SCRIPTURA

Sigmund Freud · Totem and Taboo · 15 of 16

IV · The Infantile Recurrence of Totemism · 5 of 6

Translated by A. A. Brill

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A holiday is permitted, or rather a prescribed excess, a solemn violation of a prohibition. People do not commit the excesses which at all times have characterized holidays, as a result of an order to be in a holiday mood, but because in the very nature of a holiday there is excess; the holiday mood is brought about by the release of what is otherwise forbidden.

Ein Fest ist ein gestatteter, vielmehr ein gebotener Exzeß, ein feierlicher Durchbruch eines Verbots. Nicht weil die Menschen infolge irgend einer Vorschrift froh gestimmt sind, begehen sie die Ausschreitungen, sondern der Exzeß liegt im Wesen des Festes; die festliche Stimmung wird durch die Freigebung des sonst Verbotenen erzeugt.

But what has mourning over the death of the totem animal to do with the introduction of this holiday spirit? If men are happy over the slaying of the totem, which is otherwise forbidden to them, why do they also mourn it?

Was soll aber die Einleitung zu dieser Festesfreude, die Trauer über den Tod des Totemtieres? Wenn man sich über die Tötung des Totem, die sonst versagt ist, freut, warum trauert man auch über sie?

We have heard that members of a clan become holy through the consumption of the totem and thereby also strengthen their identification with it and with each other. The fact that they have absorbed the holy life with which the substance of the totem is charged may explain the holiday mood and everything that results from it.

Wir haben gehört, daß sich die Clangenossen durch den Genuß des Totem heiligen, in ihrer Identifizierung mit ihm und untereinander bestärken. Daß sie das heilige Leben, dessen Träger die Substanz des Totem ist, in sich aufgenommen haben, könnte ja die festliche Stimmung und alles, was aus ihr folgt, erklären.

Psychoanalysis has revealed to us that the totem animal is really a substitute for the father, and this really explains the contradiction that it is usually forbidden to kill the totem animal, that the killing of it results in a holiday and that the animal is killed and yet mourned. The ambivalent emotional attitude which to-day still marks the father complex in our children and so often continues into adult life also extended to the father substitute of the totem animal.

Die Psychoanalyse hat uns verraten, daß das Totemtier wirklich der Ersatz des Vaters ist, und dazu stimmte wohl der Widerspruch, daß es sonst verboten ist, es zu töten, und daß seine Tötung zur Festlichkeit wird, daß man das Tier tötet und es doch betrauert. Die ambivalente Gefühlseinstellung, welche den Vaterkomplex heute noch bei unseren Kindern auszeichnet und sich oft ins Leben der Erwachsenen fortsetzt, würde sich auch auf den Vaterersatz des Totemtiers erstrecken.

But if we associate the translation of the totem as given by psychoanalysis, with the totem feast and the Darwinian hypothesis about the primal state of human society, a deeper understanding becomes possible and a hypothesis is offered which may seem fantastic but which has the advantage of establishing an unexpected unity among a series of hitherto separated phenomena.

Allein, wenn man die von der Psychoanalyse gegebene Übersetzung des Totem mit der Tatsache der Totemmahlzeit und der Darwin_schen Hypothese über den Urzustand der menschlichen Gesellschaft zusammenhält, ergibt sich die Möglichkeit eines tieferen Verständnisses, der Ausblick auf eine Hypothese, die phantastisch erscheinen mag, aber den Vorteil bietet, eine unvermutete Einheit zwischen bisher gesonderten Reihen von Phänomenen herzustellen.

The Darwinian conception of the primal horde does not, of course, allow for the beginning of totemism. There is only a violent, jealous father who keeps all the females for himself and drives away the growing sons. This primal state of society has nowhere been observed. The most primitive organization we know, which to-day is still in force with certain tribes, is associations of men consisting of members with equal rights, subject to the restrictions of the totemic system, and founded on matriarchy, or descent through the mother. Can the one have resulted from the other, and how was this possible?

Die Darwin_sche Urhorde hat natürlich keinen Raum für die Anfänge des Totemismus. Ein gewalttätiger, eifersüchtiger Vater, der alle Weibchen für sich behält und die heranwachsenden Söhne vertreibt, nichts weiter. Dieser Urzustand der Gesellschaft ist nirgends Gegenstand der Beobachtung geworden. Was wir als primitivste Organisation finden, was noch heute bei gewissen Stämmen in Kraft besteht, das sind Männerverbände, die aus gleichberechtigten Mitgliedern bestehen und den Einschränkungen des totemistischen Systems unterliegen, dabei mütterliche Erblichkeit. Kann das eine aus dem anderen hervorgegangen sein und auf welchem Wege war es möglich?

By basing our argument upon the celebration of the totem we are in a position to give an answer: One day the expelled brothers joined forces, slew and ate the father, and thus put an end to the father horde. Together they dared and accomplished what would have remained impossible for them singly. Perhaps some advance in culture, like the use of a new weapon, had given them the feeling of superiority. Of course these cannibalistic savages ate their victim. This violent primal father had surely been the envied and feared model for each of the brothers. Now they accomplished their identification with him by devouring him and each acquired a part of his strength. The totem feast, which is perhaps mankind’s first celebration, would be the repetition and commemoration of this memorable, criminal act with which so many things began, social organization, moral restrictions and religion.

Die Berufung auf die Feier der Totemmahlzeit gestattet uns eine Antwort zu geben: Eines Tages taten sich die ausgetriebenen Brüder zusammen, erschlugen und verzehrten den Vater und machten so der Vaterhorde ein Ende. Vereint wagten sie und brachten zu stande, was dem einzelnen unmöglich geblieben wäre. Vielleicht hatte ein Kulturfortschritt, die Handhabung einer neuen Waffe, ihnen das Gefühl der Überlegenheit gegeben. Daß sie den Getöteten auch verzehrten, ist für den kannibalen Wilden selbstverständlich. Der gewalttätige Urvater war gewiß das beneidete und gefürchtete Vorbild eines jeden aus der Brüderschar gewesen. Nun setzten sie im Akte des Verzehrens die Identifizierung mit ihm durch, eigneten sich ein jeder ein Stück seiner Stärke an. Die Totemmahlzeit, vielleicht das erste Fest der Menschheit, wäre die Wiederholung und die Gedenkfeier dieser denkwürdigen, verbrecherischen Tat, mit welcher so vieles seinen Anfang nahm, die sozialen Organisationen, die sittlichen Einschränkungen und die Religion.

In order to find these results acceptable, quite aside from our supposition, we need only assume that the group of brothers banded together were dominated by the same contradictory feelings towards the father which we can demonstrate as the content of ambivalence of the father complex in all our children and in neurotics.

So viel über die höchst bemerkenswerte Theorie von Atkinson, ihre Übereinstimmung mit der hier vorgetragenen im wesentlichen Punkte und ihre Abweichung davon, welche den Verzicht auf den Zusammenhang mit so vielem anderen mit sich bringt.

Die Unbestimmtheit, die zeitliche Verkürzung und inhaltliche Zusammendrängung der Angaben in meinen obenstehenden Ausführungen darf ich als eine durch die Natur des Gegenstandes geforderte Enthaltung hinstellen. Es wäre ebenso unsinnig, in dieser Materie Exaktheit anzustreben, wie es unbillig wäre, Sicherheiten zu fordern.

They hated the father who stood so powerfully in the way of their sexual demands and their desire for power, but they also loved and admired him. After they had satisfied their hate by his removal and had carried out their wish for identification with him, the suppressed tender impulses had to assert themselves. This took place in the form of remorse, a sense of guilt was formed which coincided here with the remorse generally felt. The dead now became stronger than the living had been, even as we observe it to-day in the destinies of men. What the fathers’ presence had formerly prevented they themselves now prohibited in the psychic situation of ‘subsequent obedience’, which we know so well from psychoanalysis. They undid their deed by declaring that the killing of the father substitute, the totem, was not allowed, and renounced the fruits of their deed by denying themselves the liberated women. Thus they created the two fundamental taboos of totemism out of the sense of guilt of the son, and for this very reason these had to correspond with the two repressed wishes of the Oedipus complex. Whoever disobeyed became guilty of the two only crimes which troubled primitive society.

Um, von der Voraussetzung absehend, diese Folgen glaubwürdig zu finden, braucht man nur anzunehmen, daß die sich zusammenrottende Brüderschar von denselben einander widersprechenden Gefühlen gegen den Vater beherrscht war, die wir als Inhalt der Ambivalenz des Vaterkomplexes bei jedem unserer Kinder und unserer Neurotiker nachweisen können. Sie haßten den Vater, der ihrem Machtbedürfnis und ihren sexuellen Ansprüchen so mächtig im Wege stand, aber sie liebten und bewunderten ihn auch. Nachdem sie ihn beseitigt, ihren Haß befriedigt und ihren Wunsch nach Identifizierung mit ihm durchgesetzt hatten, mußten sich die dabei überwältigten zärtlichen Regungen zur Geltung bringen. Es geschah in der Form der Reue, es entstand ein Schuldbewußtsein, welches hier mit der gemeinsam empfundenen Reue zusammenfällt. Der Tote wurde nun stärker, als der Lebende gewesen war; all dies, wie wir es noch heute an Menschenschicksalen sehen. Was er früher durch seine Existenz verhindert hatte, das verboten sie sich jetzt selbst in der psychischen Situation des uns aus den Psychoanalysen so wohl bekannten »nachträglichen Gehorsams«. Sie widerriefen ihre Tat, indem sie die Tötung des Vaterersatzes, des Totem, für unerlaubt erklärten, und verzichteten auf deren Früchte, indem sie sich die freigewordenen Frauen versagten. So schufen sie aus dem Schuldbewußtsein des Sohnes die beiden fundamentalen Tabu des Totemismus, die eben darum mit den beiden verdrängten Wünschen des Ödipuskomplexes übereinstimmen mußten. Wer dawiderhandelte, machte sich der beiden einzigen Verbrechen schuldig, welche die primitive Gesellschaft bekümmerten.

The two taboos of totemism with which the morality of man begins are psychologically not of equal value. One of them, the sparing of the totem animal, rests entirely upon emotional motives; the father had been removed and nothing in reality could make up for this. But the other, the incest prohibition, had, besides, a strong practical foundation. Sexual need does not unite men; it separates them. Though the brothers had joined forces in order to overcome the father, each was the other’s rival among the women. Each one wanted to have them all to himself like the father, and in the fight of each against the other the new organization would have perished. For there was no longer any one stronger than all the rest who could have successfully assumed the rôle of the father. Thus there was nothing left for the brothers, if they wanted to live together, but to erect the incest prohibition--perhaps after many difficult experiences--through which they all equally renounced the women whom they desired, and on account of whom they had removed the father in the first place. Thus they saved the organization which had made them strong and which could be based upon the homo-sexual feelings and activities which probably manifested themselves among them during the time of their banishment. Perhaps this situation also formed the germ of the institution of the mother right discovered by Bachofen, which was then abrogated by the patriarchal family arrangement.

Die beiden Tabu des Totemismus, mit denen die Sittlichkeit der Menschen beginnt, sind psychologisch nicht gleichwertig. Nur das eine, die Schonung des Totemtieres, ruht ganz auf Gefühlsmotiven; der Vater war ja beseitigt, in der Realität war nichts mehr gutzumachen. Das andere aber, das Inzestverbot, hatte auch eine starke praktische Begründung. Das sexuelle Bedürfnis einigt die Männer nicht, sondern entzweit sie. Hatten sich die Brüder verbündet, um den Vater zu überwältigen, so war jeder des anderen Nebenbuhler bei den Frauen. Jeder hätte sie wie der Vater alle für sich haben wollen, und in dem Kampfe aller gegen alle wäre die neue Organisation zu Grunde gegangen. Es war kein Überstarker mehr da, der die Rolle des Vaters mit Erfolg hätte aufnehmen können. Somit blieb den Brüdern, wenn sie miteinander leben wollten, nichts übrig, als -- vielleicht nach Überwindung schwerer Zwischenfälle -- das Inzestverbot aufzurichten, mit welchem sie alle zugleich auf die von ihnen begehrten Frauen verzichteten, um deren wegen sie doch in erster Linie den Vater beseitigt hatten. Sie retteten so die Organisation, welche sie stark gemacht hatte, und die auf homosexuellen Gefühlen und Betätigungen ruhen konnte, welche sich in der Zeit der Vertreibung bei ihnen eingestellt haben mochten. Vielleicht war es auch diese Situation, welche den Keim zu den von Bachofen erkannten Institutionen des Mutterrechts legte, bis dieses von der patriarchalischen Familienordnung abgelöst wurde.

On the other hand the claim of totemism to be considered the first attempt at a religion is connected with the other taboo which protects the life of the totem animal. The feelings of the sons found a natural and appropriate substitute for the father in the animal, but their compulsory treatment of it expressed more than the need of showing remorse. The surrogate for the father was perhaps used in the attempt to assuage the burning sense of guilt, and to bring about a kind of reconciliation with the father. The totemic system was a kind of agreement with the father in which the latter granted everything that the child’s phantasy could expect from him, protection, care, and forbearance, in return for which the pledge was given to honour his life, that is to say, not to repeat the act against the totem through which the real father had perished. Totemism also contained an attempt at justification, “If the father had treated us like the totem we should never have been tempted to kill him.” Thus totemism helped to gloss over the real state of affairs and to make one forget the event to which it owed its origin.

An das andere Tabu, welches das Leben des Totemtieres beschützt, knüpft hingegen der Anspruch des Totemismus an, als erster Versuch einer Religion gewertet zu werden. Bot sich dem Empfinden der Söhne das Tier als natürlicher und nächstliegender Ersatz des Vaters, so fand sich in der ihnen zwanghaft gebotenen Behandlung desselben doch noch mehr Ausdruck als das Bedürfnis, ihre Reue zur Darstellung zu bringen. Es konnte mit dem Vatersurrogat der Versuch gemacht werden, das brennende Schuldgefühl zu beschwichtigen, eine Art von Aussöhnung mit dem Vater zu bewerkstelligen. Das totemistische System war gleichsam ein Vertrag mit dem Vater, in dem der letztere all das zusagte, was die kindliche Phantasie vom Vater erwarten durfte, Schutz, Fürsorge und Schonung, wogegen man sich verpflichtete, sein Leben zu ehren, das heißt die Tat an ihm nicht zu wiederholen, durch die der wirkliche Vater zu Grunde gegangen war. Es lag auch ein Rechtfertigungsversuch im Totemismus. »Hätte der Vater uns behandelt wie der Totem, wir wären nie in die Versuchung gekommen, ihn zu töten.« So verhalf der Totemismus dazu, die Verhältnisse zu beschönigen und das Ereignis vergessen zu machen, dem er seine Entstehung verdankte.

In this connexion some features were formed which henceforth determined the character of every religion. The totem religion had issued from the sense of guilt of the sons as an attempt to palliate this feeling and to conciliate the injured father through subsequent obedience. All later religions prove to be attempts to solve the same problem, varying only in accordance with the stage of culture in which they are attempted and according to the paths which they take; they are all, however, reactions aiming at the same great event with which culture began and which ever since has not let mankind come to rest.

Es wurden hiebei Züge geschaffen, die fortan für den Charakter der Religion bestimmend blieben. Die Totemreligion war aus dem Schuldbewußtsein der Söhne hervorgegangen als Versuch, dies Gefühl zu beschwichtigen und den beleidigten Vater durch nachträglichen Gehorsam zu versöhnen. Alle späteren Religionen erweisen sich als Lösungsversuche desselben Problems, variabel je nach dem kulturellen Zustand, in dem sie unternommen werden, und nach den Wegen, die sie einschlagen, aber es sind alle gleichzielende Reaktionen auf dieselbe große Begebenheit, mit der die Kultur begonnen hat, und die seitdem die Menschheit nicht zur Ruhe kommen läßt.

There is still another characteristic faithfully preserved in religion which already appeared in totemism at this time. The ambivalent strain was probably too great to be adjusted by any arrangement, or else the psychological conditions are entirely unfavourable to any kind of settlement of these contradictory feelings. It is certainly noticeable that the ambivalence attached to the father complex also continues in totemism and in religions in general. The religion of totemism included not only manifestations of remorse and attempts at reconciliation, but also serves to commemorate the triumph over the father. The gratification obtained thereby creates the commemorative celebration of the totem feast at which the restrictions of subsequent obedience are suspended, and makes it a duty to repeat the crime of parricide through the sacrifice of the totem animal as often as the benefits of this deed, namely, the appropriation of the father’s properties, threaten to disappear as a result of the changed influences of life. We shall not be surprised to find that a part of the son’s defiance also reappears, often in the most remarkable disguises and inversions, in the formation of later religions.

Auch ein anderer Charakter, den die Religion treu bewahrt hat, ist damals schon im Totemismus hervorgetreten. Die Ambivalenzspannung war wohl zu groß, um durch irgend eine Veranstaltung ausgeglichen zu werden, oder die psychologischen Bedingungen sind der Erledigung dieser Gefühlsgegensätze überhaupt nicht günstig. Man merkt jedenfalls, daß die dem Vaterkomplex anhaftende Ambivalenz sich auch in den Totemismus und in die Religionen überhaupt fortsetzt. Die Religion des Totem umfaßt nicht nur die Äußerungen der Reue und die Versuche der Versöhnung, sondern dient auch der Erinnerung an den Triumph über den Vater. Die Befriedigung darüber läßt das Erinnerungsfest der Totemmahlzeit einsetzen, bei dem die Einschränkungen des nachträglichen Gehorsams wegfallen, macht es zur Pflicht, das Verbrechen des Vatermordes in der Opferung des Totemtieres immer wieder von neuem zu wiederholen, so oft der festgehaltene Erwerb jener Tat, die Aneignung der Eigenschaften des Vaters, infolge der veränderten Einflüsse des Lebens zu entschwinden droht. Wir werden nicht überrascht sein zu finden, daß auch der Anteil des Sohnestrotzes, oft in den merkwürdigsten Verkleidungen und Umwendungen, in späteren Religionsbildungen wieder auftaucht.

If thus far we have followed, in religion and moral precepts--but little differentiated in totemism--the consequences of the tender impulses towards the father as they are changed into remorse, we must not overlook the fact that for the most part the tendencies which have impelled to parricide have retained the victory. The social and fraternal feelings on which this great change is based, henceforth for long periods exercises the greatest influence upon the development of society. They find expression in the sanctification of the common blood and in the emphasis upon the solidarity of life within the clan. In thus ensuring each other’s lives the brothers express the fact that no one of them is to be treated by the other as they all treated the father. They preclude a repetition of the fate of the father. The socially established prohibition against fratricide is now added to the prohibition against killing the totem, which is based on religious grounds. It will still be a long time before the commandment discards the restriction to members of the tribe and assumes the simple phraseology: Thou shalt not kill. At first the brother clan has taken the place of the father horde and was guaranteed by the blood bond. Society is now based on complicity in the common crime, religion on the sense of guilt and the consequent remorse, while morality is based partly on the necessities of society and partly on the expiation which this sense of guilt demands.

Verfolgen wir in Religion und sittlicher Vorschrift, die im Totemismus noch wenig scharf gesondert sind, bisher die Folgen der in Reue verwandelten zärtlichen Strömung gegen den Vater, so wollen wir doch nicht übersehen, daß im wesentlichen die Tendenzen, welche zum Vatermord gedrängt haben, den Sieg behalten. Die sozialen Brudergefühle, auf denen die große Umwälzung ruht, bewahren von nun an über lange Zeiten den tiefstgehenden Einfluß auf die Entwicklung der Gesellschaft. Sie schaffen sich Ausdruck in der Heiligung des gemeinsamen Blutes, in der Betonung der Solidarität aller Leben desselben Clans. Indem die Brüder sich einander so das Leben zusichern, sprechen sie aus, daß niemand von ihnen vom anderen behandelt werden dürfe, wie der Vater von ihnen allen gemeinsam. Sie schließen eine Wiederholung des Vaterschicksals aus. Zum religiös begründeten Verbot, den Totem zu töten, kommt nun das sozial begründete Verbot des Brudermordes hinzu. Es wird dann noch lange währen, bis das Gebot die Einschränkung auf den Stammesgenossen abstreifen und den einfachen Wortlaut annehmen wird: Du sollst nicht morden. Zunächst ist an Stelle der Vaterhorde der Brüderclan getreten, welcher sich durch das Blutband versichert hat. Die Gesellschaft ruht jetzt auf der Mitschuld an dem gemeinsam verübten Verbrechen, die Religion auf dem Schuldbewußtsein und der Reue darüber, die Sittlichkeit teils auf den Notwendigkeiten dieser Gesellschaft, zum anderen Teil auf den vom Schuldbewußtsein geforderten Bußen.

Thus psychoanalysis, contrary to the newer conceptions of the totemic system and more in accord with older conceptions, bids us argue for an intimate connexion between totemism and exogamy as well as for their simultaneous origin.

Im Gegensatz zu den neueren und in Anlehnung an die älteren Auffassungen des totemistischen Systems heißt uns also die Psychoanalyse einen innigen Zusammenhang und gleichzeitigen Ursprung von Totemismus und Exogamie vertreten.

I am under the influence of many strong motives which restrain me from the attempt to discuss the further development of religions from their beginning in totemism up to their present state. I shall follow out only two threads as I see them appearing in the weft with especial distinctness: the motive of the totem sacrifice and the relation of the son to the father.

Ich stehe unter der Einwirkung einer großen Anzahl von starken Motiven, die mich vom Versuche zurückhalten werden, die weitere Entwicklung der Religionen von ihrem Beginn im Totemismus an bis zu ihrem heutigen Stande zu schildern. Ich will nur zwei Fäden hindurch verfolgen, wo ich sie im Gewebe besonders deutlich auftauchen sehe: Das Motiv des Totemopfers und das Verhältnis des Sohnes zum Vater.

Robertson Smith has shown us that the old totem feast returns in the original form of sacrifice. The meaning of the rite is the same: sanctification through participation in the common meal. The sense of guilt, which can only be allayed through the solidarity of all the participants, has also been retained. In addition to this there is the tribal deity in whose supposed presence the sacrifice takes place, who takes part in the meal like a member of the tribe, and with whom identification is effected by the act of eating the sacrifice. How does the god come into this situation which originally was foreign to him?

Robertson Smith hat uns belehrt, daß die alte Totemmahlzeit in der ursprünglichen Form des Opfers wiederkehrt. Der Sinn der Handlung ist derselbe: Die Heiligung durch die Teilnahme an der gemeinsamen Mahlzeit; auch das Schuldbewußtsein ist dabei geblieben, welches nur durch die Solidarität aller Teilnehmer beschwichtigt werden kann. Neu hinzugekommen ist die Stammesgottheit, in deren gedachter Gegenwart das Opfer stattfindet, die an dem Mahle teilnimmt wie ein Stammesgenosse, und mit der man sich durch den Genuß am Opfer identifiziert. Wie kommt der Gott in die ihm ursprünglich fremde Situation?

The answer might be that the idea of god had meanwhile appeared,--no one knows whence--and had dominated the whole religious life, and that the totem feast, like everything else that wished to survive, had been forced to fit itself into the new system. However, psychoanalytic investigation of the individual teaches with especial emphasis that god is in every case modelled after the father and that our personal relation to god is dependent upon our relation to our physical, fluctuating and changing with him, and that god at bottom is nothing but an exalted father. Here also, as in the case of totemism, psychoanalysis advises us to believe the faithful, who call god father just as they called the totem their ancestor. If psychoanalysis deserves any consideration at all, then the share of the father in the idea of a god must be very important, quite aside from all the other origins and meanings of god upon which psychoanalysis can throw no light. But then the father would be represented twice in primitive sacrifice, first as god, and secondly as the totem-animalsacrifice, and we must ask, with all due regard for the limited number of solutions which psychoanalysis offers, whether this is possible and what the meaning of it may be.

Die Antwort könnte lauten, es sei unterdes -- unbekannt woher -- die Gottesidee aufgetaucht, habe sich das ganze religiöse Leben unterworfen, und wie alles andere, was bestehen bleiben wollte, hätte auch die Totemmahlzeit den Anschluß an das neue System gewinnen müssen. Allein die psychoanalytische Erforschung des einzelnen Menschen lehrt mit einer ganz besonderen Nachdrücklichkeit, daß für jeden der Gott nach dem Vater gebildet ist, daß sein persönliches Verhältnis zu Gott von seinem Verhältnis zum leiblichen Vater abhängt, mit ihm schwankt und sich verwandelt, und daß Gott im Grunde nichts anderes ist als ein erhöhter Vater. Die Psychoanalyse rät auch hier wie im Falle des Totemismus, den Gläubigen Glauben zu schenken, die Gott Vater nennen, wie sie den Totem Ahnherrn genannt haben. Wenn die Psychoanalyse irgend welche Beachtung verdient, so muß, unbeschadet aller anderen Ursprünge und Bedeutungen Gottes, auf welche die Psychoanalyse kein Licht werfen kann, der Vateranteil an der Gottesidee ein sehr gewichtiger sein. Dann wäre aber in der Situation des primitiven Opfers der Vater zweimal vertreten, einmal als Gott und dann als das Totemopfertier, und bei allem Bescheiden mit der geringen Mannigfaltigkeit der psychoanalytischen Lösungen müssen wir fragen, ob das möglich ist und welchen Sinn es haben kann.

We know that there are a number of relations of the god to the holy animal (the totem and the sacrificial animal): 1. Usually one animal is sacred to every god, sometimes even several animals. 2. In certain, especially holy, sacrifices, the so-called ‘mystical’ sacrifices, the very animal which had been sanctified through the god was sacrificed to him. 3. The god was often revered in the form of an animal, or from another point of view, animals enjoyed a godlike reverence long after the period of totemism. 4. In myths the god is frequently transformed into an animal, often into the animal that is sacred to him. From this the assumption was obvious that the god himself was the animal, and that he had evolved from the totem animal at a later stage of religious feeling. But the reflection that the totem itself is nothing but a substitute for the father relieves us of all further discussion. Thus the totem may have been the first form of the father substitute and the god a later one in which the father regained his human form. Such a new creation from the root of all religious evolution, namely, the longing for the father, might become possible if in the course of time an essential change had taken place in the relation to the father and perhaps also to the animal.

Wir wissen, daß mehrfache Beziehungen zwischen dem Gott und dem heiligen Tier (Totem, Opfertier) bestehen: 1. Jedem Gott ist gewöhnlich ein Tier heilig, nicht selten selbst mehrere; 2. in gewissen, besonders heiligen Opfern, den »mystischen« wurde dem Gotte gerade das ihm geheiligte Tier zum Opfer dargebracht; 3. der Gott wurde häufig in der Gestalt eines Tieres verehrt oder, anders gesehen, Tiere genossen göttliche Verehrung lange nach dem Zeitalter des Totemismus; 4. in den Mythen verwandelt sich der Gott häufig in ein Tier, oft in das ihm geheiligte. So läge die Annahme nahe, daß der Gott selbst das Totemtier wäre, sich auf einer späteren Stufe des religiösen Fühlens aus dem Totemtier entwickelt hätte. Aller weiteren Diskussion überhebt uns aber die Erwägung, daß der Totem selbst nichts anderes ist als ein Vaterersatz. So mag er die erste Form des Vaterersatzes sein, der Gott aber eine spätere, in welcher der Vater seine menschliche Gestalt wiedergewonnen. Eine solche Neuschöpfung aus der Wurzel aller Religionsbildung, der Vatersehnsucht, konnte möglich werden, wenn sich im Laufe der Zeiten am Verhältnis zum Vater -- und vielleicht, auch zum Tiere -- Wesentliches geändert hatte.

Such changes are easily divined even if we disregard the beginning of a psychic estrangement from the animal as well as the disintegration of totemism through animal domestication. The situation created by the removal of the father contained an element which in the course of time must have brought about an extraordinary increase of longing for the father. For the brothers who had joined forces to kill the father had each been animated by the wish to become like the father and had given expression to this wish by incorporating parts of the substitute for him in the totem feast. In consequence of the pressure which the bonds of the brother clan exercised upon each member, this wish had to remain unfulfilled. No one could or was allowed to attain the father’s perfection of power, which was the thing they had all sought. Thus the bitter feeling against the father which had incited to the deed could subside in the course of time, while the longing for him grew, and an ideal could arise having as a content the fullness of power and the freedom from restriction of the conquered primal father, as well as the willingness to subject themselves to him. The original democratic equality of each member of the tribe could no longer be retained on account of the interference of cultural changes; in consequence of which there arose a tendency to revive the old father ideal in the creation of gods through the veneration of those individuals who had distinguished themselves above the rest. That a man should become a god and that a god should die, which to-day seems to us an outrageous presumption, was still by no means offensive to the conceptions of classical antiquity. But the deification of the murdered father from whom the tribe now derived its origin, was a much more serious attempt at expiation than the former covenant with the totem.

Solche Veränderungen lassen sich leicht erraten, auch wenn man von dem Beginn einer psychischen Entfremdung von dem Tiere und von der Zersetzung des Totemismus durch die Domestikation absehen will. In der durch die Beseitigung des Vaters hergestellten Situation lag ein Moment, welches im Laufe der Zeit eine außerordentliche Steigerung der Vatersehnsucht erzeugen mußte. Die Brüder, welche sich zur Tötung des Vaters zusammengetan hatten, waren ja jeder für sich vom Wunsche beseelt gewesen, dem Vater gleich zu werden, und hatten diesem Wunsche durch Einverleibung von Teilen seines Ersatzes in der Totemmahlzeit Ausdruck gegeben. Dieser Wunsch mußte infolge des Druckes, welchen die Bande des Brüderclan auf jeden Teilnehmer übten, unerfüllt bleiben. Es konnte und durfte niemand mehr die Machtvollkommenheit des Vaters erreichen, nach der sie doch alle gestrebt hatten. Somit konnte im Laufe langer Zeiten die Erbitterung gegen den Vater, die zur Tat gedrängt hatte, nachlassen, die Sehnsucht nach ihm wachsen, und es konnte ein Ideal entstehen, welches die Machtfülle und Unbeschränktheit des einst bekämpften Urvaters und die Bereitwilligkeit, sich ihm zu unterwerfen, zum Inhalt hatte. Die ursprüngliche demokratische Gleichstellung aller einzelnen Stammesgenossen war infolge einschneidender kultureller Veränderungen nicht mehr festzuhalten; somit zeigte sich eine Geneigtheit, in Anlehnung an die Verehrung einzelner Menschen, die sich vor anderen hervorgetan hatten, das alte Vaterideal in der Schöpfung von Göttern wieder zu beleben. Daß ein Mensch zum Gott wird und daß ein Gott stirbt, was uns heute als empörende Zumutung erscheint, war ja noch für das Vorstellungsvermögen des klassischen Altertums keineswegs anstößig. Die Erhöhung des einst gemordeten Vaters zum Gott, von dem nun der Stamm seine Herkunft ableitete, war aber ein weit ernsthafterer Sühneversuch als seinerzeit der Vertrag mit dem Totem.

In this evolution I am at a loss to indicate the place of the great maternal deities who perhaps everywhere preceded the paternal deities. But it seems certain that the change in the relation to the father was not restricted to religion but logically extended to the other side of human life influenced by the removal of the father, namely, the social organization. With the institution of paternal deities the fatherless society gradually changed into a patriarchal one. The family was a reconstruction of the former primal horde and also restored a great part of their former rights to the fathers. Now there were patriarchs again but the social achievements of the brother clan had not been given up and the actual difference between the new family patriarchs and the unrestricted primal father was great enough to ensure the continuation of the religious need, the preservation of the unsatisfied longing for the father.

Wo sich in dieser Entwicklung die Stelle für die großen Muttergottheiten findet, die vielleicht allgemein den Vatergöttern vorhergegangen sind, weiß ich nicht anzugeben. Sicher scheint aber, daß die Wandlung im Verhältnis zum Vater sich nicht auf das religiöse Gebiet beschränkte, sondern folgerichtig auf die andere durch die Beseitigung des Vaters beeinflußte Seite des menschlichen Lebens, auf die soziale Organisation, übergriff. Mit der Einsetzung der Vatergottheiten wandelte sich die vaterlose Gesellschaft allmählich in die patriarchalisch geordnete um. Die Familie war eine Wiederherstellung der einstigen Urhorde und gab den Vätern auch ein großes Stück ihrer früheren Rechte wieder. Es gab jetzt wieder Väter, aber die sozialen Errungenschaften des Brüderclan waren nicht aufgegeben worden, und der faktische Abstand der neuen Familienväter vom unumschränkten Urvater der Horde war groß genug, um die Fortdauer des religiösen Bedürfnisses, die Erhaltung der ungestillten Vatersehnsucht, zu versichern.

The father therefore really appears twice in the scene of sacrifice before the tribal god, once as the god and again as the totem-sacrificial-animal. But in attempting to understand this situation we must beware of interpretations which superficially seek to translate it as an allegory, and which forget the historical stages in the process. The twofold presence of the father corresponds to the two successive meanings of the scene. The ambivalent attitude towards the father as well as the victory of the son’s tender emotional feelings over his hostile ones, have here found plastic expression. The scene of vanquishing the father, his greatest degradation, furnishes here the material to represent his highest triumph. The meaning which sacrifice has quite generally acquired is found in the fact that in the very same action which continues the memory of this misdeed it offers satisfaction to the father for the ignominy put upon him.

In der Opferszene vor dem Stammesgott ist also der Vater wirklich zweimal enthalten, als Gott und als Totemopfertier. Aber bei dem Versuch, diese Situation zu verstehen, werden wir uns vor Deutungen in Acht nehmen, welche sie in flächenhafter Auffassung wie eine Allegorie übersetzen wollen und dabei der historischen Schichtung vergessen. Die zweifache Anwesenheit des Vaters entspricht den zwei einander zeitlich ablösenden Bedeutungen der Szene. Die ambivalente Einstellung gegen den Vater hat hier plastischen Ausdruck gefunden und ebenso der Sieg der zärtlichen Gefühlsregungen des Sohnes über seine feindseligen. Die Szene der Überwältigung des Vaters, seiner größten Erniedrigung, ist hier zum Material für eine Darstellung seines höchsten Triumphes geworden. Die Bedeutung, die das Opfer ganz allgemein gewonnen hat, liegt eben darin, daß es dem Vater die Genugtuung für die an ihm verübte Schmach in derselben Handlung bietet, welche die Erinnerung an diese Untat fortsetzt.

In the further development the animal loses its sacredness and the sacrifice its relation to the celebration of the totem; the rite becomes a simple offering to the deity, a self-deprivation in favour of the god. God himself is now so exalted above man that he can be communicated with only through a priest as intermediary. At the same time the social order produces godlike kings who transfer the patriarchal system to the state. It must be said that the revenge of the deposed and reinstated father has been very cruel; it culminated in the dominance of authority. The subjugated sons have used the new relation to disburden themselves still more of their sense of guilt. Sacrifice, as it is now constituted, is entirely beyond their responsibility. God himself has demanded and ordained it. Myths in which the god himself kills the animal that is sacred to him, which he himself really is, belong to this phase. This is the greatest possible denial of the great misdeed with which society and the sense of guilt began. There is an unmistakable second meaning in this sacrificial demonstration. It expresses satisfaction at the fact that the earlier father substitute has been abandoned in favour of the higher conception of god. The superficial allegorical translation of the scene here roughly corresponds with its psychoanalytic interpretation by saying that god is represented as overcoming the animal part of his nature.

In weiterer Folge verliert das Tier seine Heiligkeit und das Opfer die Beziehung zur Totemfeier; es wird zu einer einfachen Darbringung an die Gottheit, zu einer Selbstentäußerung zu Gunsten des Gottes. Gott selbst ist jetzt so hoch über den Menschen erhaben, daß man mit ihm nur durch die Vermittlung des Priesters verkehren kann. Gleichzeitig kennt die soziale Ordnung göttergleiche Könige, welche das patriarchalische System auf den Staat übertragen. Wir müssen sagen, die Rache des gestürzten und wiedereingesetzten Vaters ist eine harte geworden, die Herrschaft der Autorität steht auf ihrer Höhe. Die unterworfenen Söhne haben das neue Verhältnis dazu benützt, um ihr Schuldbewußtsein noch weiter zu entlasten. Das Opfer, wie es jetzt ist, fällt ganz aus ihrer Verantwortlichkeit heraus. Gott selbst hat es verlangt und angeordnet. Zu dieser Phase gehören Mythen, in welchen der Gott selbst das Tier tötet, das ihm heilig ist, das er eigentlich selbst ist. Dies ist die äußerste Verleugnung der großen Untat, mit welcher die Gesellschaft und das Schuldbewußtsein begann. Eine zweite Bedeutung dieser letzteren Opferdarstellung ist nicht zu verkennen. Sie drückt die Befriedigung darüber aus, daß man den früheren Vaterersatz zu Gunsten der höheren Gottesvorstellung verlassen hat. Die flach allegorische Übersetzung der Szene fällt hier ungefähr mit ihrer psychoanalytischen Deutung zusammen. Jene lautet: Es werde dargestellt, daß der Gott den tierischen Anteil seines Wesens überwindet.

But it would be erroneous to believe that in this period of renewed patriarchal authority the hostile impulses which belong to the father complex had entirely subsided. On the contrary, the first phases in the domination of the two new substitutive formations for the father, those of gods and kings, plainly show the most energetic expression of that ambivalence which is characteristic of religion.

Es wäre indes irrig, wenn man glauben wollte, in diesen Zeiten der erneuerten Vaterautorität seien die feindseligen Regungen, welche dem Vaterkomplex zugehören, völlig verstummt. Aus den ersten Phasen der Herrschaft der beiden neuen Vaterersatzbildungen, der Götter und der Könige, kennen wir vielmehr die energischesten Äußerungen jener Ambivalenz, welche für die Religion charakteristisch bleibt.

In his great work, The Golden Bough, Frazer has expressed the conjecture that the first kings of the Latin tribes were strangers who played the part of a deity and were solemnly sacrificed in this rôle on specified holidays. The yearly sacrifice (self-sacrifice is a variant) of a god seems to have been an important feature of Semitic religions. The ceremony of human sacrifice in various parts of the inhabited world makes it certain that these human beings ended their lives as representatives of the deity. This sacrificial custom can still be traced in later times in the substitution of an inanimate imitation (doll) for the living person. The theanthropic god sacrifice into which unfortunately I cannot enter with the same thoroughness with which the animal sacrifice has been treated throws the clearest light upon the meaning of the older forms of sacrifice. It acknowledges with unsurpassable candour that the object of the sacrificial action has always been the same, being identical with what is now revered as a god, namely with the father. The question as to the relation of animal to human sacrifice can now be easily solved. The original animal sacrifice was already a substitute for a human sacrifice, for the solemn killing of the father, and when the father substitute regained its human form, the animal substitute could also be retransformed into a human sacrifice.

Frazer hat in seinem großen Werk »The Golden Bough« die Vermutung ausgesprochen, daß die ersten Könige der lateinischen Stämme Fremde waren, welche die Rolle einer Gottheit spielten und in dieser Rolle an einem bestimmten Festtage feierlich hingerichtet wurden. Die jährliche Opferung (Variante: Selbstopferung) eines Gottes scheint ein wesentlicher Zug der semitischen Religionen gewesen zu sein. Das Zeremoniell der Menschenopfer an den verschiedensten Stellen der bewohnten Erde läßt wenig Zweifel darüber, daß diese Menschen als Repräsentanten der Gottheit ihr Ende fanden, und in der Ersetzung des lebenden Menschen durch eine leblose Nachahmung (Puppe) läßt sich dieser Opfergebrauch noch in späte Zeiten verfolgen. Das theanthropische Gottesopfer, welches ich hier leider nicht mit der gleichen Vertiefung wie das Tieropfer behandeln kann, wirft ein helles Licht nach rückwärts auf den Sinn der älteren Opferformen. Es bekennt mit kaum zu überbietender Aufrichtigkeit, daß das Objekt der Opferhandlung immer das nämliche war, dasselbe, was nun als Gott verehrt wird, der Vater also. Die Frage nach dem Verhältnis von Tier- und Menschenopfer findet jetzt eine einfache Lösung. Das ursprüngliche Tieropfer war bereits ein Ersatz für ein Menschenopfer, für die feierliche Tötung des Vaters, und als der Vaterersatz seine menschliche Gestalt wieder erhielt, konnte sich das Tieropfer auch wieder in das Menschenopfer verwandeln.