SCRIPTURA

Johann Wolfgang von Goethe · The Sorrows of Young Werther · 22 of 89

Book I · July 16

Translated by R. D. Boylan

ContentsMarkdown.md ↓

July 16

Am 16. Julius

How my heart beats when by accident I touch her finger, or my feet meet hers under the table! I draw back as if from a furnace; but a secret force impels me forward again, and my senses become disordered. Her innocent, unconscious heart never knows what agony these little familiarities inflict upon me. Sometimes when we are talking she lays her hand upon mine, and in the eagerness of conversation comes closer to me, and her balmy breath reaches my lips,—when I feel as if lightning had struck me, and that I could sink into the earth. And yet, Wilhelm, with all this heavenly confidence,—if I know myself, and should ever dare—you understand me. No, no! my heart is not so corrupt, it is weak, weak enough but is not that a degree of corruption? She is to me a sacred being. All passion is still in her presence: I cannot express my sensations when I am near her. I feel as if my soul beat in every nerve of my body. There is a melody which she plays on the piano with angelic skill,—so simple is it, and yet so spiritual! It is her favourite air; and, when she plays the first note, all pain, care, and sorrow disappear from me in a moment.

Ach wie mir das durch alle Adern läuft, wenn mein Finger unversehens den ihrigen berührt, wenn unsere Füße sich unter dem Tische begegnen! Ich ziehe zurück wie vom Feuer, und eine geheime Kraft zieht mich wieder vorwärts--mir wird's so schwindelig vor allen Sinnen.--O! Und ihre Unschuld, ihre unbefangene Seele fühlt nicht, wie sehr mich die kleinen Vertraulichkeiten peinigen. Wenn sie gar im Gespräch ihre Hand auf die meinige legt und im Interesse der Unterredung näher zu mir rückt, daß der himmlische Atem ihres Mundes meine Lippen erreichen kann:--ich glaube zu versinken, wie vom Wetter gerührt.--und, Wilhelm! Wenn ich mich jemals unterstehe, diesen Himmel, dieses Vertrauen--! Du verstehst mich. Nein, mein Herz ist so verderbt nicht! Schwach! Schwach genug!--und ist das nicht Verderben?--sie ist mir heilig. Alle Begier schweigt in ihrer Gegenwart. Ich weiß nie, wie mir ist, wenn ich bei ihr bin; es ist, als wenn die Seele sich mir in allen Nerven umkehrte.--sie hat eine Melodie, die sie auf dem Klaviere spielet mit der Kraft eines Engels, so simpel und so geistvoll! Es ist ihr Leiblied, und mich stellt es von aller Pein, Verwirrung und Grillen her, wenn sie nur die erste Note davon greift.

I believe every word that is said of the magic of ancient music. How her simple song enchants me! Sometimes, when I am ready to commit suicide, she sings that air; and instantly the gloom and madness which hung over me are dispersed, and I breathe freely again.

Kein Wort von der Zauberkraft der alten Musik ist mir unwahrscheinlich. Wie mich der einfache Gesang angreift! Und wie sie ihn anzubringen weiß, oft zur Zeit, wo ich mir eine Kugel vor den Kopf schießen möchte! Die Irrung und Finsternis meiner Seele zerstreut sich, und ich atme wieder freier.