ever had since he first came to the village. With a cry he sat up, and not knowing what he was doing gave the assistant such a buffet that he began to cry. However the whole thing was cleared up in a moment. Frieda had been awakened—at least so it had seemed to her—by some huge animal, a cat probably, which had sprung on to her breast and then leapt away again. She had got up and was searching the whole room for the beast with a candle. One of the assistants had seized the opportunity to enjoy the sack of straw for a little, an attempt which he was now bitterly repenting. Frieda could find nothing, however; perhaps it had only been a delusion, she went back to K. and on the way she stroked the crouching and whimpering assistant over the hair to comfort him, as if she had forgotten the evening’s conversation. K. said nothing, but he asked the assistant to stop putting wood on the fire, for owing to almost all the heat having been squandered the room was already too hot.

> German: Als K. in der Nacht durch irgendein Geräusch erwachte und in der ersten unsicheren Schlafbewegung nach Frieda tastete, merkte er, daß statt Friedas ein Gehilfe neben ihm lag. Es war das wahrscheinlich infolge der Reizbarkeit, die schon das plötzliche Gewecktwerden mit sich brachte, der größte Schrecken, den er bisher im Dorf erlebt hatte. Mit einem Schrei erhob er sich halb und gab besinnungslos dem Gehilfen einen solchen Faustschlag, daß er zu weinen anfing. Das Ganze klärte sich übrigens gleich auf. Frieda war dadurch geweckt worden, daß - wenigstens war es ihr so erschienen - irgendein großes Tier, eine Katze wahrscheinlich, ihr auf die Brust gesprungen und dann gleich weggelaufen sei. Sie war aufgestanden und suchte mit einer Kerze das ganze Zimmer nach dem Tiere ab. Das hatte der eine Gehilfe benützt, um sich für ein Weilchen den Genuß des Strohsackes zu verschaffen, was er jetzt bitter büßte. Frieda aber konnte nichts finden, vielleicht war es nur eine Täuschung gewesen, sie kehrte zu K. zurück, auf dem Weg strich sie, als hätte sie das Abendgespräch vergessen, dem zusammengekauert wimmernden Gehilfen tröstend über das Haar. K. sagte dazu nichts, nur den Gehilfen bat er mit dem Heizen aufzuhören, denn es war unter Verbrauch fast das ganzen angesammelten Holzes schon überheiß geworden.

## 12. Chapter XII · Das zwölfte Kapitel

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[¶0] Next morning nobody awoke until the school children were there standing with gaping eyes round the sleepers. This was unpleasant, for on account of the intense heat, which now towards morning had given way, however, to a coldness which could be felt, they had all taken off everything but their shirts, and just as they were beginning to put on their clothes, Gisa, the lady teacher, appeared at the door, a fair, tall, beautiful, but somewhat stiff young woman. She was evidently prepared for the new janitor, and seemed also to have been given her instructions by the teacher, for as soon as she appeared at the door she began: “I can’t put up with this. This is a fine state of affairs. You have permission to sleep in the classroom, but that’s all; I am not obliged to teach in your bedroom. A janitor’s family that loll in their beds far into the forenoon! Faugh!” Well, something might be said about that, particularly as far as the family and the beds were concerned, thought K., while with Frieda’s help—the assistants were of no use, lying on the floor they looked in amazement at the lady teacher and the children—he dragged across the parallel bars and the vaulting horse, threw the blanket over them, and so constructed a little room in which one could at least get on one’s clothes protected from the children’s gaze. He was not given a minute’s peace, however, for the lady teacher began to scold because there was no fresh water in the washing basin—K. had just been thinking of fetching the basin for himself and Frieda to wash in, but he had at once given up the idea so as not to exasperate the lady teacher too much, but his renunciation was of no avail, for immediately afterwards there was a loud crash; unfortunately, it seemed, they had forgotten to clear away the remains of the supper from the teacher’s table, so she sent it all flying with her ruler and everything fell on the floor; she didn’t need to bother about the sardine oil and the remainder of the coffee being spilt and the coffeepot smashed to pieces, the janitor of course could soon clear that up. Clothed once more, K. and Frieda, leaning on the parallel bars, witnessed the destruction of their few things. The assistants, who had obviously never thought of putting on their clothes, had stuck their heads through a fold of the blankets near the floor, to the great delight of the children. What grieved Frieda most was naturally the loss of the coffeepot; only when K. to comfort her assured her that he would go immediately to the Village Superintendent and demand that it should be replaced, and see that this was done, was she able to gather herself together sufficiently to run out of their stockade in her chemise and skirt and rescue the table-cover at least from being stained any more. And she managed it, though the lady teacher to frighten her kept on hammering on the table with the ruler in the most nerve-racking fashion. When K. and Frieda were quite clothed they had to compel the assistants—who seemed to be struck dumb by those events—to get their clothes on as well; had not merely to order them and push them, indeed, but actually to put some of their clothes on for them. Then, when all was ready, K. shared out the remaining work; the assistants were to bring in wood and light the fire, but in the other classroom first, from which another and greater danger threatened, for the teacher himself was probably already there. Frieda was to scrub the floor and K. would fetch fresh water and set things to rights generally. For the time being breakfast could not be thought of. But so as to find out definitively the attitude of the lady teacher, K. decided to issue from their shelter himself first, the others were only to follow when he called them; he adopted this policy on the one hand because he did not want the position to be compromised in advance by any stupid act of the assistants, and on the other because he wanted Frieda to be spared as much as possible; for she had ambitions and he had none, she was sensitive and he was not, she only thought of the petty discomforts of the moment, while he was thinking of Barnabas and the future. Frieda followed all his instructions implicitly, and scarcely took her eyes from him. Hardly had he appeared when the lady teacher cried amid the laughter of the children, which from now on never stopped: “Slept well?” and as K. paid no attention—seeing that after all it was not a real question—but began to clear up the washstand, she asked: “What have you been doing to my cat?” A huge, fat old cat was lying lazily outstretched on the table, and the teacher was examining one of its paws which was evidently a little hurt. So Frieda had been right after all, this cat had not of course leapt on her, for it was past the leaping stage, but it had crawled over her, had been terrified by the presence of people in the empty house, had concealed itself hastily, and in its unaccustomed hurry had hurt itself. K. tried to explain this quietly to the lady teacher, but the only thing she had eyes for was the injury itself and she replied: “Well, then it’s your fault through coming here. Just look at this,” and she called K. over to the table, showed him the paw, and before he could get a proper look at it, gave him a whack with the tawse over the back of his hand; the tails of the tawse were blunted, it was true, but, this time without any regard for the cat, she had brought them down so sharply that they raised bloody weals. “And now go about your business,” she said impatiently, bowing herself once more over the cat. Frieda, who had been looking on with the assistants from behind the parallel bars, cried out when she saw the blood. K. held up his hand in front of the children and said: “Look, that’s what a sly, wicked cat has done to me.” He said it, indeed, not for the children’s benefit, whose shouting and laughter had become continuous, so that it needed no further occasion or incitement, and could not be pierced or influenced by any words of his. But seeing that the lady teacher, too, only acknowledged the insult by a brief side-glance, and remained still occupied with the cat, her first fury satiated by the drawing of blood, K. called Frieda and the assistants, and the work began.

> German: Am Morgen erwachten alle erst, als schon die Schulkinder da waren und neugierig die Lagerstätte umringten. Das war unangenehm, denn infolge der großen Hitze, die jetzt gegen Morgen allerdings wieder einer empfindlichen Kühle gewichen war, hatten sich alle bis auf das Hemd ausgekleidet und gerade als sie sich anzuziehen anfingen, erschien Gisa, die Lehrerin, ein blondes großes schönes, nur ein wenig steifes Mädchen, in der Tür. Sie war sichtlich auf den neuen Schuldiener vorbereitet und hatte wohl auch vom Lehrer Verhaltungsmaßregeln erhalten, denn schon auf der Schwelle sagte sie: „Das kann ich nicht dulden. Das wären schöne Verhältnisse. Sie haben bloß die Erlaubnis, im Schulzimmer zu schlafen, ich aber habe nicht die Verpflichtung, in Ihrem Schlafzimmer zu unterrichten. Eine Schuldienersfamilie, die sich bis in den Vormittag in den Betten räkelt. Pfui!“ Nun, dagegen wäre einiges zu sagen, besonders hinsichtlich der Familie und der Betten, dachte K., während er mit Frieda - die Gehilfen waren dazu nicht zu gebrauchen, - auf den Boden liegend, staunten sie die Lehrerin und die Kinder an, - eiligst den Barren und das Pferd herbeischob, beide mit den Decken überwarf und so einen kleinen Raum bildete, in dem man vor den Blicken der Kinder gesichert, sich wenigstens anziehen konnte. Ruhe hatte man allerdings keinen Augenblick, zuerst zankte die Lehrerin, weil im Waschbecken kein frisches Wasser war - gerade hatte K. daran gedacht, das Waschbecken für sich und Frieda zu holen, er gab die Absicht zunächst auf, um die Lehrerin nicht allzusehr zu reizen, aber der Verzicht half nichts, denn kurz darauf erfolgte ein großer Krach, unglücklicherweise hatte man nämlich versäumt, die Reste des Nachtmahls vom Katheder zu räumen, die Lehrerin entfernte alles mit dem Lineal, alles flog auf die Erde; daß das Sardinenöl und die Kaffeereste ausflossen und der Kaffeetopf in Trümmer ging, mußte die Lehrerin nicht kümmern, der Schuldiener würde ja gleich Ordnung machen. Noch nicht ganz angezogen sahen K. und Frieda am Barren lehnend der Vernichtung ihres kleinen Besitzes zu. Die Gehilfen, die offenbar gar nicht daran dachten sich anzuziehen, lugten zum großen Vergnügen der Kinder unten zwischen den Decken durch. Am meisten schmerzte Frieda natürlich der Verlust des Kaffeetopfes, erst als K., um sie zu trösten, ihr versicherte, er werde gleich zum Gemeindevorsteher gehen und Ersatz verlangen und bekommen, faßte sie sich soweit, daß sie, nur im Hemd und Unterrock, aus der Umzäunung hinauslief, um wenigstens die Decke zu holen und vor weiterer Beschmutzung zu bewahren. Es gelang ihr auch, trotzdem die Lehrerin, um sie abzuschrecken, mit dem Lineal immerfort nervenzerrüttend auf den Tisch hämmerte. Als K. und Frieda sich angezogen hatten, mußten sie die Gehilfen, die von den Ereignissen wie benommen waren, nicht nur mit Befehlen und Stößen zum Anziehen drängen, sondern zum Teil sogar selbst anziehen. Dann, als alle fertig waren, verteilte K. die nächsten Arbeiten, die Gehilfen sollten Holz holen und einheizen, zuerst aber im andern Schulzimmer, von dem noch große Gefahren drohten, denn dort war wahrscheinlich schon der Lehrer. Frieda sollte den Fußboden reinigen und K. würde Wasser holen und sonst Ordnung machen. An Frühstücken war vorläufig nicht zu denken. Um sich aber im allgemeinen über die Stimmung der Lehrerin zu unterrichten, wollte K. als erster hinausgehen, die andern sollten erst folgen, wenn er sie riefe, er traf diese Einrichtung einerseits, weil er durch Dummheiten der Gehilfen die Lage nicht von vornherein verschlimmern lassen wollte und andererseits, weil er Frieda möglichst schonen wollte, denn sie hatte Ehrgeiz, er keinen, sie war empfindlich, er nicht, sie dachte nur an die gegenwärtigen kleinen Abscheulichkeiten, er aber an Barnabas und die Zukunft. Frieda folgte allen seinen Anordnungen genau, ließ kaum die Augen von ihm. Kaum war er vorgetreten, rief die Lehrerin unter dem Gelächter der Kinder, das von jetzt ab überhaupt nicht mehr aufhörte: „Ausgeschlafen?“ und als K. darauf nicht achtete, weil es doch keine eigentliche Frage war, sondern auf den Waschtisch losging, fragte die Lehrerin: „Was haben Sie denn mit meiner Mieze gemacht?“ Eine große alte fleischige Katze lag träg ausgebreitet auf dem Tisch und die Lehrerin untersuchte ihre offenbar ein wenig verletzte Pfote. Frieda hatte also doch recht gehabt, diese Katze war zwar nicht auf sie gesprungen, denn springen konnte sie wohl nicht mehr, aber über sie hinweggekrochen, war über die Anwesenheit von Menschen in dem sonst leeren Hause erschrocken, hatte sich eilig versteckt und bei dieser ihr ungewohnten Eile verletzt. K. suchte es der Lehrerin ruhig zu erklären, diese aber faßte nur das Ergebnis auf und sagte: „Nun ja, ihr habt sie verletzt, damit habt ihr euch hier eingeführt. Sehen Sie doch“, und sie rief K. auf das Katheder, zeigte ihm die Pfote, und ehe er sich dessen versah, hatte sie ihm mit den Krallen einen Strich über den Handrücken gemacht; die Krallen waren zwar schon stumpf, aber die Lehrerin hatte, diesmal ohne Rücksicht auf die Katze, sie so fest eingedrückt, daß es doch blutige Striemen wurden. „Und jetzt gehen Sie an Ihre Arbeit“, sagte sie ungeduldig und beugte sich wieder zur Katze hinab. Frieda, welche mit den Gehilfen hinter dem Barren zugesehen hatte, schrie beim Anblick des Blutes auf. K. zeigte die Hand den Kindern und sagte: „Seht, das hat mir eine böse hinterlistige Katze gemacht.“ Er sagte es freilich nicht der Kinder wegen, deren Geschrei und Gelächter schon selbständig geworden war, daß es keines weiteren Anlasses oder Anreizes bedurfte und daß kein Wort es durchdringen oder beeinflussen konnte. Da aber auch die Lehrerin nur durch einen kurzen Seitenblick die Beleidigung beantwortete und sonst mit der Katze beschäftigt blieb, die erste Wut also durch die blutige Bestrafung befriedigt schien, rief K. Frieda und die Gehilfen und die Arbeit begann.

[¶1] When K. had carried out the pail with the dirty water, fetched fresh water and was beginning to turn out the classroom, a boy of about twelve stepped out from his desk, touched K.’s hand, and said something which was quite lost in the general uproar. Then suddenly every sound ceased and K. turned round. The thing he had been fearing all morning had come. In the door stood the teacher; in each hand the little man held an assistant by the scruff of the neck. He had caught them, it seemed, while they were fetching wood, for in a mighty voice he began to shout, pausing after every word: “Who has dared to break into the wood shed? Where is the villain, so that I may annihilate him?” Then Frieda got up from the floor, which she was trying to clean near the feet of the lady teacher, looked across at K. as if she were trying to gather strength from him, and said, a little of her old superciliousness in her glance and bearing: “I did it, Mr. Teacher. I couldn’t think of any other way. If the classrooms were to be heated in time, the woodshed had to be opened; I didn’t dare to ask you for the key in the middle of the night, my fiancé was at the Herrenhof, it was possible that he might stay there all night, so I had to decide for myself. If I have done wrongly, forgive my inexperience; I’ve been scolded enough already by my fiancé, after he saw what had happened. Yes, he even forbade me to light the fires early, because he thought that you had shown by locking the woodshed that you didn’t want them to be put on before you came yourself. So it’s his fault that the fires are not on, but mine that the shed has been broken into.” “Who broke open the door?” asked the teacher, turning to the assistants, who were still vainly struggling to escape from his grip. “The gentleman,” they both replied, and, so that there might be no doubt, pointed at K. Frieda laughed, and her laughter seemed to be still more conclusive than her words; then she began to wring out into the pail the rag with which she had been scrubbing the floor, as if the episode had been closed with her declaration, and the evidence of the assistants were merely a belated jest. Only when she was at work on her knees again did she add: “Our assistants are mere children who in spite of their age should still be at their desks in school. Last evening I really did break open the door myself with the axe, it was quite easy, I didn’t need the assistants to help me, they would only have been a nuisance. But when my fiancé arrived later in the night and went out to see the damage and if possible put it right, the assistants ran out after him, likely because they were afraid to stay here by themselves, and saw my fiancé working at the broken door, and that’s why they say now—but they’re only children—” True, the assistants kept on shaking their heads during Frieda’s story, pointed again at K. and did their best by means of dumb show to deflect her from her story; but as they did not succeed they submitted at last, took Frieda’s words as a command, and on being questioned anew by the teacher made no reply. “So,” said the teacher, “you’ve been lying? Or at least you’ve groundlessly accused the janitor?” They still remained silent, but their trembling and their apprehensive glances seemed to indicate guilt. “Then I’ll give you a sound thrashing straight away,” he said, and he sent one of the children into the next room for his cane. Then as he was raising it, Frieda cried: “The assistants have told the truth!” flung her scrubbing-cloth in despair into the pail, so that the water splashed up on every side, and ran behind the parallel bars, where she remained concealed. “A lying crew!” remarked the lady teacher, who had just finished bandaging the paw, and she took the beast into her lap, for which it was almost too big.

> German: Als K. den Eimer mit dem Schmutzwasser hinausgetragen, frisches Wasser gebracht hatte und nun das Schulzimmer auszukehren begann, trat ein etwa zwölfjähriger Junge aus einer Bank, berührte K.s Hand und sagte etwas im großen Lärm gänzlich Unverständliches. Da hörte plötzlich aller Lärm auf, K. wandte sich um. Das den ganzen Morgen über Gefürchtete war geschehen. In der Tür stand der Lehrer, mit jeder Hand hielt er, der kleine Mann, einen Gehilfen beim Kragen. Er hatte sie wohl beim Holzholen abgefangen, denn mit mächtiger Stimme rief er und legte nach jedem Wort eine Pause ein: „Wer hat es gewagt, in den Holzschuppen einzubrechen? Wo ist der Kerl, daß ich ihn zermalme?“ Da erhob sich Frieda vom Boden, den sie zu Füßen der Lehrerin reinzuwaschen sich abmühte, sah nach K. hin, so, als wolle sie sich Kraft holen und sagte, wobei etwas von ihrer alten Überlegenheit in Blick und Haltung war: „Das habe ich getan, Herr Lehrer. Ich wußte mir keine andere Hilfe. Sollten früh die Schulzimmer geheizt sein, mußte man den Schuppen öffnen, in der Nacht den Schlüssel von Ihnen holen, wagte ich nicht, mein Bräutigam war im Herrenhof, es war möglich, daß er die Nacht über dort blieb, so mußte ich mich allein entscheiden. Habe ich unrecht getan, verzeihen Sie es meiner Unerfahrenheit, ich bin schon von meinem Bräutigam genug ausgezankt worden, als er sah, was geschehen war. Ja, er verbot mir sogar früh einzuheizen, weil er glaubte, daß Sie durch Versperrung des Schuppens gezeigt hätten, daß Sie nicht früher geheizt haben wollten, als bis Sie selbst kämen. Daß nicht geheizt ist, ist also seine Schuld, daß aber der Schuppen erbrochen wurde, meine.“ „Wer hat die Tür erbrochen?“ fragte der Lehrer die Gehilfen, die noch immer vergeblich seinen Griff abzuschütteln versuchten. „Der Herr“, sagten beide und zeigten, damit kein Zweifel sei, auf K. Frieda lachte und dieses Lachen schien noch beweisender als ihre Worte, dann begann sie den Lappen, mit dem sie den Boden gewaschen hatte, in den Eimer auszuwinden, so, als sei durch ihre Erklärung der Zwischenfall beendet und die Aussagen der Gehilfen nur ein nachträglicher Scherz, erst als sie wieder zur Arbeit bereit niedergekniet war, sagte sie: „Unsere Gehilfen sind Kinder, die trotz ihrer Jahre noch in die Schulbank gehören. Ich habe nämlich gegen Abend die Tür mit der Axt allein geöffnet, es war sehr einfach, die Gehilfen brauchte ich dazu nicht, sie hätten gestört. Als dann aber in der Nacht mein Bräutigam kam und hinausging, um den Schaden zu besehen und womöglich zu reparieren, liefen die Gehilfen mit, wahrscheinlich weil sie sich fürchteten, hier allein zu bleiben, sahen meinen Bräutigam an der aufgerissenen Tür arbeiten und deshalb sagen sie jetzt - nun es sind Kinder -.“ Zwar schüttelten die Gehilfen während Friedas Erklärung die Köpfe, zeigten weiter auf K. und strengten sich an, durch stummes Mienenspiel Frieda von ihrer Meinung abzubringen; da es ihnen aber nicht gelang, fügten sie sich endlich, nahmen Friedas Worte als Befehl und auf eine neuerliche Frage des Lehrers antworteten sie nicht mehr. „So,“ sagte der Lehrer, „ihr habt also gelogen? Oder wenigstens leichtsinnig den Schuldiener beschuldigt?“ Sie schwiegen noch immer, aber ihr Zittern und ihre ängstlichen Blicke schienen auf Schuldbewußtsein zu deuten. „Dann werde ich euch sofort durchprügeln“, sagte er, und schickte ein Kind ins andere Zimmer um den Rohrstock. Als er dann den Stab hob, rief Frieda: „Die Gehilfen haben ja die Wahrheit gesagt“, warf verzweifelt den Lappen in den Eimer, daß das Wasser hoch aufspritzte und lief hinter den Barren, wo sie sich versteckte. „Ein verlogenes Volk“, sagte die Lehrerin, die den Verband der Pfote eben beendigt hatte und das Tier auf den Schoß nahm, für den es fast zu breit war.

[¶2] “So it was the janitor,” said the teacher, pushing the assistants away and turning to K., who had been listening all the time leaning on the handle of his broom: “This fine janitor who out of cowardice allows other people to be falsely accused of his own villainies.” “Well,” said K. who had not missed the fact that Frieda’s intervention had appeased the first uncontrollable fury of the teacher, “if the assistants had got a little taste of the rod I shouldn’t have been sorry; if they get off ten times when they should justly be punished, they can well afford to pay for it by being punished unjustly for once. But besides that it would have been very welcome to me if a direct quarrel between me and you, Mr. Teacher, could have been avoided; perhaps you would have liked it as well yourself too. But seeing that Frieda has sacrificed me to the assistants now—” here K. paused, and in the silence Frieda’s sobs could be heard behind the screen—“of course a clean breast must be made of the whole business.” “Scandalous!” said the lady teacher. “I am entirely of your opinion, Fräulein Gisa,” said the teacher. “You, janitor, are of course dismissed from your post for those scandalous doings. Your further punishment I reserve meantime, but now clear yourself and your belongings out of the house at once. It will be a genuine relief to us, and the teaching will manage to begin at last. Now quick about it!” “I shan’t move a foot from here,” said K. “You’re my superior, but not the person who engaged me for this post; it was the Superintendent who did that, and I’ll only accept notice from him. And he certainly never gave me this post so that I and my dependants should freeze here, but—as you told me yourself—to keep me from doing anything thoughtless or desperate. To dismiss me suddenly now would therefore be absolutely against his intentions; till I hear the contrary from his own mouth I refuse to believe it. Besides it may possibly be greatly to your own advantage, too, if I don’t accept your notice, given so hastily.” “So you don’t accept it?” asked the teacher. K. shook his head. “Think it over carefully,” said the teacher, “your decisions aren’t always for the best; you should reflect, for instance, on yesterday afternoon, when you refused to be examined.” “Why do you bring that up now?” asked K. “Because it’s my whim,” replied the teacher, “and now I repeat for the last time, get out!” But as that too had no effect the teacher went over to the table and consulted in a whisper with Fräulein Gisa; she said something about the police, but the teacher rejected it, finally they seemed in agreement, the teacher ordered the children to go into his classroom, they would be taught there along with the other children. This change delighted everybody, the room was emptied in a moment amid laughter and shouting, the teacher and Fräulein Gisa followed last. The latter carried the class register, and on it in all its bulk the perfectly indifferent cat. The teacher would gladly have left the cat behind, but a suggestion to that effect was negatived decisively by Fräulein Gisa with a reference to K.’s inhumanity. So, in addition to all his other annoyances, the teacher blamed K. for the cat as well. And that influenced his last words to K., spoken when he reached the door: “The lady had been driven by force to leave this room with her children, because you have rebelliously refused to accept my notice, and because nobody can ask of her, a young girl, that she should teach in the middle of your dirty household affairs. So you are left to yourself, and you can spread yourself as much as you like, undisturbed by the disapproval of respectable people. But it won’t last for long, I promise you that.” With that he slammed the door.

> German: „Bleibt also der Herr Schuldiener“, sagte der Lehrer, stieß die Gehilfen fort und wandte sich K. zu, der während der ganzen Zeit, auf den Besen gestützt, zugehört hatte: „Dieser Herr Schuldiener, der aus Feigheit ruhig zugibt, daß man andere fälschlich seiner eigenen Lumpereien beschuldigt.“ „Nun,“ sagte K., der wohl merkte, daß Friedas Dazwischentreten den ersten hemmungslosen Zorn des Lehrers doch gemildert hatte, „wenn die Gehilfen ein wenig durchgeprügelt worden wären, hätte es mir nicht leid getan; wenn sie bei zehn gerechten Anlässen geschont worden sind, können sie es einmal bei einem ungerechten abbüßen. Aber auch sonst wäre es mir willkommen gewesen, wenn ein unmittelbarer Zusammenstoß zwischen mir und Ihnen, Herr Lehrer, vermieden worden wäre, vielleicht wäre es sogar auch Ihnen lieb. Da nun aber Frieda mich den Gehilfen geopfert hat - hier machte K. eine Pause, man hörte in der Stille hinter den Decken Friedas Schluchzen - muß nun natürlich die Sache ins reine gebracht werden.“ „Unerhört“, sagte die Lehrerin. „Ich bin völlig Ihrer Meinung, Fräulein Gisa“, sagte der Lehrer. „Sie, Schuldiener, sind natürlich wegen des schändlichen Dienstvergehens auf der Stelle entlassen. Die Strafe, die noch folgen wird, behalte ich mir vor, jetzt aber scheren Sie sich sofort mit allen Ihren Sachen aus dem Haus. Es wird uns eine wahre Erleichterung sein, und der Unterricht wird endlich beginnen können. Also schleunig!“ „Ich rühre mich von hier nicht fort“, sagte K. „Sie sind mein Vorgesetzter, aber nicht derjenige, welcher mir die Stelle verliehen hat, das ist der Herr Gemeindevorsteher, nur seine Kündigung nehme ich an. Er aber hat mir die Stelle doch wohl nicht gegeben, daß ich hier mit meinen Leuten erfriere, sondern - wie Sie selbst sagten - damit er unbesonnene Verzweiflungstaten meinerseits verhindert. Mich jetzt plötzlich zu entlassen, wäre daher gradewegs gegen seine Absicht; solange ich nicht das Gegenteil aus seinem eigenen Munde höre, glaube ich es nicht. Es geschieht übrigens wahrscheinlich auch zu Ihrem großen Vorteil, wenn ich Ihrer leichtsinnigen Kündigung nicht folge.“ „Sie folgen also nicht?“ fragte der Lehrer. K. schüttelte den Kopf. „Überlegen Sie es wohl,“ sagte der Lehrer, „Ihre Entschlüsse sind nicht immer die besten, denken Sie z. B. an den gestrigen Nachmittag, als Sie es ablehnten, verhört zu werden.“ „Warum erwähnen Sie das jetzt?“ fragte K. „Weil es mir beliebt,“ sagte der Lehrer, „und nun wiederhole ich zum letzten Male: hinaus!“ Als aber auch das keine Wirkung hatte, ging der Lehrer zum Katheder und beriet sich leise mit der Lehrerin: diese sagte etwas von der Polizei, aber der Lehrer lehnte es ab, schließlich einigten sie sich, der Lehrer forderte die Kinder auf, in seine Klasse hinüberzugehen, sie würden dort mit den andern Kindern gemeinsam unterrichtet werden. Diese Abwechslung freute alle, gleich war unter Lachen und Schreien das Zimmer geleert, der Lehrer und die Lehrerin folgten als letzte. Die Lehrerin trug das Klassenbuch und auf ihm die in ihrer Fülle ganz teilnahmslose Katze. Der Lehrer hätte die Katze gern hier gelassen, aber eine darauf bezügliche Andeutung wehrte die Lehrerin mit dem Hinweis auf die Grausamkeit K.s entschieden ab. So bürdete K. zu allem Ärger auch noch die Katze dem Lehrer auf. Es beeinflußte das wohl auch die letzten Worte, die der Lehrer in der Tür an K. richtete: „Das Fräulein verläßt mit den Kindern notgedrungen dieses Zimmer, weil Sie renitenterweise meiner Kündigung nicht folgen und weil niemand von ihr, einem jungen Mädchen, verlangen kann, daß sie inmitten Ihrer schmutzigen Familienwirtschaft Unterricht erteilt. Sie bleiben also allein und können sich, ungestört durch den Widerwillen anständiger Zuschauer, hier breit machen wie Sie wollen. Aber es wird nicht lange dauern, dafür bürge ich.“ Damit schlug er die Tür zu.

## 13. Chapter XIII · Das dreizehnte Kapitel

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[¶0] Hardly was everybody gone when K. said to the assistants: “Clear out!” Disconcerted by the unexpectedness of the command they obeyed, but when K. locked the door behind them they tried to get in again, whimpered outside and knocked on the door. “You are dismissed,” cried K., “never again will I take you into my service!” But that, of course, was just what they did not want, and they kept hammering on the door with their hands and feet. “Let us back to you, sir!” they cried, as if they were being swept away by a flood and K. were dry land. But K. did not relent, he waited impatiently for the unbearable din to force the teacher to intervene. That soon happened. “Let your confounded assistants in!” he shouted. “I’ve dismissed them,” K. shouted back; it had the incidental effect of showing the teacher what it was to be strong enough not merely to give notice, but to enforce it. The teacher next tried to soothe the assistants by kindly assurances that they had only to wait quietly and K. would have to let them in sooner or later. Then he went away. And now things might have settled down if K. had not begun to shout at them again that they were finally dismissed once and for all, and had not the faintest hope of being taken back. Upon that they recommenced their din. Once more the teacher entered, but this time he no longer tried to reason with them, but drove them, apparently with his dreaded rod, out of the house.

> German: Kaum waren alle fort, sagte K. zu den Gehilfen: „Geht hinaus!“ Verblüfft durch diesen unerwarteten Befehl folgten sie, aber als K. hinter ihnen die Tür zusperrte, wollten sie wieder zurück, winselten draußen und klopften an die Tür. „Ihr seid entlassen,“ rief K., „niemals mehr nehme ich euch in meine Dienste.“ Das wollten sie sich nun freilich nicht gefallen lassen und hämmerten mit Händen und Füßen gegen die Tür. „Zurück zu dir, Herr!“ riefen sie, als wäre K. das trockene Land und sie daran, in der Flut zu versinken. Aber K. hatte kein Mitleid, ungeduldig wartete er, bis der unerträgliche Lärm den Lehrer zwingen werde, einzugreifen. Es geschah bald. „Lassen Sie Ihre verfluchten Gehilfen ein!“ schrie er. „Ich habe sie entlassen“, schrie K. zurück, es hatte die ungewollte Nebenwirkung, dem Lehrer zu zeigen, wie es ausfiel, wenn jemand kräftig genug war, nicht nur zu kündigen, sondern auch die Kündigung auszuführen. Der Lehrer versuchte nun die Gehilfen gütlich zu beruhigen, sie sollten hier nur ruhig warten, schließlich werde K. sie doch wieder einlassen müssen. Dann ging er. Und es wäre nun vielleicht still geblieben, wenn nicht K. ihnen wieder zuzurufen angefangen hätte, daß sie nun endgültig entlassen seien und nicht die geringste Hoffnung auf Wiederaufnahme hätten. Daraufhin begannen sie wieder zu lärmen wie zuvor. Wieder kam der Lehrer, aber nun verhandelte er nicht mehr mit ihnen, sondern trieb sie, offenbar mit dem gefürchteten Rohrstab, aus dem Haus.

[¶1] Soon they appeared in front of the windows of the gymnasium, rapped on the panes and cried something, but their words could no longer be distinguished. They did not stay there long either, in the deep snow they could not be as active as their frenzy required. So they flew to the railings of the school garden and sprang on to the stone pediment, where, moreover, though only from a distance, they had a better view of the room; there they ran to and fro holding on to the railings, then remained standing and stretched out their clasped hands beseechingly towards K. They went on like this for a long time, without thinking of the uselessness of their efforts; they were as if obsessed, they did not even stop when K. drew down the window blinds so as to rid himself of the sight of them. In the now darkened room K. went over to the parallel bars to look for Frieda. On encountering his gaze she got up, put her hair in order, dried her tears and began in silence to prepare the coffee. Although she knew of everything, K. formally announced to her all the same that he had dismissed the assistants. She merely nodded. K. sat down at one of the desks and followed her tired movements. It had been her unfailing liveliness and decision that had given her insignificant physique its beauty; now that beauty was gone. A few days of living with K. had been enough to achieve this. Her work in the taproom had not been light, but apparently it had been more suited to her. Or was her separation from Klamm the real cause of her falling away? It was the nearness of Klamm that had made her so irrationally seductive; that was the seduction which had drawn K. to her, and now she was withering in his arms.

> German: Bald erschienen sie vor den Fenstern des Turnzimmers, klopften an die Scheiben und schrien, aber die Worte waren nicht mehr zu verstehen. Sie blieben jedoch auch dort nicht lange, in dem tiefen Schnee konnten sie nicht herumspringen, wie es ihre Unruhe verlangte. Sie eilten deshalb zu dem Gitter des Schulgartens, sprangen auf den steinernen Unterbau, wo sie auch, allerdings nur von der Ferne, einen besseren Einblick in das Zimmer hatten, sie liefen dort, an dem Gitter sich festhaltend, hin und her, blieben dann wieder stehen und streckten flehend die gefalteten Hände gegen K. aus. So trieben sie es lange, ohne Rücksicht auf die Nutzlosigkeit ihrer Anstrengungen; sie waren wie verblendet, sie hörten wohl auch nicht auf, als K. die Fenstervorhänge herunterließ, um sich von ihrem Anblick zu befreien.
In dem jetzt dämmerigen Zimmer ging K. zu dem Barren, um nach Frieda zu sehen. Unter seinem Blick erhob sie sich, ordnete die Haare, trocknete das Gesicht und machte sich schweigend daran Kaffee zu kochen. Trotzdem sie von allem wußte, verständigte sie doch K. förmlich davon, daß er die Gehilfen entlassen hatte. Sie nickte nur. K. saß in einer Schulbank und beobachtete nur ihre müden Bewegungen. Es war immer die Frische und Entschlossenheit gewesen, welche ihren nichtigen Körper verschönt hatte, nun war diese Schönheit dahin. Wenige Tage des Zusammenlebens mit K. hatten genügt, das zu erreichen. Die Arbeit im Ausschank war nicht leicht gewesen, aber ihr wahrscheinlich doch entsprechender. Oder war die Entfernung von Klamm die eigentliche Ursache ihres Verfalles? Die Nähe Klamms hatte sie so unsinnig verlockend gemacht, in dieser Verlockung hatte sie K. an sich gerissen und nun verwelkte sie in seinen Armen.

[¶2] “Frieda,” said K. She put away the coffee-mill at once and went over to K. at his desk. “You’re angry with me?” asked she. “No,” replied K. “I don’t think you can help yourself. You were happy in the Herrenhof. I should have let you stay there.” “Yes,” said Frieda, gazing sadly in front of her, “you should have let me stay there. I’m not good enough for you to live with. If you were rid of me, perhaps you would be able to achieve all that you want. Out of regard for me you’ve submitted yourself to the tyranny of the teacher, taken on this wretched post, and are doing your utmost to get an interview with Klamm. All for me, but I don’t give you much in return.” “No, no,” said K. putting his arm round her comfortingly. “All these things are trifles that don’t hurt me, and it’s not only on your account that I want to get to Klamm. And then think of all you’ve done for me! Before I knew you I was going about in a blind circle. Nobody took me up, and if I made up to anybody I was soon sent about my business. And when I was given the chance of a little hospitality it was with people that I always wanted to run away from, like Barnabas’ family—” “You wanted to run away from them? You did? Darling!” cried Frieda eagerly, and after a hesitating, “Yes” from K., sank back once more into her apathy. But K. had no longer resolution enough to explain in what way everything had changed for the better for him through his connection with Frieda. He slowly took away his arm and they sat for a little in silence, until—as if his arm had given her warmth and comfort, which now she could not do without—Frieda said: “I won’t be able to stand this life here. If you want to keep me with you, we’ll have to go away somewhere or other, to the south of France, or to Spain.” “I can’t go away,” replied K. “I came here to stay. I’ll stay here.” And giving utterance to a self-contradiction which he made no effort to explain, he added as if to himself: “What could have enticed me to this desolate country except the wish to stay here?” Then he went on: “But you want to stay here too, after all it’s your own country. Only you miss Klamm and that gives you desperate ideas.” “I miss Klamm?” said Frieda, “I’ve all I want of Klamm here, too much Klamm; it’s to escape from him that I want to go away. It’s not Klamm that I miss, it’s you. I want to go away for your sake, because I can’t get enough of you, here where everything distracts me. I would gladly lose my pretty looks, I would gladly be sick and ailing, if I could be left in peace with you.” K. had only paid attention to one thing. “Then Klamm is still in communication with you?” he asked eagerly, “he sends for you?” “I know nothing about Klamm,” replied Frieda, “I was speaking just now of others, I mean the assistants.” “Oh, the assistants,” said K. in disappointment, “do they persecute you?” “Why, have you never noticed it?” asked Frieda. “No,” replied K. trying in vain to remember anything, “they’re certainly importunate and lascivious young fellows, but I hadn’t noticed that they had dared to lift their eyes to you.” “No?” said Frieda, “did you never notice that they simply weren’t to be driven out of our room in the Bridge Inn, that they jealously watched all our movements, that one of them finished up by taking my place on that sack of straw, that they gave evidence against you a minute ago so as to drive you out of this and ruin you, and so as to be left alone with me? You’ve never noticed all that?” K. gazed at Frieda without replying. Her accusations against the assistants were true enough, but all the same they could be interpreted far more innocently as simple effects of the ludicrously childish, irresponsible and undisciplined characters of the two. And didn’t it also speak against their guilt that they had always done their best to go with K. everywhere and not to be left with Frieda? K. half suggested this. “It’s their deceit,” said Frieda, “have you never seen through it? Well, why have you driven them away, if not for those reasons?” And she went to the window, drew the blind aside a little, glanced out, and then called K. over. The assistants were still clinging to the railings; tired as they must have been by now, they still gathered their strength together every now and then and stretched their arms out beseechingly towards the school. So as not to have to hold on all the time, one of them had hooked himself on to the railings behind by the tail of his coat.

> German: „Frieda“, sagte K. Sie legte gleich die Kaffeemühle fort und kam zu K. in die Bank. „Du bist mir böse?“ fragte sie. „Nein,“ sagte K., „ich glaube, du kannst nicht anders. Du hast zufrieden im Herrenhof gelebt. Ich hätte dich dort lassen sollen.“ „Ja,“ sagte Frieda und sah traurig vor sich hin, „du hättest mich dort lassen sollen. Ich bin dessen nicht wert, mit dir zu leben. Von mir befreit, könntest du vielleicht alles erreichen, was du willst. Aus Rücksicht auf mich unterwirfst du dich dem tyrannischen Lehrer, übernimmst du diesen kläglichen Posten, bewirbst dich mühevoll um ein Gespräch mit Klamm. Alles für mich, aber ich lohne es dir schlecht.“ „Nein“, sagte K., und legte tröstend den Arm um sie. „Alles das sind Kleinigkeiten, die mir nicht wehtun, und zu Klamm will ich ja nicht nur deinetwegen. Und was hast du alles für mich getan! Ehe ich dich kannte, ging ich ja hier ganz in die Irre. Niemand nahm mich auf, und wem ich mich aufdrängte, der verabschiedete mich schnell. Und wenn ich bei jemandem Ruhe hätte finden können, so waren es Leute, vor denen wieder ich mich flüchtete, etwa die Leute des Barnabas -.“ „Du flüchtetest vor Ihnen? Nicht wahr? Liebster!“ rief Frieda lebhaft dazwischen und versank dann nach einem zögernden „Ja“ K.s wieder in ihre Müdigkeit. Aber auch K. hatte nicht mehr die Entschlossenheit zu erklären, worin sich durch die Verbindung mit Frieda alles zum Guten für ihn gewendet hatte. Er löste langsam den Arm von ihr und sie saßen ein Weilchen schweigend, bis dann Frieda, so als hätte K.s Arm ihr Wärme gegeben, die sie jetzt nicht mehr entbehren könne, sagte: „Ich werde dieses Leben hier nicht ertragen. Willst du mich behalten, müssen wir auswandern, irgendwohin, nach Südfrankreich, nach Spanien.“ „Auswandern kann ich nicht,“ sagte K., „ich bin hierhergekommen, um hierzubleiben. Ich werde hierbleiben.“ Und in einem Widerspruch, den er gar nicht zu erklären sich Mühe gab, fügte er wie im Selbstgespräch zu: „Was hätte mich denn in dieses öde Land locken können, als das Verlangen hierzubleiben.“ Dann sagte er: „Aber auch du willst hierbleiben, es ist ja dein Land. Nur Klamm fehlt dir und das bringt dich auf verzweifelte Gedanken.“ „Klamm sollte mir fehlen?“ sagte Frieda, „von Klamm ist hier ja Überfülle, zu viel Klamm; um ihm zu entgehen, will ich fort. Nicht Klamm, sondern du fehlst mir. Deinetwegen will ich fort; weil ich mich an dir nicht sättigen kann, hier wo alle an mir reißen. Würde mir doch lieber die hübsche Larve abgerissen, würde doch lieber mein Körper elend, daß ich in Frieden bei dir leben könnte.“ K. hörte daraus nur eines. „Klamm ist noch immer in Verbindung mit dir?“ fragte er gleich, „er ruft dich?“ „Von Klamm weiß ich nichts,“ sagte Frieda, „ich rede jetzt von anderen, z. B. von den Gehilfen.“ „Ah, die Gehilfen,“ sagte K. überrascht, „sie verfolgen dich?“ „Hast du es denn nicht bemerkt?“ fragte Frieda. „Nein,“ sagte K., und suchte sich vergeblich an Einzelheiten zu erinnern, „zudringliche und lüsterne Jungen sind es wohl, aber daß sie sich an dich herangewagt hätten, habe ich nicht bemerkt.“ „Nicht,“ sagte Frieda, „du hast nicht bemerkt, wie sie aus unserm Zimmer im Brückenhof nicht fortzubringen waren, wie sie unsere Beziehungen eifersüchtig überwachten, wie sich einer letzthin auf meinen Platz auf den Strohsack legte, wie sie jetzt gegen dich aussagten, um dich zu vertreiben, zu verderben, um mit mir allein zu sein. Das alles hast du nicht bemerkt?“ K. sah Frieda an, ohne zu antworten. Die Anklagen gegen die Gehilfen waren wohl richtig, aber sie konnten alle auch viel unschuldiger gedeutet werden, aus dem ganzen lächerlichen, kindischen, fahrigen, unbeherrschten Wesen der zwei. Und sprach nicht gegen die Beschuldigung auch, daß sie doch immer danach gestrebt hatten, überallhin mit K. zu gehen und nicht bei Frieda zurückzubleiben. K. erwähnte etwas Derartiges. „Heuchelei“, sagte Frieda. „Das hast du nicht durchschaut? Ja, warum hast du sie dann fortgetrieben, wenn nicht aus diesen Gründen?“ Und sie ging zum Fenster, rückte den Vorhang ein wenig zur Seite, blickte hinaus und rief dann K. zu sich. Noch immer waren die Gehilfen draußen am Gitter, so müde sie auch vielleicht schon waren, streckten sie doch noch von Zeit zu Zeit alle Kräfte zusammennehmend die Arme bittend gegen die Schule aus. Einer hatte, um sich nicht immerfort festhalten zu müssen, den Rock hinten auf einer Gitterstange aufgespießt. „Die Armen! Die Armen!“ sagte Frieda.

[¶3] “Poor things! Poor things!” said Frieda.
“You ask why I drove them away?” asked K. “You were the sole cause of that.” “I?” asked Frieda without taking her eyes from the assistants. “Your much too kind treatment of the assistants,” said K., “the way you forgave their offences and smiled at them and stroked their hair, your perpetual sympathy for them—‘Poor things! Poor things!’ you said just now—and finally this last thing that has happened, that you haven’t scrupled even to sacrifice me to save the assistants from a beating.” “Yes, that’s just it, that’s what I’ve been trying to tell you, that’s just what makes me unhappy, what keeps me from you even though I can’t think of any greater happiness than to be with you all the time, without interruption, endlessly, even though I feel that here in this world there’s no undisturbed place for our love, neither in the village nor anywhere else; and I dream of a grave, deep and narrow, where we could clasp each other in our arms as with iron bars, and I would hide my face in you and you would hide your face in me, and nobody would ever see us any more. But here—look, there at the assistants! It’s not you they think of when they clasp their hands, but me.” “And it’s not I who am looking at them,” said K., “but you.” “Certainly, me,” said Frieda almost angrily, “that’s what I’ve been saying all the time; why else should they be always at my heels, even if they are messengers of Klamm’s?” “Messengers of Klamm’s?” repeated K. extremely astonished by this designation, though it seemed natural enough at the same time. “Certainly, messengers of Klamm’s,” said Frieda. “Even if they are, still they’re silly boys too who need to have more sense hammered into them. What ugly black young demons they are, and how disgusting the contrast is between their faces, which one would say belonged to grownups, almost to students, and their silly childish behaviour. Do you think I don’t see that? It makes me feel ashamed for them. Well, that’s just it, they don’t repel me, but I feel ashamed for them. I can’t help looking at them. When one ought to be annoyed with them, I can only laugh at them. When people want to strike them, I can only stroke their hair. And when I’m lying beside you at night I can’t sleep and must always be leaning across you to look at them, one of them lying rolled up asleep in the blanket and the other kneeling before the stove door putting in wood, and I have to bend forward so far that I nearly waken you. And it wasn’t the cat that frightened me—oh, I’ve had experience of cats and I’ve had experience as well of disturbed nights in the taproom—it wasn’t the cat that frightened me, I’m frightened at myself. No, it didn’t need that big beast of a cat to waken me, I start up at the slightest noise. One minute I’m afraid you’ll waken and spoil everything, and the next I spring up and light the candle to force you to waken at once and protect me.” “I knew nothing of all this,” said K., “it was only a vague suspicion of it that made me send them away; but now they’re gone, and perhaps everything will be all right.” “Yes, they’re gone at last,” said Frieda, but her face was worried, not happy, “only we don’t know who they are. Messengers of Klamm’s I call them in my mind, though not seriously, but perhaps they are really that. Their eyes—those ingenuous and yet flashing eyes—remind me somehow of Klamm’s; yes, that’s it, it’s Klamm’s glance that sometimes runs through me from their eyes. And so it’s not true when I say that I’m ashamed for them. I only wish it were. I know quite well that anywhere else and in anyone else their behaviour would seem stupid and offensive, but in them it isn’t. I watch their stupid tricks with respect and admiration. But if they’re Klamm’s messengers who’ll rid us of them? and besides would it be a good thing to be rid of them? Wouldn’t you have to fetch them back at once in that case and be happy if they were still willing to come?” “You want me to bring them back again?” asked K. “No, no!” said Frieda, “it’s the last thing I desire. The sight of them, if they were to rush in here now, their joy at seeing me again, the way they would hop round like children and stretch out their arms to me like men; no, I don’t think I would be able to stand that. But all the same when I remember that if you keep on hardening your heart to them, it will keep you, perhaps, from ever getting admittance to Klamm, I want to save you by any means at all from such consequences. In that case my only wish is for you to let them in. In that case let them in now at once. Don’t bother about me; what do I matter? I’ll defend myself as long as I can, but if I have to surrender, then I’ll surrender with the consciousness that that too is for your sake.” “You only strengthen me in my decision about the assistants,” said K. “Never will they come in with my will. The fact that I’ve got them out of this proves at least that in certain circumstances they can be managed, and therefore, in addition, that they have no real connection with Klamm. Only last night I received a letter from Klamm from which it was clear that Klamm was quite falsely informed about the assistants, from which again one can only draw the conclusion that he is completely indifferent to them, for if that were not so he would certainly have obtained exact information about them. And the fact that you see Klamm in them proves nothing, for you’re still, unfortunately, under the landlady’s influence and see Klamm everywhere. You’re still Klamm’s sweetheart, and not my wife yet by a long chalk. Sometimes that makes me quite dejected, I feel then as if I had lost everything, I feel as if I had only newly come to the village, yet not full of hope, as I actually came, but with the knowledge that only disappointments await me, and that I will have to swallow them down one after another to the very dregs. But that is only sometimes,” K. added smiling, when he saw Frieda’s dejection at hearing his words, “and at bottom it merely proves one good thing, that is, how much you mean to me. And if you order me now to choose between you and the assistants, that’s enough to decide the assistants’ fate. What an idea, to choose between you and the assistants! But now I want to be rid of them finally, in word and thought as well. Besides who knows whether the weakness that has come over us both mayn’t be due to the fact that we haven’t had breakfast yet?” “That’s possible,” said Frieda smiling wearily and going about her work. K. too grasped the broom again.

> German: „Warum ich sie weggetrieben habe?“ fragte K. „Der unmittelbare Anlaß dafür bist du gewesen.“ „Ich“, fragte Frieda, ohne den Blick von draußen abzuwenden. „Diese allzufreundliche Behandlung der Gehilfen,“ sagte K., „das Verzeihen ihrer Unarten, das Lachen über sie, das Streicheln ihrer Haare, das fortwährende Mitleid mit ihnen, „die Armen, die Armen“, sagst du wieder, und schließlich der letzte Vorfall, da ich dir als Preis nicht zu hoch war, die Gehilfen von den Prügeln loszukaufen.“ „Das ist es ja,“ sagte Frieda, „davon spreche ich doch, das ist es ja, was mich unglücklich macht, was mich von dir abhält, während ich doch kein größeres Glück für mich weiß, als bei dir zu sein, immerfort, ohne Unterbrechung, ohne Ende, während ich doch davon träume, daß hier auf der Erde kein ruhiger Platz für unsere Liebe ist, nicht im Dorf und nicht anderswo, und ich mir deshalb ein Grab vorstelle, tief und eng, dort halten wir uns umarmt wie mit Zangen, ich verberge mein Gesicht an dir, du deines an mir und niemand wird uns jemals mehr sehen. Hier aber - sieh die Gehilfen! Nicht dir gilt es, wenn sie die Hände falten, sondern mir“. „Und nicht ich“, sagte K., „sehe sie an, sondern du.“ „Gewiß, ich,“ sagte Friede fast böse, „davon spreche ich doch immerfort; was würde denn sonst daran liegen, daß die Gehilfen hinter mir her sind, mögen sie auch Abgesandte Klamms sein“. - „Abgesandte Klamms“, sagte K., den diese Bezeichnung, so natürlich sie ihm gleich erschien, doch sehr überraschte. „Abgesandte Klamms, gewiß,“ sagte Frieda, „mögen sie die sein, so sind sie doch auch gleichzeitig läppische Jungen, die zu ihrer Erziehung noch Prügel brauchen. Was für häßliche schwarze Jungen es sind und wie abscheulich ist der Gegensatz zwischen ihren Gesichtern, die auf Erwachsene, ja fast auf Studenten schließen lassen, und ihrem kindisch-närrischen Benehmen. Glaubst du, daß ich das nicht sehe? Ich schäme mich ja ihrer. Aber das ist es ja eben, sie stoßen mich nicht ab, sondern ich schäme mich ihrer. Ich muß immer zu ihnen hinsehen. Wenn man sich über sie ärgern sollte, muß ich lachen. Wenn man sie schlagen wollte, muß ich über ihr Haar streichen. Und wenn ich neben dir liege in der Nacht, kann ich nicht schlafen und muß über dich hinweg zusehen, wie der eine fest in die Decke eingerollt schläft und der andere vor der offenen Ofentür kniet und heizt, und ich muß mich vorbeugen, daß ich dich fast wecke. Und nicht die Katze erschreckt mich - ach, ich kenne Katzen und ich kenne auch das unruhige, immerfort gestörte Schlummern im Ausschank - nicht die Katze erschreckt mich, ich selbst mache mir Schrecken. Und es bedarf gar nicht dieses Ungetüms von einer Katze, ich fahre beim kleinsten Geräusch zusammen. Einmal fürchte ich, daß du aufwachen wirst und alles zu Ende sein wird, und dann wieder springe ich auf und zünde die Kerze an, damit du nur schnell aufwachst und mich beschützen kannst.“ „Von dem allen habe ich nichts gewußt,“ sagte K., „nur in einer Ahnung dessen habe ich sie vertrieben, nun sind sie aber fort, nun ist vielleicht alles gut.“ „Ja, endlich sind sie fort,“ sagte Frieda, aber ihr Gesicht war gequält, nicht freudig, „nur wissen wir nicht, wer sie sind. Abgesandte Klamms, ich nenne sie in meinen Gedanken, im Spiele so, aber vielleicht sind sie es wirklich. Ihre Augen, diese einfältigen und doch funkelnden Augen, erinnern mich irgendwie an die Augen Klamms, ja, das ist es, es ist Klamms Blick, der mich manchmal aus ihren Augen durchfährt. Und unrichtig ist es deshalb, wenn ich sagte, daß ich mich ihrer schäme. Ich wollte nur, es wäre so. Ich weiß zwar, daß anderswo und bei anderen Menschen das gleiche Benehmen dumm und anstößig wäre, bei ihnen ist es nicht so. Mit Achtung und Bewunderung sehe ich ihren Dummheiten zu. Wenn es aber Klamms Abgesandte sind, wer befreit uns von ihnen? und wäre es dann überhaupt gut, von ihnen befreit zu werden? Müßtest du sie dann nicht schnell hereinholen und glücklich sein, wenn sie noch kämen?“ „Du willst, daß ich sie wieder hereinlasse?“ fragte K. „Nein, nein,“ sagte Frieda, „nichts will ich weniger. Ihren Anblick, wenn sie nun hereinstürmen würden, ihre Freude, mich wiederzusehen, ihr Herumhupfen von Kindern und ihr Armausstrecken von Männern, das alles würde ich vielleicht gar nicht ertragen können. Wenn ich dann aber wieder bedenke, daß du, wenn du gegen sie hart bleibst, damit vielleicht Klamm selbst den Zutritt zu dir verweigerst, will ich dich mit allen Mitteln vor den Folgen dessen bewahren. Dann will ich, daß du sie hereinkommen läßt. Dann nur schnell herein mit ihnen. Nimm keine Rücksicht auf mich, was liegt an mir. Ich werde mich wehren, solange ich kann, wenn ich aber verlieren sollte, nun, so werde ich verlieren, aber dann mit dem Bewußtsein, daß auch dies für dich geschehen ist.“ „Du bestärkst mich nur in meinem Urteil hinsichtlich der Gehilfen“, sagte K. „Niemals werden sie mit meinem Willen hereinkommen. Daß ich sie hinausgebracht habe, beweist doch, daß man sie unter Umständen beherrschen kann, und damit weiterhin, daß sie nichts Wesentliches mit Klamm zu tun haben. Erst gestern abend bekam ich einen Brief von Klamm, aus dem zu sehen ist, daß Klamm über die Gehilfen ganz falsch unterrichtet ist, woraus wieder geschlossen werden muß, daß sie ihm völlig gleichgültig sind, denn wären sie dies nicht, so hätte er sich doch gewiß genaue Nachrichten über sie beschaffen können. Daß aber du Klamm in ihnen siehst, beweist nichts, denn noch immer, leider, bist du von der Wirtin beeinflußt und siehst Klamm überall. Noch immer bist du Klamms Geliebte, noch lange nicht meine Frau. Manchmal macht mich das ganz trübe, mir ist dann, wie wenn ich alles verloren hätte, ich habe dann das Gefühl, als sei ich eben erst ins Dorf gekommen, aber nicht hoffnungsvoll, wie ich damals in Wirklichkeit war, sondern im Bewußtsein, daß mich nur Enttäuschungen erwarten, und daß ich eine nach der anderen werde durchkosten müssen, bis zum letzten Bodensatz. Doch ist das nur manchmal,“ fügte K. lächelnd hinzu, als er sah, wie Frieda unter seinen Worten zusammensank, „und beweist doch im Grunde etwas Gutes, nämlich was du mir bedeutest. Und wenn du mich jetzt aufforderst, zwischen dir und den Gehilfen zu wählen, so haben damit die Gehilfen schon verloren. Was für ein Gedanke, zwischen dir und den Gehilfen zu wählen. Nun will ich sie aber endgültig los sein, in Worten und Gedanken. Wer weiß übrigens, ob die Schwäche, die uns beide überkommen hat, nicht daher stammt, daß wir noch immer nicht gefrühstückt haben.“ „Möglich“, sagte Frieda müde lächelnd, und ging an die Arbeit. Auch K. ergriff wieder den Besen.

[¶4] After a while there was a soft rap at the door. “Barnabas!” cried K., throwing down the broom, and with a few steps he was at the door. Frieda stared at him, more terrified at the name than anything else. With his trembling hands K. could not turn the old lock immediately. “I’ll open in a minute,” he kept on repeating, instead of asking who was actually there. And then he had to face the fact that through the wide-open door came in, not Barnabas, but the little boy who had tried to speak to him before. But K. had no wish to be reminded of him. “What do you want here?” he asked, “the classes are being taught next door.” “I’ve come from there,” replied the boy looking up at K. quietly with his great brown eyes, and standing at attention, with his arms by his side. “What do you want then? Out with it!” said K. bending a little forward, for the boy spoke in a low voice. “Can I help you?” asked the boy. “He wants to help us,” said K. to Frieda, and then to the boy: “What’s your name?” “Hans Brunswick,” replied the boy, “fourth standard, son of Otto Brunswick, master cobbler in Madeleinegasse.” “I see, your name is Brunswick,” said K. now in a kinder tone. It came out that Hans had been so indignant at seeing the bloody weals which the lady teacher had raised on K.’s hand, that he had resolved at once to stand by K. He had boldly slipped away just now from the classroom next door at the risk of severe punishment, somewhat as a deserter goes over to the enemy. It may indeed have been chiefly some such boyish fancy that had impelled him. The seriousness which he evinced in everything he did seemed to indicate it. Shyness held him back at the beginning, but he soon got used to K. and Frieda, and when he was given a cup of good hot coffee he became lively and confidential and began to question them eagerly and insistently, as if he wanted to know the gist of the matter as quickly as possible, to enable him to come to an independent decision about what they should do. There was something imperious in his character, but it was so mingled with childish innocence that they submitted to it without resistance, half-smilingly, half in earnest. In any case he demanded all their attention for himself, work completely stopped, the breakfast lingered on unconscionably. Although Hans was sitting at one of the scholars’ desks and K. in a chair on the dais with Frieda beside him, it looked as if Hans were the teacher, and as if he were examining them and passing judgment on their answers. A faint smile round his soft mouth seemed to indicate that he knew quite well that all this was only a game, but that made him only the more serious in conducting it; perhaps too it was not really a smile but the happiness of childhood that played round his lips. Strangely enough he only admitted quite late in the conversation that he had known K. ever since his visit to Lasemann’s. K. was delighted. “You were playing at the lady’s feet?” asked K. “Yes,” replied Hans, “that was my mother.” And now he had to tell about his mother, but he did so hesitatingly and only after being repeatedly asked; and it was clear now that he was only a child, out of whose mouth, it is true—especially in his questions—sometimes the voice of an energetic, farseeing man seemed to speak; but then all at once, without transition, he was only a schoolboy again who did not understand many of the questions, misconstrued others, and in childish inconsiderateness spoke too low, although he had the fault repeatedly pointed out to him, and out of stubbornness silently refused to answer some of the other questions at all, quite without embarrassment, however, as a grownup would have been incapable of doing. He seemed to feel that he alone had the right to ask questions, and that by the questions of Frieda and K. some regulation were broken and time wasted. That made him sit silent for a long time, his body erect, his head bent, his underlip pushed out. Frieda was so charmed by his expression at these moments that she sometimes put questions to him in the hope that they would evoke it. And she succeeded several times, but K. was only annoyed. All that they found out did not amount to much. Hans’s mother was slightly unwell, but what her illness was remained indefinite; the child which she had had in her lap was Hans’ sister and was called Frieda (Hans was not pleased by the fact that her name was the same as the lady’s who was questioning him), the family lived in the village, but not with Lasemann—they had only been there on a visit and to be bathed, seeing that Lasemann had the big tub in which the younger children, to whom Hans didn’t belong, loved to bathe and splash about. Of his father Hans spoke now with respect, now with fear, but only when his mother was not occupying the conversation; compared with his mother his father evidently was of little account, but all their questions about Brunswick’s family life remained, in spite of their efforts, unanswered. K. learned that the father had the biggest shoemaker’s business in the place, nobody could compete with him, in fact which quite remote questions brought out again and again; he actually gave out work to the other shoemakers, for example to Barnabas’ father; in this last case he had done it of course as a special favour—at least Hans’s proud toss of the head seemed to hint at this, a gesture which made Frieda run over and give him a kiss. The question whether he had been in the Castle yet he only answered after it had been repeated several times, and with a “No.” The same question regarding his mother he did not answer at all. At last K. grew tired, to him too these questions seemed useless, he admitted that the boy was right; besides there was something humiliating in ferreting out family secrets by taking advantage of a child; doubly humiliating, however, was the fact that in spite of his efforts he had learned nothing. And when to finish the matter he asked the boy what was the help he wanted to offer, he was no longer surprised to hear that Hans had only wanted to help with the work in the school, so that the teacher and his assistant might not scold K. so much. K. explained to Hans that help of that kind was not needed, scolding was part of the teacher’s nature and one could scarcely hope to avoid it even by the greatest diligence, the work itself was not hard, and only because of special circumstances had it been so far behind that morning, besides scolding hadn’t the same effect on K. as on a scholar, he shook it off, it was almost a matter of indifference to him, he hoped, too, to get quite clear of the teacher soon. Though Hans had only wanted to help him in dealing with the teacher, however, he thanked him sincerely, but now Hans had better return to his class, with luck he would not be punished if he went back at once. Although K. did not emphasise and only involuntarily suggested that it was simply help in dealing with the teacher which he did not require, leaving the question of other kinds of help open, Hans caught the suggestion clearly and asked whether perhaps K. needed any other assistance; he would be very glad to help him, and if he were not in a position to help him himself, he would ask his mother to do so, and then it would be sure to be all right. When his father had difficulties, he too asked Hans’s mother for help. And his mother had already asked once about K., she herself hardly ever left the house, it had been a great exception for her to be at Lasemann’s that day. But he, Hans, often went there to play with Lasemann’s children, and his mother had once asked him whether the Land Surveyor had ever happened to be there again. Only his mother wasn’t supposed to talk too much, seeing she was so weak and tired, and so he had simply replied that he hadn’t seen the Land Surveyor there, and nothing more had been said; but when he had found K. here in the school, he had had to speak to him, so that he might tell his mother the news. For that was what pleased his mother most, when without her express command one did what she wanted. After a short pause for reflection K. said that he did not need any help, he had all that he required, but it was very good of Hans to want to help him, and he thanked him for his good intentions; it was possible that later he might be in need of something and then he would turn to Hans, he had his address. In return perhaps he, K. might be able to offer a little help; he was sorry to hear that Hans’s mother was ill and that apparently nobody in the village understood her illness; if it was neglected like that a trifling malady might sometimes lead to grave consequences. Now he, K., had some medical knowledge, and, what was of still more value, experience in treating sick people. Many a case which the doctors had given up he had been able to cure. At home they had called him “The Bitter Herb” on account of his healing powers. In any case he would be glad to see Hans’s mother and speak with her. Perhaps he might be able to give her good advice, for if only for Hans’s sake he would be delighted to do it. At first Hans’s eyes lit up at this offer, exciting K. to greater urgency, but the outcome was unsatisfactory, for to several questions Hans replied, without showing the slightest trace of regret, that no stranger was allowed to visit his mother, she had to be guarded so carefully; although that day K. had scarcely spoken to her she had had to stay for several days in bed, a thing indeed that often happened. But his father had then been very angry with K. and he would certainly never allow K. to come to the house; he had actually wanted to seek K. out at the time to punish him for his impudence, only Hans’s mother had held him back. But in any case his mother never wanted to talk with anybody whatever, and her enquiry about K. was no exception to the rule; on the contrary, seeing he had been mentioned, she could have expressed the wish to see him, but she hadn’t done so, and in that had clearly made known her will. She only wanted to hear about K. but she did not want to speak to him. Besides it wasn’t any real illness that she was suffering from, she knew quite well the cause of her state and often had actually indicated it; apparently it was the climate here that she could not stand, but all the same she would not leave the place, on account of her husband and children, besides her illness was already better than it used to be. Here K. felt Hans’s powers of thought visibly increasing in his attempt to protect his mother from K., from K. whom he had ostensibly wanted to help; yes, in the good cause of keeping K. away from his mother he even contradicted in several respects what he had said before, particularly in regard to his mother’s illness. Nevertheless K. marked that even so Hans was still well disposed towards him, only when his mother was in question he forgot everything else; whoever was set up beside his mother was immediately at a disadvantage; just now it had been K., but it could as well be his father, for example. K. wanted to test this supposition and said that it was certainly thoughtful of Hans’s father to shield his mother from any disturbance, and if he, K., had only guessed that day at this state of things, he would never have thought of venturing to speak to her, and he asked Hans to make his apologies to her now. On the other hand he could not quite understand why Hans’s father, seeing that the cause of her sickness was so clearly known as Hans said, kept her back from going somewhere else to get well; one had to infer that he kept her back, for she only remained on his account and the children’s, but she could take the children with her, and she need not have to go away for any long time or for any great distance, even up on the Castle Hill the air was quite different. Hans’s father had no need to fear the cost of the holiday, seeing that he was the biggest shoemaker in the place, and it was pretty certain that he or she had relations or acquaintances in the Castle who would be glad to take her in. Why did he not let her go? He shouldn’t underestimate an illness like this, K. had only seen Hans’s mother for a minute, but it had actually been her striking pallor and weakness that had impelled him to speak to her. Even at that time he had been surprised that her husband had let her sit there in the damp steam of the washing and bathing when she was ill, and had put no restraint either on his loud talk with the others. Hans’s father really did not know the actual state of things; even if her illness had improved in the last few weeks, illnesses like that had ups and downs, and in the end, if one did not fight them, they returned with redoubled strength, and then the patient was past help. Even if K. could not speak to Hans’s mother, still it would perhaps be advisable if he were to speak to his father and draw his attention to all this.

> German: Nach einem Weilchen klopfte es leise. „Barnabas!“ schrie K., warf den Besen hin und war mit einigen Sätzen bei der Tür. Über den Namen mehr als über alles andere erschrocken, sah ihn Frieda an. Mit den unsicheren Händen konnte K. das alte Schloß nicht gleich öffnen. „Ich öffne schon“, wiederholte er immerfort, statt zu fragen, wer denn eigentlich klopfte. Und mußte dann zusehen, wie durch die weit aufgerissene Tür nicht Barnabas hereinkam, sondern der kleine Junge, der schon früher einmal hatte K. ansprechen wollen. K. hatte aber keine Lust, sich an ihn zu erinnern. „Was willst du denn hier?“ sagte er, „unterrichtet wird nebenan.“ „Ich komme von dort,“ sagte der Junge und sah mit seinen großen braunen Augen ruhig zu K. auf, stand aufrecht da, die Arme eng am Leib. „Was willst du also? Schnell!“ sagte K. und beugte sich ein wenig hinab, denn der Junge sprach leise. „Kann ich dir helfen?“ fragte der Junge. „Er will uns helfen“, sagte K. zu Frieda, und dann zum Jungen: „Wie heißt du denn?“ „Hans Brunswick,“ sagte der Junge, „Schüler der vierten Klasse, Sohn des Otto Brunswick, Schustermeisters in der Madeleinegasse.“ „Sieh mal, Brunswick heißt du“, sagte K. und war nun freundlicher zu ihm. Es stellte sich heraus, daß Hans durch die blutigen Striemen, welche die Lehrerin in K.s Hand eingekratzt hatte, so erregt worden war, daß er sich damals entschlossen hatte, K. beizustehen. Eigenmächtig war er jetzt auf die Gefahr großer Strafe hin aus dem Schulzimmer nebenan weggeschlichen, so wie ein Deserteur zum Feinde übergeht. Es mochten vor allem solche knabenhafte Vorstellungen sein, die ihn beherrschten. Ihnen entsprechend war auch der Ernst, der aus allem sprach, was er tat. Nur anfänglich hatte ihn Schüchternheit behindert, bald aber gewöhnte er sich an K. und Frieda, und als er dann heißen guten Kaffee zu trinken bekommen hatte, war er lebhaft und zutraulich geworden und seine Fragen waren eifrig und eindringlich, so, als wolle er möglichst schnell das Wichtigste erfahren, um dann selbständig für K. und Frieda Entschlüsse fassen zu können. Es war auch etwas Befehlshaberisches in seinem Wesen, aber es war mit kindlicher Unschuld so gemischt, daß man sich ihm halb aufrichtig, halb scherzend gern unterwarf. Jedenfalls nahm er alle Aufmerksamkeit für sich in Anspruch, alle Arbeit hatte aufgehört, das Frühstück zog sich sehr in die Länge. Trotzdem er in der Schulbank saß, K. auf dem Kathedertisch, Frieda auf einem Sessel nebenan, sah es aus, als sei Hans der Lehrer, als prüfe er und beurteile die Antworten. Ein leichtes Lächeln um seinen weichen Mund schien anzudeuten, daß er wohl wisse, es handle sich nur um ein Spiel, aber desto ernsthafter war er im übrigen bei der Sache, vielleicht war es auch gar kein Lächeln, sondern das Glück der Kindheit, das die Lippen umspielte. Auffallend spät erst hatte er zugegeben, daß er K. schon kannte, seitdem dieser einmal bei Lasemann eingekehrt war. K. war glücklich darüber. „Du spieltest damals zu Füßen der Frau?“ fragte K. „Ja,“ sagte Hans, „es war meine Mutter“. Und nun mußte er von seiner Mutter erzählen, aber er tat es nur zögernd und erst auf wiederholte Aufforderung, es zeigte sich nun doch, daß er ein kleiner Junge war, aus dem zwar manchmal, besonders in seinen Fragen, vielleicht im Vorgefühl der Zukunft, vielleicht aber auch nur infolge der Sinnestäuschung des unruhig-gespannten Zuhörers, fast ein energischer, weitblickender Mann zu sprechen schien, der dann aber gleich darauf ohne Übergang nur ein Schuljunge war, der manche Fragen gar nicht verstand, andere mißdeutete, der in kindlicher Rücksichtslosigkeit zu leise sprach, trotzdem er oft auf den Fehler aufmerksam gemacht worden war und der schließlich wie aus Trotz gegenüber manchen dringenden Fragen vollkommen schwieg, und zwar ganz ohne Verlegenheit, wie es ein Erwachsener niemals könnte. Es war überhaupt, wie wenn seiner Meinung nach nur ihm das Fragen erlaubt sei, durch das Fragen der anderen aber irgendeine Vorschrift durchbrochen und Zeit verschwendet würde. Er konnte dann lange Zeit stillsitzen mit aufrechtem Körper, gesenktem Kopf, aufgeworfener Unterlippe. Frieda gefiel das so, daß sie ihm öfters Fragen stellte, von denen sie hoffte, daß sie ihn auf diese Weise verstummen lassen würden. Es gelang ihr auch manchmal, aber K. ärgerte es. Im ganzen erfuhr man wenig. Die Mutter war ein wenig kränklich, aber was für eine Krankheit es war, blieb unbestimmt, das Kind, das Frau Brunswick auf dem Schoß gehabt hatte, war Hansens Schwester und hieß Frieda (die Namensgleichheit mit der ihn ausfragenden Frau nahm Hans unfreundlich auf), sie wohnten alle im Dorf, aber nicht bei Lasemann, sie waren dort nur zu Besuch gewesen, um gebadet zu werden, weil Lasemann das große Schaff hatte, in dem zu baden und sich herumzutreiben den kleinen Kindern, zu denen aber Hans nicht gehörte, ein besonderes Vergnügen machte; von seinem Vater sprach Hans ehrfurchtsvoll oder ängstlich, aber nur, wenn nicht gleichzeitig von der Mutter die Rede war, gegenüber der Mutter war des Vaters Wert offenbar klein, übrigens blieben alle Fragen über das Familienleben, wie immer man auch heranzukommen suchte, unbeantwortet. Vom Gewerbe des Vaters erfuhr man, daß er der größte Schuster des Ortes war, keiner war ihm gleich, wie öfters auch auf ganz andere Fragen hin wiederholt wurde, er gab sogar den andern Schustern, z. B. auch dem Vater Barnabas, Arbeit, in diesem letzten Falle tat es Brunswick wohl nur aus besonderer Gnade, wenigstens deutete dies die stolze Kopfwendung Hansens an, welche Frieda veranlaßte, zu ihm hinunterzuspringen und ihm einen Kuß zu geben. Die Frage, ob er schon im Schloß gewesen sei, beantwortete er erst nach vielen Wiederholungen, und zwar mit „Nein“. Die gleiche Frage hinsichtlich der Mutter beantwortete er gar nicht. Schließlich ermüdete K., auch ihm schien das Fragen unnütz, er gab darin dem Jungen recht, auch war darin etwas Beschämendes, auf dem Umweg über das unschuldige Kind Familiengeheimnisse ausforschen zu wollen, doppelt beschämend allerdings war, daß man auch hier nichts erfuhr. Und als dann K. zum Abschluß den Jungen fragte, worin er denn zu helfen sich anbiete, wunderte er sich nicht mehr zu hören, daß Hans nur hier bei der Arbeit helfen wolle, damit der Lehrer und die Lehrerin mit K. nicht mehr so zankten. K. erklärte Hans, daß eine solche Hilfe nicht nötig sei, Zanken gehöre wohl zu des Lehrers Natur, und man werde wohl auch durch genaueste Arbeit sich kaum davor schützen können, die Arbeit selbst sei nicht schwer und nur infolge zufälliger Umstände sei er mit ihr heute im Rückstande, übrigens wirke auf K. dieses Zanken nicht so wie auf einen Schüler, er schüttle es ab, es sei ihm fast gleichgültig, auch hoffe er dem Lehrer sehr bald völlig entgehen zu können. Da es sich also nur um Hilfe gegen den Lehrer gehandelt habe, danke er dafür bestens und Hans könne wieder zurückgehen, hoffentlich werde er noch nicht bestraft werden. Trotzdem es K. gar nicht betonte und nur unwillkürlich andeutete, daß es nur die Hilfe gegenüber dem Lehrer sei, die er nicht brauche, während er die Frage nach anderer Hilfe offen ließ, hörte es Hans doch klar heraus und fragte, ob K. vielleicht andere Hilfe brauche, sehr gerne werde er ihm helfen und wenn er es selbst nicht imstande wäre, würde er seine Mutter darum bitten und dann würde es gewiß gelingen. Auch wenn der Vater Sorgen hat, bittet er die Mutter um Hilfe. Und die Mutter habe auch schon einmal nach K. gefragt, sie selbst gehe kaum aus dem Haus, nur ausnahmsweise sei sie damals bei Lasemann gewesen. Er, Hans, aber gehe öfters hin, um mit Lasemanns Kindern zu spielen, und da habe ihn die Mutter einmal gefragt, ob dort vielleicht wieder einmal der Landvermesser gewesen sei. Nur dürfe man die Mutter, weil sie so schwach und müde sei, nicht unnütz ausfragen und so habe er nur einfach gesagt, daß er den Landvermesser dort nicht gesehen habe, und weiter sei davon nicht gesprochen worden, als er ihn aber nun hier in der Schule gefunden habe, habe er ihn ansprechen müssen, damit er der Mutter berichten könne. Denn das habe die Mutter am liebsten, wenn man ohne ihren ausdrücklichen Befehl ihre Wünsche erfüllt. Darauf sagte K. nach kurzer Überlegung, er brauche keine Hilfe, er habe alles, was er benötige, aber es sei sehr lieb von Hans, daß er ihm helfen wolle und er danke ihm für die gute Absicht, es sei ja möglich, daß er später einmal etwas brauchen werde, dann werde er sich an ihn wenden, die Adresse habe er ja. Dagegen könne vielleicht er, K., diesmal ein wenig helfen, es tue ihm leid, daß Hansens Mutter kränkle und offenbar niemand hier das Leid verstehe; in einem solchen vernachlässigten Falle kann oft eine schwere Verschlimmerung eines an sich leichten Leidens eintreten. Nun habe er, K., einige medizinische Kenntnisse und, was noch mehr wert sei, Erfahrung in der Krankenbehandlung. Manches, was Ärzten nicht gelungen sei, sei ihm geglückt. Zu Hause habe man ihn wegen seiner Heilwirkung immer das bittere Kraut genannt. Jedenfalls würde er gern Hansens Mutter ansehen und mit ihr sprechen. Vielleicht könnte er einen guten Rat geben, schon um Hansens willen täte er es gern. Hansens Augen leuchteten bei diesem Angebot zuerst auf, verführten K. dazu, dringlicher zu werden, aber das Ergebnis war unbefriedigend, denn Hans sagte auf verschiedene Fragen, und war dabei nicht einmal sehr traurig, zur Mutter dürfe kein fremder Besuch kommen, weil sie sehr schonungsbedürftig sei; trotzdem doch K. damals kaum mit ihr gesprochen habe, sei sie nachher einige Tage im Bett gelegen, was freilich öfters geschehe. Der Vater habe sich damals aber über K. sehr geärgert und er würde gewiß niemals erlauben, daß K. zur Mutter komme, ja, er habe damals K. aufsuchen wollen, um ihn wegen seines Benehmens zu strafen, nur die Mutter habe ihn davon zurückgehalten. Vor allem aber wolle die Mutter selbst im allgemeinen mit niemandem sprechen und ihre Frage nach K. bedeute keine Ausnahme von der Regel, im Gegenteil, gerade gelegentlich seiner Erwähnung hätte sie den Wunsch aussprechen können, ihn zu sehen, aber sie habe dies nicht getan und damit deutlich ihren Willen geäußert. Sie wolle nur von K. hören, aber mit ihm sprechen wolle sie nicht. Übrigens sei es sogar keine eigentliche Krankheit, woran sie leide, sie wisse sehr wohl die Ursache ihres Zustandes und manchmal deute sie sie auch an, es sei wahrscheinlich die Luft hier, die sie nicht vertrage, aber sie wolle doch auch wieder den Ort nicht verlassen, des Vaters und der Kinder wegen, auch sei es schon besser, als es früher gewesen war. Das war es etwa, was K. erfuhr, die Denkkraft Hansens steigerte sich sichtlich, da er seine Mutter vor K. schützen wollte, vor K., dem er angeblich hatte helfen wollen; ja, zu dem guten Zwecke, K. von der Mutter abzuhalten, widersprach er in manchem sogar seinen eigenen früheren Aussagen, z. B. hinsichtlich der Krankheit. Trotzdem aber merkte K. auch jetzt, daß Hans ihm noch immer gutgesinnt war, nur vergaß er über der Mutter alles andere; wen immer man gegenüber der Mutter aufstellte, er kam gleich ins Unrecht, jetzt war es K. gewesen, aber es konnte z. B. auch der Vater sein. K. wollte dieses letztere versuchen und sagte, es sei gewiß sehr vernünftig vom Vater, daß er die Mutter vor jeder Störung so behüte und wenn er, K., damals etwas Ähnliches nur geahnt hätte, hätte er gewiß die Mutter nicht anzusprechen gewagt und er lasse jetzt noch nachträglich zu Hause um Entschuldigung bitten. Dagegen könne er nicht ganz verstehen, warum der Vater, wenn die Ursache des Leidens so klar gestellt sei, wie Hans sagte, die Mutter zurückhalte, sich in anderer Luft zu erholen; man müsse sagen, daß er sie zurückhalte, denn sie gehe nur der Kinder und seinetwegen nicht fort, die Kinder aber könnte sie mitnehmen, sie müßte ja nicht für lange Zeit fortgehen und auch nicht sehr weit, schon oben auf dem Schloßberg sei die Luft ganz anders. Die Kosten eines solchen Ausflugs müsse der Vater nicht fürchten, er sei ja der größte Schuster im Ort und gewiß habe auch er oder die Mutter Verwandte oder Bekannte im Schloß, die sie gern aufnehmen würden. Warum lasse er sie nicht fort? Er möge ein solches Leiden nicht unterschätzen, K. habe ja die Mutter nur flüchtig gesehen, aber eben ihre auffallende Blässe und Schwäche habe ihn dazu bewogen, sie anzusprechen. Schon damals habe er sich gewundert, daß der Vater die kranke Frau in der schlechten Luft des allgemeinen Bade- und Waschraumes gelassen und sich auch in seinen lauten Reden keine Zurückhaltung auferlegt habe. Der Vater wisse wohl nicht, um was es sich handle, mag sich auch das Leiden in der letzten Zeit vielleicht gebessert haben, ein solches Leiden hat Launen, aber schließlich kommt es doch, wenn man es nicht bekämpft, mit gesammelter Kraft und nichts kann dann mehr helfen. Wenn K. schon nicht mit der Mutter sprechen könne, wäre es doch vielleicht gut, wenn er mit dem Vater sprechen und ihn auf dies alles aufmerksam machen würde.

[¶5] Hans had listened intently, had understood most of it, and had been deeply impressed by the threat implicit in this dark advice. Nevertheless he replied that K. could not speak to his father, for his father disliked him and would probably treat him as the teacher had done. He said this with a shy smile when he was speaking of K., but sadly and bitterly when he mentioned his father. But he added that perhaps K. might be able to speak to his mother all the same, but only without his father’s knowledge. Then deep in thought Hans stared in front of him for a little—just like a woman who wants to do something forbidden and seeks an opportunity to do it without being punished—and said that the day after tomorrow it might be possible, his father was going to the Herrenhof in the evening, he had a conference there; then he, Hans, would come in the evening and take K. along to his mother, of course assuming that his mother agreed, which was however very improbable. She never did anything at all against the wishes of his father, she submitted to him in everything, even in things whose unreasonableness he, Hans, could see through.

> German: Hans hatte gespannt zugehört, das meiste verstanden, die Drohung des unverständlichen Rates stark empfunden. Trotzdem sagte er, mit dem Vater könne K. nicht sprechen, der Vater habe eine Abneigung gegen ihn und er würde ihn wahrscheinlich wie der Lehrer behandeln. Er sagte dies lächelnd und schüchtern, wenn er von K. sprach, und verbissen und traurig, wenn er den Vater erwähnte. Doch fügte er hinzu, daß K. vielleicht doch mit der Mutter sprechen könnte, aber nur ohne Wissen des Vaters. Dann dachte Hans mit starrem Blick ein wenig nach, ganz wie eine Frau, die etwas Verbotenes tun will und eine Möglichkeit sucht, es ungestraft auszuführen, und sagte, übermorgen wäre es vielleicht möglich, der Vater gehe abends in den Herrenhof, er habe dort Besprechungen, da werde er, Hans, abends kommen und K. zur Mutter führen, vorausgesetzt allerdings, daß die Mutter zustimme, was noch sehr unwahrscheinlich sei. Vor allem tue sie ja nichts gegen den Willen des Vaters, in allem füge sie sich ihm, auch in Dingen, deren Unvernunft selbst er, Hans, klar einsehe.

[¶6] Long before this K. had called Hans up to the dais, drawn him between his knees, and had kept on caressing him comfortingly. The nearness helped, in spite of Hans’s occasional recalcitrance, to bring about an understanding. They agreed finally to the following: Hans would first tell his mother the entire truth, but, so as to make her consent easier, add that K. wanted to speak to Brunswick himself as well, not about her at all, but about his own affairs. Besides this was true; in the course of the conversation K. had remembered that Brunswick, even if he were a bad and dangerous man, could scarcely be his enemy now, if he had been, according to the information of the Superintendent, the leader of those who, even if only on political grounds, were in favour of engaging a Land Surveyor. K.’s arrival in the village must therefore have been welcomed by Brunswick. But in that case his morose greeting that first day and the dislike of which Hans spoke were almost incomprehensible, perhaps however Brunswick had been hurt simply because K. had not turned to him first for help, perhaps there existed some other misunderstanding which could be cleared up by a few words. But if that were done K. might very well secure in Brunswick a supporter against the teacher, yes and against the Superintendent as well; the whole official plot—for was it anything else really?—by means of which the Superintendent and the teacher were keeping him from reaching the Castle authorities and had driven him into taking a janitor’s post might be unmasked; if it came anew to a fight about K. between Brunswick and the Superintendent, Brunswick would have to include K. on his side, K. would become a guest in Brunswick’s house, Brunswick’s fighting resources would be put at his disposal in spite of the Superintendent; who could tell what he might not be able to achieve by those means, and in any case he would often be in the lady’s company—so he played with his dreams and they with him, while Hans, thinking only of his mother, painfully watched K.’s silence, as one watches a doctor who is sunk in reflection while he tries to find the proper remedy for a grave case. With K.’s proposal to speak to Brunswick about his post as Land Surveyor Hans was in agreement, but only because by means of this his mother would be shielded from his father, and because in any case it was only a last resort which with good luck might not be needed. He merely asked further how K. was to explain to his father the lateness of the visit, and was content at last, though his face remained a little overcast, with the suggestion that K. would say that his unendurable post in the school and the teacher’s humiliating treatment had made him in sudden despair forget all caution.

> German: Längst schon hatte K. Hans aus der Bank zum Katheder gerufen, hatte ihn zu sich zwischen die Knie gezogen und streichelte ihn manchmal begütigend. Diese Nähe trug auch dazu bei, trotz Hansens zeitweiligem Widerstreben, ein Einvernehmen herzustellen. Man einigte sich schließlich auf folgendes: Hans werde zunächst der Mutter die volle Wahrheit sagen, jedoch, um ihr die Zustimmung zu erleichtern, hinzufügen, daß K. auch mit Brunswick selbst sprechen wolle, allerdings nicht wegen der Mutter, sondern wegen seiner Angelegenheiten. Dies war auch richtig, im Laufe des Gesprächs war es K. eingefallen, daß ja Brunswick, mochte er auch sonst ein gefährlicher und böser Mensch sein, sein Gegner eigentlich nicht mehr sein konnte, war er doch, wenigstens nach dem Bericht des Gemeindevorstehers, der Führer derjenigen gewesen, welche, sei es auch aus politischen Gründen, die Berufung eines Landvermessers verlangt hatten. K.s Ankunft im Dorf mußte also für Brunswick willkommen sein. Dann war allerdings die ärgerliche Begrüßung am ersten Tag und die Abneigung, von der Hans sprach, fast unverständlich, vielleicht aber war Brunswick gerade deshalb gekränkt, weil sich K. nicht zuerst an ihn um Hilfe gewendet hatte, vielleicht lag ein anderes Mißverständnis vor, das durch ein paar Worte aufgeklärt werden konnte. Wenn das aber geschehen war, konnte K. in Brunswick recht wohl einen Rückhalt gegenüber dem Lehrer, ja sogar gegenüber dem Gemeindevorsteher bekommen, der ganze amtliche Trug - was war es denn anderes? -, mit welchem der Gemeindevorsteher und der Lehrer ihn von den Schloßbehörden abhielten und in die Schuldienerstellung zwängten, konnte aufgedeckt werden, kam es neuerlich zu einem um K. geführten Kampf zwischen Brunswick und dem Gemeindevorsteher, mußte Brunswick K. an seine Seite ziehen, K. würde Gast in Brunswicks Hause werden, Brunswicks Machtmittel würden ihm zur Verfügung gestellt werden, dem Gemeindevorsteher zum Trotz, wer weiß, wohin er dadurch gelangen würde und in der Nähe der Frau würde er jedenfalls häufig sein - so spielte er mit den Träumen und sie mit ihm, während Hans, nur in Gedanken an die Mutter, das Schweigen K.s sorgenvoll beobachtete, so wie man es gegenüber einem Arzt tut, der in Nachdenken versunken ist, um für einen schweren Fall ein Hilfsmittel zu finden. Mit diesem Vorschlag K.s, daß er mit Brunswick wegen der Landvermesseranstellung sprechen wolle, war Hans einverstanden, allerdings nur deshalb, weil dadurch seine Mutter vor dem Vater geschützt war und es sich überdies nur um einen Notfall handelte, der hoffentlich nicht eintreten würde. Er fragte nur noch, wie K. die späte Stunde des Besuches dem Vater erklären würde, und begnügte sich schließlich, wenn auch mit ein wenig verdüstertem Gesicht, damit, daß K. sagen würde, die unerträgliche Schulmeisterstellung und die entehrende Behandlung durch den Lehrer habe ihn in plötzlicher Verzweiflung alle Rücksicht vergessen lassen.

[¶7] Now that, so far as one could see, everything had been provided for, and the possibility of success at least conceded, Hans, freed from his burden of reflection, became happier, and chattered for some time longer with K. and afterwards with Frieda—who had sat for a long time as if absorbed by quite different thoughts, and only now began to take part in the conversation again. Among other things she asked him what he wanted to become; he did not think long but said he wanted to be a man like K. When he was asked next for his reasons he really did not know how to reply, and the questions whether he would like to be a janitor he answered with a decided negative. Only through further questioning did they perceive by what roundabout ways he had arrived at his wish. K.’s present condition was in no way enviable, but wretched and humiliating; even Hans saw this clearly without having to ask other people; he himself would have certainly preferred to shield his mother from K.’s slightest word, even from having to see him. In spite of this, however, he had come to K. and had begged to be allowed to help him, and had been delighted when K. agreed; he imagined too that other people felt the same; and most important of all, it had been his mother herself who had mentioned K.’s name. These contradictions had engendered in him the belief that though for the moment K. was wretched and looked down on, yet in an almost unimaginable and distant future he would excel everybody. And it was just this absurdly distant future and the glorious developments which were to lead up to it that attracted Hans; that was why he was willing to accept K. even in his present state. The peculiar childish-grown-up acuteness of this wish consisted in the fact that Hans looked on K. as on a younger brother whose future would reach further than his own, the future of a very little boy. And it was with an almost troubled seriousness that, driven into a corner by Frieda’s questions, he at last confessed those things. K. only cheered him up again when he said that he knew what Hans envied him for; it was for his beautiful walking-stick, which was lying on the table and with which Hans had been playing absently during the conversation. Now K. knew how to produce sticks like that, and if their plan were successful he would make Hans an even more beautiful one. It was no longer quite clear now whether Hans had not really meant merely the walking-stick, so happy was he made by K.’s promise; and he said goodbye with a glad face, not without pressing K.’s hand firmly and saying: “The day after tomorrow, then.”
It had been high time for Hans to go, for shortly afterwards the teacher flung open the door and shouted when he saw K. and Frieda sitting idly at the table: “Forgive my intrusion! But will you tell me when this place is to be finally put in order? We have to sit here packed like herring, so that the teaching can’t go on. And there are you lolling about in the big gymnasium, and you’ve even sent away the assistants to give yourselves more room. At least get on to your feet now and get a move on!” Then to K. “Now go and bring me my lunch from the Bridge Inn.” All this was delivered in a furious shout, though the words were comparatively inoffensive. K. was quite prepared to obey, but to draw the teacher he said: “But I’ve been given notice.” “Notice or no notice, bring me my lunch,” replied the teacher. “Notice or no notice, that’s just what I want to be sure about,” said K. “What nonsense is this?” asked the teacher. “You know you didn’t accept the notice.” “And is that enough to make it invalid?” asked K. “Not for me,” said the teacher, “you can take my word for that, but for the Superintendent, it seems, though I can’t understand it. But take to your heels now, or else I’ll fling you out in earnest.” K. was content, the teacher then had spoken with the Superintendent, or perhaps he hadn’t spoken after all, but had merely thought over carefully the Superintendent’s probable intentions, and these had weighed in K.’s favour. Now K. was setting out hastily to get the lunch, but the teacher called him back from the very doorway, either because he wanted by this counter order to test K.’s willingness to serve, so that he might know how far he could go in future, or because a fresh fit of imperiousness had seized him, and it gave him pleasure to make K. run to and fro like a waiter. On his side K. knew that through too great compliance he would only become the teacher’s slave and scapegoat, but within certain limits he decided for the present to give way to the fellow’s caprices, for even if the teacher, as had been shown, had not the power to dismiss him, yet he could certainly make the post so difficult that it could not be borne. And the post was more important in K.’s eyes now than ever before. The conversation with Hans had raised new hopes in him, improbable, he admitted, completely groundless even, but all the same not to be put out of his mind; they almost superseded Barnabas himself. If he gave himself up to them—and there was no choice—then he must husband all his strength, trouble about nothing else, food, shelter, the village authorities, no, not even about Frieda—and in reality the whole thing turned only on Frieda, for everything else only gave him anxiety in relation to her. For this reason he must try to keep this post which gave Frieda a certain degree of security, and he must not complain if for this end he were made to endure more at the teacher’s hands than he would have had to endure in the ordinary course. All that sort of thing could be put up with, it belonged to the ordinary continual petty annoyances of life, it was nothing compared with what K. was striving for, and he had not come here simply to lead an honoured and comfortable life.

> German: Als nun auf diese Weise alles, soweit man sehen konnte, vorbedacht und die Möglichkeit des Gelingens doch wenigstens nicht mehr ausgeschlossen war, wurde Hans, von der Last des Nachdenkens befreit, fröhlicher, plauderte noch ein Weilchen kindlich zuerst mit K. und dann auch mit Frieda, die lange wie in ganz anderen Gedanken dagesessen war, und jetzt erst wieder an dem Gespräch teilzunehmen begann. Unter anderem fragte sie ihn, was er werden wolle, er überlegte nicht viel und sagte, er wolle ein Mann werden wie K. Als er dann nach seinen Gründen gefragt wurde, wußte er freilich nicht zu antworten, und die Frage, ob er etwa Schuldiener werden wolle, verneinte er mit Bestimmtheit. Erst als man weiter fragte, erkannte man, auf welchem Umweg er zu seinem Wunsche gekommen war. Die gegenwärtige Lage K.s war keineswegs beneidenswert, sondern traurig und verächtlich, das sah auch Hans genau und er brauchte, um das zu erkennen, gar nicht andere Leute zu beobachten, er selbst hätte ja am liebsten die Mutter vor jedem Blick und Wort K.s bewahren wollen. Trotzdem aber kam er zu K. und bat ihn um Hilfe und war glücklich, wenn K. zustimmte, auch bei anderen Leuten glaubte er Ähnliches zu erkennen, und vor allem hatte doch die Mutter selbst K. erwähnt. Aus diesem Widerspruch entstand in ihm der Glaube, jetzt sei zwar K. noch niedrig und abschreckend, aber in einer allerdings fast unvorstellbar fernen Zukunft werde er doch alle übertreffen. Und eben diese geradezu törichte Ferne und die stolze Entwicklung, die in sie führen sollte, lockte Hans; um diesen Preis wollte er sogar den gegenwärtigen K. in Kauf nehmen. Das besonders Kindlich-Altkluge dieses Wunsches bestand darin, daß Hans auf K. herabsah wie auf einen Jüngeren, dessen Zukunft sich weiter dehne als seine eigene, die Zukunft eines kleinen Knaben. Und es war auch ein fast trüber Ernst, mit dem er, durch Fragen Friedas immer wieder gezwungen, von diesen Dingen sprach. Erst K. heiterte ihn wieder auf, als er sagte, er wisse, um was ihn Hans beneide, es handle sich um seinen schönen Knotenstock, der auf dem Tisch lag und mit dem Hans zerstreut im Gespräch gespielt hatte. Nun, solche Stöcke verstehe K. herzustellen und er werde, wenn ihr Plan geglückt sei, Hans einen noch schöneren machen. Es war jetzt nicht mehr ganz deutlich, ob nicht Hans wirklich nur den Stock gemeint hatte, so sehr freute er sich über K.s Versprechen und nahm fröhlich Abschied, nicht ohne K. fest die Hand zu drücken und zu sagen: „Also übermorgen.“ Es war höchste Zeit, daß Hans weggegangen war, denn kurz darauf riß der Lehrer die Tür auf und schrie, als er K. und Frieda ruhig bei Tisch sitzen sah: „Verzeiht die Störung! Aber sagt mir, wann wird endlich hier aufgeräumt sein? Wir müssen drüben zusammengepfercht sitzen, der Unterricht leidet. Ihr aber dehnt und streckt euch hier im großen Turnzimmer, und um noch mehr Platz zu haben, habt ihr auch noch die Gehilfen weggeschickt. Jetzt aber steht wenigstens gefälligst auf und rührt euch!“ Und nur zu K. „Du holst mir jetzt das Gabelfrühstück aus dem Brückenhof.“ Das alles war wütend geschrien, aber die Worte waren verhältnismäßig sanft, selbst das an sich grobe Du. K. war sofort bereit zu folgen, nur um den Lehrer auszuhorchen, sagte er: „Ich bin doch gekündigt.“ „Gekündigt oder nicht gekündigt, hol mir das Gabelfrühstück“, sagte der Lehrer. „Gekündigt oder nicht gekündigt, das eben will ich wissen“, sagte K. „Was schwätzst du?“ sagte der Lehrer. „Du hast doch die Kündigung nicht angenommen.“ „Das genügt, um sie unwirksam zu machen?“ fragte K. „Mir nicht,“ sagte der Lehrer, „das darfst du mir glauben, wohl aber dem Gemeindevorsteher, unbegreiflicherweise. Nun aber lauf, sonst fliegst du wirklich hinaus.“ K. war zufrieden, der Lehrer hatte also mit dem Gemeindevorsteher inzwischen gesprochen, oder vielleicht gar nicht gesprochen, sondern nur des Gemeindevorstehers voraussichtliche Meinung sich zurechtgelegt und diese lautete zu K.s Gunsten. Nun wollte K. gleich um das Gabelfrühstück eilen, aber noch aus dem Gang rief ihn der Lehrer wieder zurück. Sei es, daß er die Dienstwilligkeit K.s durch diesen besonderen Befehl nur hatte erproben wollen, um sich danach weiterhin richten zu können, sei es, daß er nun wieder neue Lust zum Kommandieren bekam und es ihn freute, K. eilig laufen und dann auf seinen Befehl hin wie einen Kellner ebenso eilig wieder wenden zu lassen. K. seinerseits wußte, daß er durch allzu großes Nachgeben sich zum Sklaven und Prügeljungen des Lehrers machen würde, aber bis zu einer gewissen Grenze wollte er jetzt die Launen des Lehrers geduldig hinnehmen, denn wenn ihm auch der Lehrer, wie sich gezeigt hatte, rechtmäßig nicht kündigen konnte, qualvoll bis zum Unerträglichen konnte er die Stellung gewiß machen. Aber gerade an dieser Stellung lag jetzt K. mehr als früher. Das Gespräch mit Hans hatte ihm neue, zugegebenermaßen unwahrscheinliche, völlig grundlose, aber nicht mehr zu vergessende Hoffnungen gemacht, sie verdeckten sogar fast Barnabas. Wenn er ihnen nachging, und er konnte nicht anders, so mußte er alle seine Kraft darauf sammeln, sich um nichts anderes sorgen, nicht um das Essen, die Wohnung, die Dorfbehörden, ja selbst um Frieda nicht, und im Grunde handelte es sich ja nur um Frieda, denn alles andere kümmerte ihn ja nur mit Bezug auf sie. Deshalb mußte er diese Stellung, welche Frieda einige Sicherheit gab, zu behalten suchen, und es durfte ihn nicht reuen, im Hinblick auf diesen Zweck mehr vom Lehrer zu dulden, als er sonst zu dulden über sich gebracht hätte. Das alles war nicht allzu schmerzlich, es gehörte in die Reihe der fortwährenden kleinen Leiden des Lebens, es war nichts im Vergleich zu dem, was K. erstrebte, und er war nicht hergekommen, um ein Leben in Ehren und Frieden zu fuhren.

[¶8] And so, as he had been ready to run over to the inn, he showed himself now willing to obey the second order, and first set the room to rights so that the lady teacher and her children could come back to it. But it had to be done with all speed, for after that K. had to go for the lunch, and the teacher was already ravenous. K. assured him that it would all be done as he desired; for a little the teacher looked on while K. hurried up, cleared away the sack of straw, put back the gymnastic apparatus in its place, and swept the room out while Frieda washed and scrubbed the dais. Their diligence seemed to appease the teacher, he only drew their attention to the fact that there was a pile of wood for the fire outside the door—he would not allow K. further access to the shed, of course—and then went back to his class with the threat that he would return soon and inspect.

> German: Und so war er, wie er gleich hatte ins Wirtshaus laufen wollen, auf den geänderten Befehl hin auch gleich wieder bereit, zuerst das Zimmer in Ordnung zu bringen, damit die Lehrerin mit ihrer Klasse wieder herüberkommen könne. Aber es mußte sehr schnell Ordnung gemacht werden, denn nachher sollte K. doch das Gabelfrühstück holen und der Lehrer hatte schon großen Hunger und Durst. K. versicherte, es werde alles nach Wunsch geschehen; ein Weilchen sah der Lehrer zu, wie K. sich beeilte, die Lagerstätte wegräumte, die Turngeräte zurechtschob, im Fluge auskehrte, während Frieda das Podium wusch und rieb. Der Eifer schien den Lehrer zu befriedigen, er machte noch darauf aufmerksam, daß vor der Tür ein Haufen Holz zum Heizen vorbereitet sei - zum Schuppen wollte er K. wohl nicht mehr zulassen - und ging dann mit der Drohung, bald wiederzukommen und nachzuschauen, zu den Kindern hinüber.

[¶9] After a few minutes of silent work Frieda asked K. why he submitted so humbly to the teacher now. The question was asked in a sympathetic, anxious tone, but K., who was thinking how little Frieda had succeeded in keeping her original promise to shield him from the teacher’s orders and insults, merely replied shortly that since he was the janitor he must fulfil the janitor’s duties. Then there was silence again until K., reminded vividly by this short exchange of words that Frieda had been for a long time lost in anxious thought—and particularly through almost the whole conversation with Hans—asked her bluntly while he carried in the firewood what had been troubling her. Slowly turning her eyes upon him she replied that it was nothing definite, she had only been thinking of the landlady and the truth of much of what she said. Only when K. pressed her did she reply more consecutively after hesitating several times, but without looking up from her work—not that she was thinking of it, for it was making no progress, but simply so that she might not be compelled to look at K. And now she told him that during his talk with Hans she had listened quietly at first, that then she had been startled by certain words of his, then had begun to grasp the meaning of them more clearly, and that ever since she had not been able to cease reading into his words a confirmation of a warning which the landlady had once given her, and which she had always refused to believe. Exasperated by all this circumlocution, and more irritated than touched by Frieda’s tearful complaining voice—but annoyed above all because the landlady was coming into his affairs again, though only as a recollection, for in person she had had little success up till now—K. flung the wood he was carrying in his arms on to the floor, sat down on it, and in tones which were now serious demanded the whole truth. “More than once,” began Frieda, “yes, since the beginning, the landlady has tried to make me doubt you, she didn’t hold that you were lying, on the contrary she said that you were childishly open, but your character was so different from ours, she said, that, even when you spoke frankly, it was bound to be difficult for us to believe you; and if we did not listen to good advice we would have to learn to believe you through bitter experience. Even she with her keen eye for people was almost taken in. But after her last talk with you in the Bridge Inn—I am only repeating her own words—she woke up to your tricks, she said, and after that you couldn’t deceive her even if you did your best to hide your intentions. But you hid nothing, she repeated that again and again, and then she said afterwards: Try to listen to him carefully at the first favourable opportunity, not superficially, but carefully, carefully. That was all that she had done and your own words had told her all this regarding myself: That you made up to me—she used those very words—only because I happened to be in your way, because I did not actually repel you, and because quite erroneously you considered a barmaid the destined prey of any guest who chose to stretch out his hand for her. Moreover you wanted, as the landlady learned at the Herrenhof, for some reason or other to spend that night at the Herrenhof, and that could in no circumstances be achieved except through me. Now all that was sufficient cause for you to become my lover for one night, but something more was needed to turn it into a more serious affair. And that something more was Klamm. The landlady doesn’t claim to know what you want from Klamm, she merely maintains that before you knew me you strove as eagerly to reach Klamm as you have done since. The only difference was this, that before you knew me you were without any hope, but that now you imagine that in me you have a reliable means of reaching Klamm certainly and quickly and even with advantage to yourself. How startled I was—but that was only a superficial fear without deeper cause—when you said today that before you knew me you had gone about here in a blind circle. These might actually be the same words that the landlady used, she too says that it’s only since you have known me that you’ve become aware of your goal. That’s because you believe you have secured in me a sweetheart of Klamm’s, and so possess a hostage which can only be ransomed at a great price. Your one endeavour is to treat with Klamm about this hostage. As in your eyes I am nothing and the price everything, so you are ready for any concession so far as I’m concerned, but as for the price you’re adamant. So it’s a matter of indifference to you that I’ve lost my post at the Herrenhof and that I’ve had to leave the Bridge Inn as well, a matter of indifference that I have to endure the heavy work here in the school. You have no tenderness to spare for me, you have hardly even time for me, you leave me to the assistants, the idea of being jealous never comes into your mind, my only value for you is that I was once Klamm’s sweetheart, in your ignorance you exert yourself to keep me from forgetting Klamm, so that when the decisive moment comes I should not make any resistance; yet at the same time you carry on a feud with the landlady, the only one you think capable of separating me from you, and that’s why you brought your quarrel with her to a crisis, so as to have to leave the Bridge Inn with me; but that, so far as I’m concerned, I belong to you whatever happens, you haven’t the slightest doubt. You think of the interview with Klamm as a business deal, a matter of hard cash. You take every possibility into account; providing that you reach your end you’re ready to do anything; should Klamm want me you are prepared to give me to him, should he want you to stick to me you’ll stick to me, should he want you to fling me out, you’ll fling me out, but you’re prepared to play a part too; if it’s advantageous to you you’ll give out that you love me, you’ll try to combat his indifference by emphasising your own littleness, and then shame him by the fact that you’re his successor, or you’ll be ready to carry him the protestations of love for him which you know I’ve made, and beg him to take me on again, of course on your terms; and if nothing else answers, then you’ll simply go and beg from him in the name of K. and wife. But, the landlady said finally, when you see then that you have deceived yourself in everything, in your assumptions and in your hopes, in your ideas of Klamm and his relations with me, then my purgatory will begin, for then for the first time I’ll be in reality the only possession you’ll have to fall back on, but at the same time it will be a possession that has proved to be worthless, and you’ll treat it accordingly, seeing that you have no feeling for me but the feeling of ownership.”

> German: Nach einer Weile schweigenden Arbeitens fragte Frieda, warum sich denn K. jetzt dem Lehrer so sehr füge. Es war wohl eine mitleidige, sorgenvolle Frage, aber K., der daran dachte, wie wenig es Frieda gelungen war, nach ihrem ursprünglichen Versprechen ihn vor den Befehlen und Gewalttätigkeiten des Lehrers zu bewahren, sagte nur kurz, daß er nun, da er einmal Schuldiener geworden sei, den Posten auch ausfüllen müsse. Dann war es wieder still, bis K., gerade durch das kurze Gespräch daran erinnert, daß Frieda schon so lange wie in sorgenvollen Gedanken verloren gewesen war, vor allem fast während des ganzen Gesprächs mit Hans, sie jetzt, während er das Holz hereintrug, offen fragte, was sie denn beschäftige. Sie antwortete, langsam zu ihm aufblickend, es sei nichts Bestimmtes, sie denke nur an die Wirtin und an die Wahrheit mancher ihrer Worte. Erst als K. in sie drang, antwortete sie nach mehreren Weigerungen ausführlicher, ohne aber hierbei von ihrer Arbeit abzulassen, was sie nicht aus Fleiß tat, denn die Arbeit ging dabei doch gar nicht vorwärts, sondern nur um nicht gezwungen zu sein, K. anzusehen. Und nun erzählte sie, wie sie bei K.s Gespräch mit Hans zuerst ruhig zugehört habe, wie sie dann durch einige Worte K.s aufgeschreckt, schärfer den Sinn der Worte zu erfassen angefangen habe und wie sie von nun ab nicht mehr habe aufhören können, in K.s Worten Bestätigungen einer Mahnung zu hören, die sie der Wirtin verdanke, an deren Berechtigung sie aber niemals hatte glauben wollen. K., ärgerlich über die allgemeinen Redewendungen und selbst durch die tränenvolle klagende Stimme mehr gereizt als gerührt - vor allem, weil sich die Wirtin nun wieder in sein Leben mischte, wenigstens durch Erinnerungen, da sie in Person bis jetzt wenig Erfolg gehabt hatte - warf das Holz, das er in den Armen trug, zu Boden, setzte sich darauf und verlangte nun mit ernsten Worten völlige Klarheit. „Schon öfters,“ begann Frieda, „gleich anfangs, hat sich die Wirtin bemüht, mich an dir zweifeln zu machen, sie behauptete nicht, daß du lügst, im Gegenteil, sie sagte, du seist kindlich offen, aber dein Wesen sei so verschieden von dem unseren, daß wir, selbst wenn du offen sprichst, dir zu glauben uns schwer überwinden können, und wenn nicht eine gute Freundin uns früher rettet, erst durch bittere Erfahrung zu glauben uns gewöhnen müssen. Selbst ihr, die einen so scharfen Blick für Menschen hat, sei es kaum anders ergangen. Aber nach dem letzten Gespräch mit dir im Brückenhof sei sie - ich wiederhole nur ihre bösen Worte - auf deine Schliche gekommen, jetzt könntest du sie nicht mehr täuschen, selbst wenn du dich anstrengen würdest, deine Absichten zu verbergen. Aber du verbirgst ja nichts, das sagte sie immer wieder und dann sagte sie noch: Strenge dich doch an, ihm bei beliebiger Gelegenheit wirklich zuzuhören, nicht nur oberflächlich, nein, wirklich zuzuhören. Nichts weiter als dieses habe sie getan und dabei hinsichtlich meiner folgendes etwa herausgehört: Du hast dich an mich herangemacht - sie gebrauchte dieses schmähliche Wort - nur deshalb, weil ich dir zufällig in den Weg kam, dir nicht gerade mißfiel und weil du ein Ausschankmädchen sehr irrigerweise für das vorbestimmte Opfer jedes die Hand ausstreckenden Gastes hältst. Außerdem wolltest du, wie die Wirtin vom Herrenhof erfahren hat, aus irgendwelchen Gründen damals im Herrenhof übernachten und das war allerdings überhaupt nicht anders als durch mich zu erlangen. Das alles wäre nun genügender Anlaß gewesen, dich zu meinem Liebhaber für jene Nacht zu machen, damit aber mehr daraus würde, brauchte es auch mehr. Und dieses Mehr war Klamm. Die Wirtin behauptet nicht, zu wissen, was du von Klamm willst, sie behauptet nur, daß du, ehe du mich kanntest, ebenso heftig zu Klamm strebtest wie nachher. Der Unterschied habe nur darin bestanden, daß du früher hoffnungslos warst, jetzt aber in mir ein zuverlässiges Mittel zu haben glaubtest, wirklich und bald und sogar mit Überlegenheit zu Klamm vorzudringen. Wie erschrak ich - aber das war nur erst flüchtig, ohne tieferen Grund - als du heute einmal sagtest, ehe du mich kanntest, wärest du hier in die Irre gegangen. Es sind vielleicht die gleichen Worte, welche die Wirtin gebrauchte, auch sie sagt, daß du erst, seitdem du mich kanntest, zielbewußt geworden bist. Das sei daher gekommen, daß du glaubtest, in mir eine Geliebte Klamms erobert zu haben und dadurch ein Pfand zu besitzen, das nur zum höchsten Preise ausgelöst werden könne. Über diesen Preis mit Klamm zu verhandeln, sei dein einziges Bestreben. Da dir an mir nichts, am Preise alles liegt, seist du hinsichtlich meiner zu jedem Entgegenkommen bereit, hinsichtlich des Preises hartnäckig. Deshalb ist es dir gleichgültig, daß ich die Stelle im Herrenhofe verliere, daß ich auch den Brückenhof verlassen muß, gleichgültig, daß ich die schwere Schuldienerarbeit werde leisten müssen. Du hast keine Zärtlichkeit, ja nicht einmal Zeit mehr für mich, du überläßt mich den Gehilfen, Eifersucht kennst du nicht, mein einziger Wert für dich ist, daß ich Klamms Geliebte war, in deiner Unwissenheit strengst du dich an, mich Klamm nicht vergessen zu lassen, damit ich am Ende nicht zu sehr widerstrebe, wenn der entscheidende Zeitpunkt gekommen ist, dennoch kämpfst du auch gegen die Wirtin, der allein du es zutraust, daß sie mich dir entreißen könnte, darum treibst du den Streit mit ihr auf die Spitze, um den Brückenhof mit mir verlassen zu müssen; daß ich, soweit es nur an mir liegt, unter allen Umständen dein Besitz bin, daran zweifelst du nicht. Die Unterredung mit Klamm stellst du dir als ein Geschäft vor, bar gegen bar. Du rechnest mit allen Möglichkeiten; vorausgesetzt, daß du den Preis erreichst, bist du bereit, alles zu tun; will mich Klamm, wirst du mich ihm geben, will er, daß du bei mir bleibst, wirst du bleiben, will er, daß du mich verstößt, wirst du mich verstoßen, aber du bist auch bereit, Komödie zu spielen, wird es vorteilhaft sein, so wirst du vorgeben, mich zu lieben, seine Gleichgültigkeit wirst du dadurch zu bekämpfen suchen, daß du deine Nichtigkeit hervorhebst und ihn durch die Tatsache deiner Nachfolgerschaft beschämst oder dadurch, daß du meine Liebesgeständnisse hinsichtlich seiner Person, die ich ja wirklich gemacht habe, ihm übermittelst und ihn bittest, er möge mich wieder aufnehmen, unter Zahlung dieses Preises allerdings; und hilft nichts anderes, dann wirst du im Namen des Ehepaares K. einfach betteln. Wenn du aber dann, so schloß die Wirtin, sehen wirst, daß du dich in allem getäuscht hast, in deinen Annahmen und in deinen Hoffnungen, in deiner Vorstellung von Klamm und seinen Beziehungen zu mir, dann wird meine Hölle beginnen, denn dann werde ich erst recht dein einziger Besitz sein, auf den du angewiesen bleibst, aber zugleich ein Besitz, der sich als wertlos erwiesen hat, und den du entsprechend behandeln wirst, da du kein anderes Gefühl für mich hast als das des Besitzers.“

[¶10] With his lips tightly compressed K. had listened intently, the wood he was sitting on had rolled asunder though he had not noticed it, he had almost slid on to the floor, and now at last he got up, sat down on the dais, took Frieda’s hand, which she feebly tried to pull away, and said: “In what you’ve said I haven’t always been able to distinguish the landlady’s sentiments from your own.” “They’re the landlady’s sentiments purely,” said Frieda, “I heard her out because I respected her, but it was the first time in my life that I completely and wholly refused to accept her opinion. All that she said seemed to me so pitiful, so far from any understanding of how things stood between us. There seemed actually to be more truth to me in the direct opposite of what she said. I thought of that sad morning after our first night together. You kneeling beside me with a look as if everything were lost. And how it really seemed then that in spite of all I could do, I was not helping you but hindering you. It was through me that the landlady had become your enemy, a powerful enemy, whom even now you still undervalue; it was for my sake that you had to take thought, that you had to fight for your post, that you were at a disadvantage before the Superintendent, that you had to humble yourself before the teacher and were delivered over to the assistants, but worst of all for my sake you had perhaps lost your chance with Klamm. That you still went on trying to reach Klamm was only a kind of feeble endeavour to propitiate him in some way. And I told myself that the landlady, who certainly knew far better that I, was only trying to shield me by her suggestions from bitter self-reproach. A well-meant but superfluous attempt. My love for you had helped me through everything, and would certainly help you on too, in the long run, if not here in the village, then somewhere else; it had already given a proof of its power, it had rescued you from Barnabas’ family.” “That was your opinion, then, at the time,” said K., “and has it changed since?” “I don’t know,” replied Frieda, glancing down at K.’s hand which still held hers, “perhaps nothing has changed; when you’re so close to me and question me so calmly, then I think that nothing has changed. But in reality”—she drew her hand away from K., sat erect opposite him and wept without hiding her face; she held her tear-covered face up to him as if she were weeping not for herself and so had nothing to hide, but as if she were weeping over K.’s teachery and so the pain of seeing her tears was his due—“But in reality everything has changed since I’ve listened to you talking with that boy. How innocently you began asking about the family, about this and that! To me you looked just as you did that night when you came into the taproom, impetuous and frank, trying to catch my attention with such a childlike eagerness. You were just the same as then, and all I wished was that the landlady had been here and could have listened to you, and then we should have seen whether she could still stick to her opinion. But then quite suddenly—I don’t know how it happened—I noticed that you were talking to him with a hidden intention. You won his trust—and it wasn’t easy to win—by sympathetic words, simply so that you might with greater ease reach your end, which I began to recognise more and more clearly. Your end was that woman. In your apparently solicitous enquiries about her I could see quite nakedly your simple preoccupation with your own affairs. You were betraying that woman even before you had won her. In your words I recognized not only my past, but my future as well, it was as if the landlady were sitting beside me and explaining everything, and with all my strength I tried to push her away, but I saw clearly the hopelessness of my attempt, and yet it was not really myself who was going to be betrayed, it was not I who was really being betrayed, but that unknown woman. And then when I collected myself and asked Hans what he wanted to be and he said he wanted to be like you, and I saw that he had fallen under your influence so completely already, well what great difference was there between him, being exploited here by you, the poor boy, and myself that time in the taproom?”

> German: Gespannt, mit zusammengezogenem Mund, hatte K. zugehört, das Holz unter ihm war ins Rollen gekommen, er war fast auf den Boden geglitten, er hatte es nicht beachtet, erst jetzt stand er auf, setzte sich auf das Podium, nahm Friedas Hand, die sich ihm schwach zu entziehen suchte, und sagte: „Ich habe in dem Bericht nicht immer deine und der Wirtin Meinung voneinander unterscheiden können.“ „Es war nur die Meinung der Wirtin,“ sagte Frieda, „ich habe allem zugehört, weil ich die Wirtin verehre, aber es war das erstemal in meinem Leben, daß ich ihre Meinung ganz und gar verwarf. So kläglich schien mir alles, was sie sagte, so fern jedem Verständnis dessen, wie es mit uns zweien stand. Eher schien mir das vollkommene Gegenteil dessen, was sie sagte, richtig. Ich dachte an den trüben Morgen nach unserer ersten Nacht. Wie du neben mir knietest mit einem Blick, als sei nun alles verloren. Und wie es sich dann auch wirklich so gestaltete, daß ich, so sehr ich mich anstrengte, dir nicht half, sondern dich hinderte. Durch mich wurde die Wirtin deine Feindin, eine mächtige Feindin, die du noch immer unterschätzest; meinetwegen, für die du zu sorgen hattest, mußtest du um deine Stelle kämpfen, warst im Nachteil gegenüber dem Gemeindevorsteher, mußtest dich dem Lehrer unterwerfen, warst den Gehilfen ausgeliefert, das Schlimmste aber, um meinetwillen hattest du dich vielleicht gegen Klamm vergangen. Daß du jetzt immerfort zu Klamm gelangen wolltest, war ja nur das ohnmächtige Streben, ihn irgendwie zu versöhnen. Und ich sagte mir, daß die Wirtin, die alles gewiß viel besser wisse als ich, mich mit ihren Einflüsterungen nur vor allzuschlimmen Selbstvorwürfen bewahren wollte. Gutgemeinte, aber überflüssige Mühe. Meine Liebe zu dir hatte mir über alles hinweggeholfen, sie hätte schließlich auch dich vorwärts getragen, wenn nicht hier im Dorf, so anderswo, einen Beweis ihrer Kraft hatte sie ja schon gegeben, vor der Barnabasschen Familie hat sie dich gerettet.“ „Das war damals also deine Gegenmeinung,“ sagte K., „und was hat sich seitdem geändert?“ „Ich weiß nicht,“ sagte Frieda und blickte auf K.s Hand, welche die ihre hielt, „vielleicht hat sich nichts geändert; wenn du so nahe bei mir bist und so ruhig fragst, dann glaube ich, daß sich nichts geändert hat. In Wirklichkeit aber -“ sie nahm K. ihre Hand fort, saß ihm aufrecht gegenüber und weinte, ohne ihr Gesicht zu bedecken; frei hielt sie ihm dieses tränenüberflossene Gesicht entgegen, so, als weine sie nicht über sich selbst und habe also nichts zu verbergen, sondern als weine sie über K.s Verrat und so gebühre ihm auch der Jammer ihres Anblicks - „in Wirklichkeit aber hat sich alles geändert, seitdem ich dich mit dem Jungen habe sprechen hören. Wie unschuldig hast du begonnen, fragtest nach den häuslichen Verhältnissen, nach dem und jenem, mir war, als kämst du gerade in den Ausschank, zutunlich, offenherzig und suchtest so kindlich-eifrig meinen Blick. Es war kein Unterschied gegen damals und ich wünschte nur, die Wirtin wäre hier, hörte dir zu und versuchte dann noch, an ihrer Meinung festzuhalten. Dann aber plötzlich, ich weiß nicht, wie es geschah, merkte ich, in welcher Absicht du mit dem Jungen sprachst. Durch die teilnehmenden Worte gewannst du sein nicht leicht zu gewinnendes Vertrauen, um dann ungestört auf dein Ziel loszugehen, das ich mehr und mehr erkannte. Dieses Ziel war die Frau. Aus deinen ihretwegen scheinbar besorgten Reden sprach gänzlich unverdeckt nur die Rücksicht auf deine Geschäfte. Du betrogst die Frau, noch ehe du sie gewonnen hast. Nicht nur meine Vergangenheit, auch meine Zukunft hörte ich aus deinen Worten, es war mir, als sitze die Wirtin neben mir und erkläre mir alles, und ich suche sie mit allen Kräften wegzudrängen, sehe aber klar die Hoffnungslosigkeit solcher Anstrengung und dabei war es ja eigentlich gar nicht mehr ich, die betrogen wurde, nicht einmal betrogen wurde ich schon, sondern die fremde Frau. Und als ich mich dann noch aufraffte und Hans fragte, was er werden wolle und er sagte, er wolle werden wie du, dir also schon so vollkommen gehörte, was war denn jetzt für ein großer Unterschied zwischen ihm, dem guten Jungen, der hier mißbraucht wurde, und mir, damals im Ausschank?“

[¶11] “Everything,” said K. who had regained his composure in listening. “Everything that you say is in a certain sense justifiable, it is not untrue, it is only partisan. These are the landlady’s ideas, my enemy’s ideas, even if you imagine that they’re your own; and that comforts me. But they’re instructive, one can learn a great deal from the landlady. She didn’t express them to me personally, although she did not spare my feelings in other ways; evidently she put this weapon in your hands in the hope that you would employ it at a particularly bad or decisive point for me. If I am abusing you, then she is abusing you in the same way. But Frieda, just consider; even if everything were just as the landlady says, it would only be shameful on one supposition, that is, that you did not love me. Then, only then, would it really seem that I had won you through calculation and trickery, so as to profiteer by possessing you. In that case it might even have been part of my plan to appear before you arm-in-arm with Olga so as to evoke your pity, and the landlady has simply forgotten to mention that too in her list of my offences. But if it wasn’t as bad as all that, if it wasn’t a sly beast of prey that seized you that night, but you came to meet me, just as I went to meet you, and we found one another without a thought for ourselves, in that case, Frieda, tell me, how would things look? If that were really so, in acting for myself I was acting for you too, there is no distinction here, and only an enemy could draw it. And that holds in everything, even in the case of Hans. Besides, in your condemnation of my talk with Hans your sensitiveness makes you exaggerate things morbidly, for if Hans’s intentions and my own don’t quite coincide, still that doesn’t by any means amount to an actual antagonism between them, moreover our discrepancies were not lost on Hans, if you believe that you do grave injustice to the cautious little man, and even if they should have been all lost on him, still nobody will be any the worse for it, I hope.”

> German: „Alles,“ sagte K., durch die Gewöhnung an den Vorwurf hatte er sich gefaßt, „alles, was du sagst, ist in gewissem Sinne richtig, unwahr ist es nicht, nur feindselig ist es. Es sind Gedanken der Wirtin, meiner Feindin, auch wenn du glaubst, daß es deine eigenen sind, das tröstet mich. Aber lehrreich sind sie, man kann noch manches von der Wirtin lernen. Mir selbst hat sie es nicht gesagt, obwohl sie mich sonst nicht geschont hat, offenbar hat sie dir diese Waffe anvertraut, in der Hoffnung, daß du sie in einer für mich besonders schlimmen oder entscheidungsreichen Stunde anwenden würdest. Mißbrauche ich dich, so mißbraucht sie dich ähnlich. Nun aber, Frieda, bedenke: auch wenn alles ganz genau so wäre, wie es die Wirtin sagt, wäre es sehr arg nur in einem Falle, nämlich wenn du mich nicht lieb hast. Dann, nun dann wäre es wirklich so, daß ich mit Berechnung und List dich gewonnen habe, um mit diesem Besitz zu wuchern. Vielleicht gehörte es dann schon sogar zu meinem Plan, daß ich damals, um dein Mitleid hervorzulocken, Arm in Arm mit Olga vor dich trat und die Wirtin hat nur vergessen, dies noch in meiner Schuldrechnung zu erwähnen. Wenn es aber nicht der arge Fall ist, und nicht ein schlaues Raubtier dich damals an sich gerissen hat, sondern du mir entgegenkamst, so wie ich dir entgegenkam, und wir uns fanden, selbstvergessen beide, sag, Frieda, wie ist es dann? Dann führe ich doch meine Sache so wie deine, es ist hier kein Unterschied und sondern kann nur eine Feindin. Das gilt überall, auch hinsichtlich Hansens. Bei Beurteilung des Gespräches mit Hans übertreibst du übrigens in deinem Zartgefühl sehr, denn wenn sich Hansens und meine Absichten nicht ganz decken, so geht das doch nicht so weit, daß etwa ein Gegensatz zwischen ihnen bestünde, außerdem ist ja Hans unsere Unstimmigkeit nicht verborgen geblieben, glaubtest du das, so würdest du diesen vorsichtigen kleinen Mann sehr unterschätzen, und selbst wenn ihm alles verborgen geblieben sein sollte, so wird doch daraus niemandem ein Leid entstehen, das hoffe ich.“

[¶12] “It’s so difficult to see one’s way, K.,” said Frieda with a sigh. “I certainly had no doubts about you, and if I have acquired something of the kind from the landlady, I’ll be only too glad to throw it off and beg you for forgiveness on my knees, as I do, believe me, all the time, even when I’m saying such horrible things. But the truth remains that you keep many things from me; you come and go, I don’t know where or from where. Just now when Hans knocked, you cried out Barnabas’s name. I only wish you had once called out my name as lovingly as for some incomprehensible reason you called that hateful name. If you have no trust in me, how can I keep mistrust from rising? It delivers me completely to the landlady, whom you justify in appearance by your behaviour. Not in everything, I won’t say that you justify her in everything, for was it not on my account alone that you sent the assistants packing? Oh, if you but knew with what passion I try to find a grain of comfort for myself in all that you do and say, even when it gives me pain.” “Once and for all, Frieda,” said K. “I conceal not the slightest thing from you. See how the landlady hates me, and how she does her best to get you away from me, and what despicable means she uses, and how you give in to her, Frieda, how you give in to her? Tell me, now, in what way do I hide anything from you? That I want to reach Klamm you know, that you can’t help me to do it and that accordingly I must do it by my own efforts you know too; that I have not succeeded up till now you see for yourself. Am I to humiliate myself doubly, perhaps, by telling you of all the bootless attempts which have already humiliated me sufficiently? Am I to plume myself on having waited and shivered in vain all an afternoon at the door of Klamm’s sledge? Only too glad not to have to think of such things any more, I hurry back to you, and I am greeted again with all those reproaches from you. And Barnabas? It’s true I’m waiting for him. He’s Klamm’s messenger, it isn’t I who made him that.” “Barnabas again!” cried Frieda. “I can’t believe that he’s a good messenger.” “Perhaps you’re right,” said K., “but he’s the only messenger that’s sent to me.” “All the worse for you,” said Frieda, “all the more reason why you should beware of him.” “Unfortunately he has given me no cause for that till now,” said K. smiling. “He comes very seldom, and what messages he brings are of no importance; only the fact that they come from Klamm gives them any value.” “But listen to me,” said Frieda, “for it is not even Klamm that’s your goal now, perhaps that disturbs me most of all; that you always longed for Klamm while you had me was bad enough, but that you seem to have stopped trying to reach Klamm now is much worse, that’s something which not even the landlady foresaw. According to the landlady your happiness, a questionable and yet very real happiness, would end on the day when you finally recognised that the hopes you founded on Klamm were in vain. But now you don’t wait any longer even for that day, a young lad suddenly comes in and you begin to fight with him for his mother, as if you were fighting for your very life.” “You’ve understood my talk with Hans quite correctly,” said K., “it was really so. But is your whole former life so completely wiped from your mind (all except the landlady, of course, who won’t allow herself to be wiped out), that you can’t remember any longer how one must fight to get to the top, especially when one begins at the bottom? How one must take advantage of everything that offers any hope whatever? And this woman comes from the Castle, she told me so herself on my first day here, when I happened to stray into Lasemann’s. What’s more natural than to ask her for advice or even for help; if the landlady only knows the obstacles which keep one from reaching Klamm, then this woman probably knows the way to him, for she has come here by that way herself.” “The way to Klamm?” asked Frieda. “To Klamm, certainly, where else?” said K. Then he jumped up: “But now it’s high time I was going for the lunch.” Frieda implored him to stay, urgently, with an eagerness quite disproportionate to the occasion, as if only his staying with her would confirm all the comforting things he had told her. But K. was thinking of the teacher, he pointed towards the door, which any moment might fly open with a thunderous crash, and promised to return at once, she was not even to light the fire, he himself would see about it. Finally Frieda gave in in silence. As K. was stamping through the snow outside—the path should have been shovelled free long ago, strange how slowly the work was getting forward!—he saw one of the assistants, now dead tired, still holding to the railing. Only one, where was the other? Had K. broken the endurance of one of them, then, at least? The remaining one was certainly still zealous enough, one could see that when, animated by the sight of K., he began more feverishly than ever to stretch out his arms and roll his eyes. “His obstinacy is really wonderful,” K. told himself, but had to add, “he’ll freeze to the railings if he keeps it up.” Outwardly, however, K. had nothing for the assistant but a threatening gesture with his fist, which prevented any nearer approach; indeed the assistant actually retreated for an appreciable distance. Just then Frieda opened one of the windows so as to air the room before putting on the fire, as she had promised K. Immediately the assistant turned his attention from K., and crept as if irresistibly attracted to the window. Her face torn between pity for the assistant and a beseeching helpless glance which she cast at K., Frieda put her hand out hesitatingly from the window, it was not clear whether it was a greeting or a command to go away, nor did the assistant let it deflect him from his resolve to come nearer. Then Frieda closed the outer window hastily, but remained standing behind it, her hand on the sash, with her head bent sideways, her eyes wide, and a fixed smile on her face. Did she know that standing like that she was more likely to attract the assistant than repel him? But K. did not look back again, he thought he had better hurry as fast as he could and get back quickly.

> German: „Es ist so schwer, sich zurechtzufinden, K.“, sagte Frieda und seufzte. „Ich habe gewiß kein Mißtrauen gegen dich gehabt, und ist etwas Derartiges von der Wirtin auf mich übergegangen, werde ich es glückselig abwerfen und dich auf den Knien um Verzeihung bitten, wie ich es eigentlich die ganze Zeit über tue, wenn ich auch noch so böse Dinge sage. Wahr aber bleibt, daß du viel vor mir geheimhältst; du kommst und gehst, ich weiß nicht woher und wohin. Damals, als Hans klopfte, hast du sogar den Namen Barnabas gerufen. Hättest du doch nur einmal so liebend mich gerufen wie damals aus mir unverständlichem Grund diesen verhaßten Namen. Wenn du kein Vertrauen zu mir hast, wie soll dann bei mir nicht Mißtrauen entstehen; bin ich dann doch völlig der Wirtin überlassen, die du durch dein Verhalten zu bestätigen scheinst. Nicht in allem, ich will nicht behaupten, daß du sie in allem bestätigst, hast du denn nicht doch immerhin meinetwegen die Gehilfen verjagt? Ach, wüßtest du doch, mit welchem Verlangen ich in allem, was du tust und sprichst, auch wenn es mich quält, einen für mich guten Kern suche.“ „Vor allem, Frieda,“ sagte K., „ich verberge dir doch nicht das geringste. Wie mich die Wirtin haßt und wie sie sich anstrengt, dich mir zu entreißen und mit was für verächtlichen Mitteln sie das tut, und wie du ihr nachgibst, Frieda, wie du ihr nachgibst! Sag doch, worin verberge ich dir etwas? Daß ich zu Klamm gelangen will, weißt du, daß du mir dazu nicht verhelfen kannst und daß ich es daher auf eigene Faust erreichen muß, weißt du auch, daß es mir bisher noch nicht gelungen ist, siehst du. Soll ich nun durch Erzählen der nutzlosen Versuche, die mich schon in der Wirklichkeit reichlich demütigen, doppelt mich demütigen? Soll ich mich etwa dessen rühmen, am Schlag des Klammschen Schlittens frierend, einen langen Nachmittag vergeblich gewartet zu haben? Glücklich, nicht mehr an solche Dinge denken zu müssen, eile ich zu dir, und nun kommt mir wieder alles dieses drohend aus dir entgegen. Und Barnabas? Gewiß, ich erwarte ihn. Er ist der Bote Klamms, nicht ich habe ihn dazu gemacht.“ „Wieder Barnabas,“ rief Frieda, „ich kann nicht glauben, daß er ein guter Bote ist.“ „Du hast vielleicht recht," sagte K., „aber es ist der einzige Bote, der mir geschickt wird.“ „Desto schlimmer,“ sagte Frieda, „desto mehr solltest du dich vor ihm hüten.“ „Er hat mir leider bisher keinen Anlaß hierzu gegeben“, sagte K. lächelnd. „Er kommt selten, und was er bringt, ist belanglos; nur daß es geradewegs von Klamm herrührt, macht es wertvoll.“ „Aber sieh nur,“ sagte Frieda, „es ist ja nicht einmal mehr Klamm dein Ziel, vielleicht beunruhigt mich das am meisten, daß du dich immer über mich hinweg zu Klamm drängtest, war schlimm, daß du jetzt von Klamm abzukommen scheinst, ist viel schlimmer, es ist etwas, was nicht einmal die Wirtin vorhersah. Nach der Wirtin endete mein Glück, fragwürdiges und doch sehr wirkliches Glück, mit dem Tage, an dem du endgültig einsahst, daß deine Hoffnung auf Klamm vergeblich war. Nun aber wartest du nicht einmal mehr auf diesen Tag, plötzlich kommt ein kleiner Junge herein und du beginnst mit ihm um seine Mutter zu kämpfen, so wie wenn du um deine Lebensluft kämpfen würdest.“ „Du hast mein Gespräch mit Hans richtig aufgefaßt,“ sagte K., „so war es wirklich. Ist aber denn dein ganzes früheres Leben für dich so versunken (bis auf die Wirtin natürlich, die sich nicht mit hinabstoßen läßt), daß du nicht mehr weißt, wie um das Vorwärtskommen gekämpft werden muß, besonders wenn man von tief unten her kommt? Wie alles benutzt werden muß, was irgendwie Hoffnung gibt? Und diese Frau kommt vom Schloß, sie selbst hat es mir gesagt, als ich mich am ersten Tag zu Lasemann verirrte. Was lag näher, als sie um Rat oder sogar um Hilfe zu bitten; kennt die Wirtin ganz genau nur alle Hindernisse, die von Klamm abhalten, dann kennt diese Frau wahrscheinlich den Weg, sie ist ihn ja selbst herabgekommen.“ „Den Weg zu Klamm?“ fragte Frieda. „Zu Klamm, gewiß, wohin denn sonst“, sagte K. Dann sprang er auf: „Nun aber ist es höchste Zeit, das Gabelfrühstück zu holen.“ Dringend, weit über den Anlaß hinaus bat ihn Frieda zu bleiben, so wie wenn erst sein Bleiben alles Tröstliche, was er ihr gesagt hatte, bestätigen würde. K. aber erinnerte an den Lehrer, zeigte auf die Tür, die jeden Augenblick mit Donnerkrach aufspringen konnte, versprach auch gleich zu kommen, nicht einmal einheizen müsse sie, er selbst werde es besorgen. Schließlich fügte sich Frieda schweigend. Als K. draußen durch den Schnee stapfte - längst schon hätte der Weg freigeschaufelt sein sollen, merkwürdig, wie langsam die Arbeit vorwärts ging - sah er am Gitter einen der Gehilfen todmüde sich festhalten. Nur einen, wo war der andere? Hatte K. also wenigstens die Ausdauer des einen gebrochen? Der Zurückgebliebene war freilich noch eifrig genug bei der Sache, das sah man, als er, durch den Anblick K.s belebt, sofort wilder mit dem Armeausstrecken und dem sehnsüchtigen Augenverdrehen begann. „Seine Unnachgiebigkeit ist musterhaft,“ sagte sich K. und mußte allerdings hinzufügen, „man erfriert mit ihr am Gitter.“ Äußerlich hatte aber K. für den Gehilfen nichts anderes als ein Drohen mit der Faust, das jede Annäherung ausschloß, ja der Gehilfe rückte eigentlich noch ein ansehnliches Stück zurück. Eben öffnete Frieda ein Fenster, um, wie es mit K. besprochen war, vor dem Einheizen zu lüften. Gleich ließ der Gehilfe von K. ab und schlich, unwiderstehlich angezogen, zum Fenster. Das Gesicht verzerrt von Freundlichkeit gegenüber dem Gehilfen und flehender Hilflosigkeit zu K. hin, schwenkte sie ein wenig die Hand oben aus dem Fenster, es war nicht einmal deutlich, ob es Abwehr oder Gruß war, der Gehilfe ließ sich dadurch im Näherkommen auch nicht beirren. Da schloß Frieda eilig das äußere Fenster, blieb aber dahinter, die Hand auf der Klinke, mit zur Seite geneigtem Kopf, großen Augen und einem starren Lächeln. Wußte sie, daß sie den Gehilfen damit mehr lockte als abschreckte? K. sah aber nicht mehr zurück, er wollte sich lieber möglichst beeilen und bald zurückkommen.

## 14. Chapter XIV · Das vierzehnte Kapitel

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[¶0] At long last, late in the afternoon, when it was already dark, K. had cleared the garden path, piled the snow high on either side, beaten it down hard, and so accomplished his work for the day. He was standing by the garden gate in the middle of a wide solitude. He had driven off the remaining assistant hours before, and chased him a long way, but the fellow had managed to hide himself somewhere between the garden and the schoolhouse and could not be found, nor had he shown himself since. Frieda was indoors either starting to wash clothes or still washing Gisa’s cat; it was a sign of great confidence on Gisa’s part that this task had been entrusted to Frieda, an unpleasant and uncalled for task, indeed, which K. would not have suffered her to attempt had it not been advisable in view of their various shortcomings to seize every opportunity of securing Gisa’s goodwill. Gisa had looked on approvingly while K. brought down the little children’s bath from the garret, heated water, and finally helped to put the cat carefully into the bath. Then she actually left the cat entirely in charge of Frieda, for Schwarzer, K.’s acquaintance of the first evening, had arrived, had greeted K. with a mixture of embarrassment (arising out of the events of that evening) and of unmitigated contempt such as one accords to a debtor, and had vanished with Gisa into the other schoolroom. The two of them were still there. Schwarzer, K. had been told in the Bridge Inn, had been living in the village for some time, although he was a castellan’s son, because of his love for Gisa, and through his influential connections had got himself appointed as a pupil teacher, a position which he filled chiefly by attending all Gisa’s classes, either sitting on a school bench among the children, or preferably at Gisa’s feet on the teacher’s dais. His presence was no longer a disturbance, the children had got quite used to it, all the more easily, perhaps, because Schwarzer neither liked nor understood children and rarely spoke to them except when he took over the gymnastic lesson from Gisa, and was content merely to breathe the same air as Gisa and bask in her warmth and nearness.

> German: Endlich – es war schon dunkel, später Nachmittag – hatte K. den Gartenweg freigelegt, den Schnee zu beiden Seiten des Weges hochgeschichtet und festgeschlagen und war nun mit der Arbeit des Tages fertig. Er stand am Gartentor, im weiten Umkreis allein. Den Gehilfen hatte er vor Stunden schon vertrieben, eine große Strecke gejagt, dann hatte sich der Gehilfe irgendwo zwischen Gärtchen und Hütten versteckt, war nicht mehr aufzufinden gewesen und auch seitdem nicht wieder hervorgekommen. Frieda war zu Hause und wusch entweder schon die Wäsche oder noch immer Gisas Katze; es war ein Zeichen großen Vertrauens seitens Gisas gewesen, daß sie Frieda diese Arbeit übergeben hatte, eine allerdings unappetitliche und unpassende Arbeit, deren Übernahme K. gewiß nicht geduldet hätte, wenn es nicht sehr ratsam gewesen wäre, nach den verschiedenen Dienstversäumnissen jede Gelegenheit zu benützen, durch die man sich Gisa verpflichten konnte. Gisa hatte wohlgefällig zugesehen, wie K. die kleine Kinderwanne vom Dachboden gebracht, wie Wasser gewärmt wurde und wie man schließlich vorsichtig die Katze in die Wanne hob. Dann hatte Gisa die Katze sogar völlig Frieda überlassen, denn Schwarzer, K.s Bekannter vom ersten Abend, war gekommen, hatte K. mit einer Mischung von Scheu, zu welcher an jenem Abend der Grund gelegt worden war, und unmäßiger Verachtung, wie sie einem Schuldner gebührt, begrüßt und hatte sich dann mit Gisa in das andere Schulzimmer begeben. Dort waren die zwei noch immer. Wie man im Brückenhof K. erzählt hatte, lebte Schwarzer, der doch ein Kastellanssohn war, aus Liebe zu Gisa schon lange im Dorfe, hatte es durch seine Verbindung erreicht, daß er von der Gemeinde zum Hilfslehrer ernannt worden war, übte aber dieses Amt hauptsächlich in der Weise aus, daß er fast keine Unterrichtsstunden Gisas versäumte, entweder in der Schulbank zwischen den Kindern saß oder lieber am Podium zu Gisas Füßen. Es störte gar nicht mehr, die Kinder hatten sich schon längst daran gewöhnt und das vielleicht um so leichter, als Schwarzer weder Zuneigung noch Verständnis für Kinder hatte, kaum mit ihnen sprach, nur den Turnunterricht von Gisa übernommen hatte und im übrigen damit zufrieden war, in der Nähe, in der Luft, in der Wärme Gisas zu leben.

[¶1] The only astonishing thing about it was that in the Bridge Inn at least Schwarzer was spoken of with a certain degree of respect, even if his actions were ridiculous rather than praiseworthy, and that Gisa was included in this respectful atmosphere. It was none the less unwarranted of Schwarzer to assume that his position as a pupil-teacher gave him a great superiority over K., for this superiority was nonexistent. A school janitor was an important person to the rest of the staff—and should have been especially so to such an assistant as Schwarzer—a person not to be lightly despised, who should at least be suitably conciliated if professional considerations were not enough to prevent one from despising him. K. decided to keep this fact in mind, also that Schwarzer was still in his debt on account of their first evening, a debt which had not been lessened by the way in which events of succeeding days had seemed to justify Schwarzer’s reception of him. For it must not be forgotten that this reception had perhaps determined the later course of events. Because of Schwarzer the full attention of the authorities had been most unreasonably directed to K. at the very first hour of his arrival, while he was still a complete stranger in the village without a single acquaintance or an alternative shelter; overtired with walking as he was and quite helpless on his sack of straw, he had been at the mercy of any official action. One night later might have made all the difference, things might have gone quietly and been only half noticed. At any rate nobody would have known anything about him or have had any suspicions, there would have been no hesitation in accepting him at least for one day as a stray wanderer, his handiness and trustworthiness would have been recognised and spoken of in the neighbourhood, and probably he would soon have found accommodation somewhere as a servant. Of course the authorities would have found him out. But there would have been a big difference between having the Central Bureau, or whoever was on the telephone, disturbed on his account in the middle of the night by an insistent although ostensibly humble request for an immediate decision, made, too, by Schwarzer who was probably not in the best odour up there, and a quiet visit by K. to the Superintendent on the next day during official hours to report himself in proper form as a wandering stranger who had already found quarters in a respectable house, and who would probably be leaving the place in another day’s time unless the unlikely were to happen and he found some work in the village, only for a day or two, of course, since he did not mean to stay longer. That, or something like that, was what would have happened had it not been for Schwarzer. The authorities would have pursued the matter further, but calmly, in the ordinary course of business, unharassed by what they probably hated most, the impatience of a waiting client. Well, all that was not K.’s fault, it was Schwarzer’s fault, but Schwarzer was the son of a castellan, and had behaved with outward propriety, and so the matter could only be visited on K.’s head. And what was the trivial cause of it all? Perhaps an ungracious mood of Gisa’s that day, which made Schwarzer roam sleeplessly all night, and vent his annoyance on K. Of course on the other hand one could argue that Schwarzer’s attitude was something K. had to be thankful for. It had been the sole precipitant of a situation K. would never by himself have achieved, nor have dared to achieve, and which the authorities themselves would hardly have allowed, namely that from the very beginning without any dissimulation he found himself confronting the authorities face to face, in so far as that was at all possible. Still, that was a dubious gift, it spared K. indeed the necessity of lying and contriving, but it made him almost defenceless, handicapped him anyhow in the struggle, and might have driven him to despair had he not been able to remind himself that the difference in strength between the authorities and himself was so enormous that all the guile of which he was capable would hardly have served appreciably to reduce the difference in his favour. Yet that was only a reflection for his own consolation, Schwarzer was none the less in his debt, and having harmed K. then could be called upon now to help. K. would be in need of help in the quite trivial and tentative opening moves, for Barnabas seemed to have failed him again.

> German: Erstaunlich war nur, daß man wenigstens im Brückenhof doch mit einer gewissen Achtung von Schwarzer sprach, selbst wenn es sich um mehr lächerliche als achtungswerte Dinge handelte, auch Gisa war in diese Achtung mit eingeschlossen. Es war aber dennoch unrichtig, wenn Schwarzer als Hilfslehrer K. außerordentlich überlegen zu sein glaubte, diese Überlegenheit war nicht vorhanden. Ein Schuldiener ist für die Lehrerschaft, und gar für einen Lehrer von Schwarzers Art eine sehr wichtige Person, die man nicht ungestraft mißachten darf, und der man die Mißachtung, wenn man aus Standesinteressen auf sie nicht verzichten kann, zumindest mit entsprechender Gegengabe erträglich machen muß. K. wollte bei Gelegenheit daran denken, auch war Schwarzer bei ihm noch vom ersten Abend her in Schuld, die dadurch nicht kleiner geworden war, daß die nächsten Tage dem Empfang Schwarzers eigentlich Recht gegeben hatten. Denn es war dabei nicht zu vergessen, daß der Empfang vielleicht allem Folgenden die Richtung gegeben hatte. Durch Schwarzer war ganz unsinnigerweise, gleich in der ersten Stunde die volle Aufmerksamkeit der Behörden auf K. gelenkt worden, als er noch völlig fremd im Dorf, ohne Bekannte, ohne Zuflucht, übermüdet vom Marsch, ganz hilflos, wie er dort auf dem Strohsack lag, jedem behördlichen Zugriff ausgeliefert war. Nur eine Nacht später hätte schon alles anders, ruhig, halb im Verborgenen verlaufen können. Jedenfalls hätte niemand etwas von ihm gewußt, keinen Verdacht gehabt, zumindest nicht gezögert, ihn als Wanderburschen einen Tag bei sich zu lassen, man hätte seine Brauchbarkeit und Zuverlässigkeit gesehen, es hätte sich in der Nachbarschaft herumgesprochen, wahrscheinlich hätte er bald als Knecht irgendwo ein Unterkommen gefunden. Natürlich, der Behörde wäre es nicht entgangen. Aber es war ein wesentlicher Unterschied, ob mitten in der Nacht seinetwegen die Zentralkanzlei, oder wer sonst beim Telephon gewesen war, aufgerüttelt wurde, eine augenblickliche Entscheidung in scheinbarer Demut, aber doch mit lästiger Unerbittlichkeit eingefordert wurde, überdies von dem oben wahrscheinlich mißliebigen Schwarzer, oder ob statt alles dessen K. am nächsten Tag in den Amtsstunden beim Gemeindevorsteher anklopfte und, wie es sich gehörte, sich als fremder Wanderbursch meldete, der bei einem bestimmten Gemeindemitglied schon eine Schlafstelle hat und wahrscheinlich morgen wieder weiterziehen wird, es wäre denn, daß der ganz unwahrscheinliche Fall eintritt und er hier Arbeit findet, nur für ein paar Tage natürlich, denn länger will er keinesfalls bleiben. So oder ähnlich wäre es ohne Schwarzer geworden. Die Behörde hätte sich auch weiter mit der Angelegenheit beschäftigt, aber ruhig, im Amtswege, ungestört von der ihr wahrscheinlich besonders verhaßten Ungeduld der Partei. Nun war ja K. an dem allen unschuldig, die Schuld traf Schwarzer, aber Schwarzer war der Sohn eines Kastellans und äußerlich hatte er sich ja korrekt verhalten, man konnte es also nur K. entgelten lassen. Und der lächerliche Anlaß alles dessen? Vielleicht eine ungnädige Laune Gisas an jenem Tage, wegen der Schwarzer schlaflos in der Nacht herumgestrichen war, um sich dann an K. für sein Leid zu entschädigen. Man konnte freilich von anderer Seite her auch sagen, daß K. diesem Verhalten Schwarzers sehr viel verdanke. Nur dadurch war etwas möglich geworden, was K. allein niemals erreicht, nie zu erreichen gewagt hätte und was auch ihrerseits die Behörde kaum je zugegeben hätte, daß er nämlich von allem Anfang an ohne Winkelzüge offen, Aug in Aug der Behörde entgegentrat, soweit dies bei ihr überhaupt möglich war. Aber das war ein schlimmes Geschenk, es ersparte zwar K. viel Lügen und Heimlichtuerei, aber es machte ihn auch fast wehrlos, benachteiligte ihn jedenfalls im Kampf und hätte ihn im Hinblick darauf verzweifelt machen können, wenn er sich nicht hätte sagen müssen, daß der Machtunterschied zwischen der Behörde und ihm so ungeheuerlich war, daß alle Lüge und List, deren er fähig gewesen wäre, den Unterschied nicht wesentlich zu seinen Gunsten hätte herabdrücken können. Doch war dies nur ein Gedanke, mit dem K. sich selbst tröstete, Schwarzer blieb trotzdem in seiner Schuld, hatte er K. damals geschadet, konnte er nächstens helfen. K. würde auch weiterhin Hilfe im Allergeringsten, in den allerersten Vorbedingungen nötig haben, so schien ja z. B. auch Barnabas wieder zu versagen.

[¶2] On Frieda’s account K. had refrained all day from going to Barnabas’s house to make enquiries; in order to avoid receiving Barnabas in Frieda’s presence he had laboured out of doors, and when his work was done had continued to linger outside in expectation of Barnabas, but Barnabas had not come. The only thing he could do now was to visit the sisters, only for a minute or two, he would only stand at the door and ask, he would be back again soon. So he thrust the shovel into the snow and set off at a run. He arrived breathless at the house of Barnabas, and after a sharp knock flung the door open and asked, without looking to see who was inside: “Hasn’t Barnabas come back yet?” Only then did he notice that Olga was not there, that the two old people, who were again sitting at the far end of the table in a state of vacancy, had not yet realised what was happening at the door and were only now slowly turning their faces towards it, and finally that Amalia had been lying beside the stove under a blanket and in her alarm at K.’s sudden appearance had started up with her hand to her brow in an effort to recover her composure. If Olga had been there she would have answered immediately, and K. could have gone away again, but as it was he had at least to take a step or two towards Amalia, give her his hand, which she pressed in silence, and beg her to keep the startled old folks from attempting to meander through the room, which she did with a few words. K. learned that Olga was chopping wood in the yard, that Amalia, exhausted—for what reason she did not say—had had to lie down a short time before, and that Barnabas has not yet indeed returned, but must return very soon, for he never stayed overnight in the Castle. K. thanked her for the information, which left him at liberty to go, but Amalia asked if he would not wait to see Olga. However, she added, he had already spoken to Olga during the day. He answered with surprise that he had not, and asked if Olga had something of particular importance to say to him. As if faintly irritated, Amalia screwed up her mouth silently, gave him a nod, obviously in farewell, and lay down again. From her recumbent position she let her eyes rest on him as if she were astonished to see him still there. Her gaze was cold, clear and steady as usual, it was never levelled exactly on the object she regarded but in some disturbing way always a little past it, hardly perceptibly, but yet unquestionably past it, not from weakness, apparently, nor from embarrassment, nor from duplicity, but from a persistent and dominating desire for isolation, which she herself perhaps only became conscious of in this way. K. thought he could remember being baffled on the very first evening by that look, probably even the whole hatefulness of the impression so quickly made on him by this family was traceable to that look, which in itself was not hateful but proud and upright in its reserve. “You are always so sad, Amalia,” said K., “is anything troubling you? Can’t you say what it is? I have never seen a country girl at all like you. It never struck me before. Do you really belong to this village? Were you born here?” Amalia nodded, as if K. had only put the last of those questions, and then said: “So you’ll wait for Olga?” “I don’t know why you keep on asking me that,” said K. “I can’t stay any longer because my fiancée’s waiting for me at home.” Amalia propped herself on one elbow; she had not heard of the engagement. K. gave Frieda’s name. Amalia did not know it. She asked if Olga knew of their betrothal. K. fancied she did, for she had seen him with Frieda, and news like that was quick to fly round in a village. Amalia assured him, however, that Olga knew nothing about it, and that it would make her very unhappy, for she seemed to be in love with K. She had not directly said so, for she was very reserved, but love betrayed itself involuntarily. K. was convinced that Amalia was mistaken. Amalia smiled, and this smile of hers, although sad, lit up her gloomy face, made her silence eloquent, her strangeness intimate, and unlocked a mystery jealously guarded hitherto, a mystery which could indeed be concealed again, but never so completely. Amalia said that she was certainly not mistaken, she would even go further and affirm that K. too had an inclination for Olga, and that his visits, which were ostensibly concerned with some message or other from Barnabas, were really intended for Olga. But now that Amalia knew all about it he need not be so strict with himself and could come oftener to see them. That was all she wanted to say. K. shook his head, and reminded her of his betrothal. Amalia seemed to set little store by this betrothal, the immediate impression she received from K., who was after all unaccompanied, was in her opinion decisive, she only asked when K. had made the girl’s acquaintance, for he had been but a few days in the village. K. told her about his night at the Herrenhof, whereupon Amalia merely said briefly that she had been very much against his being taken to the Herrenhof.

> German: Friedas wegen hatte K. den ganzen Tag gezögert, in des Barnabas Wohnung nachfragen zu gehen; um ihn nicht vor Frieda empfangen zu müssen, hatte er jetzt hier draußen gearbeitet und war nach der Arbeit noch hier geblieben, in Erwartung des Barnabas, aber Barnabas kam nicht. Nun blieb nichts anderes übrig, als zu den Schwestern zu gehen, nur für ein kleines Weilchen, nur von der Schwelle aus wollte er fragen, bald würde er wieder zurück sein. Und er rammte die Schaufel in den Schnee ein und lief. Atemlos kam er beim Haus des Barnabas an, riß nach kurzem Klopfen die Tür auf und fragte, ohne darauf zu achten, wie es in der Stube aussah: „Ist Barnabas noch immer nicht gekommen?“ Erst jetzt bemerkte er, daß Olga nicht da war, die beiden Alten wieder bei dem weit entfernten Tisch in einem Dämmerzustande saßen, sich noch nicht klar gemacht hatten, was bei der Tür geschehen war, und erst langsam die Gesichter hinwendeten, und daß schließlich Amalia unter Decken auf der Ofenbank lag und im ersten Schrecken über K.s Erscheinen aufgefahren war und die Hand an die Stirn hielt, um sich zu fassen. Wäre Olga hier gewesen, hätte sie gleich geantwortet und K. hätte wieder fortgehen können, so mußte er wenigstens die paar Schritte zu Amalia machen, ihr die Hand reichen, die sie schweigend drückte, und sie bitten, die aufgescheuchten Eltern von irgendwelchen Wanderungen abzuhalten, was sie auch mit ein paar Worten tat. K. erfuhr, daß Olga im Hof Holz hackte, Amalia erschöpft - sie nannte keinen Grund - vor kurzem sich hatte niederlegen müssen und Barnabas zwar noch nicht gekommen war, aber sehr bald kommen mußte, denn über Nacht blieb er nie im Schloß. K. dankte für die Auskunft, er konnte nun wieder gehen, Amalia aber fragte, ob er nicht noch auf Olga warten wollte. Aber er hatte leider keine Zeit mehr. Dann fragte Amalia, ob er denn schon heute mit Olga gesprochen habe. Er verneinte es erstaunt und fragte, ob ihm Olga etwas Besonderes mitteilen wollte. Amalia verzog wie in leichtem Ärger den Mund, nickte K. schweigend zu, es war deutlich eine Verabschiedung, und legte sich wieder zurück. Aus der Ruhelage musterte sie ihn so, als wundere sie sich, daß er noch da sei. Ihr Blick war kalt, klar, unbeweglich wie immer, er war nicht geradezu auf das gerichtet, was sie beobachtete, sondern ging - das war störend - ein wenig, kaum merklich, aber zweifellos daran vorbei, es schien nicht Schwäche zu sein, nicht Verlegenheit, nicht Unehrlichkeit, die das verursachte, sondern ein fortwährendes, jedem anderen Gefühl überlegenes Verlangen nach Einsamkeit, das vielleicht ihr selbst nur auf diese Weise zu Bewußtsein kam. K. glaubte sich zu erinnern, daß dieser Blick schon am ersten Abend ihn beschäftigt hatte, ja, daß wahrscheinlich der ganze häßliche Eindruck, den diese Familie gleich auf ihn gemacht hatte, auf diesen Blick zurückging, der für sich selbst nicht häßlich war, sondern stolz und in seiner Verschlossenheit aufrichtig. „Du bist immer so traurig, Amalia,“ sagte K., „quält dich etwas? Kannst du es nicht sagen? Ich habe ein Landmädchen wie dich noch nicht gesehen. Erst heute, erst jetzt ist es mir eigentlich aufgefallen. Stammst du hier aus dem Dorf? Bist du hier geboren?“ Amalia bejahte es so, als habe K. nur die letzte Frage gestellt, dann sagte sie: „Du wirst also doch auf Olga warten?“ „Ich weiß nicht, warum du immerfort das gleiche fragst,“ sagte K., „ich kann nicht länger bleiben, weil zu Hause meine Braut wartet.“ Amalia stützte sich auf den Ellbogen, sie wußte von keiner Braut. K. nannte den Namen. Amalia kannte sie nicht. Sie fragte, ob Olga von der Verlobung wisse. K. glaubte es wohl, Olga habe ihn ja mit Frieda gesehen, auch verbreiten sich im Dorf solche Nachrichten schnell. Amalia versicherte ihm aber, daß Olga es nicht wisse und daß es sie sehr unglücklich machen werde, denn sie scheine K. zu lieben. Offen habe sie davon nicht gesprochen, denn sie sei sehr zurückhaltend, aber Liebe verrate sich ja unwillkürlich. K. war überzeugt, daß sich Amalia irre. Amalia lächelte, und dieses Lächeln, trotzdem es traurig war, erhellte das düster zusammengezogene Gesicht, machte die Stummheit sprechend, machte die Fremdheit vertraut, war die Preisgabe eines Geheimnisses, die Preisgabe eines bisher gehüteten Besitzes, der zwar wieder zurückgenommen werden konnte, aber niemals mehr ganz. Amalia sagte, sie irre sich gewiß nicht, ja, sie wisse noch mehr, sie wisse, daß auch K. Zuneigung zu Olga habe und daß seine Besuche, die irgendwelche Botschaften des Barnabas zum Vorwand haben, in Wirklichkeit nur Olga gelten. Jetzt aber, da Amalia von allem wisse, müsse er es nicht mehr so streng nehmen und dürfe öfters kommen. Nur dieses habe sie ihm sagen wollen. K. schüttelte den Kopf und erinnerte an seine Verlobung. Amalia schien nicht viele Gedanken an diese Verlobung zu verschwenden, der unmittelbare Eindruck K.s, der doch allein vor ihr stand, war für sie entscheidend, sie fragte nur, wann denn K. jenes Mädchen kennengelernt habe, er sei doch erst wenige Tage im Dorf. K. erzählte von dem Abend im Herrenhof, worauf Amalia nur kurz sagte, sie sei sehr dagegen gewesen, daß man ihn in den Herrenhof führe.

[¶3] She appealed for confirmation to Olga, who had just come in with an armful of wood, fresh and glowing from the frosty air, strong and vivid, as if transformed by the change from her usual aimless standing about inside. She threw down the wood, greeted K. frankly, and asked at once for Frieda. K. exchanged a look with Amalia, who seemed however not at all disconcerted. A little relieved, K. spoke of Frieda more freely than he would otherwise have done, described the difficult circumstances in which she was managing to keep house in a kind of way in the school, and in the haste of his narrative—for he wanted to go home at once—so far forgot himself when bidding them goodbye as to invite the sisters to come and pay him a visit. He began to stammer in confusion, however, when Amalia, giving him no time to say another word, interposed with an acceptance of the invitation; then Olga was compelled to associate herself with it. But K., still harassed by the feeling that he ought to go at once, and becoming uneasy under Amalia’s gaze, did not hesitate any longer to confess that the invitation had been quite unpremeditated and had sprung merely from a personal impulse, but that unfortunately he could not confirm it since there was a great hostility, to him quite incomprehensible, between Frieda and their family. “It’s not hostility,” said Amalia, getting up from her couch and flinging the blanket behind her, “it’s nothing so big as that, it’s only a parrot repetition of what she hears everywhere. And now, go away, go to your young woman, I can see you’re in a hurry. You needn’t be afraid that we’ll come, I only said it at first for fun, out of mischief. But you can come often enough to see us, there’s nothing to hinder you, you can always plead Barnabas’s messages as an excuse. I’ll make it easier for you by telling you that Barnabas, even if he has a message from the Castle for you, can’t go all the way up to the school to find you. He can’t trail about so much, poor boy, he wears himself out in the service, you’ll have to come yourself to get the news.” K. had never before heard Amalia utter so many consecutive sentences, and they sounded differently from her usual comments, they had a kind of dignity which obviously impressed not only K. but Olga too, although she was accustomed to her sister. She stood a little to one side, her arms folded, in her usual stolid and somewhat stooping posture once more, with her eyes fixed on Amalia, who on the other hand looked only at K. “It’s an error,” said K., “a gross error to imagine that I’m not in earnest in looking for Barnabas, it’s my most urgent wish, really my only wish, to get my business with the authorities properly settled. And Barnabas has to help me in that, most of my hopes are based on him. I grant he has disappointed me greatly once as it is, but that was more my fault than his; in the bewilderment of my first hours in the village I believed that everything could be settled by a short walk in the evening, and when the impossible proved impossible I blamed him for it. That influenced me even in my opinion of your family and of you. But that is all past, I think I understand you better now, you are even—” K. tried to think of the exact word, but could not find it immediately, so contented himself with a makeshift—“You seem to be the most good-natured people in the village so far as my experience goes. But now, Amalia, you’re putting me off the track again by your depreciation—if not of your brother’s service—then of the importance he has for me. Perhaps you aren’t acquainted with his affairs, in which case it doesn’t matter, but perhaps you are acquainted with them—and that’s the impression I incline to have—in which case it’s a bad thing, for that would indicate that your brother is deceiving me.” “Calm yourself,” said Amalia, “I’m not acquainted with them, nothing could induce me to become acquainted with them, nothing at all, not even my consideration for you, which would move me to do a great deal, for, as you say, we are good-natured people. But my brother’s affairs are his own business, I know nothing about them except what I hear by chance now and then against my will. On the other hand Olga can tell you all about them, for she’s in his confidence.” And Amalia went away, first to her parents, with whom she whispered, then to the kitchen; she went without taking leave of K., as if she knew that he would stay for a long time yet and that no goodbye was necessary.

> German: Sie rief dafür auch Olga als Zeugin an, die mit einem Arm voll Holz eben hereinkam, frisch und gebeizt von der kalten Luft, lebhaft und kräftig, wie verwandelt durch die Arbeit gegenüber ihrem sonstigen schweren Dastehn im Zimmer. Sie warf das Holz hin, begrüßte unbefangen K. und fragte gleich nach Frieda. K. verständigte sich durch einen Blick mit Amalia, aber sie schien sich nicht für widerlegt zu halten. Ein wenig befreit dadurch, erzählte K. ausführlicher, als er es sonst getan hätte, von Frieda, beschrieb, unter wie schwierigen Verhältnissen sie in der Schule immerhin eine Art Haushalt führte und vergaß sich in der Eile des Erzählens - er wollte ja gleich nach Hause gehen - derart, daß er in der Form eines Abschieds die Schwestern einlud, ihn einmal zu besuchen. Jetzt allerdings erschrak er und stockte, während Amalia sofort, ohne ihm noch zu einem Wort Zeit zu lassen, die Einladung anzunehmen erklärte; nun mußte sich auch Olga anschließen und tat es. K. aber, immerfort von Gedanken an die Notwendigkeit eiligen Abschieds bedrängt und sich unruhig fühlend unter Amaliens Blick, zögerte nicht, ohne weitere Verbrämung einzugestehen, daß die Einladung gänzlich unüberlegt und nur von seinem persönlichen Gefühl eingegeben gewesen sei, daß er sie aber leider nicht aufrecht erhalten könne, da eine große, ihm allerdings unverständliche Feindschaft zwischen Frieda und dem Barnabasschen Hause bestehe. „Es ist keine Feindschaft,“ sagte Amalia, stand von der Bank auf und warf die Decke hinter sich, „ein so großes Ding ist es nicht, es ist bloß ein Nachbeten der allgemeinen Meinung. Und nun geh, geh zu deiner Braut, ich sehe, wie du eilst. Fürchte auch nicht, daß wir kommen, ich sagte es gleich anfangs nur im Scherz, aus Bosheit. Du aber kannst öfters zu uns kommen, dafür ist wohl kein Hindernis, du kannst ja immer die Barnabasschen Botschaften vorschützen. Ich erleichtere es dir noch dadurch, daß ich sage, daß Barnabas, auch wenn er eine Botschaft vom Schloß für dich bringt, nicht wieder bis in die Schule gehen kann, um sie dir zu melden. Er kann nicht so viel herumlaufen, der arme Junge, er verzehrt sich im Dienst, du wirst selbst kommen müssen, dir die Nachricht zu holen.“ K. hatte Amalia so viel im Zusammenhang noch nicht sagen hören, es klang auch anders als sonst ihre Rede, eine Art Hoheit war darin, die nicht nur K. fühlte, sondern offenbar auch Olga, die doch an sie gewöhnte Schwester. Sie stand ein wenig abseits, die Hände im Schoß, nun wieder in ihrer gewöhnlichen breitbeinigen, ein wenig gebeugten Haltung, die Augen hatte sie auf Amalia gerichtet, während diese nur K. ansah. „Es ist ein Irrtum,“ sagte K., „ein großer Irrtum, wenn du glaubst, daß es mir mit dem Warten auf Barnabas nicht ernst ist, meine Angelegenheiten mit den Behörden in Ordnung zu bringen, ist mein höchster, eigentlich mein einziger Wunsch. Und Barnabas soll mir dazu verhelfen, viel von meiner Hoffnung liegt auf ihm. Er hat mich zwar schon einmal sehr enttäuscht, aber das war mehr meine eigene Schuld als seine, es geschah in der Verwirrung der ersten Stunden, ich glaubte damals alles durch einen kleinen Abendspaziergang erreichen zu können, und daß sich das Unmögliche als unmöglich gezeigt hat, habe ich ihm dann nachgetragen. Selbst im Urteil über eure Familie, über euch hat es mich beeinflußt. Das ist vorüber, ich glaube euch jetzt besser zu verstehen, ihr seid sogar“ - K. suchte das richtige Wort, fand es nicht gleich und begnügte sich mit einem beiläufigen - „ihr seid vielleicht gutmütiger als irgend jemand sonst von den Dorfleuten, soweit ich sie bisher kenne. Aber nun, Amalia, beirrst du mich wieder dadurch, daß du, wenn schon nicht den Dienst deines Bruders, so doch die Bedeutung, die er für mich hat, herabsetzest. Vielleicht bist du in die Angelegenheiten des Barnabas nicht eingeweiht, dann ist es gut und ich will die Sache auf sich beruhen lassen, vielleicht aber bist du eingeweiht - und ich habe eher diesen Eindruck - dann ist es schlimm, denn das würde bedeuten, daß mich dein Bruder täuscht.“ „Sei ruhig,“ sagte Amalia, „ich bin nicht eingeweiht, nichts könnte mich dazu bewegen, mich einweihen zu lassen, nichts könnte mich dazu bewegen, nicht einmal die Rücksicht auf dich, für den ich doch manches täte, denn, wie du sagtest, gutmütig sind wir. Aber die Angelegenheiten meines Bruders gehören ihm an, ich weiß nichts von ihnen als das, was ich gegen meinen Willen zufällig hie und da davon höre. Dagegen kann dir Olga volle Auskunft geben, denn sie ist seine Vertraute.“ Und Amalia ging fort, zuerst zu den Eltern, mit denen sie flüsterte, dann in die Küche; sie war ohne Abschied von K. fortgegangen, so, als wisse sie, er werde noch lange bleiben und es sei kein Abschied nötig.

## 15. Chapter XV · Das fünfzehnte Kapitel

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[¶0] Seeing that with a somewhat astonished face K. remained standing where he was, Olga laughed at him and drew him towards the settle by the stove, she seemed to be really happy at the prospect of sitting there alone with him, but it was a contented happiness without a single hint of jealousy. And precisely this freedom of hers from jealousy and therefore from any kind of claim upon him did K. good, he was glad to look into her blue eyes which were not cajoling, nor hectoring, but shyly simple and frank. It was as if the warnings of Frieda and the landlady had made him, not more suspectible to all those things, but more observant and more discerning. And he laughed with Olga when she expressed her wonder at his calling Amalia good-natured, of all things, for Amalia had many qualities, but good-nature was certainly not one of them. Whereupon K. explained that of course his praise had been meant for Olga, only Amalia was so masterful that she not only took to herself whatever was said in her presence, but induced other people of their own free will to include her in everything. “That’s true,” said Olga, becoming more serious, “truer than you think. Amalia’s younger than me, and younger than Barnabas, but hers is the decisive voice in the family for good or for ill, of course she bears the burden of it more than anybody, the good as well as the bad.” K. thought that an exaggeration, for Amalia had just said that she paid no attention, for instance, to her brother’s affairs, while Olga knew all about them. “How can I make it clear?” said Olga, “Amalia bothers neither about Barnabas nor about me, she really bothers about nobody but the old people whom she tends day and night; now she had just asked them again if they want anything and has gone into the kitchen to cook them something, and for their sakes she has overcome her indisposition, for she’s been ill since midday and been lying here on the settle. But although she doesn’t bother about us we’re as dependent on her as if she were the eldest, and if she were to advise us in our affairs we should certainly follow her advice, only she doesn’t do it, she’s different from us. You have experience of people, you come from a strange land, don’t you think, too, that she’s extraordinarily clever?” “Extraordinarily unhappy is what she seems to me,” said K., “but how does it go with your respect for her that Barnabas, for example, takes service as a messenger, in spite of Amalia’s evident disapproval, and even her scorn?” “If he knew what else to do he would give up being a messenger at once, for it doesn’t satisfy him.” “Isn’t he an expert shoemaker?” asked K. “Of course he is,” said Olga, “and in his spare time he does work for Brunswick, and if he liked he could have enough work to keep him going day and night and earn a lot of money.” “Well then,” said K. “That would be an alternative to his service as a messenger.” “An alternative?” asked Olga in astonishment, “do you think he does it for the money?” “Maybe he does,” said K., “but didn’t you say he was discontented?” “He’s discontented, and for various reasons,” said Olga, “but it’s Castle service, anyhow a kind of Castle service, at least one would suppose so.” “What!” said K., “do you even doubt that?” “Well,” said Olga, “not really, Barnabas goes into the bureaux and is accepted by the attendants as one of themselves, he sees various officials, too, from the distance, is entrusted with relatively important letters, even with verbally delivered messages, that’s a good deal, after all, and we should be proud of what he has achieved for a young man of his years.” K. nodded and no longer thought of going home. “He has a uniform of his own, too?” he asked. “You mean the jacket?” said Olga, “no, Amalia made that for him long before he became a messenger. But you’re touching on a sore spot now. He ought long ago to have had, not a uniform, for there aren’t many in the Castle, but a suit provided by the department, and he has been promised one, but in things of that kind the Castle moves slowly, and the worst of it is that one never knows what this slowness means; it can mean that the matter’s being considered, but it can also mean that it hasn’t yet been taken up, that Barnabas for instance is still on probation, and in the long run it can also mean that the whole thing has been settled, that for some reason or other the promise has been cancelled, and that Barnabas will never get his suit. One can never find out exactly what is happening, or only a long time afterwards. We have a saying here, perhaps you’ve heard it: Official decisions are as shy as young girls.” “That’s a good observation,” said K., he took it still more seriously than Olga, “a good observation, and the decisions may have other characteristics in common with young girls.” “Perhaps,” said Olga. “But as far as the official suit’s concerned, that’s one of Barnabas’s great sorrows, and since we share all our troubles, it’s one of mine too. We ask ourselves in vain why he doesn’t get an official suit. But the whole affair is not just so simple as that. The officials, for instance, apparently have no official dress; so far as we know here, and so far as Barnabas tells us, the officials go about in their ordinary clothes, very fine clothes, certainly. Well, you’ve seen Klamm. Now, Barnabas is certainly not an official, not even one in the lowest category, and he doesn’t overstep his limitations so far as to want to be one. But according to Barnabas, the higher grade servants, whom one certainly never sees down here in the village, have no official dress; that’s a kind of comfort, one might suppose, but it’s a deceptive comfort, for is Barnabas a high-grade servant? Not he; however partial one might be towards him one couldn’t maintain that, the fact that he comes to the village and even lives here is sufficient proof of the contrary, for the higher-grade servants are even more inaccessible than the officials, perhaps rightly so, perhaps they are even of higher rank than many an official, there’s some evidence of that, they work less, and Barnabas says it’s a marvellous sight to see these tall and distinguished men slowly walking through the corridors, Barnabas always gives them a wide berth. Well, he might be one of the lower-grade servants, then, but these always have an official suit, at least whenever they come down into the village, it’s not exactly a uniform, there are many different versions of it, but at any rate one can always tell Castle servants by their clothes, you’ve seen some of them in the Herrenhof. The most noticeable thing about the clothes is that they’re mostly close-fitting, a peasant or a handworker couldn’t do with them. Well, a suit like that hasn’t been given to Barnabas, and it’s not merely the shame of it or the disgrace—one could put up with that—but the fact that in moments of depression—and we often have such moments, none too rarely, Barnabas and I—it makes us doubt everything. Is it really Castle service Barnabas is doing, we ask ourselves then; granted, he goes into the bureaux, but are the bureaux part of the real Castle? And even if there are bureaux actually in the Castle, are they the bureaux that Barnabas is allowed to enter?
“He’s admitted into certain rooms, but they’re only a part of the whole, for there are barriers behind which there are more rooms. Not that he’s actually forbidden to pass the barriers, but he can’t very well push past them once he has met his chiefs and been dismissed by them. Besides, everybody is watched there, at least so we believe. And even if he did push on further what good would it be to him, if he had no official duties to carry out and were a mere intruder? And you mustn’t imagine that these barriers are a definite dividing-line; Barnabas is always impressing that on me. There are barriers even at the entrance to the rooms where he’s admitted, so you see there are barriers he can pass, and they’re just the same as the ones he’s never yet passed, which looks as if one oughtn’t to suppose that behind the ultimate barriers the bureaux are any different from those Barnabas has already seen. Only that’s what we do suppose in moments of depression. And the doubt doesn’t stop there, we can’t keep it within bounds. Barnabas sees officials, Barnabas is given messages. But who are those officials, and what are the messages? Now, so he says, he’s assigned to Klamm, who gives him his instructions in person. Well, that would be a great favour, even higher-grade servants don’t get so far as that, it’s almost too much to believe, almost terrifying. Only think, directly assigned to Klamm, speaking with him face to face! But is it really the case? Well, suppose it is so, then why does Barnabas doubt that the official who is referred to as Klamm is really Klamm?” “Olga,” said K., “you surely must be joking; how can there be any doubt about Klamm’s appearance, everybody knows what he looks like, even I have seen him.” “Of course not, K.,” said Olga. “I’m not joking at all, I’m desperately serious. Yet I’m not telling you all this simply to relieve my own feelings and burden yours, but because Amalia charged me to tell you, since you were asking for Barnabas, and because I think too that it would be useful for you to know more about it. I’m doing it for Barnabas’s sake as well, so that you won’t pin too many hopes upon him, and suffer disappointment, and make him suffer too because of your disappointment. He’s very sensitive, for instance he didn’t sleep all night because you were displeased with him yesterday evening. He took you to say that it was a bad lookout for you to have only a messenger like him. These words kept him off his sleep. I don’t suppose that you noticed how upset he was, for Castle messengers must keep themselves well under control. But he hasn’t an easy time, not even with you, although from your point of view you don’t ask too much of him, for you have your own prior conception of a messenger’s powers and make your demands accordingly. But in the Castle they have a different conception of a messenger’s duties, which couldn’t be reconciled with yours, even if Barnabas were to devote himself entirely to the task, which, unfortunately, he often seems inclined to do. Still, one would have to submit to that and raise no objection, if it weren’t for the question whether Barnabas is really a messenger or not. Before you, of course, he can’t express any doubt of it whatever, to do that would be to undermine his very existence and to offend grievously against laws which he believes himself still plighted to, and even to me he doesn’t speak freely, I have to cajole and kiss his doubts out of him, and even then he refuses to admit that his doubts are doubts. He has something of Amalia in him. And I’m sure that he doesn’t tell me everything, although I’m his sole confidant. But we do often speak about Klamm, whom I’ve never seen; you know Frieda doesn’t like me and has never let me look at him, still his appearance is well-known in the village, some people have seen him, everybody has heard of him, and out of glimpses and rumours and through various distorting factors an image of Klamm has been constructed which is certainly true in fundamentals. But only in fundamentals. In detail it fluctuates, and yet perhaps not so much as Klamm’s real appearance. For he’s reported as having one appearance when he comes into the village and another on leaving it, after having his beer he looks different from what he does before it, when he’s awake he’s different from when he’s asleep, when he’s alone he’s different from when he’s talking to people, and—what is comprehensible after all that—he’s almost another person up in the Castle. And even within the village there are considerable differences in the accounts given of him, differences as to his height, his bearing, his size and the cut of his beard, fortunately there’s one thing in which all the accounts agree, he always wears the same clothes, a black morning coat with long tails. Now of course all these differences aren’t the result of magic, but can be easily explained; they depend on the mood of the observer, on the degree of his excitement, on the countless graduations of hope or despair which are possible for him when he sees Klamm, and besides, he can usually see Klamm only for a second or two. I’m telling you all this just as Barnabas has often told it to me, and, on the whole, for anyone not personally interested in the matter, it would be a sufficient explanation. Not for us, however; it’s a matter of life or death for Barnabas whether it’s really Klamm he speaks to or not.” “And for me no less,” said K. and they moved nearer to each other on the settle.

> German: Mit etwas erstauntem Gesicht blieb K. zurück, Olga lachte über ihn, zog ihn zur Ofenbank, sie schien wirklich glücklich zu sein darüber, daß sie jetzt mit ihm allein hier sitzen konnte, aber es war ein friedliches Glück, von Eifersucht war es gewiß nicht getrübt. Und gerade dieses Fernsein von Eifersucht, und daher auch von jeglicher Strenge, tat K. wohl, gern sah er in diese blauen, nicht lockenden, nicht herrischen, sondern schüchtern ruhenden, schüchtern standhaltenden Augen. Es war, als hätten ihn für alles dieses hier die Warnungen Friedas und der Wirtin nicht empfänglicher, aber aufmerksamer und findiger gemacht. Und er lachte mit Olga, als diese sich wunderte, warum er gerade Amalia gutmütig genannt habe. Amalia sei mancherlei, nur gutmütig sei sie eigentlich nicht. Worauf K. erklärte, das Lob habe natürlich ihr, Olga, gegolten, aber Amalia sei so herrisch, daß sie sich nicht nur alles aneigne, was in ihrer Gegenwart gesprochen werde, sondern daß man ihr auch freiwillig alles zuteile. „Das ist wahr,“ sagte Olga, ernster werdend, „wahrer als du glaubst. Amalia ist jünger als ich, jünger auch als Barnabas, aber sie ist es, die in der Familie entscheidet, im Guten und im Bösen, freilich, sie trägt es auch mehr als alle, das Gute wie das Böse.“ K. hielt das für übertrieben, eben hatte doch Amalia gesagt, daß sie sich z. B. um des Bruders Angelegenheiten nicht kümmere, Olga dagegen alles darüber wisse. „Wie soll ich es erklären,“ sagte Olga, „Amalia kümmert sich weder um Barnabas noch um mich, sie kümmert sich eigentlich um niemanden außer um die Eltern, sie pflegt sie bei Tag und Nacht, jetzt hat sie wieder nach ihren Wünschen gefragt und ist in die Küche für sie kochen gegangen, hat sich ihretwegen überwunden aufzustehen, denn sie ist schon seit Mittag krank und lag hier auf der Bank. Aber trotzdem sie sich nicht um uns kümmert, sind wir von ihr abhängig, so, wie wenn sie die Älteste wäre, und wenn sie uns in unseren Dingen raten würde, würden wir ihr gewiß folgen, aber sie tut es nicht, wir sind ihr fremd. Du hast doch viel Menschenerfahrung, du kommst aus der Fremde, scheint sie dir nicht auch besonders klug?“ „Besonders unglücklich scheint sie mir,“ sagte K., „aber wie stimmt es mit eurem Respekt vor ihr überein, daß z. B. Barnabas diese Botendienste tut, die Amalia mißbilligt, vielleicht sogar mißachtet.“ „Wenn er wüßte, was er sonst tun sollte, er würde den Botendienst, der ihn gar nicht befriedigt, sofort verlassen.“ „Ist er denn nicht ausgelernter Schuster?“ fragte K. „Gewiß,“ sagte Olga, „er arbeitet ja auch nebenbei für Brunswick und hätte, wenn er wollte, Tag und Nacht Arbeit und reichlichen Verdienst.“ „Nun also,“ sagte K., „dann hätte er doch einen Ersatz für den Botendienst.“ „Für den Botendienst?“ fragte Olga erstaunt, „hat er ihn denn des Verdienens halber übernommen?“ „Mag sein,“ sagte K., „aber du erwähntest doch, daß er ihn nicht befriedigt.“ „Er befriedigt ihn nicht, und aus verschiedenen Gründen,“ sagte Olga, „aber es ist doch Schloßdienst, immerhin eine Art Schloßdienst, so sollte man wenigstens glauben.“ „Wie,“ sagte K. „sogar darüber seid ihr im Zweifel?“ „Nun,“ sagte Olga, „eigentlich nicht, Barnabas geht in die Kanzleien, verkehrt mit den Dienern wie ihresgleichen, sieht von der Ferne auch einzelne Beamte, bekommt verhältnismäßig wichtige Briefe, ja sogar mündlich auszurichtende Botschaften anvertraut, das ist doch recht viel, und wir könnten stolz darauf sein, wie viel er in so jungen Jahren schon erreicht hat.“ K. nickte, an die Heimkehr dachte er jetzt nicht. „Er hat auch eine eigene Livree?“ fragte er. „Du meinst die Jacke?“ sagte Olga, „nein, die hat ihm Amalia gemacht, noch ehe er Bote wurde. Aber du näherst dich dem wunden Punkt. Er hätte schon längst nicht eine Livree, die es im Schloß nicht gibt, aber einen Anzug vom Amt bekommen sollen, es ist ihm auch zugesichert worden, aber in dieser Hinsicht ist man im Schloß sehr langsam und das Schlimme ist, daß man niemals weiß, was diese Langsamkeit bedeutet; sie kann bedeuten, daß die Sache im Amtsgang ist, sie kann aber auch bedeuten, daß der Amtsgang noch gar nicht begonnen hat, daß man also z. B. Barnabas immer noch erst erproben will, sie kann aber schließlich auch bedeuten, daß der Amtsgang schon beendet ist, man aus irgendwelchen Gründen die Zusicherung zurückgezogen hat und Barnabas den Anzug niemals bekommt. Genaueres kann man darüber nicht erfahren, oder erst nach langer Zeit. Es ist hier die Redensart, vielleicht kennst du sie: Amtliche Entscheidungen sind scheu wie junge Mädchen.“ „Das ist eine gute Beobachtung,“ sagte K., er nahm es noch ernster als Olga, „eine gute Beobachtung, die Entscheidungen mögen noch andere Eigenschaften mit Mädchen gemeinsam haben.“ „Vielleicht“, sagte Olga. „Aber was das Amtskleid betrifft, so ist dies eben eine der Sorgen des Barnabas, und da wir die Sorgen gemeinsam haben, auch meine. Warum bekommt er kein Amtskleid, fragen wir uns vergebens. Nun ist aber diese ganze Sache nicht so einfach. Die Beamten z. B. scheinen überhaupt kein Amtskleid zu haben; so viel wir hier wissen und so viel Barnabas erzählt, gehen die Beamten in gewöhnlichen, allerdings schönen Kleidern herum. Übrigens hast du ja Klamm gesehen. Nun, ein Beamter, auch ein Beamter niedrigster Kategorie, ist natürlich Barnabas nicht und versteigt sich nicht dazu, es sein zu wollen. Aber auch höhere Diener, die man hier im Dorf freilich überhaupt nicht zu sehen bekommt, haben nach des Barnabas Bericht keine Amtsanzüge; das ist ein gewisser Trost, könnte man von vornherein meinen, aber er ist trügerisch, denn ist Barnabas ein höherer Diener? Nein, wenn man ihm noch so sehr geneigt ist, das kann man nicht sagen, ein höherer Diener ist er nicht, schon daß er ins Dorf kommt, ja sogar hier wohnt, ist ein Gegenbeweis, die höheren Diener sind noch zurückhaltender als die Beamten, vielleicht mit Recht, vielleicht sind sie sogar höher als manche Beamte, einiges spricht dafür, sie arbeiten weniger und es soll nach Barnabas ein wunderbarer Anblick sein, diese auserlesen großen starken Männer langsam durch die Korridore gehen zu sehen, Barnabas schleicht an ihnen immer herum. Kurz, es kann keine Rede davon sein, daß Barnabas ein höherer Diener ist. Also könnte er einer der niedrigen Dienerschaft sein, aber diese haben eben Amtsanzüge, wenigstens soweit sie ins Dorf herunterkommen, es ist keine eigentliche Livree, es gibt auch viele Verschiedenheiten, aber immerhin erkennt man sofort an den Kleidern den Diener aus dem Schloß, du hast ja solche Leute im Herrenhof gesehen. Das Auffallendste an den Kleidern ist, daß sie meistens eng anliegen, ein Bauer oder ein Handwerker könnte ein solches Kleid nicht brauchen. Nun, dieses Kleid hat also Barnabas nicht, das ist nicht nur etwa beschämend oder entwürdigend, das könnte man ertragen, aber es läßt besonders in trüben Stunden - und manchmal, nicht zu selten, haben wir solche, Barnabas und ich - an allem zweifeln. Ist es überhaupt Schloßdienst, was Barnabas tut, fragen wir dann; gewiß, er geht in die Kanzleien, aber sind die Kanzleien das eigentliche Schloß? Und selbst - wenn Kanzleien zum Schloß gehören, sind es die Kanzleien, welche Barnabas betreten darf? Er kommt in Kanzleien, aber es ist doch nur ein Teil aller, dann sind Barrieren und hinter ihnen sind noch andere Kanzleien. Man verbietet ihm nicht gerade weiterzugehen, aber er kann doch nicht weitergehen, wenn er seine Vorgesetzten schon gefunden hat, sie ihn abgefertigt haben und wegschicken. Man ist dort überdies immer beobachtet, wenigstens glaubt man es. Und selbst wenn er weiterginge, was würde es helfen, wenn er dort keine amtliche Arbeit hat und ein Eindringling wäre. Diese Barrieren darfst du dir auch nicht als eine bestimmte Grenze vorstellen, darauf macht mich auch Barnabas immer wieder aufmerksam. Barrieren sind auch in den Kanzleien, in die er geht, es gibt also auch Barrieren, die er passiert, und sie sehen nicht anders aus als die, über die er noch nicht hinweggekommen ist, und es ist auch deshalb nicht von vornherein anzunehmen, daß sich hinter diesen letzten Barrieren wesentlich andere Kanzleien befinden als jene, in denen Barnabas schon war. Nur eben in jenen trüben Stunden glaubt man das. Und dann geht der Zweifel weiter, man kann sich gar nicht wehren. Barnabas spricht mit Beamten, Barnabas bekommt Botschaften. Aber was für Beamte, was für Botschaften sind es. Jetzt ist er, wie er sagt, Klamm zugeteilt und bekommt von ihm persönlich die Aufträge. Nun, das wäre doch sehr viel, selbst höhere Diener gelangen nicht so weit, es wäre fast zu viel, das ist das Beängstigende. Denk nur, unmittelbar Klamm zugeteilt sein, mit ihm von Mund zu Mund sprechen. Aber es ist doch so? Nun ja, es ist so, aber warum zweifelt denn Barnabas daran, daß der Beamte, der dort als Klamm bezeichnet wird, wirklich Klamm ist?“ „Olga,“ sagte K., „du willst doch nicht scherzen, wie kann über Klamms Aussehen ein Zweifel bestehen, es ist doch bekannt, wie er aussieht, ich selbst habe ihn gesehen.“ „Gewiß nicht, K.“, sagte Olga. „Scherze sind es nicht, sondern meine allerernstesten Sorgen. Doch erzähle ich es dir auch nicht, um mein Herz zu erleichtern und deines etwa zu beschweren, sondern weil du nach Barnabas fragtest, Amalia mir den Auftrag gab, zu erzählen, und weil ich glaube, daß es auch für dich nützlich ist, Genaueres zu wissen. Auch wegen Barnabas tue ich es, damit du nicht allzu große Hoffnungen auf ihn setzt, er dich enttäuscht und dann selbst unter deiner Enttäuschung leidet. Er ist sehr empfindlich, er hat z. B. heute nacht nicht geschlafen, weil du gestern abend mit ihm unzufrieden warst. Du sollst gesagt haben, daß es sehr schlimm für dich ist, daß du nur einen solchen Boten wie Barnabas hast. Diese Worte haben ihn um den Schlaf gebracht. Du selbst wirst wohl von seinen Aufregungen nicht viel gemerkt haben, Schloßboten müssen sich sehr beherrschen. Aber er hat es nicht leicht, selbst mit dir nicht, du verlangst ja in deinem Sinn gewiß nicht zu viel von ihm, du hast bestimmte Vorstellungen vom Botendienst mitgebracht und nach ihnen bemißt du deine Anforderungen. Aber im Schloß hat man andere Vorstellungen vom Botendienst, sie lassen sich mit deinen nicht vereinen, selbst wenn sich Barnabas gänzlich dem Dienst opfern würde, wozu er leider manchmal bereit scheint. Man müßte sich ja fügen, dürfte nichts dagegen sagen, wäre nur nicht die Frage, ob es wirklich Botendienst ist, was er tut. Dir gegenüber darf er natürlich keinen Zweifel darüber aussprechen, es hieße für ihn seine eigene Existenz untergraben, wenn er das täte, Gesetze grob verletzen, unter denen er ja noch zu stehen glaubt, und selbst mir gegenüber spricht er nicht frei, abschmeicheln, abküssen muß ich ihm seine Zweifel und selbst dann wehrt er sich noch zuzugeben, daß die Zweifel Zweifel sind. Er hat etwas von Amalia im Blut. Und alles sagt er mir gewiß nicht, trotzdem ich seine einzige Vertraute bin. Aber über Klamm sprechen wir manchmal, ich habe Klamm noch nicht gesehen, du weißt, Frieda liebt mich wenig und hätte mir den Anblick nie gegönnt, aber natürlich ist sein Aussehen im Dorf bekannt, einzelne haben ihn gesehen, alle von ihm gehört und es hat sich aus dem Augenschein, aus Gerüchten und auch manchen fälschenden Nebenabsichten ein Bild Klamms ausgebildet, das wohl in den Grundzügen stimmt. Aber nur in den Grundzügen. Sonst ist es veränderlich und vielleicht nicht einmal so veränderlich wie Klamms wirkliches Aussehen. Er soll ganz anders aussehen, wenn er ins Dorf kommt, und anders, wenn er es verläßt, anders, ehe er Bier getrunken hat, anders nachher, anders im Wachen, anders im Schlafen, anders allein, anders im Gespräch und, was hiernach verständlich ist, fast grundverschieden oben im Schloß. Und es sind schon selbst innerhalb des Dorfes ziemlich große Unterschiede, die berichtet werden, Unterschiede der Größe, der Haltung, der Dicke, des Bartes, nur hinsichtlich des Kleides sind die Berichte glücklicherweise einheitlich, er trägt immer das gleiche Kleid, ein schwarzes Jackettkleid mit langen Schößen. Nun gehen natürlich alle diese Unterschiede auf keine Zauberei zurück, sondern sind sehr begreiflich, entstehen durch die augenblickliche Stimmung, den Grad der Aufregung, die unzähligen Abstufungen der Hoffnung oder Verzweiflung, in welcher sich der Zuschauer, der überdies meist nur augenblickweise Klamm sehen darf, befindet. Ich erzähle dir das alles wieder, so wie es mir Barnabas oft erklärt hat, und man kann sich im allgemeinen, wenn man nicht persönlich unmittelbar an der Sache beteiligt ist, damit beruhigen. Wir können es nicht, für Barnabas ist es eine Lebensfrage, ob er wirklich mit Klamm spricht oder nicht.“ „Für mich nicht minder“, sagte K. und sie rückten noch näher zusammen auf der Ofenbank.

[¶1] All this depressing information of Olga’s certainly affected K., but he regarded it as a great consolation to find other people who were at least externally much in the same situation as himself, with whom he could join forces and whom he could touch at many points, not merely at a few points as in Frieda’s case. He was indeed gradually giving up all hope of achieving success through Barnabas, but the worse it went with Barnabas in the Castle the nearer he felt drawn to him down here; never would K. have believed that in the village itself such a despairing struggle could go on as Barnabas and his sister were involved in. Of course it was as yet far from being adequately explained and might turn out to be quite the reverse, one shouldn’t let Olga’s unquestionable innocence mislead one into taking Barnabas’s uprightness for granted. “Barnabas is familiar with all those accounts of Klamm’s appearance,” went on Olga, “he has collected and compared a great many, perhaps too many, he even saw Klamm once through a carriage window in the village, or believed he saw him, and so was sufficiently prepared to recognise him again, and yet—how can you explain this?—when he entered a bureau in the Castle and had one of several officials pointed out to him as Klamm he didn’t recognise him, and for a long time afterwards couldn’t accustom himself to the idea that it was Klamm. But if you ask Barnabas what was the difference between that Klamm and the usual description given of Klamm, he can’t tell you, or rather he tries to tell you and describes the official of the Castle, but his description coincides exactly with the descriptions we usually hear of Klamm. Well then, Barnabas, I say to him, why do you doubt it, why do you torment yourself? Whereupon in obvious distress he begins to reckon up certain characteristics of the Castle official, but he seems to be thinking them out rather than describing them, and besides that they are so trivial—a particular way of nodding the head, for instance, or even an unbottoned waistcoat—that one simply can’t take them seriously. Much more important seems to me the way in which Klamm receives Barnabas. Barnabas has often described it to me, and even sketched the room. He’s usually admitted into a large room, but the room isn’t Klamm’s bureau, nor even the bureau of any particular official. It’s a room divided into two by a single reading-desk stretching all its length from wall to wall; one side is so narrow that two people can hardly squeeze past each other, and that’s reserved for the officials, the other side is spacious, and that’s where clients wait, spectators, servants, messengers. On the desk there are great books lying open, side by side, and officials stand by most of them reading. They don’t always stick to the same book, yet it isn’t the books that they change but their places, and it always astounds Barnabas to see how they have to squeeze past each other when they change places, because there’s so little room. In front of the desk and close to it there are small low tables at which clerks sit ready to write from dictation, whenever the officials wish it. And the way that is done always amazes Barnabas. There’s no express command given by the official, nor is the dictation given in a loud voice, one could hardly tell that it was being given at all, the official just seems to go on reading as before, only whispering as he reads, and the clerk hears the whisper. Often it’s so low that the clerk can’t hear it at all in his seat, and then he has to jump up, catch what’s being dictated, sit down again quickly and make a note of it, then jump up once more, and so on. What a strange business! It’s almost incomprehensible. Of course Barnabas has time enough to observe it all, for he’s often kept standing in the big room for hours and days at a time before Klamm happens to see him. And even if Klamm sees him and he springs to attention, that needn’t mean anything, for Klamm may turn away from him again to the book and forget all about him. That often happens. But what can be the use of a messenger-service so casual as that? It makes me quite doleful to hear Barnabas say in the early morning that he’s going to the Castle. In all likelihood a quite useless journey, a lost day, a completely vain hope. What’s the good of it all? And here’s cobbler’s work piled up which never gets done and which Brunswick is always asking for.” “Oh, well,” said K., “Barnabas has just to hang on till he gets a commission. That’s understandable, the place seems to be over-staffed, and everybody can’t be given a job every day, you needn’t complain about that, for it must affect everybody. But in the long run even a Barnabas gets commissions, he has brought two letters already to me.” “It’s possible, of course,” answered Olga, “that we’re wrong in complaining, especially a girl like me who knows things only from hearsay and can’t understand it all so well as Barnabas, who certainly keeps many things to himself. But let me tell you how the letters are given out, your letters, for example. Barnabas doesn’t get these letters directly from Klamm, but from a clerk. On no particular day, at no particular hour—that’s why the service, however easy it appears, is really very exhausting, for Barnabas must be always on the alert—a clerk suddenly remembers about him and gives him a sign, without any apparent instructions from Klamm, who merely goes on reading in his book. True, sometimes Klamm is polishing his glasses when Barnabas comes up, but he often does that anyhow—however, he may take a look at Barnabas then, supposing, that is, that he can see anything at all without his glasses, which Barnabas doubts; for Klamm’s eyes are almost shut, he generally seems to be sleeping and only polishing his glasses in a kind of dream. Meanwhile the clerk hunts among the piles of manuscripts and writings under his table and fishes out a letter for you, so it’s not a letter newly written, indeed, by the look of the envelope, it’s usually a very old letter, which has been lying there a long time. But if that is so, why do they keep Barnabas waiting like that? And you too? And the letter too, of course, for it must be long out of date. That’s how they get Barnabas the reputation of being a bad and slow messenger. It’s all very well for the clerk, he just gives Barnabas the letter, saying: ‘From Klamm for K.’ and so dismisses him. But Barnabas comes home breathless, with his hardly-won letter next to his bare skin, and then we sit here on the settle like this and he tells me about it and we go into all the particulars and weigh up what he has achieved and find ultimately that it’s very little, and questionable at that, until Barnabas lays the letter down with no longer any inclination to deliver it, yet doesn’t feel inclined to go to sleep either, and so sits cobbling on his stool all night. That’s how it is, K. and now you have all my secrets and you can’t be surprised any longer at Amalia’s indifference to them.” “And what happens to the letter?” asked K. “The letter?” said Olga, “oh, some time later when I’ve plagued Barnabas enough about it, it may be days or weeks later, he picks it up again and goes to deliver it. In such practical matters he’s very dependent on me. For I can usually pull myself together after I’ve recovered from the first impression of what he has told me, but he can’t, probably because he knows more. So I always find something or other to say to him, such as ‘What are you really aiming at, Barnabas? What kind of career, what ambition are you dreaming of? Are you thinking of climbing so high that you’ll have to leave us, to leave me, completely behind you? Is that what you’re aiming at? How can I help believing so when it’s the only possible explanation why you’re so dreadfully discontented with all you’ve done already? Only take a look round and see whether any of our neighbours has got on so well as you. I admit their situation is different from ours and they have no grounds for ambition beyond their daily work, but even without making comparisons it’s easy to see that you’re all right. Hindrances there may be, doubts and disappointments, but that only means, what we all knew beforehand, that you get nothing without paying for it, that you have to fight for every trivial point; all the more reason for being proud instead of downcast. And aren’t you fighting for us as well? Doesn’t that mean anything to you? Doesn’t that put new strength into you? And the fact that I’m happy and almost conceited at having such a brother, doesn’t that give you any confidence? It isn’t what you’ve achieved in the Castle that disappoints me, but the little that I’m able to achieve with you. You’re allowed into the Castle, you’re a regular visitor in the bureaux, you spend whole days in the same room as Klamm, you’re an officially recognised messenger, with a claim on an official suit, you’re entrusted with important commissions, you have all that to your credit, and then you come down here and instead of embracing me and weeping for joy you seem to lose all heart as soon as you set eyes on me, and you doubt everything, nothing interests you but cobbling, and you leave the letter, the pledge of our future, lying in a corner.’ That’s how I speak to him, and after I’ve repeated the same words day after day he picks up the letter at last with a sigh and goes off. Yet probably it’s not the effect of what I say that drives him out, but a desire to go to the Castle again, which he dare not do without having delivered his message.” “But you’re absolutely right in everything you say,” said K., “it’s amazing how well you grasp it all. What an extraordinarily clear mind you have!” “No,” said Olga, “it takes you in, and perhaps it takes him in too. For what has he really achieved? He’s allowed into a bureau, but it doesn’t seem to be even a bureau. He speaks to Klamm, but is it Klamm? Isn’t it rather someone who’s a little like Klamm? A secretary perhaps, at the most, who resembles Klamm a little and takes pains to increase the resemblance and poses a little in Klamm’s sleepy and dreamy style. That side of his nature is the easiest to imitate, there are many who try it on, although they have sense enough not to attempt anything more. And a man like Klamm who is so much sought after and so rarely seen is apt to take different shapes in people’s imagination. For instance Klamm has a village secretary here called Momus. You know him, do you? He keeps well in the background too, but I’ve seen him several times. A stoutly-built young man, isn’t he? And so evidently not in the least like Klamm. And yet you’ll find people in the village who swear that Momus is Klamm, he and no other. That’s how people work their own confusion. Is there any reason why it should be different in the Castle? Somebody pointed out that particular official to Barnabas as Klamm, and there is actually a resemblance that Barnabas has always questioned. And everything goes to support his doubt. Are we to suppose that Klamm has to squeeze his way among other officials in a common room with a pencil behind his ear? It’s wildly improbable. Barnabas often says, somewhat like a child and yet in a child’s mood of trustfulness: ‘The official is really very like Klamm, and if he were sitting in his own office at his own desk with his name on the door I would have no more doubt at all.’ That’s childish, but reasonable. Of course it would be still more reasonable of Barnabas when he’s up there to ask a few people about the truth of things, for judging from his account there are plenty of men standing round. And even if their information were no more reliable than that of the man who pointed out Klamm of his own accord, there would be surely some common ground, some ground for comparison, in the various things they said. That’s not my idea, but Barnabas’s, yet he doesn’t dare to follow it out, he doesn’t venture to speak to anybody for fear of offending in ignorance against some unknown rule and so losing his job; you see how uncertain he feels; and this miserable uncertainty of his throws a clearer light on his position there than all his descriptions. How ambiguous and threatening everything must appear to him when he won’t even risk opening his mouth to put an innocent question! When I reflect on that I blame myself for letting him go alone into those unknown rooms, which have such an effect on him that, though he’s daring rather than cowardly, he apparently trembles with fright as he stands there.”
“Here I think you’ve touched on the essential point,” said K. “That’s it. After all you’ve told me, I believe I can see the matter clearly. Barnabas is too young for this task. Nothing he tells you is to be taken seriously at its face value. Since he’s beside himself with fright up there, he’s incapable of observing, and when you force him to give an account of what he has seen, you get simply confused fabrications. That doesn’t surprise me. Fear of the authorities is born in you here, and is further suggested to you all your lives in the most various ways and from every side, and you yourselves help to strengthen it as much as possible. Still, I have no fundamental objection to that; if an authority is good why should it not be feared? Only one shouldn’t suddenly send an inexperienced youngster like Barnabas, who has never been further than this village, into the Castle, and then expect a truthful account of everything from him, and interpret each single word of his as if it were a revelation, and base one’s own life’s happiness on the interpretation. Nothing could be more mistaken. I admit that I have let him mislead me in exactly the same way and have set hopes upon him and suffered disappointments through him, both based simply on his own words, that is to say, with almost no basis.” Olga was silent. “It won’t be easy for me,” went on K., “to talk you out of your confidence in your brother, for I see how you love him and how much you expect from him. But I must do it, if only for the sake of that very love and expectation. For let me point out that there’s always something—I don’t know what it is—that hinders you from seeing clearly how much Barnabas has—I’ll not say achieved—but has had bestowed on him. He’s permitted to go into the bureaux, or if you prefer, into an antechamber, well let it be an antechamber, it has doors that lead on further, barriers which can be passed if one has the courage. To me, for instance, even this antechamber is utterly inaccessible, for the present at least. Who it is that Barnabas speaks to there I have no idea, perhaps the clerk is the lowest in the whole staff, but even if he is the lowest he can put one in touch with the next man above him, and if he can’t do that he can at least give the other’s name, and if he can’t even do that he can refer to somebody who can give the name. This so-called Klamm may not have the smallest trait in common with the real one, the resemblance may not exist except in the eyes of Barnabas, half-blinded by fear, he may be the meanest of the officials, he may not even be an official at all, but all the same he has work of some kind to perform at the desk, he reads something or other in his great book, he whispers something to the clerk, he thinks something when his eye falls on Barnabas once in a while, and even if that isn’t true and he and his acts have no significance whatever, he has at least been set there by somebody for some purpose. All that simply means that something is there, something which Barnabas has the chance of using, something or other at the very least; and that it is Barnabas’s own fault if he can’t get any further than doubt and anxiety and despair. And that’s only on the most unfavourable interpretation of things, which is extremely improbable. For we have the actual letters, which I certainly set no great store on, but more than on what Barnabas says. Let them be worthless old letters, fished at random from a pile of other such worthless old letters, at random and with no more discrimination than the lovebirds show in the fairs when they pick one’s fortune out of a pile; let them be all that, still they have some bearing on my fate. They’re evidently meant for me, although perhaps not for my good, and, as the Superintendent and his wife have testified, they are written in Klamm’s own hand, and, again on the Superintendent’s evidence, they have a significance which is only private and obscure, it is true, but still great.” “Did the Superintendent say that?” asked Olga. “Yes, he did,” replied K. “I must tell Barnabas that,” said Olga quickly, “that will encourage him greatly.” “But he doesn’t need encouragement,” said K. “to encourage him amounts to telling him that he’s right, that he has only to go on as he is doing now, but that is just the way he will never achieve anything by. If a man has his eyes bound you can encourage him as much as you like to stare through the bandage, but he’ll never see anything. He’ll be able to see only when the bandage is removed. It’s help Barnabas needs, not encouragement. Only think, up there you have all the inextricable complications of a great authority—I imagined that I had an approximate conception of its nature before I came here, but how childish my ideas were!—up there, then, you have the authorities and over against them Barnabas, nobody more, only Barnabas, pathetically alone, where it would be enough honour for him to spend his whole life cowering in a dark and forgotten corner of some bureau.” “Don’t imagine, K., that we underestimate the difficulties Barnabas has to face,” said Olga, “we have reverence enough for the authorities, you said so yourself.” “But it’s a mistaken reverence,” said K., “a reverence in the wrong place, the kind of reverence that dishonours its object. Do you call it reverence that leads Barnabas to abuse the privilege of admission to that room by spending his time there doing nothing, or makes him when he comes down again belittle and despise the men before whom he has just been trembling, or allows him because he’s depressed or weary to put off delivering letters and fail in executing commissions entrusted to him? That’s far from being reverence. But I have a further reproach to make, Olga; I must blame you too, I can’t exempt you. Although you fancy you have some reverence for the authorities you sent Barnabas into the Castle in all his youth and weakness and forlornness, or at least you didn’t dissuade him from going.”

> German: Durch alle die ungünstigen Neuigkeiten Olgas war K. zwar betroffen, doch sah er einen Ausgleich zum großen Teil darin, daß er hier Menschen fand, denen es wenigstens äußerlich sehr ähnlich ging wie ihm selbst, denen er sich also anschließen konnte, mit denen er sich in vielem verständigen konnte, nicht nur in manchem wie mit Frieda. Zwar verlor er allmählich die Hoffnung auf einen Erfolg der Barnabasschen Botschaften, aber je schlechter es Barnabas oben ging, desto näher kam er ihm hier unten, niemals hätte K. gedacht, daß aus dem Dorf selbst ein derart unglückliches Bestreben hervorgehen konnte, wie es das des Barnabas und seiner Schwester war. Es war freilich noch bei weitem nicht genug erklärt und konnte sich schließlich noch ins Gegenteil wenden, man mußte durch das gewisse unschuldige Wesen Olgas sich nicht gleich verführen lassen, auch an die Aufrichtigkeit des Barnabas zu glauben. „Die Berichte über Klamms Aussehen“, fuhr Olga fort, „kennt Barnabas sehr gut, hat viele gesammelt und verglichen, vielleicht zu viele, hat einmal selbst Klamm im Dorf durch ein Wagenfenster gesehen oder zu sehen geglaubt, war also genügend vorbereitet, ihn zu erkennen und hat doch, - wie erklärst du es dir? - als er im Schloß in eine Kanzlei kam und man ihm unter mehreren Beamten einen zeigte und sagte, daß dieser Klamm sei, ihn nicht erkannt und auch nachher noch lange sich nicht daran gewöhnen können, daß es Klamm sein sollte. Fragst du nun aber Barnabas, worin sich jener Klamm von der üblichen Vorstellung, die man von Klamm hat, unterscheidet, kann er nicht antworten, vielmehr er antwortet und beschreibt den Beamten im Schloß, aber die Beschreibung deckt sich genau mit der Beschreibung Klamms, wie wir sie kennen. Nun also Barnabas, sage ich, warum zweifelst du, warum quälst du dich? Worauf er dann in sichtlicher Bedrängnis Besonderheiten des Beamten im Schloß aufzuzählen beginnt, die er aber mehr zu erfinden, als zu berichten scheint, die aber außerdem so geringfügig sind - sie betreffen z. B. ein besonderes Nicken des Kopfes oder auch nur die aufgeknöpfte Weste - daß man sie unmöglich ernst nehmen kann. Noch wichtiger scheint mir die Art, wie Klamm mit Barnabas verkehrt. Barnabas hat es mir oft beschrieben, sogar gezeichnet. Gewöhnlich wird Barnabas in ein großes Kanzleizimmer geführt, aber es ist nicht Klamms Kanzlei, überhaupt nicht die Kanzlei eines einzelnen. Der Länge nach ist dieses Zimmer durch ein einziges, von Seitenwand zu Seitenwand reichendes Stehpult in zwei Teile geteilt, einem schmalen, wo einander zwei Personen nur knapp ausweichen können, das ist der Raum der Beamten, und einem breiten, das ist der Raum der Parteien, der Zuschauer, der Diener, der Boten. Auf dem Pult liegen aufgeschlagen große Bücher, eines neben dem andern, und bei den meisten stehen Beamte und lesen darin. Doch bleiben sie nicht immer beim gleichen Buch, tauschen aber nicht die Bücher, sondern die Plätze, am erstaunlichsten ist es Barnabas, wie sie sich bei solchem Plätzewechsel aneinander vorbeidrücken müssen, eben wegen der Enge des Raumes. Vorn eng am Stehpult sind niedrige Tischchen, an denen Schreiber sitzen, welche, wenn die Beamten es wünschen, nach ihrem Diktat schreiben. Immer wundert sich Barnabas, wie das geschieht. Es erfolgt kein ausdrücklicher Befehl des Beamten, auch wird nicht laut diktiert, man merkt kaum, daß diktiert wird, vielmehr scheint der Beamte zu lesen wie früher, nur daß er dabei auch noch flüstert und der Schreiber hört’s. Oft diktiert der Beamte so leise, daß der Schreiber es sitzend gar nicht hören kann, dann muß er immer aufspringen, das Diktierte auffangen, schnell sich setzen und es aufschreiben, dann wieder aufspringen usw. Wie merkwürdig das ist! Es ist fast unverständlich. Barnabas freilich hat genug Zeit, das alles zu beobachten, denn dort in dem Zuschauerraum steht er stunden- und manchmal tagelang, ehe Klamms Blick auf ihn fällt. Und auch wenn ihn Klamm schon gesehen hat und Barnabas sich in Habtacht-Stellung aufgerichtet, ist noch nichts entschieden, denn Klamm kann sich wieder von ihm dem Buch zuwenden und ihn vergessen. So geschieht es oft. Was ist es aber für ein Botendienst, der so unwichtig ist? Mir wird wehmütig, wenn Barnabas früh sagt, daß er ins Schloß geht. Dieser wahrscheinlich ganz unnütze Weg, dieser wahrscheinlich verlorene Tag, diese wahrscheinlich ganz vergebliche Hoffnung. Was soll das alles? Und hier ist Schusterarbeit aufgehäuft, die niemand macht und auf deren Ausführung Brunswick drängt.“ „Nun gut,“ sagte K., „Barnabas muß lange warten, ehe er einen Auftrag bekommt. Das ist verständlich, es scheint hier ja ein Übermaß von Angestellten zu sein, nicht jeder kann jeden Tag einen Auftrag bekommen, darüber müßt Ihr nicht klagen, das trifft wohl jeden. Schließlich aber bekommt doch wohl auch Barnabas Aufträge, mir selbst hat er schon zwei Briefe gebracht.“ „Es ist ja möglich,“ sagte Olga, „daß wir unrecht haben zu klagen, besonders ich, die alles nur vom Hörensagen kennt und es als Mädchen auch nicht so gut verstehen kann wie Barnabas, der ja auch noch manches zurückhält. Aber nun höre, wie es sich mit den Briefen verhält, mit den Briefen an dich z. B. Diese Briefe bekommt er nicht unmittelbar von Klamm, sondern vom Schreiber. An einem beliebigen Tage, zu beliebiger Stunde - deshalb ist auch der Dienst, so leicht er scheint, sehr ermüdend, denn Barnabas muß immerfort aufpassen - erinnert sich der Schreiber an ihn und winkt ihm. Klamm scheint das gar nicht veranlaßt zu haben, er liest ruhig in seinem Buch, manchmal allerdings, aber das tut er auch sonst öfters, pustet er gerade den Zwicker, wenn Barnabas kommt, und sieht ihn dabei vielleicht an, vorausgesetzt, daß er ohne Zwicker überhaupt sieht; Barnabas bezweifelt es, Klamm hat dann die Augen fast geschlossen, er scheint zu schlafen und nur im Traum den Zwicker zu putzen. Inzwischen sucht der Schreiber aus den vielen Akten und Briefschaften, die er unter dem Tisch hat, einen Brief für dich heraus, es ist also kein Brief, den er gerade geschrieben hat, vielmehr ist es dem Aussehen des Umschlages nach ein sehr alter Brief, der schon lange dort liegt. Wenn es aber ein alter Brief ist, warum hat man Barnabas so lange warten lassen? Und wohl auch dich? Und schließlich auch den Brief, denn er ist ja jetzt wohl schon veraltet. Und Barnabas bringt man dadurch in den Ruf, ein schlechter, langsamer Bote zu sein. Der Schreiber allerdings macht es sich leicht, gibt Barnabas den Brief, sagt: „Von Klamm für K.“ und damit ist Barnabas entlassen. Nun, und dann kommt Barnabas nach Hause, atemlos, den endlich ergatterten Brief unter dem Hemd am bloßen Leib und wir setzen uns dann hierher auf die Bank wie jetzt und er erzählt und wir untersuchen dann alles einzeln und schätzen ab, was er erreicht hat, und finden schließlich, daß es sehr wenig ist und das wenige fragwürdig und Barnabas legt den Brief weg und hat keine Lust, ihn zu bestellen, hat aber auch keine Lust schlafen zu gehen, nimmt die Schusterarbeit vor und versitzt dort auf dem Schemel die Nacht. So ist es, K., und das sind meine Geheimnisse und nun wunderst du dich wohl nicht mehr, daß Amalia auf sie verzichtet.“ „Und der Brief?“ fragte K. „Der Brief?“ sagte Olga, „nun nach einiger Zeit, wenn ich Barnabas genug gedrängt habe, es können Tage und Wochen inzwischen vergangen sein, nimmt er doch den Brief und geht, ihn zuzustellen. In solchen Äußerlichkeiten ist er doch sehr abhängig von mir. Ich kann mich nämlich, wenn ich den ersten Eindruck seiner Erzählung überwunden habe, dann auch wieder fassen, was er wahrscheinlich, weil er eben mehr weiß, nicht imstande ist. Und so kann ich ihm dann immer wieder etwas sagen: „Was willst du denn eigentlich, Barnabas? Von was für einer Laufbahn, was für einem Ziele träumst du? Willst du vielleicht so weit kommen, daß du uns, daß du mich gänzlich verlassen mußt? Ist das etwa dein Ziel? Muß ich das nicht glauben, da es ja sonst unverständlich wäre, warum du mit dem schon Erreichten so entsetzlich unzufrieden bist? Sieh dich doch um, ob jemand unter unseren Nachbarn schon so weit gekommen ist? Freilich, ihre Lage ist anders als die unsrige und sie haben keinen Grund über ihre Wirtschaft hinauszustreben, aber auch ohne zu vergleichen muß man doch einsehen, daß bei dir alles in bestem Gange ist. Hindernisse sind da, Fragwürdigkeiten, Enttäuschungen, aber das bedeutet doch nur, was wir schon vorher gewußt haben, daß dir nichts geschenkt wird, daß du dir vielmehr jede einzelne Kleinigkeit selbst erkämpfen mußt, ein Grund mehr, um stolz, nicht um niedergeschlagen zu sein. Und dann kämpfst du doch auch für uns? Bedeutet dir das gar nichts? Gibt dir das keine neue Kraft? Und daß ich glücklich und fast hochmütig bin, einen solchen Bruder zu haben, gibt dir das keine Sicherheit? Wahrhaftig, nicht in dem, was du im Schloß erreicht hast, aber in dem, was ich bei dir erreicht habe, enttäuschst du mich. Du darfst ins Schloß, bist ein ständiger Besucher der Kanzleien, verbringst ganze Tage im gleichen Raum mit Klamm, bist öffentlich anerkannter Bote, hast ein Amtskleid zu beanspruchen, bekommst wichtige Botschaften auszutragen, das alles bist du, das alles darfst du und kommst herunter, und statt daß wir uns weinend vor Glück in den Armen liegen, scheint dich bei meinem Anblick aller Mut zu verlassen, an allem zweifelst du, nur der Schusterleisten lockt dich und den Brief, diese Bürgschaft unserer Zukunft, läßt du liegen.“ So rede ich zu ihm und nachdem ich das tagelang wiederholt habe, nimmt er einmal seufzend den Brief und geht. Aber es ist wahrscheinlich gar nicht die Wirkung meiner Worte, sondern es treibt ihn nur wieder ins Schloß, und ohne den Auftrag ausgerichtet zu haben, würde er es nicht wagen, hinzugehen.“ „Aber du hast doch auch mit allem Recht, was du ihm sagst,“ sagte K., „bewunderungswürdig richtig hast du alles zusammengefaßt. Wie erstaunlich klar du denkst!“ „Nein,“ sagte Olga, „es täuscht dich und so täusche ich vielleicht auch ihn. Was hat er denn erreicht? In eine Kanzlei darf er eintreten, aber es scheint nicht einmal eine Kanzlei, eher ein Vorzimmer der Kanzleien, vielleicht nicht einmal das, vielleicht ein Zimmer, wo alle zurückgehalten werden sollen, die nicht in die wirklichen Kanzleien dürfen. Mit Klamm spricht er, aber ist es Klamm? Ist es nicht eher jemand, der Klamm ein wenig ähnlich ist? Ein Sekretär vielleicht, wenn’s hoch geht, der Klamm ein wenig ähnlich ist und sich anstrengt, ihm noch ähnlicher zu werden und sich dann wichtig macht, in Klamms verschlafener träumerischer Art. Dieser Teil seines Wesens ist am leichtesten nachzuahmen, daran versuchen sich manche, von seinem sonstigen Wesen freilich lassen sie wohlweislich die Finger. Und ein so oft ersehnter und so selten erreichter Mann, wie es Klamm ist, nimmt in der Vorstellung der Menschen leicht verschiedene Gestalten an. Klamm hat z. B. hier einen Dorfsekretär namens Momus. So? Du kennst ihn? Auch er hält sich sehr zurück, aber ich habe ihn doch schon einige Male gesehen. Ein junger starker Herr, nicht? Und sieht also Klamm wahrscheinlich gar nicht ähnlich. Und doch kannst du im Dorf Leute finden, die beschwören würden, daß Momus Klamm ist und kein anderer. So arbeiten die Leute an ihrer eigenen Verwirrung. Und muß es im Schloß anders sein? Jemand hat Barnabas gesagt, daß jener Beamte Klamm ist, und tatsächlich besteht eine Ähnlichkeit zwischen beiden, aber eine von Barnabas immerfort angezweifelte Ähnlichkeit. Und alles spricht für seine Zweifel. Klamm sollte hier in einem allgemeinen Raum, zwischen anderen Beamten, den Bleistift hinter dem Ohr, sich drängen müssen? Das ist doch höchst unwahrscheinlich. Barnabas pflegt, ein wenig kindlich, manchmal - dies ist aber schon eine zuversichtliche Laune - zu sagen: Der Beamte sieht ja Klamm sehr ähnlich, würde er in einer eigenen Kanzlei sitzen, am eigenen Schreibtisch, und wäre an der Tür sein Name - ich hätte keine Zweifel mehr. Das ist kindlich, aber doch auch verständlich. Noch viel verständiger allerdings wäre es, wenn Barnabas sich, wenn er oben ist, gleich bei mehreren Leuten erkundigen würde, wie sich die Dinge wirklich verhalten, es stehen doch seiner Angabe nach genug Leute in dem Zimmer herum. Und wären auch ihre Angaben nicht viel verläßlicher als die Angabe jenes, der ungefragt ihm Klamm gezeigt hat, es müßten sich doch zumindest aus ihrer Mannigfaltigkeit irgendwelche Anhaltspunkte, Vergleichspunkte ergeben. Es ist das nicht mein Einfall, sondern der Einfall des Barnabas, aber er wagt nicht ihn auszuführen, aus Furcht, er könnte durch irgendwelche ungewollte Verletzung unbekannter Vorschriften seine Stelle verlieren, wagt er niemanden anzusprechen; so unsicher fühlt er sich; diese doch eigentlich jämmerliche Unsicherheit beleuchtet mir seine Stellung schärfer als alle Beschreibungen. Wie zweifelhaft und drohend muß ihm dort alles erscheinen, wenn er nicht einmal zu einer unschuldigen Frage den Mund aufzutun wagt. Wenn ich das überlege, klage ich mich an, daß ich ihn allein in jenen unbekannten Räumen lasse, wo es derart zugeht, daß sogar er, der eher waghalsig als feig ist, dort vor Furcht wahrscheinlich zittert.“ „Hier glaube ich kommst du zu dem Entscheidenden“, sagte K. „Das ist es. Nach allem, was du erzählt hast, glaube ich jetzt klar zu sehen. Barnabas ist zu jung für diese Aufgabe. Nichts von dem, was er erzählt, kann man ohne weiteres ernst nehmen. Da er oben vor Furcht vergeht, kann er dort nicht beobachten, und zwingt man ihn hier dennoch zu berichten, erhält man verwirrte Märchen. Ich wundere mich nicht darüber. Die Ehrfurcht vor der Behörde ist euch hier eingeboren, wird euch weiter während des ganzen Lebens auf die verschiedensten Arten und von allen Seiten eingeflößt und ihr selbst helft dabei mit, wie ihr nur könnt. Doch sage ich im Grunde nichts dagegen, wenn eine Behörde gut ist, warum sollte man vor ihr nicht Ehrfurcht haben. Nur darf man dann nicht einen unbelehrten Jüngling wie Barnabas, der über den Umkreis des Dorfes nicht hinausgekommen ist, plötzlich ins Schloß schicken und dann wahrheitsgetreue Berichte von ihm verlangen wollen und jedes seiner Worte wie ein Offenbarungswort untersuchen und von der Deutung das eigene Lebensglück abhängig machen. Nichts kann verfehlter sein. Freilich habe auch ich nicht anders wie du mich von ihm beirren lassen, und sowohl Hoffnungen auf ihn gesetzt als Enttäuschungen durch ihn erlitten, die beide nur auf seinen Worten, also fast gar nicht begründet waren.“ Olga schwieg. „Es wird mir nicht leicht,“ sagte K., „dich in dem Vertrauen zu deinem Bruder zu beirren, da ich doch sehe, wie du ihn liebst und was du von ihm erwartest. Es muß aber geschehen und nicht zum wenigsten deiner Liebe und deiner Erwartungen wegen. Denn sieh, immer wieder hindert dich etwas - ich weiß nicht, was es ist - voll zu erkennen, was Barnabas nicht etwa erreicht hat, aber was ihm geschenkt worden ist. Er darf in die Kanzleien oder wenn du es so willst, in einen Vorraum, nun dann ist’s also ein Vorraum, aber es sind Türen da, die weiter führen, Barrieren, die man durchschreiten kann, wenn man das Geschick dazu hat. Mir z. B. ist dieser Vorraum, wenigstens vorläufig, völlig unzugänglich. Mit wem Barnabas dort spricht, weiß ich nicht, vielleicht ist jener Schreiber der niedrigste der Diener, aber auch wenn er der niedrigste ist, kann er zu dem nächst höheren führen, und wenn er nicht zu ihm führen kann, so kann er ihn doch wenigstens nennen, und wenn er ihn nicht nennen kann, so kann er doch auf jemanden verweisen, der ihn wird nennen können. Der angebliche Klamm mag mit dem wirklichen nicht das geringste gemeinsam haben, die Ähnlichkeit mag nur für die vor Aufregung blinden Augen des Barnabas bestehen, er mag der niedrigste der Beamten, er mag noch nicht einmal Beamter sein, aber irgendeine Aufgabe hat er doch bei jenem Pult, irgend etwas liest er in seinem großen Buch, irgend etwas flüstert er dem Schreiber zu, irgend etwas denkt er, wenn einmal in langer Zeit sein Blick auf Barnabas fällt, und selbst wenn das alles nicht wahr ist und er und seine Handlungen gar nichts bedeuten, so hat ihn doch jemand dort hingestellt und hat dies mit irgendeiner Absicht getan. Mit dem allen will ich sagen, daß irgend etwas da ist, irgend etwas dem Barnabas angeboten wird, wenigstens irgend etwas, und daß es nur die Schuld des Barnabas ist, wenn er damit nichts anderes erreichen kann als Zweifel, Angst und Hoffnungslosigkeit. Und dabei bin ich ja immer noch von dem ungünstigsten Fall ausgegangen, der sogar sehr unwahrscheinlich ist. Denn wir haben ja die Briefe in der Hand, denen ich zwar nicht viel traue, aber viel mehr als Barnabas’ Worten. Mögen es auch alte wertlose Briefe sein, die wahllos aus einem Haufen genau so wertloser Briefe hervorgezogen wurden, wahllos und mit nicht mehr Verstand, als die Kanarienvögel auf den Jahrmärkten aufwenden, um das Lebenslos eines Beliebigen aus einem Haufen herauszupicken, mag das so sein, so haben diese Briefe doch wenigstens irgendeinen Bezug auf meine Absicht. Sichtlich sind sie für mich, wenn auch vielleicht nicht für meinen Nutzen bestimmt, und wie der Gemeindevorsteher und seine Frau bezeugt haben, von Klamm eigenhändig gefertigt und haben, wiederum nach dem Gemeindevorsteher, zwar nur eine private und wenig durchsichtige, aber doch eine große Bedeutung.“ „Sagte das der Gemeindevorsteher?“ fragte Olga. „Ja, das sagte er“, antwortete K. „Ich werde es Barnabas erzählen,“ sagte Olga schnell, „das wird ihn sehr aufmuntern.“ „Er braucht aber nicht Aufmunterung,“ sagte K., „ihn aufmuntern, bedeutet ihm zu sagen, daß er recht hat, daß er nur in seiner bisherigen Art fortfahren soll, aber eben auf diese Art wird er niemals etwas erreichen. Du kannst jemanden, der die Augen verbunden hat, noch so sehr aufmuntern, durch das Tuch zu starren, er wird doch niemals etwas sehen. Erst wenn man ihm das Tuch abnimmt, kann er sehen. Hilfe braucht Barnabas, nicht Aufmunterung. Bedenke doch nur, dort oben ist die Behörde in ihrer unentwirrbaren Größe - ich glaubte annähernde Vorstellungen von ihr zu haben, ehe ich hierher kam, wie kindlich war das alles - dort also, ist die Behörde und ihr tritt Barnabas entgegen, niemand sonst, nur er, erbarmungswürdig allein, zu viel Ehre noch für ihn, wenn er nicht ein Leben lang verschollen in einen dunklen Winkel der Kanzleien geduckt bleibt.“ „Glaube nicht, K.,“ sagte Olga, „daß wir die Schwere der Aufgabe, die Barnabas übernommen hat, unterschätzen. An Ehrfurcht vor der Behörde fehlt es uns ja nicht, das hast du selbst gesagt.“ „Aber es ist irregeleitete Ehrfurcht“, sagte K. „Ehrfurcht am unrechten Ort, solche Ehrfurcht entwürdigt ihren Gegenstand. Ist es noch Ehrfurcht zu nennen, wenn Barnabas das Geschenk des Eintritts in jenen Raum dazu mißbraucht, um untätig dort die Tage zu verbringen, oder wenn er herabkommt und diejenigen, vor denen er eben gezittert hat, verdächtigt und verkleinert, oder wenn er aus Verzweiflung oder Müdigkeit Briefe nicht gleich austrägt, und ihm anvertraute Botschaften nicht gleich ausrichtet? Das ist doch wohl keine Ehrfurcht mehr. Aber der Vorwurf geht noch weiter, geht auch gegen dich, Olga, ich kann dir ihn nicht ersparen. Du hast Barnabas, trotzdem du Ehrfurcht vor der Behörde zu haben glaubst, in aller seiner Jugend und Schwäche und Verlassenheit ins Schloß geschickt oder wenigstens nicht zurückgehalten.“

[¶2] “This reproach that you make,” said Olga, “is one I have made myself from the beginning. Not indeed that I sent Barnabas to the Castle, I didn’t send him, he went himself, but I ought to have prevented him by all the means in my power, by force, by craft, by persuasion. I ought to have prevented him, but if I had to decide again this very day, and if I were to feel as keenly as I did then and still do the straits Barnabas is in, and our whole family, and if Barnabas, fully conscious of the responsibility and danger ahead of him, were once more to free himself from me with a smile and set off, I wouldn’t hold him back even today, in spite of all that has happened in between, and I believe that in my place you would do exactly the same. You don’t know the plight we are in, that’s why you’re unfair to all of us, and especially to Barnabas. At that time we had more hope than now, but even then our hope wasn’t great, but our plight was great, and is so still. Hasn’t Frieda told you anything about us?” “Mere hints,” said K., “nothing definite, but the very mention of your name exasperates her.” “And has the landlady told you nothing either?” “No, nothing.” “Nor anybody else?” “Nobody.” “Of course; how could anybody tell you anything? Everyone knows something about us, either the truth, so far as it is accessible, or at least some exaggerated rumour, mostly invention, and everybody thinks about us more than need be, but nobody will actually speak about it, people are shy of putting these things into words. And they’re quite right in that. It’s difficult to speak of it even before you, K., and when you’ve heard it all it’s possible—isn’t it?—that you’ll go away and not want to have anything more to do with us, however little it may seem to concern you. Then we should have lost you, and I confess that now you mean almost more to me than Barnabas’s service in the Castle. But yet—and this argument has been distracting me all the evening—you must be told, otherwise you would have no insight into our situation, and, what would vex me most of all, you would go on being unfair to Barnabas. Complete accord would fail between us, and you could neither help us, nor accept our additional help. But there is still one more question: Do you really want to be told?” “Why do you ask?” said K., “if it’s necessary, I would rather be told, but why do you ask me so particularly?” “Superstition,” said Olga. “You’ll become involved in our affairs, innocent as you are, almost as innocent as Barnabas.” “Tell me quickly,” said K., “I’m not afraid. You’re certainly making it much worse than it is with such womanish fussing.”

> German: „Den Vorwurf, den du mir machst,“ sagte Olga, „mache ich mir auch, seit jeher schon. Allerdings nicht, daß ich Barnabas ins Schloß geschickt habe, ist mir vorzuwerfen, ich habe ihn nicht geschickt, er ist selbst gegangen, aber ich hätte ihn wohl mit allen Mitteln, mit Gewalt, mit List, mit Überredung zurückhalten sollen. Ich hätte ihn zurückhalten sollen, aber wenn heute jener Tag, jener Entscheidungstag wäre und ich die Not des Barnabas und die Not unserer Familie so fühlen würde wie damals und heute und wenn Barnabas wieder, aller Verantwortung und Gefahr deutlich sich bewußt, lächelnd und sanft sich von mir losmachen würde, um zu gehen, ich würde ihn auch heute nicht zurückhalten, trotz aller Erfahrungen der Zwischenzeit und ich glaube, auch du an meiner Stelle könntest nicht anders. Du kennst nicht unsere Not, deshalb tust du uns, vor allem aber Barnabas, unrecht. Wir hatten damals mehr Hoffnung als heute, aber groß war unsere Hoffnung auch damals nicht, groß war nur unsere Not und ist es geblieben. Hat dir denn Frieda nichts über uns erzählt?“ „Nur Andeutungen,“ sagte K., „nichts Bestimmtes, aber schon euer Name erregt sie.“ „Und auch die Wirtin hat nichts erzählt?“ „Nein, nichts.“ „Und auch sonst niemand?“ „Niemand.“ „Natürlich, wie könnte jemand etwas erzählen. Jeder weiß etwas über uns, entweder die Wahrheit, soweit sie den Leuten zugänglich ist, oder wenigstens irgendein übernommenes oder meist selbst erfundenes Gerücht, und jeder denkt an uns mehr als nötig ist, aber geradezu erzählen wird es niemand, diese Dinge in den Mund zu nehmen scheuen sie sich. Und sie haben recht darin. Es ist schwer, es hervorzubringen, selbst dir gegenüber, K., und ist es denn nicht auch möglich, daß du, wenn du es angehört hast, weggehst und nichts mehr von uns wirst wissen wollen, so wenig es dich auch zu betreffen scheint. Dann haben wir dich verloren, der du mir jetzt, ich gestehe es, fast mehr bedeutest als der bisherige Schloßdienst des Barnabas. Und doch - dieser Widerspruch quält mich schon den ganzen Abend - mußt du es erfahren, denn sonst bekommst du keinen Überblick über unsere Lage, bleibst, was mich besonders schmerzen würde, ungerecht zu Barnabas. Die notwendige völlige Einigkeit würde uns fehlen und du könntest weder uns helfen, noch unsere Hilfe, die außerordentliche, annehmen. Aber es bleibt noch eine Frage: Willst du es denn überhaupt wissen?“ „Warum fragst du das?“ sagte K., „wenn es notwendig ist, will ich es wissen, aber warum fragst du so?“ „Aus Aberglauben“, sagte Olga. „Du wirst hineingezogen sein in unsere Dinge, unschuldig, nicht viel schuldiger als Barnabas.“ „Erzähle schnell,“ sagte K., „ich fürchte mich nicht. Du machst es auch durch Weiberängstlichkeit schlimmer, als es ist.“

[¶3] “Judge for yourself,” said Olga, “I warn you it sounds quite simple, one can’t comprehend at first why it should be of any importance. There’s a great official in the Castle called Sortini.” “I’ve heard of him already,” said K., “he had something to do with bringing me here.” “I don’t think so,” said Olga, “Sortini hardly ever comes into the open. Aren’t you mistaking him for Sordini, spelt with a d?” “You’re quite right,” said K., “Sordini it was.” “Yes,” said Olga, “Sordini is well-known, one of the most industrious of the officials, he’s often mentioned; Sortini on the other hand is very retiring and quite unknown to most people. More than three years ago I saw him for the first and last time. It was on the third of July at a celebration given by the Fire Brigade, the Castle too had contributed to it and provided a new fire-engine. Sortini, who was supposed to have some hand in directing the affairs of the Fire Brigade, but perhaps he was only deputising for someone else—the officials mostly hide behind each other like that, and so it’s difficult to discover what any official is actually responsible for—Sortini took part in the ceremony of handing over the fire-engine. There were of course many other people from the Castle, officials and attendants, and true to his character Sortini kept well in the background. He’s a small, frail, reflective-looking gentleman, and one thing about him struck all the people who noticed him at all, the way his forehead was furrowed; all the furrows—and there were plenty of them although he’s certainly not more than forty—were spread fanwise over his forehead, running towards the root of his nose, I’ve never seen anything like it. Well then, we had that celebration. Amalia and I had been excited about it for weeks beforehand, our Sunday clothes had been done up for the occasion and were partly new, Amalia’s dress was specially fine, a white blouse foaming high in front with one row of lace after the other, our mother had taken every bit of her lace for it. I was jealous, and cried half the night before the celebration. Only when the Bridge Inn landlady came to see us in the morning—” “The Bridge Inn landlady?” asked K. “Yes,” said Olga, “she was a great friend of ours, well, she came and had to admit that Amalia was the finer, so to console me she lent me her own necklace of Bohemian garnets. When we were ready to go and Amalia was standing beside me and we were all admiring her, my father said: ‘Today, mark my words, Amalia will find a husband’; then, I don’t know why, I took my necklace, my great pride, and hung it round Amalia’s neck, and wasn’t jealous any longer. I bowed before her triumph and I felt that everyone must bow before her, perhaps what amazed us so much was the difference in her appearance, for she wasn’t really beautiful, but her sombre glance, and it has kept the same quality since that day, was high over our heads and involuntarily one had almost literally to bow before her. Everybody remarked on it, even Lasemann and his wife who came to fetch us.” “Lasemann?” asked K. “Yes, Lasemann,” said Olga, “we were in high esteem, and the celebration couldn’t well have begun without us, for my father was the third in command of the Fire Brigade.” “Was your father still so active?” asked K. “Father?” returned Olga, as if she did not quite comprehend, “three years ago he was still relatively a young man, for instance when a fire broke out at the Herrenhof he carried an official, Galater, who is a heavy man, out of the house on his back at a run. I was there myself, there was no real danger, it was only some dry wood near a stove which had begun to smoke, but Galater was terrified and cried for help out of the window, and the Fire Brigade turned out, and father had to carry him out although the fire was already extinguished. Of course Galater finds it difficult to move and has to be careful in circumstances like that. I’m telling you this only on father’s account; not much more than three years have passed since then, and look at him now.” Only then did K. become aware that Amalia was again in the room, but she was a long way off at the table where her parents sat, she was feeding her mother who could not move her rheumaticky arms, and admonishing her father meanwhile to wait in patience for a little, it would soon be his turn. But her admonition was in vain, for her father, greedily desiring his soup, overcame his weakness and tried to drink it first out of the spoon and then out of the bowl, and grumbled angrily when neither attempt succeeded; the spoon was empty long before he got it to his lips, and his mouth never reached the soup, for his drooping moustache dipped into it and scattered it everywhere except into his mouth. “And have three years done that to him?” asked K., yet he could not summon up any sympathy for the old people, and for that whole corner with the table in it he felt only repulsion. “Three years,” replied Olga slowly, “or, more precisely, a few hours at that celebration. The celebration was held on a meadow by the village, at the brook; there was already a large crowd there when we arrived, many people had come in from neighbouring villages, and the noise was bewildering. Of course my father took us first to look at the fire-engine, he laughed with delight when he saw it, the new fire-engine made him happy, he began to examine it and explain it to us, he wouldn’t hear of any opposition or holding back, but made every one of us stoop and almost crawl under the engine if there was something there he had to show us, and he smacked Barnabas for refusing. Only Amalia paid no attention to the engine, she stood upright beside it in her fine clothes and nobody dared to say a word to her, I ran up to her sometimes and took her arm, but she said nothing. Even today I cannot explain how we came to stand for so long in front of the fire-engine without noticing Sortini until the very moment my father turned away, for he had obviously been leaning on a wheel behind the fire-engine all the time. Of course there was a terrific racket all round us, not only the usual kind of noise, for the Castle had presented the Fire Brigade with some trumpets as well as the engine, extraordinary instruments on which with the smallest effort—a child could do it—one could produce the wildest blasts; to hear them was enough to make one think the Turks were there, and one could not get accustomed to them, every fresh blast made one jump. And because the trumpets were new everybody wanted to try them, and because it was a celebration, everybody was allowed to try. Right at our ears, perhaps Amalia had attracted them, were some of these trumpet blowers. It was difficult to keep one’s wits about one, and obeying father and attending to the fire-engine was the utmost we were capable of, and so it was that Sortini escaped our notice for such a long time, and besides we had no idea who he was. ‘There is Sortini,’ Lasemann whispered at last to my father—I was beside him—and father, greatly excited, made a deep bow, and signed to us to do the same. Without having met him till now father had always honoured Sortini as an authority in Fire Brigade matters, and had often spoken of him at home, so it was a very astonishing and important matter for us actually to see Sortini with our own eyes. Sortini however paid no attention to us, and in that he wasn’t peculiar, for most of the officials hold themselves aloof in public, besides he was tired, only his official duty kept him there. It’s not the worst officials who find duties like that particularly trying, and anyhow there were other officials and attendants mingling with the people. But he stayed by the fire-engine and discouraged by his silence all those who tried to approach him with some request or piece of flattery. So it happened that he didn’t notice us until long after we had noticed him. Only as we bowed respectfully and father was making apologies for us did he look our way and scan us one after another wearily, as if sighing to find that there was still another and another to look at, until he let his eyes rest on Amalia, to whom he had to look up, for she was much taller than he. At the sight of her he started and leapt over the shaft to get nearer to her, we misunderstood him at first and began to approach him, father leading the way, but he held us off with uplifted hand and then waved us away. That was all. We teased Amalia a lot about having really found a husband, and in our ignorance we were very merry the whole of that afternoon. But Amalia was more silent than usual ‘She’s fallen head over ears in love with Sortini,’ said Brunswick, who is always rather vulgar and has no comprehension of natures like Amalia’s. Yet this time we were inclined to think that he was right, we were quite mad that day, and all of us, even Amalia, were as if stupefied by the sweet Castle wine when we came home about midnight.” “And Sortini?” asked K. “Yes, Sortini,” said Olga, “I saw him several times during the afternoon as I passed by, he was sitting on the engine shaft with his arms folded, and he stayed there till the Castle carriage came to fetch him. He didn’t even go over to watch the fire-drill at which father, in the very hope that Sortini was watching, distinguished himself beyond all the other men of his age.” “And did you hear nothing more from him?” asked K. “You seem to have a great regard for Sortini.” “Oh yes, regard,” said Olga, “oh yes, and hear from him we certainly did. Next morning we were roused from our heavy sleep by a scream from Amalia; the others rolled back into their beds again, but I was completely awake and ran to her. She was standing by the window holding a letter in her hand which had just been given in through the window by a man who was still waiting for an answer. The letter was short, and Amalia had already read it, and held it in her drooping hand; how I always loved her when she was tired like that! I knelt down beside her and read the letter. Hardly had I finished it when Amalia after a brief glance at me took it back, but she couldn’t bring herself to read it again, and tearing it in pieces she threw the fragments in the face of the man outside and shut the window. That was the morning which decided our fate. I say ‘decided,’ but every minute of the previous afternoon was just as decisive.” “And what was in the letter?” asked K. “Yes, I haven’t told you that yet,” said Olga, “the letter was from Sortini addressed to the girl with the garnet necklace. I can’t repeat the contents. It was a summons to come to him at the Herrenhof, and to come at once, for in half an hour he was due to leave. The letter was couched in the vilest language, such as I had never heard, and I could only half guess its meaning from the context. Anyone who didn’t know Amalia and saw this letter must have considered a girl who could be written to like that as dishonoured, even if she had never had a finger laid on her. And it wasn’t a love letter, there wasn’t a tender word in it, on the contrary Sortini was obviously enraged because the sight of Amalia had disturbed him and distracted him in his work. Later on we pieced it all together for ourselves; evidently Sortini had intended to go straight to the Castle that evening, but on Amalia’s account had stayed in the village instead, and in the morning, being very angry because even overnight he hadn’t succeeded in forgetting her, had written the letter. One couldn’t but be furious on first reading a letter like that, even the most cold-blooded person might have been, but though with anybody else fear at its threatening tone would soon have got the upper hand, Amalia only felt anger, fear she doesn’t know, neither for herself nor for others. And while I crept into bed again repeating to myself the closing sentence, which broke off in the middle, ‘See that you come at once, or else—!’ Amalia remained on the window-seat looking out, as if she was expecting further messengers and were prepared to treat them all as she had done the first.” “So that’s what the officials are like,” said K. reluctantly, “that’s the kind of type one finds among them. What did your father do? I hope he protested energetically in the proper quarter, if he didn’t prefer a shorter and quicker way of doing it at the Herrenhof. The worst thing about the story isn’t the insult to Amalia, that could easily have been made good, I don’t know why you lay such exaggerated stress upon it; why should such a letter from Sortini shame Amalia forever?—which is what one would gather from your story, but that’s a sheer impossibility, it would have been easy to make up for it to Amalia, and in a few days the whole thing might have blown over, it was himself that Sortini shamed, and not Amalia. It’s Sortini that horrifies me, the possibility of such an abuse of power. The very thing that failed this one time because it came naked and undisguised and found an effective opponent in Amalia, might very well succeed completely on a thousand other occasions in circumstances just a little less favourable, and might defy detection even by its victim.” “Hush,” said Olga, “Amalia’s looking this way.” Amalia had finished giving food to her parents and was now busy taking off her mother’s clothes. She had just undone the skirt, hung her mother’s arms round her neck, lifted her a little, while she drew the skirt off, and now gently set her down again. Her father, still affronted because his wife was being attended to first, which obviously only happened because she was even more helpless than he, was attempting to undress himself; perhaps, too, it was a reproach to his daughter for her imagined slowness; yet although he began with the easiest and least necessary thing, the removal of the enormous slippers in which his feet were loosely stuck, he could not get them pulled off at all, and wheezing hoarsely was forced to give up trying, and leaned back stiffly in his chair again. “But you don’t realise the really decisive thing,” said Olga, “you may be right in all you say, but the decisive thing was Amalia’s not going to the Herrenhof; her treatment of the messenger might have been excused, it could have been passed over; but it was because she didn’t go that the curse was laid upon our family, and that turned her treatment of the messenger into an unpardonable offence, yes, it was even brought forward openly later as the chief offence.” “What!” cried K. at once, lowering his voice again, as Olga raised her hands imploringly, “do you, her sister, actually say that Amalia should have run to the Herrenhof after Sortini?” “No,” said Olga, “Heaven preserve me from such a suspicion, how can you believe that? I don’t know anybody who’s so right as Amalia in everything she does. If she had gone to the Herrenhof I should of course have upheld her just the same; but her not going was heroic. As for me, I confess it frankly, had I received a letter like that I should have gone. I shouldn’t have been able to endure the fear of what might happen, only Amalia could have done that. For there were many ways of getting round it, another girl, for instance, might have decked herself up and wasted some time in doing it and then gone to the Herrenhof only to find that Sortini had left, perhaps to find that he had left immediately after sending the messenger, which is very probable, for the moods of the gentlemen are fleeting. But Amalia neither did that nor anything else, she was too deeply insulted, and answered without reserve. If she had only made some pretence of compliance, if she had but crossed the threshold of the Herrenhof at the right moment, our punishment could have been turned aside, we have very clever advocates here who can make a great deal out of a mere nothing, but in this case they hadn’t even the mere nothing to go on, there was, on the contrary, the disrespect to Sortini’s letter and the insult to his messenger.” “But what is all this about punishment and advocates?” said K. “Surely Amalia couldn’t be accused or punished because of Sortini’s criminal proceedings?” “Yes,” said Olga, “she could, not in a regular suit at law, of course; and she wasn’t punished directly, but she was punished all right in other ways, she and our whole family, and how heavy the punishment has been you are surely beginning to understand. In your opinion it’s unjust and monstrous, but you’re the only one in the village of that opinion, it’s an opinion favourable to us, and ought to comfort us, and it would do that if it weren’t so obviously based on error. I can easily prove that, and you must forgive me if I mention Frieda by the way, but between Frieda and Klamm, leaving aside the final outcome of the two affairs, the first preliminaries were much the same as between Amalia and Sortini, and yet, although that might have shocked you at the beginning, you accept it now as quite natural. And that’s not merely because you’re accustomed to it, custom alone couldn’t blunt one’s plain judgment, it’s simply that you’ve freed yourself from prejudice.” “No, Olga,” said K., “I don’t see why you drag in Frieda, her case wasn’t the same, don’t confuse two such different things, and now go on with your story.” “Please don’t be offended,” said Olga, “if I persist in the comparison, it’s a lingering trace of prejudice on your part, even in regard to Frieda, that makes you feel you must defend her from a comparison. She’s not to be defended, but only to be praised. In comparing the two cases I don’t say they’re exactly alike, they stand in the same relation as black to white, and the white is Frieda. The worst thing one can do to Frieda is to laugh at her, as I did in the bar very rudely—and I was sorry for it later—but even if one laughs it’s out of envy or malice, at any rate one can laugh. On the other hand, unless one is related to her by blood, one can only despise Amalia. Therefore the two cases are quite different, as you say, but yet they are alike.” “They’re not at all alike,” said K. and he shook his head stubbornly, “leave Frieda out of it, Frieda got no such fine letter as that of Sortini’s, and Frieda was really in love with Klamm, and, if you doubt that, you need only ask her, she loves him still.” “But is that really a difference?” asked Olga. “Do you imagine Klamm couldn’t have written to Frieda in the same tone? That’s what the gentlemen are like when they rise from their desks, they feel out of place in the ordinary world and in their distraction they say the most beastly things, not all of them, but many of them. The letter to Amalia may have been the thought of a moment, thrown on the paper in complete disregard for the meaning to be taken out of it. What do we know of the thoughts of these gentlemen? Haven’t you heard of, or heard yourself, the tone in which Klamm spoke to Frieda? Klamm’s notorious for his rudeness, he can apparently sit dumb for hours and then suddenly bring out something so brutal that it makes one shiver. Nothing of that kind is known of Sortini, but then very little is known of him. All that’s really known about him is that his name is like Sordini’s. If it weren’t for that resemblance between the two names probably he wouldn’t be known at all. Even as the Fire Brigade authority apparently he’s confused with Sordini, who is the real authority, and who exploits the resemblance in name to push things on to Sortini’s shoulders, especially any duties falling on him as a deputy, so that he can be left undisturbed to his work. Now when a man so unused to society as Sortini is, suddenly finds himself in love with a village girl, he’ll naturally take it quite differently from, say, the joiner’s apprentice next door. And one must remember, too, that between an official and a village cobbler’s daughter there’s a great gulf fixed which has to be somehow bridged over, and Sortini tried to do it in that way, where someone else might have acted differently. Of course we’re all supposed to belong to the Castle, and there’s supposed to be no gulf between us, and nothing to be bridged over, and that may be true enough on ordinary occasions, but we’ve had grim evidence that it’s not true when anything really important crops up. At any rate, all that should make Sortini’s methods more comprehensible to you, and less monstrous; compared with Klamm’s they’re comparatively reasonable, and even for those intimately affected by them much more endurable. When Klamm writes a loving letter it’s much more exasperating than the most brutal letter of Sortini’s. Don’t mistake me, I’m not venturing to criticise Klamm, I’m only comparing the two, because you’re shutting your eyes to the comparison. Klamm’s a kind of tyrant over women, he orders first one and then another to come to him, puts up with none of them for long, and orders them to go just as he ordered them to come. Oh, Klamm wouldn’t even give himself the trouble of writing a letter first. And in comparison with that is it so monstrous that Sortini, who’s so retiring, and whose relations with women are at least unknown, should condescend for once to write in his beautiful official hand a letter, however abominable? And if there’s no distinction here in Klamm’s favour, but the reverse, how can Frieda’s love for him establish one? The relation existing between the women and the officials, believe me, is very difficult, or rather very easy to determine. Love always enters into it. There’s no such thing as an official’s unhappy love affair. So in that respect it’s no praise to say of a girl—I’m referring to many others besides Frieda—that she gave herself to an official only out of love. She loved him and gave herself to him, that was all, there’s nothing praiseworthy in that. But you’ll object that Amalia didn’t love Sortini. Well, perhaps she didn’t love him, but then after all perhaps she did love him, who can decide? Not even she herself. How can she fancy she didn’t love him, when she rejected him so violently, as no official has ever been rejected? Barnabas says that even yet she sometimes trembles with the violence of the effort of closing the window three years ago. That is true, and therefore one can’t ask her anything; she has finished with Sortini, and that’s all she knows; whether she loves him or not she does not know. But we do know that women can’t help loving the officials once they give them any encouragement, yes, they even love them beforehand, let them deny it as much as they like, and Sortini not only gave Amalia encouragement, but leapt over the shaft when he saw her; although his legs were stiff from sitting at desks he leapt right over the shaft. But Amalia’s an exception, you will say. Yes, that she is, that she has proved in refusing to go to Sortini, that’s exception enough, but if in addition she weren’t in love with Sortini, she would be too exceptional for plain human understanding. On that afternoon, I grant you, we were smitten with blindness, but the fact that in spite of our mental confusion we thought we noticed signs of Amalia’s being in love, showed at least some remnants of sense. But when all that’s taken into account, what difference is left between Frieda and Amalia? One thing only, that Frieda did what Amalia refused to do.” “Maybe,” said K., “but for me the main difference is that I’m engaged to Frieda, and only interested in Amalia because she’s a sister of Barnabas’s, the Castle messenger, and because her destiny may be bound up with his duties. If she had suffered such a crying injustice at the hands of an official as your tale seemed to infer at the beginning, I should have taken the matter up seriously, but more from a sense of public duty than from any personal sympathy with Amalia. But what you say has changed the aspect of the situation for me in a way I don’t quite understand, but am prepared to accept, since it’s you who tell me, and therefore I want to drop the whole affair, I’m no member of the Fire Brigade, Sortini means nothing to me. But Frieda means something to me, I have trusted her completely and want to go on trusting her, and it surprises me that you go out of your way, while discussing Amalia, to attack Frieda and try to shake my confidence in her. I’m not assuming that you’re doing it with deliberate intent, far less with malicious intent, for in that case I should have left long ago. You’re not doing it deliberately, you’re betrayed into it by circumstances, impelled by your love for Amalia you want to exalt her above all other women, and since you can’t find enough virtue in Amalia herself you help yourself out by belittling the others. Amalia’s act was remarkable enough, but the more you say about it the less clearly can it be decided whether it was noble or petty, clever or foolish, heroic or cowardly; Amalia keeps her motives locked in her own bosom and no one will ever get at them. Frieda, on the other hand, has done nothing at all remarkable, she has only followed her own heart, for anyone who looks at her actions with goodwill that is clear, it can be substantiated, it leaves no room for slander. However, I don’t want either to belittle Amalia or to defend Frieda, all I want is to let you see what my relation is to Frieda, and that every attack on Frieda is an attack on myself. I came here of my own accord, and of my own accord I have settled here, but all that has happened to me since I came, and, above all, any prospects I may have—dark as they are, they still exist—I owe entirely to Frieda, and you can’t argue that away. True, I was engaged to come here as a Land Surveyor, yet that was only a pretext, they were playing with me, I was driven out of everybody’s house, they’re playing with me still today; but how much more complicated the game is now that I have, so to speak, a larger circumference—which means something, it may not be much—yet I have already a home, a position and real work to do, I have a promised wife who takes her share of my professional duties when I have other business, I’m going to marry her and become a member of the community, and besides my official connection I have also a personal connection with Klamm, although as yet I haven’t been able to make use of it. That’s surely quite a lot? And when I come to you, why do you make me welcome? Why do you confide the history of your family to me? Why do you hope that I might possibly help you? Certainly not because I’m the Land Surveyor whom Lasemann and Brunswick, for instance, turned out of their house a week ago, but because I’m a man with some power at my back. But that I owe to Frieda, to Frieda who is so modest that if you were to ask her about it, she wouldn’t know it existed. And so, considering all this, it seems that Frieda in her innocence has achieved more than Amalia in all her pride, for may I say that I have the impression that you’re seeking help for Amalia. And from whom? In the last resort from no one else but Frieda.” “Did I really speak so abominably of Frieda?” asked Olga, “I certainly didn’t mean to, and I don’t think I did, still, it’s possible; we’re in a bad way, our whole world is in ruins, and once we begin to complain we’re carried further than we realise. You’re quite right, there’s a big difference now between us and Frieda, and it’s a good thing to emphasise it once in a while. Three years ago we were respectable girls and Frieda an outcast, a servant in the Bridge Inn, we used to walk past her without looking at her, I admit we were too arrogant, but that’s how we were brought up. But that evening in the Herrenhof probably enlightened you about our respective positions today. Frieda with the whip in her hand, and I among the crowd of servants. But it’s worse even than that! Frieda may despise us, her position entitles her to do so, actual circumstances compel it. But who is there who doesn’t despise us? Whoever decides to despise us will find himself in good company. Do you know Frieda’s successor? Pepi, she’s called. I met her for the first time the night before last, she used to be a chamber maid. She certainly outdoes Frieda in her contempt for me. She saw me through the window as I was coming for beer, and ran to the door and locked it, so that I had to beg and pray for a long time and promise her the ribbon from my hair before she would let me in. But when I gave it to her she threw it into a corner. Well, I can’t help it if she despises me, I’m partly dependent on her goodwill, and she’s the barmaid in the Herrenhof. Only for the time being, it’s true, for she certainly hasn’t the qualities needed for permanent employment there. One only has to overhear how the landlord speaks to Pepi and compare it with his tone to Frieda. But that doesn’t hinder Pepi from despising even Amalia, Amalia, whose glance alone would be enough to drive Pepi with all her plaits and ribbons out of the room much faster than her own fat legs would ever carry her. I had to listen again yesterday to her infuriating slanders against Amalia until the customers took my part at last, although only in the kind of way you have seen already.” “How touchy you are,” said K. “I only put Frieda in her right place, but I had no intention of belittling you, as you seem to think. Your family has a special interest for me, I have never denied it; but how this interest could give me cause for despising you I can’t understand.” “Oh, K.,” said Olga, “I’m afraid that even you will understand it yet; can’t you even understand that Amalia’s behaviour to Sortini was the original cause of our being despised?” “That would be strange indeed,” said K., “one might admire or condemn Amalia for such an action, but despise her? And even if she is despised for some reason I can’t comprehend, why should the contempt be extended to you others, her innocent family? For Pepi to despise you, for instance, is a piece of impudence, and I’ll let her know it if ever I’m in the Herrenhof again.” “If you set out, K.,” said Olga, “to convert all the people who despise us you’ll have your work cut out for you, for it’s all engineered from the Castle. I can still remember every detail of that day following the morning I spoke of. Brunswick, who was our assistant then, had arrived as usual, taken his share of the work and gone home, and we were sitting at breakfast, all of us, even Amalia and myself, very gay, father kept on talking about the celebration and telling us his plans in connection with the Fire Brigade, for you must know that the Castle has its own Fire Brigade which had sent a deputation to the celebration, and there had been much discussion about it, the gentlemen present from the Castle had seen the performance of our Fire Brigade, had expressed great approval, and compared the Castle Brigade unfavourably with ours, so there had been some talk of reorganising the Castle Brigade with the help of instructors from the village; there were several possible candidates, but father had hopes that he would be chosen. That was what he was discussing, and in his usual delightful way had sprawled over the table until he embraced half of it in his arms, and as he gazed through the open window at the sky his face was young and shining with hope, and that was the last time I was to see it like that. Then Amalia, with a calm conviction we had never noticed in her before, said that too much trust shouldn’t be placed in what the gentleman said, they were in the habit of saying pleasant things on such occasions, but it meant little or nothing, the words were hardly out of their mouths before they were forgotten, only of course people were always ready to be taken in again next time. Mother forbade her to say things like that, but father only laughed at her precocious air of wisdom, then he gave a start, and seemed to be looking round for something he had only just missed—but there was nothing missing—and said that Brunswick had told him some story of a messenger and a torn-up letter, did we know anything of it, who was concerned in it, and what it was all about? We kept silent; Barnabas, who was as youthful then as a spring lamb, said something particularly silly or cheeky, the subject was changed, and the whole affair forgotten.”

> German: „Urteile selbst,“ sagte Olga, „übrigens klingt es sehr einfach, man versteht nicht gleich, wie es eine große Bedeutung haben kann. Es gibt einen großen Beamten im Schloß, der heißt Sortini.“ „Ich habe schon von ihm gehört,“ sagte K., „er war an meiner Berufung beteiligt.“ „Das glaube ich nicht,“ sagte Olga, „Sortini tritt in der Öffentlichkeit kaum auf. Irrst du dich nicht mit Sordini, mit „d“ geschrieben?“ „Da hast du recht,“ sagte K., „Sordini war es.“ „Ja,“ sagte Olga, „Sordini ist sehr bekannt, einer der fleißigsten Beamten, von dem viel gesprochen wird, Sortini dagegen ist sehr zurückgezogen und den meisten fremd. Vor mehr als drei Jahren sah ich ihn zum ersten und letzten Male. Es war am 3. Juli bei einem Fest des Feuerwehrvereins, das Schloß hatte sich auch beteiligt und eine neue Feuerspritze gespendet. Sortini, der sich zum Teil mit Feuerwehrangelegenheiten beschäftigen soll, vielleicht war er aber auch nur in Vertretung da - meistens verstecken sich die Beamten gegenseitig und es ist deshalb schwer, die Zuständigkeit dieses oder jenes Beamten zu erkennen - nahm an der Übergabe der Spritze teil. Es waren natürlich auch noch andere aus dem Schloß gekommen, Beamte und Dienerschaft, und Sortini war, wie es seinem Charakter entspricht, ganz im Hintergrunde. Er ist ein kleiner, schwacher, nachdenklicher Herr, etwas, was allen, die ihn überhaupt bemerkten, auffiel, war die Art, wie sich bei ihm die Stirn in Falten legte, alle Falten - und es war eine Menge, trotzdem er gewiß nicht mehr als vierzig ist - zogen sich nämlich geradewegs fächerartig über die Stirn zur Nasenwurzel hin, ich habe etwas Derartiges nie gesehen. Nun, das war also jenes Fest. Wir, Amalia und ich, hatten uns schon seit Wochen darauf gefreut, die Sonntagskleider waren zum Teil neu zurechtgemacht, besonders das Kleid Amaliens war schön, die weiße Bluse vorn hoch aufgebauscht, eine Spitzenreihe über der anderen, die Mutter hatte alle ihre Spitzen dazu hergeborgt. Ich war damals neidisch und weinte vor dem Fest die halbe Nacht durch. Erst als am Morgen die Brückenhofwirtin uns zu besichtigen kam -“ „Die Brückenhofwirtin?“ fragte K. „Ja,“ sagte Olga, „sie war sehr mit uns befreundet, sie kam also, mußte zugeben, daß Amalia im Vorteil war und borgte mir deshalb, um mich zu beruhigen, ihr eigenes Halsband aus böhmischen Granaten. Als wir dann aber ausgehfertig waren, Amalia vor mir stand, wir sie alle bewunderten und der Vater sagte: Heute, denkt an mich, bekommt Amalia einen Bräutigam, da, ich weiß nicht warum, nahm ich mir das Halsband, meinen Stolz, ab und hing es Amalia um, gar nicht neidisch mehr. Ich beugte mich eben vor ihrem Sieg und ich glaubte, jeder müsse sich vor ihr beugen, vielleicht überraschte uns damals, daß sie anders aussah als sonst, denn eigentlich schön war sie ja nicht, aber ihr düsterer Blick, den sie in dieser Art seitdem behalten hat, ging hoch über uns hinweg und man beugte sich fast tatsächlich und unwillkürlich vor ihr. Alle bemerkten es, auch Lasemann und seine Frau, die uns abholen kamen.“ „Lasemann?“ fragte K. „Ja. Lasemann,“ sagte Olga, „wir waren doch sehr angesehen und das Fest hätte z. B. nicht gut ohne uns anfangen können, denn der Vater war dritter Übungsleiter der Feuerwehr.“ „So rüstig war der Vater noch?“ fragte K. „Der Vater?“ fragte Olga, als verstehe sie nicht ganz, „vor drei Jahren war er noch gewissermaßen ein junger Mann, er hat z. B. bei einem Brand im Herrenhof einen Beamten, den schweren Galater, im Laufschritt auf dem Rücken hinausgetragen. Ich bin selbst dabei gewesen, es war zwar keine Feuergefahr, nur das trockene Holz neben einem Ofen fing zu rauchen an, aber Galater bekam Angst, rief aus dem Fenster um Hilfe, die Feuerwehr kam und mein Vater mußte ihn hinaustragen, trotzdem schon das Feuer gelöscht war. Nun, Galater ist ein schwer beweglicher Mann und muß in solchen Fällen vorsichtig sein. Ich erzähle es nur des Vaters wegen, viel mehr als drei Jahre sind seitdem nicht vergangen und nun sieh, wie er dort sitzt.“ Erst jetzt sah K., daß Amalia schon wieder in der Stube war, aber sie war weit entfernt beim Tisch der Eltern, sie fütterte dort die Mutter, welche die rheumatischen Arme nicht bewegen konnte, und sprach dabei dem Vater zu, er möge sich wegen des Essens noch ein wenig gedulden, gleich werde sie auch zu ihm kommen, um ihn zu füttern. Doch hatte sie mit ihrer Mahnung keinen Erfolg, denn der Vater, sehr gierig, schon zu seiner Suppe zu kommen, überwand seine Körperschwäche und suchte die Suppe bald vom Löffel zu schlürfen, bald gleich vom Teller aufzutrinken und brummte böse, als ihm weder das eine noch das andere gelang, der Löffel längst leer war, ehe er zum Munde kam und niemals der Mund, nur immer der herabhängende Schnauzbart in die Suppe tauchte und es nach allen Seiten, nur in seinen Mund nicht, tropfte und sprühte. „Das haben drei Jahre aus ihm gemacht?“ fragte K., aber noch immer hatte er für die Alten und für die ganze Ecke des Familientisches kein Mitleid, nur Widerwillen. „Drei Jahre,“ sagte Olga langsam, „oder genauer ein paar Stunden eines Festes. Das Fest war auf einer Wiese vor dem Dorf am Bach, es war schon ein großes Gedränge, als wir ankamen, auch aus den Nachbardörfern war viel Volk gekommen, man war ganz verwirrt von dem Lärm. Zuerst wurden wir natürlich vom Vater zur Feuerspritze geführt, er lachte vor Freude, als er sie sah, eine neue Spritze machte ihn glücklich, er fing an sie zu betasten und uns zu erklären, er duldete keinen Widerspruch und keine Zurückhaltung der andern, war etwas unter der Spritze zu besichtigen, mußten wir uns alle bücken und fast unter die Spritze kriechen, Barnabas, der sich damals wehrte, bekam deshalb Prügel. Nur Amalia kümmerte sich um die Spritze nicht, stand aufrecht dabei in ihrem schönen Kleid und niemand wagte ihr etwas zu sagen, ich lief manchmal zu ihr und faßte ihren Arm unter, aber sie schwieg. Ich kann es mir noch heute nicht erklären, wie es kam, daß wir so lange vor der Spritze standen, und erst als sich der Vater von ihr losmachte, Sortini bemerkten, der offenbar schon die ganze Zeit über hinter der Spritze an einem Spritzenhebel gelehnt hatte. Es war freilich ein entsetzlicher Lärm damals, nicht nur wie es sonst bei Festen ist, das Schloß hatte nämlich der Feuerwehr auch noch einige Trompeten geschenkt, besondere Instrumente, auf denen man mit der kleinsten Kraftanstrengung, ein Kind konnte das, die wildesten Töne hervorbringen konnte; wenn man das hörte, glaubte man, die Türken seien schon da, und man konnte sich nicht daran gewöhnen, bei jedem neuen Blasen fuhr man wieder zusammen. Und weil es neue Trompeten waren, wollte jeder versuchen, und weil es doch ein Volksfest war, erlaubte man es. Gerade um uns, vielleicht hatte sie Amalia angelockt, waren einige solche Bläser. Es war schwer, die Sinne dabei zusammenzuhalten, und wenn man nun auch noch nach dem Gebot des Vaters Aufmerksamkeit für die Spritze haben sollte, so war das das Äußerste, was man leisten konnte, und so entging uns Sortini, den wir ja vorher auch gar nicht gekannt hatten, so ungewöhnlich lange. „Dort ist Sortini“, flüsterte endlich - ich stand dabei - Lasemann dem Vater zu. Der Vater verbeugte sich tief und gab auch uns aufgeregt ein Zeichen, uns zu verbeugen. Ohne ihn bisher zu kennen, hatte der Vater seit jeher Sortini als einen Fachmann in Feuerwehrangelegenheiten verehrt und öfters zu Hause von ihm gesprochen, es war uns daher auch sehr überraschend und bedeutungsvoll, jetzt Sortini in Wirklichkeit zu sehen. Sortini aber kümmerte sich um uns nicht, es war das keine Eigenheit Sortinis, die meisten Beamten scheinen in der Öffentlichkeit teilnahmslos, auch war er müde, nur seine Amtspflicht hielt ihn hier unten. Es sind nicht die schlechtesten Beamten, welche grade solche Repräsentationspflichten als besonders drückend empfinden, andere Beamten und Diener mischten sich, da sie nun schon einmal da waren, unter das Volk. Er aber blieb bei der Spritze und jedem, der sich ihm mit irgendeiner Bitte oder Schmeichelei zu nähern suchte, vertrieb er durch sein Schweigen. So kam es, daß er uns noch später bemerkte als wir ihn. Erst als wir uns ehrfurchtsvoll verbeugten und der Vater uns zu entschuldigen suchte, blickte er nach uns hin, blickte der Reihe nach von einem zum andern, müde, es war, als seufze er darüber, daß neben dem einen immer wieder noch ein zweiter sei, bis er dann bei Amalia halt machte, zu der er aufschauen mußte, denn sie war viel größer als er. Da stutzte er, sprang über die Deichsel, um Amalia näher zu sein, wir mißverstanden es zuerst und wollten uns alle unter Anführung des Vaters ihm nähern, aber er hielt uns ab mit erhobener Hand und winkte uns dann zu gehen. Das war alles. Wir neckten dann Amalia viel damit, daß sie nun wirklich einen Bräutigam gefunden habe, in unserem Unverstand waren wir den ganzen Nachmittag über sehr fröhlich. Amalia aber war schweigsamer als jemals. „Sie hat sich ja toll und voll in Sortini verliebt“, sagte Brunswick, der immer etwas grob ist und für Naturen wie Amalia kein Verständnis hat. Aber diesmal schien uns seine Bemerkung fast richtig, wir waren überhaupt närrisch an dem Tag und alle, bis auf Amalia, von dem süßen Schloßwein wie betäubt, als wir nach Mitternacht nach Hause kamen. „Und Sortini?“ fragte K. „Ja, Sortini,“ sagte Olga, „Sortini sah ich während des Festes im Vorübergehen noch öfters, er saß auf der Deichsel, hatte die Arme über der Brust gekreuzt und blieb so, bis der Schloßwagen kam, um ihn abzuholen. Nicht einmal zu den Feuerwehrübungen ging er, bei denen der Vater damals gerade in der Hoffnung, daß Sortini zusehe, vor allen Männern seines Alters sich auszeichnete.“ „Und habt ihr nicht mehr von ihm gehört?“ fragte K. „Du scheinst ja für Sortini große Verehrung zu haben.“ „Ja, Verehrung,“ sagte Olga, „ja und gehört haben wir auch noch von ihm. Am nächsten Morgen wurden wir aus unserem Weinschlaf durch einen Schrei Amalias geweckt; die andern fielen gleich wieder in die Betten zurück, ich war aber gänzlich wach und lief zu Amalia. Sie stand beim Fenster und hielt einen Brief in der Hand, den ihr eben ein Mann durch das Fenster gereicht hatte, der Mann wartete noch auf Antwort. Amalia hatte den Brief - er war kurz - schon gelesen und hielt ihn in der schlaff hinabhängenden Hand; wie liebte ich sie immer, wenn sie so müde war. Ich kniete neben ihr nieder und las den Brief. Kaum war ich fertig, nahm ihn Amalia, nach einem kurzen Blick auf mich, wieder auf, brachte es aber nicht mehr über sich, ihn zu lesen, zerriß ihn, warf die Fetzen dem Mann draußen ins Gesicht und schloß das Fenster. Das war jener entscheidende Morgen. Ich nenne ihn entscheidend, aber jeder Augenblick des vorhergehenden Nachmittags ist ebenso entscheidend gewesen.“ „Und was stand in dem Brief?“ fragte K. „Ja, das habe ich noch nicht erzählt,“ sagte Olga, „der Brief war von Sortini, adressiert war er an das Mädchen mit dem Granatenhalsband. Den Inhalt kann ich nicht wiedergeben. Es war eine Aufforderung, zu ihm in den Herrenhof zu kommen, und zwar sollte Amalia sofort kommen, denn in einer halben Stunde mußte Sortini wegfahren. Der Brief war in den gemeinsten Ausdrücken gehalten, die ich noch nie gehört hatte und nur aus dem Zusammenhang halb erriet. Wer Amalia nicht kannte und nur diesen Brief gelesen hatte, mußte das Mädchen, an das jemand so zu schreiben gewagt hatte, für entehrt halten, auch wenn sie gar nicht berührt worden sein sollte. Und es war kein Liebesbrief, kein Schmeichelwort war darin, Sortini war vielmehr offenbar böse, daß der Anblick Amalias ihn ergriffen, ihn von seinen Geschäften abgehalten hatte. Wir legten es uns später so zurecht, daß Sortini wahrscheinlich gleich abends hatte ins Schloß fahren wollen, nur Amalias wegen im Dorf geblieben war und am Morgen voll Zorn darüber, daß es ihm auch in der Nacht nicht gelungen war, Amalia zu vergessen, den Brief geschrieben hatte. Man mußte dem Brief gegenüber zuerst empört sein, auch die Kaltblütigste, dann aber hätte bei einer andern als Amalia wahrscheinlich vor dem bösen drohenden Ton die Angst überwogen, bei Amalia blieb es bei der Empörung, Angst kennt sie nicht, nicht für sich, nicht für andere. Und während ich mich dann wieder ins Bett verkroch und mir den abgebrochenen Schlußsatz wiederholte: „Daß du also gleich kommst, oder -!“ blieb Amalia auf der Fensterbank und sah hinaus, als erwarte sie noch weitere Boten und sei bereit, jeden so zu behandeln wie den ersten.“ „Das sind also die Beamten,“ sagte K. zögernd, „solche Exemplare findet man unter ihnen. Was hat dein Vater gemacht? Ich hoffe, er hat sich kräftig an zuständiger Stelle über Sortini beschwert, wenn er nicht den kürzeren und sichereren Weg in den Herrenhof vorgezogen hat. Das Allerhäßlichste an der Geschichte ist ja nicht die Beleidigung Amalias, die konnte leicht gutgemacht werden, ich weiß nicht, warum du so übermäßig großes Gewicht gerade darauf legst; warum sollte Sortini mit einem solchen Brief Amalia für immer bloßgestellt haben, nach deiner Erzählung könnte man das glauben, gerade das ist aber doch nicht möglich, eine Genugtuung war Amalia leicht zu verschaffen und in ein paar Tagen war der Vorfall vergessen, Sortini hat nicht Amalia bloßgestellt, sondern sich selbst. Vor Sortini also schrecke ich zurück, vor der Möglichkeit, daß es einen solchen Mißbrauch der Macht gibt. Was in diesem Fall mißlang, weil es klipp und klar gesagt und völlig durchsichtig war und an Amalia einen überlegenen Gegner fand, kann in tausend anderen Fällen bei nur ein wenig ungünstigeren Umständen völlig gelingen und kann sich jedem Blick entziehen, auch dem Blick des Mißbrauchten.“ „Still,“ sagte Olga, „Amalia sieht herüber.“ Amalia hatte die Fütterung der Eltern beendet und war jetzt daran, die Mutter auszuziehen. Sie hatte ihr gerade den Rock losgebunden, hing sich die Arme der Mutter um den Hals, hob sie so ein wenig, streifte ihr den Rock ab und setzte sie dann sanft wieder nieder. Der Vater, immer unzufrieden damit, daß die Mutter zuerst bedient wurde, was aber offenbar nur deshalb geschah, weil die Mutter noch hilfloser war als er, versuchte, vielleicht auch um die Tochter für ihre vermeintliche Langsamkeit zu strafen, sich selbst zu entkleiden, aber trotzdem er bei dem Unnötigsten und Leichtesten anfing, den übergroßen Pantoffeln, in welchen seine Füße nur lose staken, wollte es ihm auf keine Weise gelingen, sie abzustreifen, er mußte es unter heiserem Röcheln bald aufgeben und lehnte wieder steif in seinem Stuhl.
„Das Entscheidendste erkennst du nicht,“ sagte Olga, „du magst ja recht haben mit allem, aber das Entscheidendste war, daß Amalia nicht in den Herrenhof ging; wie sie den Boten behandelt hatte, das mochte an sich noch hingehen, das hätte sich vertuschen lassen; damit aber, daß sie nicht hinging, war der Fluch über unsere Familie ausgesprochen, und nun war allerdings auch die Behandlung des Boten etwas Unverzeihliches, ja, es wurde sogar für die Öffentlichkeit in den Vordergrund gehoben.“ „Wie,“ rief K. und dämpfte sofort die Stimme, da Olga bittend die Hände hob, „du, die Schwester, sagst doch nicht etwa, daß Amaha hätte Sortini folgen und in den Herrenhof hätte laufen sollen?“ „Nein,“ sagte Olga, „möge ich beschützt werden vor derartigem Verdacht, wie kannst du das glauben. Ich kenne niemanden, der so fest im Recht wäre wie Amalia, bei allem was sie tut. Wäre sie in den Herrenhof gegangen, hätte ich ihr freilich ebenso recht gegeben; daß sie aber nicht gegangen ist, war heldenhaft. Was mich betrifft, ich gestehe es dir offen, wenn ich einen solchen Brief bekommen hätte, ich wäre gegangen. Ich hätte die Furcht vor dem Kommenden nicht ertragen, das konnte nur Amalia. Es gab ja manche Auswege, eine andere hätte sich z. B. recht schön geschmückt und es wäre ein Weilchen darüber vergangen und dann wäre sie in den Herrenhof gegangen und hätte erfahren, daß Sortini schon fort ist, vielleicht, daß er gleich nach Entsendung des Boten weggefahren ist, etwas, was sogar sehr wahrscheinlich ist, denn die Launen der Herren sind flüchtig. Aber Amalia tat das nicht und nichts Ähnliches, sie war zu tief beleidigt und antwortete ohne Vorbehalt. Hätte sie nur irgendwie zum Schein gefolgt, nur die Schwelle des Herrenhofes zur Zeit gerade überschritten, das Verhängnis hätte sich abwenden lassen, wir haben hier sehr kluge Advokaten, die aus einem Nichts alles, was man nur will, zu machen verstehen, aber in diesem Fall war nicht einmal das günstige Nichts vorhanden, im Gegenteil, es war noch die Entwürdigung des Sortinischen Briefes da und die Beleidigung des Boten.“ „Aber was für ein Verhängnis denn,“ sagte K., „was für Advokaten; man konnte doch wegen der verbrecherischen Handlungsweise Sortinis nicht Amalia anklagen oder gar bestrafen?“ „Doch,“ sagte Olga, „das konnte man, freilich nicht nach einem regelrechten Prozeß und man bestrafte sie auch nicht unmittelbar, wohl aber bestrafte man sie auf andere Weise, sie und unsere ganze Familie, und wie schwer diese Strafe ist, das fängst du wohl an zu erkennen. Dir scheint das ungerecht und ungeheuerlich, das ist eine im Dorf völlig vereinzelte Meinung, sie ist uns sehr günstig und sollte uns trösten, und so wäre es auch, wenn sie nicht sichtlich auf Irrtümer zurückginge. Ich kann dir das leicht beweisen, verzeih, wenn ich dabei von Frieda spreche, aber zwischen Frieda und Klamm ist, abgesehen davon, wie es sich schließlich gestaltet hat, etwas ganz Ähnliches vorgegangen wie zwischen Amalia und Sortini und doch findest du das, wenn du auch anfangs erschrocken sein magst, jetzt schon richtig. Und das ist nicht Gewöhnung, so abstumpfen kann man durch Gewöhnung nicht, wenn es sich um einfache Beurteilung handelt; das ist bloß Ablegen von Irrtümern.“ „Nein, Olga,“ sagte K., „ich weiß nicht, warum du Frieda in die Sache hereinziehst, der Fall war doch gänzlich anders, misch nicht so Grundverschiedenes durcheinander und erzähle weiter.“ „Bitte,“ sagte Olga, „nimm es mir nicht übel, wenn ich auf dem Vergleich bestehe, es ist ein Rest von Irrtümern, auch hinsichtlich Friedas noch, wenn du sie gegen einen Vergleich verteidigen zu müssen glaubst. Sie ist gar nicht zu verteidigen, sondern nur zu loben. Wenn ich die Fälle vergleiche, so sage ich ja nicht, daß sie gleich sind, sie verhalten sich zueinander wie weiß und schwarz und weiß ist Frieda. Schlimmstenfalls kann man über Frieda lachen, wie ich es unartigerweise - ich habe es später sehr bereut - im Ausschank getan habe, aber selbst wer hier lacht, ist schon boshaft oder neidisch, immerhin, man kann lachen. Amalia aber kann man, wenn man nicht durch Blut mit ihr verbunden ist, nur verachten. Deshalb sind es zwar grundverschiedene Fälle, wie du sagst, aber doch auch ähnlich.“ „Sie sind auch nicht ähnlich,“ sagte K. und schüttelte unwillig den Kopf, „laß Frieda beiseite, Frieda hat keinen solchen sauberen Brief von Sortini bekommen, und Frieda hat Klamm wirklich geliebt, und wer es bezweifelt, kann sie fragen, sie liebt ihn noch heute.“ „Sind das aber große Unterschiede?“ fragte Olga. „Glaubst du, Klamm hätte Frieda nicht ebenso schreiben können? Wenn die Herren vom Schreibtisch aufstehen, sind sie so, sie finden sich in der Welt nicht zurecht, sie sagen dann in der Zerstreutheit das Allergröbste, nicht alle, aber viele. Der Brief an Amalia kann ja in Gedanken, in völliger Nichtachtung des wirklich Geschriebenen auf das Papier geworfen worden sein. Was wissen wir von den Gedanken der Herren? Hast du nicht selbst gehört oder erzählen hören, in welchem Ton Klamm mit Frieda verkehrt hat? Von Klamm ist es bekannt, daß er sehr grob ist, er spricht angeblich stundenlang nicht und dann sagt er plötzlich eine derartige Grobheit, daß es einen schaudert. Von Sortini ist das nicht bekannt, wie er ja überhaupt sehr unbekannt ist. Eigentlich weiß man von ihm nur, daß sein Name dem Sordinis ähnlich ist. Wäre nicht die Namensähnlichkeit, würde man ihn wahrscheinlich gar nicht kennen. Auch als Feuerwehrfachmann verwechselt man ihn wahrscheinlich mit Sordini, welcher der eigentliche Fachmann ist und die Namensähnlichkeit ausnützt, um besonders die Repräsentationspflichten auf Sortini abzuwälzen und so in seiner Arbeit ungestört zu bleiben. Wenn nun ein solcher weltungewandter Mann wie Sortini plötzlich von Liebe zu einem Dorfmädchen ergriffen wird, so nimmt das natürlich andere Formen an, als wenn der Tischlergehilfe von nebenan sich verliebt. Auch muß man doch bedenken, daß zwischen einem Beamten und einer Schusterstochter doch ein großer Abstand besteht, der irgendwie überbrückt werden muß, Sortini versuchte es auf diese Art, ein anderer mag’s anders machen. Zwar heißt es, daß wir alle zum Schloß gehören und gar kein Abstand besteht und nichts zu überbrücken ist, und das stimmt auch vielleicht für gewöhnlich, aber wir haben leider Gelegenheit gehabt zu sehen, daß es gerade, wenn es darauf ankommt, gar nicht stimmt. Jedenfalls wird dir nach dem allen die Handlungsweise Sortinis verständlicher, weniger ungeheuerlich geworden sein und sie ist tatsächlich, mit jener Klamms verglichen, viel verständlicher und, selbst wenn man ganz nah beteiligt ist, viel erträglicher. Wenn Klamm einen zarten Brief schreibt, ist es peinlicher als der gröbste Brief Sortinis. Verstehe mich dabei recht, ich wage nicht, über Klamm zu urteilen, ich vergleiche nur, weil du dich gegen den Vergleich wehrst. Klamm ist doch wie ein Kommandant über den Frauen, befiehlt bald dieser, bald jener, zu ihm zu kommen, duldet keine lange, und so wie er zu kommen befiehlt, befiehlt er auch zu gehen. Ach, Klamm würde sich gar nicht die Mühe geben, erst einen Brief zu schreiben. Und ist es nun im Vergleich damit noch immer ungeheuerlich, wenn der ganz zurückgezogen lebende Sortini, dessen Beziehungen zu Frauen zumindest unbekannt sind, einmal sich niedersetzt und in seiner schönen Beamtenschrift einen allerdings abscheulichen Brief schreibt. Und wenn sich also hier kein Unterschied zu Klamms Gunsten ergibt, sondern das Gegenteil, so sollte ihn Friedas Liebe bewirken? Das Verhältnis der Frauen zu den Beamten ist, glaube mir, sehr schwer oder vielmehr immer sehr leicht zu beurteilen. Hier fehlt es an Liebe nie. Unglückliche Beamtenliebe gibt es nicht. Es ist in dieser Hinsicht kein Lob, wenn man von einem Mädchen sagt - ich rede hier bei weitem nicht nur von Frieda -, daß sie sich dem Beamten nur deshalb hingegeben hat, weil sie ihn liebte. Sie liebte ihn und hat sich ihm hingegeben, so war es, aber zu loben ist dabei nichts. Amalia aber hat Sortini nicht geliebt, wendest du ein. Nun ja, sie hat ihn nicht geliebt, aber vielleicht hat sie ihn doch geliebt, wer kann das entscheiden? Nicht einmal sie selbst. Wie kann sie glauben, ihn nicht geliebt zu haben, wenn sie ihn so kräftig abgewiesen hat, wie wahrscheinlich noch niemals ein Beamter abgewiesen worden ist. Barnabas sagt, daß sie noch jetzt manchmal zittert von der Bewegung, mit der sie vor drei Jahren das Fenster zugeschlagen hat. Das ist auch wahr und deshalb darf man sie nicht fragen; sie hat mit Sortini abgeschlossen und weiß nichts mehr als das; ob sie ihn liebt oder nicht, weiß sie nicht. Wir aber wissen, daß Frauen nicht anders können als Beamte lieben, wenn sich diese ihnen einmal zuwenden, ja, sie lieben die Beamten schon vorher, so sehr sie es leugnen wollen, und Sortini hat sich Amalia ja nicht nur zugewendet, sondern ist über die Deichsel gesprungen, als er Amalia sah, mit den von der Schreibtischarbeit steifen Beinen ist er über die Deichsel gesprungen. Aber Amalia ist ja eine Ausnahme, wirst du sagen. Ja, das ist sie, das hat sie bewiesen, als sie sich weigerte, zu Sortini zu gehen, das ist der Ausnahme genug; daß sie nun aber außerdem Sortini auch nicht geliebt haben sollte, das wäre nun schon der Ausnahme fast zu viel, das wäre gar nicht mehr zu fassen. Wir waren ja gewiß an jenem Nachmittag mit Blindheit beschlagen, aber daß wir damals durch allen Nebel etwas von Amalias Verliebtheit zu bemerken glaubten, zeigte doch wohl noch etwas Besinnung. Wenn man aber das alles zusammenhält, was bleibt dann für ein Unterschied zwischen Frieda und Amalia? Einzig der, daß Frieda tat, was Amalia verweigert hat.“ „Mag sein,“ sagte K., „für mich aber ist der Hauptunterschied der, daß Frieda meine Braut ist, Amalia aber mich im Grunde nur so weit bekümmert, als sie Schwester des Barnabas, des Schloßboten, ist und ihr Schicksal in den Dienst des Barnabas vielleicht mitverflochten ist. Hätte ihr ein Beamter ein derart schreiendes Unrecht getan, wie es nach deiner Erzählung anfangs mir schien, hätte mich das sehr beschäftigt, aber auch dies viel mehr als öffentliche Angelegenheit denn als persönliches Leid Amalias. Nun ändert sich aber nach deiner Erzählung das Bild in einer mir zwar nicht ganz verständlichen, aber, da du es bist, die erzählt, in einer genügend glaubwürdigen Weise und ich will diese Sache deshalb sehr gern völlig vernachlässigen, ich bin kein Feuerwehrmann, was kümmert mich Sortini. Wohl, aber kümmert mich Frieda und da ist es mir sonderbar, wie du Frieda, der ich völlig vertraute und gerne immer vertrauen will, auf dem Umweg über Amalia immerfort anzugreifen und mir verdächtig zu machen suchst. Ich nehme nicht an, daß du das mit Absicht oder gar mit böser Absicht tust, sonst hätte ich doch schon längst fortgehen müssen. Du tust es nicht mit Absicht, die Umstände verleiten dich dazu, aus Liebe zu Amalia willst du sie hocherhaben über alle Frauen hinstellen, und da du in Amalia selbst zu diesem Zwecke nicht genug Rühmenswertes findest, hilfst du dir damit, daß du andere Frauen verkleinerst. Amalias Tat ist merkwürdig, aber je mehr du von dieser Tat erzählst, desto weniger läßt sich entscheiden, ob sie groß oder klein, klug oder töricht, heldenhaft oder feig gewesen ist, ihre Beweggründe hält Amalia in ihrer Brust verschlossen, niemand wird sie ihr entreißen. Frieda dagegen hat gar nichts Merkwürdiges getan, sondern sie ist nur ihrem Herzen gefolgt, für jeden, der sich gutwillig damit befaßt, ist das klar, jeder kann es nachprüfen, für Klatsch ist kein Raum. Ich aber will weder Amalia heruntersetzen, noch Frieda verteidigen, sondern dir nur klarmachen, wie ich mich zu Frieda verhalte und wie jeder Angriff gegen Frieda gleichzeitig ein Angriff gegen meine Existenz ist. Ich bin aus eigenem Willen hierhergekommen und aus eigenem Willen habe ich mich hier festgehakt, aber alles, was seither geschehen ist, und vor allem meine Zukunftsaussichten - so trübe sie auch sein mögen, immerhin, sie bestehen - alles dies verdanke ich Frieda, das läßt sich nicht wegdiskutieren. Ich war hier zwar als Landvermesser aufgenommen, aber das war nur scheinbar, man spielte mit mir, man trieb mich aus jedem Haus, man spielt auch heute mit mir, aber wieviel umständlicher ist das, ich habe gewissermaßen an Umfang gewonnen, und das bedeutet schon etwas, ich habe, so geringfügig das alles ist, doch schon ein Heim, eine Stellung und wirkliche Arbeit, ich habe eine Braut, die, wenn ich andere Geschäfte habe, mir die Berufsarbeit abnimmt, ich werde sie heiraten und Gemeindemitglied werden, ich habe außer der amtlichen auch noch eine, bisher freilich unausnützbare persönliche Beziehung zu Klamm. Das ist doch wohl nicht wenig? Und wenn ich zu euch komme, wen begrüßt ihr? Wem vertraust du die Geschichte euerer Familie an? Von wem erhoffst du die Möglichkeit irgendeiner Hilfe? Doch wohl nicht von mir, dem Landvermesser, den z. B. noch vor einer Woche Lasemann und Brunswick mit Gewalt aus ihrem Haus gedrängt haben, sondern du erhoffst das von dem Mann, der schon irgendwelche Machtmittel hat. Diese Machtmittel aber verdanke ich Frieda, Frieda, die so bescheiden ist, daß, wenn du sie nach etwas Derartigem zu fragen versuchen wirst, sie gewiß nicht das geringste davon wird wissen wollen. Und doch scheint es nach dem allen, daß Frieda in ihrer Unschuld mehr getan hat als Amalia in allem ihrem Hochmut, denn sieh, ich habe den Eindruck, daß du Hilfe für Amalia suchst. Und von wem? Doch eigentlich von keinem andern als von Frieda?“ „Habe ich wirklich so häßlich von Frieda gesprochen?“ fragte Olga, „ich wollte es gewiß nicht und glaube es auch nicht getan zu haben, aber möglich ist es, unsere Lage ist derart, daß wir mit aller Welt zerfallen sind, und fangen wir zu klagen an, reißt es uns fort, wir wissen nicht, wohin. Du hast auch recht, es ist ein großer Unterschied jetzt zwischen uns und Frieda und es ist gut, ihn einmal zu betonen. Vor drei Jahren waren wir Bürgermädchen und Frieda, die Waise, Magd im Brückenhof, wir gingen an ihr vorüber, ohne sie mit dem Blick zu streifen, wir waren gewiß zu hochmütig, aber wir waren so erzogen worden. An dem Abend im Herrenhof magst du aber den jetzigen Stand erkannt haben. Frieda mit der Peitsche in der Hand und ich in dem Haufen der Knechte. Aber es ist ja noch schlimmer. Frieda mag uns verachten, es entspricht ihrer Stellung, die tatsächlichen Verhältnisse erzwingen es. Aber wer verachtet uns nicht alles! Wer sich entschließt uns zu verachten, kommt gleich in die allergrößte Gesellschaft. Kennst du die Nachfolgerin Friedas? Pepi heißt sie. Ich habe sie erst vorgestern abend kennengelernt, bisher war sie Zimmermädchen. Sie übertrifft gewiß Frieda an Verachtung für mich. Sie sah mich aus dem Fenster, wie ich Bier holen kam, lief zur Tür und versperrte sie, ich mußte lange bitten und ihr das Band versprechen, das ich im Haar trug, ehe sie mir aufmachte. Als ich es ihr aber dann gab, warf sie es in den Winkel. Nun, sie mag mich verachten, zum Teil bin ich ja auf ihr Wohlwollen angewiesen, und sie ist Ausschankmädchen im Herrenhof. Freilich, sie ist es nur vorläufig und hat gewiß nicht die Eigenschaften, die nötig sind, um dort dauernd angestellt zu werden. Man mag nur zuhören, wie der Wirt mit Pepi spricht, und mag es dann vergleichen, wie er mit Frieda sprach. Aber das hindert Pepi nicht, auch Amalia zu verachten, Amalia, deren Blick allein genügen würde, die ganze kleine Pepi mit allen ihren Zöpfen und Maschen so schnell aus dem Zimmer zu schaffen, wie sie es nur auf ihre eigenen dicken Beinchen angewiesen niemals zustande brächte. Was für ein empörendes Geschwätz mußte ich gestern wieder von ihr über Amalia anhören, bis sich dann schließlich die Gäste meiner annahmen, in der Art freilich, wie du es schon einmal gesehen hast.“ „Wie verängstigt du bist,“ sagte K., „ich habe ja nur Frieda auf den ihr gebührenden Platz gestellt, aber nicht euch herabsetzen wollen, wie du es jetzt auffaßt. Irgend etwas Besonderes hat euere Familie auch für mich, das habe ich nicht verschwiegen; wie dieses Besondere aber Anlaß zur Verachtung geben könnte, das verstehe ich nicht.“ „Ach, K.,“ sagte Olga, „auch du wirst es noch verstehen, fürchte ich; daß Amalias Verhalten gegenüber Sortini der erste Anlaß dieser Verachtung war, kannst du auf keine Weise verstehen?“ „Das wäre doch sonderbar,“ sagte K., „bewundern oder verurteilen könnte man Amalia deshalb, aber verachten? Und wenn man aus mir unverständlichem Gefühl wirklich Amalia verachtet, warum dehnt man die Verachtung auf euch aus, auf die unschuldige Familie? Daß z. B. Pepi dich verachtet ist ein starkes Stück, und ich will, wenn ich wieder einmal in den Herrenhof komme, es ihr heimzahlen.“ „Wolltest du, K.,“ sagte Olga, „alle unsere Verächter umstimmen, das wäre eine harte Arbeit, denn alles geht vom Schloß aus. Ich erinnere mich noch genau an den Vormittag, der jenem Morgen folgte. Brunswick, der damals unser Gehilfe war, war gekommen wie jeden Tag, der Vater hatte ihm Arbeit zugeteilt und ihn nach Hause geschickt, wir saßen dann beim Frühstück, alle, bis auf Amalia und mich, waren sehr lebhaft, der Vater erzählte immerfort vom Fest, er hatte hinsichtlich der Feuerwehr verschiedene Pläne, im Schloß ist nämlich eine eigene Feuerwehr, die zum Fest auch eine Abordnung geschickt hatte, mit der manches besprochen worden war, die anwesenden Herren aus dem Schloß hatten die Leistungen unserer Feuerwehr gesehen, sich sehr günstig über sie ausgesprochen, die Leistungen der Schloßfeuerwehr damit verglichen, das Ergebnis war ungünstig, man hatte von der Notwendigkeit einer Neuorganisation der Schloßfeuerwehr gesprochen, dazu waren Instruktoren aus dem Dorf nötig, es kamen zwar einige dafür in Betracht, aber der Vater hatte doch Hoffnung, daß die Wahl auf ihn fallen werde. Davon sprach er nun und wie es so seine liebe Art war, sich bei Tisch recht auszubreiten, saß er da, mit den Armen den halben Tisch umfassend, und wie er aus dem offenen Fenster zum Himmel aufsah, war sein Gesicht so jung und hoffnungsfreudig, niemals mehr sollte ich ihn so sehen. Da sagte Amalia mit einer Überlegenheit, die wir an ihr nicht kannten, solchen Reden der Herren müsse man nicht sehr vertrauen, die Herren pflegen bei derartigen Gelegenheiten gern etwas Gefälliges zu sagen, aber Bedeutung habe das wenig oder gar nicht, kaum gesprochen, sei es schon für immer vergessen, freilich bei der nächsten Gelegenheit gehe man ihnen wieder auf den Leim. Die Mutter verwies ihr solche Reden, der Vater lachte nur über ihre Altklugheit und Vielerfahrenheit, dann aber stutzte er, schien etwas zu suchen, dessen Fehlen er erst jetzt merkte, aber es fehlte doch nichts und sagte: Brunswick habe etwas von einem Boten und einem zerrissenen Brief erzählt, und er fragte, ob wir etwas davon wußten, wen es betreffe und wie es sich damit verhalte. Wir schwiegen, Barnabas, damals noch jung wie ein Lämmchen, sagte irgend etwas besonders Dummes oder Keckes, man sprach von anderem und die Sache kam in Vergessenheit.“

[¶4] “But not long afterwards we were overwhelmed with questions from all sides about the story of the letter, we were visited by friends and enemies, acquaintances and complete strangers. Not one of them stayed for any length of time, and our best friends were the quickest to go. Lasemann, usually so slow and dignified, came in hastily as if only to see the size of the room, one look round it and he was gone, it was like a horrible kind of children’s game when he fled and father, shaking himself free from some other people, ran after him to the very door and then gave it up; Brunswick came and gave notice, he said quite honestly that he wanted to set up in business for himself, a shrewd man, he knew how to seize the right moment; customers came and hunted round father’s storeroom for the boots they had left to be repaired, at first father tried to persuade them to change their minds—and we all backed him up as much as we could—but later he gave it up, and without saying a word helped them to find their belongings, line after line in the order-book was cancelled, the pieces of leather people had left with us were handed back, all debts owing us were paid, everything went smoothly without the slightest trouble, they asked for nothing better than to break every connection with us quickly and completely, even if they lost by it; that counted for nothing. And finally, as we might have foreseen, Seemann appeared, the Captain of the Fire Brigade; I can still see the scene before me, Seemann, tall and stout, but with a slight stoop from weakness in the lungs, a serious man who never could laugh, standing in front of my father whom he admired, whom he had promised in confidence to make a deputy Captain, and to whom he had now to say that the Brigade required his services no longer and asked for the return of his diploma. All the people who happened to be in our house left their business for the moment and crowded round the two men, Seemann found it difficult to speak and only kept on tapping father on the shoulder, as if he were trying to tap out of him the words he ought to say and couldn’t find. And he kept on laughing, probably to cheer himself a little and everybody else, but since he’s incapable of laughing and no one had ever heard him laugh, it didn’t occur to anybody that he was really laughing. But father was too tired and desperate after the day he’d had to help anybody out, he looked even too tired to grasp what was happening. We were all in despair, too, but being young didn’t believe in the completeness of our ruin, and kept on expecting that someone in the long procession of visitors would arrive and put a stop to it all and make everything swing the other way again. In our foolishness we thought that Seemann was that very man. We were all keyed up waiting for his laughter to stop, and for the decisive statement to come out at last. What could he be laughing at, if not at the stupid injustice of what had happened to us? Oh Captain, Captain, tell them now at last, we thought, and pressed close to him, but that only made him recoil away from us in the most curious way. At length, however, he did begin to speak, in response not to our secret wishes, but to the encouraging or angry cries of the crowd. Yet still we had hopes. He began with great praise for our father. Called him an ornament to the Brigade, an inimitable model to posterity, an indispensable member whose removal must reduce the Brigade almost to ruin. That was all very fine, had he stopped there. But he went on to say that since in spite of that the Brigade had decided, only as a temporary measure of course, to ask for his resignation, they would all understand the seriousness of the reason which forced the Brigade to do so. Perhaps if father had not distinguished himself so much at the celebration of the previous day it would not have been necessary to go so far, but his very superiority had drawn official attention to the Brigade, and brought it into such prominence that the spotlessness of its reputation was more than ever a matter of honour to it. And now that a messenger had been insulted, the Brigade couldn’t help itself, and he, Seemann, found himself in the difficult position of having to convey its decision. He hoped that father would not make it any more difficult for him. Seemann was glad to have got it out. He was so pleased with himself that he even forgot his exaggerated tact, and pointed to the diploma hanging on the wall and made a sign with his finger. Father nodded and went to fetch it, but his hands trembled so much that he couldn’t get it off the hook. I climbed on a chair and helped him. From that moment he was done for, he didn’t even take the diploma out of its frame, but handed the whole thing over to Seemann. Then he sat down in a corner and neither moved nor spoke to anybody, and we had to attend to the last people there by ourselves as well as we could.” “And where do you see in all this the influence of the Castle?” asked K. “So far it doesn’t seem to have come in. What you’ve told me about is simply the ordinary senseless fear of the people, malicious pleasure in hurting a neighbour, specious friendship, things that can be found anywhere, and, I must say, on the part of your father—at least, so it seems to me—a certain pettiness, for what was the diploma? Merely a testimonial to his abilities, these themselves weren’t taken from him, if they made him indispensable so much the better, and the one way he could have made things difficult for the Captain would have been by flinging the diploma at his feet before he had said two words. But the significant thing to me is that you haven’t mentioned Amalia at all; Amalia, who was to blame for everything, apparently stood quietly in the background and watched the whole house collapse.” “No,” said Olga, “nobody ought to be blamed, nobody could have done anything else, all that was already due to the influence of the Castle.” “Influence of the Castle,” repeated Amalia, who had slipped in unnoticed from the courtyard; the old people had been long in bed. “Is it Castle gossip you’re at? Still sitting with your heads together? And yet you wanted to go away immediately you came, K., and it’s nearly ten now. Are you really interested in that kind of gossip? There are people in the village who live on it, they stick their heads together just like you two and entertain each other by the hour. But I didn’t think you were one of them.” “On the contrary,” said K., “that’s exactly what I am, and moreover people who don’t care for such gossip and leave it all to others don’t interest me particularly.” “Indeed,” said Amalia, “well, there are many different kinds of interest, you know; I heard once of a young man who thought of nothing but the Castle day and night, he neglected everything else and people feared for his reason, his mind was so wholly absorbed by the Castle. It turned out at length, however, that it wasn’t really the Castle he was thinking of, but the daughter of a charwoman in the offices up there, so he got the girl and was all right again.” “I think I would like that man,” said K. “As for your liking the man, I doubt it,” said Amalia, “it’s probably his wife you would like. Well, don’t let me disturb you, I’ve got to go to bed, and I must put out the light for the old folks’ sake. They’re sound asleep now, but they don’t really sleep for more than an hour, and after that the smallest glimmer disturbs them. Good night.” And actually the light went out at once, and Amalia bedded herself somewhere on the floor near her parents. “Who’s the young man she mentioned?” asked K., “I don’t know,” said Olga, “perhaps Brunswick, although it doesn’t fit him exactly, but it might have been somebody else. It’s not easy to follow her, for often one can’t tell whether she’s speaking ironically or in earnest. Mostly she’s in earnest but sounds ironical.” “Never mind explaining,” said K. “How have you come to be so dependent on her? Were things like that before the catastrophe? Or did it happen later? And do you never feel that you want to be independent of her? And is there any sense in your dependence? She’s the youngest, and should give way to you. Innocently or not, she was the person who brought ruin on the family. And instead of begging your pardon for it anew every day she carries her head higher than anybody else, bothers herself about nothing except what she chooses to do for her parents, nothing would induce her to become acquainted with your affairs, to use her own expression, and then if she does speak to you at all she’s mostly in earnest, but sounds ironical. Does she queen it over you on account of her beauty, which you’ve mentioned more than once? Well, you’re all three very like each other, but Amalia’s distinguishing mark is hardly a recommendation, and repelled me the first time I saw it, I mean her cold hard eye. And although she’s the youngest she doesn’t look it, she has the ageless look of women who seem not to grow any older, but seem never to have been young either. You see her every day, you don’t notice the hardness of her face. That’s why, on reflection, I can’t take Sortini’s passion for her very seriously, perhaps he sent the letter simply to punish her, but not to summon her.” “I won’t argue about Sortini,” said Olga, “for the Castle gentlemen everything is possible, let a girl be as pretty or as ugly as you like. But in all the rest you’re utterly mistaken so far as Amalia is concerned. I have no particular motive for winning you over to Amalia’s side, and if I try to do it it’s only for your own sake. Amalia in some way or other was the cause of our misfortunes, that’s true, but not even my father, who was the hardest hit, and who was never very sparing of his tongue, particularly at home, not even my father has ever said a word of reproach to Amalia even in our very worst times. Not because he approved of her action, he was an admirer of Sortini’s, and how could he have approved of it? He couldn’t understand it even remotely, for Sortini he would have been glad to sacrifice himself and all that was his, although hardly in the way things actually happened, as an outcome apparently of Sortini’s anger. I say apparently, for we never heard another word from Sortini; if he was reticent before then, from that day on he might as well have been dead. Now, you should have seen Amalia at that time. We all knew that no definite punishment would be visited on us. We were only shunned. By the village and by the Castle. But while we couldn’t help noticing the ostracism of the village, the Castle gave us no sign. Of course we had had no sign of favour from the Castle in the past, so how could we notice the reverse? This blankness was the worst of all. It was far worse than the withdrawal of the people down here, for they hadn’t deserted us out of conviction, perhaps they had nothing very serious against us, they didn’t despise us then as they do today, they only did it out of fear, and were waiting to see what would happen next. And we weren’t afraid of being stranded, for all our debtors had paid us, the settling-up had been entirely in our favour, and any provisions we didn’t have were sent us secretly by relations, it was easy enough for us, it was harvest time—though we had no fields of our own and nobody would take us on as workers, so that for the first time in our lives we were condemned to go nearly idle. So there we sat all together with the windows shut in the heats of July and August. Nothing happened. No invitations, no news, no callers, nothing.” “Well,” said K., “since nothing happened and you had no definite punishment hanging over you, what was there to be afraid of? What people you are!” “How am I to explain it?” said Olga. “We weren’t afraid of anything in the future, we were suffering under the immediate present, we were actually enduring our punishment. The others in the village were only waiting for us to come to them, for father to open his workshop again, for Amalia, who could sew the most beautiful clothes, fit for the best families, to come asking for orders again, they were all sorry to have had to act as they did; when a respected family is suddenly cut out of village life it means a loss for everybody, so when they broke with us they thought they were only doing their duty, in their place we should have done just the same. They didn’t know very clearly what was the matter, except that the messenger had returned to the Herrenhof with a handful of torn paper. Frieda had seen him go out and come back, had exchanged a few words with him, and then spread what she had learned everywhere. But not in the least from enmity to us, simply from a sense of duty which anybody would have felt in the same circumstances. And, as I’ve said, a happy ending to the whole story would have pleased everybody best. If we had suddenly put in an appearance with the news that everything was settled, that it had only been a misunderstanding, say, which was now quite cleared up, or that there had been actually some cause for offence which had now been made good, or else—and even this would have satisfied people—that through our influence in the Castle the affair had been dropped, we should certainly have been received again with open arms, there would have been kissings and congratulations, I have seen that kind of thing happen to others once or twice already. And it wouldn’t have been necessary to say even as much as that; if we had only come out in the open and shown ourselves, if we had picked up our old connections without letting fall a single word about the affair of the letter, it would have been enough, they would all have been glad to avoid mentioning the matter; it was the painfulness of the subject as much as their fear that made them draw away from us, simply to avoid hearing about it or speaking about it or thinking about it or being affected by it in any way. When Frieda gave it away it wasn’t out of mischief but as a warning, to let the parish know that something had happened which everybody should be careful to keep clear of. It wasn’t our family that was taboo, it was the affair, and our family only in so far as we were mixed up in the affair. So if we had quietly come forward again and let bygones be bygones and shown by our behaviour that the incident was closed, no matter in what way, and reassured public opinion that it was never likely to be mentioned again, whatever its nature had been, everything would have been made all right in that way too, we should have found friends on all sides as before, and even if we hadn’t completely forgotten what had happened people would have understood and helped us to forget it completely. Instead of that we sat in the house. I don’t know what we were expecting, probably some decision from Amalia, for on that morning she had taken the lead in the family and she still maintained it. Without any particular contriving or commanding or imploring, almost by her silence alone. We others, of course, had plenty to discuss, there was a steady whispering from morning till evening, and sometimes father would call me to him in sudden panic and I would have to spend half the night on the edge of his bed. Or we would often creep away together, I and Barnabas, who knew nothing about it all at first, and was always in a fever for some explanation, always the same, for he realised well enough that the carefree years that others of his age looked forward to were now out of the question for him, so we used to put our heads together, K., just like us two now, and forget that it was night, and that morning had come again. Our mother was the feeblest of us all, probably because she had not only endured our common sorrows but the private sorrow of each of us, and so we were horrified to see changes in her which, as we guessed, lay in wait for all of us. Her favourite seat was the corner of the sofa, it’s long since we parted with it, it stands now in Brunswick’s big living-room, well, there she sat and—we couldn’t tell exactly what was wrong—used to doze or carry on long conversations with herself, we guessed it from the moving of her lips. It was so natural for us to be always discussing the letter, to be always turning it over in all its known details and unknown potentialities, and to be always outdoing each other in thinking out plans for restoring our fortunes; it was natural and unavoidable, but not good, we only plunged deeper and deeper into what we wanted to escape from. And what good were these inspirations, however brilliant? None of them could be acted on without Amalia, they were all tentative, and quite useless because they stopped short of Amalia, and even if they had been put to Amalia they would have met with nothing but silence. Well, I’m glad to say I understand Amalia better now than I did then. She had more to endure than all of us, it’s incomprehensible how she managed to endure it and still survive. Mother, perhaps, had to endure all our troubles, but that was because they came pouring in on her; and she didn’t hold out for long; no one could say that she’s holding out against them today, and even at that time her mind was beginning to go. But Amalia not only suffered, she had the understanding to see her suffering clearly, we saw only the effects, but she knew the cause, we hoped for some small relief or other, she knew that everything was decided, we had to whisper, she had only to be silent. She stood face to face with the truth and went on living and endured her life then as now. In all our straits we were better off than she. Of course, we had to leave our house. Brunswick took it on, and we were given this cottage, we brought our things over in several journeys with a handcart, Barnabas and I pulling and father and Amalia pushing behind, mother was already sitting here on a chest, for we had brought her here first, and she whimpered softly all the time. Yet I remember than even during those toilsome journeys—they were painful, too, for we often met harvest wagons, and the people became silent when they saw us and turned away their faces—even during those journeys Barnabas and I couldn’t stop discussing our troubles and our plans, so that we often stood stock still in the middle of pulling and had to be roused by father’s ‘Hallo’ from behind. But all our talking made no difference to our life after the removal, except that we began gradually to feel the pinch of poverty as well. Our relatives stopped sending us things, our money was almost done, and that was the time when people first began to despise us in the way you can see now. They saw that we hadn’t the strength to shake ourselves clear of the scandal, and they were irritated. They didn’t underestimate our difficulties, although they didn’t know exactly what they were, and they knew that probably they wouldn’t have stood up to them any better themselves, but that made it only all the more needful to keep clear of us—if we had triumphed they would have honoured us correspondingly, but since we failed they turned what had only been a temporary measure into a final resolve, and cut us off from the community forever. We were no longer spoken of as ordinary human beings, our very name was never mentioned, if they had to refer to us they called us Barnabas’s people, for he was the least guilty; even our cottage gained in evil reputation, and you yourself must admit, if you’re honest, that on your first entry into it you thought it justified its reputation; later on, when people occasionally visited us again, they used to screw up their noses at the most trivial things, for instance, because the little oil-lamp hung over the table. Where should it hang if not over the table? and yet they found it insupportable. But if we hung the lamp somewhere else they were still disgusted. Whatever we did, whatever we had, it was all despicable.”

> German: „Aber kurz darauf wurden wir schon von allen Seiten mit Fragen wegen der Briefgeschichte überschüttet, es kamen Freunde und Feinde, Bekannte und Fremde. Man blieb aber nicht lange, die besten Freunde verabschiedeten sich am eiligsten. Lasemann, immer sonst langsam und würdig, kam herein, so als wolle er nur das Ausmaß der Stube prüfen, ein Blick im Umkreis und er war fertig, es sah wie ein schreckliches Kinderspiel aus, als Lasemann sich flüchtete und der Vater von anderen Leuten sich losmachte und hinter ihm hereilte, bis zur Schwelle des Hauses und es dann aufgab; Brunswick kam und kündigte dem Vater, er wolle sich selbständig machen, sagte er ganz ehrlich, ein kluger Kopf, der den Augenblick zu nützen verstand; Kundschaften kamen und suchten in Vaters Lagerraum ihre Stiefel hervor, die sie zur Reparatur hier liegen hatten, zuerst versuchte der Vater die Kundschaften umzustimmen - und wir alle unterstützten ihn nach unseren Kräften - später gab es der Vater auf und half stillschweigend den Leuten suchen, im Auftragsbuch wurde Zeile für Zeile gestrichen, die Ledervorräte, welche die Leute bei uns hatten, wurden herausgegeben, Schulden bezahlt, alles ging ohne den geringsten Streit, man war zufrieden, wenn es gelang, die Verbindung mit uns schnell und vollständig zu lösen, mochte man auch dabei Verluste haben, das kam nicht in Betracht. Und schließlich, was ja vorauszusehen gewesen war, erschien Seemann, der Obmann der Feuerwehr; ich sehe die Szene noch vor mir, Seemann groß und stark, aber ein wenig gebeugt und lungen- krank, immer ernst, er kann gar nicht lachen, steht vor meinem Vater, den er bewundert hat, dem er in vertrauten Stunden die Stelle eines Obmannstellvertreters in Aussicht gestellt hat, und soll ihm nun mitteilen, daß ihn der Verein verabschiedet und um Rückgabe des Diploms ersucht. Die Leute, die gerade bei uns waren, ließen ihre Geschäfte ruhen und drängten sich im Kreis um die zwei Männer. Seemann kann nichts sagen, klopft nur immerfort dem Vater auf die Schulter, so als wolle er dem Vater die Worte ausklopfen, die er selbst sagen soll und nicht finden kann. Dabei lacht er immerfort, wodurch er wohl sich und alle ein wenig beruhigen will, aber da er nicht lachen kann und man ihn noch niemals lachen gehört, fällt es niemandem ein zu glauben, daß das ein Lachen sei. Der Vater aber ist von diesem Tag schon zu müde und verzweifelt, um jemandem helfen zu können, ja er scheint zu müde, um überhaupt nachzudenken, um was es sich handelt. Wir waren ja alle in gleicher Weise verzweifelt, aber da wir jung waren, konnten wir an einen solchen vollständigen Zusammenbruch nicht glauben, immer dachten wir, daß in der Reihe der vielen Besucher endlich doch jemand kommen werde, der halt befiehlt und alles wieder zu einer rückläufigen Bewegung zwingt. Seemann erschien uns in unserem Unverstand dafür besonders geeignet. Mit Spannung warteten wir, daß sich aus diesem fortwährenden Lachen endlich das klare Wort loslösen werde. Worüber war denn jetzt zu lachen, doch nur über das dumme Unrecht, das uns geschah. Herr Obmann, Herr Obmann, sagen Sie es doch endlich den Leuten, dachten wir und drängten uns an ihn heran, was ihn aber nur zu merkwürdigen Drehbewegungen veranlaßte. Endlich aber fing er, zwar nicht um unsere geheimen Wünsche zu erfüllen, sondern um den aufmunternden oder ärgerlichen Zurufen der Leute zu entsprechen, doch zu reden an. Noch immer hatten wir Hoffnung. Er begann mit großem Lob des Vaters. Nannte ihn eine Zierde des Vereins, ein unerreichbares Vorbild des Nachwuchses, ein unentbehrliches Mitglied, dessen Ausscheiden den Verein fast zerstören müsse. Das war alles sehr schön, hätte er doch hier geendet. Aber er sprach weiter. Wenn sich nun trotzdem der Verein entschlossen habe, den Vater, vorläufig allerdings nur, um den Abschied zu ersuchen, werde man den Ernst der Gründe erkennen, die den Verein dazu zwangen. Vielleicht hätte es ohne die glänzenden Leistungen des Vaters am gestrigen Fest gar nicht so weit kommen müssen, aber eben diese Leistungen hätten die amtliche Aufmerksamkeit besonders erregt, der Verein stand jetzt in vollem Licht und müsse auf seine Reinheit noch mehr bedacht sein als früher. Und nun war die Beleidigung des Boten geschehen, da habe der Verein keinen anderen Ausweg gefunden, und er, Seemann, habe das schwere Amt übernommen, es zu melden. Der Vater möge es ihm nicht noch mehr erschweren. Wie froh war Seemann, das hervorgebracht zu haben, aus Zufriedenheit darüber, war er nicht einmal mehr übertrieben rücksichtsvoll, er zeigte auf das Diplom, das an der Wand hing, und winkte mit dem Finger. Der Vater nickte und ging es holen, konnte es aber mit den zitternden Händen nicht vom Haken bringen. Ich stieg auf einen Sessel und half ihm. Und von diesem Augenblick an war alles zu Ende, er nahm das Diplom nicht einmal mehr aus dem Rahmen, sondern gab Seemann alles, wie es war. Dann setzte er sich in einen Winkel, rührte sich nicht und sprach mit niemandem mehr, wir mußten mit den letzten Leuten allein verhandeln, so gut es ging.“ „Und worin siehst du hier den Einfluß des Schlosses?“ fragte K. „Vorläufig scheint es noch nicht eingegriffen zu haben. Was du bisher erzählt hast, war nur gedankenlose Ängstlichkeit der Leute, Freude am Schaden des Nächsten, unzuverlässige Freundschaft, Dinge, die überall anzutreffen sind, und auf Seite deines Vaters allerdings auch - wenigstens scheint es mir so - eine gewisse Kleinlichkeit, denn jenes Diplom, was war es? Bestätigung seiner Fähigkeiten und die behielt er doch, machten sie ihn unentbehrlich, desto besser, und er hätte dem Obmann die Sache wirklich schwer nur dadurch gemacht, daß er ihm das Diplom gleich beim zweiten Wort vor die Füße geworfen hätte. Besonders bezeichnend scheint mir aber, daß du Amalia gar nicht erwähnst, Amalia, die doch alles verschuldet hatte, stand wahrscheinlich ruhig im Hintergrund und betrachtete die Verwüstung.“ „Nein,“ sagte Olga, „niemandem ist ein Vorwurf zu machen, niemand konnte anders handeln, das alles war schon Einfluß des Schlosses.“ „Einfluß des Schlosses“, wiederholte Amalia, die unvermerkt vom Hofe her eingetreten war, die Eltern lagen längst zu Bett. „Schloßgeschichten werden erzählt? noch immer sitzt ihr beisammen? Und du hattest dich doch gleich verabschieden wollen, K., und nun geht es schon auf zehn. Bekümmern dich denn solche Geschichten überhaupt? Es gibt hier Leute, die sich von solchen Geschichten nähren, sie setzen sich zusammen, so wie ihr hier sitzt und traktieren sich gegenseitig. Du scheinst mir aber nicht zu diesen Leuten zu gehören.“ „Doch,“ sagte K., „ich gehöre genau zu ihnen, dagegen machen Leute, die sich um solche Geschichten nicht bekümmern und nur andere sich bekümmern lassen, nicht viel Eindruck auf mich.“ „Nun ja,“ sagte Amalia, „aber das Interesse der Leute ist ja sehr verschiedenartig, ich hörte einmal von einem jungen Mann, der beschäftigte sich mit den Gedanken an das Schloß bei Tag und Nacht, alles andere vernachlässigte er, man fürchtete für seinen Alltagsverstand, weil sein ganzer Verstand oben im Schloß war. Schließlich aber stellte es sich heraus, daß er nicht eigentlich das Schloß, sondern nur die Tochter einer Aufwaschfrau in den Kanzleien gemeint hatte, die bekam er nun allerdings und dann war wieder alles gut.“ „Der Mann würde mir gefallen, glaube ich“, sagte K. „Daß dir der Mann gefallen würde,“ sagte Amalia, „bezweifle ich, aber vielleicht seine Frau. Nun, laßt euch aber nicht stören, ich gehe allerdings schlafen und auslöschen werde ich müssen, der Eltern wegen. Sie schlafen zwar gleich fest ein, aber nach einer Stunde ist schon der eigentliche Schlaf zu Ende und dann stört sie der kleinste Schein. Gute Nacht.“ Und wirklich wurde es gleich finster, Amalia machte sich wohl irgendwo auf der Erde beim Bett der Eltern ihr Lager zurecht. „Wer ist denn dieser junge Mann, von dem sie sprach“, fragte K. „Ich weiß nicht,“ sagte Olga, „vielleicht Brunswick, trotzdem es für ihn nicht ganz paßt, vielleicht aber auch ein anderer. Es ist nicht leicht, sie genau zu verstehen, weil man oft nicht weiß, ob sie ironisch oder ernst spricht. Meistens ist es ja ernst, aber es klingt ironisch.“ „Laß die Deutungen“, sagte K. „Wie kamst du denn in diese große Abhängigkeit von ihr? War es schon vor dem großen Unglück so? Oder erst nachher? Und hast du niemals den Wunsch, von ihr unabhängig zu werden? Und ist denn diese Abhängigkeit irgendwie vernünftig begründet? Sie ist die Jüngste und hat als solche zu gehorchen. Sie hat, schuldig oder unschuldig, das Unglück über die Familie gebracht. Statt dafür jeden neuen Tag jeden von euch von neuem um Verzeihung zu bitten, trägt sie den Kopf höher als alle, kümmert sich um nichts als knapp gnadenweise um die Eltern, will in nichts eingeweiht werden, wie sie sich ausdrückt, und wenn sie endlich einmal mit euch spricht, dann ist es meistens ernst, aber es klingt ironisch. Oder herrscht sie etwa durch ihre Schönheit, die du manchmal erwähnst? Nun ihr seid euch alle drei sehr ähnlich, das aber, wodurch sie sich von euch zweien unterscheidet, ist durchaus zu ihren Ungunsten, schon als ich sie zum erstenmal sah, schreckte mich ihr stumpfer liebloser Blick ab. Und dann ist sie zwar die Jüngste, aber davon merkt man nichts in ihrem Äußeren, sie hat das alterlose Aussehen der Frauen, die kaum altern, die aber auch kaum jemals eigentlich jung gewesen sind. Du siehst sie jeden Tag, du merkst gar nicht die Härte ihres Gesichtes. Darum kann ich auch Sortinis Neigung, wenn ich es überlege, nicht einmal sehr ernst nehmen, vielleicht wollte er sie mit dem Brief nur strafen, aber nicht rufen.“ „Von Sortini will ich nicht reden,“ sagte Olga, „bei den Herren im Schloß ist alles möglich, ob es nun um das schönste oder um das häßlichste Mädchen geht. Sonst aber irrst du hinsichtlich Amalias vollkommen. Sieh, ich habe doch keinen Anlaß, dich für Amalia besonders zu gewinnen, und versuche ich es dennoch, tue ich es nur deinetwegen. Amalia war irgendwie die Ursache unseres Unglücks, das ist gewiß, aber selbst der Vater, der doch am schwersten von dem Unglück getroffen war, und sich in seinen Worten niemals sehr beherrschen konnte, gar zu Hause nicht, selbst der Vater hat Amalia auch in den schlimmsten Zeiten kein Wort des Vorwurfs gesagt. Und das nicht etwa deshalb, weil er Amalias Vorgehen gebilligt hätte, wie hätte er, ein Verehrer Sortinis, es billigen können. Nicht von der Ferne konnte er es verstehen, sich und alles was er hatte, hätte er Sortini wohl gern zum Opfer gebracht, allerdings nicht so, wie es jetzt wirklich geschah, unter Sortinis wahrscheinlichem Zorn. Wahrscheinlichem Zorn, denn wir erfuhren nichts mehr von Sortini; war er bisher zurückgezogen gewesen, so war es von jetzt ab, als sei er überhaupt nicht mehr. Und nun hättest du Amalia sehen sollen in jener Zeit. Wir alle wußten, daß keine ausdrückliche Strafe kommen werde. Man zog sich nur von uns zurück. Die Leute hier, wie auch das Schloß. Während man aber den Rückzug der Leute natürlich merkte, war vom Schloß gar nichts zu merken. Wir hatten ja früher auch keine Fürsorge des Schlosses gemerkt, wie hätten wir jetzt einen Umschwung merken können. Diese Ruhe war das Schlimmste. Bei weitem nicht der Rückzug der Leute, sie hatten es ja nicht aus irgendeiner Überzeugung getan, hatten vielleicht auch gar nichts Ernstliches gegen uns, die heutige Verachtung bestand noch gar nicht, nur aus Angst hatten sie es getan und jetzt warteten sie, wie es weiter ausgehen werde. Auch Not hatten wir noch keine zu fürchten, alle Schuldner hatten uns gezahlt, die Abschlüsse waren vorteilhaft gewesen, was uns an Lebensmitteln fehlte, darin halfen uns im geheimen Verwandte aus, es war leicht, es war ja in der Erntezeit, allerdings Felder hatten wir keine und mitarbeiten ließ man uns nirgends, wir waren zum erstenmal im Leben fast zum Müßiggang verurteilt. Und nun saßen wir beisammen, bei geschlossenen Fenstern, in der Hitze des Juli und August. Es geschah nichts. Keine Vorladung, keine Nachricht, kein Besuch, nichts.“ „Nun,“ sagte K., „da nichts geschah und auch keine ausdrückliche Strafe zu erwarten war, wovor habt ihr euch gefürchtet? Was seid ihr doch für Leute!“ „Wie soll ich es dir erklären?“ sagte Olga. „Wir fürchteten nichts Kommendes, wir litten schon nur unter dem Gegenwärtigen, wir waren mitten in der Bestrafung darin. Die Leute im Dorf warteten ja nur darauf, daß wir zu ihnen kämen, daß der Vater seine Werkstatt wieder aufmache, daß Amalia, die sehr schöne Kleider zu nähen verstand, allerdings nur für die Vornehmsten, wieder um Bestellungen käme, es tat ja allen Leuten leid, was sie getan hatten; wenn im Dorf eine angesehene Familie plötzlich ganz ausgeschaltet wird, hat jeder irgendeinen Nachteil davon, sie hatten, als sie sich von uns lossagten, nur ihre Pflicht zu tun geglaubt, wir hätten es an ihrer Stelle auch nicht anders getan. Sie hatten ja auch nicht genau gewußt, um was es sich gehandelt hatte, nur der Bote war, die Hand voll Papierfetzen, in den Herrenhof zurückgekommen. Frieda hatte ihn ausgehen und dann wiederkommen gesehen, ein paar Worte mit ihm gesprochen und das, was sie erfahren hatte, gleich verbreitet. Aber wieder gar nicht aus Feindseligkeit gegen uns, sondern einfach aus Pflicht, wie es im gleichen Falle die Pflicht jedes anderen gewesen wäre. Und nun wäre den Leuten, wie ich schon sagte, eine glückliche Lösung des Ganzen am willkommensten gewesen. Wenn wir plötzlich einmal gekommen wären mit der Nachricht, daß alles schon in Ordnung sei, daß es z. B. nur ein inzwischen völlig aufgeklärtes Mißverständnis gewesen sei, oder daß es zwar ein Vergehen gewesen sei, aber es sei schon durch die Tat gutgemacht oder - selbst das hätte den Leuten genügt - daß es uns durch unsere Verbindungen im Schloß gelungen sei, die Sache niederzuschlagen, - man hätte uns ganz gewiß wieder mit offenen Armen aufgenommen, Küsse, Umarmungen, Feste hätte es gegeben, ich habe Derartiges bei anderen einige Male erlebt. Aber nicht einmal eine solche Nachricht wäre nötig gewesen; wenn wir nur freigekommen wären und uns angeboten, die alten Verbindungen wieder aufgenommen hätten, ohne auch nur ein Wort über die Briefgeschichte zu verlieren, es hätte genügt, mit Freude hätten alle auf die Besprechung der Sache verzichtet, es war ja, neben der Angst, vor allem die Peinlichkeit der Sache gewesen, weshalb man sich von uns getrennt, einfach um nichts von der Sache zu hören, nicht von ihr sprechen, nicht an sie denken, in keiner Weise von ihr berührt werden zu müssen. Wenn Frieda die Sache verraten hatte, so hatte sie es nicht getan, um sich an ihr zu freuen, sondern um sich und alle vor ihr zu bewahren, um die Gemeinde darauf aufmerksam zu machen, daß hier etwas geschehen war, von dem man sich auf das sorgfältigste fernzuhalten hatte. Nicht wir kamen hier als Familie in Betracht, sondern nur die Sache und wir nur der Sache wegen, in die wir uns verflochten hatten. Wenn wir also nur wieder hervorgekommen wären, das Vergangene ruhen gelassen hätten, durch unser Verhalten gezeigt hätten, daß wir die Sache überwunden hatten, gleichgültig auf welche Weise, und die Öffentlichkeit so die Überzeugung gewonnen hätte, daß die Sache, wie immer sie auch beschaffen gewesen sein mag, nicht wieder zur Besprechung kommen werde, auch so wäre alles gut gewesen, überall hätten wir die alte Hilfsbereitschaft gefunden, selbst wenn wir die Sache nur unvollständig vergessen hätten, man hätte es verstanden und hätte uns geholfen, sie völlig zu vergessen. Statt dessen aber saßen wir zu Hause. Ich weiß nicht, worauf wir warteten, auf Amalias Entscheidung wohl, sie hatte damals an jenem Morgen die Führung der Familie an sich gerissen und hielt sie fest. Ohne besondere Veranstaltungen, ohne Befehle, ohne Bitten, fast nur durch Schweigen. Wir andern hatten freilich viel zu beraten, es war ein fortwährendes Flüstern vom Morgen bis zum Abend und manchmal rief mich der Vater in plötzlicher Beängstigung zu sich und ich verbrachte am Bettrand die halbe Nacht. Oder manchmal hockten wir uns zusammen, ich und Barnabas, der ja erst sehr wenig von dem Ganzen verstand und immerfort ganz glühend Erklärungen verlangte, immerfort die gleichen, er wußte wohl, daß die sorgenlosen Jahre, die andere seines Alters erwarteten, für ihn nicht mehr vorhanden waren, so saßen wir zusammen ganz ähnlich, K., wie wir zwei jetzt, und vergaßen, daß es Nacht wurde und wieder Morgen. Die Mutter war die Schwächste von uns allen, wohl, weil sie nicht nur das gemeinsame Leid, sondern auch noch jedes einzelnen Leid mitgelitten hat, und so konnten wir mit Schrecken Veränderungen an ihr wahrnehmen, die, wie wir ahnten, unserer ganzen Familie bevorstanden. Ihr bevorzugter Platz war der Winkel eines Kanapees, wir haben es längst nicht mehr, es steht in Brunswicks großer Stube, dort saß sie und - man wußte nicht genau, was es war - schlummerte oder hielt, wie die bewegten Lippen anzudeuten schienen, lange Selbstgespräche. Es war ja so natürlich, daß wir immerfort die Briefgeschichte besprachen, kreuz und quer in allen sicheren Einzelheiten und allen unsicheren Möglichkeiten, und daß wir immerfort im Aussinnen von Mitteln zur guten Lösung uns übertrafen, es war natürlich und unvermeidlich, aber nicht gut, wir kamen ja dadurch immerfort tiefer in das, dem wir entgehen wollten. Und was halfen denn diese noch so ausgezeichneten Einfälle, keiner war aus- führbar ohne Amalia, alle waren nur Vorberatungen, sinnlos dadurch, daß ihre Ergebnisse gar nicht bis zu Amalia kamen, und wenn sie hingekommen wären, nichts anderes angetroffen hätten als Schweigen. Nun, glücklicherweise verstehe ich heute Amalia besser als damals. Sie trug mehr als wir alle, es ist unbegreiflich, wie sie es ertragen hat und noch heute unter uns lebt. Die Mutter trug vielleicht unser aller Leid, sie trug es, weil es über sie hereingebrochen ist, und sie trug es nicht lange; daß sie es heute noch irgendwie trägt, kann man nicht sagen und schon damals war ihr Sinn verwirrt. Aber Amalia trug nicht nur das Leid, sondern hatte auch den Verstand, es zu durchschauen, wir sahen nur die Folgen, sie sah den Grund, wir hofften auf irgendwelche kleine Mittel, sie wußte, daß alles entschieden war, wir hatten zu flüstern, sie hatte nur zu schweigen, Aug’ in Aug’ mit der Wahrheit stand sie und lebte und ertrug dieses Leben damals wie heute. Wie viel besser ging es uns in aller unserer Not als ihr. Wir mußten freilich unser Haus verlassen. Brunswick bezog es, man wies uns diese Hütte zu, mit einem Handkarren brachten wir unser Eigentum in einigen Fahrten hier herüber, Barnabas und ich zogen, der Vater und Amalia halfen hinten nach, die Mutter, die wir gleich anfangs hergebracht hatten, empfing uns, auf einer Kiste sitzend, immer mit leisem Jammern. Aber ich erinnere mich, daß wir selbst während der mühevollen Fahrten - die auch sehr beschämend waren, denn öfters begegneten wir Erntewagen, deren Begleitung vor uns verstummte und die Blicke wandte - daß wir, Barnabas und ich, selbst während dieser Fahrten es nicht unterlassen konnten, von unseren Sorgen und Plänen zu sprechen, daß wir im Gespräch manchmal stehen blieben und erst das Hallo des Vaters uns an unsere Pflicht wieder erinnerte. Aber alle Besprechungen änderten auch nach der Übersiedlung unser Leben nicht, nur daß wir jetzt allmählich auch die Armut zu fühlen bekamen. Die Zuschüsse der Verwandten hörten auf, unsere Mittel waren fast zu Ende, und gerade in jener Zeit begann die Verachtung für uns, wie du sie kennst, sich zu entwickeln. Man merkte, daß wir nicht die Kraft hatten, uns aus der Briefgeschichte herauszuarbeiten, und man nahm uns das sehr übel, man unterschätzte nicht die Schwere unseres Schicksals, trotzdem man es nicht genau kannte, man wußte, daß man selbst die Probe wahrscheinlich nicht besser bestanden hätte als wir, aber um so notwendiger war es, sich von uns völlig zu trennen - man hätte, wenn wir es überwunden hätten, uns entsprechend hoch geehrt, da es uns aber nicht gelungen war, tat man das, was man bisher nur vorläufig getan hatte, endgültig, man schloß uns aus jedem Kreise aus. Nun sprach man von uns nicht mehr wie von Menschen, unser Familienname wurde nicht mehr genannt, wenn man von uns sprechen mußte, nannte man uns nach Barnabas, dem Unschuldigsten von uns, selbst unsere Hütte geriet in Verruf, und wenn du dich prüfst, wirst du gestehen, daß auch du beim ersten Eintritt die Berechtigung dieser Verachtung zu merken glaubtest; später, als wieder Leute manchmal zu uns kamen, rümpften sie die Nase über ganz belanglose Dinge, etwa darüber, daß die kleine Öllampe dort über dem Tisch hing. Wo sollte sie denn anders hängen, als über dem Tisch, ihnen aber erschien es unerträglich. Hängten wir aber die Lampe anderswohin, änderte sich doch nichts an ihrem Widerwillen. Alles was wir waren und hatten, traf die gleiche Verachtung.“

[¶5] “And what did we do meanwhile? The worst thing we could have done, something much more deserving of contempt than our original offence—we betrayed Amalia, we shook off her silent restraint, we couldn’t go on living like that, without hope of any kind we could not live, and we began each in his or her own fashion with prayers or blustering to beg the Castle’s forgiveness. We knew, of course, that we weren’t in a position to make anything good, and we knew too that the only likely connection we had with the Castle—through Sortini, who had been father’s superior and had approved of him—was destroyed by what had happened, and yet we buckled down to the job. Father began it, he started making senseless petitions to the village Superintendent, to the secretaries, the advocates, the clerks, usually he wasn’t received at all, but if by guile or chance he managed to get a hearing—and how we used to exult when the news came, and rub our hands!—he was always thrown out immediately and never admitted again. Besides, it was only too easy to answer him, the Castle always has the advantage. What was it that he wanted? What had been done to him? What did he want to be forgiven for? When and by whom had so much as a finger been raised against him in the Castle? Granted he had become poor and lost his customers, etc., these were all chances of everyday life, and happened in all shops and markets; was the Castle to concern itself about things of that kind? It concerned itself about the common welfare, of course, but it couldn’t simply interfere with the natural course of events for the sole purpose of serving the interest of one man. Did he expect officials to be sent out to run after his customers and force them to come back? But, father would object—we always discussed the whole interview both before and afterwards, sitting in a corner as if to avoid Amalia, who knew well enough what we were doing, but paid no attention—well, father would object, he wasn’t complaining about his poverty, he could easily make up again for all he had lost, that didn’t matter if only he were forgiven. But what was there to forgive? came the answer; no accusation had come in against him, at least there was none in the registers, not in those registers anyhow which were accessible to the public advocates, consequently, so far as could be established, there was neither any accusation standing against him, nor one in process of being taken up. Could he perhaps refer to some official decree that had been issued against him? Father couldn’t do that. Well then, if he knew of nothing and nothing had happened, what did he want? What was there to forgive him? Nothing but the way he was aimlessly wasting official time, but that was just the unforgiveable sin. Father didn’t give in, he was still very strong in those days, and his enforced leisure gave him plenty of time. ‘I’ll restore Amalia’s honour, it won’t take long now,’ he used to say to Barnabas and me several times a day, but only in a low voice in case Amalia should hear, and yet he only said it for her benefit, for in reality he wasn’t hoping for the restoration of her honour, but only for forgiveness. Yet before he could be forgiven he had to prove his guilt, and that was denied in all the bureaux. He hit upon the idea—and it showed that his mind was already giving way—that his guilt was being concealed from him because he didn’t pay enough; until then he had paid only the established taxes, which were at least high enough for means like ours. But now he believed that he must pay more, which was certainly a delusion, for, although our officials accept bribes simply to avoid trouble and discussion, nothing is ever achieved in that way. Still, if father had set his hopes on that idea, we didn’t want them upset. We sold what we had left to sell—nearly all things we couldn’t do without—to get father the money for his efforts, and for a long time every morning brought us the satisfaction of knowing that when he went on his day’s rounds he had at least a few coins to rattle in his pocket. Of course we simply starved all day, and the only thing the money really did was to keep father fairly hopeful and happy. That could hardly be called an advantage, however. He wore himself out on these rounds of his, and the money only made them drag on and on instead of coming to a quick and natural end. Since in reality nothing extra could be done for him in return for those extra payments, clerks here and there tried to make a pretence of giving something in return, promising to look the matter up, and hinting that they were on the track of something, and that purely as a favour to father, and not as a duty, they would follow it up—and father, instead of growing sceptical, only became more and more credulous. He used to bring home such obviously worthless promises as if they were great triumphs, and it was a torment to see him behind Amalia’s back twisting his face in a smile and opening his eyes wide as he pointed to her and made signs to us that her salvation, which would have surprised nobody so much as herself, was coming nearer and nearer through his efforts, but that it was still a secret and we mustn’t tell. Things would certainly have gone on like this for a long time if we hadn’t finally been reduced to the position of having no more money to give him. Barnabas, indeed, had been taken on meanwhile by Brunswick after endless imploring as an assistant, on condition that he fetched his work in the dusk of the evening and brought it back again in the dark—it must be admitted that Brunswick was taking a certain risk in his business for our sake, but in exchange he paid Barnabas next to nothing, and Barnabas is a model workman—yet his wages were barely enough to keep us from downright starvation. Very gently and after much softening of the blow we told our father that he could have no more money, but he took it very quietly. He was no longer capable of understanding how hopeless were his attempts at intervention, but he was wearied out by continual disappointments. He said, indeed—and he spoke less clearly than before, he used to speak almost too clearly—that he would have needed only a very little more money, for tomorrow or that very day he would have found out everything, and now it had all gone for nothing, ruined simply for lack of money, and so on, but the tone in which he said it showed that he didn’t believe it all. Besides, he brought out a new plan immediately of his own accord. Since he had failed in proving his guilt, and consequently could hope for nothing more through official channels, he would have to depend on appeals alone, and would try to move the officials personally. There must certainly be some among them who had good sympathetic hearts, which they couldn’t give way to in their official capacity, but out of office hours, if one caught them at the right time, they would surely listen.”

> German: „Und was taten wir unterdessen? Das Schlimmste, was wir hätten tun können, etwas, wofür wir gerechter verachtet werden dürfen als wofür es wirklich geschah - wir verrieten Amalia, wir rissen uns los von ihrem schweigenden Befehl, wir konnten nicht mehr so weiterleben, ganz ohne Hoffnung konnten wir nicht leben und wir begannen, jeder auf seine Art, das Schloß zu bitten oder zu bestürmen, es möge uns verzeihen. Wir wußten zwar, daß wir nicht imstande waren, etwas gutzumachen, wir wußten auch, daß die einzige hoffnungsvolle Verbindung, die wir mit dem Schloß hatten, die Sortinis, des unserem Vater geneigten Beamten, eben durch die Ereignisse uns unzugänglich geworden war, trotzdem machten wir uns an die Arbeit. Der Vater begann, es begannen die sinnlosen Bittwege zum Vorsteher, zu den Sekretären, den Advokaten, den Schreibern, meistens wurde er nicht empfangen, und wenn er durch List oder Zufall doch empfangen wurde - wie jubelten wir bei solcher Nachricht und rieben uns die Hände -, wurde er äußerst schnell abgewiesen und nie wieder empfangen. Es war auch allzu leicht, ihm zu antworten, das Schloß hat es immer so leicht. Was wollte er denn? Was war ihm geschehen? Wofür wollte er eine Verzeihung? Wann und von wem war denn im Schloß auch nur ein Finger gegen ihn gerührt worden? Gewiß, er war verarmt, hatte die Kundschaft verloren usw., aber das waren Erscheinungen des täglichen Lebens, Handwerks- und Marktangelegenheiten, sollte sich denn das Schloß um alles kümmern? Es kümmerte sich ja in Wirklichkeit um alles, aber es konnte doch nicht grob eingreifen in die Entwicklung, einfach und zu keinem andern Zweck, als dem Interesse eines einzelnen Mannes zu dienen. Sollte es etwa seine Beamten ausschicken und diese sollten den Kunden des Vaters nachlaufen und sie ihm mit Gewalt zurückbringen? Aber, wendete der Vater dann ein - wir besprachen diese Dinge alle genau zu Hause vorher und nachher in einen Winkel gedrückt, wie versteckt vor Amalia, die alles zwar merkte, aber es geschehen ließ - aber, wendete der Vater dann ein, er beklage sich ja nicht wegen der Verarmung, alles, was er hier verloren habe, wolle er leicht wieder einholen, das alles sei nebensächlich, wenn ihm nur verziehen würde. Aber was solle ihm denn verziehen werden? antwortete man ihm, eine Anzeige sei bisher nicht eingelaufen, wenigstens stehe sie noch nicht in den Protokollen, zumindest nicht in den der advokatorischen Öffentlichkeit zugänglichen Protokollen, infolgedessen sei auch, soweit es sich feststellen lasse, weder etwas gegen ihn unternommen worden, noch sei etwas im Zuge. Könne er vielleicht eine amtliche Verfügung nennen, die gegen ihn erlassen worden sei? Das konnte der Vater nicht. Nun also, wenn er nicht wisse und wenn nichts geschehen sei, was wolle er denn? Was könne ihm verziehen werden? Höchstens, daß er jetzt zwecklos die Ämter belästige, aber gerade dieses sei unverzeihlich. Der Vater ließ nicht ab, er war damals noch immer sehr kräftig und der aufgezwungene Müßiggang gab ihm reichlich Zeit. „Ich werde Amalia die Ehre zurückgewinnen, es wird nicht mehr lange dauern“, sagte er zu Barnabas und mir einigemal während des Tages, aber nur sehr leise, denn Amalia durfte es nicht hören; trotzdem war es nur Amalias wegen gesagt, denn in Wirklichkeit dachte er gar nicht an das Zurückgewinnen der Ehre, sondern nur an Verzeihung. Aber um Verzeihung zu bekommen, mußte er erst die Schuld feststellen und die wurde ihm ja in den Ämtern abgeleugnet. Er verfiel auf den Gedanken - und dies zeigte, daß er doch schon geistig geschwächt war - man verheimliche ihm die Schuld, weil er nicht genug zahle, er zahlte bisher nämlich immer nur die festgesetzten Gebühren, die wenigstens für unsere Verhältnisse hoch genug waren. Er glaubte aber jetzt, er müsse mehr zahlen, was gewiß unrichtig war, denn bei unseren Ämtern nimmt man zwar der Einfachheit halber, um unnötige Reden zu vermeiden, Bestechungen an, aber erreichen kann man dadurch nichts. War es aber die Hoffnung des Vaters, wollten wir ihn darin nicht stören. Wir verkauften, was wir noch hatten - es war fast nur noch Unentbehrliches - um dem Vater die Mittel für seine Nachforschungen zu verschaffen, und lange Zeit hatten wir jeden Morgen die Genugtuung, daß der Vater, wenn er morgens sich auf den Weg machte, immer wenigstens mit einigen Münzen in der Tasche klimpern konnte. Wir freilich hungerten den Tag über, während das einzige, was wir wirklich durch die Geldbeschaffung bewirkten, war, daß der Vater in einer gewissen Hoffnungsfreudigkeit erhalten wurde. Dieses aber war kaum ein Vorteil. Er plagte sich auf seinen Gängen, und was ohne das Geld sehr bald das verdiente Ende genommen hätte, zog sich so in die Länge. Da man für die Überzahlungen in Wirklichkeit nichts Außerordentliches leisten konnte, versuchte manchmal ein Schreiber wenigstens scheinbar etwas zu leisten, versprach Nachforschungen, deutete an, daß man gewisse Spuren schon gefunden hatte, die man nicht aus Pflicht, sondern nur dem Vater zuliebe verfolgen werde - der Vater, statt zweifelnder zu werden, wurde immer gläubiger. Er kam mit einer solchen deutlich sinnlosen Versprechung zurück, so als bringe er schon wieder den vollen Segen ins Haus, und es war qualvoll anzusehen, wie er immer hinter Amalias Rücken mit verzerrtem Lächeln und groß aufgerissenen Augen auf Amalia hindeutend uns zu verstehen geben wollte, wie die Errettung Amalias, die niemanden mehr als sie selbst überraschen werde, infolge seiner Bemühungen ganz nahe bevorstehe, aber alles sei noch ein Geheimnis und wir sollten es streng hüten. So wäre es gewiß noch sehr lange weitergegangen, wenn wir schließlich nicht vollständig außerstande gewesen wären, dem Vater das Geld noch zu liefern. Zwar war inzwischen Barnabas von Brunswick als Gehilfe nach vielen Bitten aufgenommen worden, allerdings nur in der Weise, daß er abends im Dunkel die Aufträge abholte und wieder im Dunkel die Arbeit zurückbrachte - es ist zuzugeben, daß Brunswick hier eine gewisse Gefahr für sein Geschäft unseretwegen auf sich nahm, aber dafür zahlte er ja dem Barnabas sehr wenig und die Arbeit des Barnabas ist fehlerlos - doch genügte der Lohn knapp nur, um uns vor völligem Hungern zu bewahren. Mit großer Schonung und nach viel Vorbereitungen kündigten wir dem Vater die Einstellung unserer Geldunterstützungen an, aber er nahm es sehr ruhig auf. Mit dem Verstand war er nicht mehr fähig, das Aussichtslose seiner Interventionen einzusehen, aber müde war er der fortwährenden Enttäuschungen doch. Zwar sagte er - er sprach nicht mehr so deutlich wie früher, er hatte fast zu deutlich gesprochen -, daß er nur noch sehr wenig Geld gebraucht hätte, morgen oder heute schon hätte er alles erfahren und nun sei alles vergebens gewesen, nur am Geld sei es gescheitert usf., aber der Ton, in dem er es sagte, zeigte, daß er das alles nicht glaubte. Auch hatte er gleich, unvermittelt, neue Pläne. Da es ihm nicht gelungen war, die Schuld nachzuweisen, und er infolgedessen auch weiter im amtlichen Wege nichts erreichen konnte, mußte er sich ausschließlich aufs Bitten verlegen und die Beamten persönlich angehen. Es gab unter ihnen gewiß auch solche mit guten mitleidigen Herzen, dem sie zwar im Amt nicht nachgeben durften, wohl aber außerhalb des Amtes, wenn man zu gelegener Stunde sie überraschte.“

[¶6] Here K., who had listened with absorption hitherto, interrupted Olga’s narrative with the question: “And don’t you think he was right?” Although his question would have answered itself in the course of the narrative he wanted to know at once.

> German: Hier unterbrach K., der bisher ganz versunken Olga zugehört hatte, die Erzählung mit der Frage: „Und du hältst das nicht für richtig?“ Zwar mußte ihm die weitere Erzählung darauf Antwort geben, aber er wollte es gleich wissen.

[¶7] “No,” said Olga, “there could be no question of sympathy or anything of the kind. Young and inexperienced as we were, we knew that, and father knew it too, of course, but he had forgotten it like nearly everything else. The plan he had hit on was to plant himself on the main road near the Castle, where the officials pass in their carriages, and seize any opportunity of putting up his prayer for forgiveness. To be honest, it was a wild and senseless plan, even if the impossible should have happened, and his prayer have really reached an official’s ear. For how could a single official give a pardon? That could only be done at best by the whole authority, and apparently even the authority can only condemn and not pardon. And in any case even if an official stepped out of his carriage and was willing to take up the matter, how could he get any clear idea of the affair from the mumblings of a poor, tired, ageing man like father? Officials are highly educated, but one-sided; in his own department an official can grasp whole trains of thought from a single word, but let him have something from another department explained to him by the hour, he may nod politely, but he won’t understand a word of it. That’s quite natural, take even the small official affairs that concern the ordinary person—trifling things that an official disposes of with a shrug—and try to understand one of them through and through, and you’ll waste a whole lifetime on it without result. But even if father had chanced on a responsible official, no official can settle anything without the necessary documents, and certainly not on the main road; he can’t pardon anything, he can only settle it officially, and he would simply refer to the official procedure, which had already been a complete failure for father. What a pass father must have been in to think of insisting on such a plan! If there were even the faintest possibility of getting anything in that way, that part of the road would be packed with petitioners; but since it’s a sheer impossibility, patent to the youngest schoolboy, the road is absolutely empty. But maybe even that strengthened father in his hopes, he found food for them everywhere. He had great need to find it, for a sound mind wouldn’t have had to make such complicated calculations, it would have realised from external evidence that the thing was impossible. When officials travel to the village or back to the Castle it’s not for pleasure, but because there’s work waiting for them in the village or in the Castle, and so they travel at a great pace. It’s not likely to occur to them to look out of the carriage windows in search of petitioners, for the carriages are crammed with papers which they study on the way.”

> German: „Nein,“ sagte Olga, „von Mitleid oder dergleichen kann gar nicht die Rede sein. So jung und unerfahren wir auch waren, das wußten wir und auch der Vater wußte es natürlich, aber er hatte es vergessen, dieses wie das Allermeiste. Er hatte sich den Plan zurechtgelegt, in der Nähe des Schlosses auf der Landstraße, dort wo die Wagen der Beamten vorüberfuhren, sich aufzustellen, und wenn es irgendwie ging, seine Bitte um Verzeihung vorzubringen. Aufrichtig gesagt, ein Plan ohne allen Verstand, selbst wenn das Unmögliche geschehen wäre und die Bitte wirklich bis zum Ohr eines Beamten gekommen wäre. Kann denn ein einzelner Beamter verzeihen? Das könnte doch höchstens Sache der Gesamtbehörde sein, aber selbst diese kann wahrscheinlich nicht verzeihen, sondern nur richten. Aber kann denn überhaupt ein Beamter, selbst wenn er aussteigen und mit der Sache sich befassen wollte, nach dem, was der Vater, der arme, müde gealterte Mann ihm vormummelt, sich ein Bild von der Sache machen? Die Beamten sind sehr gebildet, aber doch nur einseitig, in seinem Fach durchschaut ein Beamter auf ein Wort hin gleich ganze Gedankenreihen, aber Dinge aus einer anderen Abteilung kann man ihm stundenlang erklären, er wird vielleicht höflich nicken, aber kein Wort verstehen. Das ist ja alles selbstverständlich, man suche doch nur selbst die kleinen amtlichen Angelegenheiten, die einen selbst betreffen, winziges Zeug, das ein Beamter mit einem Achselzucken erledigt, man suche nur dieses bis auf den Grund zu verstehen und man wird ein ganzes Leben zu tun haben und nicht zum Ende kommen. Aber wenn der Vater an einen zuständigen Beamten geraten wäre, so kann doch dieser ohne Vorakten nichts erledigen und insbesondere nicht auf der Landstraße, er kann eben nicht verzeihen, sondern nur amtlich erledigen und zu diesem Zweck wieder nur auf den Amtsweg verweisen, aber auf diesem etwas zu erreichen, war ja dem Vater schon völlig mißlungen. Wie weit mußte es mit dem Vater schon gekommen sein, daß er mit diesem neuen Plan irgendwie durchdringen wollte. Wenn irgendeine Möglichkeit solcher Art auch nur im Entferntesten bestünde, müßte es ja dort auf der Landstraße von Bittgängern wimmeln, aber da es sich hier um eine Unmöglichkeit handelt, welche einem schon die elementarste Schulbildung einprägt, ist es dort völlig leer. Vielleicht bestärkte auch das den Vater in seiner Hoffnung, er nährte sie von überallher. Es war hier auch sehr nötig, ein gesunder Verstand mußte sich ja gar nicht in jene großen Überlegungen einlassen, er mußte schon im Äußerlichsten die Unmöglichkeit klar erkennen. Wenn die Beamten ins Dorf fahren oder zurück ins Schloß, so sind das doch keine Lustfahrten, im Dorf und Schloß wartet Arbeit auf sie, daher fahren sie im schärfsten Tempo. Es fällt ihnen auch nicht ein, aus dem Wagenfenster zu schauen und draußen Gesuchsteller zu suchen, sondern die Wagen sind vollgepackt mit Akten, welche die Beamten studieren.“

[¶8] “But,” said K., “I’ve seen the inside of an official sledge in which there weren’t any papers.” Olga’s story was opening for him such a great and almost incredible world that he could not help trying to put his own small experiences in relation to it, as much to convince himself of its reality as of his own existence.

> German: „Ich habe aber“, sagte K., „das Innere eines Beamtenschlittens gesehen, in welchem keine Akten waren.“ In der Erzählung Olgas eröffnete sich ihm eine so große, fast unglaubwürdige Welt, daß er es sich nicht versagen konnte, mit seinen kleinen Erlebnissen an sie zu rühren, um sich ebenso von ihrem Dasein als auch von dem eigenen deutlicher zu überzeugen.

[¶9] “That’s possible,” said Olga, “but in that case it’s even worse, for that means that the official’s business is so important that the papers are too precious or too numerous to be taken with him, and those officials go at a gallop. In any case, none of them can spare time for father. And besides, there are several roads to the Castle. Now one of them is in fashion, and most carriages go by that, now it’s another and everything drives pell-mell there. And what governs this change of fashion has never yet been found out. At eight o’clock one morning they’ll all be on another road, ten minutes later on a third, and half an hour after that on the first road again, and then they may stick to that road all day, but every minute there’s the possibility of a change. Of course all the roads join up near the village, but by that time all the carriages are racing like mad, while nearer the Castle the pace isn’t quite so fast. And the amount of traffic varies just as widely and incomprehensibly as the choice of roads. There are often days when there’s not a carriage to be seen, and others when they travel in crowds. Now, just think of all that in relation to father. In his best suit, which soon becomes his only suit, off he goes every morning from the house with our best wishes. He takes with him a small Fire Brigade badge, which he has really no business to keep, to stick in his coat once he’s out of the village, for in the village itself he’s afraid to let it be seen, although it’s so small that it can hardly be seen two paces away, but father insists that it’s just the thing to draw a passing official’s attention. Not far from the Castle entrance there’s a market garden, belonging to a man called Bertuch who sells vegetables to the Castle, and there on the narrow stone ledge at the foot of the garden fence father took up his post. Bertuch made no objection because he used to be very friendly with father and had been one of his most faithful customers—you see, he has a lame foot, and he thought that nobody but father could make him a boot to fit it. Well, there sat father day after day, it was a wet and stormy autumn, but the weather meant nothing to him. In the morning at his regular hour he had his hand on the latch and waved us goodbye, in the evening he came back soaked to the skin, every day, it seemed, a little more bent, and flung himself down in a corner. At first he used to tell us all his little adventures, such as how Bertuch for sympathy and old friendship’s sake had thrown him a blanket over the fence, or that in one of the passing carriages he thought he had recognised this or the other official, or that this or the other coachman had recognised him again and playfully flicked him with his whip. But later he stopped telling us these things, evidently he had given up all hope of ever achieving anything there, and looked on it only as his duty, his dreary job, to go there and spend the whole day. That was when his rheumatic pains began, winter was coming on, snow fell early, the winter begins very early here; well, so there he sat sometimes on wet stones and at other times in the snow. In the night he groaned with pain, and in the morning he was many a time uncertain whether to go or not, but always overcame his reluctance and went. Mother clung to him and didn’t want to let him go, so he, apparently grown timid because his limbs wouldn’t obey him, allowed her to go with him, and so mother began to get pains too. We often went out to them, to take them food or merely to visit them, or to try to persuade them to come back home; how often we found them crouching together, leaning against each other on their narrow seat, huddled up under a thin blanket which scarcely covered them, and round about them nothing but the grey of snow and mist, and far and wide for days at a time not a soul to be seen, not a carriage; a sight that was, K., a sight to be seen! Until one morning father couldn’t move his stiff legs out of bed at all, he wasn’t to be comforted, in a slight delirium he thought he could see an official stopping his carriage beside Bertuch’s just at that moment, hunting all along the fence for him and then climbing angrily into his carriage again with a shake of his head. At that father shrieked so loudly that it was as if he wanted to make the official hear him at all that distance, and to explain how blameless his absence was. And it became a long absence, he never went back again, and for weeks he never left his bed. Amalia took over the nursing, the attending, the treatment, did everything he needed, and with a few intervals has kept it up to this day. She knows healing herbs to soothe his pain, she needs hardly any sleep, she’s never alarmed, never afraid, never impatient, she does everything for the old folks; while we were fluttering round uneasily without being able to help in anything she remained cool and quiet whatever happened. Then when the worst was past and father was able again to struggle cautiously out of bed with one of us supporting him on each side, Amalia withdrew into the background again and left him to us.”

> German: „Das ist möglich,“ sagte Olga, „dann ist es aber noch schlimmer, dann hat der Beamte so wichtige Angelegenheiten, daß die Akten zu kostbar oder zu umfangreich sind, um mitgenommen werden zu können, solche Beamte lassen dann Galopp fahren. Jedenfalls, für den Vater kann keiner Zeit erübrigen. Und außerdem: Es gibt mehrere Zufahrten ins Schloß. Einmal ist die eine in Mode, dann fahren die meisten dort, einmal eine andere, dann drängt sich alles hin. Nach welchen Regeln dieser Wechsel stattfindet, ist noch nicht herausgefunden worden. Einmal um 8 Uhr morgens fahren alle auf einer Straße, eine halbe Stunde später wieder alle auf einer anderen, zehn Minuten später wieder auf einer dritten, eine halbe Stunde später vielleicht wieder auf der ersten, und dort bleibt es dann den ganzen Tag, aber jeden Augenblick besteht die Möglichkeit einer Änderung. Zwar vereinigen sich in der Nähe des Dorfes alle Zufahrtsstraßen, aber dort rasen schon alle Wagen, während in der Schloßnähe das Tempo noch ein wenig gemäßigter ist. Aber so wie die Ausfahrordnung hinsichtlich der Straßen unregelmäßig und nicht zu durchschauen ist, so ist es auch mit der Zahl der Wagen. Es gibt ja oft Tage, wo gar kein Wagen zu sehen ist, dann aber fahren sie wieder in Mengen. Und all diesem gegenüber stell dir nun unseren Vater vor. In seinem besten Anzug, bald ist es sein einziger, zieht er jeden Morgen, von unseren Segenswünschen begleitet, aus dem Haus. Ein kleines Abzeichen der Feuerwehr, das er eigentlich zu Unrecht behalten hat, nimmt er mit, um es außerhalb des Dorfes anzustecken, im Dorf selbst fürchtet er es zu zeigen, trotzdem es so klein ist, daß man es auf zwei Schritt Entfernung kaum sieht, aber nach des Vaters Meinung soll es sogar geeignet sein, die vorüberfahrenden Beamten auf ihn aufmerksam zu machen. Nicht weit vom Zugang zum Schloß ist eine Handelsgärtnerei, sie gehört einem gewissen Bertuch, er liefert Gemüse ins Schloß, dort auf dem schmalen Steinpostament des Gartengitters wählte sich der Vater einen Platz. Bertuch duldete es, weil er früher mit dem Vater befreundet war und auch zu seinen treuesten Kundschaften gehört hatte, er hat nämlich einen etwas verkrüppelten Fuß und glaubte, nur der Vater sei imstande, ihm einen passenden Stiefel zu machen. Dort saß nun der Vater Tag für Tag, es war ein trüber regnerischer Herbst, aber das Wetter war ihm völlig gleichgültig. Morgens zu bestimmter Stunde hatte er die Hand an der Klinke und winkte uns zum Abschied zu, abends kam er, es schien, als werde er täglich gebückter, völlig durchnäßt zurück und warf sich in eine Ecke. Zuerst erzählte er uns von seinen kleinen Erlebnissen, etwa daß Bertuch ihm aus Mitleid und alter Freundschaft eine Decke über das Gitter zugeworfen hatte, oder daß er in einem vorüberfahrenden Wagen den oder jenen Beamten zu erkennen geglaubt habe, oder daß wieder ihn schon hie und da ein Kutscher erkenne und zum Scherz mit dem Peitschenriemen streife. Später hörte er dann auf, diese Dinge zu erzählen, offenbar hoffte er nicht mehr auch nur irgend etwas dort zu erreichen, er hielt es schon nur für seine Pflicht, seinen öden Beruf, hinzugehen und dort den Tag zu verbringen. Damals begannen seine rheumatischen Schmerzen, der Winter näherte sich, es kam früher Schneefall, bei uns fängt der Winter sehr bald an, nun und so saß er dort einmal auf den regennassen Steinen, dann wieder im Schnee. In der Nacht seufzte er vor Schmerzen, morgens war er manchmal unsicher, ob er gehen sollte, überwand sich dann aber doch und ging. Die Mutter hing sich an ihn und wollte ihn nicht fortlassen, er, wahrscheinlich furchtsam geworden infolge der nicht mehr gehorsamen Glieder, erlaubte ihr mitzugehen, so wurde auch die Mutter von den Schmerzen gepackt. Wir waren oft bei ihnen, brachten Essen oder kamen nur zu Besuch oder wollten sie zur Rückkehr nach Hause überreden, wie oft fanden wir sie dort zusammengesunken und aneinanderlehnend auf ihrem schmalen Sitz, gekauert in eine dünne Decke, die sie kaum umschloß, ringsherum nichts als das Grau von Schnee und Nebel und weit und breit und tagelang kein Mensch oder Wagen, ein Anblick, K., ein Anblick! Bis dann eines Morgens der Vater die steifen Beine nicht mehr aus dem Bett brachte, er war trostlos, in einer leichten Fieberphantasie glaubte er zu sehen, wie eben jetzt oben bei Bertuch ein Wagen haltmachte, ein Beamter ausstieg, das Gitter nach dem Vater absuchte und kopfschüttelnd und ärgerlich wieder in den Wagen zurückkehrte. Der Vater stieß dabei solche Schreie aus, daß es war, als wolle er sich von hier aus dem Beamten oben bemerkbar machen, und erklären, wie unverschuldet seine Abwesenheit sei. Und es wurde eine lange Abwesenheit, er kehrte gar nicht mehr dorthin zurück, wochenlang mußte er im Bett bleiben. Amalia übernahm die Bedienung, die Pflege, die Behandlung, alles, und hat es mit Pausen eigentlich bis heute behalten. Sie kennt Heilkräuter, welche die Schmerzen beruhigen, sie braucht fast keinen Schlaf, sie erschrickt nie, fürchtet nichts, hat niemals Ungeduld, sie leistet alle Arbeit für die Eltern, während wir aber, ohne etwas helfen zu können, unruhig herumflatterten, blieb sie bei allem kühl und still. Als dann aber das Schlimmste vorüber war und der Vater vorsichtig und rechts und links gestützt wieder aus dem Bett sich herausarbeiten konnte, zog sich Amalia gleich zurück und überließ ihn uns.“

[¶10] “Now it was necessary again to find some occupation for father that he was still fit for, something that at least would make him believe that he was helping to remove the burden of guilt from our family. Something of the kind was not hard to find, anything at all in fact would have been as useful for the purpose as sitting in Bertuch’s garden, but I found something that actually gave me a little hope. Whenever there had been any talk of our guilt among officials or clerks or anybody else, it was only the insult to Sortini’s messenger that had always been brought up, farther than that nobody dared to go. Now, I said to myself, since public opinion, even if only ostensibly, recognised nothing but the insult to the messenger, then, even if it were still only ostensibly, everything might be put right if one could propitiate the messenger. No charge had actually been made, we were told, no department therefore had taken up the affair yet, and so the messenger was at liberty, so far as he was concerned—and there was no question of anything more—to forgive the offence. All that of course couldn’t have any decisive importance, was mere semblance and couldn’t produce in turn anything but semblance, but all the same it would cheer up my father and might help to harass the swarm of clerks who had been tormenting him, and that would be a satisfaction. First of course one had to find the messenger. When I told father of my plan, at first he was very annoyed, for to tell the truth he had become terribly self-willed; for one thing he was convinced—this happened during his illness—that we had always held him back from final success, first by stopping his allowance and then by keeping him in his bed; and for another he was no longer capable of completely understanding any new idea. My plan was turned down even before I had finished telling him about it, he was convinced that his job was to go on waiting in Bertuch’s garden, and as he was in no state now to go there every day himself, we should have to push him there in a handbarrow. But I didn’t give in, and gradually he became reconciled to the idea, the only thing that disturbed him was that in this matter he was quite dependent on me, for I had been the only one who had seen the messenger, he did not know him. Actually one messenger is very like another, and I myself was not quite certain that I would know this one again. Presently we began to go to the Herrenhof and look round among the servants. The messenger of course had been in Sortini’s service and Sortini had stopped coming to the village, but the gentlemen are continually changing their servants, one might easily find our man among the servants of another gentleman, and even if he himself was not to be found, still one might perhaps get news of him from the other servants. For this purpose it was of course necessary to be in the Herrenhof every evening, and people weren’t very pleased to see us anywhere, far less in a place like that; and we couldn’t appear either as paying customers. But it turned out that they could put us to some use all the same. You know what a trial the servants were to Frieda, at bottom they are mostly quiet people, but pampered and made lazy by too little work—‘May you be as well off as a servant’ is a favourite toast among the officials—and really, as far as an easy life goes, the servants seem to be the real masters in the Castle, they know their own dignity too, and in the Castle, where they have to behave in accordance with their regulations, they’re quiet and dignified, several times I’ve been assured of that, and one can find even among the servants down here some faint signs of that, but only faint signs, for usually, seeing that the Castle regulations aren’t fully binding on them in the village, they seem quite changed; a wild unmanageable lot, ruled by their insatiable impulses instead of by their regulations. Their scandalous behaviour knows no limits, it’s lucky for the village that they can’t leave the Herrenhof without permission, but in the Herrenhof itself one must try to get on with them somehow; Frieda, for instance, felt that very hard to do and so she was very glad to employ me to quieten the servants. For more than two years, at least twice a week, I’ve spent the night with the servants in the stall. Earlier, when father was still able to go to the Herrenhof with me, he slept somewhere in the taproom, and in that way waited for the news that I would bring in the morning. There wasn’t much to bring. We’ve never found the messenger to this day, he must be still with Sortini who values him very highly, and he must have followed Sortini when Sortini retired to a more remote bureau. Most of the servants haven’t seen him since we saw him last ourselves, and when one or other claims to have seen him it’s probably a mistake. So my plan might have actually failed, and yet it hasn’t failed completely, it’s true we haven’t found the messenger, and going to the Herrenhof and spending the night there—perhaps his pity for me, too, any pity that he’s still capable of—has unfortunately ruined my father, and for two years now he has been in the state you’ve seen him in, and yet things are perhaps better with him than with my mother, for we’re waiting daily for her death; it has only been put off thanks to Amalia’s superhuman efforts. But what I’ve achieved in the Herrenhof is a certain connection with the Castle; don’t despise me when I say that I don’t repent what I’ve done. What conceivable sort of a connection with the Castle can this be, you’ll no doubt be thinking; and you’re right, it’s not much of a connection. I know a great many of the servants now, of course, almost all the gentlemen’s servants who have come to the village during the last two years, and if I should ever get into the Castle I shan’t be a stranger there. Of course they’re servants only in the village, in the Castle they’re quite different, and probably wouldn’t know me or anybody else there that they’ve had dealings with in the village, that’s quite certain, even if they have sworn a hundred times in the stall that they would be delighted to see me again in the Castle. Besides I’ve already had experience of how little all these promises are worth. But still that’s not the really important thing. It isn’t only through the servants themselves that I have a connection with the Castle, for apart from that I hope and trust that what I’m doing is being noticed by someone up there—and the management of the staff of servants is really an extremely important and laborious official function—and that finally whoever is noticing me may perhaps arrive at a more favourable opinion of me than the others, that he may recognise that I’m fighting for my family and carrying on my father’s efforts, no matter in how poor a way. If he should see it like that, perhaps he’ll forgive me too for accepting money from the servants and using it for our family. And I’ve achieved something more yet, which even you, I’m afraid, will blame me for. I learned a great deal from the servants about the ways in which one can get into the Castle service without going through the difficult preliminaries of official appointment lasting sometimes for years; in that case, it’s true, one doesn’t become an actual official employee, but only a private and semiofficial one, one has neither rights nor duties—and the worst is not to have any duties—but one advantage one does have, that one is on the spot, one can watch for favourable opportunities and take advantage of them, one may not be an employee, but by good luck some work may come one’s way, perhaps no real employee is handy, there’s a call, one flies to answer it, and one has become the very thing that one wasn’t a minute before, an employee. Only, when is one likely to get a chance like that? Sometimes at once, one has hardly arrived, one has hardly had time to look round before the chance is there, and many a one hasn’t even the presence of mind, being quite new to the job, to seize the opportunity; but in another case one may have to wait for even more years than the official employees, and after being a semiofficial servant for so long one can never be lawfully taken on afterwards as an official employee. So there’s enough here to make one pause, but it sinks to nothing when one takes into account that the test for the official appointments is very stringent and that a member of any doubtful family is turned down in advance; let us say someone like that goes in for the examination, for years he waits in fear and trembling for the result, from the very first day everybody asks him in amazement how he could have dared to do anything so wild, but he still goes on hoping—how else could he keep alive?—then after years and years, perhaps as an old man, he learns that he has been rejected, learns that everything is lost and that all his life has been in vain. Here, too, of course there are exceptions, that’s how one is so easily tempted. It happens sometimes that really shady customers are actually appointed, there are officials who, literally in spite of themselves, are attracted by those outlaws; at the entrance examinations they can’t help sniffing the air, smacking their lips, and rolling their eyes towards an entrant like that, who seems in some way to be terribly appetising to them, and they have to stick close to their books of regulations so as to withstand him. Sometimes however that doesn’t help the entrant to an appointment, but only leads to an endless postponement of the preliminary proceedings, which are never really terminated, but only broken off by the death of the poor man. So official appointment no less than the other kind is full of obvious and concealed difficulties, and before one goes in for anything of the kind it’s highly advisable to weigh everything carefully. Now we didn’t fail to do that, Barnabas and I. Every time that I come back from the Herrenhof we sat down together and I told the latest news that I had gathered, for days we talked it over, and Barnabas’ work lay idle for longer spells than was good for it. And here I may be to blame in your opinion. I knew quite well that much reliance was not to be put on the servants’ stories. I knew that they never had much inclination to tell me things about the Castle, that they always changed the subject, and that every word had to be dragged out of them, and then, when they were well started, that they let themselves go, talked nonsense, bragged, tried to surpass one another in inventing improbable lies, so that in the continuous shouting in the dark stalls, one servant beginning where the other left off, it was clear that at best only a few scanty scraps of truth could be picked up. But I repeated everything to Barnabas again just as I had heard it, though he still had no capacity whatever to distinguish between what was true and what was false, and on account of the family’s position was almost famishing to hear all these things; and he drank in everything and burned with eagerness for more. And as a matter of fact the cornerstone of my new plan was Barnabas. Nothing more could be done through the servants. Sortini’s messenger was not to be found and would never be found, Sortini and his messenger with him seemed to be receding further and further, by many people their appearance and names were already forgotten, and often I had to describe them at length and in spite of that learn nothing more than that the servant I was speaking to could remember them with an effort, but except for that could tell nothing about them. And as for my conduct with the servants, of course I had no power to decide how it might be looked on and could only hope that the Castle would judge it in the spirit I did it in, and that in return a little of the guilt of our family would be taken away, but I’ve received no outward sign of that. Still I stuck to it, for so far as I was concerned I saw no other chance of getting anything done for us in the Castle. But for Barnabas I saw another possibility. From the tales of the servants—if I had the inclination, and I had only too much inclination—I could draw the conclusion that anyone who was taken into the Castle service could do a great deal for his family. But then what was there that was worthy of belief in these tales? It was impossible to make certain of that, but that there was very little was clear. For when, say, a servant that I would never see again, or that I would hardly recognise even were I to see him again, solemnly promised me to help to get my brother a post in the Castle, or at least, if Barnabas should come to the Castle on other business, to support him, or at least to back him up—for according to the servants’ stories it sometimes happens that candidates for posts become unconscious or deranged during the protracted waiting and then they’re lost if some friend doesn’t look after them—when things like that and a great many more were told to me, they were probably justified as warnings, but the promises that accompanied them were quite baseless. But not to Barnabas; it’s true I warned him not to believe them, but my mere telling of them was enough to enlist him for my plan. The reasons I advanced for it myself impressed him less, the thing that chiefly influenced him was the servants’ stories. And so in reality I was completely thrown back upon myself, Amalia was the only one who could make herself understood to my parents, and the more I followed, in my own way, the original plans of father, the more Amalia shut herself off from me, before you or anybody else she talks to me, but not when we’re alone; to the servants in the Herrenhof I was a plaything which in their fury they did their best to wreck, not one intimate word have I spoke with any of them during those two years, I’ve had only cunning or lying or silly words from them, so only Barnabas remained for me, and Barnabas was still very young. When I saw the light in his eyes as I told him those things, a light which has remained in them ever since, I felt terrified and yet I didn’t stop, the things at stake seemed too great. I admit I hadn’t my father’s great though empty plans, I hadn’t the resolution that men have, I confined myself to making good the insult to the messenger, and only asked that the actual modesty of my attempt should be put to my credit. But what I had failed to do by myself I wanted now to achieve in a different way and with certainty through Barnabas. We had insulted a messenger and driven him into a more remote bureau; and what was more natural than for us to offer a new messenger in the person of Barnabas, so that the other messenger’s work might be carried on by him, and the other messenger might remain quietly in retirement as long as he liked, for as long a time as he needed to forget the insult? I was quite aware, of course, that in spite of all its modesty there was a hint of presumption in my plan, that it might give rise to the impression that we wanted to dictate to the authorities how they should decide a personal question, or that we doubted their ability to make the best arrangements, which they might have made long before we had struck upon the idea that something could be done. But then I thought again that it was impossible that the authorities should misunderstand me so grossly, or if they should, that they should do so intentionally, that in other words all that I did should be turned down in advance without further examination. So I did not give in and Barnabas’s ambition kept him from giving in. In this term of preparation Barnabas became so uppish that he found that cobbling was far too menial work for him, a future bureau employee, yes, he even dared to contradict Amalia, and flatly, on the few occasions that she spoke to him about it. I didn’t grudge him this brief happiness, for with the first day that he went to the Castle his happiness and his arrogance would be gone, a thing easy enough to foresee. And now began that parody of service of which I’ve told you already. It was amazing with what little difficulty Barnabas got into the Castle that first time, or more correctly into the bureau which in a manner of speaking has become his workroom. This success drove me almost frantic at the time, when Barnabas whispered the news to me in the evening after he came home. I ran to Amalia, seized her, drew her into a corner, and kissed her so wildly that she cried with pain and terror. I could explain nothing for excitement, and then it had been so long since we had spoken to each other, so I put off telling her until next day or the day after. For the next few days, however, there was really nothing more to tell. After the first quick success nothing more happened. For two long years Barnabas led this heartbreaking life. The servants failed us completely, I gave Barnabas a short note to take with him recommending him to their consideration, reminding them at the same time of their promises, and Barnabas, as often as he saw a servant, drew out the note and held it up, and even if he sometimes may have presented it to someone who didn’t know me, and even if those who did know me were irritated by his way of holding out the note in silence—for he didn’t dare to speak up there—yet all the same it was a shame that nobody helped him, and it was a relief—which we could have secured, I must admit, by our own action and much earlier—when a servant who had probably been pestered several times already by the note, crushed it up and flung it into the wastepaper basket. Almost as if he had said: ‘That’s just what you yourselves do with letters,’ it occurred to me. But barren of results as all this time was in other ways, it had a good effect on Barnabas, if one can call it a good thing that he grew prematurely old, became a man before his time, yes, even in some ways more grave and sensible than most men. Often it makes me sad to look at him and compare him with the boy that he was only two years ago. And with it all I’m quite without the comfort and support that, being a man, he could surely give me. Without me he could hardly have got into the Castle, but since he is there, he’s independent of me. I’m his only intimate friend, but I’m certain that he only tells me a small part of what he has on his mind. He tells me a great many things about the Castle, but from his stories, from the trifling details that he gives, one can’t understand in the least how those things could have changed him so much. In particular I can’t understand how the daring he had as a boy—it actually caused us anxiety—how he can have lost it so completely up there now that he’s a man. Of course all that useless standing about and waiting all day, and day after day, and going on and on without any prospect of a change, must break a man down and make him unsure of himself and in the end actually incapable of anything else but this hopeless standing about. But why didn’t he put up a fight even at the beginning? Especially seeing that he soon recognised that I had been right and that there was no opportunity there for his ambition, though there might be some hope perhaps for the betterment of our family’s condition. For up there, in spite of the servants’ whims, everything goes on very soberly, ambition seeks it sole satisfaction in work, and as in this way the work itself gains the ascendancy, ambition ceases to have any place at all, for childish desires there’s no room up there. Nevertheless Barnabas fancied, so he has told me, that he could clearly see how great the power and knowledge even of those very questionable officials was into whose bureau he is allowed. How fast they dictated, with half-shut eyes and brief gestures, merely by raising a finger quelling the surly servants, and making them smile with happiness even when they were checked; or perhaps finding an important passage in one of the books and becoming quite absorbed in it, while the others would crowd round as near as the cramped space would allow them, and crane their necks to see it. These things and other things of the same kind gave Barnabas a great idea of those men, and he had the feeling that if he could get the length of being noticed by them and could venture to address a few words to them, not as a stranger, but as a colleague—true a very subordinate colleague—in the bureau, incalculable things might be achieved for our family. But things have never got that length yet, and Barnabas can’t venture to do anything that might help towards it, although he’s well aware that, young as he is, he’s been raised to the difficult and responsible position of chief breadwinner in our family on account of this whole unfortunate affair. And now for the final confession: it was a week after your arrival. I heard somebody mentioning it in the Herrenhof, but didn’t pay much attention; a Land Surveyor had come and I didn’t even know what a Land Surveyor was. But next evening Barnabas—at an agreed hour I usually set out to go a part of the way to meet him—came home earlier than usual, saw Amalia in the sitting-room, drew me out into the street, laid his head on my shoulder, and cried for several minutes. He was the little boy he had used to be again. Something had happened to him that he hadn’t been prepared for. It was as if a whole new world had suddenly opened to him, and he could not bear the joy and the anxieties of all this newness. And yet the only thing that had happened was that he had been given a letter for delivery to you. But it was actually the first letter, the first commission, that he had ever been given.”

> German: „Nun galt es wieder, irgendeine Beschäftigung für den Vater zu finden, für die er noch fähig war, irgend etwas, was ihn zumindest in dem Glauben erhielt, daß es dazu diene, die Schuld von der Familie abzuwälzen. Etwas Derartiges zu finden war nicht schwer, so zweckdienlich wie das Sitzen vor Bertuchs Garten war im Grunde alles, aber ich fand etwas, was sogar mir einige Hoffnung gab. Wann immer bei Ämtern oder Schreibern oder sonstwo von unserer Schuld die Rede gewesen war, war immer wieder nur die Beleidigung des Sortinischen Boten erwähnt worden, weiter wagte niemand zu dringen. Nun, sagte ich mir, wenn die allgemeine Meinung, sei es auch wieder nur scheinbar, nur von der Botenbeleidigung weiß, ließ sich, sei es auch wieder nur scheinbar, alles wieder gutmachen, wenn man den Boten versöhnen könnte. Es ist ja keine Anzeige eingelaufen, wie man erklärt, noch kein Amt hat also die Sache in der Hand und es steht demnach dem Boten frei, für seine Person, und um mehr handelt es sich nicht, zu verzeihen. Das alles konnte ja keine entscheidende Bedeutung haben, war nur Schein und konnte wieder nichts anderes ergeben, aber dem Vater würde es doch Freude machen und die vielen Auskunftgeber, die ihn so gequält hatten, könnte man damit vielleicht zu seiner Genugtuung ein wenig in die Enge treiben. Zuerst mußte man freilich den Boten finden. Als ich meinen Plan dem Vater erzählte, wurde er zuerst sehr ärgerlich, er war nämlich äußerst eigensinnig geworden, zum Teil glaubte er, während der Krankheit hatte sich das entwickelt, daß wir ihn immer am letzten Erfolg gehindert hätten, zuerst durch Einstellung der Geldunterstützung, jetzt durch Zurückhalten im Bett, zum Teil war er gar nicht mehr fähig, fremde Gedanken völlig aufzunehmen. Ich hatte noch nicht zu Ende erzählt, schon war mein Plan verworfen, nach seiner Meinung mußte er bei Bertuchs Garten weiter warten und da er gewiß nicht mehr imstande sein würde, täglich hinaufzugehen, müßten wir ihn im Handkarren hinbringen. Aber ich ließ nicht ab und allmählich söhnte er sich mit dem Gedanken aus, störend war ihm dabei nur, daß er in dieser Sache ganz von mir abhängig war, denn nur ich hatte damals den Boten gesehen, er kannte ihn nicht. Freilich, ein Diener gleicht dem andern, und völlig sicher dessen, daß ich jenen wiedererkennen würde, war auch ich nicht. Wir begannen dann in den Herrenhof zu gehen und unter der Dienerschaft dort zu suchen. Es war zwar ein Diener Sortinis gewesen und Sortini kam nicht mehr ins Dorf, aber die Herren wechseln häufig die Diener, man konnte ihn recht wohl in der Gruppe eines anderen Herren finden, und wenn er selbst nicht zu finden war, so konnte man doch vielleicht von den anderen Dienern Nachricht über ihn bekommen. Zu diesem Zweck mußte man allerdings allabendlich im Herrenhof sein und man sah uns nirgends gern, wie erst an einem solchen Ort; als zahlende Gäste konnten wir ja auch nicht auftreten. Aber es zeigte sich, daß man uns doch brauchen konnte. Du weißt wohl, was für eine Plage die Dienerschaft für Frieda war, es sind im Grunde meist ruhige Leute, durch leichten Dienst verwöhnt und schwerfällig gemacht, „es möge dir gehen wie einem Diener“, heißt ein Segensspruch der Beamten und tatsächlich sollen, was Wohlleben betrifft, die Diener die eigentlichen Herren im Schloß sein, sie wissen das auch zu würdigen und sind im Schloß, wo sie sich unter seinen Gesetzen bewegen, still und würdig, vielfach ist mir das bestätigt worden, und man findet auch hier unter den Dienern noch Reste dessen, aber nur Reste, sonst sind sie dadurch, daß die Schloßgesetze für sie im Dorf nicht mehr vollständig gelten, wie verwandelt; ein wildes unbotmäßiges, statt von den Gesetzen von ihren unersättlichen Trieben beherrschtes Volk. Ihre Schamlosigkeit kennt keine Grenzen, ein Glück für das Dorf, daß sie den Herrenhof nur über Befehl verlassen dürfen, im Herrenhof selbst aber muß man mit ihnen auszukommen suchen; Frieda nun fiel das sehr schwer, und so war es ihr sehr willkommen, daß sie mich dazu verwenden konnte, die Diener zu beruhigen. Seit mehr als zwei Jahren, zumindest zweimal in der Woche, verbringe ich die Nacht mit den Dienern im Stall. Früher, als der Vater noch in den Herrenhof mitgehen konnte, schlief er irgendwo im Ausschankzimmer und wartete so auf die Nachrichten, die ich früh bringen würde. Es war wenig. Den gesuchten Boten haben wir bis heute noch nicht gefunden, er soll noch immer in den Diensten Sortinis sein, der ihn sehr hoch schätzt, und soll ihm gefolgt sein, als sich Sortini in entferntere Kanzleien zurückzog. Meist haben ihn die Diener ebensolange nicht gesehen wie wir, und wenn einer ihn inzwischen doch gesehen haben will, ist es wohl ein Irrtum. So wäre also mein Plan eigentlich mißlungen, und ist es doch nicht völlig, den Boten haben wir zwar nicht gefunden und dem Vater haben die Wege in den Herrenhof und die Übernachtungen dort, vielleicht sogar das Mitleid mit mir, soweit er dessen noch fähig ist, leider den Rest gegeben und er ist schon seit fast zwei Jahren in diesem Zustand, in dem du ihn gesehen hast und dabei geht es ihm vielleicht noch besser als der Mutter, deren Ende wir täglich erwarten; es verzögert sich nur dank den übermäßigen Anstrengungen Amalias. Was ich aber doch im Herrenhof erreicht habe, ist eine gewisse Verbindung mit dem Schloß; verachte mich nicht, wenn ich sage, daß ich das, was ich getan habe, nicht bereue. Was mag das für eine große Verbindung mit dem Schloß sein, wirst du dir vielleicht denken. Und du hast recht, eine große Verbindung ist es nicht. Ich kenne jetzt zwar viele Diener, die Diener aller der Herren fast, die in den letzten Jahren ins Dorf kamen, und wenn ich einmal ins Schloß kommen sollte, so werde ich dort nicht fremd sein. Freilich, es sind nur Diener im Dorf, im Schloß sind sie ganz anders und kennen dort wahrscheinlich niemanden mehr und jemanden, mit dem sie im Dorf verkehrt haben, ganz besonders nicht, mögen sie es auch im Stall hundertmal beschworen haben, daß sie sich auf ein Wiedersehen im Schloß sehr freuen. Ich habe es ja übrigens auch schon erfahren, wie wenig alle solche Versprechungen bedeuten. Aber das wichtigste ist das ja gar nicht. Nicht nur durch die Diener selbst habe ich eine Verbindung mit dem Schloß, sondern vielleicht und hoffentlich auch noch so, daß jemand, der von oben mich und, was ich tue, beobachtet - und die Verwaltung der großen Dienerschaft ist freilich ein äußerst wichtiger und sorgenvoller Teil der behördlichen Arbeit -, daß dann derjenige, der mich so beobachtet, vielleicht zu einem milderen Urteil über mich kommt als andere, daß er vielleicht erkennt, daß ich in einer jämmerlichen Art zwar, doch auch für unsere Familie kämpfe und die Bemühungen des Vaters fortsetze. Wenn man es so ansieht, vielleicht wird man es mir dann auch verzeihen, daß ich von den Dienern Geld annehme und für unsere Familie verwende. Und noch anderes habe ich erreicht, das allerdings machst auch du zu meiner Schuld. Ich habe von den Knechten manches darüber erfahren, wie man auf Umwegen, ohne das schwierige und jahrelang dauernde öffentliche Aufnahmeverfahren in die Schloßdienste kommen kann, man ist dann zwar auch nicht öffentlicher Angestellter, sondern nur ein heimlich und halb Zugelassener, man hat weder Rechte noch Pflichten, daß man keine Pflichten hat, ist das Schlimmere, aber eines hat man, da man doch in der Nähe bei allem ist, man kann günstige Gelegenheiten erkennen und benützen, man ist kein Angestellter, aber zufällig kann sich irgendeine Arbeit finden, ein Angestellter ist gerade nicht bei der Hand, ein Zuruf, man eilt herbei, und was man vor einem Augenblick noch nicht war, man ist es geworden, ist Angestellter. Allerdings, wann findet sich eine solche Gelegenheit? Manchmal gleich, kaum ist man hingekommen, kaum hat man sich umgesehen, ist die Gelegenheit schon da, es hat nicht einmal jeder die Geistesgegenwart, sie so, als Neuling, gleich zu fassen, aber ein anderes Mal dauert es wieder mehr Jahre als das öffentliche Aufnahmeverfahren, und regelrecht öffentlich aufgenommen kann ein solcher halb Zugelassener gar nicht mehr werden. Bedenken sind hier also genug, sie schweigen aber dem gegenüber, daß bei der öffentlichen Aufnahme sehr peinlich ausgewählt wird und ein Mitglied einer irgendwie anrüchigen Familie von vornherein verworfen ist, ein solcher unterzieht sich z. B. diesem Verfahren, zittert jahrelang wegen des Ergebnisses, von allen Seiten fragt man ihn erstaunt, seit dem ersten Tag, wie er etwas derartig Aussichtsloses wagen konnte, er hofft aber doch, wie könnte er sonst leben, aber nach vielen Jahren, vielleicht als Greis erfährt er die Ablehnung, erfährt, daß alles verloren ist und sein Leben vergeblich war. Auch hier gibt es freilich Ausnahmen, darum wird man eben so leicht verlockt. Es kommt vor, daß gerade anrüchige Leute schließlich aufgenommen werden, es gibt Beamte, welche förmlich gegen ihren Willen den Geruch solchen Wildes lieben, bei den Aufnahmsprüfungen schnuppern sie in der Luft, verziehen den Mund, verdrehen die Augen, ein solcher Mann scheint für sie gewissermaßen ungeheuer appetitanreizend zu sein und sie müssen sich sehr fest an die Gesetzbücher halten, um dem widerstehen zu können. Manchmal hilft das allerdings dem Mann nicht zur Aufnahme, sondern nur zur endlosen Ausdehnung des Aufnahmeverfahrens, das dann überhaupt nicht beendet, sondern nach dem Tode des Mannes nur abgebrochen wird. So ist also sowohl die gesetzmäßige Aufnahme als auch die andere voll offener und versteckter Schwierigkeiten, und ehe man sich auf etwas Derartiges einläßt, ist es sehr ratsam, alles genau zu erwägen. Nun daran haben wir es nicht fehlen lassen, Barnabas und ich. Immer, wenn ich aus dem Herrenhof kam, setzten wir uns zusammen, und ich erzählte das Neueste, was ich erfahren hatte, tagelang sprachen wir es durch und die Arbeit in des Barnabas Hand ruhte oft länger, als es gut war. Und hier mag ich eine Schuld in deinem Sinne haben. Ich wußte doch, daß auf die Erzählungen der Knechte nicht viel Verlaß war. Ich wußte, daß sie niemals Lust hatten, mir vom Schloß zu erzählen, immer zu anderem ablenkten, jedes Wort sich abbetteln ließen, dann aber freilich, wenn sie im Gang waren, loslegten, Unsinn schwatzten, großtaten, einander in Übertreibungen und Erfindungen überboten, so daß offenbar in endlosem Geschrei, in welchem einer den andern ablöste, dort im dunklen Stall bestenfalls ein paar magere Andeutungen der Wahrheit enthalten sein mochten. Ich aber erzählte dem Barnabas alles wieder, so wie ich es mir gemerkt hatte, und er, der noch gar keine Fähigkeit hatte, zwischen Wahrem und Erlogenem zu unterscheiden und infolge der Lage unserer Familie fast verdurstete vor Verlangen nach diesen Dingen, er trank alles in sich hinein und glühte vor Eifer nach Weiterem. Und tatsächlich ruhte auf Barnabas mein neuer Plan. Bei den Knechten war nichts mehr zu erreichen. Der Bote Sortinis war nicht zu finden und würde niemals zu finden sein, immer weiter schien sich Sortini und damit auch der Bote zurückzuziehen, oft geriet ihr Aussehen und Name schon in Vergessenheit und ich mußte sie oft lange beschreiben, um damit nichts zu erreichen, als daß man sich mühsam an sie erinnerte, aber darüber hinaus nichts über sie sagen konnte. Und was mein Leben mit den Knechten betraf, so hatte ich natürlich keinen Einfluß darauf, wie es beurteilt würde, konnte nur hoffen, daß man es so aufnehmen würde, wie es getan war, und daß dafür ein Geringes von der Schuld unserer Familie abgezogen würde, aber äußere Zeichen dessen bekam ich nicht. Doch blieb ich dabei, da ich für mich keine andere Möglichkeit sah, im Schloß etwas für uns zu bewirken. Für Barnabas aber sah ich eine solche Möglichkeit. Aus den Erzählungen der Knechte konnte ich, wenn ich dazu Lust hatte, und diese Lust hatte ich in Fülle, entnehmen, daß jemand, der im Schloßdienst aufgenommen ist, sehr viel für seine Familie erreichen kann. Freilich, was war an diesen Erzählungen Glaubwürdiges? Das war unmöglich festzustellen, nur daß es sehr wenig war, war klar. Denn wenn mir z. B. ein Knecht, den ich niemals mehr sehen würde, oder den ich, wenn ich ihn auch sehen sollte, kaum wiedererkennen würde, feierlich zusicherte, meinem Bruder zu einer Anstellung im Schloß zu verhelfen oder zumindest, wenn Barnabas sonstwie ins Schloß kommen sollte, ihn zu unterstützen, also etwa ihn zu erfrischen, denn nach den Erzählungen der Knechte kommt es vor, daß Anwärter für Stellungen während der überlangen Wartezeit ohnmächtig oder verwirrt werden und dann verloren sind, wenn nicht Freunde für sie sorgen – wenn solches und vieles andere mir erzählt wurde, so waren das wahrscheinlich berechtigte Warnungen, aber die zugehörigen Versprechungen waren völlig leer. Für Barnabas nicht; zwar warnte ich ihn, ihnen zu glauben, aber schon daß ich sie ihm erzählte, war genügend, um ihn für meine Pläne einzunehmen. Was ich selbst dafür anführte, wirkte auf ihn weniger, auf ihn wirkten hauptsächlich die Erzählungen der Knechte. Und so war ich eigentlich gänzlich auf mich allein angewiesen, mit den Eltern konnte sich überhaupt niemand außer Amalia verständigen, je mehr ich die alten Pläne meines Vaters in meiner Art verfolgte, desto mehr schloß sich Amalia von mir ab, vor dir oder anderen spricht sie mit mir, allein niemals mehr, den Knechten im Herrenhof war ich ein Spielzeug, das zu zerbrechen sie sich wütend anstrengten, kein einziges vertrauliches Wort habe ich während der zwei Jahre mit einem von ihnen gesprochen, nur Hinterhältiges oder Erlogenes oder Irrsinniges, blieb mir also nur Barnabas, und Barnabas war noch sehr jung. Wenn ich bei meinen Berichten den Glanz in seinen Augen sah, den er seitdem behalten hat, erschrak ich und ließ doch nicht ab, zu Großes schien mir auf dem Spiel zu sein. Freilich die großen, wenn auch leeren Pläne meines Vaters hatte ich nicht, ich hatte nicht diese Entschlossenheit der Männer, ich blieb bei der Wiedergutmachung der Beleidigung des Boten und wollte gar noch, daß man mir diese Bescheidenheit als Verdienst anrechne. Aber was mir allein mißlungen war, wollte ich jetzt durch Barnabas anders und sicher erreichen. Einen Boten hatten wir beleidigt und ihn aus den vorderen Kanzleien verscheucht, was lag näher, als in der Person des Barnabas einen neuen Boten anzubieten, durch Barnabas die Arbeit des beleidigten Boten ausführen zu lassen und dem Beleidigten es so zu ermöglichen, ruhig in der Ferne zu bleiben, wie lange er wollte, wie lange er es zum Vergessen der Beleidigung brauchte. Ich merkte zwar gut, daß in aller Bescheidenheit dieses Planes auch Anmaßung lag, daß es den Eindruck erwecken konnte, als ob wir der Behörde diktieren wollten, wie sie Personalfragen ordnen sollte, oder als ob wir daran zweifelten, daß die Behörde aus eigenem das Beste anzuordnen fähig war und es sogar schon längst angeordnet hatte, ehe wir nur auf den Gedanken gekommen waren, daß hier etwas getan werden könnte. Doch glaubte ich dann wieder, daß es unmöglich sei, daß mich die Behörde so mißverstehe oder daß sie, wenn sie es tun sollte, es dann mit Absicht tun würde, d. h., daß dann von vornherein ohne nähere Untersuchung alles, was ich tue, verworfen sei. So ließ ich also nicht ab und der Ehrgeiz des Barnabas tat das seine. In dieser Zeit der Vorbereitungen wurde Barnabas so hochmütig, daß er die Schusterarbeit für sich, den künftigen Kanzleiangestellten, zu schmutzig fand, ja daß er es sogar wagte, Amalia, wenn sie ihm, selten genug, ein Wort sagte, zu widersprechen, und zwar grundsätzlich. Ich gönnte ihm gern diese kurze Freude, denn mit dem ersten Tag, an welchem er ins Schloß ging, war Freude und Hochmut, wie leicht vorauszusehen gewesen war, gleich vorüber. Es begann nun jener scheinbare Dienst, von dem ich dir schon erzählt habe. Erstaunlich war es, wie Barnabas ohne Schwierigkeiten zum erstenmal das Schloß oder richtiger die Kanzlei betrat, die sozusagen sein Arbeitsraum geworden ist. Dieser Erfolg machte mich damals fast toll, ich lief, als es mir Barnabas abends beim Nachhausekommen zuflüsterte, zu Amalia, packte sie, drückte sie in eine Ecke und küßte sie mit Lippen und Zähnen, daß sie vor Schmerz und Schrecken weinte. Sagen konnte ich vor Erregung nichts, auch hatten wir ja schon so lange nichts miteinander gesprochen, ich verschob es auf die nächsten Tage. An den nächsten Tagen aber war freilich nichts mehr zu sagen. Bei dem so schnell Erreichten blieb es auch. Zwei Jahre lang führte Barnabas dieses herzbeklemmende Leben. Die Knechte versagten gänzlich, ich gab Barnabas einen kleinen Brief mit, in dem ich ihn der Aufmerksamkeit der Knechte empfahl, die ich gleichzeitig an ihre Versprechungen erinnerte, und Barnabas, sooft er einen Knecht sah, zog den Brief heraus und hielt ihm ihn vor, und wenn er wohl auch manchmal an Knechte geriet, die mich nicht kannten, und wenn auch für die Bekannten seine Art, den Brief stumm vorzuzeigen, denn zu sprechen wagt er oben nicht, ärgerlich war, so war es doch schändlich, daß niemand ihm half, und es war eine Erlösung, die wir aus Eigenem uns freilich auch und längst hätten verschaffen können, als ein Knecht, dem vielleicht der Brief schon einige Male aufgedrängt worden war, ihn zusammenknüllte und in einen Papierkorb warf. Fast hätte er dabei, so fiel mir ein, sagen können: „Ähnlich pflegt ja auch ihr Briefe zu behandeln.“ So ergebnislos aber diese ganze Zeit sonst war, auf Barnabas wirkte sie günstig, wenn man es günstig nennen will, daß er vorzeitig alterte, vorzeitig ein Mann wurde, ja in manchem ernst und einsichtig über die Mannheit hinaus. Mich macht es oft sehr traurig, ihn anzusehen und ihn mit dem Jungen zu vergleichen, der er noch vor zwei Jahren war. Und dabei habe ich gar nicht den Trost und den Rückhalt, den er mir als Mann vielleicht geben könnte. Ohne mich wäre er kaum ins Schloß gekommen, aber seitdem er dort ist, ist er von mir unabhängig. Ich bin seine einzige Vertraute, aber er erzählt mir gewiß nur einen kleinen Teil dessen, was er auf dem Herzen hat. Er erzählt mir viel vom Schloß, aber aus seinen Erzählungen, aus den kleinen Tatsachen, die er mitteilt, kann man bei weitem nicht verstehen, wie ihn dieses so verwandelt haben könnte. Man kann insbesondere nicht verstehen, warum er den Mut, den er als Junge bis zu unser aller Verzweiflung hatte, jetzt als Mann dort oben so gänzlich verloren hat. Freilich, dieses nutzlose Dastehen und Warten Tag für Tag und immer wieder von neuem und ohne jede Aussicht auf Veränderung, das zermürbt und macht zweiflerisch und schließlich zu anderem als zu diesem verzweifelten Dastehen sogar unfähig. Aber warum hat er auch früher gar keinen Widerstand geleistet? Besonders da er bald erkannte, daß ich recht gehabt hatte und für den Ehrgeiz dort nichts zu holen war, wohl aber vielleicht für die Besserung der Lage unserer Familie. Denn dort geht alles, die Launen der Diener ausgenommen, sehr bescheiden zu, der Ehrgeiz sucht dort in der Arbeit Befriedigung und da dabei die Sache selbst das Übergewicht bekommt, verliert er sich gänzlich, für kindliche Wünsche ist dort kein Raum. Wohl aber glaubte Barnabas, wie er mir erzählte, deutlich zu sehen, wie groß die Macht und das Wissen selbst dieser doch recht fragwürdigen Beamten war, in deren Zimmer er sein durfte. Wie sie diktierten, schnell, mit halbgeschlossenen Augen, kurzen Handbewegungen, wie sie nur mit dem Zeigefinger ohne jedes Wort die brummigen Diener abfertigten, die in solchen Augenblicken, schweratmend, glücklich lächelten, oder wie sie eine wichtige Stelle in ihren Büchern fanden, voll darauf schlugen, und wie die andern, soweit es in der Enge möglich war, herbeiliefen und die Hälse danach streckten. Das und ähnliches gab Barnabas große Vorstellungen von diesen Männern, und er hatte den Eindruck, daß, wenn er so weit käme, von ihnen bemerkt zu werden und mit ihnen ein paar Worte sprechen zu dürfen, nicht als Fremder, sondern als Kanzleikollege, allerdings untergeordnetster Art, Unabsehbares für unsere Familie erreicht werden könnte. Aber so weit ist es eben noch nicht gekommen und etwas, was ihn dem annähern könnte, wagt Barnabas nicht zu tun, trotzdem er schon genau weiß, daß er trotz seiner Jugend innerhalb unserer Familie durch die unglücklichen Verhältnisse zu der verantwortungsschweren Stellung des Familienvaters selbst hinaufgerückt ist. Und nun, um das Letzte noch zu gestehen: Vor einer Woche bist du gekommen. Ich hörte im Herrenhof jemanden es erwähnen, kümmerte mich aber nicht darum; ein Landvermesser war gekommen, ich wußte nicht einmal, was das ist. Aber am nächsten Abend kommt Barnabas - ich pflegte ihm sonst zu bestimmter Stunde ein Stück Wegs entgegenzugehen - früher als sonst nach Hause, sieht Amalia in der Stube, zieht mich deshalb auf die Straße hinaus, drückt dort das Gesicht auf meine Schulter und weint minutenlang. Er ist wieder der kleine Junge von ehemals. Es ist ihm etwas geschehen, dem er nicht gewachsen ist. Es ist, als hätte sich vor ihm plötzlich eine ganz neue Welt aufgetan, und das Glück und die Sorgen aller dieser Neuheit kann er nicht ertragen. Und dabei ist ihm nichts anderes geschehen, als daß er einen Brief an dich zur Bestellung bekommen hat. Aber es ist freilich der erste Brief, die erste Arbeit, die er überhaupt je bekommen hat.“

[¶11] Olga stopped. Everything was still except for the heavy, occasionally disturbed breathing of the old people. K. merely said casually, as if to round off Olga’s story: “You’ve all been playing with me. Barnabas brought me the letter with the air of an old and much occupied messenger, and you as well as Amalia—who for that time must have been in with you—behaved as if carrying messages and the letter itself were matters of indifference.” “You must distinguish between us,” said Olga. “Barnabas had been made a happy boy again by the letter, in spite of all the doubts that he had about his capability. He confined those doubts to himself and me, but he felt it a point of honour to look like a real messenger, as according to his ideas real messengers looked. So although his hopes were now rising to an official uniform I had to alter his trousers, and in two hours, so that they would have some resemblance at least to the close-fitting trews of the official uniform, and he might appear in them before you, knowing, of course, that on this point you could be easily taken in. So much for Barnabas. But Amalia really despises his work as a messenger, and now that he seemed to have had a little success—as she could easily guess from Barnabas and myself and our talking and whispering together—she despised it more than ever. So she was speaking the truth, don’t deceive yourself about that. But if I, K., have seemed to slight Barnabas’s work, it hasn’t been with any intention to deceive you, but from anxiety. These two letters that have gone through Barnabas’s hands are the first signs of grace, questionable as they are, that our family has received for three years. This change, if it is a change and not a deception—deceptions are more frequent than changes—is connected with your arrival here, our fate has become in a certain sense dependent on you, perhaps these two letters are only a beginning, and Barnabas’s abilities will be used for other things than these two letters concerning you—we must hope that as long as we can—for the time being however everything centres on you. Now up in the Castle we must rest content with whatever our lot happens to be, but down here we can, it may be, do something ourselves, that is, make sure of your goodwill, or at least save ourselves from your dislike, or, what’s more important, protect you as far as our strength and experience goes, so that your connection with the Castle—by which we might perhaps be helped too—might not be lost. Now what was our best way of bringing that about? To prevent you from having any suspicion of us when we approached you—for you’re a stranger here and because of that certain to be full of suspicion, full of justifiable suspicion. And, besides we’re despised by everybody and you must be influenced by the general opinion, particularly through your fiancée, so how could we put ourselves forward without quite unintentionally setting ourselves up against your fiancée, and so offending you? And the messages, which I had read before you got them—Barnabas didn’t read them, as a messenger he couldn’t allow himself to do that—seemed at the first glance obsolete and not of much importance, yet took on the utmost importance in as much as they referred you to the Superintendent. Now in these circumstances how were we to conduct ourselves towards you? If we emphasised the letters’ importance, we laid ourselves under suspicion by overestimating what was obviously unimportant, and in pluming ourselves as the vehicle of these messages we should be suspected of seeking our own ends, not yours; more, in doing that we might depreciate the value of the letter itself in your eyes and so disappoint you sore against our will. But if we didn’t lay much stress on the letters we should lay ourselves equally under suspicion, for why in that case should we have taken the trouble of delivering such an unimportant letter, why should our actions and our words be in such clear contradiction, why should we in this way disappoint not only you, the addressee, but also the sender of the letter, who certainly hadn’t handed the letter to us so that we should belittle it to the addressee by our explanations? And to hold the mean, without exaggeration on either side, in other words to estimate the just value of those letters, is impossible, they themselves change in value perpetually, the reflections they give rise to are endless, and chance determines where one stops reflecting, and so even our estimate of them is a matter of chance. And when on the top of that there came anxiety about you, everything became confused, and you mustn’t judge whatever I said too severely. When for example—as once happened—Barnabas arrived with the news that you were dissatisfied with his work, and in his first distress—his professional vanity was wounded too I must admit—resolved to retire from the service altogether, then to make good the mistake I was certainly ready to deceive, to lie, to betray, to do anything, no matter how wicked, if it would only help. But even then I would have been doing it, at least in my opinion, as much for your sake as for ours.”

> German: Olga brach ab. Es war still, bis auf das schwere, manchmal röchelnde Atmen der Eltern. K. sagte nur leichthin, wie zur Ergänzung von Olgas Erzählung: „Ihr habt euch mir gegenüber verstellt. Barnabas überbrachte den Brief wie ein alter vielbeschäftigter Bote und du ebenso wie Amalia, die diesmal also mit euch einig war, ihr tatet so, als sei der Botendienst und die Briefe nur irgendeine Nebensache.“ „Du mußt zwischen uns unterscheiden“, sagte Olga. „Barnabas ist durch die zwei Briefe wieder ein glückliches Kind geworden, trotz allen Zweifeln, die er an seiner Tätigkeit hat. Diese Zweifel hat er nur für sich und mich, dir gegenüber aber sucht er seine Ehre darin, als wirklicher Bote aufzutreten, so wie seiner Vorstellung nach wirkliche Boten auftreten. So mußte ich ihm z. B., trotzdem doch jetzt seine Hoffnung auf einen Amtsanzug steigt, binnen zwei Stunden seine Hose so ändern, daß sie der enganliegenden Hose des Amtskleides wenigstens ähnlich ist und er darin vor dir, der du in dieser Hinsicht natürlich noch leicht zu täuschen bist, bestehen kann. Das ist Barnabas. Amalia aber mißachtet wirklich den Botendienst und jetzt, nachdem er ein wenig Erfolg zu haben scheint, wie sie an Barnabas und mir und unserem Beisammensitzen und Tuscheln leicht erkennen kann, jetzt mißachtet sie ihn noch mehr als früher. Sie spricht also die Wahrheit, laß dich niemals täuschen, indem du daran zweifelst. Wenn aber ich, K., manchmal den Botendienst herabgewürdigt habe, so geschah es nicht mit der Absicht, dich zu täuschen, sondern aus Angst. Diese zwei Briefe, die durch des Barnabas Hand gegangen sind, sind seit drei Jahren das erste allerdings noch genug zweifelhafte Gnadenzeichen, das unsere Familie bekommen hat. Diese Wendung, wenn es eine Wendung ist und keine Täuschung – Täuschungen sind häufiger als Wendungen – ist mit deiner Ankunft hier im Zusammenhang, unser Schicksal ist in eine gewisse Abhängigkeit von dir geraten, vielleicht sind diese zwei Briefe nur ein Anfang und des Barnabas Tätigkeit wird sich über den dich betreffenden Botendienst hinaus ausdehnen – das wollen wir hoffen, solange wir es dürfen – vorläufig zielt aber alles nur auf dich ab. Dort oben nun müssen wir uns mit dem zufrieden geben, was man uns zuteilt, hier unten aber können wir doch vielleicht auch selbst etwas tun, das ist: deine Gunst uns sichern oder wenigstens vor Deiner Abneigung uns bewahren oder, was das Wichtigste ist, dich nach unseren Kräften und Erfahrungen schützen, damit dir die Verbindung mit dem Schloß – von der wir vielleicht leben können – nicht verloren geht. Wie dies alles nun am besten einleiten? Daß du keinen Verdacht gegen uns faßt, wenn wir uns dir nähern, denn du bist hier fremd und deshalb gewiß nach allen Seiten hin voll Verdacht, voll berechtigten Verdachtes. Außerdem sind wir ja verachtet und du von der allgemeinen Meinung beeinflußt, besonders durch deine Braut, wie sollen wir zu dir vordringen, ohne uns z. B., wenn wir es auch gar nicht beabsichtigen, gegen deine Braut zu stellen und dich damit zu kränken. Und die Botschaften, die ich, ehe du sie bekamst, genau gelesen habe – Barnabas hat sie nicht gelesen, als Bote hat er es sich nicht erlaubt – schienen auf den ersten Blick nicht sehr wichtig, veraltet, nahmen sich selbst die Wichtigkeit, indem sie dich auf den Gemeindevorsteher verwiesen. Wie sollten wir uns nun in dieser Hinsicht dir gegenüber verhalten? Betonten wir ihre Wichtigkeit, machten wir uns verdächtig, daß wir so offenbar Unwichtiges überschätzten und als Überbringer dieser Nachrichten dir anpriesen, unsere Zwecke, nicht deine verfolgten, ja, wir konnten dadurch die Nachrichten selbst in deinen Augen herabsetzen und dich so sehr wider Willen täuschen. Legten wir aber den Briefen nicht viel Wert bei, machten wir uns ebenso verdächtig, denn warum beschäftigten wir uns dann mit dem Zustellen dieser unwichtigen Briefe, warum widersprachen einander unsere Handlungen und unsere Worte, warum täuschten wir so nicht nur dich, den Adressaten, sondern auch unseren Auftraggeber, der uns gewiß die Briefe nicht übergeben hatte, damit wir sie durch unsere Erklärungen beim Adressaten entwerteten. Und die Mitte zwischen den Übertreibungen zu halten, also die Briefe richtig zu beurteilen, ist ja unmöglich, sie wechseln selbst fortwährend ihren Wert, die Überlegungen, zu denen sie Anlaß geben, sind endlos, und wo man dabei gerade halt macht, ist nur durch den Zufall bestimmt, also auch die Meinung eine zufällige. Und wenn nun noch die Angst um dich dazwischen kommt, verwirrt sich alles, du darfst meine Worte nicht zu streng beurteilen. Wenn z. B., wie es einmal geschehen ist, Barnabas mit der Nachricht kommt, daß du mit seinem Botendienst unzufrieden bist und er im ersten Schrecken und leider auch nicht ohne Botenempfindlichkeit sich angeboten hat, von diesem Dienst zurückzutreten, dann bin ich allerdings, um den Fehler gutzumachen, imstande, zu täuschen, zu lügen, zu betrügen, alles Böse zu tun, wenn es nur hilft. Aber das tue ich dann, wenigstens nach meinem Glauben, so gut deinetwegen wie unseretwegen.“

[¶12] There was a knock. Olga ran to the door and unfastened it. A strip of light from a dark lantern fell across the threshold. The late visitor put questions in a whisper and was answered in the same way, but was not satisfied and tried to force his way into the room. Olga found herself unable to hold him back any longer and called to Amalia, obviously hoping that to keep the old people from being disturbed in their sleep Amalia would do anything to eject the visitor. And indeed she hurried over at once, pushed Olga aside, and stepped into the street and closed the door behind her. She only remained there for a moment, almost at once she came back again, so quickly had she achieved what had proved impossible for Olga.

> German: Es klopfte. Olga lief zur Tür und sperrte auf. In das Dunkel fiel ein Lichtstreifen aus einer Blendlaterne. Der späte Besucher stellte flüsternde Fragen und bekam geflüsterte Antwort, wollte sich aber damit nicht begnügen und in die Stube eindringen. Olga konnte ihn wohl nicht mehr zurückhalten und rief deshalb Amalia, von der sie offenbar hoffte, daß diese, um den Schlaf der Eltern zu schützen, alles aufwenden werde, um den Besucher zu entfernen. Tatsächlich eilte sie auch schon herbei, schob Olga beiseite, trat auf die Straße und schloß hinter sich die Tür. Es dauerte nur einen Augenblick, gleich kam sie wieder zurück, so schnell hatte sie erreicht, was Olga unmöglich gewesen war.

[¶13] K. then learned from Olga that the visit was intended for him. It had been one of the assistants, who was looking for him at Frieda’s command. Olga had wanted to shield K. from the assistant; if K. should confess his visit here to Frieda later, he could, but it must not be discovered through the assistant; K. agreed. But Olga’s invitation to spend the night there and wait for Barnabas he declined, for himself he might perhaps have accepted, for it was already late in the night and it seemed to him that now, whether he wanted it or not, he was bound to this family in such a way that a bed for the night here, though for many reasons painful, nevertheless, when one considered this common bond, was the most suitable for him in the village; all the same he declined it, the assistant’s visit had alarmed him, it was incomprehensible to him how Frieda, who knew his wishes quite well, and the assistants, who had learned to fear him, had come together again like this, so that Frieda didn’t scruple to send an assistant for him, only one of them, too, while the other had probably remained to keep her company. He asked Olga whether she had a whip, she hadn’t one, but she had a good hazel switch, and he took it; then he asked whether there was any other way out of the house, there was one through the yard, only one had to clamber over the wall of the neighbouring garden and walk through it before one reached the street. K. decided to do this. While Olga was conducting him through the yard, K. tried hastily to reassure her fears, told her that he wasn’t in the least angry at the small artifices she had told him about, but understood them very well, thanked her for the confidence she had shown in him in telling him her story, and asked her to send Barnabas to the school as soon as he arrived, even if it were during the night. It was true, the messages which Barnabas brought were not his only hope, otherwise things would be bad indeed with him, but he didn’t by any means leave them out of account, he would hold to them and not forget Olga either, for still more important to him than the messages themselves was Olga, her bravery, her prudence, her cleverness, her sacrifices for the family. If he had to choose between Olga and Amalia it wouldn’t cost him much reflection. And he pressed her hand cordially once more as he swung himself on to the wall of the neighbouring garden.

> German: K. erfuhr dann von Olga, daß der Besuch ihm gegolten hatte. Es war einer der Gehilfen, der ihn im Auftrag Friedas suchte. Olga hatte K. vor dem Gehilfen schützen wollen; wenn K. seinen Besuch hier später Frieda gestehen wollte, mochte er es tun, aber es sollte nicht durch den Gehilfen entdeckt werden; K. billigte das. Das Angebot Olgas aber, hier die Nacht zu verbringen und auf Barnabas zu warten, lehnte er ab, an und für sich hätte er es vielleicht angenommen, denn es war schon spät in der Nacht und es schien ihm, daß er jetzt, ob er wollte oder nicht, mit dieser Familie derart verbunden sei, daß ein Nachtlager hier aus manchen Gründen vielleicht peinlich, mit Rücksicht auf diese Verbundenheit aber das für ihn natürlichste im ganzen Dorf sei, trotzdem lehnte er ab, der Besuch des Gehilfen hatte ihn aufgeschreckt, es war ihm unverständlich, wie Frieda, die doch seinen Willen kannte, und die Gehilfen, die ihn fürchten gelernt hatten, wieder derart zusammengekommen waren, daß sich Frieda nicht scheute, einen Gehilfen um ihn zu schicken, einen übrigens nur, während der andere wohl bei ihr geblieben war. Er fragte Olga, ob sie eine Peitsche habe, die hatte sie nicht, aber eine gute Weidenrute hatte sie, die nahm er; dann fragte er, ob es noch einen zweiten Ausgang aus dem Haus gebe, es gab einen solchen Ausgang durch den Hof, nur mußte man dann noch über den Zaun des Nachbargartens klettern und durch diesen Garten gehen, ehe man auf die Straße kam. Das wollte K. tun. Während ihn Olga durch den Hof und zum Zaun führte, suchte K. sie schnell wegen ihrer Sorgen zu beruhigen, erklärte, daß er ihr wegen ihrer kleinen Kunstgriffe in der Erzählung gar nicht böse sei, sondern sie sehr wohl verstehe, dankte ihr für das Vertrauen, das sie zu ihm hatte und durch ihre Erzählung bewiesen hatte, und trug ihr auf, Barnabas gleich nach seiner Rückkehr in die Schule zu schicken und sei es noch in der Nacht. Zwar seien die Botschaften des Barnabas nicht seine einzige Hoffnung, sonst stünde es schlimm um ihn, aber verzichten wolle er keineswegs auf sie, er wolle sich an sie halten und dabei Olga nicht vergessen, denn noch wichtiger fast als die Botschaften sei ihm Olga selbst, ihre Tapferkeit, ihre Umsicht, ihre Klugheit, ihre Aufopferung für die Familie. Wenn er zwischen Olga und Amalia zu wählen hätte, würde ihm das nicht viel Überlegung kosten. Und er drückte ihr noch herzlich die Hand, während er sich schon auf den Zaun des Nachbargartens schwang.

## 16. Chapter XVI · Das sechzehnte Kapitel

Source: https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/16/ · cite a paragraph as https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/16/#p-N

[¶0] When he reached the street he saw indistinctly in the darkness that a little farther along the assistant was still walking up and down before Barnabas’s house; sometimes he stopped and tried to peep into the room through the drawn blinds. K. called to him; without appearing visibly startled he gave up his spying on the house and came towards K. “Who are you looking for?” asked K., testing the suppleness of the hazel switch on his leg. “You,” replied the assistant as he came nearer. “But who are you?” asked K. suddenly, for this did not appear to be the assistant. He seemed older, wearier, more wrinkled, but fuller in the face, his walk too was quite different from the brisk walk of the assistants, which gave an impression as if their joints were charged with electricity; it was slow, a little halting, elegantly valetudinarian. “You don’t recognise me?” asked the man, “Jeremiah, your old assistant.” “I see,” said K. tentatively producing the hazel switch again, which he had concealed behind his back, “But you look quite different.” “It’s because I’m by myself,” said Jeremiah. “When I’m by myself then all my youthful spirits are gone.” “But where is Arthur?” asked K. “Arthur?” said Jeremiah, “the little dear? He has left the service. You were rather hard and rough on us, you know, and the gentle soul couldn’t stand it. He’s gone back to the Castle to put in a complaint.” “And you?” asked K. “I’m able to stay here,” said Jeremiah, “Arthur is putting in a complaint for me too.” “What have you to complain about, then?” asked K. “That you can’t understand a joke. What have we done? Jested a little, laughed a little, teased your fiancée a little. And all according to our instructions, too. When Galater sent us to you—” “Galater?” asked K. “Yes, Galater,” replied Jeremiah, “he was deputising for Klamm himself at the time. When he sent us to you he said—I took a good note of it, for that’s our business: You’re to go down there as assistants to the Land Surveyor. We replied: But we don’t know anything about the work. Thereupon he replied: That’s not the main point: if it’s necessary, he’ll teach you it. The main thing is to cheer him up a little. According to the reports I’ve received he takes everything too seriously. He has just got to the village, and starts off thinking that a great experience, whereas in reality it’s nothing at all. You must make him see that.” “Well?” said K., “was Galater right, and have you carried out your task?” “That I don’t know,” replied Jeremiah. “In such a short time it was hardly possible. I only know that you were very rough on us, and that’s what we’re complaining of. I can’t understand how you, an employee yourself and not even a Castle employee, aren’t able to see that a job like that is very hard work, and that it’s very wrong to make the work harder for the poor workers, and wantonly, almost childishly, as you have done. Your total lack of consideration in letting us freeze at the railings, and almost felling Arthur with your fist on the straw sack—Arthur, a man who feels a single cross word for days—and in chasing me up and down in the snow all afternoon, so that it was an hour before I could recover from it! And I’m no longer young!” “My dear Jeremiah,” said K., “you’re quite right about all this, only it’s Galater you should complain to. He sent you here of his own accord, I didn’t beg him to send you. And as I hadn’t asked for you it was at my discretion to send you back again, and like you, I would much rather have done it peacefully than with violence, but evidently you wouldn’t have it any other way. Besides, why didn’t you speak to me when you came first as frankly as you’ve done just now?” “Because I was in the service,” said Jeremiah, “surely that’s obvious.” “And now you’re in the service no longer?” asked K. “That’s so,” said Jeremiah, “Arthur has given notice in the Castle that we’re giving up the job, or at least proceedings have been set going that will finally set us free from it.” “But you’re still looking for me just as if you were in the service,” said K. “No,” replied Jeremiah, “I was only looking for you to reassure Frieda. When you forsook her for Barnabas’s sister she was very unhappy, not so much because of the loss, as because of your treachery, besides she had seen it coming for a long time and had suffered a great deal already on that account. I only went up to the school-window for one more look to see if you mightn’t have become more reasonable. But you weren’t there: Frieda was sitting by herself on a bench crying. So then I went to her and we came to an agreement. Everything’s settled. I’m to be waiter in the Herrenhof, at least until my business is settled in the Castle, and Frieda is back in the taproom again. It’s better for Frieda. There was no sense in her becoming your wife. And you haven’t known how to value the sacrifice that she was prepared to make for you either. But the good soul had still some scruples left, perhaps she was doing you an injustice, she thought, perhaps you weren’t with the Barnabas girl after all. Although of course there could be no doubt where you were, I went all the same so as to make sure of it once and for all; for after all this worry Frieda deserved to sleep peacefully for once, not to mention myself. So I went and not only found you there, but was able to see incidentally as well that you had the girls on a string. The black one especially—a real wildcat—she’s set her cap at you. Well, everyone to his taste. But all the same it wasn’t necessary for you to take the roundabout way through the next door garden, I know that way.”

> German: Als er dann auf der Straße war, sah er, soweit die trübe Nacht es erlaubte, weiter oben vor des Barnabas Haus noch immer den Gehilfen auf und ab gehen, manchmal blieb er stehen und versuchte durch das verhängte Fenster in die Stube zu leuchten. K. rief ihn an; ohne sichtlich zu erschrecken, ließ er von dem Ausspionieren des Hauses ab und kam auf K. zu. „Wen suchst du?“ fragte K. und prüfte am Schenkel die Biegsamkeit der Weidenrute. „Dich“, sagte der Gehilfe im Näherkommen. „Wer bist du denn?“ sagte K. plötzlich, denn es schien nicht der Gehilfe zu sein. Er schien älter, müder, faltiger, aber voller im Gesicht, auch sein Gang war ganz anders als der flinke, in den Gelenken wie elektrisierte Gang der Gehilfen, er war langsam, ein wenig hinkend, vornehm kränklich. „Du erkennst mich nicht?“ fragte der Mann, „Jeremias, dein alter Gehilfe.“ „So“, sagte K. und zog wieder die Weidenrute ein wenig hervor, die er schon hinter dem Rücken versteckt hatte. „Du siehst aber ganz anders aus?“ „Es ist, weil ich allein bin“, sagte Jeremias. „Bin ich allein, dann ist auch die fröhliche Jugend dahin.“ „Wo ist denn Artur?“ fragte K. „Artur?“ fragte Jeremias, „der kleine Liebling? Er hat den Dienst verlassen. Du warst aber auch ein wenig grob und hart zu uns, die zarte Seele hat es nicht ertragen. Er ist ins Schloß zurückgekehrt und führt Klage über dich.“ „Und du?“ fragte K. „Ich konnte bleiben,“ sagte Jeremias, „Artur führt die Klage auch für mich.“ „Worüber klagt ihr denn?“ fragte K. „Darüber, daß du keinen Spaß verstehst. Was haben wir denn getan? Ein wenig gescherzt, ein wenig gelacht, ein wenig deine Braut geneckt. Alles übrigens nach dem Auftrag. Als uns Galater zu dir schickte –“ „Galater?“ fragte K. „Ja, Galater,“ sagte Jeremias, „er vertrat damals gerade Klamm. Als er uns zu dir schickte, sagte er – ich habe es mir genau gemerkt, denn darauf berufen wir uns ja –: Ihr geht hin als die Gehilfen des Landvermessers. Wir sagten: Wir verstehen aber nichts von dieser Arbeit. Er darauf: Das ist nicht das Wichtigste; wenn es nötig sein wird, wird er es euch beibringen. Das Wichtigste ist aber, daß ihr ihn ein wenig erheitert. Wie man mir berichtet, nimmt er alles sehr schwer. Er ist jetzt ins Dorf gekommen und gleich ist ihm das ein großes Ereignis, während es doch in Wirklichkeit gar nichts ist. Das sollt ihr ihm beibringen.“ „Nun,“ sagte K., „hat Galater recht gehabt und habt ihr den Auftrag ausgeführt?“ „Das weiß ich nicht“, sagte Jeremias. „In der kurzen Zeit war es wohl auch nicht möglich. Ich weiß nur, daß du sehr grob warst, und darüber klagen wir. Ich verstehe nicht, wie du, der du doch auch Angestellter bist und nicht einmal Schloßangestellter, nicht einsehen kannst, daß ein solcher Dienst eine harte Arbeit ist und daß es sehr unrecht ist, mutwillig, fast kindisch dem Arbeiter die Arbeit so zu erschweren, wie du es getan hast. Diese Rücksichtslosigkeit, mit der du uns am Gitter frieren ließest, oder wie du Artur, einen Menschen, den ein böses Wort tagelang schmerzt, mit der Faust auf der Matratze fast erschlagen hast oder wie du mich am Nachmittag kreuz und quer durch den Schnee jagtest, daß ich dann eine Stunde brauchte, um mich von der Hetze zu erholen. Ich bin doch nicht mehr jung!“ „Lieber Jeremias,“ sagte K., „mit dem allen hast du recht, nur solltest du es bei Galater vorbringen. Er hat euch aus eigenem Willen geschickt, ich habe euch nicht von ihm erbeten. Und da ich euch nicht verlangt habe, konnte ich euch auch wieder zurückschicken und hätte es auch lieber in Frieden getan als mit Gewalt, aber ihr wolltet es offenbar nicht anders. Warum hast du übrigens nicht gleich, als ihr zu mir kamt, so offen gesprochen wie jetzt?“ „Weil ich im Dienst war,“ sagte Jeremias, „das ist doch selbstverständlich.“ „Und jetzt bist du nicht mehr im Dienst?“ fragte K. „Jetzt nicht mehr,“ sagte Jeremias, „Artur hat im Schloß den Dienst aufgesagt oder es ist zumindest das Verfahren im Gang, das uns von ihm endgültig befreien soll.“ „Aber du suchst mich doch noch so, als wärest du im Dienst“, sagte K. „Nein,“ sagte Jeremias, „ich suche dich nur, um Frieda zu beruhigen. Als du sie nämlich wegen der Barnabas’schen Mädchen verlassen hast, war sie sehr unglücklich, nicht so sehr wegen des Verlustes als wegen deines Verrates, allerdings hatte sie es schon lange kommen sehen und schon viel deshalb gelitten. Ich kam gerade wieder einmal zum Schulfenster, um nachzusehen, ob du doch vielleicht schon vernünftiger geworden seist. Aber du warst nicht dort, nur Frieda saß in einer Schulbank und weinte. Da ging ich also zu ihr und wir einigten uns. Es ist auch schon alles ausgeführt. Ich bin Zimmerkellner im Herrenhof, wenigstens solange meine Sache im Schloß nicht erledigt ist, und Frieda ist wieder im Ausschank. Es ist für Frieda besser. Es lag für sie keine Vernunft darin, deine Frau zu werden. Auch hast du das Opfer, das sie dir bringen wollte, nicht zu würdigen verstanden. Nun hat aber die Gute noch immer manchmal Bedenken, ob dir nicht unrecht geschehen ist, ob du vielleicht doch nicht bei den Barnabas’schen warst. Trotzdem natürlich gar kein Zweifel daran sein konnte, wo du warst, bin ich doch noch gegangen, es ein für allemal festzustellen; denn nach all den Aufregungen verdient es Frieda endlich einmal, ruhig zu schlafen, ich allerdings auch. So bin ich also gegangen und habe nicht nur dich gefunden, sondern nebenbei auch noch sehen können, daß dir die Mädchen wie am Schnürchen folgen. Besonders die Schwarze, eine wahre Wildkatze, hat sich für dich eingesetzt. Nun, jeder nach seinem Geschmack. Jedenfalls aber war es nicht nötig, daß du den Umweg über den Nachbargarten gemacht hast, ich kenne den Weg.“

[¶1] So now the thing had come after all which he had been able to foresee, but not to prevent. Frieda had left him. It could not be final, it was not so bad as that, Frieda could be won back, it was easy for any stranger to influence her, even for those assistants who considered Frieda’s position much the same as their own, and now that they had given notice had prompted Frieda to do the same, but K. would only have to show himself and remind her of all that spoke in his favour, and she would rue it and come back to him, especially if he should be in a position to justify his visit to these girls by some success due entirely to them. Yet in spite of those reflections, by which he sought to reassure himself on Frieda’s account, he was not reassured. Only a few minutes ago he had been praising Frieda up to Olga and calling her his only support; well, that support was not of the firmest, no intervention of the mighty ones had been needed to rob K. of Frieda—even this not very savoury assistant had been enough—this puppet which sometimes gave one the impression of not being properly alive.

> German: Nun war es also doch geschehen, was vorauszusehen, aber nicht zu verhindern gewesen war. Frieda hatte ihn verlassen. Es mußte nicht endgültig sein, so schlimm war es nicht, Frieda war zurückzuerobern, sie war leicht von Fremden zu beeinflussen, gar von diesen Gehilfen, welche Friedas Stellung für ähnlich der ihren hielten und nun, da sie gekündigt hatten, auch Frieda dazu veranlaßt hatten, aber K. mußte nur vor sie treten, an alles erinnern, was für ihn sprach, und sie war wieder reuevoll die seine, gar wenn er etwa imstande gewesen wäre, den Besuch bei den Mädchen durch einen Erfolg zu rechtfertigen, den er ihnen verdankte. Aber trotz dieser Überlegungen, mit welchen er sich Friedas wegen zu beruhigen suchte, war er nicht beruhigt. Noch vor kurzem hatte er sich Olga gegenüber Friedas gerühmt und sie seinen einzigen Halt genannt, nun, dieser Halt war nicht der festeste, nicht der Eingriff eines Mächtigen war nötig, um K. Friedas zu berauben - es genügte auch dieser nicht sehr appetitliche Gehilfe -, dieses Fleisch, das manchmal den Eindruck machte, als sei es nicht recht lebendig.

[¶2] Jeremiah had already begun to disappear. K. called him back. “Jeremiah,” he said, “I want to be quite frank with you; answer one question of mine too in the same spirit. We’re no longer in the position of master and servant, a matter of congratulation not only to you but to me too; we have no grounds, then, for deceiving each other. Here before your eyes I snap this switch which was intended for you, for it wasn’t for fear of you that I chose the backway out, but so as to surprise you and lay it across your shoulders a few times. But don’t take it badly, all that is over; if you hadn’t been forced on me as a servant by the bureau, but had been simply an acquaintance, we would certainly have got on splendidly, even if your appearance might have disturbed me occasionally. And we can make up now for what we have missed in that way.” “Do you think so?” asked the assistant, yawning and closing his eyes wearily. “I could of course explain the matter more at length, but I have no time, I must go to Frieda, the poor child is waiting for me, she hasn’t started on her job yet, at my request the landlord has given her a few hours’ grace—she wanted to fling herself into the work at once probably to help her to forget—and we want to spend that little time at least together. As for your proposal, I have no cause, certainly, to deceive you, but I have just as little to confide anything to you. My case, in other words, is different from yours. So long as my relation to you was that of a servant, you were naturally a very important person in my eyes, not because of your own qualities, but because of my office, and I would have done anything for you that you wanted, but now you’re of no importance to me. Even your breaking the switch doesn’t affect me, it only reminds me what a rough master I had, it’s not calculated to prejudice me in your favour.” “You talk to me,” said K., “as if it were quite certain that you’ll never have to fear anything from me again. But that isn’t really so. From all appearances you’re not yet free from me, things aren’t settled here so quickly as that—” “Sometimes even more quickly,” Jeremiah threw in. “Sometimes,” said K., “but nothing points to the fact that it’s so this time, at least neither you nor I have anything that we can show in black and white. The proceedings are only started, it seems, and I haven’t used my influence yet to intervene, but I will. If the affair turns out badly for you, you’ll find that you haven’t exactly endeared yourself to your master, and perhaps it was superfluous after all to break the hazel switch. And then you have abducted Frieda, and that has given you an inflated notion of yourself, but with all the respect that I have for your person, even if you have none for me any longer, a few words from me to Frieda will be enough—I know it—to smash up the lies that you’ve caught her with. And only lies could have estranged Frieda from me.” “These threats don’t frighten me,” replied Jeremiah, “you don’t in the least want me as an assistant, you were afraid of me even as an assistant, you’re afraid of assistants in any case, it was only fear that made you strike poor Arthur.” “Perhaps,” said K., “but did it hurt the less for that? Perhaps I’ll be able to show my fear of you in that way many times yet. Once I see that you haven’t much joy in an assistant’s work, it’ll give me great satisfaction again, in spite of all my fear, to keep you at it. And moreover I’ll do my best next time to see that you come by yourself, without Arthur, I’ll be able then to devote more attention to you.” “Do you think,” said Jeremiah, “that I have even the slightest fear of all this?” “I do think so,” said K., “you’re a little afraid, that’s certain, and if you’re wise, very much afraid. If that isn’t so why didn’t you go straight back to Frieda? Tell me, are you in love with her, then?” “In love?” said Jeremiah. “She’s a nice clever girl, a former sweetheart of Klamm’s, so respectable in any case. And as she kept on imploring me to save her from you why shouldn’t I do her the favour, particularly as I wasn’t doing you any harm, seeing that you’ve consoled yourself with these damned Barnabas girls?” “Now I can see how frightened you are,” said K., “frightened out of your wits; you’re trying to catch me with lies. All that Frieda asked for was to be saved from those filthy swine of assistants, who were getting past bounds, but unfortunately I hadn’t time to fulfil her wish completely, and now this is the result of my negligence.”

> German: Jeremias hatte sich schon zu entfernen angefangen. K. rief ihn zurück. „Jeremias,“ sagte er, „ich will ganz offen zu dir sein, beantworte mir auch ehrlich eine Frage. Wir sind ja nicht mehr im Verhältnis des Herrn und des Dieners, worüber nicht nur du froh bist, sondern auch ich, wir haben also keinen Grund, einander zu betrügen. Hier vor deinen Augen zerbreche ich die Rute, die für dich bestimmt gewesen ist, denn nicht aus Angst vor dir habe ich den Weg durch den Garten gewählt, sondern um dich zu überraschen und die Rute einige Male an dir abzuziehen. Nun, nimm mir das nicht übel, das alles ist vorüber; wärest du nicht ein vom Amt mir aufgezwungener Diener, sondern einfach mein Bekannter gewesen, wir hätten uns gewiß, wenn mich auch dein Aussehen manchmal ein wenig stört, ausgezeichnet vertragen. Und wir könnten ja auch das, was wir in dieser Hinsicht versäumt haben, jetzt nachtragen.“ „Glaubst du?“ sagte der Gehilfe und drückte gähnend die müden Augen, „ich könnte dir ja die Sache ausführlicher erklären, aber ich habe keine Zeit, ich muß zu Frieda, das Kindchen wartet auf mich, sie hat den Dienst noch nicht angetreten, der Wirt hat ihr auf mein Zureden - sie wollte sich, wahrscheinlich um zu vergessen, gleich in die Arbeit stürzen - noch eine kleine Erholungszeit gegeben, die wollen wir doch wenigstens miteinander verbringen. Was deinen Vorschlag betrifft, so habe ich gewiß keinen Anlaß, dich zu belügen, aber ebensowenig, dir etwas anzuvertrauen. Bei mir ist es nämlich anders als bei dir. Solange ich im Dienstverhältnis zu dir stand, warst du mir natürlich eine sehr wichtige Person, nicht wegen deiner Eigenschaften, sondern wegen des Dienstauftrages, und ich hätte alles für dich getan, was du wolltest, jetzt aber bist du mir gleichgültig. Auch das Zerbrechen der Rute rührt mich nicht, es erinnert mich nur daran, einen wie rohen Herrn ich hatte, mich für dich einzunehmen ist es nicht geeignet.“ „Du sprichst so mit mir,“ sagte K., „wie wenn es ganz gewiß wäre, daß du von mir niemals mehr etwas zu fürchten haben wirst. So ist es aber doch eigentlich nicht. Du bist wahrscheinlich doch noch nicht frei von mir, so schnell finden die Erledigungen hier nicht statt -“ „Manchmal noch schneller“, warf Jeremias ein. „Manchmal,“ sagte K., „nichts deutet aber darauf hin, daß es diesmal geschehen ist, zumindest hast weder du noch habe ich eine schriftliche Erledigung in Händen. Das Verfahren ist also erst im Gang und ich habe durch meine Verbindungen noch gar nicht eingegriffen, werde es aber tun. Fällt es ungünstig für dich aus, so hast du nicht sehr dafür vorgearbeitet, dir deinen Herrn geneigt zu machen, und es war vielleicht sogar überflüssig, die Weidenrute zu zerbrechen. Und Frieda hast du zwar fortgeführt, wovon dir ganz besonders der Kamm geschwollen ist, aber bei allem Respekt vor deiner Person, den ich habe, auch wenn du für mich keinen mehr hast, - ein paar Worte, von mir an Frieda gerichtet, genügen, das weiß ich, um die Lügen, mit denen du sie eingefangen hast, zu zerreißen. Und nur Lügen konnten Frieda mir abwendig machen.“ „Diese Drohungen schrecken mich nicht,“ sagte Jeremias, „du willst mich doch gar nicht zum Gehilfen haben, du fürchtest mich doch als Gehilfen, du fürchtest Gehilfen überhaupt, nur aus Furcht hast du den guten Artur geschlagen.“ „Vielleicht“, sagte K., „hat es deshalb weniger weh getan? Vielleicht werde ich auf diese Weise meine Furcht vor dir noch öfters zeigen können. Sehe ich, daß dir die Gehilfenschaft wenig Freude macht, macht es wiederum mir über alle Furcht hinweg den größten Spaß, dich zu ihr zu zwingen. Und zwar werde ich es mir diesmal angelegen sein lassen, dich allein ohne Artur zu bekommen, ich werde dir dann mehr Aufmerksamkeit zuwenden können.“ „Glaubst du,“ sagte Jeremias, „daß ich auch nur die geringste Furcht vor dem allen habe?“ „Ich glaube wohl,“ sagte K., „ein wenig Furcht hast du gewiß, und wenn du klug bist, viel Furcht. Warum wärst du denn sonst nicht schon zu Frieda gegangen? Sag, hast du sie denn lieb?“ „Lieb?“ sagte Jeremias, „sie ist ein gutes kluges Mädchen, eine gewesene Geliebte Klamms, also respektabel auf jeden Fall. Und wenn sie mich fortwährend bittet, sie von dir zu befreien, warum sollte ich ihr den Gefallen nicht tun, besonders da ich damit doch auch dir kein Leid antue, der du mit den verfluchten Barnabassischen dich getröstet hast.“ „Nun, ich sehe deine Angst,“ sagte K., „eine ganz jämmerliche Angst, du versuchst mich durch Lügen einzufangen. Frieda hat nur um eines gebeten, sie von den wild gewordenen, hündisch lüsternen Gehilfen zu befreien, leider habe ich nicht Zeit gehabt, ihre Bitte ganz zu erfüllen, und jetzt sind die Folgen meiner Versäumnis da.“

[¶3] “Land Surveyor, Land Surveyor!” someone shouted down the street. It was Barnabas. He came up breathless with running, but did not forget to greet K. with a bow. “It’s done!” he said. “What’s done?” asked K. “You’ve laid my request before Klamm?” “That didn’t come off,” said Barnabas, “I did my best, but it was impossible, I was urgent, stood there all day without being asked and so close to the desk that once a clerk actually pushed me away, for I was standing in his light, I reported myself when Klamm looked up—and that’s forbidden—by lifting my hand, I was the last in the bureau, was left alone there with only the servants, but had the luck all the same to see Klamm coming back again, but it was not on my account, he only wanted to have another hasty glance at something in a book and went away immediately; finally, as I still made no move, the servants almost swept me out of the door with the broom. I tell you all this so that you might never complain of my efforts again.” “What good is all your zeal to me, Barnabas,” said K., “when it hasn’t the slightest success?” “But I have had success!” replied Barnabas, “as I was leaving my bureau—I call it my bureau—I saw a gentleman coming slowly towards me along one of the passages, which were quite empty except for him. By that time in fact it was very late. I decided to wait for him. It was a good pretext to wait longer, indeed I would much rather have waited in any case, so as not to have to bring you news of failure. But apart from that it was worth while waiting, for it was Erlanger. You don’t know him? He’s one of Klamm’s chief secretaries. A weakly little gentleman, he limps a little. He recognised me at once, he’s famous for his splendid memory and his knowledge of people, he just draws his brows together and that’s enough for him to recognise anybody, often people even that he’s never seen before, that he’s only heard of or read about; for instance he could hardly ever have seen me. But although he recognises everybody immediately, he always ask first as if he weren’t quite sure. Aren’t you Barnabas? he asked me. And then he went on: You know the Land Surveyor, don’t you? And then he said: That’s very lucky, I’m just going to the Herrenhof. The Land Surveyor is to report to me there. I’ll be in room number 15. But he must come at once. I’ve only a few things to settle there and I leave again for the Castle at 5 o’clock in the morning. Tell him that it’s very important that I should speak to him.”

> German: „Herr Landvermesser, Herr Landvermesser!“ rief jemand durch die Gasse. Es war Barnabas. Atemlos kam er an, vergaß aber nicht, sich vor K. zu verbeugen. „Es ist mir gelungen“, sagte er. „Was ist gelungen?“ fragte K. „Du hast meine Bitte Klamm vorgebracht?“ „Das ging nicht,“ sagte Barnabas, „ich habe mich sehr bemüht, aber es war unmöglich, ich habe mich vorgedrängt, stand den ganzen Tag über, ohne dazu aufgefordert zu sein, so nahe am Pult, daß mich einmal ein Schreiber, dem ich im Licht war, sogar wegschob, meldete mich, was verboten ist, mit erhobener Hand, wenn Klamm aufsah, blieb am längsten in der Kanzlei, war schon nur allein mit den Dienern dort, hatte noch einmal die Freude, Klamm zurückkommen zu sehen, aber es war nicht meinetwegen, er wollte nur schnell noch etwas in einem Buche nachsehen und ging gleich wieder, schließlich kehrte mich der Diener, da ich mich noch immer nicht rührte, fast mit dem Besen aus der Tür. Ich gestehe das alles, damit du mit meinen Leistungen nicht wieder unzufrieden bist.“ „Was hilft mir all dein Fleiß, Barnabas,“ sagte K., „wenn er gar keinen Erfolg hat.“ „Aber ich hatte Erfolg“, sagte Barnabas. „Als ich aus meiner Kanzlei trat - ich nenne sie meine Kanzlei - sehe ich, wie aus den tieferen Korridoren ein Herr langsam herankommt, sonst war schon alles leer. Es war ja schon sehr spät. Ich beschloß, auf ihn zu warten. Es war eine gute Gelegenheit, noch dort zu bleiben, am liebsten wäre ich ja überhaupt dort geblieben, um dir die schlechte Meldung nicht bringen zu müssen. Aber es lohnte sich auch sonst, auf den Herrn zu warten, es war Erlanger. Du kennst ihn nicht? Er ist einer der ersten Sekretäre Klamms. Ein schwacher kleiner Herr, er hinkt ein wenig. Er erkannte mich sofort, er ist berühmt wegen seines Gedächtnisses und seiner Menschenkenntnis, er zieht nur die Augenbrauen zusammen, das genügt ihm, um jeden zu erkennen, oft auch Leute, die er nie gesehen hat, von denen er nur gehört oder gelesen hat, mich z. B. dürfte er kaum je gesehen haben. Aber trotzdem er jeden Menschen gleich erkennt, fragt er zuerst so, wie wenn er unsicher wäre. Bist du nicht Barnabas? sagte er zu mir. Und dann fragte er: Du kennst den Landvermesser, nicht? Und dann sagte er: Das trifft sich gut, ich fahre jetzt in den Herrenhof. Der Landvermesser soll mich dort besuchen. Ich wohne im Zimmer Nr. 15. Doch müßte er gleich jetzt kommen. Ich habe nur einige Besprechungen dort und fahre um 5 Uhr früh wieder zurück. Sag ihm, daß mir viel daran liegt, mit ihm zu sprechen.“

[¶4] Suddenly Jeremiah set off at a run. In his excitement Barnabas had scarcely noticed his presence till now and asked: “Where’s Jeremiah going?” “To forestall me with Erlanger,” said K. and set off after Jeremiah, caught him up, hung on to his arm, and said: “Is it a sudden desire for Frieda that’s seized you? I’ve got it as well, so we’ll go together side by side.”

> German: Plötzlich setzte sich Jeremias in Lauf. Barnabas, der ihn in seiner Aufregung bisher kaum beachtet hatte, fragte: „Was will denn Jeremias?“ „Mir bei Erlanger zuvorkommen“, sagte K., lief schon hinter Jeremias her, fing ihn ein, hing sich an seinen Arm und sagte: „Ist es die Sehnsucht nach Frieda, die dich plötzlich ergriffen hat? Ich habe sie nicht minder und so werden wir in gleichem Schritte gehen.“

## 17. Chapter XVII · Das siebzehnte Kapitel

Source: https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/17/ · cite a paragraph as https://scriptura.si/works/kafka-castle-bilingual/17/#p-N

[¶0] Before the dark Herrenhof a little group of men were standing, two or three had lanterns with them, so that a face here and there could be distinguished. K. recognised only one acquaintance, Gerstäcker the carrier. Gerstäcker greeted him with the enquiry: “You’re still in the village?” “Yes,” replied K. “I’ve come here for good.” “That doesn’t matter to me,” said Gerstäcker, breaking out into a fit of coughing and turning away to the others.

> German: Vor dem dunklen Herrenhof stand eine kleine Gruppe Männer, zwei oder drei hatten Handlaternen mit, so daß manche Gesichter kenntlich waren. K. fand nur einen Bekannten, Gerstäcker, den Fuhrmann. Gerstäcker begrüßte ihn mit der Frage: „Du bist noch immer im Dorf?“ „Ja,“ sagte K., „ich bin für die Dauer gekommen.“ „Mich kümmert es ja nichts“, sagte Gerstäcker, hustete kräftig und wandte sich anderen zu.

[¶1] It turned out that they were all waiting for Erlanger. Erlanger had already arrived, but he was consulting first with Momus before he admitted his clients. They were all complaining at not being allowed to wait inside and having to stand out there in the snow. The weather wasn’t very cold, but still it showed a lack of consideration to keep them standing there in front of the house in the darkness, perhaps for hours. It was certainly not the fault of Erlanger, who was always very accommodating, knew nothing about it, and would certainly be very annoyed if it were reported to him. It was the fault of the Herrenhof landlady, who in her positively morbid determination to be refined, wouldn’t suffer a lot of people to come into the Herrenhof at the same time. “If it absolutely must be and they must come,” she used to say, “then in Heaven’s name let them come one at a time.” And she had managed to arrange that the clients, who at first had waited simply in a passage, later on the stairs, then in the hall, and finally in the taproom, were at last pushed out into the street. But even that had not satisfied her. It was unendurable for her to be always “besieged,” as she expressed herself, in her own house. It was incomprehensible to her why there should need to be clients waiting at all. “To dirty the front-door steps,” an official had once told her, obviously in annoyance, but to her this pronouncement had seemed very illuminating, and she was never tired of quoting it. She tried her best—and she had the approval in this case of the clients too—to get a building set up opposite the Herrenhof where the clients could wait. She would have liked best of all if the interviews and examinations could have taken place outside the Herrenhof altogether, but the officials opposed that, and when the officials opposed her seriously the landlady naturally enough was unable to gainsay them, though in lesser matters she exercised a kind of petty tyranny, thanks to her indefatigable, yet femininely insinuating zeal. And the landlady would probably have to endure those interviews and examinations in the Herrenhof in perpetuity, for the gentlemen from the Castle refused to budge from the place whenever they had official business in the village. They were always in a hurry, they came to the village much against their will, they had not the slightest intention of prolonging their stay beyond the time absolutely necessary, and so they could not be asked, simply for the sake of making things more pleasant in the Herrenhof, to waste time by transferring themselves with all their papers to some other house. The officials preferred indeed to get through their business in the taproom or in their rooms, if possible while they were at their food, or in bed before retiring for the night, or in the morning when they were too weary to get up and wanted to stretch themselves for a little longer. Yet the question of the erection of a waiting-room outside seemed to be nearing a favourable solution; but it was really a sharp blow for the landlady—people laughed a little over it—that this matter of a waiting-room should itself make innumerable interviews necessary, so that the lobbies of the house were hardly ever empty.

> German: Es stellte sich heraus, daß alle auf Erlanger warteten. Erlanger war schon angekommen, verhandelte aber, ehe er die Parteien empfing, noch mit Momus. Das allgemeine Gespräch drehte sich darum, daß man nicht im Hause warten durfte, sondern hier draußen im Schnee stehen mußte. Es war zwar nicht sehr kalt, trotzdem war es rücksichtslos, die Parteien vielleicht stundenlang in der Nacht vor dem Haus zu lassen. Das war freilich nicht die Schuld Erlangers, der vielmehr sehr entgegenkommend war, davon kaum wußte und sich gewiß sehr geärgert hätte, wenn es ihm gemeldet worden wäre. Es war die Schuld der Herrenhofwirtin, die in ihrem schon krankhaften Streben nach Feinheit es nicht leiden wollte, daß viele Parteien auf einmal in den Herrenhof kamen. „Wenn es schon sein muß und sie kommen müssen“, pflegte sie zu sagen, „dann um des Himmels willen nur immer einer hinter dem andern.“ Und sie hatte es durchgesetzt, daß die Parteien, die zuerst einfach in einem Korridor, später auf der Treppe, dann im Flur, zuletzt im Ausschank gewartet hatten, schließlich auf die Gasse hinausgeschoben worden waren. Und selbst das genügte ihr noch nicht. Es war ihr unerträglich, im eigenen Hause immerfort „belagert zu werden“, wie sie sich ausdrückte. Es war ihr unverständlich, wozu es überhaupt Parteienverkehr gab. „Um vorn die Haustreppe schmutzig zu machen“, hatte ihr einmal ein Beamter auf ihre Frage, wahrscheinlich im Ärger, gesagt, ihr aber war das sehr einleuchtend gewesen und sie pflegte diesen Ausspruch gern zu zitieren. Sie strebte danach und dies begegnete sich nun schon mit den Wünschen der Parteien, daß gegenüber dem Herrenhof ein Gebäude aufgeführt werde, in welchem die Parteien warten könnten. Am liebsten wäre es ihr gewesen, wenn auch die Parteibesprechungen und Verhöre außerhalb des Herrenhofes stattgefunden hätten, aber dem widersetzten sich die Beamten, und wenn sich die Beamten ernstlich widersetzten, so drang natürlich die Wirtin nicht durch, trotzdem sie in Nebenfragen kraft ihres unermüdlichen und dabei frauenhaft zarten Eifers eine Art kleiner Tyrannei ausübte. Die Besprechungen und Verhöre würde aber die Wirtin voraussichtlich auch weiterhin im Herrenhof dulden müssen, denn die Herren aus dem Schloß weigerten sich, im Dorfe in Amtsangelegenheiten den Herrenhof zu verlassen. Sie waren immer in Eile, nur sehr wider Willen waren sie im Dorfe, über das unbedingt Notwendige ihren Aufenthalt hier auszudehnen, hatten sie nicht die geringste Lust und es konnte daher nicht von ihnen verlangt werden, nur mit Rücksicht auf den Hausfrieden im Herrenhof zeitweilig mit allen ihren Schriften über die Straße in irgendein anderes Haus zu ziehen und so Zeit zu verlieren. Am liebsten erledigten ja die Beamten die Amtssachen im Ausschank oder in ihrem Zimmer, womöglich während des Essens oder vom Bett aus vor dem Einschlafen oder morgens, wenn sie zu müde waren aufzustehen und sich im Bett noch ein wenig strecken wollten. Dagegen schien die Frage der Errichtung eines Wartegebäudes einer günstigen Lösung sich zu nähern, freilich war es eine empfindliche Strafe für die Wirtin - man lachte ein wenig darüber -, daß gerade die Angelegenheit des Wartegebäudes zahlreiche Besprechungen nötig machte und die Gänge des Hauses kaum leer wurden.

[¶2] The waiting group passed the time by talking in half-whispers about those things. K. was struck by the fact that, though their discontent was general, nobody saw any objection to Erlanger’s summoning his clients in the middle of the night. He asked why this was so and got the answer that they should be only too thankful to Erlanger. It was only his goodwill and his high conception of his office that induced him to come to the village at all, he could easily if he wished—and it would probably be more in accordance with the regulations too—he could easily send an undersecretary and let him draw up statements. Still, he usually refused to do this, he wanted to see and hear everything for himself, but for this purpose he had to sacrifice his nights, for in his official timetable there was no time allowed for journeys to the village. K. objected that even Klamm came to the village during the day and even stayed for several days; was Erlanger, then, a mere secretary, more indispensable up there? One or two laughed good-humouredly, others maintained an embarrassed silence, the latter gained the ascendancy, and K. received hardly any reply. Only one man replied hesitatingly, that of course Klamm was indispensable, in the Castle as in the village.

> German: Über alle diese Dinge unterhielt man sich halblaut unter den Wartenden. K. war es auffallend, daß zwar der Unzufriedenheit genug war, niemand aber etwas dagegen einzuwenden hatte, daß Erlanger die Parteien mitten in der Nacht berief. Er fragte danach und erhielt die Auskunft, daß man dafür Erlanger sogar sehr dankbar sein müsse. Es sei ja ausschließlich sein guter Wille und die hohe Auffassung, die er von seinem Amte habe, die ihn dazu bewegen, überhaupt ins Dorf zu kommen, er könnte ja, wenn er wollte - und es würde dies sogar den Vorschriften vielleicht besser entsprechen - irgendeinen unteren Sekretär schicken und von ihm die Protokolle aufnehmen lassen. Aber er weigere sich eben meistens dies zu tun, wolle selbst alles sehen und hören, müsse dann aber zu diesem Zwecke seine Nächte opfern, denn in seinem Amtsplan sei keine Zeit für Dorfreisen vorgesehen. K. wandte ein, daß doch auch Klamm bei Tag ins Dorf komme und sogar mehrere Tage hierbleibe; sei denn Erlanger, der doch nur Sekretär sei, oben unentbehrlicher? Einige lachten gutmütig, andere schwiegen betreten, diese letzteren bekamen das Übergewicht und es wurde K. kaum geantwortet. Nur einer sagte zögernd, natürlich sei Klamm unentbehrlich, im Schloß wie im Dorf.

[¶3] Then the front door opened and Momus appeared between two attendants carrying lamps. “The first who will be admitted to Herr Elanger,” he said, “are Gerstäcker and K. Are these two men here?” They reported themselves, but before they could step forward Jeremiah slipped in with a “I’m a waiter here,” and, greeted by Momus with a smiling slap on the shoulder, disappeared inside. “I’ll have to keep a sharper eye on Jeremiah,” K. told himself, though he was quite aware at the same time that Jeremiah was probably far less dangerous than Arthur who was working against him in the Castle. Perhaps it would actually have been wiser to let himself be annoyed by them as assistants, than to have them prowling about without supervision and allow them to carry on their intrigues in freedom, intrigues for which they seemed to have special facilities.

> German: Da öffnete sich die Haustür und Momus erschien zwischen zwei lampentragenden Dienern. „Die ersten, die zum Herrn Sekretär Erlanger vorgelassen werden,“ sagte er, „sind Gerstäcker und K. Sind die zwei hier?“ Sie meldeten sich, aber noch vor ihnen schlüpfte Jeremias mit einem: „Ich bin hier Zimmerkellner“, von Momus lächelnd mit einem Schlag auf die Schulter begrüßt, ins Haus. „Ich werde auf Jeremias mehr achten müssen“, sagte sich K., wobei er sich dessen bewußt blieb, daß Jeremias wahrscheinlich viel ungefährlicher war als Artur, der im Schloß gegen ihn arbeitete. Vielleicht war es sogar klüger, sich von ihnen als Gehilfen quälen zu lassen, als sie so unkontrolliert umherstreichen und ihre Intrigen, für die sie eine besondere Anlage zu haben schienen, frei betreiben zu lassen.

[¶4] As K. was passing Momus the latter started as if only now did he recognise in him the Land Surveyor. “Ah, the Land Surveyor?” he said, “the man who was so unwilling to be examined and now is in a hurry to be examined. It would have been simpler to let me do it that time. Well, really it’s difficult to choose the right time for a hearing.” Since at these words K. made to stop, Momus went on: “Go in, go in! I needed your answers then, I don’t now.” Nevertheless K. replied, provoked by Momus’s tone: “You only think of yourselves. I would never and will never answer merely because of someone’s office, neither then nor now.” Momus replied: “Of whom, then, should we think? Who else is there here? Look for yourself!”

> German: Als K. an Momus vorüberkam, tat dieser, als erkenne er erst jetzt in ihm den Landvermesser. „Ah, der Herr Landvermesser?“ sagte er, „der, welcher sich so ungern verhören läßt, drängt sich zum Verhör. Bei mir wäre es damals einfacher gewesen. Nun freilich, es ist schwer, die richtigen Verhöre auszuwählen.“ Als K. auf diese Ansprache hin stehen bleiben wollte, sagte Momus: „Gehen Sie, gehen Sie! Damals hätte ich Ihre Antworten gebraucht, jetzt nicht.“ Trotzdem sagte K., erregt durch des Momus Benehmen: „Ihr denkt nur an euch. Bloß des Amtes wegen antworte ich nicht, weder damals noch heute.“ Momus sagte: „An wen sollen wir denn denken? Wer ist denn sonst noch hier? Sehen Sie!“

[¶5] In the hall they were met by an attendant who led them the old way, already known to K., across the courtyard, then into the entry and through the low, somewhat downward sloping passage. The upper storeys were evidently reserved only for higher officials, the secretaries, on the other hand, had their rooms in this passage, even Erlanger himself, although he was one of the highest among them. The servant put out his lantern, for here it was brilliant with electric light. Everything was on a small scale, but elegantly finished. The space was utilised to the best advantage. The passage was just high enough for one to walk without bending one’s head. Along both sides the doors almost touched each other. The walls did not quite reach to the ceiling, probably for reasons of ventilation, for here in the low cellar-like passage the tiny rooms could hardly have windows. The disadvantage of those incomplete walls was that the passage, and necessarily the rooms as well, were noisy. Many of the rooms seemed to be occupied, in most the people were still awake, one could hear voices, hammering, the clink of glasses. But the impression was not one of particular gaiety. The voices were muffled, only a word here and there could be indistinctly made out, it did not seem to be conversation either, probably someone was only dictating something or reading something aloud; and precisely from the rooms where there was a clinking of glasses and plates no word was to be heard, and the hammering reminded K. that he had been told sometime or other that certain of the officials occupied themselves occasionally with carpentry, model engines and so forth, to recuperate from the continual strain of mental work. The passage itself was empty except for a pallid, tall, thin gentleman in a fur coat, under which his night clothes could be seen, who was sitting before one of the doors. Probably it had become too stuffy for him in the room, so he had sat down outside and was reading a newspaper, but not very carefully; often he yawned and left off reading, then bent forward and glanced along the passage, perhaps he was waiting for a client whom he had invited and who had omitted to come. When they had passed him the servant said to Gerstäcker: “That’s Pinzgauer.” Gerstäcker nodded: “He hasn’t been down here for a long time now,” he said. “Not for a long time now,” the servant agreed.

> German: Im Flure empfing sie ein Diener und führte sie den K. schon bekannten Weg über den Hof, dann durch das Tor und in den niedrigen, ein wenig sich senkenden Gang. In den oberen Stockwerken wohnten offenbar nur die höheren Beamten, die Sekretäre dagegen wohnten an diesem Gang, auch Erlanger, trotzdem er einer ihrer obersten war. Der Diener löschte seine Laterne aus, denn hier war helle elektrische Beleuchtung. Alles war hier klein, aber zierlich gebaut. Der Raum war möglichst ausgenützt. Der Gang genügte knapp, aufrecht in ihm zu gehen. An den Seiten war eine Tür fast neben der andern. Die Seitenwände reichten nicht bis zur Decke, dies wahrscheinlich aus Ventilationsrücksichten, denn die Zimmerchen hatten wohl hier in dem tiefen kellerartigen Gang keine Fenster. Der Nachteil dieser nicht ganz schließenden Wände war die Unruhe im Gang und notwendigerweise auch in den Zimmern. Viele Zimmer schienen besetzt zu sein, in den meisten war man noch wach, man hörte Stimmen, Hammerschläge, Gläserklingen. Doch hatte man nicht den Eindruck besonderer Lustigkeit. Die Stimmen waren gedämpft, man verstand kaum hie und da ein Wort, es schienen auch nicht Unterhaltungen zu sein, wahrscheinlich diktierte nur jemand etwas oder las etwas vor, gerade aus den Zimmern, aus denen der Klang von Gläsern und Tellern kam, hörte man kein Wort und die Hammerschläge erinnerten K. daran, was ihm irgendwo erzählt worden war, daß manche Beamte, um sich von der fortwährenden geistigen Anstrengung zu erholen, sich zeitweilig mit Tischlerei, Feinmechanik u. dgl. beschäftigen. Der Gang selbst war leer, nur vor einer Tür saß ein bleicher schmaler großer Herr im Pelz, unter dem die Nachtwäsche hervorsah. Wahrscheinlich war es ihm im Zimmer zu dumpf geworden, so hatte er sich hinausgesetzt und las eine Zeitung, aber nicht aufmerksam, gähnend ließ er öfters vom Lesen ab, beugte sich vor und blickte den Gang entlang, vielleicht erwartete er eine Partei, die er vorgeladen hatte und die zu kommen säumte. Als sie an ihm vorübergekommen waren, sagte der Diener in bezug auf den Herrn zu Gerstäcker: „Der Pinzgauer!“ Gerstäcker nickte: „Er ist schon lange nicht unten gewesen“, sagte er. „Schon sehr lange nicht“, bestätigte der Diener.

[¶6] At last they stopped before a door which was not in any way different from the others, and yet behind which, so the servant informed them, was Erlanger. The servant got K. to lift him on to his shoulders and had a look into the room through the open slit. “He’s lying down,” said the servant climbing down, “on the bed, in his clothes it’s true, but I fancy all the same that he’s asleep. Often he’s overcome with weariness like that, here in the village, what with the change in his habits. We’ll have to wait. When he wakes up he’ll ring. Besides, it has happened before this for him to sleep away all his stay in the village, and then when he woke to have to leave again immediately for the Castle. It’s voluntary, of course, the work he does here.” “Then it would be better if he just slept on,” said Gerstäcker, “for when he has a little time left for his work after he wakes, he’s very vexed at having fallen asleep, and tries to get everything settled in a hurry, so that one can hardly get a word in.” “You’ve come on account of the contract for the carting for the new building?” asked the servant. Gerstäcker nodded, drew the servant aside and talked to him in a low voice, but the servant hardly listened, gazed away over Gerstäcker, whom he overtopped by more than a head, and stroked his hair slowly and seriously.

> German: Schließlich kamen sie vor eine Tür, die nicht anders als die übrigen war und hinter der doch, wie der Diener mitteilte, Erlanger wohnte. Der Diener ließ sich von K. auf die Schultern heben und sah oben durch den freien Spalt ins Zimmer. „Er liegt“, sagte der Diener herabsteigend, „auf dem Bett, allerdings in Kleidern, aber ich glaube doch, daß er schlummert. Manchmal überfällt ihn so die Müdigkeit, hier im Dorf bei der geänderten Lebensweise. Wir werden warten müssen. Wenn er aufwacht, wird er läuten. Es ist allerdings schon vorgekommen, daß er seinen ganzen Aufenthalt im Dorf verschlafen hat und nach dem Aufwachen gleich wieder ins Schloß zurückfahren mußte. Es ist ja freiwillige Arbeit, die er hier leistet.“ „Wenn er jetzt nur schon lieber bis zu Ende schliefe,“ sagte Gerstäcker, „denn wenn er nach dem Aufwachen noch ein wenig Zeit zur Arbeit hat, ist er sehr unwillig darüber, daß er geschlafen hat, sucht alles eilig zu erledigen und man kann sich kaum aussprechen.“ „Sie kommen wegen der Vergebung der Fuhren für den Bau?“ fragte der Diener, Gerstäcker nickte, zog den Diener beiseite und redete leise zu ihm, aber der Diener hörte kaum zu, blickte über Gerstäcker, den er um mehr als Haupteslänge überragte, hinweg und strich sich ernst und langsam das Haar.

## 18. Chapter XVIII · Das achtzehnte Kapitel

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[¶0] Then, as he was looking round aimlessly, K. saw Frieda far away at a turn of the passage; she behaved as if she did not recognise him and only stared at him expressionlessly; she was carrying a tray with some empty dishes in her hand. He said to the servant, who however paid no attention whatever to him—the more one talked to the servant the more absentminded he seemed to become—that he would be back in a moment, and ran off to Frieda. Reaching her he took her by the shoulders as if he were seizing his own property again, and asked her a few unimportant questions with his eyes holding hers. But her rigid bearing hardly as much as softened, to hide her confusion she tried to rearrange the dishes on the tray and said: “What do you want from me? Go back to the others—oh, you know whom I mean, you’ve just come from them, I can see it.” K. changed his tactics immediately; the explanation mustn’t come so suddenly, and mustn’t begin with the worst point, the point most unfavourable to himself. “I thought you were in the taproom,” he said. Frieda looked at him in amazement and then softly passed her free hand over his brow and cheeks. It was as if she had forgotten what he looked like and were trying to recall it to mind again, even her eyes had the veiled look of one who was painfully trying to remember. “I’ve been taken on in the taproom again,” she said slowly at last, as if it did not matter what she said, but as if beneath her words she were carrying on another conversation with K. which was more important—“this work here is not for me, anybody at all could do it; anybody who can make beds and look good-natured and doesn’t mind the advances of the boarders, but actually likes them; anybody who can do that can be a chambermaid. But in the taproom, that’s quite different. I’ve been taken on straight away for the taproom again, in spite of the fact that I didn’t leave it with any great distinction, but, of course, I had a word put in for me. But the landlord was delighted that I had a word put in for me to make it easy for him to take me on again. It actually ended by them having to press me to take on the post; when you reflect what the taproom reminds me of you’ll understand that. Finally I decided to take it on. I’m only here temporarily. Pepi begged us not to put her to the shame of having to leave the taproom at once, and seeing that she has been willing and has done everything to the best of her ability, we have given her a twenty-four hours’ extension.” “That’s all very nicely arranged,” said K., “but once you left the taproom for my sake, and now that we’re soon to be married are you going back to it again?” “There will be no marriage,” said Frieda. “Because I’ve been unfaithful to you?” asked K. Frieda nodded. “Now, look here, Frieda,” said K., “we’ve often talked already about this alleged unfaithfulness of mine, and every time you’ve had to recognise finally that your suspicions were unjust. And since then nothing has changed on my side, all I’ve done has remained as innocent as it was at first and as it must always remain. So something must have changed on your side, through the suggestions of strangers or in some way or other. You do me an injustice in any case, for just listen to how I stand with those two girls. The one, the dark one—I’m almost ashamed to defend myself on particular points like this, but you give me no choice—the dark one, then, is probably just as displeasing to me as to you: I keep my distance with her in every way I can, and she makes it easy, too, no one could be more retiring than she is.” “Yes,” cried Frieda, the words slipped out as if against her will, K. was delighted to see her attention diverted, she was not saying what she had intended—“Yes, you may look upon her as retiring, you tell me that the most shameless creature of them all is retiring, and incredible as it is, you mean it honestly, you’re not shamming, I know. The Bridge Inn landlady once said of you: ‘I can’t abide him, but I can’t let him alone either, one simply can’t control oneself when one sees a child that can hardly walk trying to go too far for it, one simply has to interfere.’ ” “Pay attention to her advice for this once,” said K. smiling, “but that girl—whether she’s retiring or shameless doesn’t matter—I don’t want to hear any more about her.” “But why do you call her retiring?” asked Frieda obdurately—K. considered this interest of hers a favourable sign, “have you found her so, or are you simply casting a reflection on somebody else?” “Neither the one nor the other,” said K., “I call her that out of gratitude, because she makes it easy for me to ignore her, and because if she said even a word or two to me I couldn’t bring myself to go back again, which would be a great loss to me, for I must go there for the sake of both our futures, as you know. And it’s simply for that reason that I have to talk with the other girl, whom I respect, I must admit, for her capability, prudence and unselfishness, but whom nobody could say was seductive.” “The servants are of a different opinion,” said Frieda. “On that as on lots of other subjects,” said K. “Are you going to deduce my unfaithfulness from the tastes of the servants?” Frieda remained silent and suffered K. to take the tray from her, set it on the floor, put his arm through hers, and walk her slowly up and down in the corner of the passage. “You don’t know what fidelity is,” she said, his nearness putting her a little in the defensive, “what your relations with the girl may be isn’t the most important point; the fact that you go to that house at all and come back with the smell of their kitchen on your clothes is itself an unendurable humiliation for me. And then you rush out of the school without saying a word. And stay with them, too, the half of the night. And when you’re asked for, you let those girls deny that you’re there, deny it passionately, especially the wonderfully retiring one. And creep out of the house by a secret way, perhaps actually to save the good name of the girls, the good name of those girls! No, don’t let us talk about it any more.” “Yes, don’t let us talk of this,” said K., “but of something else, Frieda. Besides, there’s nothing more to be said about it. You know why I have to go there. It isn’t easy for me, but I overcome my feelings. You shouldn’t make it any harder for me than it is. Tonight I only thought of dropping in there for a minute to see whether Barnabas had come at last, for he had an important message which he should have brought long before. He hadn’t come, but he was bound to come very soon, so I was assured, and it seemed very probable too. I didn’t want to let him come after me, for you to be insulted by his presence. The hours passed and unfortunately he didn’t come. But another came all right, a man whom I hate. I had no intention of letting myself be spied on by him, so I left through the neighbour’s garden, but I didn’t want to hide from him either, and I went up to him frankly when I reached the street, with a very good and supple hazel switch, I admit. That is all, so there’s nothing more to be said about it; but there’s plenty to say about something else. What about the assistants, the very mention of whose name is as repulsive to me as that family is to you? Compare your relations with them with my relations with that family. I understand your antipathy to Barnabas’s family and can share it. It’s only for the sake of my affairs that I go to see them, sometimes it almost seems to me that I’m abusing and exploiting them. But you and the assistants! You’ve never denied that they persecute you, and you’ve admitted that you’re attracted by them. I wasn’t angry with you for that, I recognised that powers were at work which you weren’t equal to, I was glad enough to see that you put up a resistance at least, I helped to defend you, and just because I left off for a few hours, trusting in your constancy, trusting also, I must admit, in the hope that the house was securely locked and the assistants finally put to flight—I still underestimate them, I’m afraid—just because I left off for a few hours and this Jeremiah—who is, when you look at him closely, a rather unhealthy elderly creature—had the impudence to go up to the window; just for this, Frieda, I must lose you and get for a greeting: ‘There will be no marriage.’ Shouldn’t I be the one to cast reproaches? But I don’t, I have never done so.” And once more it seemed advisable to K. to distract Frieda’s mind a little, and he begged her to bring him something to eat for he had had nothing since midday. Obviously relieved by the request, Frieda nodded and ran to fetch something, not farther along the passage, however, where K. conjectured the kitchen was, but down a few steps to the left. In a little she brought a plate with slices of meat and a bottle of wine, but they were clearly only the remains of a meal, the scraps of meat had been hastily ranged out anew so as to hide the fact, yet whole sausage skins had been overlooked, and the bottle was three-quarters empty. However K. said nothing and fell on the food with a good appetite. “You were in the kitchen?” he asked. “No, in my own room,” she said. “I have a room down there.” “You might surely have taken me with you,” said K. “I’ll go down now, so as to sit down for a little while I’m eating.” “I’ll bring you a chair,” said Frieda already making to go. “Thanks,” replied K. holding her back, “I’m neither going down there, nor do I need a chair any longer.” Frieda endured his hand on her arm defiantly, bowed her head and bit her lip. “Well, then, he is down there,” she said, “did you expect anything else? He’s lying on my bed, he got a cold out there, he’s shivering, he’s hardly had any food. At bottom it’s all your fault, if you hadn’t driven the assistants away and run after those people, we might be sitting comfortably in the school now. You alone have destroyed our happiness. Do you think that Jeremiah, so long as he was in service, would have dared to take me away? Then you entirely misunderstood the way things are ordered here. He wanted me, he tormented himself, he lay in watch for me, but that was only a game, like the play of a hungry dog who nevertheless wouldn’t dare to leap up on the table. And just the same with me. I was drawn to him, he was a playmate of mine in my childhood—we played together on the slope of the Castle Hill, a lovely time, you’ve never asked me anything about my past—but all that wasn’t decisive as long as Jeremiah was held back by his service, for I knew my duty as your future wife. But then you drove the assistants away and plumed yourself on it besides, as if you had done something for me by it; well, in a certain sense it was true. Your plan has succeeded as far as Arthur is concerned, but only for the moment, he’s delicate, he hasn’t Jeremiah’s passion that nothing can daunt, besides you almost shattered his health for him by the buffet you gave him that night—it was a blow at my happiness as well—he fled to the Castle to complain, and even if he comes back soon, he’s gone now all the same. But Jeremiah stayed. When he’s in service he fears the slightest look of his master, but when he’s not in service there’s nothing he’s afraid of. He came and took me; forsaken by you, commanded by him, my old friend, I couldn’t resist. I didn’t unlock the school door. He smashed the window and lifted me out. We flew here, the landlord looks up to him, nothing could be more welcome to the guests, either, than to have such a waiter, so we were taken on, he isn’t living with me, but we are staying in the same room.” “In spite of everything,” said K., “I don’t regret having driven the assistants from our service. If things stood as you say, and your faithfulness was only determined by the assistants’ being in the position of servants, then it was a good thing that it came to an end. The happiness of a married life spent with two beasts of prey, who could only be kept under by the whip, wouldn’t have been very great. In that case I’m even thankful to this family who have unintentionally had some part in separating us.” They became silent and began to walk backwards and forwards again side by side, though neither this time could have told who had made the first move. Close beside him, Frieda seemed annoyed that K. did not take her arm again. “And so everything seems in order,” K. went on, “and we might as well say goodbye, and you go to your Jeremiah, who must have had this chill, it seems, ever since I chased him through the garden, and whom you’ve already left by himself too long in that case, and I to the empty school, or, seeing that there’s no place for me there without you, anywhere else where they’ll take me in. If I hesitate still in spite of this, it’s because I have still a little doubt about what you’ve told me, and with good reason. I have a different impression of Jeremiah. So long as he was in service he was always at your heels and I don’t believe that his position would have held him back permanently from making a serious attempt on you. But now that he considers that he’s absolved from service, it’s a different case. Forgive me if I have to explain myself in this way: Since you’re no longer his master’s fiancée, you’re by no means such a temptation for him as you used to be. You may be the friend of his childhood, but—I only got to know him really from a short talk tonight—in my opinion he doesn’t lay much weight on such sentimental considerations. I don’t know why he should seem a passionate person in your eyes. His mind seems to me on the contrary to be particularly cold. He received from Galater certain instructions relating to me, instructions probably not very much in my favour, he exerted himself to carry them out, with a certain passion for service, I’ll admit—it’s not so uncommon here—one of them was that he should wreck our relationship; probably he tried to do it by several means, one of them was to tempt you by his evil languishing glances, another—here the landlady supported him—was to invent fables about my unfaithfulness; his attempt succeeded, some memory or other of Klamm that clung to him may have helped, he has lost his position, it is true, but probably just at the moment when he no longer needed it, then he reaped the fruit of his labours and lifted you out through the school window, with that his task was finished, and his passion for service having left him now, he’ll feel bored, he would rather be in Arthur’s shoes, who isn’t really complaining up there at all, but earning praise and new commissions, but someone had to stay behind to follow the further developments of the affair. It’s rather a burdensome task to him to have to look after you. Of love for you he hasn’t a trace, he frankly admitted it to me; as one of Klamm’s sweethearts he of course respects you, and to insinuate himself into your bedroom and feel himself for once a little Klamm certainly gives him pleasure, but that is all, you yourself mean nothing to him now, his finding a place for you here is only a supplementary part of his main job; so as not to disquieten you he has remained here himself too, but only for the time being, as long as he doesn’t get further news from the Castle and his cooling feelings towards you aren’t quite cured.” “How you slander him!” said Frieda, striking her little fists together. “Slander?” said K., “no, I don’t wish to slander him. But I may quite well perhaps be doing him an injustice, that is certainly possible. What I’ve said about him doesn’t lie on the surface for anybody to see, and it may be looked at differently too. But slander? Slander could only have one object, to combat your love for him. If that were necessary and if slander were the most fitting means, I wouldn’t hesitate to slander him. Nobody could condemn me for it, his position puts him at such an advantage as compared with me that, thrown back solely on my own resources, I could even allow myself a little slander. It would be a comparatively innocent, but in the last resort a powerless, means of defence. So put down your fists.” And K. took Frieda’s hand in his; Frieda tried to draw it away, but smilingly and not with any great earnestness. “But I don’t need slander,” said K., “for you don’t love him, you only think you do, and you’ll be thankful to me for ridding you of your illusion. For think, if anybody wanted to take you away from me, without violence, but with the most careful calculation, he could only do it through the two assistants. In appearance good, childish, merry, irresponsible youths, fallen from the sky, from the Castle, a dash of childhood’s memories with them too; all that of course must have seemed very nice, especially when I was the antithesis of it all, and was always running after affairs moreover which were scarcely comprehensible, which were exasperating to you, and which threw me together with people whom you considered deserving of your hate—something of which you carried over to me too, in spite of all my innocence. The whole thing was simply a wicked but very clever exploitation of the failings in our relationship. Everybody’s relations have their blemishes, even ours, we came together from two very different worlds, and since we have known each other the life of each of us has had to be quite different, we still feel insecure, it’s all too new. I don’t speak of myself, I don’t matter so much, in reality I’ve been enriched from the very first moment that you looked on me, and to accustom oneself to one’s riches isn’t very difficult. But—not to speak of anything else—you were torn away from Klamm, I can’t calculate how much that must have meant, but a vague idea of it I’ve managed to arrive at gradually, you stumbled, you couldn’t find yourself, and even if I was always ready to help you, still I wasn’t always there, and when I was there you were held captive by your dreams or by something more palpable, the landlady, say—in short there were times when you turned away from me, longed, poor child, for vague inexpressible things, and at those periods any passable man had only to come within your range of vision and you lost yourself to him, succumbing to the illusion that mere fancies of the moment, ghosts, old memories, things of the past and things receding ever more into the past, life that once been lived—that all this was your actual present-day life. A mistake, Frieda, nothing more than the last and, properly regarded, contemptible difficulties attendant on our final reconciliation. Come to yourself, gather yourself together; even if you thought that the assistants were sent by Klamm—it’s quite untrue, they come from Galater—and even if they did manage by the help of this illusion to charm you so completely that even in their disreputable tricks and their lewdness you thought you found traces of Klamm, just as one fancies one catches a glimpse of some precious stone that one has lost in a dung-heap, while in reality one wouldn’t be able to find it even if it were there—all the same they’re only hobbledehoys like the servants in the stall, except that they’re not healthy like them, and a little fresh air makes them ill and compels them to take to their beds, which I must say that they know how to snuffle out with a servant’s true cunning.” Frieda had let her head fall on K.’s shoulder; their arms round each other, they walked silently up and down. “If we had only,” said Frieda after a while, slowly, quietly, almost serenely, as if she knew that only a quite short respite of peace on K.’s shoulder were reserved for her, and she wanted to enjoy it to the utmost, “If we had only gone away somewhere at once that night, we might be in peace now, always together, your hand always near enough for mine to grasp; oh how much I need your companionship, how lost I have felt without it ever since I’ve known you, to have your company, believe me, is the only dream that I’ve had, that and nothing else.”

> German: Da sah K., wie er ziellos umherblickte, weit in der Ferne an einer Wendung des Ganges Frieda; sie tat, als erkenne sie ihn nicht, blickte nur starr auf ihn, in der Hand trug sie eine Tasse mit leerem Geschirr. Er sagte dem Diener, der aber gar nicht auf ihn achtete - je mehr man zu dem Diener sprach, desto geistesabwesender schien er zu werden - er werde gleich zurückkommen, und lief zu Frieda. Bei ihr angekommen, faßte er sie bei den Schultern, so als ergreife er wieder von ihr Besitz, stellte einige belanglose Fragen und suchte dabei prüfend in ihren Augen. Aber ihre starre Haltung löste sich kaum, zerstreut versuchte sie einige Umstellungen des Geschirrs auf der Tasse und sagte: „Was willst du denn von mir? Geh doch zu den - nun du weißt ja, wie sie heißen, du kommst ja gerade von ihnen, ich kann es dir ansehen.“ K. lenkte schnell ab; die Aussprache sollte nicht so plötzlich kommen und bei dem Bösesten, bei dem für ihn Ungünstigsten anfangen. „Ich dachte, du wärest im Ausschank“, sagte er. Frieda sah ihn erstaunt an und fuhr ihm dann sanft mit der einen Hand, die sie frei hatte, über Stirn und Wange. Es war, als habe sie sein Aussehen vergessen und wollte es sich so wieder ins Bewußtsein zurückrufen, auch ihre Augen hatten den verschleierten Ausdruck des mühsam Sich-Erinnerns. „Ich bin für den Ausschank wieder aufgenommen“, sagte sie dann langsam, als sei es unwichtig, was sie sage, aber unter den Worten führe sie noch ein Gespräch mit K. und dies sei das wichtigere, - „diese Arbeit taugt nicht für mich, die kann auch eine jede andere besorgen; jede, die aufbetten und ein freundliches Gesicht machen kann und die Belästigung durch die Gäste nicht scheut, sondern sie sogar noch hervorruft, eine jede solche kann Stubenmädchen sein. Aber im Ausschank, da ist es etwas anderes. Ich bin auch gleich wieder für den Ausschank aufgenommen worden, trotzdem ich ihn damals nicht sehr ehrenvoll verlassen habe, freilich hatte ich jetzt Protektion. Aber der Wirt war glücklich, daß ich Protektion hatte und es ihm deshalb leicht möglich war, mich wieder aufzunehmen. Es war sogar so, daß man mich drängen mußte, den Posten anzunehmen; wenn du bedenkst, woran mich der Ausschank erinnert, wirst du es begreifen. Schließlich habe ich den Posten angenommen. Hier bin ich nur aushilfsweise. Pepi hat gebeten, ihr nicht die Schande zu tun, sofort den Ausschank verlassen zu müssen, wir haben ihr deshalb, weil sie doch fleißig gewesen ist und alles so besorgt hat, wie es nur ihre Fähigkeiten erlaubt haben, eine vierundzwanzigstündige Frist gegeben.“ „Das ist alles sehr gut eingerichtet,“ sagte K., „nur hast du einmal meinetwegen den Ausschank verlassen, und nun, da wir kurz vor der Hochzeit sind, kehrst du wieder in ihn zurück?“ „Es wird keine Hochzeit geben“, sagte Frieda. „Weil ich untreu war?“ fragte K. Frieda nickte. „Nun sieh, Frieda,“ sagte K., „über diese angebliche Untreue haben wir schon öfters gesprochen und immer hast du schließlich einsehen müssen, daß es ein ungerechter Verdacht war. Seitdem aber hat sich auf meiner Seite nichts geändert, alles ist so unschuldig geblieben, wie es war und wie es nicht anders werden kann. Also muß sich etwas auf deiner Seite geändert haben, durch fremde Einflüsterungen oder anderes. Unrecht tust du mir auf jeden Fall, denn sieh, wie verhält es sich mit diesen zwei Mädchen? Die eine, die dunkle - ich schäme mich fast, mich so im einzelnen verteidigen zu müssen, aber du forderst es heraus - die dunkle also ist mir wahrscheinlich nicht weniger peinlich als dir; wenn ich mich nur irgendwie von ihr fernhalten kann, tue ich es und sie erleichtert das ja auch, man kann nicht zurückhaltender sein, als sie es ist.“ „Ja“, rief Frieda aus, die Worte kamen ihr wie gegen ihren Willen hervor, K. war froh, sie so abgelenkt zu sehen; sie war anders, als sie sein wollte, „die magst du für zurückhaltend ansehen, die schamloseste von allen nennst du zurückhaltend und du meinst es, so unglaubwürdig es ist, ehrlich, du verstellst dich nicht, das weiß ich. Die Brückenhofwirtin sagt vor dir: leiden kann ich ihn nicht, aber verlassen kann ich ihn auch nicht, man kann doch auch beim Anblick eines kleinen Kindes, das noch nicht gut gehen kann und sich weit vorwagt, unmöglich sich beherrschen, man muß eingreifen.“ „Nimm diesmal ihre Lehre an,“ sagte K. lächelnd; „aber jenes Mädchen - ob es zurückhaltend oder schamlos ist, können wir beiseite lassen - ich will von ihr nichts wissen.“ „Aber warum nennst du sie zurückhaltend?“ fragte Frieda unnachgiebig. K. hielt diese Teilnahme für ein ihm günstiges Zeichen, „hast du es erprobt oder willst du andere dadurch herabsetzen?“ „Weder das eine noch das andere,“ sagte K., „ich nenne sie so aus Dankbarkeit, weil sie es mir leicht macht, sie zu übersehen, und weil ich, selbst wenn sie mich nur öfters ansprechen würde, es nicht über mich bringen könnte, wieder hinzugehen, was doch ein großer Verlust für mich wäre, denn ich muß hingehen, wegen unserer gemeinsamen Zukunft, wie du weißt. Und deshalb muß ich auch mit dem anderen Mädchen sprechen, das ich zwar wegen seiner Tüchtigkeit, Umsicht und Selbstlosigkeit schätze, von dem aber doch niemand behaupten kann, daß es verführerisch ist.“ „Die Knechte sind anderer Meinung“, sagte Frieda. „In dieser wie auch wohl in vieler anderen Hinsicht“, sagte K, „Aus den Gelüsten der Knechte willst du auf meine Untreue schließen?“ Frieda schwieg und duldete es, daß K. ihr die Tasse aus der Hand nahm, auf den Boden stellte, seinen Arm unter den ihren schob und im kleinen Raum langsam mit ihr hin und her zu gehen begann. „Du weißt nicht, was Treue ist,“ sagte sie, sich ein wenig wehrend gegen seine Nähe, „wie du dich auch zu den Mädchen verhalten magst, ist ja nicht das Wichtigste; daß du in diese Familie überhaupt gehst und zurückkommst, den Geruch ihrer Stube in den Kleidern, ist schon eine unerträgliche Schande für mich. Und du läufst aus der Schule fort, ohne etwas zu sagen. Und bleibst gar bei ihnen die halbe Nacht. Und läßt, wenn man nach dir fragt, dich von den Mädchen verleugnen, leidenschaftlich verleugnen, besonders von der unvergleichlich Zurückhaltenden. Schleichst dich auf einem geheimen Weg aus dem Haus, vielleicht gar um den Ruf der Mädchen zu schonen, den Ruf jener Mädchen! Nein, sprechen wir nicht mehr davon!“ „Von diesem nicht,“ sagte K., „aber von etwas anderem, Frieda. Von diesem ist ja auch nichts zu sagen. Warum ich hingehen muß, weißt du. Es wird mir nicht leicht, aber ich überwinde mich. Du solltest es mir nicht schwerer machen, als es ist. Heute dachte ich nur für einen Augenblick hinzugehen und nachzufragen, ob Barnabas, der eine wichtige Botschaft schon längst hätte bringen sollen, endlich gekommen ist. Er war nicht gekommen, aber er mußte, wie man mir versicherte und wie es auch glaubwürdig war, sehr bald kommen. Ihn mir in die Schule nachkommen lassen, wollte ich nicht, um dich durch seine Gegenwart nicht zu belästigen. Die Stunden vergingen und er kam leider nicht. Wohl aber kam ein anderer, der mir verhaßt ist. Von ihm mich ausspionieren zu lassen, hatte ich keine Lust und ging also durch den Nachbargarten, aber auch vor ihm verbergen wollte ich mich nicht, sondern ging dann auf der Straße frei auf ihn zu, mit einer sehr biegsamen Weidenrute, wie ich gestehe. Das ist alles, darüber ist also weiter nichts zu sagen; wohl aber über etwas anderes. Wie verhält es sich denn mit den Gehilfen, die zu erwähnen mir fast so widerlich ist wie dir die Erwähnung jener Familie? Vergleiche dein Verhältnis zu ihnen damit, wie ich mich zu der Familie verhalte. Ich verstehe deinen Widerwillen gegenüber der Familie und kann ihn teilen. Nur um der Sache willen gehe ich zu ihnen, fast scheint es mir manchmal, daß ich ihnen Unrecht tue, sie ausnütze. Du und die Gehilfen dagegen! Du hast gar nicht in Abrede gestellt, daß sie dich verfolgen, und hast eingestanden, daß es dich zu ihnen zieht. Ich war dir nicht böse deshalb, habe eingesehen, daß hier Kräfte im Spiel sind, denen du nicht gewachsen bist, war schon glücklich darüber, daß du dich wenigstens wehrst, habe geholfen, dich zu verteidigen, und nur weil ich ein paar Stunden darin nachgelassen habe, im Vertrauen auf deine Treue, allerdings auch in der Hoffnung, daß das Haus unweigerlich verschlossen ist, die Gehilfen endgültig in die Flucht geschlagen sind - ich unterschätzte sie noch immer, fürchte ich - nur weil ich ein paar Stunden darin nachgelassen habe und jener Jeremias, genau betrachtet, ein nicht sehr gesunder ältlicher Bursche, die Keckheit gehabt hat, ans Fenster zu treten, nur deshalb soll ich dich, Frieda, verlieren und als Begrüßung zu hören bekommen: „Es wird keine Hochzeit geben.“ Wäre ich es nicht eigentlich, der Vorwürfe machen dürfte, und ich mache sie nicht, mache sie noch immer nicht.“ Und wieder schien es K. gut, Frieda ein wenig abzulenken, und er bat sie, ihm etwas zum Essen zu bringen, weil er schon seit Mittag nichts gegessen habe. Frieda, offenbar auch durch die Bitte erleichtert, nickte und lief, etwas zu holen, nicht den Gang weiter, wo K. die Küche vermutete, sondern seitlich ein paar Stufen abwärts. Sie brachte bald einen Teller mit Aufschnitt und eine Flasche Wein, aber es waren wohl nur schon die Reste einer Mahlzeit, flüchtig waren die einzelnen Stücke neu ausgebreitet, um es unkenntlich zu machen, sogar Wurstschalen waren dort vergessen und die Flasche war zu drei Vierteln geleert. Doch sagte K. nichts darüber und machte sich mit gutem Appetit ans Essen. „Du warst in der Küche?“ fragte er. „Nein, in meinem Zimmer,“ sagte sie, „ich habe hier unten ein Zimmer.“ „Hättest du mich doch mitgenommen,“ sagte K., „ich werde hinuntergehen, um mich zum Essen ein wenig zu setzen.“ „Ich werde dir einen Sessel bringen“, sagte Frieda und war schon auf dem Weg. „Danke,“ sagte K. und hielt sie zurück, „ich werde weder hinuntergehen, noch brauche ich mehr einen Sessel.“ Frieda ertrug trotzig seinen Griff, hatte den Kopf geneigt und biß die Lippen. „Nun ja, er ist unten,“ sagte sie, „hast du es anders erwartet? Er liegt in meinem Bett, er hat sich draußen verkühlt, er fröstelt, er hat kaum gegessen. Im Grunde ist alles deine Schuld, hättest du die Gehilfen nicht verjagt und wärst jenen Leuten nicht nachgelaufen, wir könnten jetzt friedlich in der Schule sitzen. Nur du hast unser Glück zerstört. Glaubst du, daß Jeremias, solange er im Dienst war, es gewagt hätte, mich zu entführen? Dann verkennst du die hiesige Ordnung ganz und gar. Er wollte zu mir, er hat sich gequält, er hat auf mich gelauert, das war aber nur ein Spiel, so wie ein hungriger Hund spielt und es doch nicht wagt, auf den Tisch zu springen. Und ebenso ich. Es zog mich zu ihm, er ist mein Spielkamerad aus der Kinderzeit - wir spielten miteinander auf dem Abhang des Schloßberges, schöne Zeiten, du hast mich niemals nach meiner Vergangenheit gefragt. - Doch das alles war nicht entscheidend, solange Jeremias durch den Dienst gehalten war, denn ich kannte ja meine Pflicht als deine zukünftige Frau. Dann aber vertriebst du die Gehilfen und rühmst dich noch dessen, als hättest du damit etwas für mich getan, nun in einem gewissen Sinne ist es wahr. Bei Artur gelang deine Absicht, allerdings nur vorläufig, er ist zart, er hat nicht die keine Schwierigkeit fürchtende Leidenschaft des Jeremias, auch hast du ihn ja durch den Faustschlag in der Nacht - jener Schlag war auch gegen unser Glück geführt - nahezu zerstört, er flüchtete ins Schloß, um zu klagen, und wenn er auch bald wiederkommen wird, immerhin ist er jetzt fort. Jeremias aber blieb. Im Dienst fürchtet er ein Augenzucken des Herrn, außerhalb des Dienstes aber fürchtet er nichts. Er kam und nahm mich; von dir verlassen, von ihm, dem alten Freund beherrscht, konnte ich mich nicht halten. Ich habe das Schultor nicht aufgesperrt. Er zerschlug das Fenster und zog mich hinaus. Wir flogen hierher, der Wirt achtet ihn, auch kann den Gästen nichts willkommener sein, als einen solchen Zimmerkellner zu haben, so wurden wir aufgenommen, er wohnt nicht bei mir, sondern wir haben ein gemeinsames Zimmer.“ „Trotz allem“, sagte K., „bedaure ich es nicht, die Gehilfen aus dem Dienst getrieben zu haben. War das Verhältnis so, wie du es beschreibst, deine Treue also nur durch die dienstliche Gebundenheit der Gehilfen bedingt, dann war es gut, daß alles ein Ende nahm. Das Glück der Ehe inmitten der zwei Raubtiere, die sich nur unter der Knute duckten, wäre nicht sehr groß gewesen. Dann bin ich auch jener Familie dankbar, welche unabsichtlich ihr Teil beigetragen hat, um uns zu trennen.“ Sie schwiegen und gingen wieder nebeneinander auf und ab, ohne daß zu unterscheiden gewesen wäre, wer jetzt damit begonnen hätte. Frieda, nahe an K., schien ärgerlich, daß er sie nicht wieder unter den Arm nahm. „Und so wäre alles in Ordnung,“ fuhr K. fort, „und wir könnten Abschied nehmen, du zu deinem Herrn Jeremias gehen, der wahrscheinlich noch vom Schulgarten her verkühlt ist und den du mit Rücksicht darauf schon viel zu lange allein gelassen hast, und ich alleine in die Schule oder, da ich ja ohne dich dort nichts zu tun habe, sonst irgendwohin, wo man mich aufnimmt. Wenn ich nun trotzdem zögere, so deshalb, weil ich aus gutem Grunde noch immer ein wenig daran zweifle, was du mir erzählt hast. Ich habe von Jeremias den gegenteiligen Eindruck. Solange er im Dienst war, ist er hinter dir her gewesen und ich glaube nicht, daß der Dienst ihn auf die Dauer zurückgehalten hätte, dich einmal ernstlich zu überfallen. Jetzt aber, seitdem er den Dienst für aufgehoben ansieht, ist es anders. Verzeih, wenn ich es mir auf folgende Weise erkläre: Seitdem du nicht mehr die Braut seines Herrn bist, bist du keine solche Verlockung mehr für ihn wie früher. Du magst seine Freundin aus der Kinderzeit sein, doch legt er - ich kenne ihn eigentlich nur aus einem kurzen Gespräch heute nacht - solchen Gefühlsdingen meiner Meinung nach nicht viel Wert bei. Ich weiß nicht, warum er dir als ein leidenschaftlicher Charakter erscheint. Seine Denkweise scheint mir eher besonders kühl. Er hat in bezug auf mich irgendeinen, mir vielleicht nicht sehr günstigen Auftrag von Galater bekommen, diesen auszuführen strengt er sich an, mit einer gewissen Dienstleidenschaft, wie ich zugeben will - sie ist hier nicht allzu selten -, dazu gehört, daß er unser Verhältnis zerstört; er hat es vielleicht auf verschiedene Weise versucht, eine davon war die, daß er dich durch sein lüsternes Schmachten zu verlocken suchte, eine andere, hier hat ihn die Wirtin unterstützt, daß er von meiner Untreue fabelte, sein Anschlag ist ihm gelungen, irgendeine Erinnerung an Klamm, die ihn umgibt, mag mitgeholfen haben, den Posten hat er zwar verloren, aber vielleicht gerade in dem Augenblick, in dem er ihn nicht mehr benötigte, jetzt erntet er die Früchte seiner Arbeit und zieht dich aus dem Schulfenster, damit ist aber seine Arbeit beendet, und von der Dienstleidenschaft verlassen, wird er müde, er wäre lieber an Stelle Arturs, der gar nicht klagt, sondern sich Lob und neue Aufträge holt, aber es muß doch auch jemand zurückbleiben, der die weitere Entwicklung der Dinge verfolgt. Eine etwas lästige Pflicht ist es ihm, dich zu versorgen. Von Liebe zu dir ist keine Spur, er hat es mir offen gestanden, als Geliebte Klamms bist du ihm natürlich respektabel, und in deinem Zimmer sich einzunisten und sich einmal als ein kleiner Klamm zu fühlen, tut ihm gewiß sehr wohl, das aber ist alles, du selbst bedeutest ihm jetzt nichts, nur ein Nachtrag zu seiner Hauptaufgabe ist es ihm, daß er dich hier untergebracht hat; um dich nicht zu beunruhigen, ist er auch selbst geblieben, aber nur vorläufig, solange er nicht neue Nachrichten vom Schloß bekommt und seine Verkühlung von dir nicht auskuriert ist.“ „Wie du ihn verleumdest!“ sagte Frieda und schlug ihre kleinen Fäuste aneinander. „Verleumden?“ sagte K., „nein, ich will ihn nicht verleumden. Wohl aber tue ich ihm vielleicht unrecht, das ist freilich möglich. Ganz offen an der Oberfläche liegt es ja nicht, was ich über ihn gesagt habe, es läßt sich auch anders deuten. Aber verleumden? Verleumden könnte doch nur den Zweck haben, damit gegen deine Liebe zu ihm anzukämpfen. Wäre es nötig und wäre Verleumdung ein geeignetes Mittel, ich würde nicht zögern, ihn zu verleumden. Niemand könnte mich deshalb verurteilen, er ist durch seine Auftraggeber in solchem Vorteil mir gegenüber, daß ich, ganz allein auf mich angewiesen, auch ein wenig verleumden dürfte. Es wäre ein verhältnismäßig unschuldiges und letzten Endes ja auch ohnmächtiges Verteidigungsmittel. Laß also die Fäuste ruhen.“ Und K. nahm Friedas Hand in die seine; Frieda wollte sie ihm entziehen, aber lächelnd und nicht mit großer Kraftanstrengung. „Aber ich muß nicht verleumden,“ sagte K., „denn du liebst ihn ja nicht, glaubst es nur und wirst mir dankbar sein, wenn ich dich von der Täuschung befreie. Sieh, wenn jemand dich von mir fortbringen wollte, ohne Gewalt, aber mit möglichst sorgfältiger Berechnung, dann müßte er es durch die beiden Gehilfen tun. Scheinbar gute, kindliche, lustige, verantwortungslose, von hoch her, vom Schloß hergeblasene Jungen, ein wenig Kindheitserinnerungen auch dabei, das ist doch schon alles sehr liebenswert, besonders wenn ich etwa das Gegenteil von alledem bin, dafür immerfort hinter Geschäften herlaufe, die dir nicht ganz verständlich, die dir ärgerlich sind, die mich mit Leuten zusammenbringen, die dir hassenswert sind und etwas davon bei aller meiner Unschuld auch auf mich übertragen. Das Ganze ist nur eine bösartige, allerdings sehr kluge Ausnutzung der Mängel unseres Verhältnisses. Jedes Verhältnis hat seine Mängel, gar unseres, wir kamen ja jeder aus einer ganz anderen Welt zusammen, und seitdem wir einander kennen, nahm das Leben eines jeden von uns einen ganz neuen Weg, wir fühlen uns noch unsicher, es ist doch allzu neu. Ich rede nicht von mir, das ist nicht so wichtig, ich bin ja im Grunde immerfort beschenkt worden, seitdem du deine Augen zum erstenmal mir zuwandtest und an das Beschenktwerden sich gewöhnen ist nicht sehr schwer. Du aber, von allem anderen abgesehen, wurdest von Klamm losgerissen, ich kann nicht ermessen, was das bedeutet, aber eine Ahnung dessen habe ich doch allmählich schon bekommen, man taumelt, man kann sich nicht zurechtfinden, und wenn ich auch bereit war, dich immer aufzunehmen, so war ich doch nicht immer zugegen, und wenn ich zugegen war, hielten dich manchmal deine Träumereien fest oder noch Lebendigeres wie etwa die Wirtin - kurz es gab Zeiten, wo du von mir wegsahst, dich irgendwo ins Halb-Unbestimmte sehntest, armes Kind, und es mußten nur in solchen Zwischenzeiten in der Richtung deines Blicks passende Leute aufgestellt werden und du warst an sie verloren, erlagst der Täuschung, daß das, was nur Augenblicke waren, Gespenster, alte Erinnerungen, im Grunde vergangenes und immer mehr vergehendes einstmaliges Leben, daß dieses noch dein wirkliches jetziges Leben sei. Ein Irrtum, Frieda, nichts als die letzte, richtig angesehen verächtliche Schwierigkeit unserer endlichen Vereinigung. Komme zu dir, fasse dich; wenn du auch dachtest, daß die Gehilfen von Klamm geschickt sind - es ist gar nicht wahr, sie kommen von Galater - und wenn sie dich auch mit Hilfe dieser Täuschung so bezaubern konnten, daß du selbst in ihrem Schmutz und ihrer Unzucht Spuren von Klamm zu finden meintest, so wie jemand in einem Misthaufen einen einst verlorenen Edelstein zu sehen glaubt, während er ihn in Wirklichkeit dort gar nicht finden könnte, selbst wenn er dort wirklich wäre - so sind es doch nur Burschen von der Art der Knechte im Stall, nur daß sie nicht ihre Gesundheit haben, ein wenig frische Luft sie krank macht und aufs Bett wirft, das sie sich allerdings mit knechtischer Pfiffigkeit auszusuchen verstehen.“ Frieda hatte ihren Kopf an K.s Schulter gelehnt, die Arme umeinander geschlungen gingen sie schweigend auf und ab. „Wären wir doch,“ sagte dann Frieda langsam, ruhig, fast behaglich, so als wisse sie, daß ihr nur eine ganz kleine Frist der Ruhe an K.s Schulter gewährt sei, diese aber wolle sie bis zum Letzten genießen, „wären wir doch gleich noch in jener Nacht ausgewandert, wir könnten irgendwo in Sicherheit sein, immer beisammen, deine Hand immer nahe genug, sie zu fassen; wie brauche ich deine Nähe, wie bin ich, seitdem ich dich kenne, ohne deine Nähe verlassen, deine Nähe ist, glaube mir, der einzige Traum, den ich träume, keinen andern.“

[¶1] Then someone called from the side passage, it was Jeremiah, he was standing there on the lowest step, he was in his shirt, but had thrown a wrap of Frieda’s round him. As he stood there, his hair rumpled, his thin beard lank as if dripping with wet, his eyes painfully beseeching and wide with reproach, his sallow cheeks flushed, but yet flaccid, his naked legs trembling so violently with cold that the long fringes of the wrap quivered as well, he was like a patient who had escaped from hospital, and whose appearance could only suggest one thought, that of getting him back in bed again. This in fact was the effect that he had on Frieda, she disengaged herself from K., and was down beside Jeremiah in a second. Her nearness, the solicitude with which she drew the wrap closer round him, the haste with which she tried to force him back into the room, seemed to give him new strength, it was as if he only recognised K. now. “Ah, the Land Surveyor!” he said, stroking Frieda’s cheek to propitiate her, for she did not want to let him talk any further, “forgive the interruption. But I’m not at all well, that must be my excuse. I think I’m feverish, I must drink some tea and get a sweat. Those damned railings in the school garden, they’ll give me something to think about yet, and then, already chilled to the bone, I had to run about all night afterwards. One sacrifices one’s health for things not really worth it, without noticing it at the time. But you, Land Surveyor, mustn’t let yourself be disturbed by me, come into the room here with us, pay me a sick visit, and at the same time tell Frieda whatever you have still to say to her. When two who are accustomed to one another say goodbye, naturally they have a great deal to say to each other at the last minute which a third party, even if he’s lying in bed waiting for his tea to come, can’t possibly understand. But do come in, I’ll be perfectly quiet.” “That’s enough, enough!” said Frieda pulling at his arm. “He’s feverish and doesn’t know what he’s saying. But you, K., don’t you come in here, I beg you not to. It’s my room and Jeremiah’s, or rather it’s my room and mine alone, I forbid you to come in with us. You always persecute me, oh K., why do you always persecute me? Never, never will I go back to you, I shudder when I think of the very possibility. Go back to your girls; they sit beside you before the fire in nothing but their shifts, I’ve been told, and when anybody comes to fetch you they spit at him. You must feel at home there, since the place attracts you so much. I’ve always tried to keep you from going there, with little success, but all the same I’ve tried; all that’s past now, you are free. You’ve a lovely life in front of you; for the one you’ll perhaps have to squabble a little with the servants, but as for the other, there’s nobody in heaven or earth that will grudge you her. The union is blessed beforehand. Don’t deny it, I know you can disprove anything, but in the end nothing is disproved. Only think, Jeremiah, he has disproved everything!” They nodded with a smile of mutual understanding. “But,” Frieda went on, “even if everything were disproved, what would be gained by that, what would it matter to me? What happens in that house is purely their business and his business, not mine. Mine is to nurse you till you’re well again, as you were at one time, before K. tormented you for my sake.” “So you’re not coming in after all, Land Surveyor?” asked Jeremiah, but was now definitely dragged away by Frieda, who did not even turn to look at K. again. There was a little door down there, still lower than the doors in the passage—not Jeremiah only, even Frieda had to stoop on entering—within it seemed to be bright and warm, a few whispers were audible, probably loving cajolements to get Jeremiah to bed, then the door was closed.

> German: Da rief es im Seitengang, es war Jeremias, er stand dort auf der untersten Stufe, er war nur im Hemd, hatte aber ein Umhängetuch Friedas um sich geschlagen. Wie er dort stand, das Haar zerrauft, den dünnen Bart wie verregnet, die Augen mühsam bittend und vorwurfsvoll aufgerissen, die dunklen Wangen gerötet, aber wie aus allzu lockerem Fleisch bestehend, die nackten Beine zitternd vor Kälte, so daß die langen Fransen des Tuches mitzitterten, war er wie ein aus dem Spital entflohener Kranker, demgegenüber man an nichts anderes denken durfte, als ihn wieder ins Bett zurückzubringen. So faßt es auch Frieda auf, entzog sich K. und war gleich unten bei ihm. Ihre Nähe, die sorgsame Art, mit der sie das Tuch fester um ihn zog, die Eile, mit der sie ihn gleich zurück ins Zimmer drängen wollte, schien ihn schon ein wenig kräftiger zu machen, es war, als erkenne er K. erst jetzt. „Ah, der Herr Landvermesser,“ sagte er, Frieda, die keine Unterhaltung mehr zulassen wollte, zur Begütigung die Wange streichelnd, „verzeihen Sie die Störung. Mir ist aber gar nicht wohl, das entschuldigt doch. Ich glaube, ich fiebere, ich muß einen Tee haben und schwitzen. Das verdammte Gitter im Schulgarten, daran werde ich wohl noch zu denken haben, und jetzt, schon verkühlt, bin ich noch in der Nacht herumgelaufen. Man opfert, ohne es gleich zu merken, seine Gesundheit für Dinge, die es wahrhaftig nicht wert sind. Sie aber, Herr Landvermesser, müssen sich durch mich nicht stören lassen, kommen Sie zu uns ins Zimmer herein, machen Sie einen Krankenbesuch und sagen Sie dabei Frieda, was noch zu sagen ist. Wenn zwei, die aneinander gewöhnt sind, auseinandergehen, haben sie natürlich einander in den letzten Augenblicken so viel zu sagen, daß das ein Dritter, gar wenn er im Bett liegt und auf den versprochenen Tee wartet, unmöglich begreifen kann. Aber kommen Sie nur herein, ich werde ganz still sein.“ „Genug, genug“, sagte Frieda und zerrte an seinem Arm. „Er fiebert und weiß nicht, was er spricht. Du aber, K., geh nicht mit, ich bitte dich. Es ist mein und Jeremias’ Zimmer oder vielmehr nur mein Zimmer, ich verbiete dir mit hineinzugehen. Du verfolgst mich, ach K., warum verfolgst du mich. Niemals, niemals werde ich zu dir zurückkommen, ich schaudere, wenn ich an eine solche Möglichkeit denke. Geh doch zu deinen Mädchen; im bloßen Hemd sitzen sie auf der Ofenbank zu deinen Seiten, wie man mir erzählt hat, und wenn jemand kommt dich abzuholen, fauchen sie ihn an. Wohl bist du dort zu Hause, wenn es dich gar so sehr hinzieht. Ich habe dich immer von dort abgehalten, mit wenig Erfolg, aber immerhin abgehalten, das ist vorüber, du bist frei. Ein schönes Leben steht dir bevor, wegen der einen wirst du vielleicht mit den Knechten ein wenig kämpfen müssen, aber was die zweite betrifft, gibt es niemanden im Himmel und auf Erden, der sie dir mißgönnt. Der Bund ist von vornherein gesegnet. Sag nichts dagegen, gewiß, du kannst alles widerlegen, aber zum Schluß ist gar nichts widerlegt. Denk nur, Jeremias, er hat alles widerlegt!“ Sie verständigten sich durch Kopfnicken und Lächeln. „Aber,“ fuhr Frieda fort, „angenommen, er hätte alles widerlegt, was wäre damit erreicht, was kümmert es mich? Wie es dort bei jenen zugehen mag, ist völlig ihre und seine Sache, meine nicht. Meine ist es, dich zu pflegen, so lange, bis du wieder gesund wirst, wie du einstmals warst, ehe dich K. meinetwegen quälte.“ „Sie kommen also wirklich nicht mit, Herr Landvermesser?“ fragte Jeremias, wurde nun aber von Frieda, die sich gar nicht mehr nach K. umdrehte, endgültig fortgezogen. Man sah unten eine kleine Tür, noch niedriger als die Türen hier im Gange, nicht nur Jeremias, auch Frieda mußte sich beim Hineingehen bücken, innen schien es hell und warm zu sein, man hörte noch ein wenig Flüstern, wahrscheinlich liebreiches Überreden, um Jeremias ins Bett zu bringen, dann wurde die Tür geschlossen.
