„Sehr wohl, meine Liebe. Auch ich hielt Gautsch, ehe ich mich von seiner Anständigkeit und Noblesse überzeugte, für einen Schwindler oder Verrückten.“
Sieghaft spielte ich nun meinen Trumpf aus, den Scheck. Auch in diesem Falle wirkte das gründlicher als die Erzählung. Indem sie mir riet, mich gleich morgen zu erkundigen, ob er auch echt sei, überdachten wir die Reise und alles Drum und Dran.
„Aber richtig, das Bild, zeige es mir doch!“
Es war ein überraschender Eindruck .......
Nachdem sie es lange angesehen, lehnte sie sich zurück und flüsterte in ergebenem Ton: „Glaubst du wirklich dorthin zu müssen? Dieser Mensch gefällt mir nicht. Ich weiss nicht, was es ist, aber er sieht furchtbar aus!“
Sie war nahe am Weinen.
„Aber Kind, was für Geschichten!“ Ich umarmte sie lachend. „Das ist mein alter Freund Patera, ein lieber, netter Mensch! Wenn er sein Geld auf eine künstlerische Art verbraucht, so schätze ich ihn darum nur desto höher.“
„Willst du nicht doch lieber vorher noch anderweitige Erkundigungen einziehen?“
„Ich weiss nicht, was du willst, für meinen Freund bürge ich. Dass der Scheck Wert hat, wird sich morgen erweisen, und das Traumreich scheint mir eine grandiose Idee zu sein. — Wir wollten ja doch nach Indien gehen! Aber du willst nie meine Freude ganz!“
Die letzten Worte klangen schon fast vorwurfsvoll. Ich suchte sie zu beruhigen und sie gab mir schliesslich auch recht, nannte ihre Aufwallung selbst übertrieben.
„Du sollst es sicher schön haben dort. Dann denke doch nur an die prachtvollen Anregungen, die ich bekommen werde .... Und das Geld, das ist grossartig, wie?“
Sie war nun wieder heiter, getröstet, und beschäftigte sich gleich mit den praktischen Fragen der Übersiedelung. Ich hingegen fühlte mich schon ganz als Traummensch, und fabulierte darauf los .... Immer wieder sah ich das Bild und den Scheck an, und verliebte mich in beide ein wenig ....
....Der Morgen graute, als wir endlich einschliefen .....
VI
Eine Stunde vor Eröffnung der Kassen war ich auf der Bank. Für mein Papier erhielt ich ein dickes Paket dreimal durchgezählter Scheine. Und als ich meinen Schatz in Händen hielt, konnte ich nicht schnell genug eine Droschke besteigen, um ihn in Sicherheit zu bringen.
Zu Hause erwartete mich ein Brief von Gautsch: er könne nicht mehr kommen, es tue ihm sehr leid, aber neue Befehle hinderten ihn daran. Er riet uns dringend, wegen der in Aussicht stehenden Winterstürme auf den beiden zu durchschiffenden Meeren, möglichst bald abzufahren. Der Brief schloss mit einem Glückwunsch für die Zukunft. Beigelegt war die Route: München — Constanza — Batum — Baku— Krasnowodsk — Samarkand. Dort würden wir an der Bahn erwartet, wir seien signalisiert, ich hätte nur das Bild Pateras als Legitimation zu benützen.
Die Auflösung unseres Haushaltes war ohnehin beschlossene Sache. Alle Vorbereitungen für die grosse Reise erledigten sich unter der wackern Mitwirkung meiner Frau glatt und einfach. Meine gehobene Stimmung dauerte bis zum Schluss. Am letzten Tag, den wir in unserer alten Wohnung zubrachten, überschlich mich doch ein Wehmutsgefühl. Ich weiss nicht, ob es andern auch so geht, mich schmerzt der Abschied von mir lieb gewordenen Räumen. Hier wich wieder ein Stück Leben von mir, das fortan nur eine Erinnerung sein würde. Ich trat ans Fenster, draussen war es dunkel, alles herbstlich kahl. Gedämpft drang der Lärm der grossen Stadt an mein Ohr. Es wurde mir wirklich weh ums Herz und ich starrte in den nächtlichen Himmel. Er war übersät mit winzigen Sternen.
— Da legte sich ein freundlicher Arm um meinen Hals —.
Der nächste Tag, ein Freitag — mit dem Abendzug wollten wir fahren — wurde grösstenteils in einem Hotel am Bahnhofe verbracht. Zwei Billette der Orientlinie nach Constanza hatte ich schon bei mir. Von Bekannten, denen ich zufällig begegnete, verabschiedete ich mich, wobei ich fallen liess, dass wir nach Indien gingen. Um neun Uhr abends sassen wir im Zuge.